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ABER SIE HABEN
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Harlekin über Barcelona: Das tägliche Leben
harlekin@mannschaft-magazin.ch

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Diversity Karrieremesse Berlin - Erlebnisbericht

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Ein Bericht zur Diversity-Karrieremesse 2013 aus Berlin und ob eine solche Messe auch in der Schweiz angesagt wäre.

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Diversity Karrieremesse Berlin - Erlebnisbericht

  1. 1. KO L U M N E A PROPOS ABER SIE HABEN GEREDET Harlekin über Barcelona: Das tägliche Leben harlekin@mannschaft-magazin.ch E s gibt einen Mann hier in Barcelona, im Quartier, wo ich wohne, der mir ein Rätsel ist. Ich weiss nicht, ob er oder ob ich ein Problem hat, kurzum: Er ist zu freundlich. Wenn man ihn so sieht, fällt er nicht besonders auf, in keine Richtung. Ein Mann um die Dreissig, abgenutzte New-Balance-Turnschuhe, graubraun, die Haare kurz geschoren, ein Eastpack-Rucksack. Das Problem ist: Er grüsst alle Welt, nicht völlig überforciert, aber trotzdem so ungewöhnlich aufmerksam und strahlend und freundlich, dass ich schon Freunde gefragt habe, ob ihnen das auch aufgefallen wäre. Er ist aufgefallen. Wie kann es sein, dass ich mich frage, ob jemand «normal» ist, der freundlich grüsst? Diesen Herbst fand das dreizehnte internationale schwul-lesbische Filmfestival von Barcelona statt. Ich ging an eine Vorführung von Kurzfilmen. Einiges gefiel mir besser, anderes schlechter. Herausragend fand ich einen Kurzdokumentarfilm, «Two girls against the rain», über ein Liebespaar aus Kambodscha, das seit Jahrzehnten ihr Leben teilt. Ebenfalls erwähnenswert ist ein Kurzfilm aus der Ukraine, «I love her», eine Art Viedoclip über eine Strassenmusikerin, die eine taubstumme Passantin kennen lernt. Der Film ist vor allem wegen der Tatsache aufgefallen, dass er aus der Ukraine stammt, wo bekannterweise ein unmenschlich rigides Regime herrscht. 66 M A N N SCH A F T Die Regiesseurin des Filmes und ein politischer Aktivist, beide aus der Ukraine, waren anwesend und beantworteten nach den Filmvorführungen Fragen der VeranstalterInnen und des Publikums. Auf die Frage der grössten Herausforderung für eine Veränderung innerhalb der Ukraine, was Umgang und Wahrnehmung von schwul-lesbischem Leben anbelange, meinte die junge Frau, dass das Problem nicht nur die Politik sei, die Schwierigkeiten bestünden auch und gerade auf der Strasse unter den Menschen. Es hätte eine Plakatkampagne in Metrostationen gegeben, wo gleichgeschlechtliche Liebe sichtbar gemacht worden wäre, dies sei ihr bislang grösster Erfolg gewesen. Es war sehr berührend, die zwei Menschen auf dieser Bühne reden zu hören. Sehr schüchtern, sehr leise, mit zitternder Stimme, in gebrochenem Englisch: aber sie haben geredet. In Momenten wie diesen fühle ich mich etwas beschämt in meinem kleinen Luxusleben, das sich fragen kann, ob jemand alle Tassen im Schrank hat, der Menschen freundlich grüsst. Das macht überhaupt keinen Sinn, zumal ich nicht an Tassen und Schränke glauben will. Ich schneide mir also eine Scheibe dieser zwei Menschen ab und will mich irgendwie «nützlicher» machen, auch auf die Gefahr hin, dass das uncool oder gar heuchlerisch klingt. Wenn jemand einen Vorschlag hat, ich bin ganz Ohr. ← ↓ Karrieremesse mal anders Report Stolze 62 Unternehmen präsentierten sich an der Karrieremesse «Sticks & Stones» in Berlin. In einem Referat sprach Stuart Milk über die Harvey Milk Foundation und die Wichtigkeit, dass Firmen selbst für Diversity einstehen müssen. 68 Am Set von «Der Kreis» Reportage 66 Vater und Sohn Kurzgeschichte 70 5 goldene Regeln für Lifestyleblogger Good To Know 72 DEZEMBER 2013 67
