Uwe Wolff
Alles über die
gefallenen Engel
Aus dem Wörterbuch des
Teufels
scanned by unknown
corrected by KoopaOne
Geister,...
Über das Buch:
Über 60 Prozent der Deutschen glauben an Schutzengel. Mit
der Wiederkehr der Engel rücken aber auch die gef...
Der Autor
UWE WOLFF, geboren 1955, Dr. phil., ist Studiendirektor,
Publizist und Autor von Romanen und Sachbüchern. Er sch...
»Gerade im Blick auf das Böse ist uns die sich selbst so
nennende Aufklärung eine radikale Aufklärung schuldig
geblieben. ...
Inhalt
Einführung: Harry Potter und die Wiederkehr der Magie ............8
Angst.............................................
Halloween.............................................................................83
Hell's Angels ......................
Heiliger Patrick....................................................................178
Pentagramm ..........................
-8-
»Der Aberglaub', in dem wir aufgewachsen, verliert, auch
wenn wir ihn erkennen, darum doch seine Macht nicht über
uns....
-9-
Magie, Okkultismus, Spiritismus und Satanismus.
Über 60 Prozent der Deutschen glauben an Schutzengel. Mit
der Wiederke...
-10-
Angst
»Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?« Mit dieser Frage
beginnt ein altes Kinderspiel. Die Antwort darauf mußte l...
-11-
klingt rationaler und zählt in der Welt der Erwachsenen als
realistische Bedrohung. Golos Zimmer lag im zweiten Stock...
-12-
den Grundmustern unseres Lebens. Wer lebt, hat Angst.
Niemand muß den Teufel an die Wand malen. Die Angst ist
auch oh...
-13-
Flammen der Hölle schmoren (Apokalypse 20.10).
Da der Antichrist nicht nur ein Urbild des Schreckens war,
sondern auc...
-14-
eine moderne Version des Teufels verkörperte, hat in diesem
Film die Aufgabe, die Zeugung des Antichristen zu verhind...
-15-
Offenbarung wird für einen begrenzten Leserkreis
aufgeschrieben. Nur er soll in das Geheimwissen eingeweiht
werden. F...
-16-
unter Domitian (95 n. Chr.), der als »wiedergekehrter Nero«
bezeichnet wurde. In den römischen Arenen wurden die
Chri...
-17-
»gequält werden Tag und Nacht, von Ewigkeit zu Ewigkeit.«
(Apokalypse 20.10) Dann endlich wird es keine Verfolgung
me...
-18-
vorgeworfen, er stehe mit Beelzebub, dem Obersten aller
Dämonen, im Bund (Matthäus 12.24). Denn anders konnten sich
d...
-19-
Zerstörung anrichtet, Gott ist und bleibt mächtiger. Der
Religionsforscher Rudolf Otto hat daher Gott selbst als ein
...
-20-
Besessenheit
Dämonen sind Geister der Luft. Sie besitzen keinen eigenen
Körper. Doch können sie blitzschnell eine Ges...
-21-
Dämonische Anfechtungen, so der Exorzist Pfarrer Franz
Knothe (Diözese Fulda), machen sich unterschiedlich bemerkbar
...
-22-
es nicht. Die wirklich Besessenen wissen es nicht und sagen es
nicht.«
Und noch eine Warnung gibt Koch seinen Hörern ...
-23-
der Oberstufe werden sie mit den unsittlichen Spielen der Hexen
konfrontiert.
Seit dem 17. Jahrhundert wurde der Broc...
-24-
Gemeinde auf einem Berg trifft, ist natürlich kein Zufall. Der
Satanskult ist immer eine Parodie christlicher Riten, ...
-25-
Das Böse
Drei Kinder dürfen mit Erlaubnis ihrer Eltern die Nacht im
Zelt verbringen. Um Mitternacht sind sie noch nic...
-26-
Tier missbraucht den natürlichen Sexualtrieb im perversen
Treiben, kein Tier eignet sich ein größeres Revier an, als ...
-27-
Gesellschaft sprechen. Unter der Dorfjugend in Reuden war es
jedes Frühjahr üblich, die Nester von Sperlingen und Krä...
-28-
Tod und Schuld gehören auf geheimnisvolle Weise zusammen.
Das Gewehr wird in eine Ecke des Speichers gestellt und nie...
-29-
Augenamulette. Im Christentum gilt das Augensymbol Gottes
als apotropäisches Mittel: Zur Abwehr des bösen Blicks wird...
-30-
wird aber wenig gelesen. Das Interesse an Okkultismus (siehe
dort) und Satanismus liegt in der Luft der Zeit. Neue ok...
-31-
befinden sich auch die berühmten Worte, die jeder mit dem
Namen Crowley verbindet: »Do what you want shall be the
who...
-32-
gehört auch ein ausschweifendes Sexualleben mit Männern und
Frauen, durch das Crowley bald den Ruf bekommt, der ihn b...
-33-
des (ägyptischen Gottes) Horus ist angebrochen durch die
Magick (=Magie) des Meisters, des Tieres, das der Mensch ist...
-34-
Dämonen
Wer die erste Seite der Bibel aufschlägt, findet dort den
Mythos von der Erschaffung des Lebens. Alles, was G...
-35-
den Kampf gegen die Dämonen aufgenommen und den Anbruch
einer neuen Zeit verkündet: »Wenn ich aber durch Gottes Finge...
