3. Semester MA PDM | Februar 2011
Hochschule Luzern - Design & Kunst, Master PDM | Track Services
Projektdokumentation von...
3. Semester MA PDM | Februar 2011
Hochschule Luzern – Design & Kunst
Institut für Design
Vertiefung Produktdesign & Manage...
INHALTS-
VERZEICHNIS
Goldnugget
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Inhaltsverzeichnis
EINFÜHRUNG
GOLDNUGGET ALS ERZÄHLUNG
Wieso eine Erzählung?
Goldnugget als Erzählung: Teil 1...
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EINFÜHRUNG
Goldnugget
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Einführung
Die vorliegende Arbeit präsentiert Goldnugget; ein Konzept für eine Web-Anwendung,
bei der GPS-tau...
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GOLDNUGGET
ALS
ERZÄHLUNG
Goldnugget
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Wieso eine Erzählung?
Bill Moggridge hat in einer Präsentation am Service Design Symposium in Kopenhagen
beha...
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Fragen an die Erzählung
1.	 Was sagt sie? Was macht sie?
2.	 Und was sehen wir im Bild? Was hören wir? Wieso sehen wir d...
Goldnugget
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Seek, Musik suchen
[Sie sitzt draussen auf der Bank.]
Ich verwende Goldnugget seit ungefähr einem halben Jah...
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Hide
Ich suche und finde lieber Musik, statt sie zu verstecken. Ich verstecke selten Musik. Der
Modus, indem man das ma...
Goldnugget
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Sand
Es gab eine Zeit, in der ich mit dem Zug zur Arbeit fuhr. Ich verunfallte mit dem Auto,
welches einen T...
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Sieve
An einem Samstagmorgen fahren meine Freundin und ich mit dem Zug in die Stadt, um
zu shoppen. Wir kommen in Oerli...
Goldnugget
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Nach Hause
[Auf dem Weg nach Hause. Ende.]
Mein Beruf ist hektisch. Um punkt fünf Uhr bin ich im Auto. Dann ...
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Einschränkung
Ursprünglich dachte ich, Goldnugget aus der Perspektive von drei Personen zu schildern.
Aus zeitlichen Gr...
Goldnugget
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Goldnugget als Erzählung: Teil 2 - Eine Alternative
Eine andere Prämisse
Die Geschichte, die ich soeben präs...
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Goldnugget gibt Punkte
Wir sind mit unserem Patenkind im Zoo. Wir besuchen die Affen, die Papageien und
die Schlangen i...
Goldnugget
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Ein Versuch sich Goldnugget anzunähern
Ich gehe tausend Jahre
um einen kleinen Teich,
und jedes meiner Haare...
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Goldnugget in einem Satz
Gerne würde ich Goldnugget in einem Satz umschreiben können. Der Satz würde dar-
über informie...
Goldnugget
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Ich habe jedoch nach wie vor Schwierigkeiten damit, Goldnugget mit einem High-Level
Konzept zu beschreiben. ...
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Goldnugget
GOLDNUGGET
ALS
SYSTEM
Goldnugget
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Wieso ein System?
Der Film vermittelt einen Eindruck davon, wie sich Goldnugget anfühlt. Dieses Kapitel
betr...
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Goldnugget bietet Spiel, Spass und Spannung wie die Kinder-Überraschungseier. Diese
Qualitäten bietet Goldnugget insbes...
Goldnugget
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Die Nutzer von Goldnugget
Ich stelle mir vor, dass die Nutzer von Goldnugget jung sind. Sie hören gerne Musi...
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Die verschiedenen Modi von Goldnugget
In diesem Abschnitt möchte ich auf die Modi von Goldnugget eingehen. Sie sind die...
Goldnugget
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Hide
Im Hide Modus versteckt man Songs. Dieser Modus unterscheidet sich von allen ande-
ren darin, dass der ...
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Seek
Lieder, die im Hide-Modus versteckt wurden, können von anderen Anwendern im Seek-
Modus gefunden werden. Nach Song...
Goldnugget
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Sieve und Sand
Die beiden Modi Sieve und Sand sind eng miteinander verknüpft. Sie können sowohl als
zwei unt...
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Goldnugget
Goldnugget
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Wie die Dinge heissen
Namen sind wichtig. Sie informieren darüber, um was es sich beim Benannten han-
delt. ...
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DER
PROZESS
Goldnugget
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Hallo?
Die erste Hälfte des dritten Semesters tauchte ich wie ein U-Boot unter. Ich vernachläs-
sigte die Pr...
33
Das böse Erwachen kam bei der Zwischenpräsentation. Da ging es den Bach runter.
Vielleicht würde mehr Struktur helfen? ...
Goldnugget
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Zeitplan, Arbeitspakete und Meilensteine
Dieses Sitzungsprotokoll zeigt, dass wir vor allem auch Arbeitspake...
35
Codesign-Workshops und Prototyping
Es freut mich, dass ich insgesamt dreimal Gruppen in mein Projekt miteinbeziehen
kon...
Goldnugget
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Der Prozess | Prototyping
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Goldnugget
Goldnugget
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Der Prozess | Prototyping
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Goldnugget
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Der Prozess | Prototyping
41
Beim zweiten Co-Creation-Workshop traf ich mich mit Freunden, um die Idee von
Goldnugget zu testen. Wäre es überhaupt i...
Goldnugget
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Auf vier CD-Rohlinge brannte ich die gleiche Playlist.
Das war einer der portablen CD-Player, der beim Pro...
4343
Andy
•	 Man sagt in Goldnugget: Ich war hier, wenn man einen Song hinterlegt. Das ist wie
eine Duftmarke zu hinterlas...
Goldnugget
4444
Andy
Martin
«Ich war hier, wenn man einen
Song hinterlegt. Das ist wie eine
Duftmarke zu hinterlassen.»
Mu...
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Roman
•	 Lustig sind Witze zu schreiben oder Verarschungen oder Insider für andere.
•	 Die Vorstellung finde ich spanne...
Goldnugget
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Der Prozess | Prototyping
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Goldnugget
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Der Prozess | Prototyping
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Den dritten Codesign-Workshop führte ich erneut mit der Klasse durch. Ich liess in
abgewandelter Form Goldnugget protot...
Goldnugget
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Prototyping
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Der Prozess | Prototyping
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Goldnugget
Im Atelier haben wir uns getroffen.
Die Teilnehmer konnten frei die Blätter im Raum positionieren.
Goldnugget
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Auf den vorgedruckten Vorlagen waren Städte abgebildet.
Mit Laptops ausgerüstet, konnten an verschiedenen ...
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Goldnugget
Simone
Carlos
Goldnugget
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Emre
Aditi
Der Prozess | Prototyping
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Goldnugget
5656
Der Prozess | Prototyping
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Goldnugget
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Der Prozess | Prototyping
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Was ist die Quintessenz? Das ist schwierig zu beurteilen. Es gibt durchaus ein paar
Hinweise darauf, dass es für gewi...
Goldnugget
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Der Prozess | Prototyping
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Widerstände
Nach wie vor gibt es Widerstände, die scheinbar nicht zu überwinden sind. Davon zeugt
die chaotische Arbeit...
Goldnugget
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Der Prozess | Widerstände
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Ein Erfolg: Mein Blog
Ich freue mich über meinen Blog. Das ist ein Erfolg für mich. Ich habe bisher sehr gute
Erfahrung...
Goldnugget
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Der Prozess | Mein Blog
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Goldnugget
66
Ausblick
Für das vierte und letzte Semester plane ich, mit dem ASPP zusammen zu arbeiten. Das
Kürzel ASPP st...
