Broschüre zum Klimagipfel Kopenhagen

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Mit der Broschüre "Kopenhagen 2 Grad" informiert die Heinrich-Böll-Stiftung über den Klimagipfel Kopenhagen 2009. Das Heft gibt darüber hinaus Informationen über eine alternative Klimapolitik wie zum Beispiel den Green New Deal.

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Broschüre zum Klimagipfel Kopenhagen

  1. 1. 2 ° Kopenhagen
  2. 2. Inhalt Wärmer ist uncool 3 Die Vorreiter des Südens 8 Wärmer ist uncool Brasilien 8 Liebe Leserin und lieber Leser, China 9 Indien 10 Kopenhagen muss den Durchbruch bringen. Das Südafrika 10 sagen Nichtregierungsorganisationen rund um den Globus und sie rüsten sich, um im Vorfeld und vor Global Green New Deal 11 Ort Druck auf die Politik und die Delegierten der Es gibt keine Alternative: Die Klimaverhandlungen in Kopenhagen UN-Klimakonferenz auszuüben. müssen das Zeitalter der Kooperation zwischen reichen und armen Die einen per Klimadiplomatie in den Konferenz- Ländern einleiten. Weil davon alle profitieren. räumen, die anderen mit Aktionen und Demons- von Tilman Santarius, Barbara Unmüßig und Lili Fuhr trationen. So unterschiedlich die Strategien sein mögen, das Ziel ist das Gleiche. Der Klimawandel und seine Folgen werden heute weder von Wissenschaftlern noch von den Regie- rungen angezweifelt. Dafür sind die Auswirkungen rund um den Erdball zu offensichtlich. Maximal zwei Grad darf die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter betragen, um die Was ist so schlecht daran, wenn es in Deutschland ein bisschen wär- Folgen des Klimawandels gerade noch bewältigen mer wird? «Die Nordsee wird zum Mittelmeer» verkündet die Süd- zu können. Klimapolitik ist eine globale, nationale deutsche Zeitung, vor dem inneren Auge pilgern Touristenscharen und lokale Aufgabe, die ein radikales Umsteuern in aus dem heißen Italien nach Norden. Toskana, Rom, Sizilien? Wir ha- eine nicht fossile Zukunft von allen verlangt. ben Wangerooge! Schon heute freuen sich die deutschen Weinbauern, dass jetzt auch südliche Sorten wie der Bordeaux gedeihen. So lecker Barbara Unmüßig, Vorstand Heinrich-Böll-Stiftung kann Klimawandel sein. Wirklich? Veröffentlicht von der Heinrich-Böll-Stiftung in Zusammenarbeit mit ihren Landesstiftungen Heinrich-Böll-Stiftung Heinrich-Böll-Stiftung Hessen, Frankfurt Heinrich-Böll-Stiftung www.boell.de www.hbs-hessen.de Rheinland-Pfalz, Mainz Stiftung Leben und Umwelt www.boell-rlp.de Heinrich-Böll-Stiftung Baden- Württemberg e.V., Stuttgart Niedersachsen, Hannover Bildungswerk Weiterdenken in der www.boell-bw.de www.slu-boell.de Heinrich-Böll-Stiftung, Dresden www.weiterdenken.de Petra-Kelly-Stiftung, München Heinrich-Böll-Stiftung www.petra-kelly-stiftung.de Nordrhein-Westfalen, Dortmund Bildungswerk «Anderes Lernen» – www.boell-nrw.de Heinrich-Böll-Stiftung Umdenken – Politisches Bildungswerk Schleswig-Holstein, Kiel Heinrich-Böll-Stiftung Hamburg Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen, Erfurt www.boell-sh.de www.umdenken-boell.de www.boell-thueringen.de Heinrich-Böll-Stiftung Schumannstraße 8 10117 Berlin T 030 285 34-0 info@boell.de www.boell.de Impressum: Hrsg.: Heinrich-Böll-Stiftung Redaktion: Tilman Santarius und Annette Maennel (V.i.S.d.P) Layout: Elke Paul Übersetzung: Jochen Schimmang Fotos: S. 3 - 9: dpa - Report / S. 10: epa-Bildfunk und dpa - Report Auflage: 200.000 Berlin, Eisfiguren auf den Treppen des Konzerthauses am Berliner Gendarmenmarkt. Mit 1000 Dahinschmelzenden hat die Umwelt- im November 2009 Druck Allprint Media Berlin stiftung WWF im September 2009 vor den dramatischen Folgen der Arktis-Erwärmung gewarnt.