-36-
like an angel..., but... you're the devil in disguise« getan hat.
Wie überall, so schützen auch im Fall des Eheteufel...
-37-
Elementargeistern werden sie seit Urzeiten personifiziert.
Elementargeister sind trotz ihres hohen Alters wieder popu...
-38-
dieses Verlangen in ihnen auftaucht, kann es für den Menschen
gefährlich werden. Die plumpen Zwerge bedienen sich daz...
-39-
abgründige Charakterzüge und ein starkes Verlangen nach der
Seele des Menschen. Wassergeister sind ein beliebtes Moti...
-40-
Menschen und Rebellion gegen Gott führten zum Engelsturz. So
erzählt die Geheimschrift »Das Leben Adams und Evas«: Sa...
-41-
des Ungehorsams. Mit Blick auf den Sündenfall (siehe dort) der
ersten Menschen bildet er das »Vorspiel« im Himmel. Di...
-42-
erkennen. Auch in einer Kröte, einem schwarzen Pudel, einem
Affen, einem Wolf oder einer Schlange konnte sich Satan
v...
-43-
Gefangener dieses Bildes. Oft fühlte man sich unter ganz normal
aussehenden Menschen sicher - niemand weit und breit ...
-44-
genannt. Exorzismus ist in allen Religionen verbreitet. Er gehört
zu den Aufgaben des Schamanen und Medizinmannes.
Im...
-45-
annehmen, jemand sei vom Teufel besessen. Der Teufel sei ein
mit allen Wassern gewaschener Lügner, der voll List und
...
-46-
hast. Du bist schuldig am Menschengeschlecht, dem du mit
deiner Überredung den tödlichen Gifttrank dargereicht hast.«...
-47-
bekommt Brandblasen.« Besessenheit sei für den Teufel selbst
eine Strafe. »Das ist gar kein Vergnügen für ihn, an ein...
-48-
Besessenheit stellte ein Arzt mit dem Stechzirkel die Länge der
Narben fest. Die Schnittlänge der Wunden an Armen und...
-49-
heiligen Kommunion, und er blieb in ihr bis zum Lebensende
(15. Dezember 1954). Rodewyk gelang es, Magda von vielen
T...
-50-
Bombenattentate der PLO bei den Olympischen Spielen in
München: Vom Tod Benno Ohnesorgs (2. Juli 1967) bis zum
Selbst...
-51-
Weil Satan der Affe Gottes ist, ahmt er auch die schwarze
Kleidung der Priester nach. Deshalb sollte man sich hüten, ...
-52-
einer Steineiche schwebend.
»Habt keine Angst, ich tue euch nichts zuleide«, sagt sie.
»Woher seid Ihr?«, fragt Lucia...
-53-
Die ersten beiden Offenbarungen werden schnell bekannt. Im
Jahr 1930 ist Fatima bereits offiziell als Wallfahrtsort a...
-54-
Ärzte aus dem Leib operierten, wurde zum Dank in die Krone
der Gottesmutter eingelassen.
Faust
Alle Menschen, die mit...
-55-
Mädchen zur Stelle und wird ins Unglück gestürzt: Verführung,
Schwangerschaft, Kindsmord, Brudermord, Muttermord folg...
-56-
strebend nach neuer Erfahrung. Gerade er soll den Beweis der
harmonischen Schöpfung erbringen. Am Ende, da ist Gott
g...
Wolff, Uwe - Alles über die gefallenen Engel
Wolff, Uwe - Alles über die gefallenen Engel
Wolff, Uwe - Alles über die gefallenen Engel
Wolff, Uwe - Alles über die gefallenen Engel
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Wolff, Uwe - Alles über die gefallenen Engel

  1. 1. Uwe Wolff Alles über die gefallenen Engel Aus dem Wörterbuch des Teufels scanned by unknown corrected by KoopaOne Geister, Hexen, Dämonen und Magier sind allgegenwärtig - Harry Potter und Halloween, Herr der Ringe und Satansmessen stehen hoch im Kurs. In der Kirche und im Religionsunterricht dagegen ist seit Jahrzehnten nicht mehr von Geistern und Teufeln die Rede. Das vorliegende Buch gibt in lexikalisch gegliederten Stichworten Auskunft über die »gefallenen Engel«. Es erhellt die Hintergründe des Geister-, Hexen-, Dämonen- und Teufelsglaubens, verfolgt ihre Entstehungsgeschichten und erzählt kenntnisreich und hintergründig, welche Vorstellungen im Volksglauben lebendig waren und heute noch sind. ISBN 3 7831 2152 3 © 2002 Kreuz Verlag GmbH & Co. KG Stuttgart, Zürich Umschlagbild: Hugo Simberg, Der verwundete Engel, 1903 Umschlaggestaltung: Atelier Reichert, Stuttgart Dieses E-Book ist nicht zum Verkauf bestimmt!!!
