FOSS-Strategien - Red Hat vs. Oracle vs. SAP                      Raphael Bernhard, ITET, beraphae@ee.ethz.ch             ...
Inhaltsverzeichnis1 Einf¨ hrung      u                                                                                    ...
1      Einfuhrung           ¨Die Bewegung zur F¨rderung von Open Source Software besteht bereits seit vielen Jahren. Sie w...
2     Analyse der FOSS-Strategien2.1    Red HatFirmenportrait: Red Hat ist ein amerikanischer Softwarevertreiber, welcher ...
liegt. Es ist jedoch nicht so, dass Red Hat nur Innovationen aus der Community nimmt und diese umsetztoder adaptiert, sond...
2.2   OracleFirmenportrait: Das amerikanische Unternehmen Oracle geh¨rt mit einem Umsatz von 26.8 Milliarden              ...
Schl¨sseltechnologien und viele offene Standards. Zum Abschluss dieses kurzen historischen R¨ckblicks bleibt    u          ...
zur¨ckgezogen. Die Document Foundation hat mittlerweile die erste Beta Version von LibreOffice ver¨ffent-    u               ...
2.3     SAPFirmenportrait: Bei SAP handelt es sich um eines der gr¨ssten Softwareunternehmen der Welt, das gemes-         ...
• Produktivit¨t: Die Entwicklungsgeschwindigkeit kann unter Umst¨nden durch eine Community von                    a       ...
3     Vergleich der Strategien3.1    Wirtschaftlicher ErfolgRed Hat, Oracle und SAP waren in den letzten Jahren aus wirtsc...
4    Zusammenfassung und AusblickDie Analyse der Gesch¨ftsstrategien von Red Hat, Oracle und SAP hat gezeigt, dass freie S...
Literatur [1] Financial Times http://www.ft.com Abgerufen am 20. November 2010 [2] Red Hat http://www.redhat.com Abgerufen...
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Groups 2010.14: FOSS-Strategien - Red Hat vs. Oracle vs. SAP (Digital Sustainability)

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FOSS-Strategien - Red Hat vs. Oracle vs. SAP
Bericht von
Raphael Bernhard,
Hannes Vollenweider,
Felix Wermelinger

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Groups 2010.14: FOSS-Strategien - Red Hat vs. Oracle vs. SAP (Digital Sustainability)

  1. 1. FOSS-Strategien - Red Hat vs. Oracle vs. SAP Raphael Bernhard, ITET, beraphae@ee.ethz.ch Hannes Vollenweider, ITET, hannesv@ee.ethz.ch Felix Wermelinger, ITET, wfelix@ee.ethz.ch Zusammenfassung Die vorliegende Arbeit beschreibt die Rolle von freier Software bei den drei weltweit t¨tigen Soft- awareunternehmen Red Hat, Oracle und SAP. Zun¨chst werden die Gesch¨ftsmodelle und Open Source a aStrategien dieser Unternehmen vorgestellt. Anschliessend werden die Strategien aus einer wirtschaftlichenund gesellschaftlichen Perspektive verglichen. Dabei hat sich gezeigt, dass sich die Strategien dieser dreiUnternehmen, die in ¨hnlichen Gebieten t¨tig sind, in wesentlichen Punkten unterscheiden. Abschliessend a awerden die Erkenntnisse zusammengefasst und es wird ein Ausblick auf die Zukunft der freien Softwarein der Welt der Wirtschaft gewagt. Dieser Bericht entstand im Rahmen der Vorlesung ”Digitale Nachhaltigkeit in der Wissensgesellschaft” bei Dr. Marcus M. Dapp Er darf gem¨ss folgender Creative Commons Lizenz verwendet werden: a CC-BY-SA http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/ Herbstsemester 2010 ETH Z¨rich u
  2. 2. Inhaltsverzeichnis1 Einf¨ hrung u 2 1.1 Aufgabenstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 Analyse der FOSS-Strategien 3 2.1 Red Hat . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 2.2 Oracle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5 2.3 SAP . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83 Vergleich der Strategien 10 3.1 Wirtschaftlicher Erfolg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 3.2 Nachhaltigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104 Zusammenfassung und Ausblick 11 1
  3. 3. 1 Einfuhrung ¨Die Bewegung zur F¨rderung von Open Source Software besteht bereits seit vielen Jahren. Sie wurde 1985 von oRichard Stallman mit der Gr¨ndung der Free Software Foundation ins Leben gerufen. Im wissenschaftlichen uBereich erlangte freie Software schnell eine grosse Verbreitung. Dass Open Source Software in der Wirtschafteingesetzt wird, ist hingegen ein relativ neues Ph¨nomen. Lange Zeit wurde freie Software in Unternehmen anicht als gen¨gend qualit¨tssicher erachtet und oft standen freie Produkte mangels kritischer Features ausser u aDebatte. Erst vor wenigen Jahren begannen junge Startup-Unternehmen vermehrt Linux und Open SourceSoftware einzusetzen. Auch einige gr¨ssere Firmen haben bereits Teile ihrer IT Infrastruktur zu Linux mi- ogriert. Zudem besitzt Linux bereits seit einigen Jahren eine bedeutende Stellung im Markt f¨r Server und uWorkstations.Trotz diesem Trend zu freier Software haben Open Source L¨sungen im Gesch¨ftsbereich noch lange nicht o aden Stellenwert von propriet¨rer Software erreicht. Die Rolle von freier Software in der IT-Branche bleibt bis aheute ausserst umstritten. Manche Softwareentwickler betrachten freie Software als Chance f¨r eine gerech- ¨ utere Gesellschaftsordnung, w¨hrend andere Vertreter der Softwarebranche freie Software als Gefahr f¨r die a uSoftwareindustrie und das kapitalistische Wirtschaftssystem wahrnehmen und v¨llig ablehnen. Weil die Ver- otreter dieser beiden Lager nicht bereit waren, Kompromisse einzugehen, waren die Welten von Open Sourceund propriet¨rer Software in der Vergangenheit oft weitgehend getrennt. In der Softwareindustrie wird in aletzter Zeit allerdings zunehmend versucht, einen Mittwelweg zwischen diesen beiden Positionen zu finden.Mittlerweile erlauben neue Lizenzmodelle und