Caroline Demeulemeester
Montag, 2. Nov. 2015
Kurzreferat
L´Heptaméron
(1542-1549)
Marguerite de Navarre
Themen
• Das Werk in seiner Zeit
• Stil und Erzähltechnik
• Der Prolog als narrative Erzählform
• Literaturkritik
02.11.20...
Das Werk in seiner Zeit
• Boccaccio: Der Dekameron
• Chaucer: Canterbury Tales
• Marguerite de Navarre: L‘Heptaméron
02.11...
Das Werk in seiner Zeit,
verschiedene Fassungen
• Histoire des amants fortunez, 1558 Pierre Boaistuau
• Originalversion, 1...
Das Werk in seiner Zeit,
die Geschichte
• Der Rahmen
• Die Inszenierung
• „Histoires véritables“
02.11.2015 L´Heptaméron (...
Das Werk in seiner Zeit,
Zahlensymbolik
10 Personen, 10 Tage
zu je 10 Geschichten
02.11.2015 L´Heptaméron (1542-1549) 6
Stil und Erzähltechnik
• Diskursiv vs. fiktiv
• Wahrheitscharakter
• Die Novellensammlung als Gesamtwerk
02.11.2015 L´Hept...
02.11.2015 L´Heptaméron (1542-1549) 8
Quadranten deuxiesme nouvelle
Un jeune prince meit son affection en une fille, de la...
Der Prolog als narrative Erzählform
• Der Prolog als Rahmenhandlung
• Der Prolog als Einstieg in die Novelle
02.11.2015 L´...
02.11.2015 L´Heptaméron (1542-1549) 10
Et s'il vous plaist que tous les jours, depuis midy jusques à quatre heures,
nous a...
Die Literaturkritik
• Die Novellensammlung als Gesamtwerk
• Weltliches Vergnügen und moralischer
Anspruch
02.11.2015 L´Hep...
Danke für Eure
Aufmerksamkeit!
02.11.2015 L´Heptaméron (1542-1549) 12
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L'heptaméron

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Referat über Marguerite de Navarra und ihr Werk

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  • 1351 setzt Boccaccio mit seinem Decameron einen Meilensteins des novellistischen Erzählens und bildet den Hauptbezugspunkt für die gesamte spätere Novellistik.

    Darauf folgt ca. 1380 Geoffrey Chaucer mit seinen Canterbury-Tales, Novellensammlung in Versen verfasst anstatt der konventionellen Prosa.

    Darauf folgt 1542 Marguerite de Navarre mit ihrem L’Heptaméron, stirbt jedoch vorzeitig und anstatt der 100 Erzählungen umfasst das Werk neben seiner Rahmengeschichte deshalb nur 72 Novellen.

    Der Titel: Heptaméron (vom Griechischen hepta, sieben und éméra, Tag), ein Siebentagewerk und eine Sammlung von Erzählungen von Margarete von Angoulême, Königin von Navarra (1492–1549) war ursprünglich ‒ in Bezug zum Decameron von Boccaccio und veranlasst durch die französische Übersetzung ‒ als ›Zehntagewerk‹ konzipiert, blieb wegen des Todes der Autorin jedoch unvollendet. Der Titel geht auf einen späteren Herausgeber zurück.
  • Die erste Verfassung des « L’Heptaméron » wurde unter dem Namen: « Histoire des amants fortunez », der berühmten Prinzessin Marguerite de Bourbon, Duchesse (Herzogin) de Nivernois gewidmet (Paris, 1558) ohne die Autorin zu zitieren, publiziert von Pierre Boaistuau. Der Text wurde im Sinne des gegenreformatorischen Konzils von Trient (1545–1563) theologisch und moralisch „gereinigt“. Es waren damals 67 Novellen, mit einer unerwarteten Anordnung, in der sich die Rolle der Erzähler und der chronologische Tagesablauf nicht nachvollziehen lassen. Es könnte auch sein, dass Boaistuau besorgt um die Religiosität von Marguerite, die Schwester vom sehr katholischen König Henri II, eigenmächtig einige Novellen verschwinden ließ.
    1559 folgt eine neue Auflage, die als Originalversion gilt und die vorhergehende in den Hintergrund stellt. Claude Gruget verfasst sie unter dem Namen von Marguerite und widmet sie ihrer Tochter, findet den Namen Heptaméron und ordnet die Geschichten in die sogenannte ursprüngliche Abfolge. Tatsache ist, dass man weder die 11. Erzählung, noch die Novellen 44 und 46 hier vorfindet. Gruget hatte sie durch andere ersetzt. Hier stellt sich die Frage, ob er eventuell über ein Manuskript von Marguerite verfügte das vollständiger war und bei dem Marguerite nachträglich Erzählungen gelöscht hätte?
    1698 wurde ein zusätzliche Version unter dem Titel: « Contes et Nouvelles de Marguerite de Valois, mais en beau language » veröffentlicht. Unter dem Vorwand den Text verjüngen zu wollen, wurde dieser umgeschrieben und war kaum noch erkennbar.
    Die einzige Verfassung, die mit dem Originaltext übereinstimmt, stammt von Herrn Leroux de Lincy und wurde 1853 in Paris herausgegeben.