  2. 2. Über das Buch: Über 60 Prozent der Deutschen glauben an Schutzengel. Mit der Wiederkehr der Engel rücken aber auch die gefallenen Engel wieder in den Blick. Sind sie eine Erfindung der Kirche? Gibt es sie wirklich? Fördern die Lektüre von »Harry Potter« oder das Hören von Death- und Heavy Metal-Musik indirekt die Hinwendung zum Okkultismus oder Satanismus? Gibt es Geister auch in außerchristlichen Religionen? Was steckt hinter dem Glauben an Hexen? Was ist ein Teufelspakt? Erscheinen Tote als Geister wieder? Können gefallene Engel wieder zu richtigen Engeln werden? Was unterscheidet den kriminellen Satanismus vom Protestsatanismus der Kunst, der Dichtung und der Pop-Musik? »Alles über die gefallenen Engel« macht Eltern, Erziehern, Lehrern, Schülern und allen, die mit Jugendlichen zusammenarbeiten, Mut, den Hintergrund des Geister-, Hexen-, Dämonen- und Teufelsglaubens zu erhellen.
  3. 3. Der Autor UWE WOLFF, geboren 1955, Dr. phil., ist Studiendirektor, Publizist und Autor von Romanen und Sachbüchern. Er schreibt regelmäßig für überregionale Zeitungen, u.a. Neue Zürcher Zeitung, Die Zeit, Welt am Sonntag, und veröffentlichte schon mehrere erfolgreiche Bücher über Engel.
  4. 4. »Gerade im Blick auf das Böse ist uns die sich selbst so nennende Aufklärung eine radikale Aufklärung schuldig geblieben. Auch die Theologie ist sie der Zeit bisher schuldig geblieben. Böse ist trotz der ungeheuren Exzesse von Bosheit, die das zu Ende gegangene Jahrhundert kennzeichnen, noch immer eine bourgeoise, eine verbürgerlichte und insofern auch schon verharmloste Kategorie.« (Eberhard Jüngel in der FAZ vom 18. Januar 2000) Für Heimo Schwilk
  5. 5. Inhalt Einführung: Harry Potter und die Wiederkehr der Magie ............8 Angst....................................................................................10 Antichrist ..............................................................................12 Apokalypse ...........................................................................14 Beelzebub .............................................................................17 Behemot und Leviathan..........................................................18 Belial....................................................................................19 Besessenheit ..........................................................................20 Blocksberg............................................................................22 Das Böse...............................................................................25 Böser Blick ...........................................................................28 Aleister Crowley....................................................................29 Dämonen...............................................................................34 Eheteufel...............................................................................35 Elementargeister....................................................................36 Engelsturz.............................................................................39 Erscheinungsbild des Teufels..................................................41 Exorzismus............................................................................43 Der Exorzist (Film) ................................................................49 Farben des Teufels.................................................................50 Fatima...................................................................................51 Faust.....................................................................................54 Fegefeuer..............................................................................57 Franz von Assisi....................................................................61 Sigmund Freud ......................................................................64 Gebet....................................................................................66 Geister ..................................................................................66 Georg, der Drachentöter.........................................................71 Gnosis...................................................................................75 Gog und Magog.....................................................................77 Gothic-Szene .........................................................................79
  6. 6. Halloween.............................................................................83 Hell's Angels .........................................................................84 Hexen...................................................................................85 Hexenring .............................................................................90 Hiob......................................................................................91 Hirnforschung .......................................................................94 Hölle .....................................................................................95 Homosexualität....................................................................103 Internet...............................................................................105 Islam...................................................................................107 Jesus...................................................................................110 