leistungsf¨higere Open Source Produkte den gleichzeitigen aEinsatz von freier und propriet¨rer Software. Infolge dieser Entwicklung entstanden neue Firmen und auch abei etablierten Unternehmen kamen in den letzten Jahren vermehrt freie Produkte zum Einsatz.Mit der vorliegenden Arbeit sollen der zunehmende Einsatz von freier Software in der Wirtschaft und dessenAuswirkungen am Beispiel der Firmen Red Hat, Oracle und SAP n¨her untersucht werden. Zun¨chst werden a adie Gesch¨ftsmodelle und Open Source Strategien dieser Unternehmen vorgestellt. Dabei wird besonders adie Zusammenarbeit mit der Community n¨her betrachtet. Im Folgenden werden die verschiedenen Open aSource Strategien aus wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Perspektive verglichen. Abschliessend werdendie Erkenntnisse zusammengefasst und es soll ein Ausblick auf die Zukunft der freien Software in der Weltder Wirtschaft gewagt werden.1.1 AufgabenstellungWie Firmen mit FOSS1 /Linux Geld verdienen ist recht unterschiedlich; und nach wie vor nicht sehr verbreitet(obwohl sich der Markt sehr dynamisch bewegt). • Findet auf systematische (d.h. vergleichbare) Weise heraus, wie die folgenden drei Firmen ”funktionie- ren”: SAP, Oracle, Red Hat • Stellt dazu einen Frageleitfaden zusammen, ein paar Beispiele: – Gesch¨ftsmodell (wie wird Geld mit FOSS verdient?) a – Lizenzierungsmodelle (Rechte/Pflichten der Anwender) – Wie wird in 10 Jahren das Geld verdient? Auf die gleiche Weise oder anders? • Stellt Eure Fragen direkt an Vertreter der drei Unternehmen! 1 FOSS steht f¨r Free and Open Source Software u 2
  4. 4. 2 Analyse der FOSS-Strategien2.1 Red HatFirmenportrait: Red Hat ist ein amerikanischer Softwarevertreiber, welcher weltweit t¨tig ist. 1993 war aRed Hat noch ein kleines Gesch¨ft, welches kleinere Linux und Unix Programme verkaufte. Inzwischen ent- awickelte sich die Firma zu einem der gr¨ssten Unternehmen, die im Open Source Software Segment t¨tig o asind. Hauptverantwortlich daf¨r ist die hauseigene Linux Distribution ”Red Hat Linux”, welche seit ihrer uEntstehung 1994 stetig weiterentwickelt wurde. Ein Meilenstein in der Geschichte der Firma war, als sie imJahre 1999 zu einer Aktiengesellschaft wurde. Der Aktienpreis stieg schon am ersten Tag derart hoch, dasser noch bis heute, als der achtgr¨sste Ersttagesanstieg in der Geschichte der amerikanischen B¨rse gilt[1]. o oSeither hat die Firma sich uber den ganzen Globus ausgebreitet und hat inzwischen 58 Niederlassungen in ¨28 L¨ndern auf allen 6 bewohnten Kontinenten der Welt[2]. aGesch¨ftsmodell: Auch wenn Red Hat nicht der gr¨sste Vertreiber von freier Software ist, so ist Red a oHat doch wohl der bekannteste. Dies vor allem wegen des einzigartigen Gesch¨ftsmodelles von Red Hat. aIm Gegensatz zu den meisten anderen Unternehmen, die mit Open Source Software arbeiten, vertreibt RedHat ihre Software-Produkte ausschliesslich kostenlos. S¨mtliche Einnahmen des Unternehmens werden durch aSupportleistungen, Betreuung und Ausbildung der Kunden generiert. Dies gr¨ndet auf dem Grundgedanken, udass die Kosten f¨r die Entwicklung der Software nur einmal anfallen und nicht f¨r jeden Kunden eine u uneue Software geschrieben werden muss. Die Kosten sind also pro Kunde relativ klein und nicht definitivberechenbar. Die Zeit, die ein Mitarbeiter von Red Hat aufwendet, um einen Kunden zu unterst¨tzen, ihn zu ubetreuen oder auszubilden f¨llt jedoch f¨r jeden Kunden immer wieder neu an und diese Kosten werden somit a ulogischerweise auch auf diesen Kunden abgew¨lzt[2]. Red Hat hat dabei den Fokus auf Business-Firmen. Es awurden sogenannte Gesamtl¨sungen entwickelt, mit allen notwendigen Komponenten wie Betriebssystem, opassender Middleware und Serversystemen um ein funktionierendes internes Netzwerk der Firma zu bilden.Der grosse Vorteil daran ist, dass der Support deutlich einfacher und effizienter wird, wenn eine Firma f¨r udas gesamte Netzwerk denselben Anbieter w¨hlt, da dieser vollumf¨nglich informiert und kompetent ist. a aW¨rde man s¨mtliche Netzwerk- und Softwarekomponenten bei verschiedenen Anbietern beziehen, so h¨tten u a adie jeweiligen Supporter nur beschr¨nkten Horizont und kaum Erfahrung, wie ihr Produkt zusammen mit aden anderen Komponenten funktioniert. Zusammengefasst sieht sich Red Hat also nicht als Fabrik, die einProdukt herstellt und vermarktet, sondern als Dienstleistungsbetrieb, der seinen Kunden Support zur freiverf¨gbaren Software anbietet. uOpen Source bei RedHat: Aus der bereits erw¨hnten Linux Distribution Red Hat Linux haben sich ainzwischen verschiedene weitere Distributionen entwickelt. Red Hat selbst hat Red Hat Enterprise Linuxentwickelt, welches sie zusammen mit dem 2006 angekauften Middlewareprovider JBoss an Firmen vertreiben.Die parallel dazu entwickelte Linux Distribution Fedora ist vor allem an private Nutzer und ¨ffentliche oInstitutionen gerichtet. Red Hat beteiligt sich allerdings auch noch an einigen anderen Projekten. Zum Beispielarbeitet Red Hat an der Software zum Projekt One Laptop per Child mit. Ziel ist es ein kosteng¨nstiges uLaptop zu entwickeln, welches weltweit jedem Kind Zugang zu freier Kommunikation und vor allem freiemWissen erm¨glicht[5]. Seit Februar 2009 ist Red Hat zudem das Unternehmen, welches am meisten zum Linux oKernel beigetragen hat.Beziehungen zur Community: Auch wenn Red Hat ausschliesslich mit Open Source Software arbeitet, sobeschr¨nkt sich die Einbeziehung der Community dennoch vor allem auf die an Privatanwender ausgerichteten aProdukte. So steht hinter der Fedora Distribution zum Beispiel eine grosse Community, die an dem Projektmitentwickelt und innovative Ideen hat. Die Fedora Project Community besteht aus verschiedenen freiwilligenEntwicklern aus aller Welt, die sich online uber ein Forum, verschiedene Blogs und einige IRC-Channels ¨organisiert haben[4]. Viele dieser Entwicklungen werden danach von Red Hat Mitarbeitern so angepasst,dass sie optimal mit Red Hat Enterprise Linux funktionieren. Dieser Vorgang ist durchaus nachvollziehbar,da die Community aus Privatanwendern besteht und diese somit auch die das an sie gerichtete Produkteweiterentwickeln, w¨hrend Red Hat selbst vor allem an der Weiterentwicklung von Red Hat Enterprise Linux ainteressiert ist, da dort durch die Supportleistungen die eigentliche Einkommensquelle des Unternehmens 3