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Diese Dokumentation gibt einen vertieften Einblick in die Entwicklung von Goldnugget, der Mobile App die Musik und Ort wieder zusammenbringt

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  1. 1. 3. Semester MA PDM | Februar 2011 Hochschule Luzern - Design & Kunst, Master PDM | Track Services Projektdokumentation von Christian Schlatter vol. 2 GOLDNUGGET
  2. 2. 3. Semester MA PDM | Februar 2011 Hochschule Luzern – Design & Kunst Institut für Design Vertiefung Produktdesign & Management Track Service Design Betreuung: Andy Polaine & Nina Gellersen • • PROJEKT DOKUMENTATION VON CHRISTIAN SCHLATTER
  3. 3. INHALTS- VERZEICHNIS
  4. 4. Goldnugget 4 Inhaltsverzeichnis EINFÜHRUNG GOLDNUGGET ALS ERZÄHLUNG Wieso eine Erzählung? Goldnugget als Erzählung: Teil 1 Goldnugget als Erzählung: Teil 2 - Eine Alternative Ein Versuch sich Goldnugget anzunähern Goldnugget in einem Satz Das Gerüst der Erzählung Einschränkung GOLDNUGGET ALS SYSTEM Value Proposition Die Nutzer von Goldnugget Seek Sieve und Sand Wie die Dinge heissen Die verschiedenen Modi von Goldnugget Hide Hallo? Zeitplan, Arbeitspakete und Meilensteine Ein Erfolg: Mein Blog Ausblick Codesign-Workshops und Prototyping Widerstände DER PROZESS 7 6 5 20 30 7 23 33 17 26 62 7 21 31 15 25 60 14 24 34 18 27 65 29
  5. 5. 5 EINFÜHRUNG
  6. 6. Goldnugget 6 Einführung Die vorliegende Arbeit präsentiert Goldnugget; ein Konzept für eine Web-Anwendung, bei der GPS-taugliche Mobiltelefone zum Einsatz gelangen. Die Anwendung erlaubt es, Musikstücke an jedem Ort zu platzieren. Andere Anwender können den Song suchen, finden und darauf kommentieren. Goldnugget besteht aus dreieinhalb Modi (nach dem zweieinhalb dimensionalen skizzieren von Christoph): Suchen, Verstecken und zufällig verstecken und zufällig finden. Diese Funktionen von Goldnugget ermöglichen unter- schiedliche Erfahrungen. Diese Arbeit stellt ein mehr oder minder detailliertes Konzept vor, das nun umge- setzt werden könnte. Ein Flowchart in Form eines Posters (der Arbeit beigelegt), dient als Grundgerüst und Anleitung, wie Goldnugget aufgebaut werden könnte. Ausserdem gibt es einen Film, der aufzeigt, welchen Mehrwert Goldnugget für den Benutzer liefert. Der Film schnürt die verschiedenen Ideen und Gedanken zusammen und vermittelt sie auf anschauliche Weise. Selbstverständlich sind keineswegs alle Fragen beantwortet mit diesem Konzep- tentwurf, den ich hier präsentiere. Dies hat wohl mit der grössten Einschränkung zu tun, mit der ich mich konfrontiert sehe: Ich habe keinen annähernd realitätsgetreuen Prototypen gebaut. Ich habe versucht die Erfahrung, die Goldnugget ermöglichen soll, zu emulieren. Das reicht nicht aus. Ich glaube, dass Goldnugget enorm davon profitiert hätte, wenn es in eine annähernd authentische Form gebracht worden wäre. Das würde es erlauben, die noch bestehenden Fragen zu beantworten. Visuelle Inspiration: Prozess-Schmiere
  7. 7. 7 GOLDNUGGET ALS ERZÄHLUNG
  8. 8. Goldnugget 8 Wieso eine Erzählung? Bill Moggridge hat in einer Präsentation am Service Design Symposium in Kopenhagen behauptet, dass Prototyping im Service Design vor allem bedeute, Geschichten zu erzäh- len: «How do you actually prototype an idea for a service? And it seems, it‘s really about storytelling, it‘s about narrative.» Nach dieser Aussage ist ein zentraler Aspekt von Prototyping im Service Design das Erzählen von Geschichten. Ich glaube, dass diese Aussage relevant ist. Ich liess mich von diesem Gedanken inspirieren und konstruierte eine Erzählung. Eine Erzählung, wie ich sie versuchte zu entwickeln, erfüllt zwei Zwecke. Erstens erlaubt mir eine Erzählung über Goldnugget nachzudenken, und zwar in einer Form, in der die Benutzer und ihre Erfahrungen im Mittelpunkt stehen. Ich kann versuchen, die Frage nach der Bedeutung dieser Anwendung für die Benutzer zu beantworten. Im Verlauf des Entstehungsprozesses einer solchen Erzählung tauchen neue Ideen und Ge- danken auf, die das Konzept prägen (dies wird im Kapitel «Goldnugget als Erzählung: Teil 2» deutlich). Mit der Geschichte bilde ich Hypothesen - in der Hoffnung sie sind angemessen. Zweitens bietet eine Erzählung die Möglichkeit, eine Idee oder eben in diesem Fall dieses Service Konzept, an Dritte zu kommunizieren. Das Konzept kann zum Leben erweckt werden. Goldnugget als Erzählung: Teil 1 Mit dieser Erzählung versuche ich das Potential von Goldnugget aufzuzeigen. Im Mittel- punkt steht die Frage, wie Goldnugget für einen Anwender Wert schaffen könnte, bzw. welche Bedeutung eine solche Anwendung im Leben eines Anwenders haben würde; angenommen die Anwendung exisitere. Das Ziel dieser Erzählung ist es, die wesentlichen Aspekte von Goldnugget heraus- zuschälen. Der Film soll aufzeigen, welche Features, respektive Funktionen Goldnugget umfasst. Es soll ausserdem gezeigt werden, wie sich Goldnugget für den Nutzer «an- fühlt». Wer den Film sieht, soll das Konzept verstanden haben. Das Gerüst der Erzählung Nadine Meier heisst der Hauptcharakter der Erzählung. Sie erklärt Goldnugget. Sie erzählt über ihre Arbeit und ihre Freizeit. Wir erfahren, wann und wo sie Goldnugget verwendet. Eine kleine Geschichte entsteht, die Drittpersonen und mir helfen, Goldnugget bes- ser zu verstehen. Dadurch wird verständlicher, welche Möglichkeiten Goldnugget bietet. Es wird klarer, welche Designprobleme es zu lösen gilt. Nadine wird uns nun erklären, wie Goldnugget funktioniert. Goldnugget als Erzählung
  9. 9. 9 Fragen an die Erzählung 1. Was sagt sie? Was macht sie? 2. Und was sehen wir im Bild? Was hören wir? Wieso sehen wir das? Was wir sehen, was erzählt das über Nadine? Und was erzählt es über GN? 3. Wieso sagt sie das? Was erzählt das über Goldnugget? Übernimmt die Aussage eine weitere Funktion? Verweist sie auf etwas, das relevant ist? 4. Welche Informationen von Nadine sind wichtig? 5. Wieso sucht Nadine lieber als dass sie versteckt? Wieso habe ich sie ausgewählt? 6. Was mag Nadine an Goldnugget? Was mag sie nicht? 7. Was macht man in den verschiedenen Modi? Wie funktionieren sie? Wie unterschei- den sie sich voneinander? Wieso sind diese Modi gut? Was können sie bieten? Wel- chen persönlichen Nutzen bieten sie? Wieso benützt man diesen Modus? In welche Situation wird dieser oder jener Modus benützt? Welcher Einfluss spielt die aktuelle Situation, der Kontext, indem sich Nadine befindet? Ein Tag im Leben von Nadine Meier: Nadine Meier stellt sich vor [Zu Hause in ihrem Zimmer.] Ich heisse Nadine Meier und ich bin 22 Jahre alt. Ich wohne zu Hause bei meinen Eltern; bald werde ich mit meinem Freund zusammen ziehen - wahrscheinlich diesen Sommer. Ich habe eine jüngere Schwester; sie ist 16 und heisst Andrina. Sie hat das «Wochenende-Wodka-trinken» entdeckt. Ich arbeite als Tiermedizinische Praxisassis- tentin im Tierspital Zürich. In meiner Freizeit reite ich gerne. Ausserdem gehe ich in Regensdorf ins Krafttraining - in der Nähe des Mövenpick Hotels. Ich brauche das als Ausgleich. Sonst werde ich unruhig. Als ich achtzehn wurde, machte ich die Autoprüfung. Kurz darauf kaufte ich mir ein Auto. Seither fahre ich mit dem Auto zur Arbeit. Auf dem Weg zur Arbeit höre ich mir immer Musik an. Ganz unterschiedliche. Rock. Pop. Techno. Ich bin nicht auf eine Stilrichtung festgefahren. Ich höre, was mir gefällt. Gewisse Leute hören nur Techno oder nur Rock. Ich bin anders. Ich bin durch meinen Freund auf Goldnugget gestossen. Es ist eine so genann- te Web-Anwendung. Das heisst, ich kann Goldnugget von jedem Browser anwählen. Goldnugget kennt vier verschiedene Modi: Seek, Hide, Sand und Sieve. Wenn man sich anmeldet, dann wird man aufgefordert, seine zehn Lieblingssongs aus seiner Bibliothek auszuwählen und hoch zu laden. Goldnugget hat mich gepackt, weil ich gerne Musik höre. Ich bewege mich draussen und kann neue Musik entdecken. Ich erfahre, was fremde Menschen für Musik hören und was sie dazu denken und fühlen. Es ist, als ob ich für die Dauer des Songs mich in den Köpfen dieser Leute aufhalte.
