Franz Kafka
 3.7.1883-3.6.1924
„Ich bin nicht nur durch meine äußerlichen Verhältnisse, sondern noch viel
mehr durch mein eigentliches Wesen ein verschlo...
http://home.arcor.de/eberhard.liss/erfindung+technik/information.htm
http://www.plani.ch/fddm.php
Franz Kafka
Der Mann
aus Wörtern,
dessen Haut
aus Text
besteht.
„Da ich nichts anderes bin als
Literatur und nichts andere...
Vom Allerprivatesten...
„Heute früh zum erstenmal seit langer Zeit wieder
die Freude an der Vorstellung eines in meinem
He...
... zur conditio humana
„Wir sind, mit dem irdisch befleckten Auge gesehn,
in der Situation von Eisenbahnreisenden, die in...
Kafkas scheinbare Einfachheit
                 Die Bäume
                 Denn wir sind wie
                 Baumstämme im...
Das verstörend Einfache
          Kleine Fabel (Spätjahr 1920)
          »Ach«, sagte die Maus, »die Welt wird
          e...
Das unlösbar Einfache
        Gibs auf! (Spätjahr 1922)
        Es war sehr früh am Morgen, die Strassen
        rein und ...
Was fasziniert uns an Kafka?
Seine (Manuskript)handschrift?
Sein Horoskop?




                                               * 3.7.1883

http://www.astroschmid.ch/Horoskope/Krebs/ka...
Sein Verhältnis zu Frauen?




„Ich kann offenbar nur das lieben, was ich so hoch über
mich stellen kann, dass es mir uner...
Seine Verlorenheit?
            „Heute nachmittag kam
            der Schmerz über meine
            Verlassenheit so
    ...
Sein Verhältnis zum Vater?




                    *1852
Seine Art zu zeichnen?




                   1905
Sein Verhältnis zur Mutter?




                     *1856
Seine Unbedingtheit, (Berufs)Leben
und Schreiben versöhnen zu wollen?




                              TB S. 33
Sein Blick?
Was fasziniert uns an Kafkas
          Texten?
Die Personen und Geschichten?
Die Sprache?
„Jemand musste Josef K. verleumdet haben,
denn ohne dass er etwas Böses getan hätte,
wurde er eines Morgens v...
Die Sprache?
„Beim Einschlafen ein vertikal gehender Schmerz
im Kopf über der Nasenwurzel, wie von einer zu
scharf gepreßt...
Die Themen?
  Worin besteht meine Schuld?

Väter und Söhne
                                  Wie weit ist es bis zu dir?

...
???
Überlagerung von Leben und Literatur


                            Literar. Texte




                 Tagebuch           ...
Struktur
• Apéro
     Was fasziniert uns an Kafka?



• Vorspeise
     Wie und wann lebt und schreibt Kafka?



• Hauptspe...
Vorspeise
Wie und wann lebt und schreibt Kafka?




        http://www.kafka.org/picture/roland/1.jpg
Prag 1900
Prag 1900
Prag 1900
                           Ca. 400‘000 Einwohner
                           Davon ~ 30‘000 Deutsche,
           ...
Eckpunkte zur Zeit (1912-1924)
                         Leica
                                       Zwölftonmusik
    Der...
Eckpunkte zur Zeit (1912-1924)
                   Thomas Mann
                                     Schnitzler
     George
...
„Meine eigentlichen Blutsverwandten“




     Grillparzer        Dostojewski




       Kleist             Flaubert
Leben und Werk: Leben
• Leben: 40 Jahre und 11 Monate; Jude;
  Pensionierung mit 39; † Kehlkopftuberkulose
• 45 Tage im Au...
Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt
Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt
Leben und Werk: Leben




      Hermann & Julie Kafka
Leben und Werk: Leben




    Elli   Valli   Ottla
Leben und Werk: Leben



                                Milena Jesenská
Felice Bauer


                                  ...
Leben und Werk: Werk
• 40 vollendete Prosatexte.
• Kritische Ausgabe: 350 Druckseiten an von
  Kafka als abgeschlossen bet...
Leben und Werk
Karge Lebensbilanz  kulturelle Aura

   Wie kommt so etwas zustande?

  „Das einzige, was ich habe, sind i...
Kafkas Tageslauf
„Von 8 bis 2 oder 2 1/3 Bureau, bis 3 oder ½4 Mittagessen, von da ab
Schlafen im Bett (...) bis ½8, dann ...
Kafkas Schreibtisch
            „Jetzt habe ich meinen
            Schreibtisch genauer
            angeschaut und eingese...
Bedeutung des Schreibens

„Mein Glück, meine Fähigkeiten und jede
Möglichkeit, irgendwie zu nützen, liegen
seit jeher im L...
Wichtigkeit des Schreibens
„Ich habe inzwischen, nachdem ich durch Wahnsinnszeiten
gepeitscht worden bin, zu schreiben ang...
Was heisst Schreiben?




                   Einer der ersten
                   TB-Einträge; 1910
Schreiben: ein akrobatischer Akt




                             TB S. 11
Was heisst Schreiben?