  5. 5. liegt. Es ist jedoch nicht so, dass Red Hat nur Innovationen aus der Community nimmt und diese umsetztoder adaptiert, sondern es wird auch viel Wissen und Innovation in die Community getragen. Es sind zumBeispiel mehrere Vollzeitentwickler an nicht hauseigenen Produkten beteiligt. Nat¨rlich ergeben sich auch uhier wieder Vorteile f¨r Red Hat selbst, da so auch Know-How aus fremden Softwarebereichen angeeignet uwerden k¨nnen, die eventuell auch bei hauseigener Software wiederverwendet werden kann. oZukunfsperspektiven: Insbesondere in den letzten Jahren war Red Hat derart erfolgreich, dass das Un-ternehmen sicherlich an der bisherigen Gesch¨ftsstrategie festhalten wird. Wie lange Red Hat bez¨glich ihrer a uGesch¨ftsstrategie ein Unikum bleibt ist jedoch fragw¨rdig, denn auch andere Unternehmen haben ”den a uBraten gerochen” und es k¨nnten schon bald einige Konkurrenten auftauchen, die ihr Einkommen ebenfalls oausschliesslich mit Supportleistungen generieren. Viele Konkurrenten stehen dem Gesch¨ftsmodell von Red aHat jedoch auch sehr kritisch gegen¨ber. Von der Community wird Red Hat jedoch als Vorbild angesehen, uda das Unternehmen sich der FOSS Philosophie angenommen hat und es tats¨chlich die Vervielf¨ltigung von a aSoftware kostenlos anbietet und nur die tats¨chlich aufgewandte Arbeit in Rechnung stellt. Ginge es nach ader Community, so w¨rden viele andere Softwarevertreiber sich ein Vorbild an Red Hat nehmen. u 4
  6. 6. 2.2 OracleFirmenportrait: Das amerikanische Unternehmen Oracle geh¨rt mit einem Umsatz von 26.8 Milliarden oUSD (im Jahr 2010) zu den weltweit gr¨ssten Firmen der IT-Branche. Oracle bedient rund 370’000 Kunden oin 145 L¨ndern und besch¨ftigt weltweit 105’000 Mitarbeiter [6]. Das Unternehmen wurde 1977 von Larry El- a alison, Bob Miner und Ed Oates gegr¨ndet. Oracle’s erstes Produkt war ein relationales Datenbanksystem. Da udie Software in C geschrieben wurde, konnte sie vergleichsweise einfach auf andere Betriebssysteme portiertwerden und fand so schnell eine grosse Verbreitung [7]. Bis heute ist das Datenbanksystem Oracle Databaseeines der bekanntesten und erfolgreichsten Produkte des Unternehmens. Seit dem Jahr 2000 hat Oracle die ¨Produktpalette durch mehrere Akquisitionen stark erweitert. Besonders erw¨hnenswert ist dabei die Uber- anahme von Sun Microsystems im Januar 2010. Damit wandelte sich Oracle von einer reinen Softwarefirmazu einem Anbieter von kompletten Systemen inklusive Hardware [8].Gesch¨ftsmodell: Oracle ist einer der wenigen Anbieter in der IT-Branche, die Unternehmen ein kom- aplettes System von der Hardware bis zu Endanwendungen bieten k¨nnen. Die Vorteile, die Oracle seinen oKunden verspricht, sind gr¨ssere Zuverl¨ssigkeit durch gemeinsames Testen der Komponenten, besseren Sup- o aport, tiefere Anschaffungskosten und eine langfristige Strategie f¨r die Weiterentwicklung des Gesamtpakets. uOracle verkauft seinen Kunden Hardware und Software und bietet Unternehmen Supportleistungen an [6]. Abbildung 1: Oracle’s ProduktpaletteIm Folgenden soll die Produktpalette von Oracle ein bisschen ausf¨hrlicher beschrieben werden. Durch die u¨Ubernahme von Sun ist Oracle im Bereich der Server und Workstations vertreten. Oracle ist damit nun auchim Besitz der SPARC Prozessorarchitektur. Ebenfalls von Sun wurden die Virtualisierungssoftware Virtu-alBox und das Betriebssystem Solaris ubernommen. Ein wichtiger Teil des Gesch¨fts von Oracle bleiben ¨ adie Datenbanksysteme. Neben Oracle Database werden die Open Source Datenbanken MySQL und BerkeleyDB angeboten. Der Bereich Oracle Middleware umfasst eine Vielzahl recht unterschiedlicher Softwarepake-te. Dazu geh¨ren beispielsweise Java Enterprise Edition Anwendungsserver, Content Management Systeme, oEntwicklungswerkzeuge und nicht zuletzt die Java Technologie, die von Sun ubernommen wurde. Zum An- ¨gebot f¨r Endanwender geh¨ren schliesslich betriebswirtschaftliche Standardsoftware, wie zum Beispiel das u oKundenmanagementsystem Siebel oder das Office-Paket OpenOffice [7].Open Source bei Oracle: Oracle’s Engagement im Open Source Bereich begann bereits 1998, als OracleDatabase zum ersten Mal unter Linux ver¨ffentlicht wurde. Im Jahr 2006 folgte mit der Ver¨ffentlichung o ovon Unbreakable Linux ein weiterer Schritt von Oracle in die Welt der freien Software. Bei UnbreakableLinux handelt es sich um ein Betriebssystem, das auf Red Hat Enterprise Linux basiert [9]. Oracle bietetUnternehmen Support f¨r Unbreakable Linux an und konkurrenziert damit das Supportangebot von Red uHat. Mit der Akquisition von Sun im Jahr 2010 bricht f¨r Oracle im Open Source Bereich ein neues Zeitalter u ¨an. Durch die Ubernahme von Projekten wie Java, MySQL oder OpenOffice erh¨lt Oracle die Kontrolle uber a ¨ 5