  10. 10. Goldnugget 10 Seek, Musik suchen [Sie sitzt draussen auf der Bank.] Ich verwende Goldnugget seit ungefähr einem halben Jahr. Am liebsten suche ich nach neuer Musik. Das macht man im Seek Modus. Über Mittag gehe ich oft in den Irchelpark spazieren. Ich suche dort nach Songs. Im Sommer gibt’s mehr Songs zu finden als im Winter. Ich mag die Kommentare, die die Leute zusammen mit der Musik hinter- lassen. Die Kommentare sind ebenfalls saisonalen Schwankungen unterworfen. Wenn ich einen Song finde, dann geht bei mir immer etwas durch den Kopf. Ich stelle mir zum Beispiel vor, wie die Leute angezogen waren, als sie den Song versteckten. [Sie ist unterwegs im Park. Sie sucht nach Songs.] Ein User namens Rolf Richter hat diesen Song hinterlegt. Hm. An einem Sonntag war das, als er hier war. Ich stelle mir vor, dass er leicht friert, wie ich jetzt. Er hat Turn- schuhe und Trainerhosen an, obwohl es knietief Schnee hat. Er blickt aufs Wasser und fragt sich, wo die Enten hingehen, wenn der See zufriert. Er kneift die Augen zusam- men [Nadine kneift die Augen zusammen]. Er wendet sich seinem Mobiltelefon zu. Er schreibt: «Der Atem einer Frau wärmt mein Herz.» und hinterlässt einen Song von «The Martinis». Wie süss! [Pause, man würde Song erwarten. Man hört ihn nicht hier, sondern am Schluss. Geräu- sche von draussen.] Allerdings sind nicht alle Aussagen auf Goldnugget wie Gold. Da gibt’s auch Kat- zendreck. [Einstellung auf Nadine.] Goldnugget als Erzählung
  11. 11. 11 Hide Ich suche und finde lieber Musik, statt sie zu verstecken. Ich verstecke selten Musik. Der Modus, indem man das macht, heisst Hide. Vor etwa einer Woche, da ist bei einer Untersuchung eine rote Katze durch die Büchse und ich habe darauf einen Song gepostet. [Sie sitzt auf einer Bank.] Diese Katze war für einen ganzen Tag unauffindbar. Meine Kollegin, der das Miss- geschick passierte, war völlig ausser sich. Was würden wir den Besitzern auch sagen?! Sorry, wir haben ihre Katze verloren? Meine Arbeitskollegin tat mir total leid. Am Abend beim Eingang da fand ich die Pisskatze. Hinter dem Gebüsch war der Kater und schnurrte, als ob nichts gewesen wäre. Ich war der Held. [wieder Einstellung auf Nadine, dazwischen Einstellungen des Tierspitals. Leere Räu- me.] Meine Kollegin wollte nicht aufhören, sich bei mir zu bedanken. Ich habe auf dieses Ereignis hin am Fundort [Karte] einen Song hinterlassen. [Bild iPhone, Goldnugget in Safari Browser. Interface im Zustand, wie wenn Song hochgeladen werden würde. Song: Flogging Molly - Devil’s Dance Floor. Text, den sie hinterlässt: «Für einen Tag ist ein roter Kater abgetaucht. Ich habe ihn gefunden. Die Kleintierklinik feiert seine Rückkehr. Party on!!!»]
  12. 12. Goldnugget 12 Sand Es gab eine Zeit, in der ich mit dem Zug zur Arbeit fuhr. Ich verunfallte mit dem Auto, welches einen Totalschaden erlitt. Man konnte nichts mehr reparieren. Mir ist nichts passiert. In dieser autolosen Zeit pendelte ich mit der S-Bahn zur Arbeit. Es war eine Zeit, in der ich mit meinem Freund ständig stritt. Es war schwierig. Ich hörte regelmäs- sig Coldplay. Wenn ich Goldnugget im Sand Modus habe, dann platziert es an zufälligen Orten einen Song – das ist ein Song, den ich gerade höre, zusammen mit einem Song aus dem Pool. Goldnugget informiert mich nicht darüber, wo der Song hinterlegt wurde. Das bleibt ein Geheimnis - bis ich den Song zufällig finde. Goldnugget als Erzählung
  13. 13. 13 Sieve An einem Samstagmorgen fahren meine Freundin und ich mit dem Zug in die Stadt, um zu shoppen. Wir kommen in Oerlikon an. An der Bushaltestelle warten wir. Da tönt es, als ob ich eine SMS bekommen hätte. Ich greife in meine Handtasche und krame mein Handy hervor. Ich habe von Goldnugget eine Nachricht erhalten. [Geräusch, als ob man SMS erhält]. Ich lache auf. Meine Freundin schaut mich verdutzt an. Ich erzähle ihr von jener Zeit, als ich Coldplay hörte, mit dem Zug zur Arbeit fuhr und mit meinem Freund jeden zweiten Tag stritt. Ich war jeden Tag scheisse drauf. An dieser Stelle habe ich «Cemeteries of London» von Coldplay gehört, wie mir Goldnugget mitteilt. Zu dieser Erinnerung habe ich einen Song von Goldnugget erhalten, und zwar «Creep» von Apo- calyptica. Was für ein Creep ich war. Ich war ein Emo, der nachts auf Friedhöfen her- umstreifte, um seine Wunden zu lecken. Da hat mir Goldnugget ein schönes Musikpaar beschert. Was für ein Zufall! Meine Freundin verstand - und wir lachten. [In ihrem Zimmer] Ich mag den Sand und Sieve Modus. Wenn ich an einem Ort spaziere, dann erinnert mich Goldnugget daran, dass ein Song von mir versteckt wurde. Das mag ich sehr. Ich fühle mich in diese Zeit zurückversetzt, als ich den Song gehört habe. Zudem erhält der Song eine neue Bedeutung durch den zweiten Song, den mir Goldnugget vorschlägt.
  14. 14. Goldnugget 14 Nach Hause [Auf dem Weg nach Hause. Ende.] Mein Beruf ist hektisch. Um punkt fünf Uhr bin ich im Auto. Dann geht’s schnell. Ich will dann entweder nach Hause, um das Pferd auszureiten - oder ich gehe ins Kraft- training. Auf der Heimfahrt höre ich mir den Song an, den ich an diesem Tag entdeckt habe. Ich frage mich, was diese Leute in dem Moment so machen, deren Musik ich gefunden habe. [Nadine stellt sich die Menschen vor, die auf Goldnugget Songs hinterlassen. Einspielen des Songs von Rolf Richter. Song von Amy Winehouse. Fotos der Leute am Bahnhof, erstes Foto: Rolf Richter, dann alle anderen User mit ihren Namen. 1. Rolf Richter 2. Joe Sagantini 3. Mira Walder 4. Eugen Lacher 5. Sandra Berg.] Goldnugget als Erzählung
  15. 15. 15 Einschränkung Ursprünglich dachte ich, Goldnugget aus der Perspektive von drei Personen zu schildern. Aus zeitlichen Gründen habe ich darauf verzichtet, weil es bedeutet hätte, dass ich mit drei Schauspielern anstelle nur mit einem arbeiten müsste. Der Nachteil der jetzigen Variante liegt darin, dass ich nicht aufzeigen kann, wie Goldnugget lose unterschiedli- che Menschen über Musik verbindet. Ich hätte aufzeigen können, wie sich die Leben der Charaktere überlappen, obschon sie augenscheinlich wenig miteinander zu tun haben.
  16. 16. Goldnugget 16 Goldnugget als Erzählung: Teil 2 - Eine Alternative Eine andere Prämisse Die Geschichte, die ich soeben präsentiert habe, basiert auf einer Prämisse, die Gold- nugget weniger stark als Spiel formuliert. Ich verfolgte den Gedanken, dass Goldnugget mehr einem Spiel gleichen könnte. Dass es vielleicht Punkte geben würde, die die Benut- zer motivieren würden. Ich dachte daran, dass unterschiedlichste Aktivitäten innerhalb von Goldnugget belohnt würden. Nicht nur das Verstecken von Songs würde belohnt werden, sondern auch das Finden und Kommentieren von Songs. Diese Konzeption von Goldnugget erschien mir zuerst reizvoll. Ich dachte, es sei ein gutes Vorhaben, wenn ich diese Stossrichtung verfolgen würde. Ich realisierte bei einem Experiment unter Freunden, dass diese Idee dem Grundgedanken von Goldnugget eher abträglich gewesen wäre. Es soll so einfach wie möglich sein, wurde mir gesagt. Punkte wären bloss Ballast. Die nachfolgende Geschichte basiert also auf der Idee, Goldnugget könnte mehr ein Spiel sein. Anstelle einer Auszeit aus dem hektischen Alltag zu bieten, trägt Goldnugget eher zur Hektik bei, weil man darauf bedacht ist, möglichst viele Punkte zu sammeln. Goldnugget etabliert eine andere Realität als in der vorhergehenden Geschichte gezeich- net wurde. Goldnugget als Erzählung
  17. 17. 17 Goldnugget gibt Punkte Wir sind mit unserem Patenkind im Zoo. Wir besuchen die Affen, die Papageien und die Schlangen in ihren kleinen aber feinen Häuschen. Nach den vielen Tieren ist uns schlecht. Auf einer Bank ruhen wir uns aus. Der kleine Junge spielt auf seinem Game Boy und wir klinken uns bei Goldnugget ein. Wir wollen einen Song hinterlegen. Wir entscheiden uns für «We No Speak Americano». Dazu schreiben wir folgende Nach- richt: «Ich nicht Zoo. Und überhaupt, der Affe hat mir mein Pop Corn geklaut!» Bling—ein Punkt mehr! Und jetzt ab nach Hause, das Patenkind friert. Am nächsten Morgen sind wir knapp dran. Der Zug hat Verspätung. Im Haupt- bahnhof Zürich angekommen, eilen wir zur nächsten Tramstation. Den Menschenströ- men versuchen wir auszuweichen. Erfolglos. Wir sind genervt. Ah! Wir haben zufällig einen Song gefunden. Wir lesen den Kommentar zum Song: «Für die Schleckmäuler unter uns habe ich diesen Song neben dem Fruchtgummi-Geschäft platziert; Lolipop von den Chordettes.» Ha. Im Tram hören wir den Song ein zweites Mal, weil er uns so gut gefällt. Ein weiterer Punkt wird uns gutgeschrieben. Wir sind nun im Geschäft. Der ganze Morgen war mit Sitzungen gefüllt. Wir sind kaum dazu gekommen, die Emails zu beantworten, geschweige denn überhaupt Arbeit zu erledigen. Wir wollen alleine sein, um etwas Energie zu tanken. Wir entscheiden uns, den Mittag ohne unsere Arbeitskollegen zu verbringen, um dem Zürcher Seebecken ent- lang zu spazieren. Wir wollen auf Schatzsuche gehen und ein paar Musikstücke finden. Wir finden «San Sebastian» von Joe Zawinul und «Paranoid» von Black Sabbath. Wir erhalten für diese zwei Fundstücke zwei Punkte. Im Verlauf des späteren Nachmittags; wir arbeiten konzentriert an ein paar Power- Point Folien und hören über Kopfhörer Musik, da klopft uns ein Arbeitskollege auf die Schultern: «Na, du alter Schwede - jetzt hast du 17 Punkte; zwei mehr als ich. Wart nur, bis Samichlaus hab‘ ich dich eingeholt! Ich übergebe dir den Titel des Schatzmeisters 2010 nicht kampflos.» Goldnugget erlaubt es, Wettbewerbe innerhalb einer Gruppe über einen festgeleg- ten Zeitraum zu veranstalten. In diesem Fall hat unsere zehnköpfige Designagentur den Wettbewerb unter den Mitarbeitern lanciert. Der Wettbewerb dauert bis am 24. De- zember 2010. Als Preis winkt Johnny Depp‘s Schweiss gefleckter Hut, den er in «Pirates of the Caribbean» getragen hat. Alle unsere Arbeitskollegen sind mit Begeisterung bei Goldnugget beteiligt und wollen den goldigen Preis gewinnen.