  3. 3. D ie ersten 70.000 Generationen der Menschheit haben ihr Leben allein mit nachwachsendem Brennholz, mit Früchten und Wild aus Wäldern ergie in der Atmosphäre, Städte wie Hamburg rech- nen darum schon heute mit einer größeren Zahl von Sturmfluten und Hochwassern. Am Oberrhein Wissenschaftler sind sich heute sicher, dass die steigende Zahl solcher Katastrophen auf die Klima- änderung zurück zu führen ist. In Zukunft – wird Erdenbürger noch rund 110 Tonnen CO2 zustehen. Doch bei dieser Verteilung hakt es gewaltig. und Steppen bestritten. Das war nicht immer lustig. Aber jetzt haben es die letzten fünf Generationen steigen die Pegel der Flüsse – in den Weiten Meck- lenburgs und Brandenburgs regiert dagegen bald der Klimawandel nicht radikal gebremst – kann der Anstieg des Meeresspiegels ganze Inseln im Mehr als 2 Grad Plus in den reichen Ländern geschafft, große Teile der die Trockenheit. Die Alpen werden ohne Gletscher Pazifischen Ozean versenken und Küstenstädte wie bekommen uns schlecht Öl-, Gas- und Kohlevorräte zu verbrauchen, die die Dhaka in Bangladesch, Mogadischu, Venedig oder Erde in der unvorstellbaren Zeit von 500 Millionen New Orleans langsam überspülen. Millionen von Denn bei den Pro-Kopf-Emissionen liegt ein US- Jahren ausgebrütet hatte. Die fossilen Rohstoffe ver- Menschen müssen dann eine neue Bleibe finden Amerikaner heute bei 20 Tonnen CO2, eine Deut- schwinden im Augenblick eines erdgeschichtlichen oder ein Leben als Klimaflüchtlinge in Auffangla- sche bei 11 Tonnen. Ein Chinese bringt es auch Wimpernschlags. Und den chemischen Restmüll gern fristen. Der Klimawandel ist die größte Be- schon auf 4 Tonnen, eine Inderin erreicht bloß 1,8 dieses Energiekonsums deponieren wir in der At- drohung des vor uns liegenden Jahrhunderts. Und Tonnen und Menschen in Madagaskar, Nepal oder mosphäre. Der Anteil des Kohlendioxids liegt in- Verursacher sind vor allem die Industrieländer des Uganda kommen nur auf mickrige 0,1 Tonnen. Sie zwischen bei 390 Molekülen je einer Million Luft- Nordens, wir alle durch unseren täglichen Konsum bräuchten sich über ihre Emissionen eigentlich kei- teilchen (Parts per Million, ppm). Zum Vergleich: und die Art und Weise, wie unsere Gesellschaft ne Gedanken zu machen. Ein Amerikaner dürfte Bevor die fossilen Brennstoffe die Industrialisie- funktioniert. Das steht längst außer Frage. dagegen nur noch fünfeinhalb Jahre Kohlendioxid rung wie ein Turbolader geboostet haben, lag der in die Luft pusten, eine Deutsche noch ganze zehn Anteil bei 280 ppm! Die veränderte Zusammenset- Die jüngsten Berechnungen von Wissenschaftlern Jahre. Soll es gerecht zugehen auf der Welt, wäre zung verwandelt die Atmosphäre in ein Treibhaus: zeigen, dass wir von heute an bis zum Jahr 2050 dann Schluss. Da Nullemissionen in der kurzen Zeit Die Hitze der Sonne erreicht uns ungebremst, aber nur noch 750 Milliarden Tonnen Kohlendioxid in aber nicht möglich sind, müssen die Industrielän- nachts entweicht weniger Wärme in das Weltall. So die Atmosphäre blasen dürfen, wenn wir den welt- der die Nicht-Industriestaaten dabei unterstützen, Klimawandel – Bekämpfung der Wüstenbildung in China wird die Nordsee zur Riviera. weiten Temperaturanstieg unter 2 Grad halten ihre Emissionen ebenfalls zu verringern. Das ist die wollen – jede Steigerung darüber hinaus gilt weder Art von neuem, grünem Deal, der in