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Umgang mit user-generated-content
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Die Preisgabe privater Informationen ist gängige Praxis im
Web 2.0

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Web 2.0: Privatsphäre und ihre psychologischen Korrelate

    Eine Reihe psychologischer Konstrukte wurde zur Erforschung ...
Affinität zum Web 2.0: Self-Disclosure

      Wichtige Gratifikationen der Web 2.0 Nutzung sind mit self-disclosure
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Affinität zum Web 2.0: Need for privacy

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Affinität zum Web 2.0: Privatsphäre als geschützter Wert

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Affinität zum Web 2.0: Allgemeiner Wertekanon

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Methode: Online-Umfrage

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Methode: Datenauswertung

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Ergebnisse: Privatsphäre als geschützter Wert

     Item 1: „Intime Details aus dem Privatleben von Personen ohne deren
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Affinität zum Web 2.0: Allgemeiner Wertekanon nach Schwartz

     Signifikante Unterschiede zeigen sich bei den Wertetypen...
Zusammenfassung der Ergebnisse

     Der Vergleich der drei Nutzercluster führt zu folgenden Ergebnissen:
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Diskussion

     Die Gratifikationstruktur des Web 2.0 macht es insbesondere für solche
     Personen interessant, die zum...
Ausblick

     Die Generalisierbarkeit der vorliegenden Studie unterliegt Einschränkungen, da:
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Privatsphaere 2.0 (Reinecke & Trepte)