  18. 18. Goldnugget 18 Ein Versuch sich Goldnugget anzunähern Ich gehe tausend Jahre um einen kleinen Teich, und jedes meiner Haare bleibt sich im Wesen gleich, im Wesen wie im Guten, das ist doch alles eins; so mag uns Gott behuten in dieser Welt des Scheins!   Christian Morgenstern Goldnugget hat eine poetische Note. Es verbindet das Leichte mit dem Schweren, das Spielerische mit dem Ernsten. Die Botschaft von Rolf Richter, die Nadine auf dem Steg des Teichs findet, hat diese Qualitäten. Es hat etwas Sehnsüchtiges und dennoch wissen wir nicht, ob es vielleicht doch nicht ganz so ernst gemeint war. Nadine glaubt es ihm und nimmt die Aussage wörtlich. Sie findet seinen Kommentar süss. Goldnugget unternimmt den Versuch, die Zeit anzuhalten und zu strecken. Die Zeit spielt eine wichtige Rolle. Nadine erlebt das: Sie wird von Goldnugget daran erinnert, dass sie an der Bushaltestelle einmal den Song «Cementeries of London» hörte. Schein- bar verbindet sie diesen Song mit einer Zeit, als es ihr «scheisse» ging. Der zweite Song ermöglicht ein reflexiver Moment, ausgelöst durch den Titel. Aus der Distanz erkennt sie, dass sie von ihrer Schwermut absorbiert war. Sie lacht mit ihrer Freundin darüber, weil sie sich vermutlich schämt, in ihrem Selbstmitleid gebadet zu haben. Goldnugget fördert Momente, die Selbsterkenntnis begünstigen. Es geht darum, sich bewusster werden zu lassen, was um einen herum passiert. Die Person, die nach einem Song sucht, ist angehalten genau zu schauen. Mit dem Mobilte- lefon wird die Umgebung abgesucht. Wo könnte der nächste Song sein? Wer sucht hat vielleicht Glück und findet unmittelbar. Meistens braucht es Geduld, bis ein neuer Song entdeckt wird. Es braucht Zeit. Goldnugget zelebriert Gemütlichkeit. Seine Benutzer sollen für ihre Beharrlichkeit belohnt werden, wenn sie einen Song finden. Der Song soll ihnen ein Tor in eine unbe- kannte Welt eröffnen. Dieser Anspruch von Goldnugget ist hoch und verweist darauf, wie enorm wichtig der Inhalt ist, den die Benutzer beisteuern. Die Beiträge, sprich die Songs und Kommen- tare, sollen für andere Benutzer wie Goldstückchen sein und nicht wie Katzendreck. Die Beiträge sollen unterhalten. Sie sollen Spass machen. Sie sollen zum Denken anregen. Das ist viel verlangt. Wie Goldnugget genau versucht, Teilnehmer zu interessanten Inhalten anzuhalten, weiss ich nicht. Ein Versuch besteht darin, den Nutzer dazu auf- zufordern, am Anfang zehn seiner Lieblingssongs hoch zu laden. Dies stellt eine Hürde dar: Nicht alle sind bereit mitzumachen. Es wird Personen geben, die das abschrecken wird. Und andere, die werden davon angespornt sein. Es geht nicht anders, als es einfach auszuprobieren und zu testen. WER DENN? Goldnugget als Erzählung
  19. 19. 19 Goldnugget in einem Satz Gerne würde ich Goldnugget in einem Satz umschreiben können. Der Satz würde dar- über informieren, was Goldnugget ist und was es kann. Dieser Satz wäre die Synthese- leistung von mir. Ich stelle mir vor, dass der Satz mit «Goldnugget ist wie...» beginnt. Dieser Satz würde die Kernidee herausschälen. Er wäre gleichzeitig das High-Level Konzept von Goldnugget. Don Norman berichtet an einer Konferenz über Nicolas Hayek, der die Schweizer Uhrenindustrie in den 1970er Jahren modernisierte. Hayek positionierte die Uhr neu, indem er ihr eine neue Bedeutung gab. Eine Uhr war nicht mehr länger ein Statusobjekt, sondern ein Modeaccessoire. Und wie man mehrer Modeaccessoires besitzt, besitzt man mehrere Uhren von Swatch. Diese Auffassung war damals radikal. Norman behauptet, dass der Auftrag von Designer mitunter darin bestehe, die Bedeutung von Objekten zu verändern, um neue Impulse zu setzen. In diesem geschilderten Fall hat die neue Bedeu- tung in einem Satz platz gefunden: Eine Uhr ist wie ein Modeaccessoire. Dieser Satz schält das High-Level Konzept von Swatch Uhren heraus. Eine solche Auffassung hat mächtige Implikationen für die Designabteilung von Swatch. Fähig zu sein, ein High-Level Konzept zu formulieren, das griffig ist, kann enorm hilfreich sein. Es gibt die Stossrichtung unmissverständlich vor. Es ist der Lackmustest für den Designer.
  20. 20. Goldnugget 20 Ich habe jedoch nach wie vor Schwierigkeiten damit, Goldnugget mit einem High-Level Konzept zu beschreiben. Ich denke an verschiedene Metaphern, die das Konzept verpa- cken könnten: • Goldnugget ist wie eine Tauschbörse der Erfahrungen in Musik und Text. Wer gibt, der bekommt. • Goldnugget ist wie eine Feder, die überraschend dem Kopfkissen entweicht. Wo sie hinfliegt? Man weiss es nicht. Sie geniesst den Tanz im pfeifenden Wind. • Goldnugget ist die wie die Slow Food Bewegung der Musik. • Goldnugget ist wie ein Papagei, der einen überall dorthin begleitet, wo man hingeht. Er spricht und sagt, was man ihn lehrt. Wann er spricht ist eher überraschend, weil wir es nicht vorhersagen können. • Goldnugget ist wie die Butterkekse der Grossmutter. Sie zergehen wie Butter auf der Zunge. Sie sind herrlich uncool und doch begehrt bei allen. • Goldnugget ist wie Max und Moritz die heimlich eine Lücke in die Brücke sägen. • Goldnugget ist wie der Harry Potter der mobilen Musik. Der Zauber lässt nicht lange auf sich warten. Die Welt ist voller Überraschungen. • Goldnugget ist wie das Jazz Festival von Montreux. Nur ist es überall. • Goldnugget ist wie Facebook der Musik im urbanen Raum. Nur besser, weil es musi- kalische Gedankenblasen erlaubt. Die Frage ist berechtigt: Weshalb soll so ein Satz gut sein? Ich glaube, dass es dabei dienen würde, Goldnugget weiter zu konkretisieren. Bei jeder Designentscheidung, die ich treffen würde, könnte ich mich fragen: Ist dieser Entscheid im Dienst des übergeord- neten High-Level Konzepts? Ich denke, dass eine solche Designphilosophie, ein solcher Designgedanke, extrem hilfreich sein kann, wenn es darum geht, ein konsistentes Gan- zes zu erreichen. In dem Mass wie ein solcher Satz hilfreich ist, lastet eine grosse Verantwortung auf ihm. Ein ungeeigneter oder nicht passender Satz schadet mehr als kein Satz. Goldnugget als Erzählung
  21. 21. 2121 Goldnugget GOLDNUGGET ALS SYSTEM
  22. 22. Goldnugget 22 Wieso ein System? Der Film vermittelt einen Eindruck davon, wie sich Goldnugget anfühlt. Dieses Kapitel betrachtet Goldnugget nicht als Experience sondern als System. Das Pendant zum Film wäre das Poster, das der Dokumentation beigelegt wurde. Das Poster zeigt die einzel- nen Elemente von Goldnugget, wie sie aufeinander aufbauen und eine sinnvolle Einheit bilden. Das Poster ist im Prinzip nichts anderes als eine geordnete Zusammenstellung von Aktivitäten, die Goldnugget ermöglicht. Diese Form über Goldnugget nachzudenken, hat mir geholfen, das Konzept weiter zu konkretisieren. Value Proposition John Thackara besuchte uns in Luzern für einen Workshop. Er meinte im Hinblick auf Service Design, dass jedes Service Design Konzept darüber Aufschluss geben sollte, wie Wert kreiert wird. Bei einem Produkt mag der Wert offensichtlicher sein. Bei einem Ser- vice hingegen ist die Bedeutung, respektive der Wert, den die Dienstleistung hat, nicht immer sofort eindeutig klar. Ich möchte in diesem Abschnitt den Versuch unternehmen, den Wert von Goldnugget zu klären. Der Wert lässt sich vielleicht mit dem Begriff der Bedeutung gut umschreiben. Der Wert ist nicht monetär. Goldnugget ermöglicht einen persönlichen Wert. Es geht mehr um die Bedeutung, die Goldnugget bekommen könnte. Eine der Funktionen von Goldnugget ermöglicht es den Nutzern, neue Musik ken- nen zu lernen. Wer einen Song sucht und findet, der entdeckt damit neue Musik. Es ist zumindest wahrscheinlich, dass die Person das Musikstück nicht kennt. Es ist klar, dass man nicht weiss, was einen erwarten wird. Überrascht wird man allemal. Und das ist wohl die zweite Komponente von Goldnugget. Man wird überrascht. Good Magazine schrieb einen Doodle Wettbewerb aus und bat ihre Leserschaft, Skizzen einzureichen, die erläutern, wie man sich in der Stadt abgrenzen könnte. Meine Antwort wäre gewesen: mit Goldnugget. Goldnugget ermöglicht es zur Ruhe zu kom- men. Ich kann eine Auszeit nehmen, die Kopfhörer überstülpen und weg bin ich mit der Musik, die ich höre. Goldnugget fördert das, wenn man nach Musik sucht. Es hilft ei- nem, in eine andere Welt abzutauchen. Eine Welt, die sich nicht unmittelbar erschliesst. Wenn ich nach Songs suche, brauche ich Zeit. Es kommt zur Entschleunigung. Das Schrittempo verlangsamt sich. Nadine liefert Goldnugget eine Auszeit aus dem hektischen Alltag. Da ist Goldnug- get wie die Zigarette, die es erlaubt, durchzuatmen und in sich zu kehren. Nadine würde vielleicht sagen: «Mein Beruf ist hektisch. Goldnugget gibt mir die Möglichkeit, für mich allei- ne Zeit zu verbringen. Ich brauche Zeit, um Songs zu suchen. Ich brauche Zeit, um mir die Songs anzuhören. Das gefällt mir. Es gefällt mir, dass es etwas ist, was ich einfach für mich habe. Und das Beste daran ist, ich werde nicht mehr schräg angeschaut, wenn ich über Mittag alleine bin. Ich mache ja dieses Spiel.» Goldnugget als System