Kopenhagen und mächtige Schneefelder kaum noch wieder zu als technisch noch finanziell beherrschbar. Das beschlossen werden muss. Den Anfang macht erkennen sein und in den Städten haben schon jetzt neue Krankheitserreger wie die asiatische Ti- heißt, dass jedem der heute knapp sieben Milliarden die Tigermücke germücke ein neues Zuhause gefunden. Schlimm? Im Gegensatz zu den Ländern des Südens geht es D och auch an der Nordsee hört der Spaß am Klimawandel schneller auf als der Tourist sei- ne Badematte zusammenrollen kann: Durch das uns immer noch ziemlich gut. 2008 hat die bisher geringe Erwärmung – welt- wärmere Klima schmilzt das Eis an den Polen, die weit 0,8 Grad - schon rund 300.000 Menschen Meere steigen und überschwemmen nicht nur den das Leben gekostet. Sie sind an Hunger in Dürre- Strand, sondern auch das Wattenmeer – wenn der gebieten gestorben, weil das Wasser ihre Ernten größte deutsche Nationalpark verschwindet, müs- weggeschwemmt hat oder an Durchfall infolge ver- sen die Nordseeinseln die Wattführungen aus ihrem seuchten Trinkwassers. Natürlich kann man nicht Angebot streichen. Mehr Wärme bedeutet mehr En- bei jedem Sturm gleich «Klimawandel» schreien. Vermeiden, was nicht zu beherrschen ist Wie hoch soll der Meeresspiegel ansteigen? Wie viele Inseln sollen im Meer versinken? Wenn der Temperaturanstieg auf gerade noch beherrschbare 2 Grad begrenzt werden soll, sind ab sofort drastische Einsparungen in den Industri- eländern nötig. Die Emissionen müssen gegenüber 1990 bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent, bis 2030 um 60 Prozent und bis 2050 um 90 Prozent heruntergefahren werden. Wir müssen also in weniger als zwei Generationen neun Zehntel unserer Emissionen überflüssig machen! Eine gigantische Herausforderung. Aber jenseits von 2 Grad, so war- nen uns die Klimaforscher, werden wir die Folgen des Klimawandels überhaupt nicht mehr beherrschen können. 4 Zu warm ist nicht cool
  4. 4. Grüner Deal ben hier auch die meisten Menschen der Welt. Und dennoch: so lange nicht auch diese Länder Energie Die USA sind kein für die ganze Welt sparen und ihre Wirtschaft auf erneuerbare Ener- Maßstab gien umstellen, geht der Klimawandel weiter. Doch Entwicklungsland ist nicht gleich Entwick- Wenn ein internationales Klimaschutz-Abkommen lungsland. Zwar sind die Industriestaaten historisch für 70 bis 80 Prozent aller Emissionen verantwort- in Kopenhagen gelingen soll, dann müssen wir in den Industrieländern ehrgeizige Minderungsziele E s ist erfreulich, wie Obama in Amerika einen grundlegenden Richtungswechsel eingeleitet hat. Trotzdem bleibt der Energieverschwender USA lich. Der größte Zuwachs an Treibhausgasen findet für uns selbst verbindlich zusagen und die Entwick- der größte Bremser auf dem Weg zu konkreten Fest- aber derzeit nicht mehr im Norden statt, sondern in lungsländer auf zwei Arten unterstützen: Erstens, legungen in Kopenhagen. Aber egal wie sie sich in den aufstrebenden Schwellenländern. China, In- indem wir ihnen helfen, sich an jene Folgen des Kli- Graffiti in Dominica: «Rettet die Natur – Keine Abholzung Kopenhagen verhalten: Auf keinen Fall dürfen die donesien, Südafrika, Mexiko, Indien oder Brasilien mawandels anzupassen, die wir gar nicht mehr ver- – Keine ausgetrockneten Flüsse – Kein Bergbau USA für uns zum Maßstab und zur Entschuldi- – in der Summe werden in den