  • Den Rahmen bilden die Unterhaltungen von je fünf Männer und Frauen, die einander Geschichten erzählen, um die Zeit zu vertreiben und besonders die Damen vor Langeweile zu bewahren (ein schon von Boccaccio angesprochener Topos). Die Pyrenäen bilden die Bühne für die 10 Personen, die wegen sintflutartiger Regenfälle im Kloster festsitzen und warten müssen, dass die Wege und vor allem die Brücke über den Gave wieder gebaut sind. So gehen sie Tag für Tag in eine neue Wiese und erzählen sich Geschichten.
    Interessant und innovativ an der Grundkonstellation ist, dass es sich bei den Figuren verschiedensten Alters ausschließlich um Angehörige der höfischen Gesellschaft handelt. Dies kann man als maximal mögliche Aufwertung des prosaischen Erzählens durch Marguerite de Navarre betrachten. Die einzelnen Binnenerzählungen behandeln novellentypische Stoffe, die vor allem von sexuellem Begehren, aber auch von enormen Grausamkeiten erzählen und standardisierte Themen wie die Liebesprobe oder (vor allem weibliche) Untreue behandeln. Im Anschluss an jede Erzählung folgt eine Diskussion über ihren Inhalt und ihre Moral in der Rahmenhandlung, was den Rahmen deutlich auflockert, ihm aber gleichzeitig eine stärkere Tiefendimension verleiht.
    In expliziter Abgrenzung zum Vorbild Boccaccios vereint das Heptameron nur französische Stoffe, die (im Text) als tatsächlich in jüngster Vergangenheit geschehene Geschichten (»histoires véritables«) und damit als faktische Wahrheit benannt werden.
     

  • Zehn war die Zahl der Ordnung, der Vollkommenheit: sie endete die Reihe der einstelligen Zahlen.
    In der Zehn verbindet sich die Dreizahl Gottes mit der Siebenzahl des Menschen (der aus vier leiblichen Elementen und drei Seelenkräften besteht). Der mosaische Dekalog (decem verba legis) umfasst die zehn Gebote Gottes, die Harfe Davids hatte zehn Saiten. (Von den Zehn Geboten bezogen sich drei auf Gott, und sieben auf die Mitmenschen.) Mose weilte nach seinem Sieg über die Äthiopier zehn Jahre in deren Land, den Ägyptern schickte Gott zehn Plagen, David begleitete auf einer zehnsaitigen Harfe die Musik der zehn himmlischen Sphären, das apokalyptische Tier der babylonischen Reiterin hatte zehn Hörner. 
  •  
    Im Gegensatz zu den Produkten einer wissenschaftlich diskursiven Geschichtsschreibung (gibt es bei der Einordnung von Gesagtem bzw. Geschriebenem als „Erzählung“ im Sinne von story eine starke Konnontation zu dem Begriff Fiktion, d. h. zu dem Verdacht, das Erzählte sei, auch wenn der Erzähler anderes beteuern sollte, (zumindest teilweise) frei erfunden.
    Die an sich berechtigte Diskussion um die Frage nach den Quellen für das Heptameron läuft grundsätzlich Gefahr, die Eigenständigkeit des Heptamerons nicht in ganzem Ausmaße wahrzunehmen. Die Frage nach den literarischen oder tatsächlichen Quellen für die Erzählungen sowie die Frage ihrer tatsächlichen Echtheit haben eine geringere Bedeutung als der fiktive Anspruch auf ihren Wahrheitscharakter, der überzeugend von Anfang bis zum Ende aufrechterhalten wird; es ist nicht wichtig, ob die Geschichten wahr sind, sondern ob sie dem zeitgenössischen Leser wahr zu sein scheinen. Die Geschichten bedürfen in Wirklichkeit aber der Interpretation der Erzähler, die Ihre Vorhaben kundtun und die Geschichte ein Stück weit interpretieren und erklären. Eine thematisch angelegte Interpretation des Heptameron nach einzelnen Motiven und Gesichtspunkten ist somit nur auf der Basis einer sukzessiven Analyse, welche den Stellenwert der einzelnen Erzählungen in und für die Rahmenhandlung herausarbeitet, möglich, während eine exemplarische Interpretation einzelner Novellen – womöglich sogar noch ohne die Berücksichtigung der unmittelbar hierzu gehörenden Rahmenhandlung – aufgrund des verschiedenen Stellenwertes der einzelnen Geschichten und Aussagen unter Vernachlässigung ihres Einbezugs in das Ganze fast automatisch Gefahr läuft, zu falschen Aussagen zu kommen. Das Heptameron als Ganzes ist weit mehr als die Summe seiner Teile.
    Die modulare Erzähltechnik erlaubt es dem Autor und Erzähler verschiedene heikle soziale, sexuelle und religiöse Themen zu erläutern, die ohne diese Distanz kaum ansprechbar wären.