  7. 7. Schl¨sseltechnologien und viele offene Standards. Zum Abschluss dieses kurzen historischen R¨ckblicks bleibt u uzu erw¨hnen, dass Oracle auch intern bereits seit einiger Zeit viele Open Source Technologien verwendet. aMehr als 20’000 Entwickler bei Oracle verwenden Unbreakable Linux f¨r die Softwareentwicklung. Zudem ubetreibt Oracle mehr als 42’000 Server mit Unbreakable Linux und unterst¨tzt mehr als vier Millionen externe uund 84’000 interne Benutzer [10].Oracle steht vor der Aufgabe, die Rolle des Unterhnehmens in der Welt der freien Software klar zu definieren.Die Gesch¨ftsstrategie von Sun Microsystems kann von Oracle nicht ohne weiteres ubernommen werden. a ¨Sun’s Gesch¨ft basierte in erster Linie auf der Vermarktung von Hardware Produkten. Die Entwicklung avon freier Software sollte die Verbreitung von Sun’s Technologien f¨rdern und garantieren, dass Hardware ound Software reibungslos zusammenarbeiten. Zus¨tzlich versuchte Sun, mit Supportleistungen Geld zu ver- adienen. Oracle’s Gesch¨ft hingegen basierte bisher vorallem auf dem Verkauf von Softwarelizenzen f¨r ihre a upropriet¨ren Produkte und Supportleistungen. Oracle’s Strategie zur L¨sung dieses Konflikts beruht auf der a oAnnahme, dass Oracle’s propriet¨re Produkte und die quelloffenen Produkte von Sun koexistieren k¨nnen. a oOracle’s prim¨res Ziel besteht darin, die Bed¨rfnisse der Kunden, wie zum Beispiel Flexibilit¨t, Verl¨sslich- a u a akeit, Skalierbarkeit oder zuverl¨ssiger Support, bestm¨glichst zu erf¨llen. Gem¨ss Oracle lassen sich diese a o u aBed¨rfnisse nur erf¨llen, wenn die besten Technologien aus der Welt der freien und der propriet¨ren Software u u azusammen angeboten werden [6]. Zusammengefasst m¨chte Oracle mit der Entwicklung und Verbreitung von oOpen Source Software den Absatz ihrer propriet¨ren Produkte steigern und weiterhin Geld mit Supportleis- atungen f¨r die quelloffenen Produkte verdienen. Bei den Open Source Produkten k¨nnen Entwicklungskosten u oausgelagert werden und es k¨nnen zudem stets die innovativsten Produkte aus dem Open Source Bereich in odas bestehende Angebot von Oracle integriert werden. Besonders im Markt f¨r KMU’s sieht Oracle im Open uSource Bereich auch Chancen f¨r Wachstum. uDa heute viele Unternehmen Produkte verschiedener Hersteller f¨r ihre IT-Systeme kombinieren, nimmt die u ¨Bedeutung von offenen Industriestandards weiter zu. Mit der Ubernahme von Sun hat Oracle die Kontrolleuber viele wichtige offene Standards wie beispielsweise Java oder das Open Document Format ubernommen.¨ ¨Oracle hat wiederholt bekr¨ftigt, dass sich dass Unternehmen f¨r die Weiterentwicklung dieser und anderer a uwichtiger Standards einsetzten will, da sich nur auf diesem Wege die Bed¨rfnisse der Oracle Kunden nach uFlexibilit¨t und Interoperabilit¨t erf¨llen liessen [11]. a a uEin interessanter Ansatz, den Konflikt zwischen propriet¨rer und freier Software zu l¨sen, kann bei den a obeiden Datenbanksystemen MySQL und Berkeley DB beobachten werden. Diese Produkte werden untereinem dualen Lizenzsystem herausgegeben. Dies bedeutet, dass die Software sowohl unter einer freien Lizenz(z.B. der GPL bei MySQL) als auch unter einer propriet¨ren Lizenz ver¨ffentlicht wird. Firmen k¨nnen die a o opropriet¨re Lizenz verwenden, um kommerzielle Software zu schreiben. Wenn Unternehmen bereit sind, ihre aSoftware wiederum unter der GPL zu ver¨ffentlichen, kann auch die freie Version verwendet werden. o ¨Beziehungen zur Community: Mit der Ubernahme von Sun hat Oracle eine grosse Entwicklergemeindeubernommen. Oracle engagiert sich allerdings nicht nur in den von Sun ubernommenen Projekten, sondern¨ ¨liefert auch wesentliche Beitr¨ge zu vielen anderen Open Source Projekten wie zum Beispiel Eclipse, Apache, a ¨PHP oder dem Linux Kernel [6]. Seit der Ubernahme von Sun ¨usserten aber auch einige Entwickler Zweifel, awie Ernst es Oracle mit dem langfristigen Engagement im Open Source Bereich sei. Im Folgenden sollenanhand einiger Beispiele, die Bedenken dieser Entwickler aufgezeigt werden.Im Fall von OpenOffice hatte die Community seit Beginn des Projekts nur einen kleinen Einfluss auf die Ent-wicklung. Da Codebeitr¨ge aus der Community oft abegelehnt wurden, gab es f¨r Entwickler keinen grossen a uAnreiz sich am Projekt zu beteiligen. Der Hauptteil der Entwicklungsarbeit leistet seit etwa zwei Jahrzehnten ¨ein Entwicklerteam aus Hamburg. Dieses Team geh¨rt seit der Ubernahme von Sun zum Oracle Konzern. oDie Community wirft nun Oracle vor, die Entwicklung von OpenOffice zu vernachl¨ssigen. Stattdessen sei adas Team in Hamburg mit der Entwicklung eines kommerziellen Cloud Office besch¨ftigt [12]. Als Reaktion ahat die Community die Document Foundation gegr¨ndet, die OpenOffice unter dem Namen LibreOffice frei uvon Firmeninteressen weiterentwickeln soll. Die Community hat Oracle eingeladen, sich an diesem Projekt zubeteiligen und hofft, dass Oracle die Namensrechte f¨r OpenOffice an die Stiftung ubertragen wird. Oracle u ¨hat sich allerdings geweigert, die Entwicklung von OpenOffice der Community zu ubergeben [13]. Zudem ¨forderte Oracle, dass alle Mitglieder des OpenOffice Community Council, die sich an LibreOffice beteiligen,das Gremium verlassen sollen. Infolge dieser Forderung von Oracle kam es zu mehreren R¨ckritten [14]. Zu- udem haben sich mehr als 30 Verantwortliche der deutschsprachigen Sektion von OpenOffice aus dem Projekt 6