Judas...................................................................................114 Judentum.............................................................................123 Carl Gustav Jung .................................................................127 Kain und Abel.....................................................................132 Katholizismus......................................................................133 Krimineller Satanismus ........................................................137 Leiden.................................................................................140 Jakob Michael Reinhold Lenz...............................................144 Liebeszauber .......................................................................149 Lilith...................................................................................152 Lucifer................................................................................152 Martin Luther ......................................................................154 Magie..................................................................................156 Manichäer...........................................................................159 Charles Manson...................................................................161 Marilyn Manson ..................................................................162 Heilige Margarete ................................................................164 Mephistopheles....................................................................165 Moloch ...............................................................................166 Musik .................................................................................167 Mutterschwein.....................................................................169 Neosatanismus.....................................................................170 Neutrale Engel.....................................................................174 Okkultismus ........................................................................176
  7. 7. Heiliger Patrick....................................................................178 Pentagramm ........................................................................183 Poltergeister ........................................................................183 Protestsatanismus.................................................................186 Rangordnung unter Teufeln ..................................................191 Redensarten.........................................................................194 Rolling Stones.....................................................................196 Rosemary's Baby (Film) .......................................................200 Der Fall Ruda ......................................................................202 Satan, Diabolos und Teufel...................................................207 Satanskirche ........................................................................208 Schwarze Messe ..................................................................209 Schwarzer Mann..................................................................216 666 .....................................................................................217 Sexualität ............................................................................218 Spukorte..............................................................................224 Sündenbock.........................................................................225 Sündenfall...........................................................................226 Sündenstufen.......................................................................230 Taufe..................................................................................231 Teufelspakt..........................................................................232 Das große Tier.....................................................................234 Vampire..............................................................................234 Versöhnung.........................................................................237 Versuchungen......................................................................237 Vorgeburtliches Trauma.......................................................242 Wiedergänger......................................................................247 Zarathustra..........................................................................249 Zombies..............................................................................251 Zum Schluß: Was ist ein gefallener Engel, und warum interessieren sich gerade junge Menschen für dieses Thema?..252 Literatur in Auswahl ............................................................258