                  Einer der ersten
                  TB-Einträge; 1910
Schreiben: ein akrobatischer Akt




                             TB S. 11
Warum die Erzählungen?

„Von allem, was ich geschrieben habe,
gelten nur die Bücher: Urteil, Heizer,
Verwandlung, Strafkol...
Hauptspeise
    „Was will uns der Dichter sagen?“




http://www.math-inf.uni-greifswald.de/mathematik+kunst/pic/computer/...
„Eine gute Lektüre
ist ein Dank an
den Text.“
          (George Steiner)
Das Urteil
„... Das besondere Korrespondenzverhältnis“
Frühling    zum Freund in Petersburg                      Georg
              ...
Oedipus-Komplex
Oedipus-Komplex
Überlagerung von Leben und Literatur
Leben und Werk
                    Felice Bauer
                        August 1912 – Dezember 1917




1883              ...
Die
Verwandlung
Verwandlung I                       ca. 1h
Winter                                                          Gregor Samsa
  ...
Autonomie




            Familie




            Gregor


              Zeit
Wohnung der Samsas
     Die Verwandlung
Leben und Werk
          Der Vater


1883                                                     1924
             1912      ...
Der Brief an den Vater
Im Manuskript >100 Seiten
Schelesen
- Selbstanalyse
- Selbstanklage
- Paraphrase des URTEILS
- Selb...
Brief an den Vater: Situation
• 1917: Blutsturz – 2. Entlobung
• 1918: Kafka hält sich vom Schreiben fern
• März 1919: Hei...
Brief an den Vater: Empfindung
„Dadurch wurde die Welt für mich in drei Teile geteilt, in
einen, wo ich, der Sklave lebte,...
Brief an den Vater: Empfindung
„Manchmal stelle ich mir die Erdkarte
ausgespannt und Dich quer über sie hin
ausgestreckt v...
Brief an den Vater: Empfindung
„Mein Schreiben handelte von Dir, ich
klagte dort ja nur, was ich an Deiner Brust
nicht kla...
Brief an den Vater: Themen
• Ursituation Vater – Sohn
• Macht und Ohnmacht
• Das 4. Gebot
• Misstrauen des Vaters  Sohn: ...
Kafka-Denkmal Prag
Brief an den Vater: Odyssee

                         Mutter

Franz                                      Vater
November 19...
Eine kaiserliche
      Botschaft
Vor dem
 Gesetz
Struktur: Botschaft / Gesetz

Kaiserliche
Botschaft
                                          Bote



Vor dem
Gesetz
     ...
Nachspeise
Kafka und die Krankheit(en)




     http://purplefilm.wordpress.com/2007/04/
Ein
Landarzt
Ein Landarzt
Aus einem Interview 2008
• Zeitung: Wenn Sie heute jemandem, der interessiert, aber sich,
  sagen wir ruhig m...
Landarzt
           Der Ruf der Nachtglocke
           „Man weiss nicht, was für Dinge man im
Winter                      ...
TB, 9. Oktober 1911
„Sollte ich das 40te Lebensjahr erreichen, so werde ich
wahrscheinlich ein altes Mädchen mit vorstehen...
Kafkas Gebresten
• „neurovegetative Instabilität und
  Überempfindlichkeit“:
  –   Gastrische Beschwerden
  –   Herzstörun...
Die Tuberkulose
„Jedenfalls verhalte ich mich heute zu der Tuberkulose, wie
ein Kind zu den Rockfalten der Mutter, an die ...
Die Tuberkulose
„Es ist eben medizinisch, im Spaß und im Ernst, ein
aussichtsloser Fall. Willst Du eine Laiendiagnose? Die...
Die Tuberkulose
„Ich bin geistig krank, die Lungenkrankheit ist nur ein Aus-
den-Ufern-treten der geistigen Krankheit. Ich...
Die Tuberkulose
„Es ist auch glaubwürdig, daß die Tuberkulose
eingeschränkt wird, jede Krankheit wird schließlich
eingesch...
Die Tuberkulose
„Sie fragen nach meiner Krankheit, so schlimm ist sie nicht,
wie sie vor der geschlossenen Tür des Kranken...
Fazit
Die Krankheiten ermöglichen Kafka offensichtlich,
nicht gesund sein zu müssen.
Gesund sein hiesse: Heiraten, eine Fa...
Das letzte Bild: Oktober 1923




     http://www.uni-saarland.de/verwalt/presse/campus/2005/1/26-kafka.html
Kafkas letzter Wille (29.11.1922)

Für diesen Fall also mein letzter Wille hinsichtlich alles von mir
Geschriebenen:
Von a...
Und wieder: Im Schnee...




                   http://www.volny.cz/koubap/Sterbliche
                   /obrazky/kafka.jpg
Dienstag, Beginn des
Monats Siwan 5684. Der
obengenannte, prachtvolle,
unvermählte Mann, unser
Lehrer und Meister
Anschel,...
„Wer sucht, der findet
           nicht – wer nicht sucht,
           wird gefunden.“




http://www.drs2.ch/www/de/drs2/s...
Quintessenz
Man kommt kaum je zum Ziel, hat
aber ein grossartiges
Leseabenteuer hinter sich.
Einen Buchstaben nur ändern, ...
Woher kommen Kafkas
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Einführung in einige Erzählungen von Franz Kafka.