    Textbeispiel  1
  • Die Rahmenhandlung des Heptamerons wird durch einen ausführlichen Prolog festgelegt. Die Themen, auf die sie sich bezieht sind zum Teil gebunden an zeitgenössische Persönlichkeiten und ihre fiktiven Geschichten. Zusätzlich finden wir Prologe jeweils als Einstieg in die Erzählungen, die dazu neigen eine Moral oder Lehre vorwegzunehmen. Aber diese Moral ist oft mehrdeutig. Wir finden in diesem Werk mehr Sinn als Gefühle und mehr mystische Feinheit als Witz. Sie schreibt dieses Werk in fortgeschrittenem Alter und stellt bestimmte Konventionen in Frage. In dem Sinn ist das Werk im Zeichen der Hermeneutik geschrieben worden und wird als Nacherleben des Sinns des Autors ausgelegt, bis hin zu dessen Deutung.

    Textbeispiel 2
     
     
  • Die wahrscheinlich unvollendete, vielleicht auch nur unvollständig überlieferte «Novellensammlung» ist mehr als nur eine Aneinanderreihung einzelner Novellen, sie ist ein Erziehungsbuch, dessen allgemeiner Anspruch weit über einen höfischen Leserkreis hinauszielt und auf dem Fundament des christlichen Glaubens bestimmte moralische und ethische Einstellungen und Verhaltensmuster zu etablieren sucht. Durch die Diskussion auf der Ebene der Rahmenhandlung und die Abfolge der einzelnen Geschichten wird ein Gesamtzusammenhang hergestellt, welcher bei der isolierten Betrachtung einzelner Novellen – sei es in der Lektüre oder in der Interpretation – kaum erkannt werden kann. Die Literaturkritik hat immer die Vielschichtigkeit und Vieldeutigkeit des Heptamerons betont. Ursprünglich wurde die weltliche Darstellung von Marguerite de Navarre den religiösen Bedenken einer ungestümen und fragmentierten Schreibweise gegenübergestellt, die auf unterschiedliche Stimmen zurückgreift und ideologische Unverträglichkeiten enthüllt. Heute gilt eher der Ansatz einen Kompromiss zu finden, wie schon Marguerite dies vorlebte, durch persönliche Meditation gelang es ihr, die weltliche Unterhaltung und den moralischen Anspruch in Einklang zu bringen. Aber zu oft setzt diese Art der Betrachtung das Werk in ein zwiespältiges Licht und sendet es in seine ursprüngliche und ewige Ambiguität zurück.
     