  23. 23. 23 Goldnugget bietet Spiel, Spass und Spannung wie die Kinder-Überraschungseier. Diese Qualitäten bietet Goldnugget insbesondere in den Modi Sieve und Sand. Bis man den Song zufällig findet, weiss man nicht, wo man ihn zufällig versteckt hat. Man weiss ebenfalls nicht, welcher Song versteckt wurde. Goldnugget bietet etwas Spielerisches. Es ist ein netter Zeitvertreib. Das ist Goldnugget, leicht wie eine Feder. Goldnugget ermöglicht es, sich auszudrücken. Es bietet eine Plattform, auf der man sich einer Öffentlichkeit mitteilen kann. Dabei ist es bedeutsam, dass diese Öffentlich- keit einen spezifischen Ort hat - im Gegensatz zur üblichen digitalen Kommunikation. Man kann mit anderen seine Erfahrung teilen, und zwar in Bezug auf einen Ort und über die Zeit hinweg. Dieser Umstand wird dadurch ermöglicht, dass Goldnugget den Zugang zu den Songs auf den Ort beschränkt, an denen sie hinterlegt worden sind. Goldnugget offeriert der digitalen Kommunikation über Musik einen Ort (dies ist für sich alleine genommen kein Differenzierungsmerkmal, weil andere Plattformen wie Foursquare ähnliches bieten). Goldnugget ist wie Graffitti an den Wänden - mit dem Unterschied, dass die Nachricht in der Bahnhofshalle von Luzern in Goldnugget nie- manden stört. Goldnugget vereint diverse Aspekte, die für sich genommen trivial anmuten. In der Kombination werden sie interessant.
  24. 24. Goldnugget 24 Die Nutzer von Goldnugget Ich stelle mir vor, dass die Nutzer von Goldnugget jung sind. Sie hören gerne Musik, während sie unterwegs sind. Sie hören ihre Musik mit dem Mobiltelefon, das GPS-fähig ist. Es sind Menschen, die andere Menschen mögen. Die Benutzer von Goldnugget sind zurückhaltend. Man trifft die Menschen, die in Goldnugget mitmachen nicht persönlich. Man kennt sie auch nicht, weil man mit ihnen gesprochen hätte. Man kennt sie, weil man ihre Songs, die sie mögen, gehört hat. Man kennt sie ein bisschen. Vielleicht hat man konkrete Vorstellungen der Menschen, deren Song man findet, wie Nadine Meier im Film. Es spielt keine Rolle, dass diese Vorstellung falsch sein könnte. Das Spiel mit der Fantasie reicht völlig aus. Ähnlich, wie wenn jemand Harry Potter liest: Die Vorstel- lungen, die ich während des Lesens entwickle, sind nicht die Gleichen, wie wenn eine andere Person das Buch liest. Ich dachte im Verlauf meines Prozesses auch an andere Nutzer. Ich stellte mir vor, man könnte wettbewerbsorientierte Nutzer durch Punkte sammeln motivieren. Wenn man eine gewisse Punktzahl erreicht hat, würde dem Spieler ein Gratisalbum zugestan- den werden. Ich glaube, dass ein Punktesystem Goldnugget unnötig aufgeblasen hätte. Ich glau- be nicht, dass dies eine gute Entscheidung gewesen wäre, die Idee mit den Punkten zu verfolgen. Im Mittelpunkt stehen nicht Punkte sondern die Erfahrungen der Nutzer. Goldnugget ist nicht für Menschen, die gerne Wettbewerbe austragen; was gewissermas- sen eine Einführung von Punkten impliziert hätte. Viel eher ist Goldnugget für Men- schen, die gerne in sich kehren; Menschen, die andere Menschen mögen und gleichzeitig eine gewisse Distanz schätzen. Goldnugget als System
  25. 25. 25 Die verschiedenen Modi von Goldnugget In diesem Abschnitt möchte ich auf die Modi von Goldnugget eingehen. Sie sind die Eckpfeiler der Anwendung. Diese Modi sind aus Anwendersicht Aktivitäten, denen man nachgeht. Sie ermöglichen gewisse Dinge und schränken andere Dinge ein. Die Aktivi- täten sind in Schritte runtergebrochen, die allesamt auf dem Poster dargestellt worden sind. Die Schritte ergeben das Flowchart. Eine kurze Bemerkung zur Aufforderung zehn Lieblingssongs hoch zu laden, wenn Nutzer ein Konto bei Goldnugget einrichten: Die Idee dahinter ist zweiteilig. Zum einen dient die Aufforderung als Hürde. Wer zehn Songs auswählt und hoch lädt, ist bereit sich aktiv an Goldnugget zu beteiligen. Zum anderen erfüllt dieses Vorgehen den Zweck, einen Pool an Songs zu generieren, von dem Goldnugget potentiell eine zufällige Auswahl treffen kann (in den Modi Hide und Sieve ist das bedeutsam). 25
  26. 26. Goldnugget 26 Hide Im Hide Modus versteckt man Songs. Dieser Modus unterscheidet sich von allen ande- ren darin, dass der Nutzer einen Notizzettel mit einem Song und einer Botschaft an eine Öffentlichkeit richten kann (eine Öffentlichkeit, die sich auf die Gesamtheit aller Nutzer von Goldnugget beschränkt). Dieser Modus erlaubt den Selbstausdruck. Nicht selten dienen Wände und Toiletten im öffentlichen Raum diesem Zweck. Goldnugget würde in diesem Modus dieses Bedürfnis nach Kommunikation im öffentlichen Raum befriedi- gen. Wie dieser Modus angelegt wurde, erlaubt er das Posten von einem Song aus einer Auswahl von drei Songs, die aus dem Pool aller Songs stammen, die von Anwendern von Goldnugget hochgeladen wurden. Dieses Vorgehen erlaubt es, neue Musik zu ent- decken: man erhält eine zufällige Auswahl. Zusätzlich adressiert dieses Vorgehen den Umstand, dass gelegentlich Nutzer keine Vorstellung davon haben, was sie Posten sollen, wenn sie dennoch das Bedürfnis dazu haben. Nichtsdestotrotz erlaubt dieser Modus ebenfalls das Posten von Songs aus der ei- genen Sammlung, die auf dem mobilen Gerät zur Verfügung steht. Denn es besteht das Bedürfnis auf die eigene Sammlung an Songs zugreifen zu können. Der Modus soll die Fantasie der Anwender fördern. Es sollen interessante Gedanken und Ideen an andere gerichtet werden. Wie der Anspruch erfüllt werden kann, ist nicht geklärt. Einerseits ist unklar, wie sich Goldnugget von Spamming schützt (eine Frage, die im Prototyping aufgetaucht ist). Anderseits verlangen die Beiträge einen gewissen Qualitätsanspruch. Wie kann das Design der Anwendung interessante Beiträge wahr- scheinlicher machen? Ich glaube, dass es möglich ist. Als schönes Beispiel lässt sich Plinky (http://www. plinky.com) anführen. Die Website stellt täglich interessante Fragen, die Personen zu interessanten Antworten inspirieren. Frage auf Plinky: «What songs must you always sing the lyrics out loud to?». Die Antwort eines Users: «Anything by the Rolling Stones MUST be sung aloud. My son says most of their lyrics are repetitive but I think that‘s why they are so fun to sing out loud. It‘s mindless and fun. AND „Hey, you, get off of my cloud!“ I‘ll sing in my awful voice that makes small children weep if I want to- „you can‘t always get what you want“ and make me shut up.» 26 Goldnugget als System