  2. 2. REPORT Bei «Sticks & Stones» in Berlin treffen Talente und Querköpfe von heute auf freie Stellen von morgen. Karrieremesse mal anders Die Messe «Sticks & Stones» in Berlin ist eine einzigartige Karrieremesse, wo Inspiration, Kreativität und Individualität aufeinander prallen. Unter dem gemeinsamen Nenner der Diversität präsentierten sich am 26. Oktober zum vierten Mal progressive Unternehmen und Organisationen mit einer grossen Vielfalt an Karrieremöglichkeiten. Ein Erlebnisbericht mit Fotos von Angelo Ciaramella. E ntstanden ist die Messe aus der LGBT-Thematik, hat sich aber neu positioniert und berücksichtigt inzwischen alle Themen von Diversity. Ob schwul, trans, behindert, Karrierefrau, Piercing-Fetischist oder was auch immer einem einzigartig macht, es spielt hier keine Rolle. Dieses erfrischende Set-Up machen die Sticks & Stones tatsächlich zu einer Karrieremesse der besonderen Art. Dabei sei erwähnt, dass wohl nur ein Teil der Besucher aus dem LGBT-Netzwerk stammte und viele offene Persönlichkeiten schlicht die Chance nutzen, sich hier mit Top-Arbeitgebern zu treffen. Ein modernes Music-, und LifestyleHotel direkt an der Spree als Austragungsort untermalte das unkonventionelle Ambiente und setzte auch visuell neue Akzente. Die Besucher wurden durch aussergewöhnliche Vorträge, Workshops und Wettbewerbe inspiriert. Zudem bot sich die Möglichkeit, sich bei Smalltalk in der Chillout-Zone oder auf der After-ShowParty mit Spezialisten und Führungskräften auf Augenhöhe über die Karriere auszutauschen oder neue Kontakte zu knüpfen. Ist die Schweiz bereit für Diversity? In meiner Rolle als Recruiter war ich in Begleitung eines Kommunikations-, und Eventspezialisten aus Zürich und wir haben uns auf drei Fragestellungen konzentriert: Zum einen war da die Neugier, ob die grossen Versprechungen dieser Karrieremesse tatsächlich erfüllt werden, zweitens wollten wir von Ausstellern und → Weiter auf Seite 70 68 M A N N SCH A F T
  3. 3. REPORT Gästen erfahren, warum sie teilnehmen und drittens wollten wir wissen, ob ein solches Messe-Konzept auch in der Schweiz umsetzbar ist. Oben: Neben grossen Namen wie Ikea, Roche und BMW rekrutieren und werben auch kleinere Firmen sowie Internet-Start-ups. Links: In einem Vortrag prägte Google das Wort «Gaygler», was so viel bedeutet wie ein LGBT-Mitarbeiter bei Google. Charta der Vielfalt Die Türöffnung war auf Mittag des 26. Oktober angesetzt: Innert kürzester Zeit war das Messegelände brechend voll. Viele Hochschulabsolventen und aufstrebende Fachkräfte, aber auch erfahrene Spezialisten und Führungskräfte fanden sich unter den Besuchern. Ihr Ziel: Sie wollen mit den ausstellenden Arbeitgebern in Kontakt kommen, welche die deutschlandweit geltende «Charta der Vielfalt» unterschrieben haben. Die Liste der 62 Aussteller ist vielseitig, sie werben, rekrutieren und bilden neue Netzwerke, dazu bieten sie kostenlose Bewerbungsberatung und Fachinformationen an. Auf der Dachterrasse steht eine Hüpfburg, die aussieht wie ein Kassettenrecorder. Leute an Seilwinden rennen die Hotelfassade runter, ein DJ legt Azealia Banks und Clouseau-Remixe auf. Die Allianz ist da, Ikea und BMW, Roche, Bearing Point, Groupon, BCG, booking.com, die deutschen Ableger von Facebook , Coca Cola, IBM, Hugo Boss und Anwaltskanzleien wie Baker & McKenzie. Die Vertreter sind HR-Fachleute und Diversity-Zuständige sowie Spezialisten aus den Bereichen, wo Fachkräfte besonders rar sind. So konnte man sich bei Adidas mit einem Schuhdesigner oder bei VW Financial Services mit einem GL-Mitglied austauschen. Die Interessierten standen Schlange, um mit den Firmen in Kontakt zu treten und sich ein Gespräch zu sichern. Messefeeling mit dem gewissen Etwas