  8. 8. -8- »Der Aberglaub', in dem wir aufgewachsen, verliert, auch wenn wir ihn erkennen, darum doch seine Macht nicht über uns.- Es sind nicht alle frei, die ihrer Ketten spotten.« Lessing Einführung: Harry Potter und die Wiederkehr der Magie Nicht nur Kinder lieben spannende Geschichten von magischen Welten mit Zauberern, Wiedergängern, Unholden und bösen Geistern. Das Geheimnisvolle und Verborgene zieht uns an. Warum eigentlich? Wir wissen doch, daß es Professor Snape, Rubeus Hagrid, Voldemort, die Hobbits oder Orks, die ganze Welt von »Harry Potter« oder von Tolkiens »Herr der Ringe« nicht wirklich gibt. Der Grund für unsere Faszination hat vielleicht einen einfachen Grund: Wir erkennen in ihm die andere Seite unserer eigenen Natur wieder. Wir sind wie eine alte Burg mit vielen dunklen Geheimgängen. Wir haben eine helle und eine dunkle Seite. In der Burg unserer Seele gibt es von Licht erfüllte Räume und Türme, die sich den warmen Strahlen der Sonne entgegenstrecken. Das Licht der Selbsterfahrung und Selbsterkenntnis leuchtet in ihnen. Doch niemals wissen wir vollständig, wer wir wirklich sind. Viele Geheimgänge unserer Seele sind noch zu entdecken, andere bleiben uns vielleicht ein Leben lang verborgen. Die lichte und die dunkle Seite unserer Seele finden in der Welt der guten und bösen Geister ihr Spiegelbild. Licht und Schatten, Engel und Teufel, Gutes und Böses sind in uns selbst. Auch Jugendliche spüren dies. Daher rührt ihr Interesse an
  9. 9. -9- Magie, Okkultismus, Spiritismus und Satanismus. Über 60 Prozent der Deutschen glauben an Schutzengel. Mit der Wiederkehr der Engel rücken aber auch die gefallenen Engel wieder in den Blick. Sind sie eine Erfindung der Kirche? Gibt es sie wirklich? Fördern die Lektüre von »Harry Potter« oder das Hören von Death- und Heavy Metal Musik indirekt eine Hinwendung zum Okkultismus oder Satanismus? Gibt es Geister auch in außerchristlichen Religionen? Wo tauchen sie auf? Welche Gefahren gehen von ihnen aus? Was steckt hinter dem Glauben an Hexen? Was ist ein Teufelspakt? Erscheinen Tote als Geister wieder? Können gefallene Engel wieder zu richtigen Engeln werden? Was unterscheidet den kriminellen Satanismus vom Protestsatanismus der Kunst, der Dichtung und der Pop-Musik? »Alles über die gefallenen Engel« will Eltern, Erzieherinnen, Lehrern, Schülern und Schülerinnen und allen, die mit Jugendlichen zusammenarbeiten, Mut machen, den Hintergrund des Geister-, Hexen-, Dämonen- und Teufelsglaubens zu erhellen. Ich schreibe dieses Buch als Vater von drei Kindern, als Ausbilder von Lehrern und als Autor von sechs Engelbüchern. Mit diesem Wörterbuch will ich Licht in die Welt der gefallenen Engel bringen. Es ist ein Kommentar zum Zeitgeist, zu dem, was zur Zeit »abgeht«. Manchmal ernst, gelegentlich heiter im Stil, doch stets informierend und aufklärend über jahrtausende alte Vorstellungen, die noch immer lebendig sind. Ich denke, Goethe hat Recht, wenn er sagt: »Der Aberglaube gehört zum Wesen des Menschen und flüchtet sich, wenn man ihn ganz und gar zu verdrängen denkt, in die wunderlichsten Ecken und Winkel, von wo er auf einmal, wenn er einigermaßen sicher zu sein glaubt, wieder hervortritt.«
  10. 10. -10- Angst »Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?« Mit dieser Frage beginnt ein altes Kinderspiel. Die Antwort darauf mußte lauten: »Niemand!« Dann hatte der »schwarze Mann« die nächste Frage zu stellen: »Wenn er aber kommt?!« - »Dann laufen wir!« Der schwarze Mann oder kurz »der Schwarze« war der Teufel. Offenbar gibt es eine Scheu, seinen Namen direkt auszusprechen. Warum eigentlich? Irgendwann verdunkelt der schwarze Schatten der Angst jede Kindheit. Der zweijährige Golo Mann sieht in allem Unheimlichen das Wirken eines geheimnisvollen Wesens. Er gibt ihm den Namen »Mämä«. Unbekannte Geräusche im Haus, Hämmern in der oberen Etage, ein unvorhersehbares Geschehnis - immer ist es die Mämä, die ihm Angst in die Seele jagt, so daß sich das Kind verkrampft und fortbegehrt. »Heut nacht hab ich einen Zweerg geträumt, daß er bees war«, notiert die Mutter des Dreieinhalbjährigen ins ledergebundene Tagebuch. Sie verlangt nach genauerer Auskunft, doch Golo entgegnet vieldeutig verschmitzt: »Beese, beese Sachen.« Niemand redet den Kindern die Angst vor den dunklen Kräften ein. Sie brechen auch in die behütetste Kindheit ein, wie die Schlange ins Paradies. Das Kind gibt die Furcht vor den Dämonen der Nacht zu. Es kommt zu den Eltern ins Schlafzimmer, weint, wird getröstet und darf vielleicht neben der Mutter einschlafen, so als wäre ihm für eine Nacht die Rückkehr in die Geburtshöhle gestattet. Doch wenn es neun oder zwölf Jahre alt ist: Wer singt dann gegen die Angst, wer kuschelt sie weg? Die Furcht vor den Schatten der Nacht gilt jetzt als kindisch und unbegründet. Auch Golo Mann gibt den Mächten einen anderen Namen. Was ihn ängstigt, heißt nicht mehr »Mämä«, sondern »Mörder« oder »Einbrecher«. Das
  11. 11. -11- klingt rationaler und zählt in der Welt der Erwachsenen als realistische Bedrohung. Golos Zimmer lag im zweiten Stock. Wenn er nachts die Toilette aufsuchte, pflegte er niemals die Kettenspülung zu ziehen. Seine Mutter befremdet die unzureichende Hygienemaßnahme, und sie fragt nach dem Grund des seltsamen Verhaltens. Golo erklärt, er habe es vermeiden wollen, durch laute Geräusche Einbrecher anzulocken. Das war eine Notlüge. »Der wahre Grund war ein anderer: die Angst, durch das Rauschen des Wassers die Stille der Nacht zu durchschneiden und Kräfte zu wecken, die besser ungeweckt blieben.