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Kafka Input Aerzte2009

  1. 1. Franz Kafka 3.7.1883-3.6.1924
  2. 2. „Ich bin nicht nur durch meine äußerlichen Verhältnisse, sondern noch viel mehr durch mein eigentliches Wesen ein verschlossener, schweigsamer ungeselliger unzufriedener Mensch, ohne dies aber für mich als ein Unglück bezeichnen zu können, denn es ist nur der Widerschein meines Zieles. Aus meiner Lebensweise, die ich zuhause führe, lassen sich doch wenigstens Schlüsse ziehn. Nun ich lebe in meiner Familie, unter den besten und liebevollsten Menschen, fremder als ein Fremder. Mit meiner Mutter habe ich in den letzten Jahren durchschnittlich nicht zwanzig Worte täglich gesprochen, mit meinem Vater kaum jemals mehr als Grußworte gewechselt. Mit meinen verheirateten Schwestern und den Schwägern, spreche ich gar nicht, ohne etwa mit ihnen böse zu sein. Der Grund dessen ist einfach der, dass ich mit ihnen nicht das aller Geringste zu sprechen habe. Alles was nicht Litteratur ist, langweilt mich und ich hasse es, denn es stört mich oder hält mich auf, wenn auch nur vermeintlich. Für Familienleben fehlt mir daher jeder Sinn außer der des Beobachters im besten Fall. Verwandtengefühl habe ich keines, in Besuchen sehe ich förmlich gegen mich gerichtete Bosheit.“ (TB, 21.8.1913)
  3. 3. http://home.arcor.de/eberhard.liss/erfindung+technik/information.htm
  4. 4. http://www.plani.ch/fddm.php
  5. 5. Franz Kafka Der Mann aus Wörtern, dessen Haut aus Text besteht. „Da ich nichts anderes bin als Literatur und nichts anderes sein kann und will....“ (TB 21.8.1913)
  6. 6. Vom Allerprivatesten... „Heute früh zum erstenmal seit langer Zeit wieder die Freude an der Vorstellung eines in meinem Herzen gedrehten Messers.“ (TB, 2.11.1911) „Immerfort die Vorstellung eines breiten Selchermessers das eiligst und mit mechanischer Regelmäßigkeit von der Seite her in mich hineinfährt und ganz dünne Querschnitte losschneidet, die bei der schnellen Arbeit fast eingerollt davonfliegen. (TB, 4.5.1913) „Mein Leben ist das Zögern vor der Geburt.“ (TB, 24.1.1922)
  7. 7. ... zur conditio humana „Wir sind, mit dem irdisch befleckten Auge gesehn, in der Situation von Eisenbahnreisenden, die in einem langen Tunnel verunglückt sind und zwar an einer Stelle wo man das Licht des Anfangs nicht mehr sieht, das Licht des Endes aber nur so winzig, dass der Blick es immerfort suchen muss und immerfort verliert wobei Anfang und Ende nicht einmal sicher sind. Rings um uns aber haben wir in der Verwirrung der Sinne oder in der Höchstempfindlichkeit der Sinne lauter Ungeheuer und ein je nach der Laune und Verwundung des Einzelnen entzückendes oder ermüdendes kaleidoskopisches Spiel. Was soll ich tun? oder Wozu soll ich es tun? sind keine Fragen dieser Gegenden.“ (Fragment, 20.10.1917)
  8. 8. Kafkas scheinbare Einfachheit Die Bäume Denn wir sind wie Baumstämme im Schnee. Scheinbar liegen sie glatt auf, und mit kleinem Anstoss sollte man sie wegschieben können. Nein, das kann man nicht, denn sie sind fest mit dem Boden verbunden. Aber sieh, sogar das ist nur scheinbar.
  9. 9. Das verstörend Einfache Kleine Fabel (Spätjahr 1920) »Ach«, sagte die Maus, »die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, dass ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, dass ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, dass ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe.« - »Du musst nur die Laufrichtung ändern«, sagte die Katze und frass sie.
  10. 10. Das unlösbar Einfache Gibs auf! (Spätjahr 1922) Es war sehr früh am Morgen, die Strassen rein und leer, ich ging zum Bahnhof. Als ich eine Turmuhr mit meiner Uhr verglich, sah ich, dass es schon viel später war, als ich geglaubt hatte, ich musste mich sehr beeilen, der Schrecken über diese Entdeckung liess mich im Weg unsicher werden, ich kannte mich in dieser Stadt noch nicht sehr gut aus, glücklicherweise war ein Schutzmann in der Nähe, ich lief zu ihm und fragte ihn atemlos nach dem Weg. Er lächelte und sagte: quot;Von mir willst du den Weg erfahren?quot; quot;Jaquot;, sagte ich, quot;da ich ihn selbst nicht finden kann.quot; quot;Gibs auf, gibs aufquot;, sagte er und wandte sich mit einem grossen Schwunge ab, so wie Leute, die mit ihrem Lachen allein sein wollen.