  27. 27. 27 Seek Lieder, die im Hide-Modus versteckt wurden, können von anderen Anwendern im Seek- Modus gefunden werden. Nach Songs wird gesucht, indem mit der eingebauten Kamera des mobilen Gerätes die Umgebung abgesucht wird. Sich drehende Kreise in der Umge- bung zeigen an, dass es dort einen Song zu finden gibt. Damit der Anwender den Song hören kann, ist es notwendig innerhalb des Kreises zu stehen. Sobald man im innern des Kreises steht, wird der Song freigeschaltet: Man kann ihn hören und den dazugehörigen Kommentar lesen. Dieser Modus sieht den Anwender weniger als Produzenten und mehr als Konsu- menten. Hier steht das Interesse an fremden Gedanken und Beiträgen im Mittelpunkt. Nadine sagt von sich, dass sie am liebsten nach Songs sucht und wenn sie einen gefun- den hat, dann fühle sie sich in die Köpfe der Autoren versetzt, die für die Songs und Kommentare verantwortlich zeichnen. Seek hat damit zu tun, die eigene Sichtweise auf die Welt zu erweitern. Die Frage, wie genau Songs gefunden werden, die nicht im unmittelbaren Sichtfeld sind, ist nicht vollständig geklärt. Naheliegend wäre eine Karte, auf der versteckte Songs eingezeichnet sind. Dabei wird nicht der präzise Aufenthaltsort der Lieder angezeigt, sondern lediglich ihr ungefährer. Damit kann der Anwender in das Gebiet reisen, wo es Musikstücke hat und dennoch nach Songs suchen, sprich das Geheimes über ihren Aufenthaltsort ist nicht vollends gelüftet. Eine weitere Möglichkeit bestünde darin, dass man dem Nutzer eine Dichtekarte, vergleichbar einer Wärmekarte, präsentieren würde. So könnte der Anwender Rückschlüsse darauf ziehen, wo seine Suche am ehesten von Erfolg gekrönt ist. Beide Varianten liefern einerseits Hinweise darauf, wo sich Lieder aufhalten und andererseits erlauben sie dennoch, nach Songs zu suchen. 27
  28. 28. Goldnugget 28 Sieve und Sand Die beiden Modi Sieve und Sand sind eng miteinander verknüpft. Sie können sowohl als zwei unterschiedliche Modi oder als einzelne Modi betrachtet werden. Deshalb spreche ich insgesamt von dreieinhalb Modi – und nicht von vier. Songs zufällig zu verstecken erinnert mich an einen Sämann aus Van Goghs Öl- gemälden. Da schreitet ein Mann über das ein Feld und streut Samen. Vielleicht schla- gen sie Wurzeln. Vielleicht verweht sie der Wind. Es bleibt ungewiss. Songs zufällig zu verstecken hat diese Qualität. Man weiss nicht, wo und wann ein Song versteckt wurde – bis man ihn findet. Das Verstecken wird einem erst Gewahr durch das Finden. Solange man nicht gefunden hat, bleibt der Sand-Modus etwas sehr passives. Eine andere Sicht- weise auf den Sand-Modus sieht ihn als Spur oder Faden, der gelegt wird. (Oder Brot- krümel. Ich liebäugelte mit dem Namen «Breadcrumbs» für diesen Modus.) Der eigentliche Sinn von zufällig verstecken liegt in der Funktion zufällig finden. Wenn ein Song gefunden wird, dann wird der einstige Samen zur Saat. Man freut sich darüber, einen Song gefunden zu haben, wie Nadine in der Geschichte. Im Englischen gibt es für dieses Phänomen des unbeabsichtigten Findens das schöne Wort «Serendipi- ty» (the occurrence and development of events by chance in a happy or beneficial way. Der Begriff lässt sich auf ein Buch zurückführen, indem die Helden zufällige Entdeckun- gen machten, die sie nicht wirklich suchten). Man entdeckt etwas, was man nicht erwartet hätte. Man entdeckt die eigene Spur, mit der eine Erinnerung verknüpft ist. Nadine entdeckt drei Dinge. (1) Sie entdeckt, dass sie an jener Bushaltestelle im Film jeweils «Cemeteries of London» gehört hat. (2) Sie entdeckt einen neuen Song: «Creep» von Apocalyptica. (3) Und sie entdeckt sich selbst. Das hat damit zu tun, dass sie sich erinnert diesen Song in einer bestimmte Zeit gehört zu haben. Nadine erinnert sich an eine vergangene Zeit. Sieve ist ein Modus der Selbstreflexion. Man kehrt in sich. Man erkennt, dass man an diesem Ort bereits einmal war. Man versucht sich zu erinnern: Wie kam ich an die- sen Ort? Und wohin ging ich nachher? Es wäre interessant sich zu fragen, wie dieser Modus noch mehr die Qualitäten eines Tagebucheintrags, oder zumindest eines Notizzettels, fördern könnte. Oder anders gefragt: Wie könnte man in diesem Modus dem Benutzer helfen, sich noch akkurater an vergangenes zu erinnern? Eine weitere Frage ist ungeklärt. Der zweite Song, den Nadine von Goldnugget in diesem Modus zugespielt bekommt, schafft Bedeutung für Nadine. Es kommt zu einer Wechselwirkung beider Songs. Die Erzählung ist konstruiert – und sie dramatisiert die- sen Modus. Wie könnte dieser Modus tatsächlich das bieten, was ich von ihm erwarte? Das Problem ist noch nicht gelöst. Goldnugget als System
  29. 29. 2929 Goldnugget
  30. 30. Goldnugget 30 Wie die Dinge heissen Namen sind wichtig. Sie informieren darüber, um was es sich beim Benannten han- delt. Namen können Assoziationen wecken, die bedeutungsvoll sind. Dies geschieht mit Goldnugget. Der Name gibt nicht preis, dass es sich um eine Softwareanwendung han- delt, die es erlaubt, neue Musik zu entdecken. Hingegen zeichnet der Name ein Bild von Abenteuer, verborgenen Schätzen und Freiheit. Diese Verbindungen halte ich für geeig- net. Goldnugget ist deshalb ein guter Name. 30 Goldnugget als System
  31. 31. 31 DER PROZESS
  32. 32. Goldnugget 32 Hallo? Die erste Hälfte des dritten Semesters tauchte ich wie ein U-Boot unter. Ich vernachläs- sigte die Projektarbeit total. Ich hatte Angst. Ich verweigerte die Arbeit. Irgendwie konn- te ich sie nicht tun. Ich wollte sie nicht. Mir ist es ein Rätsel. Da verweigere ich etwas, was ich selber gewählt habe. Das ist absurd. Der Prozess | Hallo?
  33. 33. 33 Das böse Erwachen kam bei der Zwischenpräsentation. Da ging es den Bach runter. Vielleicht würde mehr Struktur helfen? Als Massnahme haben Nina und ich Sitzungs- protokolle eingeführt. Nach unseren Treffen verfasste ich ein Email, das zusammenfas- sen würde, was wir besprochen haben. Hier ein Beispiel eines solchen Sitzungsprotokolls vom Mittwoch, 17. November 2010: Unser nächstes Treffen findet in einer Woche statt; am Mittwoch um 14.00 Uhr. Die darauf folgenden Treffen finden jeweils montags um 14.00 Uhr statt, und zwar am 29.11., dann am 6.12., am 13.12. und am 20.12. Die kommen- de Zeit bis und mit Weihnachten werde ich meinem Projekt widmen. Parallel dazu werde ich ein Exposé bis Mitte Dezember (13.12.) schreiben. Wir haben Arbeitspakte definiert, die ich teils bis am nächsten Samstag abge- arbeitet habe: 1. Ich schicke Nina bis am nächsten Samstag (20.11.10) den alten Zeitplan mit den verschiedenen Arbeitspäckchen, damit sie sehen kann, aus welchen Arbeitsschritten sich das Projekt nach dem alten Projektplan gliederte. 2. Ich werde Nina bis Samstag (20.11.10) ebenfalls einen aktuellen Zeitplan schicken, der alle relevanten Daten enthält, wie Abschlusspräsentationen, Abgabetermine etc. 3. Ausserdem werde ich Nina bis am Samstag (20.11.10) darüber informie- ren, wie ich die restlichen sechs Wochen dieses Jahres strukturieren möch- te. Ich werde Nina einen konkreten Plan schicken à la, zuerst mache ich a) dann b) dann c) dann weiss ich noch nicht, ob ich d) oder e) mache, aber ich werde bestimmt auch noch f) machen. Wichtig dabei: Was ist das Ziel dieser sechs Wochen oder anders - was möchte ich erreichen? Projektziel. 4. Ich werde mir bis kommenden Mittwoch (24.11.10), wenn Nina und ich uns das nächste Mal wieder treffen, Gedanken darüber gemacht haben, wie meine praktische Projektarbeit im dritten, respektive vierten Semester aussehen wird. Werde ich etwas ähnliches wie Goldnugget machen? Werde ich GN ausbauen? Werde ich etwas ganz anderes machen? Die Frage, die sich da stellt: Kann ich noch ein weiteres eher konzeptuelles Projekt machen? 5. Ich habe mir bis nächsten Mittwoch (24.11.10) Gedanken über das Exposé gemacht: Welches Thema möchte ich bearbeiten? Was interessiert mich? Eher eine theoretische Auseinandersetzung, wie «Innovation as a cognitive process» oder eher etwas Spielerisches wie «Serendipity in public spaces». Nina hatte dazu die interessante Idee, dass ich im öffentlichen Raum ein Experiment durchführen, dieses dokumentieren und anschliessend ana- lysieren könnte. Vielleicht wäre das die Reproduktion einer bekannten Performance. Vielleicht wäre das dann etwas, was eine Art Spiel wäre und ich teste Varianten des Spiels. Ich könnte mich dazu bestimmt auf Litera- tur stützen. 6. Mit Herrn Ninck Kontakt aufnehmen. Ich schreibe eine Email an Herrn Ninck und werde ihn wegen einer Betreuung für die Masterthesis anfra- gen.