Entwicklungslän- meiden können. Sei es durch den Bau von Deichen, gung werden. Denn wenn die Staatschefs sich nur dern inzwischen mehr als die Hälfte der jährlichen durch die Erforschung angepasster Getreidesorten auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen, weltweiten Treibhausgase emittiert. Natürlich le- oder indem die Länder Versicherungen gegen Ern- teausfälle von uns bezahlt bekommen. Schließlich Ohne Waldschutz bedeutet das nichts anderes als die größtmögliche haben wir ihnen den Klimawandel eingebrockt. reicht’s nicht Klimakatastrophe. Von Kopenhagen muss eine klare Ansage an Bundes- wie Kommunalpolitiker, Managerinnen Eine Politik der Das sind zwar keine Peanuts. Aber doch weniger als ein Prozent unserer jährlichen Wirtschaftsleistung und Ingenieure ausgehen, dass jetzt die Weichen Klimagerechtigkeit von 3000 Milliarden Dollar. Es ist ein winziger Obu- für den Einstieg in die solare Weltwirtschaft ge- stellt werden. Und an Konsumentinnen und Kon- lus um das zu verhindern, was Stern als Mensch- sumenten, dass wir unsere Lebensstile gehörig in Z weitens brauchen die Länder des Südens Geld, um dreckige Kohlekraftwerke durch hocheffi- ziente Wind-, Wasser- oder Solarkraftwerke zu er- heitskatastrophe bezeichnet: Bei einem Klimawan- del deutlich über die 2-Grad-Grenze hinaus wird die Welt, wie wir sie kennen, ihr Gesicht gründlich Frage stellen müssen. Nur dann werden Wohlstand und Gerechtigkeit eines Tages für alle Menschen greifbar sein. Es muss uns gelingen, das fossile Zeit- setzen und zugleich ihren Energiebedarf etwa durch verändern: Küsten werden nicht mehr da sein wo alter zu beenden, lange bevor wir alle Vorräte an Öl, Häuser auf Null-Energie-Standard deutlich zu sen- sie heute sind, Wüsten breiten sich aus. Und – so Gas und Kohle verbraucht haben. Sonst macht das ken. Auch wenn sich solche Investitionen langfristig Stern – viele hundert Millionen Menschen werden Klima uns das Leben auf der Erde zur Hölle. rechnen – es erfordert zunächst erhebliches Start- ihre Städte und Dörfer verlassen, weil man in ihnen Aber warum sollte es nicht gelingen? Die Steinzeit kapital, das die meisten Entwicklungsländer nicht nicht mehr leben kann. ist auch nicht zu Ende gegangen, weil die Steine haben. Sie können es sich einfach nicht leisten, Ingenieure, Wissenschaftlerinnen und Unterneh- ausgegangen sind. Sondern weil die Menschen ein gleichzeitig die Armut zu bekämpfen und in den Kli- mer haben mit den erneuerbaren Energien längst Stück schlauer geworden sind. maschutz zu investieren. Sie brauchen unsere finan- eine Zukunftswirtschaft geschaffen, die die Welt zielle und technische Unterstützung um den Klima- schon in zwei bis drei Jahrzehnten vollständig mit wandel auch in unserem Interesse zu stoppen. Strom, Treibstoff und Wärme versorgen kann. Doch Zu teuer, nicht möglich? Bis zum Jahre 2020 sollen das alleine reicht nicht. Die 2-Grad-Grenze kann nur die Kosten für Anpassungsmaßnahmen bei 50 bis gehalten werden, wenn auch die Wälder weltweit 86 Milliarden Dollar pro Jahr liegen. Deutschlands geschützt werden. Ein Viertel des von Menschen ge- Klimaclip fairer Beitrag läge bei zwei bis drei Milliarden Dol- machten Ausstoßes an Treibhausgasen stammt aus «Für ein Klima der Gerechtigkeit» lar pro Jahr. Der bekannte Klimaökonom Lord Ni- der Entwaldung; wegen des Raubbaus an ihren Wäl- www.youtube.com/boellstiftung