  8. 8. zur¨ckgezogen. Die Document Foundation hat mittlerweile die erste Beta Version von LibreOffice ver¨ffent- u olicht und Unterst¨tzung von grossen Softwarefirmen wie Red Hat, Novell und Google erhalten. Zudem haben uauch Regierungen von L¨ndern wie Brasilien, Indien, China und Russland ihre Unterst¨tzung zugesichert, a uum das Fortbestehen des Open Document Format (ODF) zu sichern [15].Ein weiterer Konflikt entbrannte um die Zukunft von MySQL. Besonders der Urvater von MySQL, Michael ¨Widenius, beschuldigte Oracle, MySQL schleichend zu kommerzialisieren. Als Antwort auf die Ubernahmevon MySQL durch Oracle hat Widenius den MySQL Fork Maria DB ins Leben gerufen. Damit hofft er, dielangfristige Zukunft von MySQL als freie Software zu sichern. Obwohl Oracle im Dezember 2009 ¨ffentlich oerkl¨rt hat, dass MySQL als freie Software w¨hrend mindestens f¨nf Jahren weiterentwickelt werde, bleiben a a uZweifel in der Open Source Gemeinde bestehen. Wie im Fall von Open Office wird praktisch die gesamteEntwicklungsarbeit von Mitarbeitern von Oracle geleistet [16].Auch beim Open Solaris Projekt kam es in letzter Zeit zu Unstimmigkeiten. Oracle hat die Entwicklungvon Open Solaris aufgegeben und will in Zukunft nur noch die kommerzielle Version von Solaris vertreiben.Mittlerweile hat sich unter dem Namen OpenIndiana ein Projekt gebildet, das Open Solaris als freie Softwareweiterentwickeln will. Auch im Fall von Open Solaris leistete Sun in den vergangenen Jahren den gr¨ssten oTeil der Entwicklungsarbeit [17].F¨r das gr¨sste Aufsehen sorgten die Ereignisse um Java. Zuerst verliess der Java Urvater James Gosling unter u olautem Protest das Unternehmen. Darauf verklagte Oracle Google wegen Patentverletzungen bei der JavaImplementation in Google’s Android Betriebssystem. Vor kurzer Zeit hat Oracle angek¨ndigt, dass die Open- uSource-Implementierung von Java (OpenJDK ) zusammen mit IBM langfristig weiterentwickelt werde. Weiterhat Oracle bekannt gegeben, dass die beiden Java Virtual Machines JRockit (propriet¨r) und HotSpot (freie aSoftware) zusammengef¨hrt werden sollen. Die Basiskomponenten der entstehenden Java Virtual Machine uwerden frei verf¨gbar sein. Allerdings sollen gewisse Premium-Erweiterungen, die von JRockit ubernommen u ¨werden, weiterhin nur f¨r kommerzielle Entwickler verf¨gbar sein. Im Unterschied zu den bisher beschriebenen u uProjekten sind im Rahmen des Java Community Process verschiedene Grossfirmen an der Weiterentwicklungvon Java beteiligt [18]. ¨Zukunftsperspektiven: Die Reaktionen aus der Open Source Gemeinde seit der Ubernahme von Sundurch Oracle deuten darauf hin, dass sich die Welten der propriet¨ren und freien Software nicht leicht vereinen alassen. Oracle hat langfristig kein Interesse, das lukrative Gesch¨ft mit propriet¨rer Software zu gef¨hrden. a a aDeshalb wird wohl auch in Zukunft ein grosser Teil der Produkte im Datenbankbereich oder im Markt f¨r ubetriebswirtschaftliche Standardsoftware propriet¨re Software sein. Welche Rolle wird in Zukunft also Open aSource zukommen? Falls Oracle in einem Bereich keine kommerziellen L¨sungen anbieten kann, wird Open oSource Software eingesetzt werden, um das Gesamtangebot zu erg¨nzen. Zudem gibt es bereits Anzeichen, adass Oracle versuchen wird, durch h¨here Preise f¨r Supportleistungen und kommerzielle Zusatzprodukte, o udie Marge im Open Source Bereich zu steigern, um damit das von Sun ubernommene Gesch¨ft rentabler ¨ azu machen. Eine solche Strategie ist f¨r eine gewinnorientierte Firma wie Oracle ein pragmatischer Weg uf¨r die Zukunft. Open Source Software in dieser Art und Weise einzusetzen, widerspricht allerdings den uIdealen, die Entwicklern wie Richard Stallman vorschwebten, als sie die Open Source Bewegung ins Lebenriefen. Deshalb werden auch in Zukunft Konflikte mit der Open Source Gemeinde unumg¨nglich sein. Die aZukunft von OpenOffice respektive LibreOffice vorherzusagen ist wesentlich schwieriger. Falls aufstrebendeL¨nder wie China oder Indien konsequent die Document Foundation unterst¨tzen, wird das Projekt sicherlich a uein ernst zu nehmender Konkurrent f¨r OpenOffice werden. Es bleibt allerdings abzuwarten, wie gross das uEngagement von Google, Red Hat und Novell f¨r LibreOffice sein wird. Denn ein Office Paket geh¨rt nicht u ozum Kerngesch¨ft dieser Firmen und Google bietet mit Google Text&Tabellen gar ein eigenes Produkt an. a 7
  9. 9. 2.3 SAPFirmenportrait: Bei SAP handelt es sich um eines der gr¨ssten Softwareunternehmen der Welt, das gemes- osen an der Marktkapitalisierung in der Top 10 der gr¨ssten Softwareunternehmen rangiert [19]. SAP verkauft oausschliesslich Produkte, die im Bereich von ERP 2 angesiedelt sind. Das Hauptprodukt ist dabei das wohl-bekannte SAP-ERP, das einer Firma eine komplette ERP L¨sung bietet. SAP verkauft jedoch auch diverse oandere Softwarel¨sungen, wie beispielsweise Middleware oder Datenbanken [20], [21]. Kunden von SAP sind oprim¨r gr¨ssere Unternehmen, obwohl in letzter Zeit auch KMUs zum Kundenstamm hinzugewonnen werden a okonnten [21].Gesch¨ftsmodell: Wie bereits erw¨hnt, verkauft SAP ERP-L¨sungen und alles was zu diesen geh¨rt, a a o obeziehungsweise notwendig ist, um diese effektiv einsetzen zu k¨nnen. Dabei steht der eigentliche Verkauf ovon Softwarelizenzen eher im Hintergrund, denn Supportleistungen nehmen einen wichtigen Stellenwert ein.Laut SAP ist es wichtig, dass Kunden innert kurzer Zeit Support erhalten und dass sowohl Software, als auchSupport stets hohen Qualit¨tsstandards entsprechen. Die Priorit¨t liegt dabei weniger auf der Reduktion a ades Preises eines Produktes, als an der Verbesserung der Stabilit¨t, die im Allgemeinen f¨r Unternehmen a ukritischer ist [21].Aufgrund der immensen Gr¨sse von SAP, ist das Unternehmen sowohl auf Service-, als auch auf Imple- omentierungspartner angwiesen, die