« Welche Kräfte und Energien sind gemeint? Nicht die naheliegenden, nicht die Ungeduld des Vaters oder der Mutter, überhaupt nichts Sagbares, eher das namenlose Unheimliche. Längst berühmt geworden durch seine Arbeiten, weilt Golo Mann als Gast der Prinzessin Margret von Hessen auf einem Jagdschlösschen. Für den Historiker ist es eine Freude, im so genannten Zarenzimmer schlafen zu dürfen. Doch in der Nacht holt ihn die »Mämä« ein. Namenloser Schauder erfasst ihn am Waschtisch, es läuft dem Historiker eiskalt über den Rücken. Die Haare sträuben sich, das Blut in den Adern gerinnt. Was greift nach ihm? Dem wortgewandten Mann fehlen die Worte, er rettet sich in Redewendungen, weil sich nicht anders sagen läßt, was die Nacht durchdringt und nach ihm greift. Wer kennt den Schatten der Angst und des hilflosen Ausgesetztseins, wer kennt seinen Namen? Die Angst steht im Zarenzimmer, sie sitzt dem Historiker im Nacken: »Zweimal erfuhr ich es in Augenblicken höchster Erregung oder tiefster Erschütterung: ein mit nichts Anderem zu verwechselndes heißes ›Kribbeln‹ im ganzen Körper.« Er könnte den Ort verlassen, durch die Flure des Schlosses eilen, an die Zimmertür der Prinzessin klopfen. Doch was sollte er ihr sagen? Etwa, daß er sich vor Gespenstern fürchte? Die Angst, sagt der Philosoph Martin Heidegger, gehört zu
  12. 12. -12- den Grundmustern unseres Lebens. Wer lebt, hat Angst. Niemand muß den Teufel an die Wand malen. Die Angst ist auch ohne ihn in unserer Seele. Angst vor der Finsternis, Angst vor Selbstverlust, Angst vor Liebesentzug, Angst vor dem Tod. Im Teufel werden diese Ängste personifiziert. Sie erhalten einen Namen und eine Gestalt. »Angst fressen Seele auf« heißt es treffend in einem der Filme von Rainer Werner Fassbinder. Ängste kann man nicht wegreden. Sie sind da. Selig, wer ihnen eine Gegenmacht zur Seite gestellt weiß: »In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.« (Johannes 16.33) Antichrist Das Auftauchen des Antichristen galt als sicheres Zeichen für das bevorstehende Ende dieser Welt (1. Johannes 2.18) und den Beginn eines neuen Lebens in ewigem Frieden. In der Apokalypse des Johannes (Apk 13.11-18) wird der Antichrist beschrieben: Er verführt die Christen zum Glaubensabfall. Mit geschickter Propaganda und durch Gewalt zwingt er alle Menschen zur Anbetung des großen Tieres (siehe dort). Wer sich den Anweisungen dieses Diktators nicht beugt, wird getötet. Alle Menschen bekommen unter der Herrschaft des Antichristen ein Erkennungszeichen an der Stirn oder der Hand. Dieses Zeichen ist die Zahl 666 (siehe dort). Der Antichrist ist also das Urbild eines totalitären Herrschers, der rücksichtslos über Leichen geht. Das Wort »Antichrist« bedeutet »Gegenchristus«. Jesus selbst hatte seine Gemeinde gewarnt: Es werden zahlreiche falsche Propheten kommen und sich als Christus ausgeben (Matthäus 24.5). Deshalb wird der Antichrist auch als »falscher Prophet« bezeichnet. Auf dem Haupt trägt er die Hörner eines Schafsbockes. Obwohl seine Macht groß ist, steht doch sein ewiges Schicksal schon jetzt fest: Er wird in den
  13. 13. -13- Flammen der Hölle schmoren (Apokalypse 20.10). Da der Antichrist nicht nur ein Urbild des Schreckens war, sondern auch ein Zeichen für die unmittelbar bevorstehende Erlösung, hielten viele Christen Ausschau nach ihm. Martin Luther (siehe dort) wollte in Papst Paul III. (1534-1549) den Antichristen erkannt haben. Das Papsttum selbst sah er als Erfindung des Teufels an, wie er in seiner Kampfschrift »Wider das Papsttum zu Rom, vom Teufel gestiftet« (1545) bekennt. Unter dem Titel »Der Antichrist. Fluch auf das Christentum« (1888) hat Friedrich Nietzsche gegen den Glauben an Jesus Christus und die christliche Moral gewettert. Mit der Vollendung der Niederschrift am 30. September 1888 will er die neue Zeitrechnung eines nachchristlichen Äons begonnen wissen. Er verkündigt einen »Todkrieg gegen das Laster: das Laster ist das Christenthum«. Nietzsches Gedanken haben den Satanisten Aleister Crowley (siehe dort) beeinflusst. Wie viele Menschen, die sich in Abgründiges hineingedacht haben, ist auch Nietzsche wahnsinnig geworden. Ob dies auch das Schicksal des Sängers Marylin Manson (siehe dort) sein wird, bleibt abzuwarten. Auf seiner CD gibt er sich selbst den Titel »Antichrist Superstar« (2001). Im Zeitalter der elektronischen Datenübertragung hat der Antichrist selbstverständlich eine eigene Website (www.ANTICHRIST.com/acim.htm). Doch wo Gefahr ist, da wächst das Rettende auch: Arnold Schwarzenegger nimmt in dem Film »End of Days« (1999) den Kampf gegen den Antichristen auf. Der Film beginnt 1979 in New York City: In einem Krankenhaus in Manhattan kommt ein Kind zur Welt, ein wunderschönes kleines Mädchen. Gleichzeitig, 10000 Kilometer entfernt, wispert ein junger Priester dem Papst zu, daß sich eine geheimnisvolle Prophezeiung erfüllt habe. Das kleine Mädchen trägt den Namen Christine. Es ist auserwählt, sich im Jahre 1999 mit dem Satan zu vermählen, um den Antichristen zu empfangen. Arnold Schwarzenegger, der sonst als Terminator