cholas Stern hat in einem Aufsehen erregenden dern liegen Indonesien und Brasilien auf Rang vier Report ausgerechnet, dass die zusätzlich notwen- und fünf der großen Klimaverschmutzer. Immerhin Dossier zum Klimagipfel: digen Investitionen für den Einstieg in eine solare hat die Regierung Brasiliens angeboten, die Entwal- Auf dem Weg nach Kopenhagen Solarbetriebenes Fahrrad in Hangzhou, China. Das Rad Wirtschaft im Süden 2020 bei rund 100 Milliarden dung bis 2020 um 80% zu reduzieren, wenn sie hier- Die Heinrich-Böll-Stiftung begleitet die internationalen mit 0.6 Quadratmeter Solarzellen würde in der Serienpro- Klimaverhandlungen vom 7. - 18. Dezember 2009 in Dollar liegen. Deutschland müsste davon rund fünf für finanzielle Unterstützung erhält. Das wäre der duktion rund 498 Euro kosten. Kopenhagen mit aktuellen Informationen, Hintergrund- Milliarden Dollar aufbringen. wohl größte Einzelbeitrag zum Schutz des Klimas artikeln, internationalen Beiträgen und Publikationen. weltweit. Und «nebenbei» würden die letzten Urwäl- www.boell.de/oekologie der mit ihrer enormen Vielfalt an Pflanzen und Tie- ren sowie als Lebensraum etlicher Völker bewahrt. Wärmer ist uncool Wärmer ist uncool 7
  5. 5. Die Industrieländer tragen nach wie vor die Hauptverantwortung für den Klimawandel. Sie müssen bei der Bekämpfung des Treibhauseffekts vorangehen. Doch auch der Süden muss mitmachen. Vier Schwellenländer zei- gen, wie das geht und das obwohl in diesen Ländern mehr als die Hälfte der ärmsten Menschen der Welt leben. Die Vorreiter des Südens neuerbarer Energien am Primärenergieverbrauch ist Die Heinrich-Böll-Stiftung in China Brasilien Weltspitze. Der Durchschnitt in den Indus- www.boell-china.org trieländern liegt bei 6,2 Prozent. Die Heinrich-Böll-Stiftung Aber der CO2-Musterknabe wandelt sich zum in Indien Die Heinrich-Böll-Stiftung www.boell-india.org Schmuddelkind, wenn Emissionen aus der Entwal- in Brasilien dung und der Landwirtschaft eingerechnet werden. www.boell-latinoamerica.org Etwa zwei Drittel der Emissionen entstehen beim Abbrennen von Wäldern. Rechnet man sie in die na- Die Heinrich-Böll-Stiftung in Südafrika tionale Bilanz ein, rückt Brasilien auf Platz fünf der www.boell.org.za Weltverschmutzer vor. Bei den internationalen Verhandlungen bringt Bra- Alle Auslandsbüros der Heinrich-Böll-Stiftung finden Sie auf: www.boell.de/weltweit silien daher die Vernichtung des amazonischen Regenwalds auf die Tagesordnung. Die Regierung wartet indes nicht ab, sondern hat bereits einen Plan Drittel des deutschen bzw. einem Fünftel des US- vorgelegt, der die Entwaldung in Amazonien bis 2017 seiner Energie aus Er- amerikanischen Ausstoßes. Nichts desto trotz hat die Brasilien gewinnt fast die Hälfte um achtzig Prozent im Vergleich zum Durchschnitt neuerbaren. Das Abholzen des Regenwaldes verschlech- chinesische Regierung 2007 einen Nationalen Bericht der Jahre 2005/06 verringern soll. tert jedoch die Ökobilanz. Um diese Ziele zu erreichen, braucht es Geld – etwa über die Auswirkungen des Klimawandels und einen Nationalen Aktionsplan zu seiner Bekämpfung vor- eine Milliarde pro Jahr. Die Regierung hat einen Ama- Brasilien zonasfonds aufgelegt, in den Norwegen bereits 100 gelegt. Die Energieintensität der Wirtschaft soll um 20 Millionen US-Dollar eingezahlt hat. Die Bundesre- Prozent gesenkt werden. Der Anteil nicht fos- In