  11. 11. Was fasziniert uns an Kafka?
  12. 12. Seine (Manuskript)handschrift?
  13. 13. Sein Horoskop? * 3.7.1883 http://www.astroschmid.ch/Horoskope/Krebs/kafka.htm
  14. 14. Sein Verhältnis zu Frauen? „Ich kann offenbar nur das lieben, was ich so hoch über mich stellen kann, dass es mir unerreichbar wird.“
  15. 15. Seine Verlorenheit? „Heute nachmittag kam der Schmerz über meine Verlassenheit so durchdringend und straff in mich, dass ich merkte, auf diese Weise verbrauche sich die Kraft, die ich durch dieses Schreiben gewinne...“ (TB, 1.11.1911)
  16. 16. Sein Verhältnis zum Vater? *1852
  17. 17. Seine Art zu zeichnen? 1905
  18. 18. Sein Verhältnis zur Mutter? *1856
  19. 19. Seine Unbedingtheit, (Berufs)Leben und Schreiben versöhnen zu wollen? TB S. 33
  20. 20. Sein Blick?
  21. 21. Was fasziniert uns an Kafkas Texten?
  22. 22. Die Personen und Geschichten?
  23. 23. Die Sprache? „Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.“ • Eines Morgens wurde Josef K. verhaftet. • Jemand hatte Josef K. verleumdet, denn er wurde eines Morgens verhaftet. • Jemand hatte Josef K. verleumdet, denn ohne dass er etwas Böses getan hatte, wurde er eines Morgens verhaftet. • Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hatte, wurde er eines Morgens verhaftet.
  24. 24. Die Sprache? „Beim Einschlafen ein vertikal gehender Schmerz im Kopf über der Nasenwurzel, wie von einer zu scharf gepreßten Stirnfalte.“ (TB, 3.10.1911) „Kunstloser Übergang von der gespannten Haut der Glatze meines Chefs zu den zarten Falten seiner Stirn. Eine offenbare, sehr leicht nachzuahmende Schwäche der Natur, Banknoten dürften nicht so gemacht sein.“ (TB, 13.10.1911)
  25. 25. Die Themen? Worin besteht meine Schuld? Väter und Söhne Wie weit ist es bis zu dir? Wo ist Wahrheit? Das Gesetz Die Unmöglichkeit der Liebe Die Abgründigkeit des Alltäglichen
  26. 26. ???
  27. 27. Überlagerung von Leben und Literatur Literar. Texte Tagebuch Briefe
  28. 28. Struktur • Apéro Was fasziniert uns an Kafka? • Vorspeise Wie und wann lebt und schreibt Kafka? • Hauptspeise „Was will uns der Dichter sagen?“ • Nachspeise Kafka und die Krankheit(en)
  29. 29. Vorspeise Wie und wann lebt und schreibt Kafka? http://www.kafka.org/picture/roland/1.jpg
  30. 30. Prag 1900
  31. 31. Prag 1900
  32. 32. Prag 1900 Ca. 400‘000 Einwohner Davon ~ 30‘000 Deutsche, wovon viele Juden Wenzelsplatz Karlsbrücke
  33. 33. Eckpunkte zur Zeit (1912-1924) Leica Zwölftonmusik Der Blaue Reiter Dada Erste Rundfunksendung Spanische Grippe 1. Weltkrieg Atommodelle Titanic 14.4.1912 Relativitätstheorien Kubismus Bauhaus Bewegliche Prothesen (Sauerbruch, 1916)
  34. 34. Eckpunkte zur Zeit (1912-1924) Thomas Mann Schnitzler George Proust Klee Chaplin Trakl Hofmannsthal Picasso Modigliani C.G. Jung Kubismus Rilke Joyce Freud Klee
  35. 35. „Meine eigentlichen Blutsverwandten“ Grillparzer Dostojewski Kleist Flaubert
  36. 36. Leben und Werk: Leben • Leben: 40 Jahre und 11 Monate; Jude; Pensionierung mit 39; † Kehlkopftuberkulose • 45 Tage im Ausland. Zeuge eines Weltkriegs • Unverheiratet. Drei Verlobungen; Liebesbeziehungen zu weiteren 4 Frauen; 6 Monate in gemeinsamer Wohnung mit einer Frau; offiziell keine Nachkommen (evtl. ein Sohn (1914-1921); „entbehrt jeder Grundlage.“ Stach)
  37. 37. Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt
  38. 38. Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt
  39. 39. Leben und Werk: Leben Hermann & Julie Kafka
  40. 40. Leben und Werk: Leben Elli Valli Ottla
  41. 41. Leben und Werk: Leben Milena Jesenská Felice Bauer Dora Diamant Julie Wohryzek „Ich kann offenbar nur das lieben, was ich so hoch über mich stellen kann, dass es mir unerreichbar wird.“