  34. 34. Goldnugget 34 Zeitplan, Arbeitspakete und Meilensteine Dieses Sitzungsprotokoll zeigt, dass wir vor allem auch Arbeitspakete definiert haben. Ich formulierte eine lange Liste von Aufgaben: • Zeitplanung erstellen (siehe untenstehende Grafik. Sie gliedert die Aufgaben in sinn- volle Einheiten) • Bis am 31.12. planen. Wie viele Tage habe ich? Was kann ich wann erledigen? • Exposé verfassen bis 13.12. • Was mache ich nächstes Semester? Was für ein Projekt mache ich dann? • Struktur der Software erstellen; was heisst das? • erstellen einer Activity Map (Daniela Sagnorie, s. www.service-design-tools.org) • Wireframes der Anwendung, Grundlage für Entwicklung der Software • Personas? Wer verwendet GN, bzw. wer könnte das sein? • Service Ecology; wie sieht das aus? • Prototyping in der Gruppe, idealerweise mit Jugendlichen • Weitere Idee ausarbeiten • Stories, Drehbuch für Szenarios • Storyboard: Wie sieht dieses Storyboard aus? Nina hat mir vorgeschlagen, eventuell Paolo oder Karin zu konsultieren um Tipps einzuholen. • Projektdokumentation • Test für die Projektdokumentation • Layout in Indesign • Vieles ist anders geworden, als dass ich es geplant habe. Vieles ist nicht so geplant gewesen. Der Prozess | Zeitplan
  35. 35. 35 Codesign-Workshops und Prototyping Es freut mich, dass ich insgesamt dreimal Gruppen in mein Projekt miteinbeziehen konnte. Das erste Mal habe ich mit der Klasse in einem Workshop danach gefragt, wie die Anwendung aussehen könnte. Der Auftrag war bewusst offen gehalten, damit die Teilnehmer ermutigt waren, unterschiedliche visuelle Strategien zu explorieren.
  36. 36. Goldnugget 36 Der Prozess | Prototyping
  37. 37. 37 Goldnugget
  38. 38. Goldnugget 38 Der Prozess | Prototyping
  39. 39. 3939
  40. 40. Goldnugget 4040 Der Prozess | Prototyping
  41. 41. 41 Beim zweiten Co-Creation-Workshop traf ich mich mit Freunden, um die Idee von Goldnugget zu testen. Wäre es überhaupt interessant, Musikstücke an Orten zu hinter- lassen? Ich habe viermal die gleiche Playlist auf CD gebrannt. Im Raum verteilte ich vier verschiedene Audioabspielgeräte, entweder Laptop oder Stereoanlage. Auf Post-it’s liess ich meine Freunde ihre Gedanken inklusive einer Tracknummer notieren. Nach einer Weile rotierten wir. Die Auswertung des Experiments zeigt, dass die Teilnehmer daran Interesse hätten, in einem urbanen Raum nach Musikstücken zu suchen. Für mich war das zumal eine Bestätigung, dass Goldnugget funktioniert und insgesamt eine interessante Idee dar- stellt. Einstimmig war man der Ansicht, dass Musik bewusster gehört wird. Ausserdem hat mir dieses Experiment gezeigt, dass die Idee an sich genügt, um Spielspass zu ga- rantieren. Ich glaube, dass es kein Punktesystem braucht, wie ich mir das einmal ausge- dacht habe. Des Weiteren wurden folgende Dinge gesagt: • Spannend die Vorstellung, an verschiedenen Orten mit Musik überrascht zu werden. • Ich habe mich gefreut, an die nächste Station z u gehen. • Spannend, sich selber darstellen zu können. • Es geht darum, neue Musik zu finden. • Es entsteht eine Verbindung über die Musik zu den anderen Teilnehmern. • Es muss einfach und schnell sein. Roman 41
  42. 42. Goldnugget 4242 Auf vier CD-Rohlinge brannte ich die gleiche Playlist. Das war einer der portablen CD-Player, der beim Prototyping zum Einsatz kam. Der Prozess | Prototyping
  43. 43. 4343 Andy • Man sagt in Goldnugget: Ich war hier, wenn man einen Song hinterlegt. Das ist wie eine Duftmarke zu hinterlassen. Und natürlich ist es gut, um neue Musik kennen zu lernen. • Könnte man das Erfassen der Daten wie ein Fragebogen gestalten? Es ist für mich wichtig, dass es ganz einfach und schnell geht. Es darf nicht viel Arbeit in Anspruch nehmen, einen Song zu hinterlegen. (Anm. d. A. dies hat Auswirkungen auf das Inter- face) • In Hamburg gibt es das Phänomen Lucy von dem Street Art Künstler El Bocho (Anm. d. A. auf der Suche nach El Bocho bin ich noch auf dieses Bild von ihm gestos- sen; einfach und doch interessant). • Mich erinnert es auch ans Taggen bei den Sprayern in der Stadt. Man hinterlässt bei Goldnugget sein eigenes Logo. Sein Bild. Vielleicht hat man verschiedene Bilder zur Auswahl oder man hat sein eigenes Logo - ein Tiger, Reh oder Murmeli (er grinst). • Vielleicht könntest du nach Tags und Kleber forschen. Wieso taggen Leute? Wieso Kleben sie ihren Sticker an die Wand? Wer macht das? • Bedürfnis sich zu verewigen: Ich war hier! Darum taggen Leute die Wand • Wichtig: Leute zu verbinden; dass es eben nichts Individuelles bleibt. Vielleicht könnte man wie die Sprayer auch, zur Bekanntheit werden bei Goldnugget. • Deine Individualität online vermitteln; virtuell mit Musik und Bildern. • Eine schöne Anwendung wäre es, wenn man Erinnerungen hinterlassen könnte, in dem man etwas aufnimmt, so wie ein Tagebucheintrag; und für andere zur Verfü- gung stellt. Martin • Ich finde es spannend zu sehen, was andere auf meinen Kommentar geschrieben ha- ben oder natürlich was Leute auf meinen Song gesagt haben, den ich gepostet habe. • Musik hat bei mir viel mit Erlebnissen zu tun, die ich einmal gehabt habe; mit Erin- nerungen. • Ich finde die Frage spannend, ob es an diesem oder jenem Ort einen Song hat. Ich frage mich: „Hat es da etwas?“ • Immer in Interlaken denke ich an die Venus von Bümplitz. Vielleicht könnte man Fahrtrouten und bestimmte Musik miteinander verbinden.