entsprechende Softwarel¨sungen jeweils auf die entsprechenden Kunden oanpassen und direkten Support garantieren k¨nnen [21]. o ¨Open Source bei SAP: In einem derartigen Okosystem von Serviceleistungen scheint Open Source Soft-ware relativ wenig verloren zu haben. Doch laut SAP wird Open Source Software immer ¨fters in ihren oProdukten, aber auch in der internen Entwicklung von Software eingesetzt [22].Das erste mal, als SAP ihr Produkt auf Linux portierte, war im Jahre 1999. Dies kann als Meilenstein f¨r udie Linuxplattform gesehen werden, da dies vielen, vorallem jungen Firmen, erm¨glichte, die St¨rken einer o aoffenen Plattform mit denjenigen von SAP Produkten zu vereinen. Zur Zeit belaufen sich die Anzahl derNeuinstallationen, die auf Linux basieren laut SAP auf ca. 20% [21]. Dies illustriert ein Trend, der auchbei gr¨sseren Unternehmen in letzter Zeit beobachtbar ist: Das Interesse an der Linux-Plattform mit deren oVorteilen werden langsam aber sicher auch in der Businesswelt erkenntlich.SAP hat sich im Jahre 2004, als Gr¨ndungsmitglied massgeblich an der Eclipse Foundation beteiligt [22]. uDie Eclipse Foundation ist eine Non-Profit Unternehmung zur Unterst¨tzung des Eclipse Software Project, udas eine integrierte Entwicklungsumgebung entwickelt. Seit diesem Zeitpunkt hat SAP mithilfe von Eclipsefast seine gesamte Entwicklungskette auf Open Source Software basiert [21].Ausserdem hat SAP im Oktober 2009 angek¨ndigt, einige Projekte der Apache Foundation zu unterst¨tzen u u[25]. Als Grund daf¨r, gibt SAP folgendes Statement ab: u SAP plans to further support the development and use of open solutions to drive industry standards and empower the developer community with the tools they need to be successful. SAP Annk¨ ndigung [25] uDies illustriert sehr gut, was SAP uber Open Source Software denkt: Laut SAP sieht man Open Source als ¨”not a business model, but a way to develop Software” [21]. Man stellt sich also vielmehr die Frage, mitwas mehr Geld verdient werden kann, als dass man sich mit ethischen Standpunkten befasst. Open SourceSoftware bringt dabei einige Vorteile und Nachteile mit sich. Die Vorteile von Open Source kann aus derPerspektive von SAP wie folgt zusammengefasst werden: • Adoption: Die Adoptionsrate von Open Source Software ist im Allgemeinen h¨her, denn diese bedient o sich offener Standards und weist keine Anschaffungskosten auf. 2 Bei ERP-Software handelt es sich um sogenannte Enterpriese Resource Planning Software, welche die Organisation diverserAspekte in einer Firma erlaubt. 8
  10. 10. • Produktivit¨t: Die Entwicklungsgeschwindigkeit kann unter Umst¨nden durch eine Community von a a Freiwilligen, aber auch von anderen Unternehmen, bedeutend gesteigert werden. Dies erlaubt SAP einen Wettbewerbsvorteil. Ausserdem m¨ssen gewisse Plattformprodukte nicht mehr entwickelt werden, da u diese bereits als Open Source Software existieren. • Qualit¨t: Open Source Software weist oft eine bessere Qualit¨t als propriet¨re Software auf, da sich a a a einerseits Entwickler mehr M¨he bei der Entwicklung geben und andererseits weil der Code besser u kontrolliert wird.Der prim¨re Nachteil, der in der Gesch¨ftsstrategie von SAP zum Tragen kommt, ist die Freigabe von a ageistigem Eigentum.Man setzt also dort Open Source Software ein, wo man sich nicht speziell von der Konkurrenz abheben will,sondern man sich auf bew¨hrte L¨sungen st¨tzen kann. Ausserdem wird Open Source Software vorallem a o udort eingesetzt, wo bereits gute offene Standards existieren und keine neuen Errungenschaften notwendigsind. Dort wo sich SAP jedoch von der Menge abheben will, wird oft Open Source Software mit propriet¨ren aErweiterungen oder ganzheitlich propriet¨re Software entwickelt. aBeitr¨ge zur Community: Fr¨her hat sich SAP mit Beitr¨gen eher zur¨ckgehalten, da man in der a u a uFirmenleitung um das geistige Eigentum der Firma besorgt war [21]. Eine gewisse Art von Vorreiterrolle indiesem Aspekt hat die im Jahre 2000 unter der GPL (GNU Public License) ver¨ffentlichte SAP-DB, die nun ovorallem unter dem Namen Max-DB bekannt ist.Laut SAP hat ausserdem die Anzahl der Beitr¨ge an die Community stetig zugenommen, nachdem die a a ¨Unternehmensleitung die anf¨nglichen Angste uber die Freigabe von geistigem Eigentum uberwunden hatte ¨ ¨[21]. Unabh¨ngige Quellen verifizieren diesen Trend, denn im Jahr 2009 hat Eclipse begonnen das Eclipse aProjekt auch mit Codebeitr¨gen zu unterst¨tzen. SAP rutschte wegen der immensen Gr¨sse des Konzerns a u osofort auf Platz 4 im Bezug zur Anzahl beigetragener Code Zeilen [23]. 2010 zeichnet jedoch ein dramatischanderes Bild, denn SAP rutscht in diesem Jahr auf einen sehr viel tieferen Platz ab [24]. Dies wirft die Frageauf, ob dieser Beitrag nicht eine einmalige Investition war, oder ob dem Unternehmen die Unterst¨tzung uwirklich ernst ist.Zusammenfassung und Zukunfsperspektiven: SAP zeigt, wie die Welt von Open Source Software, mitderjenigen von propriet¨rer Software zusammengef¨gt werden kann und Kompromisse zwischen dogmatischer a uOffenheit und radikaler Geschlossenheit gefunden werden k¨nnen. SAP selbst interssiert sich wenig f¨r die o uFreiheiten, die Open Source Software mit sich bringt, sondern sieht Open Source als eine Methode Softwarezu entwickeln, die in der Wirtschaft sowohl Vor- als auch Nachteile hat und nicht mehr.Trotzdem glauben wir, dass SAP in den letzten Jahren ein gesundes Verh¨ltnis zu Open Source Software aaufbauen konnte, denn auch SAP hat sich innovativ an der Weiterentwicklung einiger freier Produkte beteiligt.Trotzdem h¨lt es SAP f¨r wichtig, dass ihr geistiges Eigentum gut gesch¨tzt wird und setzt sich auch aktiv a u uf¨r dessen Einhaltung ein. uWird eine Strategie, wie sie SAP einsetzt, weiter betrieben, so k¨nnte dies in Zukunft zur Folge haben, dass ooffene Plattformen wie zum Beispiel das Linux Betriebssystem eine bedeutende Stellung erlangen werden.Somit wird das von vielen angestrebte Ziel von mehr Freiheit und besserer Produkte langfristig erreicht.Dies w¨rde bedeuten, dass zum Beispiel das Betriebsystem und andere Komponenten, die uberall verwendet u ¨werden, offen w¨ren und Erweiterungen zu dieser Plattform, wie die SAP Produkte, unter einer propriet¨ren a aLizenz stehen w¨rden. u 9