  42. 42. Leben und Werk: Werk • 40 vollendete Prosatexte. • Kritische Ausgabe: 350 Druckseiten an von Kafka als abgeschlossen betrachteten Texten; 3400 Druckseiten TB und Fragmente (darunter drei Romane) • 1500 erhalten gebliebene Briefe •  Aufwand : Ertrag = bizarr (~ 10:1)
  43. 43. Leben und Werk Karge Lebensbilanz  kulturelle Aura Wie kommt so etwas zustande? „Das einzige, was ich habe, sind irgendwelche Kräfte, die sich in einer im normalen Zustand gar nicht erkennbaren Tiefe zur Literatur koncentrieren.“
  44. 44. Kafkas Tageslauf „Von 8 bis 2 oder 2 1/3 Bureau, bis 3 oder ½4 Mittagessen, von da ab Schlafen im Bett (...) bis ½8, dann 10 Minuten Turnen, nackt bei offenem Fenster, dann eine Stunde Spazierengehn allein oder mit Max oder mit noch einem andern Freund, dann Nachtmahl innerhalb der Familie (ich habe 3 Schwestern, eine verheiratet, eine verlobt, die ledige ist mir, unbeschadet der Liebe zu den andern, die bei weitem liebste) dann um ½11 (oft wird aber auch sogar ½12) Niedersetzen zum Schreiben und dabeibleiben je nacht Kraft, Lust und Glück bis 1, 2, 3 Uhr, einmal auch schon bis 6 Uhr früh. Dann wieder Turnen, wie oben, nur natürlich mit Vermeidung jeder Anstrengung, abwaschen und meist mit leichten Herzschmerzen und zuckender Bauchmuskulatur ins Bett. Dann alle möglichen Versuche einzuschlafen, d.h. Unmögliches zu erreichen, denn man kann nicht schlafen .... So besteht die Nacht aus zwei Teilen, aus einem wachen und einem schlaflosen .... Natürlich ist es dann kein besonderes Wunder, wenn ich im Bureau am Morgen gerade knapp noch mit dem Ende meiner Kräfte zu arbeiten anfange.“ (Brief an Felice, 1.11.1912)
  45. 45. Kafkas Schreibtisch „Jetzt habe ich meinen Schreibtisch genauer angeschaut und eingesehn, dass auf ihm nichts Gutes gemacht werden kann. Es liegt hier so vieles herum und bildet eine Unordnung ohne Gleichmässigkeit und ohne jede Verträglichkeit der ungeordneten Dinge, die sonst jede Unordnung erträglich macht.“ (TB, 24./25.12.1910)
  46. 46. Bedeutung des Schreibens „Mein Glück, meine Fähigkeiten und jede Möglichkeit, irgendwie zu nützen, liegen seit jeher im Literarischen.“ (TB, 28.3.1911)
  47. 47. Wichtigkeit des Schreibens „Ich habe inzwischen, nachdem ich durch Wahnsinnszeiten gepeitscht worden bin, zu schreiben angefangen und dieses Schreiben ist mir in einer für jeden Menschen um mich grausamsten (unerhört grausamen, davon rede ich gar nicht) Weise das Wichtigste auf Erden, wie etwa einem Irrsinnigen sein Wahn (wenn er Ihn verlieren würde, würde er quot;irrsinnigquot; werden) oder wie einer Frau ihre Schwangerschaft. Das hat mit dem Wert des Schreibens, wie ich auch hier wiederhole, gar nichts zu tun, den Wert erkenne ich ja übergenau, aber ebenso auch den Wert, den es für mich hat... Und darum halte ich das Schreiben in zitternder Angst vor jeder Störung umfangen und nicht nur das Schreiben, sondern auch das dazu gehörige Alleinsein.“ (An Klopstock, Ende März 1923)
  48. 48. Was heisst Schreiben? Einer der ersten TB-Einträge; 1910
  49. 49. Schreiben: ein akrobatischer Akt TB S. 11
  50. 50. Was heisst Schreiben? Einer der ersten TB-Einträge; 1910
  51. 51. Schreiben: ein akrobatischer Akt TB S. 11
  52. 52. Warum die Erzählungen? „Von allem, was ich geschrieben habe, gelten nur die Bücher: Urteil, Heizer, Verwandlung, Strafkolonie, Landarzt und die Erzählung: Hungerkünstler.“ (Brief an Brod, 29.11.1922 – „Letzter Wille“)
  53. 53. Hauptspeise „Was will uns der Dichter sagen?“ http://www.math-inf.uni-greifswald.de/mathematik+kunst/pic/computer/anatomie-800.jpg
  54. 54. „Eine gute Lektüre ist ein Dank an den Text.“ (George Steiner)
  55. 55. Das Urteil