der Gruppe der rasch wachsenden Schwellenlän- gierung will sich vorläufig nur mit 18 Millionen betei- siler Energieträger soll bis 2020 um 16 Prozent der spielt Brasilien eine Sonderrolle. Laut Energiebi- ligen. Es wäre ein wichtiger Schritt für den Schutz der erhöht werden. Allerdings schließt das auch den lanz ist es eines der grünsten Länder der Welt: Etwa Regenwälder weltweit, wenn das geplante Abkom- Bau von Großstaudämmen und Atomkraftwer- 75 Prozent des Stroms stammen aus der CO2-armen men in Kopenhagen alle Industrieländer zur Bereit- ken ein. Zur Anpassung an den Wandel werden Wasserkraft, hinzu kommt ein steigender Einsatz von stellung von ausreichend Finanzen bewegen könnte. lokale Untersuchungen vorgenommen und Pilotpro- Agrartreibstoffen. Mit einem Anteil von 45 Prozent er- Von Thomas Fatheuer jekte gestartet. Die Verringerung der Energieintensität wird in den China will die Energieinte nsität seiner Wirtschaft nächsten Fünfjahresplan eingearbeitet. Sie ließe 20 % senken. So steht es um Klima der Gerechtigkeit – ein Blog der Heinrich-Böll-Stiftung im nächsten Fünfjahresp lan. sich leicht zu einem nationalen Ziel der CO2 Re- duktion transformieren. Präsident Hu Jintao hat im Sie möchten Informationen beleuchten, hinterfragen, was das mit Gerechtigkeit zu tun September 2009 bereits angekündigt, dass China zur Klimapolitik stets ak- hat. Klicken Sie sich ein! Hier finden Sie pointierte Mei- China bereit wäre, in Kopenhagen ein verbindliches Reduk- tuell verfolgen und leicht nungen, lustige Fotos, kurze Video-Clips und jede Menge tionsziel für den Anteil seiner Treibhausgasemissi- verständlich nachvollziehen weiterführende web-links rund um die Themen Klima und Das bevölkerungsreiche China ist nach den USA onen am Volkseinkommen einzugehen. Um dies zu können? Die Heinrich-Böll- Gerechtigkeit. das Land mit den meisten Treibhausgasemissi- erreichen, möchte China in Zukunft auch einen nati- Stiftung bietet unter www.klima-der-gerechtigkeit.de einen Und Sie selbst können mitmachen! Geben Sie einen Kommen- onen in Summe. Pro Kopf und Jahr allerdings liegt onalen Emissionshandel einführen. Internet-Blog an. tar ab, bringen Sie Ihr Wissen ein. Auf Ihre Rückmeldungen China mit gut 4 Tonnen CO2 noch bei knapp einem Von Chen Jiliang und Kimiko Suda Seit nun schon zwei Jahren spießen wir auf diesem Blog ak- freuen sich Lili Fuhr und Tilman Santarius. tuelle Entwicklungen rund ums Klima auf, kommentieren, www.klima-der-gerechtigkeit.de Die Vorreiter des Südens
  6. 6. bereits große Aufforstungsprogramme angekündigt, Notfallmaßnahmen gegen Überflutungen und gegen Dürren sowie Programme zur Sicherung der Küsten und auch der Gletschergebiete, die ein zentrales Was- serreservoir für den Subkontinent darstellen. Von Sanjay Vashist Böll.Thema. Das Magazin der Heinrich-Böll-Stiftung Ausgabe 2.2009 Südafrika Immer dringender stellt sich die Frage, wie der ökolo- Klima und Gerechtigkeit. Unterwegs nach Kopenhagen gische Umbau unserer Gesellschaften vorangetrieben Ausgabe 1.2008 (nur als Download) Südafrika hat im Jahr 2008 eine Strategie zur Reduk- werden kann. Der Klimawandel verlangt von allen den Biodiversität. Bedrohung und Erhalt tion seiner Treibhausgasemissionen vorgelegt, obwohl schnellen Umstieg auf kohlenstofffreies Wirtschaften. Ausgabe 1.2009 (nur als Download) es als Entwicklungs- bzw. Schwellenland laut