  11. 11. 3 Vergleich der Strategien3.1 Wirtschaftlicher ErfolgRed Hat, Oracle und SAP waren in den letzten Jahren aus wirtschaftlicher Perspektive betrachtet sehrerfolgreich. SAP (2.4 Milliarden USD Gewinn im Jahr 2009 [20]) und Oracle (6.1 Milliarden USD Gewinnim Jahr 2010 [7]) geh¨ren zu den erfolgreichsten Unternehmen der IT-Branche. Red Hat ist mit einem oGewinn von 87.3 Millionen USD im Jahr 2010 bedeutend kleiner als SAP und Oracle. Allerdings muss dabeibeachtet werden, dass Red Hat alle Produkte als Open Source Software anbietet und ausschliesslich mitSupportleistungen Geld verdient. In dieser Kategorie ist Red Hat wohl das erfolgreichste Unternehmen derWelt.Im Fall von Oracle und SAP ist es schwierig festzustellen, welcher Anteil des Gewinns aus dem Open Sour-ce Gesch¨ft stammt. Insgesamt ist das Open Source Engagement f¨r Oracle und SAP aber sicherlich ein a ulohnendes Gesch¨ft. Denn weder Oracle noch SAP haben ein Interesse, die Entwcklung freier Software zu asubventionieren. Sowohl SAP als auch Oracle verwenden f¨r die Softwareentwicklung eine Vielzahl von Open uSource Werkzeugen. Alleine durch die Verwendung dieser Software k¨nnen die Firmen beachtliche Betr¨ge o aeinsparen. Diese Einsparungen sind wohl deutlich h¨her als die Kosten, die durch die Mitarbeit an Open oSource Projekten entstehen. Oracle und SAP setzen freie Software zudem ein, um den Absatz ihrer pro-priet¨ren Produkte zu steigern und damit deren Verbreitung zu f¨rdern. Den wirtschaftlichen Nutzen dieser a oMassnahme zu bewerten ist ¨ussert schwierig. Allerdings muss wiederum betont werden, dass Oracle und SAP adiese Strategie sicherlich nur weiter verfolgen werden, wenn damit auch in Zukunft ein Gewinn erwirtschaftetwerden kann.Sollte es Oracle tats¨chlich gelingen, die Open Source Produkte von Sun erfolgreicher zu vermarkten, wird aOracle wohl in Zukunft noch st¨rker auf kommerzielle Zusatzprodukte f¨r Open Source Software setzen. a uZudem muss beachtet werden, dass es Oracle und SAP durch zahlreiche Akquisitionen w¨hrend den letz- aten Jahren gelungen ist, eine bedeutende Markstellung zu erlangen. Im Datenbankbereich wird der Marktbeispielsweise von Oracle, IBM und Microsoft dominiert. Deshalb werden es neue Anbieter wohl auch inZukunft schwer haben, die etablierten Unternehmen Oracle und SAP zu gef¨hrden. Red Hat ist es in den avergangenen Jahren gelungen als reiner Open Source Anbieter erfolgreich eine Nischenposition zu besetzen.Sollte sich die Gesch¨ftsstrategie von Red Hat allerdings langristig als erfolgreich erweisen, d¨rfte Red Hat a ubald von vielen Konkurrenten bedr¨ngt werden. Bereits heute versucht Oracle mit dem Supportangebot f¨r a uUnbreakable Linux, Kunden von Red Hat abzuwerben.3.2 NachhaltigkeitIm vorigen Abschnitt wurden die Auswirkungen der Open Source Strategien von Red Hat, Oracle und SAP aufden wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen dargestellt. Im Folgenden sollen die verschiedenen Strategien voneinem anderen Gesichtspunkt betrachtet werden. Dabei sollen nicht die Interessen der einzelnen Unternehmen,sondern die langfristigen Interessen der gesamten Gesellschaft im Vordergrund stehen.Als Ausgangspunkt f¨r die weiteren Ausf¨hrungen muss zun¨chst die folgende grundlegende Frage beant- u u awortet werden: Unter welchen Bedingungen bringt ein Softwareprodukt f¨r die Gesellschaft den maximalen uNutzen? Die Antwort von Vertretern der Bewegung f¨r freie Software lautet: Wenn Software f¨r m¨glichst u u oviele Menschen mit m¨glichst kleinen Einschr¨nkungen verf¨gbar ist, entfaltet sie f¨r die Gesellschaft den o a u ugr¨ssten Nutzen. Die G¨ltigkeit dieser Aussage wird von Verfechtern propriet¨rer Software stark angezweifelt. o u aBef¨rworter des propriet¨ren Entwicklungsmodells behaupten, dass die Entwicklung qualitativ hochstehender u aSoftware und damit die Erhaltung von Arbeitspl¨tzen in der Softwarebranche in Zukunft nur m¨glich sein a owird, wenn weiterhin konsquent auf das vorherrschende propriet¨re Entwicklungsmodell gesetzt wird. aDie Antwort auf die obige Frage f¨llt auch bei den Firmen Red Hat, Oracle und SAP sehr unterschiedlich aus. aOracle und SAP sehen langfristig keine Alternative zum propriet¨ren Entwicklungsmodell. Daher betrachten asie freie Software nur als Erg¨nzung zu ihrem bisherigen Angebot und sehen keinen Grund ihr Gesch¨fts- a amodell grunds¨tzlich zu ¨ndern. Red Hat hingegen betrachtet die Entwicklung von freier Software als einen a agangbaren Weg f¨r die Softwarebranche. Die Gesch¨ftsstrategie von Red Hat w¨rde dementsprechend auch in u a ueiner Gesellschaft funktionenieren, die ausschliesslich freie Software verwendet und auf propriet¨re Software ag¨nzlich verzichtet. a 10