  56. 56. „... Das besondere Korrespondenzverhältnis“ Frühling zum Freund in Petersburg Georg Bendemann Der Brief mit der Verlobungsanzeige Sonntag- Zimmer des Sohnes 1/3 vormittag Vater Information des Vaters über den Brief (Mutter) Schlechtes Gewissen des Sohnes „Zudecken“ – Nein! (Abwesen- Outing des Vaters als Komödiant, der „die der Freund) Braut wegfegen wird“ und den Sohn zum Tod durch Ertrinken verurteilt (Frieda Brandenfeld) Zimmer des Vaters 2/3 Lauf zur Brücke – der Fall
  57. 57. Oedipus-Komplex
  58. 58. Oedipus-Komplex
  59. 59. Überlagerung von Leben und Literatur
  60. 60. Leben und Werk Felice Bauer August 1912 – Dezember 1917 1883 1924 1912 1914 1915 1917 Das Urteil Ein Landarzt Die Verwandlung Der Process In der Strafkolonie
  61. 61. Die Verwandlung
  62. 62. Verwandlung I ca. 1h Winter Gregor Samsa Das Erwachen / Die Erkenntnis / Die (ca. Nov.) Reaktionen 15 Seiten Vater Verwandlung II ca. 1 Monat Eingewöhnung / Tierwerdung / Gregors Zimmer Familienmitglieder beginnen zu Mutter arbeiten „Schwere Verwundung“ Gregors 16 Seiten Schwester: Grete (17) Verwandlung III ca. 2-3 Monate Dienstmädchen Gregors Zustand / Gregors Zimmer / Violinspiel / Todesurteil durch Grete / „Gregor“  „er“  „es“  „das Zeug von nebenan“ / Die Familie 16 Seiten März
  63. 63. Autonomie Familie Gregor Zeit
  64. 64. Wohnung der Samsas Die Verwandlung
  65. 65. Leben und Werk Der Vater 1883 1924 1912 1915 1917 1919 Das Urteil Brief an den Vater Die Verwandlung Der Process
  66. 66. Der Brief an den Vater Im Manuskript >100 Seiten Schelesen - Selbstanalyse - Selbstanklage - Paraphrase des URTEILS - Selbstbiographie Ein unterstrichenes Wort: Schuld .
  67. 67. Brief an den Vater: Situation • 1917: Blutsturz – 2. Entlobung • 1918: Kafka hält sich vom Schreiben fern • März 1919: Heirat von Felice B. Kafka verliert Vertraute • Sommer 1919: Verlobung Ottlas • Sommer 1919: 3. Verlobung (mit Julie Wohryzek): Die für die erste November- woche geplante Heirat scheitert am Widerstand des Vaters • 10. November 1919: Beginn des „Briefs“
  68. 68. Brief an den Vater: Empfindung „Dadurch wurde die Welt für mich in drei Teile geteilt, in einen, wo ich, der Sklave lebte, unter Gesetzen, die nur für mich erfunden waren und denen ich überdies, ich wußte nicht warum, niemals völlig entsprechen konnte, dann in eine zweite Welt, die unendlich von meiner entfernt war, in der Du lebtest, beschäftigt mit der Regierung, mit dem Ausgeben der Befehle und mit dem Ärger wegen deren Nichtbefolgung, und schließlich in eine dritte Welt, wo die übrigen Leute glücklich und frei von Befehlen und Gehorchen lebten. Ich war immerfort in Schande, entweder befolgte ich Deine Befehle, das war Schande, denn sie galten ja nur für mich; oder ich war trotzig, das war auch Schande, denn wie durfte ich Dir gegenüber trotzig sein, oder ich konnte nicht folgen, weil ich z. B. nicht Deine Kraft, nicht Deinen Appetit, nicht Deine Geschicklichkeit hatte, ...; das war allerdings die größte Schande.“
  69. 69. Brief an den Vater: Empfindung „Manchmal stelle ich mir die Erdkarte ausgespannt und Dich quer über sie hin ausgestreckt vor. Und es ist mir dann, als kämen für mein Leben nur die Gegenden in Betracht, die Du entweder nicht bedeckst oder die nicht in Deiner Reichweite liegen. Und das sind entsprechend der Vorstellung, die ich von Deiner Größe habe, nicht viele und nicht sehr trostreiche Gegenden und besonders die Ehe ist nicht darunter.“
  70. 70. Brief an den Vater: Empfindung „Mein Schreiben handelte von Dir, ich klagte dort ja nur, was ich an Deiner Brust nicht klagen konnte. Es war ein absichtlich in die Länge gezogener Abschied von Dir, nur daß er zwar von Dir erzwungen war, aber in der von mir bestimmten Richtung verlief.“
  71. 71. Brief an den Vater: Themen • Ursituation Vater – Sohn • Macht und Ohnmacht • Das 4. Gebot • Misstrauen des Vaters  Sohn: „Ich war immerfort in Schuld.“ • Das Scheitern der Flucht vor dem Vater: Mutter / Schreiben („Legs auf den Nachttisch!“) / Heiraten • Selbstanklage • Verlangen, eine Selbstbiographie zu schreiben
  72. 72. Kafka-Denkmal Prag