  1. 1. Privatsphäre 2.0: Konzepte von Privatheit, Intimsphäre und Werten im Umgang mit user-generated-content Vortrag auf dem Workshop „Das neue Netz“, 20. bis 22. September 2007 in Bamberg Leonard Reinecke, Sabine Trepte Hamburg Media School
  2. 2. Die Preisgabe privater Informationen ist gängige Praxis im Web 2.0 Informationen aus dem Privatleben und persönliche Erfahrungen stellen einen Großteil der Inhalte privater Blogs dar (Herring et al., 2005; Schmidt & Wilbers, 2006) Berichten über eigene Aktivitäten und Ereignisse im privaten Kontext ist eine der Hauptmotivationen von Bloggern (Lenhart & Fox, 2006; Nardi, Schiano & Gumbrecht, 2004) Die Mehrheit der Autoren ist nicht anonym, sondern gibt Hinweise auf ihre reale Identität (Huffaker & Calvert, 2005; Qian & Scott, 2007) Forschungsfrage: Wie unterscheiden sich Web 2.0 affine Internetnutzer von Personen, die weniger user-generated-content nutzen, hinsichtlich ihrer Konzepte von Privatsphäre und ihres allgemeinen Wertekanons? 2
  3. 3. Web 2.0: Privatsphäre und ihre psychologischen Korrelate Eine Reihe psychologischer Konstrukte wurde zur Erforschung des Zusammenhangs von Web 2.0 Nutzung und Privatsphäre ausgewählt Need for Privacy Geschützte Werte • Allgemeines psycholo- • Schutz der Privatsphäre gisches Bedürfnis nach als unveräußerlicher Privatsphäre Grundwert Self-disclosure Wertekanon • Generelle Bereitschaft Web 2.0 • 10 Wertetypen nach zur Selbstoffenbarung Nutzung Schwartz (1992) online und offline 3
  4. 4. Affinität zum Web 2.0: Self-Disclosure Wichtige Gratifikationen der Web 2.0 Nutzung sind mit self-disclosure verbunden, z.B. Motive für das Bloggen (Nardi et al., 2004) Gleichzeitig ist self-disclosure mit Risiken verbunden (Qian & Scott, 2007) Trotzdem geben viele Blogger Hinweise auf ihre reale Identität (Huffaker & Calvert, 2005) Web 2.0 Services sollten daher für solche Nutzer attraktiver sein, die eine höhere generelle Bereitschaft zur Selbstoffenbarung haben Hypothesen 1a/1b: Personen, die häufig das Web 2.0 nutzen, zeigen eine höhere Bereitschaft zu self- H1a disclosure in offline Kontexten als Personen, die selten das Web 2.0 nutzen. Personen, die häufig das Web 2.0 nutzen, zeigen eine höhere Bereitschaft zu self- H1b disclosure in online Kontexten als Personen, die selten das Web 2.0 nutzen. 4
  5. 5. Affinität zum Web 2.0: Need for privacy Das psychologische Bedürfnis nach Privatsphäre unterliegt interindividueller Varianz (Marshall, 1974) Dies hat Auswirkungen auf das Kommunikationsverhalten. Menschen mit hohem Need for Privacy zeigen: - weniger Interesse an interpersonaler Kommunikation (Larson & Bell, 1988) - größere Sorge in Bezug auf den Schutz ihrer Privatsphäre im Internet (Yao, Rice & Wallis, 2007) Web 2.0 Nutzung als „soziale Handlung“ (Miller & Shepherd, 2004) sollte demnach für Personen mit geringerem Need for Privacy attraktiver sein Hypothese 2: Personen, die häufig das Web 2.0 nutzen, haben ein geringeres psychologisches H2 Bedürfnis nach Privatsphäre als Personen, die selten das Web 2.0 nutzen. 5
  6. 6. Affinität zum Web 2.0: Privatsphäre als geschützter Wert Geschützte Werte sind solche Werte, die Menschen unter keinen Umständen aufzugeben bereit sind (Baron & Spranca, 1997) Anders als andere Werte werden geschützte Werte keinen Kosten-Nutzen- Abwägungen unterworfen, sondern gelten als unveräußerlich (Tetlock et al., 2000) Personen, für die der Schutz der Privatsphäre einen geschützten Wert darstellt, laufen Gefahr, bei der Nutzung des Web 2.0 mit diesem Grundwert in Konflikt zu geraten Hypothese 3: Personen, die häufig das Web 2.0 nutzen, erachten den Schutz der Privatsphäre H3 mit geringerer Wahrscheinlichkeit als geschützten Wert als Personen, die selten das Web 2.0 nutzen. 6
  7. 7. Affinität zum Web 2.0: Allgemeiner Wertekanon Schwartz (1992) legt ein universelles und kulturübergreifendes Wertesystem vor, in dem 10 Wertetypen mit unterschiedlicher motivationaler Ausrichtung unterschieden werden Die Breite der Wertetypologie nach Schwartz macht es schwer, gerichtete Hypothesen zu möglichen Self- Universa- Werteunterschieden von Nutzern mit Direction lism unterschiedlicher Affinität zum Web 2.0 zu formulieren Stimulation Benevolence Die Studie bleibt in diesem Punkt daher explorativ Conformity Tra- Hedonsim dition F1 Forschungsfrage: Unterscheiden sich Personen, die häufig das Achievment Security Web 2.0 nutzen, in ihrem allge- meinen Wertekanon von Personen, Power die selten das Web 2.0 nutzen? 7
  8. 8. Methode: Online-Umfrage Um eine Stichprobe mit möglichst heterogener Internetnutzung zu generieren, wurde von verschiedenen Web-Portalen auf die Online-Studie verlinkt Im Erhebungszeitrum von Anfang Juli bis Mitte August 2007 wurden so insgesamt 702 vollständige Datensätze gesammelt 83,8 Prozent Männer, Altersdurchschnitt 28,37 Jahre (SD = 9,83), durchschnittlich 325 Minuten Internetnutzung pro Tag (SD = 258,9) n = 30 n = 197 n=8 Online- Fragebogen n = 465 n=2 N = 702 8