An «Ice-Talks», spannenden Vorträgen von maximal 15 Minuten, konnten wir uns berieseln lassen von Best-Practice-Beispielen erfolgreicher Jungunternehmer, DiversityFachleuten und erfrischende Inputs erhalten von teilweise recht «bunten Vögeln», die Es ist ein grosser Unterschied, ob man seine sexuelle Identität totschweigt oder ob man darüber reden kann, aber nicht muss. 70 M A N N SCH A F T Oben: 62 Aussteller präsentierten sich an grossen und kleinen Ständen als offene Arbeitgeber. Links: «Be a unicorn»: Sei einzigartig! So das Motto der diesjährigen «Sticks & Stones». mit ihrer Geschichte zum Thema Karriere und Diversität die Zuhörer inspirierten. Neugierig waren wir auch auf die «SpeedNetworking-Lounges», zu denen man sich vorab anmelden musste. Dort präsentierte man sich in kurzen aufeinander folgenden Gesprächen mit teils hochrangingen Firmenvertretern, ähnlich wie in der Business-Women Career Lounge. Ebenso gab es Karriereberatungen, BewerbungsfotoShooting mit Make-Up Artist und Startfotografen und dank der trendigen Hotelarchitektur viele Rückzugsorte für vertiefte Networking-Gespräche oder ein Drink an der Bar mitten im Messegelände. Feel-good Jobsuche Die Aussteller sind locker und entspannt und kein bisschen «zugeknöpft». Zum Dresscode gehören nicht nur Anzüge sondern auch Kapuzzenpullis und Converse. Hier interessiert man sich für Kompetenzen, Persönlichkeit und Charakter. Unter dem Motto «be a unicorn», also einzigartig, spürt man förmlich, dass man sich auf dieser Messe zeigen kann wie man ist, ohne Vorurteile und falsche Lippenbekenntnisse. Ob schwul, behindert, Pier- cing-Fetischist oder was einem einzigartig macht, es spielt hier keine Rolle. Dabei wird man genau hier nie darauf angesprochen, nirgends. Es ist ein grosser Unterschied, ob man seine sexuelle Identität totschweigt oder ob man darüber reden kann, aber nicht muss. Was wohl ein gewichtiger Kern dieser Messekombination ausmacht. Employer Branding par excellence Das Feedback der Firmen war äusserst positiv. Langjährige Teilnehmer haben Ihre Präsenz stetig hochgeschraubt: So erklärten etwa die Vertreter von IKEA, dass sie anfangs nur mit einer Person des internen Diversity-Netzwerkes präsent waren und inzwischen mit einem deutlich grösseren Team anwesend sind. Die Vertreter einer Anwaltskanzlei, die zum ersten Mal an der Messe dabei war, erklärten offen, dass anfangs intern nicht alle restlos von der Teilnahme überzeugt waren: «Wieso sollen wir an einer Messe für Randgruppen teilnehmen?» Diese Frage habe sich inzwischen ins Gegenteil gekehrt und nach Abschluss der Messe war das Feedback einhellig positiv, vor allem weil Kanzleien sich mit entsprechender Offenheit auf dem Arbeitsmarkt von der Konkurrenz abheben können, was nicht zuletzt für das Employer Branding von unschätzbarem Wert sei. Am Stand der BMW Group erfahren wir, dass einige interessante CVs aufgenommen werden konnten von Spezialisten aus der IT aber auch Ingenieure die man nun für weitere Gespräche kontaktieren werde. Fazit : Vielfalt ist ein Gewinn für alle Die Besucherzahl von über 2'500 Personen war neuer Rekord. Die internationalen Firmen reagierten besonders positiv, auf unser Interesse, eine ähnliche Veranstaltung auch in Zürich zu lancieren und einige sicherten bereits eine Teilnahme zu. Kontakte sind jedenfalls geknüpft. Wir gehen nun in die nächste Runde für den Standort Zürich. Firmen und Interessenten sind aufgerufen sich zu bewerben – unter einer Bedingung: Wie in Berlin darf nur werben und rekrutieren, wer sich nachweislich zu Diversity bekennt. Inhaber oder Arbeitnehmer bei einer Firma, die sich zu Diversity bekennt? Melde dich: info@ciaramella-partner.ch. DEZEMBER 2013 71

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