  73. 73. Brief an den Vater: Odyssee Mutter Franz Vater November 1919 Milena Die Illustration einer „Kaiserlichen Botschaft“....
  74. 74. Eine kaiserliche Botschaft
  75. 75. Vor dem Gesetz
  76. 76. Struktur: Botschaft / Gesetz Kaiserliche Botschaft Bote Vor dem Gesetz VerBote „Es genügt, dass die Pfeile genau in die Wunden passen, die sie geschlagen haben.“ (TB, 20.1.1922)
  77. 77. Nachspeise Kafka und die Krankheit(en) http://purplefilm.wordpress.com/2007/04/
  78. 78. Ein Landarzt
  79. 79. Ein Landarzt Aus einem Interview 2008 • Zeitung: Wenn Sie heute jemandem, der interessiert, aber sich, sagen wir ruhig mal, an den Kafka noch nicht so richtig herantraut, irgendeinen Zugang empfehlen sollten, was würden Sie nennen, die Einstiegsdroge? • Wagenbach: Sie treffen ins Herz. Natürlich den quot;Landarztquot;. quot;Der Landarztquot;, ich meine jetzt den Band quot;Landarztquot;, ein wunderbares Buch. Aber da sieht man, was mich natürlich auch berührt als Verleger, man sieht das Schicksal von Büchern. quot;Der Landarztquot;, meiner Meinung sein schönstes Buch zu Lebzeiten. Da sind alle diese vor dem Gesetz und Richter der Akademie und der Landarzt und die kaiserliche Bourgeoise, die sind da alle drin. Dieses Buch hat nicht eine einzige Rezension bekommen, das muss man sich mal vorstellen, 1920, nicht eine. Es wurden, weiß ich, 300 Exemplare verkauft. Das Buch war lieferbar bis in die Nazizeit, dann wurde es eingestampft.
  80. 80. Landarzt Der Ruf der Nachtglocke „Man weiss nicht, was für Dinge man im Winter Rosa eigenen Haus vorrätig hat...“ (Magd) Pferdeknecht Reise-Wunder: 10 Meilen im Flug Der Krankenbesuch Junger Kranker Der gesunde Kranke /der Gesunde wider Willen – die rosa Wunde Dorfbevölkerung samt Schulchor Aufgabe des Arztes / Heilmethodik Rückreise: Niemals komme ich so nach Hause „Nackt, dem Froste dieses unglückseligsten Zeitalters ausgesetzt, mit irdischem Wagen, unirdischen Pferden, treibe ich mich alter Ewiger Mann umher.“ Winter?
  81. 81. TB, 9. Oktober 1911 „Sollte ich das 40te Lebensjahr erreichen, so werde ich wahrscheinlich ein altes Mädchen mit vorstehenden, etwas von der Oberlippe entblößten Oberzähnen heiraten. (...) Vierzig Jahre alt werde ich aber kaum werden, dagegen spricht z. B. die Spannung, die sich mir über die linke Schädelhälfte öfters legt, die sich wie ein innerer Aussatz anfühlt und die auf mich, wenn ich von den Unannehmlichkeiten absehe und nur betrachten will, den gleichen Eindruck macht wie der Anblick der Schädelquerschnitte in den Schullehrbüchern oder wie eine fast schmerzlose Sektion bei lebendem Leibe, wo das Messer ein wenig kühlend, vorsichtig, oft stehenbleibend und zurückkehrend, manchmal ruhig liegend blätterdünne Hüllen ganz nahe an arbeitenden Gehirnpartien noch weiter teilt.“
  82. 82. Kafkas Gebresten • „neurovegetative Instabilität und Überempfindlichkeit“: – Gastrische Beschwerden – Herzstörungen – Chronische Schlaflosigkeit – Quälende Kopfschmerzen • Vasomotorische Störungen (Hautjucken, ...) • Einsamkeit, Ängste, Depressionen, Minderwertigkeitsgefühle, Erschöpfung
  83. 83. Die Tuberkulose „Jedenfalls verhalte ich mich heute zu der Tuberkulose, wie ein Kind zu den Rockfalten der Mutter, an die es sich hält. Kommt die Krankheit von der Mutter, stimmt es noch besser und die Mutter hätte mir in ihrer unendlichen Sorgfalt, weit unter ihrem Verständnis der Sache, auch noch diesen Dienst getan. Immerfort suche ich eine Erklärung der Krankheit, denn selbst erjagt habe ich sie doch nicht. Manchmal scheint es mir, Gehirn und Lunge hätten sich ohne mein Wissen verständigt. quot;So geht es nicht weiterquot; hat das Gehirn gesagt und nach 5 Jahren hat sich die Lunge bereit erklärt, zu helfen.“ (an Brod, 13.9.1917)