  14. 14. -14- eine moderne Version des Teufels verkörperte, hat in diesem Film die Aufgabe, die Zeugung des Antichristen zu verhindern. In der Rolle des heruntergekommenen Ex-Polizisten Jericho Cane versucht er, Christine Beistand zu leisten. Doch woran ist ein moderner Teufel zu erkennen? Sicher nicht an Pferdefuß und Schwefelatem. Er tritt vielmehr in der Gestalt eines seriösen Geschäftsmannes auf. Gabriel Byrne verkörpert im Film die Rolle des Teufels. Er kommentiert: »Ich wollte bei dem Gedanken bleiben, daß der Teufel schon immer in Menschengestalt unter uns weilte. Er könnte der Typ sein, der neben dir in der Bar oder in einem Flugzeug sitzt. Du würdest nicht zweimal hinschauen. Er ist ein ruhiger, überlegter Geschäftsmann. Es gefällt ihm, wieder lebendig zu sein. Es gefällt ihm in dieser wahnsinnigen Welt.« Jericho Cane besiegt den Teufel nach klassischem Muster: Er opfert sich selbst, gibt sein Leben für das Christines. Apokalypse Unter dem Titel »Apocalypse Now« (1976-79) verfilmte der Regisseur Francis Ford Coppola seine Sicht des Vietnam- Krieges. Mit dem Wort »Apokalypse« verbinden wir Bilder vom Weltuntergang: Umweltzerstörung und atomare Verstrahlung der Erde, das wachsende Ozonloch über der Antarktis, das Aussterben ganzer Tierarten, zunehmende Gewalt in den Großstädten, Hungersnöte in der »dritten« Welt, militärische Konflikte. In allen Religionen gibt es Apokalypsen. Ihr Thema ist nicht nur das Ende der Welt, sondern vor allen Dingen die Zeit nach dem Weltuntergang. Apokalypsen sind Enthüllungen einer geheimnisvollen Wirklichkeit hinter dem Schleier der sichtbaren Welt. Sie gehen zurück auf eine Offenbarung in Bildern (Visionen) und Worten (Auditionen). Diese geheime
  15. 15. -15- Offenbarung wird für einen begrenzten Leserkreis aufgeschrieben. Nur er soll in das Geheimwissen eingeweiht werden. Fünf typische Merkmale kennzeichnen eine Apokalypse: 1. Zwei-Äonen-Lehre: Die Weltgeschichte ist in zwei Zeitalter oder Äonen eingeteilt. Dieser Äon ist vergänglich, der kommende Äon ist ewig. 2. Jenseitshoffnung: Der gegenwärtige Äon wird vom Teufel regiert. Es herrscht ein sittlicher und religiöser Niedergang, doch in der Zukunft wird alles besser werden. Mit dem neuen Äon kommt das Paradies. Alle Menschen, die im ersten Äon unter dem Satan gelitten haben, werden in der kommenden Welt für ihre irdischen Leiden entschädigt werden. 3. Weltgericht: In den neuen Äon gelangt der Mensch nur durch ein Gericht. Hier werden die Guten von den Bösen getrennt. 4. Vorherbestimmung: Das Schicksal der Menschen ist vorherbestimmt (prädestiniert). Schon jetzt steht fest, wer im Weltgericht nicht bestehen wird. Gott hat das Schicksal des Menschen im »Buch des Lebens« verzeichnet. 5. Naherwartung: Das Ende der Welt und der Beginn des neuen Zeitalters sind nahe. Die Gegenwart ist eine Zeit des Umbruchs. Zwischen den alten und den modernen Apokalypsen gibt es einen wesentlichen Unterschied: Während wir mit der Apokalypse ausschließlich den Untergang unserer Welt verbinden, dachten fromme Juden an den Beginn einer neuen friedlichen Zeit. Die ersten Christen hatten geglaubt, sie würden noch das Ende dieser Welt und den Anfang des neuen Lebens im Himmel erleben. Doch es kam anders. Die Wiederkehr Christi und die Vollendung der Erlösung verzögerten sich. Im römischen Reich wurden die Christen sogar wegen ihres Glaubens verfolgt und ermordet. Erst unter Kaiser Nero, dann
  16. 16. -16- unter Domitian (95 n. Chr.), der als »wiedergekehrter Nero« bezeichnet wurde. In den römischen Arenen wurden die Christen in Tierfelle eingenäht und von Hunden zerfleischt, ans Kreuz geschlagen, zum Zweck nächtlicher Beleuchtung mit Pech bestrichen und verbrannt. Wie hält ein Mensch diese Situation äußerster Bedrohung aus? Wie schafft er es, jetzt seinem Glauben nicht abzuschwören? Eine Antwort auf diese Fragen versucht die Apokalypse des Johannes zu geben. Inmitten der Aussichtslosigkeit irdischer Verhältnisse richtet Johannes einen Blick hinter den Schleier der Zeit. Was die Gemeinde in diesem Äon erlebe, sei Teil eines kosmischen Ringens zwischen den guten und den bösen Mächten, zwischen dem Erzengel Michael und dem Satan. Im Kernstück der Apokalypse (Apk 12-14) steht die bekannte Teufelszahl 666 (siehe dort), hier tauchen auch die berühmten Widersacher Christi auf: Der Satan (siehe dort), der Antichrist (siehe dort) und das große Tier (siehe dort). Im modernen Satanismus werden diese Widersacher Christi positiv gewertet. Auch schreiben ihnen Satanisten eine größere Macht als Gott zu. Aus Sicht der Apokalypse des Johannes zeugt dieser Glaube an die Macht Satans von einer groben Unkenntnis der wahren Machtverhältnisse. Denn Teufel, großes Tier und Antichrist werden im kommenden Äon keine Macht mehr haben. Ihr Ende ist vorherbestimmt: Michael hat den Teufel bereits aus dem Himmel verstoßen. Jetzt sind seine Tage gezählt. Deshalb heißt auch einer der zentralen Sätze der Apokalypse: »Denn der Teufel kommt zu euch hinab und hat einen großen Zorn und weiß, daß er wenig Zeit hat.« (Apokalypse 12.12) Während einer Friedenszeit von eintausend Jahren, dem so genannten tausendjährigen Reich, wird der Satan in der Unterwelt angekettet. Anschließend wird er ein letztes Mal losgelassen. Zusammen mit anderen teuflischen Mächten, Gog und Magog, dem Antichrist und dem großen Tier werden sie für alle Zeit »geworfen in den Pfuhl von Feuer und Schwefel«, wo sie