  12. 12. 4 Zusammenfassung und AusblickDie Analyse der Gesch¨ftsstrategien von Red Hat, Oracle und SAP hat gezeigt, dass freie Software bei all adiesen Unternehmen eine wichtige Rolle spielt und sehr unterschiedlich eingesetzt und vermarktet wird. Trotzdes zunehmenden Einsatzes von freier Software in einigen Unternehmen bleibt festzuhalten, dass sich OpenSource Software in vielen Branchen bisher noch nicht durchsetzen konnte. Firmen wie Oracle oder SAP wollenihre etablierten Produkte langfristig weiterhin nur als propriet¨re Software anbieten. Deshalb werden Open aSource L¨sungen im Gesch¨ftsbereich wohl auch in Zukunft nur in einem beschr¨nkten Masse verf¨gbar o a a usein. Weshalb gibt es nicht mehr Anbieter von Open Source Produkten f¨r Unternehmen? Die Open Source uBewegung hat es bisher nicht geschafft, mit der Entwicklung von Open Source Produkten Geld zu verdie-nen. Viele bekannte Open Source Projekte wie der Linux Kernel, Apache, MySQL, PHP, OpenOffice oderJava werden von Softwareingenieuren entwickelt, die von internationalen Grossunternehmen bezahlt werden.Die Vorstellung, dass diese Projekte von einzelnen Programmierern in ihrer Freizeit entwickelt werden istein Mythos. Im Falle von Oracle zeigt sich nun die Kehrseite dieses Entwicklungsmodells. Wird bei einemOpen Source Projekt die Entwicklungsarbeit von einer einzigen Firma geleistet, ist das Projekt auf Gedeihund Verderben von diesem Unternehmen abh¨ngig. Beschliesst die Firma die Unterst¨tzung f¨r ein solches a u uProjekt aufzugeben, kann die Community oft nicht die n¨tigen finanziellen Mittel aufbringen, um die Ent- owicklung einer komplexen Software weiterzuf¨hren. Deshalb ist ein solches Projekt auch aus gesellschaftlicher uPerspektive nicht nachhaltig [18]. Firmen wie Red Hat gelingt es zwar ausschliesslich mit SupportleistungenGeld zu verdienen. Allerdings profitiert Red Hat im Falle des Linux Kernels auch von der Entwcklungsarbeitanderer Grossfirmen. Falls freie Software in der Industrie st¨rkere Verbreitung finden soll, m¨sste es f¨r Fir- a u umen m¨glich sein, mit der Entwicklung von freier Software Geld zu verdienen. Das duale Lizenzsystem stellt of¨r einige Anwendungen, wie zum Beispiel MySQL oder Qt, eine interessante M¨glichkeit dar, den Konflikt u ozwischen freier Software und der Marktwirtschaft zu l¨sen. Da in den letzten Jahren in der IT-Branche eine ozunehmende Konzentrierung der Marktmacht auf einige wenige Unternehmen stattgefunden hat, w¨re es f¨r a uden Kunden sicherlich w¨nschenswert, wenn einige neue Anbieter mit innovativen Gesch¨ftsmodellen den u aMarkt mit freier Software beleben k¨nnten. o 11
  13. 13. Literatur [1] Financial Times http://www.ft.com Abgerufen am 20. November 2010 [2] Red Hat http://www.redhat.com Abgerufen am 20. November 2010 [3] Wikipediaeintrag zu Red Hat http://www.wikipedia.org Abgerufen am 20. November 2010 [4] Fedora Project http://fedoraproject.org Abgerufen am 20. November 2010 [5] One Laptop per Child http://www.laptop.org Abgerufen am 20. November 2010 [6] Vortrag von Oracle in der DigiSus-Vorlesung vom 8. November 2010 Abgerufen am 17. November 2010 [7] Wikipedia Eintrag von Oracle (Englisch) http://en.wikipedia.org/wiki/Oracle Corporation Abgerufen am 20. November 2010 [8] Wikipedia Eintrag von Oracle (Deutsch) http://de.wikipedia.org/wiki/Oracle Abgerufen am 20. No- vember 2010 [9] Oracle Unbreakable Linux http://www.oracle.com/us/technologies/linux/index.html Abgerufen am 20. November 2010[10] Oracle und Linux http://www.oracle.com/us/technologies/linux/commitment-leadership-066451.html Abgerufen am 20. November 2010[11] Oracle Magazine Interview: Open for Business http://www.oracle.com/technetwork/issue-archive/2010 /o40interview-086226.html Abgerufen am 20. November 2010[12] (K)eine Chance f¨r Open Office? http://www.heise.de/open/artikel/Die-Woche-K-eine-Chance-fuer- u OpenOffice-1099535.html Abgerufen am 20. November 2010[13] The OpenOffice fork is officially here http://blogs.computerworld.com/17097/the openoffice fork is officially here Abgerufen am 20. November 2010[14] Open Office Council members resign http://www.h-online.com/open/news/item/OpenOffice-org-Coun- cil-members-resign-Update-1124478.html Abgerufen am 20. November 2010[15] Hintergr¨nde zu LibreOffice http://www.heise.de/open/meldung/Hintergruende-zu-LibreOffice-1100472 u .html Abgerufen am 20. November 2010[16] Interview with Monty Widenius http://itmanagement.earthweb.com/osrc/article.php/3861016/The- Fight-to-Save-MySQL-Interview-with-Monty-Widenius.htm Abgerufen am 20. November 2010[17] Open Solaris http://www.pro-linux.de/news/1/15991/quo-vadis-opensolaris.html Abgerufen am 20. November 2010[18] Blog Digitale Nachhaltigkeit http://www.digitale-nachhaltigkeit.ch/2010/09/oracle-vs-open-source Ab- gerufen am 20. November 2010[19] Google Finance http://www.google.com/finance?q=sap Abgerufen am 17. November 2010[20] Wikipedia Eintrag zu SAP http://en.wikipedia.org/wiki/SAP AG Abgerufen am 17. November 2010[21] Vortrag von SAP in der DigiSus-Gessvorlesung vom 8. November 2010 Abgerufen am 17. November 2010[22] Fallstudie zu SAP http://blogs.the451group.com/opensource/2010/02/11/sap-as-a-case-study-for-open- source-engagement/ Abgerufen am 17. November 2010[23] Commit Statistik vom Eclipse Projekt im Jahr 2009 http://dash.eclipse.org/dash/commits/web- app/commit-count-loc.php?show&year=2009&sortBy=loc Abgerufen am 17. November 2010[24] Commit Statistik vom Eclipse Projekt im Jahr 2009 http://dash.eclipse.org/dash/commits/web- app/commit-count-loc.php?show&year=2010&sortBy=loc Abgerufen am 17. November 2010[25] Ank¨ndigung von SAP http://www.sap.com/about/newsroom/press-releases/press.epx?pressid=12088 u Abgerufen am 17. November 2010 12

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