  84. 84. Die Tuberkulose „Es ist eben medizinisch, im Spaß und im Ernst, ein aussichtsloser Fall. Willst Du eine Laiendiagnose? Die körperliche Krankheit ist hier nur ein Aus-den-Ufern-Treten der geistigen Krankheit; will man sie nun wieder in die Ufer zurückdrängen, wehrt sich natürlich der Kopf, er hat ja eben in seiner Not die Lungenkrankheit ausgeworfen und nun will man sie ihm wieder aufdrängen, und zwar gerade in einem Augenblick, wo er die größte Lust hat, noch andere Krankheiten auszuwerfen. Und beim Kopf anfangen und ihn heilen, dazu gehörte die Körperkraft eines Möbelpackers, die ich mir eben aus dem obigen Grunde niemals werde verschaffen können.“ (an Baum, Juni 1918)
  85. 85. Die Tuberkulose „Ich bin geistig krank, die Lungenkrankheit ist nur ein Aus- den-Ufern-treten der geistigen Krankheit. Ich bin so krank seit den ersten vier, fünf Jahren meiner ersten zwei Verlobungen.“ (an Milena, 1920)
  86. 86. Die Tuberkulose „Es ist auch glaubwürdig, daß die Tuberkulose eingeschränkt wird, jede Krankheit wird schließlich eingeschränkt. Es ist damit so wie mit den Kriegen, jeder wird beendet und keiner hört auf. Die Tuberkulose hat ihren Sitz ebensowenig in der Lunge, wie z. B. der Weltkrieg seine Ursache im Ultimatum. Es gibt nur eine Krankheit, nicht mehr, und diese eine Krankheit wird von der Medizin blindlings gejagt wie ein Tier durch endlose Wälder.“ (an Brod, April 1921)
  87. 87. Die Tuberkulose „Sie fragen nach meiner Krankheit, so schlimm ist sie nicht, wie sie vor der geschlossenen Tür des Krankenzimmers aussieht, aber ein wenig brüchig ist das Gebäude, doch ist es jetzt schon besser und war noch vor 2 Monaten sogar recht gut. Es ist eben eine etwas verwirrte Kriegslage. Die Krankheit selbst, als Kampftruppe angesehn, ist das gehorsamste Geschöpf der Welt, ihre Augen sind nur auf das Hauptquartier gerichtet, und was man dort befiehlt, das tut sie, doch ist man oben oft unsicher in den Entschlüssen und auch sonst gibt es Missverständnisse. Die Teilung zwischen Hauptquartier und Truppe sollte aufhören.“ (an Minze Eisner, Herbst 1922)
  88. 88. Fazit Die Krankheiten ermöglichen Kafka offensichtlich, nicht gesund sein zu müssen. Gesund sein hiesse: Heiraten, eine Familie gründen, als Angestellter ordentlich arbeiten, also ein kleinbürgerliches Dasein fristen. Krank sein ermöglicht ihm zu schreiben, auch wenn das Resultat eine körperliche Katastrophe sein wird (wie im HUNGERKÜNSTLER)  die perfekte Kunst mündet in die Selbstauflösung.
  89. 89. Das letzte Bild: Oktober 1923 http://www.uni-saarland.de/verwalt/presse/campus/2005/1/26-kafka.html
  90. 90. Kafkas letzter Wille (29.11.1922) Für diesen Fall also mein letzter Wille hinsichtlich alles von mir Geschriebenen: Von allem was ich geschrieben habe gelten nur die Bücher: Urteil, Heizer, Verwandlung, Strafkolonie, Landarzt und die Erzählung: Hungerkünstler. ... Dagegen ist alles, was sonst an Geschriebenem von mir vorliegt (in Zeitschriften Gedrucktes, im Manuskript oder in Briefen) ausnahmslos soweit es erreichbar oder durch Bitten von den Adressaten zu erhalten ist - alles dieses ist ausnahmslos am liebsten ungelesen (doch wehre ich Dir nicht hineinzuschauen, am liebsten wäre es mir allerdings wenn Du es nicht tust, jedenfalls aber darf niemand anderer hineinschauen) - alles dieses ist ausnahmslos zu verbrennen und dies möglichst bald zu tun bitte ich Dich Franz
  91. 91. Und wieder: Im Schnee... http://www.volny.cz/koubap/Sterbliche /obrazky/kafka.jpg
  92. 92. Dienstag, Beginn des Monats Siwan 5684. Der obengenannte, prachtvolle, unvermählte Mann, unser Lehrer und Meister Anschel, seligen Angedenkens, ist der Sohn des hochverehrten R. Henoch Kafka, sein Licht möge leuchten. Der Name seiner Mutter ist Jettl. Seine Seele möge eingebunden sein im Bund des ewigen Lebens.
  93. 93. „Wer sucht, der findet nicht – wer nicht sucht, wird gefunden.“ http://www.drs2.ch/www/de/drs2/sendungen/hoerspiel-drs-2/2846.sh10033484.html
  94. 94. Quintessenz Man kommt kaum je zum Ziel, hat aber ein grossartiges Leseabenteuer hinter sich. Einen Buchstaben nur ändern, und schon wird LESEN zu LEBEN.
  95. 95. Woher kommen Kafkas Texte?

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