Kyoto- New Green Deal. Investieren in die Zukunft Protokoll nicht dazu verpflichtet wäre. Doch gemessen Investieren in die Zukunft Schriften zur Ökologie, Hrsg. Heinrich-Böll-Stiftung am Niveau der pro-Kopf-Emissionen rangiert Südafri- Wir müssen uns vom fossilen Industriezeitalter ver- ka weltweit unter den zwanzig größten Verschmut- n verpflichtenden Effizienzstan- abschieden, erneuerbarer Energien und Rohstoffe Indien will bis 2011 eine zern. Bisher werden rund neunzig Prozent der Elektri- dard für Autos einführen. fördern. Das erfordert tiefgreifende politische Re- zität aus Kohlekraftwerken gewonnen. formen und technische Innovationen in großem Stil. Bis 2020/25 sollen die Gesamtemissionen Südafri- Es geht um nichts weniger als um die ökologische Indien kas ihren Höchststand erreicht haben und ab 2035 schrittweise gesenkt werden – durch verbesserte Ener- Transformation des globalen Kapitalismus. Deutschlands Vorreiterrolle auf dem Prüfstand gieeffizienz, Investitionen in erneuerbare Energien, Der Global Green New Deal steht für einen langfri- Klimagerechtigkeit nach dem Greenhouse- Pro Kopf und Jahr liegen die Treibhausgasemissionen neue Technologien für Kohlekraftwerke (CO2-Abschei- stig angelegten Politikentwurf, der den Zielen öko- Development-Modell in Indien mit rund 1,8 Tonnen weit unter den 20 Ton- dung und -speicherung) und eine Modernisierung des logischer Nachhaltigkeit, sozialer Gerechtigkeit und Tilman Santarius, Berlin Oktober 2009, 32 S. nen in den USA beziehungsweise den 11 Tonnen in Transportwesens. Eine CO2-Steuer für die Industrie gleichberechtigter Teilhabe im internationalen Kon- Grüne Wege aus der Autokrise Deutschland. Wegen seines Bevölkerungsreichtums und für verbrauchsstarke Luxusfahrzeuge soll schon text verpflichtet ist. Die Heinrich-Böll-Stiftung sieht Vom Autobauer zum Mobilitätsdienstleister ist das Land aber bereits der viertgrößte Treibhaus- Weert Canzler u. Andreas Knie, Berlin 2009, 32 S. in den kommenden Jahren eingeführt werden. Auch darin Chancen für unternehmerische Initiative, neue gasemittent weltweit. Daher spielt Indien eine wich- Investitionen in die Nuklearenergie sind vorgesehen, Arbeitsplätze, neue Märkte und einen ebenso verant- Visionen künftigen Städtebaus tige Rolle für das Klimaabkommen von Kopenha- wenngleich Umweltschutzgruppen den Ausbau der wortungsbewussten wie genussfähigen Lebensstil. und urbaner Lebensweisen Berlin, Juni 2009, 96 S. gen. Weil es aber zu den Schwellenländern gehört, Atomwirtschaft als gefährlichen Irrweg kritisieren, der Download und Bestellung: www.boell.de/publikationen in dem Armut noch weit verbreitet ist, wird nicht Eine rasche ökonomische Transformation ist mög- gar nicht nötig wäre, um Südafrikas Ziele zu erreichen. Ich bestelle die oben angekreuzten Publikationen erwartet, dass das Land internationale Reduktions- lich, viele Technologien stehen bereits zur Verfügung. Von Antonie Nord verpflichtungen eingehen wird. Doch nicht jede technologische Innovation ist ökolo- Ich interessiere mich für die Arbeit der Heinrich-Böll- Entsprechend hat Indien bislang noch keine natio- gisch vertretbar oder sozial. Technologische Irrwege Stiftung. Bitte senden Sie mir Informationsmaterial zu. nalen Ziele zur Treibhausgasreduktion bestimmt. und Sackgassen müssen politisch verhindert werden. Frau Herr Fest steht aber, dass Indien die