  9. 9. Methode: Datenauswertung Eine Clusteranalyse führte zur Extraktion von drei Nutzergruppen mit unterschiedlicher Affinität zum Web 2.0 Ausprägung der abhängigen Variablen Self-Disclosure Web 2.0 Produzenten Clusteranalyse: (n = 229) Need for Nutzungsintensi- Privacy Web 2.0 tät Internet Umfragedaten Rezipienten (N = 702) (n = 374) Nutzung von Privatsphäre als Blogs,Chat,Foren geschützter Wert Web 2.0 Abstinenzler (n = 99) Allgemeiner Wertekanon 9
  10. 10. Ergebnisse: Self-Disclosure Web 2.0 Produzenten zeigen sowohl online als auch offline eine höhere Bereitschaft zur Selbstoffenbarung als weniger Web 2.0 affine Nutzer 4,00 3,85 3,65 3,50 3,45 3,00 a b b 2,68 2,50 2,45 2,23 2,07 2,08 Web 2.0 Produzenten 2,00 1,86 Web 2.0 Rezipienten 1,50 Web 2.0 Abstinenzler a b c a b c 1,00 0,50 0,00 Self-Disclosure: Self-Disclosure: fremde Self-Disclosure: fremde befreundete Person Person offline Person online offline 10
  11. 11. Ergebnisse: Need for Privacy Web 2.0 affine und nicht affine Nutzer unterscheiden sich nicht signifikant hinsichtlich ihres psychologischen Bedürfnis nach Privatsphäre Ein signifikanter Unterschied findet sich nur in Bezug auf self-disclosure 7,00 6,00 5,00 4,26 4,45 n.s. n.s. 4,11 Web 2.0 Produzenten 4,00 Web 2.0 Rezipienten n.s. Web 2.0 Abstinenzler 3,00 a ab b 2,00 1,00 Neef for Privacy Subskala Self- Subskala Subskala Gesamtscore Disclosure Concealment Personal Space 11
  12. 12. Ergebnisse: Privatsphäre als geschützter Wert Item 1: „Intime Details aus dem Privatleben von Personen ohne deren Einverständnis öffentlich zugänglich machen“ Web 2.0 Produzenten Web 2.0 Rezipienten Web 2.0 Abstinenzler niemals akzeptabel 89,96 % 85,56 % 93,94 % akzeptabel, wenn Gewinn groß genug 10,04 % 14,44 % 6,06 % Chi² = 6,3; p = .043 Die Affinität zum Web 2.0 hat einen statistisch signifikanten Einfluss auf die Bewertung des Schutzes der Privatsphäre als geschützten Wert Web 2.0 Rezipienten bezeichnen den Schutz der Privatsphäre mit geringerer Wahrscheinlichkeit als geschützten Wert, als Web 2.0 Produzenten und Web 2.0 Abstinenzler 12
  13. 13. Affinität zum Web 2.0: Allgemeiner Wertekanon nach Schwartz Signifikante Unterschiede zeigen sich bei den Wertetypen Stimulation, Hedonism, Benevolence und Security 4,78a Benevolence 4,58b Community-Orientierung? 4,53b 3,06a Security 3,09ab 3,42b 4,19a Hedonism 3,85b 3,47c Offenheit für Innovationen? 3,56a Web 2.0 Produzenten Stimulation 3,25b Web 2.0 Rezipienten 3,12b Web 2.0 Abstinenzler 0,00 1,00 2,00 3,00 4,00 5,00 6,00 13
  14. 14. Zusammenfassung der Ergebnisse Der Vergleich der drei Nutzercluster führt zu folgenden Ergebnissen: 1. Self-Disclosure: Web 2.0 Produzenten haben sowohl offline als auch online eine höhere Bereitschaft zur Selbstoffenbarung, als Nutzer mit geringerer Affinität zum Web 2.0 2. Need for Privacy: Über die Bereitschaft zu self-disclosure hinaus, lassen sich keine Unterschiede im psychologischen Bedürfnis nach Privatsphäre zwischen Personen mit unterschiedlicher Affinität zum Web 2.0 feststellen 3. Privatsphäre als geschützter Wert: Web 2.0 Rezipienten, die von der Selbstoffenbarung Anderer im Web 2.0 profitieren, halten die Privatsphäre seltener für einen geschützten Wert als Web 2.0 Produzenten und Abstinenzler 4. Allgemeiner Wertekanon: Web 2.0 Produzenten zeigen signifikant höhere Community-Orientierung und größere Offenheit für Innovationen. Web 2.0 Abstinenzler zeichnen sich durch ein signifikant stärkeres Sicherheits- bedürfnis aus 14
  15. 15. Diskussion Die Gratifikationstruktur des Web 2.0 macht es insbesondere für solche Personen interessant, die zumindest ein grundlegendes Interesse an der Offenbarung privater Informationen haben Dennoch ist das Web 2.0 kein Raum des grenzenlosen Exhibitionismus: Auch für die Produzenten von user-genrated-content hat die Privatsphäre einen hohen Stellenwert Web 2.0 Produzenten bewegen sich daher in einem Spagat zwischen ihrem Bedürfnis nach Mitteilung auf der einen Seite und ihrem Bedürfnis nach Privatsphäre auf der anderen Seite Am ehesten zu Kompromissen in Bezug auf den Schutz der Privatsphäre bereit sind Web 2.0 Rezipienten, die vom Zugang zu privaten Informationen Anderer profitieren, ohne die damit verbundenen Risiken tragen zu müssen 15
  16. 16. Ausblick Die Generalisierbarkeit der vorliegenden Studie unterliegt Einschränkungen, da: - eine anfallende Stichprobe zugrunde gelegt wurde, die nicht repräsentativ für die Grundgesamtheit der Onliner ist - die Einteilung ist Nutzer-Cluster auf der Nutzung von Blogs, Chat und Foren basiert, andere Web 2.0 Angebote aber ausgespart wurden Zwar belegt die vorliegende Studie die Relevanz des Themenkomplex Privat- sphäre in Bezug auf das Web 2.0 Gleichzeitig bleiben einige wichtige Fragen unbeantwortet: - Welche Wirkung hat die Nutzung von user-generated-content auf den Stellenwert der Privatsphäre? - Welchen Reiz macht das Offenbaren privater Informationen für die Gruppe der Web 2.0 Produzenten aus? - Welchen Reiz macht die Rezeption privater Informationen für die Gruppe der Web 2.0 Rezipienten aus? 16
  17. 17. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Kontakt: Leonard Reinecke Hamburg Media School Finkenau 35 22081 Hamburg + 49 (0)40 413468-25 l.reinecke@hamburgmediaschool.com 17

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