  44. 44. Goldnugget 4444 Andy Martin «Ich war hier, wenn man einen Song hinterlegt. Das ist wie eine Duftmarke zu hinterlassen.» Musik hat bei mir viel mit Erlebnissen zu tun, die ich einmal gehabt habe. Der Prozess | Prototyping
  45. 45. 45 Roman • Lustig sind Witze zu schreiben oder Verarschungen oder Insider für andere. • Die Vorstellung finde ich spannend, dass man eine Nachricht per Voicemail an einem Ort hinterlassen könnte und wenn man Monate oder Jahre später wieder an diesem Ort vorbeigeht, dann kriegte man einen Telefonanruf und hört seine Nachricht, die man einmal hinterlassen hat. • Spannend wäre auch eine Anwendung, bei der man für Freunde beispielsweise auf den Geburtstag, eine Nachricht hinterlassen könnte an einem Ort, wo man weiss, dass sie da durchgehen wird. Roman
  46. 46. Goldnugget 46 Der Prozess | Prototyping
  47. 47. 47
  48. 48. Goldnugget 48 Der Prozess | Prototyping
  49. 49. 49 Den dritten Codesign-Workshop führte ich erneut mit der Klasse durch. Ich liess in abgewandelter Form Goldnugget prototypen. Auf A4-Blätter druckte ich Städte der Welt und liess Freiraum, um Songtitel und Kommentare darauf zu schreiben. Die Teilneh- mer dieses Workshops waren mit Laptops ausgestattet. Dies erlaubte, alle auf Youtube verfügbaren Songs zu “posten”. Diese Versuchsanordnung erlaubte demnach wesentlich mehr Möglichkeiten als das vorige Experiment. Die Bilder von Grossstädten der Welt beabsichtigten, die Fantasie anzuregen. Die Teilnehmer würden in ihre Tätigkeit versinken; man würde über die entfernte Destina- tion sinnieren und dazu Musik hören. Es käme das Gefühl auf, man sei an diesem Ort. Man würde sich dann von diesem Ort inspirieren lassen. Dies hat mässig funktioniert. Gewisse Personen haben versucht einen Song direkt in Bezug zum Ort zu stellen. Andere haben das komplett ignoriert. Weitere Aussagen, dieses Prototyping Workshops waren: • Ich liebe solche Sachen. Ich finde das spannend. Ich finde es super, was andere sch- reiben. Vielleicht könnte man da in der ganzen Schule testen, und zwar mit einem anderen Gerät. • Ich weiss nicht, was ich an einem Ort hören würde, wo ich noch nie war. Das ist etwas willkürlich für mich. Da fehlt mir der konkrete Bezug zu meinen persönlichen Erfahrungen. • Ich kenne Tokyo nicht. Was ich dort hören würde? Ich weiss es nicht. Entscheidender war für mich, wo der Zettel im Raum war als welche Stadt auf dem Blatt abgebildet war. • Etwas gesichtslos. Es wird mir schnell langweilig. Ich finde das nicht so spannend. • In Kopenhagen, da war ich einmal. Bei Schweizer Städten fielen mir weniger passende Songs ein. Vielleicht weil ich weniger Schweizer Musik kenne. • Der erste zu sein, der etwas auf ein Blatt schreibt, das ist schön. Ich finde das anre- gend. • Was mich störte, dass wir mit den Computern herumliefen. Das passte mir nicht. • Manchmal, da hatte ich einfach keine Ahnung, was für Musik ich hinterlassen solle. Da sitze ich ohne Idee vor dem leeren Blatt; das ist unangenehm. • Das Experiment hat zu lange gedauert. Wir hätten durchaus früher Schluss machen können. Wenn es mehr Leute gehabt hätte, wäre es wahrscheinlich interessanter ge- wesen. • Die Mitteilungen werden extrem schnell, extrem lang. Dann wird’s unübersichtlich und chaotisch. • Wie sorgst du dafür, dass man keinen Spam hat? • Die Situation war künstlich. Wenn ich meinen eigenen iPod dabei habe, ist das etwas anderes. Ich habe dann meine eigene Musik.
  50. 50. Goldnugget 50 Prototyping 50 Der Prozess | Prototyping
  51. 51. 5151 Goldnugget Im Atelier haben wir uns getroffen. Die Teilnehmer konnten frei die Blätter im Raum positionieren.
  52. 52. Goldnugget 5252 Auf den vorgedruckten Vorlagen waren Städte abgebildet. Mit Laptops ausgerüstet, konnten an verschiedenen Posten Lieder gehört werden. Der Prozess | Prototyping
  53. 53. 5353 Goldnugget Simone Carlos
  54. 54. Goldnugget 5454 Emre Aditi Der Prozess | Prototyping
  55. 55. 5555
  56. 56. Goldnugget 5656 Der Prozess | Prototyping
  57. 57. 5757
  58. 58. Goldnugget 5858 Der Prozess | Prototyping
  59. 59. 5959 Was ist die Quintessenz? Das ist schwierig zu beurteilen. Es gibt durchaus ein paar Hinweise darauf, dass es für gewisse Personen eine solche Anwendung nicht interessant ist. Das ist allerdings selbstverständlich. Für mich die wohl bedeutsamste Erkenntnis ist, dass diese Art des Testens zu ungenau ist. Dieser Test in der Klasse kam viel zu wenig der beabsichtigen Erfahrung gleich. Deshalb ist das Feedback meistens vage und unspe- zifisch, weil ich eher vage und unspezifisch getestet habe. Für mich stellt sich die Frage, ob diese Art zu protoypen im Hinblick auf Goldnugget wirklich hilfreich war. Juhan Soninn spricht diese Schwierigkeit in seinen Design Axiomen übers Inter- face Design an. Er meint lapidar «higher fidelity screens = higher fidelity feedback». Ich glaube, dass dies im präsentierten Fall zutrifft. Das Feedback auf Goldnugget war wenig brauchbar. In Anbetracht des Vorgehens möchte ich anmerken, dass ich vermutlich davon profitiert hätte, wenn ich Audioaufnahmen der Diskussion gehabt hätte. Ich hätte die Aufnahmen zu einem späteren Zeitpunkt anhören können und hätte vermutlich andere Aussagen für wichtig gehalten. Ich hätte gewissermassen ein anderes Ohr gehabt. Noti- zen zu machen ist sinnvoll; ich bin aber immer voreingenommen und tendenziös.
  60. 60. Goldnugget 6060 Der Prozess | Prototyping
  61. 61. 61 Widerstände Nach wie vor gibt es Widerstände, die scheinbar nicht zu überwinden sind. Davon zeugt die chaotische Arbeitsweise. Inzwischen bin ich zu einem Personal Development Guru mutiert. Ich habe Bü- cher wie «Making Ideas Happen» oder «The Creative Habit» gelesen, um zu verstehen, welche Einstellungen, Gewohnheiten und Ansichten der kreativen Arbeit förderlich sind. Zuletzt habe ich von Steven Pressfield «The War of Art» gelesen. Er schreibt: «There‘s no mystery to turning pro. It‘s a decision brought about by and act of will. We make up our mind to view ourselves as pros and we do it. Simple as that.» Die Lösung scheint einfach. ist klar. Ich wünsche mir in meiner Arbeit Konstanz. Regelmässigkeit. Steter Tropfen höhlt den Stein. Ich wünsche mir, dass ich das Prinzip des ewigen Tropfens verinnerliche. Dass ich trotz aller Unsicherheit und trotz allen Wi- derständen bei der Arbeit bleibe. Wir machten einen Zeitplan, mit netten Arbeitspaketen. Ob ich den eingehalten habe? Bei weitem nicht. Ich habe mich verhalten, als ob es ihn nicht gegeben hätte. Das ist enttäuschend.
  62. 62. Goldnugget 6262 Der Prozess | Widerstände
  63. 63. 63 Ein Erfolg: Mein Blog Ich freue mich über meinen Blog. Das ist ein Erfolg für mich. Ich habe bisher sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Der Blog erlaubt es mir, überschaubare Einheiten zu be- wältigen. Wenn ich einen Beitrag aufschalte, dann freue ich mich jedesmal. Ich bin stolz etwas gemacht zu haben - etwas in den Händen zu haben. Ich würde mich freuen, wenn ich neue Leser begrüssen dürfte. Hier geht’s zu meinem digitalen Sprachrohr: www.christianschlatter.ch Interessiert an Fotos? Pia Drechsel und ich führen einen Fotodialog. Besuche uns auf www.fotodialog.tumblr.com
  64. 64. Goldnugget 6464 Der Prozess | Mein Blog
  65. 65. 65
  66. 66. Goldnugget 66 Ausblick Für das vierte und letzte Semester plane ich, mit dem ASPP zusammen zu arbeiten. Das Kürzel ASPP steht für ambulanten psychiatrischen Pflegedienst. Der ASPP ist eine klei- ne Organisation, die psychisch beeinträchtige Personen zu Hause pflegt - ähnlich wie die Spitex, mit dem Unterschied, dass die Spitex vorwiegend ältere Menschen mit ihrer Dienstleistung anspricht. Der ASPP ist aktuell in einer Reorganisation. Die Dienste wer- den neu formuliert. Eine grosse Schwierigkeit für den ASPP ist die Finanzierung ihres Angebots. Oftmals sind die Klienten armutsbetroffen und können nicht für die erbrach- te Leistung aufkommen. Die Krankenkassen stehen unter zunehmendem Spardruck, weshalb sich der ASPP Schwierigkeiten hat, ihre Leistungen über die Versicherungen abzurechnen. Dies sind grosse Herausforderungen an das kleine Unternehmen. Als angehender Designer ist dieses Umfeld spannend. Es erlaubt mir, in einer Bera- terposition das Unternehmen auf dem schwierigen Weg der Neupositionierung zu be- gleiten. Ich kann zeigen, dass ich Beratungsarbeit leisten kann. Ich kann auf ein reales Problem Lösungen finden und formulieren. Bei Goldnugget kam Designresearch meiner Meinung nach zu kurz. Die Arbeit mit dem ASPP wird wahrscheinlich zu einem Grossteil darin bestehen, die Unternehmung aus der Perspektive unterschiedlicher Stakeholdern zu verstehen. Dabei kämen unter anderem Ethnographic Research, Customer Journey und Blueprints als Methoden zum Einsatz. Nach wie vor schwebt in meinem Kopf die Idee herum, Improtheater als Ideen- generator zu verwenden. Vielleicht lässt sich der Auftraggeber davon begeistern. Der Prozess | Ausblick

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