Treibhausgasinten- Name: sität in der Wirtschaft bis zum Jahr 2020 um 15 bis EcoFair rules - Von Doha nach Rom, Genf und Kopenhagen Gibt es eine Rückkehr zur nachhaltigen ländlichen Entwick- Vorname: 20% verringern will. Auch die Ziele zum Ausbau der lung Konferenz, 12.1.2010, in Kooperation mit Misereor, Solarenergie können sich sehen lassen: 20 Gigawatt Institution: Mit u.a.: O. de Shuttler (UN-Sonderbeauftragter), J. Sayer installierte Solarstromkapazität bis 2020, 100 Giga- Anschrift: (Misereor), B. Unmüßig (Heinrich-Böll-Stiftung) watt bis 2030 und 200 Gigawatt bis 2050. Zudem hat der Umweltminister Indiens angekündigt, bis 2011 Die große Transformation, Konferenz, 29./30.4.2010, in Zusammenarbeit mit dem Center for American Progress, einen verpflichtenden Effizienzstandard für Autos Telefon: IDEAS (Spanien), Green European Foundation, u.a. einführen zu wollen. ERENE – eine Europäische Gemeinschaft für Erneuerbare E-Mail: Weil das Land besonders stark von den Auswirkungen Energien. Eine Machbarkeitsstudie von Michaele Schreyer Ihre Angaben werden gemäß Bundesdatenschutzgesetz vertrau- des Klimawandels betroffen ist, wird Indiens Klima- und Lutz Mez. Hrsg. Heinrich-Böll-Stiftung. 2008, 96 S. lich behandelt. Sie können jederzeit der Nutzung Ihrer Daten widersprechen. Die Daten werden dann umgehend gelöscht. politik zunächst mehr durch Maßnahmen zur Anpas- ERENE im Netz: www.erene.org sung an den Klimawandel als durch Maßnahmen zur Datum/Unterschrift: Auf dem Weg zu einem Green New Deal. Emissionsminderung geprägt sein, Die Regierung hat Südafrika will ab 2020/25 seine Emissionen u.a. durch Die Klima- und die Wirtschaftskrise als transatlantische Bitte einsenden an: Heinrich-Böll-Stiftung, Öffentlich- Investitionen in erneuerbare Energien senken. Herausforderungen. Ein Strategiepapier von Hilary French, keitsarbeit, Schumannstraße 8, 10117 Berlin oder auf 10 Die Vorreiter des Südens Michael Renner und Gary Gardner unserer Website eintragen: www.boell.de/kopenhagen11 Überschrift
  7. 7. Für ein Klima der Gerechtigkeit Die Stiftung als Akteur in der internationalen Klima- und Energiepolitik D ie Heinrich-Böll-Stiftung ist eine Agentur für grüne Ideen und Projekte, eine reformpolitische Unsere Haltung in der Klima- und Energiepolitik Die Energiepolitik global Schutzbedürftige verdienen Zukunftswerkstatt und ein inter- verändern unsere Unterstützung nationales Netzwerk mit weit über Der globale Temperaturanstieg Schon heute leiden viele Menschen 100 Partnerprojekten in rund 60 muss auf unter zwei Grad Celsius in den Ländern des Südens an den Ländern. begrenzt werden. Folgen des Klimawandels. Demokratie und Menschenrechte durchsetzen, gegen die Zerstörung Alle tragen Verantwortung Zur Erreichung der Klimaziele unseres globalen Ökosystems ange- für den Klimaschutz braucht es eine nachhaltige An- hen, patriarchale Herrschaftsstruk- Daher müssen die Bemühungen zur passungspolitik turen überwinden – das sind die Abschwächung des Klimawandels Die hat die größten Erfolgsaus- Ziele, die das Denken und Handeln und zur Anpassung fair und sozial sichten, wenn die Vorhaben Ge- der Heinrich-Böll-Stiftung und das sein. schlechtergerechtigkeit berücksich- ihrer Partner bestimmen. tigen. Heinrich-Böll-Stiftung Schumannstraße 8 10117 Berlin T 030 285 34-0 info@boell.de www.boell.de

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