     
     
  • L'heptaméron

    1. 1. Caroline Demeulemeester Montag, 2. Nov. 2015 Kurzreferat L´Heptaméron (1542-1549) Marguerite de Navarre
    2. 2. Themen • Das Werk in seiner Zeit • Stil und Erzähltechnik • Der Prolog als narrative Erzählform • Literaturkritik 02.11.2015 L´Heptaméron (1542-1549) 2
    3. 3. Das Werk in seiner Zeit • Boccaccio: Der Dekameron • Chaucer: Canterbury Tales • Marguerite de Navarre: L‘Heptaméron 02.11.2015 L´Heptaméron (1542-1549) 3
    4. 4. Das Werk in seiner Zeit, verschiedene Fassungen • Histoire des amants fortunez, 1558 Pierre Boaistuau • Originalversion, 1559 Claude Gruget • Contes et Nouvelles de Marguerite de Valois, mais en beau langage, 1698 • L‘Héptaméron de Marguerite d‘Angoulême, 1853 Herrn Leroux de Lincy (identisch mit Originalversion) 02.11.2015 L´Heptaméron (1542-1549) 4
    5. 5. Das Werk in seiner Zeit, die Geschichte • Der Rahmen • Die Inszenierung • „Histoires véritables“ 02.11.2015 L´Heptaméron (1542-1549) 5
    6. 6. Das Werk in seiner Zeit, Zahlensymbolik 10 Personen, 10 Tage zu je 10 Geschichten 02.11.2015 L´Heptaméron (1542-1549) 6
    7. 7. Stil und Erzähltechnik • Diskursiv vs. fiktiv • Wahrheitscharakter • Die Novellensammlung als Gesamtwerk 02.11.2015 L´Heptaméron (1542-1549) 7
    8. 8. 02.11.2015 L´Heptaméron (1542-1549) 8 Quadranten deuxiesme nouvelle Un jeune prince meit son affection en une fille, de laquelle (combien qu’elle fut de bas et pauvre lieu) ne peut jamais obtenir ce qu’il en avoit esperé, quelque poursuyte qu’il en feit. Parquoy, le prince, congnoissant sa vertu et honnesteté, laissa son entreprinse, l’eut toute sa vie en bonne estime, et luy feit de grands biens, la maryant avec un sien serviteur. (Mf 286) Zweiundvierzigste Geschichte Ein junger Fürst verliebt sich in ein Mädchen, von dem er, obwohl es aus ärmlichen und bescheidenen Verhältnissen stammt, nie erlangen kann, was er gerne möchte, so beharrlich er auch um sie wirbt. Darum läßt der Fürst, der ihre Tugend und Ehrbarkeit erkennt, von seinem Werben ab, achtet sie ihr Leben lang aufs höchste, tut ihr viel Gutes und verheiratet sie mit einem seiner Diener. (Md 489) Textbeispiel
    9. 9. Der Prolog als narrative Erzählform • Der Prolog als Rahmenhandlung • Der Prolog als Einstieg in die Novelle 02.11.2015 L´Heptaméron (1542-1549) 9
    10. 10. 02.11.2015 L´Heptaméron (1542-1549) 10 Et s'il vous plaist que tous les jours, depuis midy jusques à quatre heures, nous allions dedans ce beau pré le long de la riviere du Gave, où les arbres sont si foeillez que le soleil ne sçauroit percer l'ombre ny eschauffer la frescheur; là, assiz à noz aises, dira chascun quelque histoire qu'il aura veue ou bien oy dire à quelque homme digne de foy. Au bout de dix jours aurons parachevé la centaine […] (Mf 10) Und wenn es euch recht ist, gehn wir alle Tage um die Mittagszeit bis um vier Uhr auf die schöne Wiese längs des Gaveflusses, wo die Bäume so dichtes Laub tragen, daß die Sonne nicht durch den Schatten dringen noch die Kühle erwärmen kann. Dort setzen wir uns gemütlich hin, und jeder erzählt eine schöne Geschichte, die er selbst erlebt oder doch von einem vertrauenswürdigen Manne gehört hat. Nach zehn Tagen werden wir dergestalt das Hundert vollendet haben […] (Md 19) Textbeispiel Prolog
    11. 11. Die Literaturkritik • Die Novellensammlung als Gesamtwerk • Weltliches Vergnügen und moralischer Anspruch 02.11.2015 L´Heptaméron (1542-1549) 11
    12. 12. Danke für Eure Aufmerksamkeit! 02.11.2015 L´Heptaméron (1542-1549) 12

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