  17. 17. -17- »gequält werden Tag und Nacht, von Ewigkeit zu Ewigkeit.« (Apokalypse 20.10) Dann endlich wird es keine Verfolgung mehr geben, weder Leid, Schmerz noch Tod, denn mit dem neuen Himmel und der neuen Erde ist der zweite Äon des ewigen Friedens angebrochen. Die Vorstellungswelt der Apokalypse des Johannes zeigt deutlich, warum der Satanismus eine moderne Erscheinung ist, denn solange die Menschen an eine jenseitige Welt glaubten, wäre niemand auf die Idee gekommen, im Teufel den wahren Machthaber zu sehen. Der Satanismus ist ein Kind der modernen aufgeklärten Welt. Er entsteht erst im 18. Jahrhundert. Die Leser der Apokalypse fürchteten sich vor dem Teufel. Gestärkt durch die Lektüre, blickten sie durch den Schleier einer bösen Zeit auf die kommende Erlösung. Beelzebub Der Titel »Beelzebub« kommt aus der hebräischen Sprache. Er bedeutet »Herr der Fliegen«. Da Fliegen sich gern auf Kot und Aas niederlassen, ist Beelzebub ein Schmähtitel. In Goethes »Faust« stellt sich Mephistopheles (siehe dort) als »Herr der Ratten und der Mäuse/Der Fliegen, Frösche, Wanzen, Läuse« (V. 1516ff.) vor. Der englische Schriftsteller William Golding beschreibt in seinem Roman »Herr der Fliegen« (Lord of the flies), wie sich das Böse in den Seelen einer Gruppe von Kindern ausbreitet. Das Buch gehört zu den klassischen Lektürestoffen an unseren Schulen. »Beelzebub« leitet sich von dem Wort »Baal-Zeebub« ab. Es ist eine Verballhornung des Fruchtbarkeitsgottes Baal, dem einige Juden im Tal Ben- Hinnom (Gehenna) Kinderopfer gebracht hatten (Jeremia 32.35). Wer den Teufel mit Beelzebub austreibt, der macht alles nur noch viel schlimmer. Dem Exorzisten Jesus (siehe dort) wurde
  18. 18. -18- vorgeworfen, er stehe mit Beelzebub, dem Obersten aller Dämonen, im Bund (Matthäus 12.24). Denn anders konnten sich die jüdischen Schriftgelehrten seinen Einfluss auf die bösen Geister nicht erklären. Jesus korrigierte diesen Irrtum. Mit dem Teufel kann man nicht erfolgreich paktieren. Wer ihn besiegen will, der muß einen Stärkeren an seiner Seite wissen. Behemot und Leviathan Behemot und Leviathan waren ursprünglich Monster, die Gott geschaffen hatte. Sie werden im Buch Hiob (40.15-41.26) ausführlich beschrieben. Thomas Hobbes (1588-1679) benutzte sie, um seine Philosophie vom bösen Wesenskern des Menschen zu entfalten. Bekannt ist Hobbes' Satz: »Der Mensch ist des Menschen Wolf.« Der Behemot ist ein Urvieh. Seine äußere Erscheinung gleicht dem Nilpferd. Allerdings hat er einen langen Schwanz. Er ist Vegetarier. Seine Nahrung findet er auf den Bergen und im Wasser. Wie die Elementargeister (siehe dort) ist er friedlich, wenn man ihn in Ruhe läßt. Am liebsten döst er unter Lotosbüschen und im Uferschlamm unter Weidenbäumen. Der Leviathan trägt einen Schuppenpanzer, den weder Speer noch Schwert durchstechen können. In seinem Maul blitzen Reihen von spitzen Zähnen. Sein Atem verbreitet Feuer, und seine Augen glühen leuchtend rot. Der Leviathan ist der König der Tiere. Beide Monster kennen keine Furcht und sind für Menschen unbesiegbar. Für Gott allerdings sind sie wie Spielzeugdrachen. Die Beschreibung ihrer schrecklichen Größe soll also keine Angst verbreiten, sondern eine Ahnung von der unvorstellbaren Größe ihres Schöpfers vermitteln. Wenn Behemot und Leviathan schon von so überwältigender Erscheinung sind, wie groß muß dann Gott sein! Diese Analogie gilt auch für die Rede vom Teufel. Was immer er in der Welt an
  19. 19. -19- Zerstörung anrichtet, Gott ist und bleibt mächtiger. Der Religionsforscher Rudolf Otto hat daher Gott selbst als ein faszinierendes und zugleich Ehrfurcht gebietendes Wesen (mysterium tremendum et fascinosum) beschrieben. Die Leser des Buches Hiob rätselten vor allen Dingen über einer merkwürdigen Stelle, in der es von Behemot heißt: »Er ist das erste der Werke Gottes« (Hiob 40.19). In den Schöpfungsberichten wird allerdings sein Name nicht erwähnt. Als erstes Werk Gottes wird dort die Erschaffung des Lichtes mit der anschließenden Trennung von Licht und Finsternis beschrieben. Das Licht des ersten Schöpfungstages aber sind die Engel. Demnach wäre auch der Behemot ursprünglich ein Engel gewesen. Engel in Tiergestalt sind durchaus nicht ungewöhnlich. Warum der Behemot aus den himmlischen Chören der Engel fiel, bleibt wie so Vieles ein Geheimnis. Doch eins ist gewiss: Kein Teufel kommt als Bösewicht auf die Welt. Auch die beiden Unholde Behemot und Leviathan wurden erst im Laufe der Geschichte zu Verkörperungen Satans. Belial Belial ist der Name eines Teufels, vor dem Paulus die Gemeinde in Korinth besonders warnt. »Belial« bedeutet »Nichtsnutz«. Nomen est Omen: Das gilt auch bei diesem Teufelsnamen. Der Pakt mit dem bösen Belial bringt nichts Gutes ein. Deshalb sollen Christ und Christin den Belial meiden: »Was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? Wie stimmt Christus überein mit Belial?« (2. Korinther 6.14f.), so fragt Paulus. Die Antwort liegt auf der Hand: Nichts!
  20. 20. -20- Besessenheit Dämonen sind Geister der Luft. Sie besitzen keinen eigenen Körper. Doch können sie blitzschnell eine Gestalt annehmen. Dabei sind sie durchaus wählerisch, denn sie bevorzugen die eines schwarzen Pudels oder Katers, eines Ziegenbockes oder einer Schlange. Dieser Körper existiert jedoch nicht wirklich. Er ist eine Sinnestäuschung, ein Trugbild und Gaukelspiel der Dämonen. Gern benutzen Dämonen den Körper eines Menschen als Wohnstätte. Die Vorstellung, daß Menschen oder Tiere vom Teufel in Besitz genommen werden, ist in vielen Religionen verbreitet. Es gibt mancherlei Gründe, warum der Mensch nach katholischer Auffassung ein Opfer der Dämonen werden kann. Der 1925 in Modena geborene Don Gabriele Amorth, Mitglied der Internationalen Päpstlichen Marianischen Akademie und seit 1985 beauftragter Exorzist der Diözese Rom, gilt neben dem 1930 in Sambia geborenen Erzbischof Emmanuel Milingo (Arluno bei Mailand) auf diesem Gebiet als Spezialist. Don Gabriele nennt vier mögliche Gründe für dämonische Besessenheit: 1. Wie bereits im biblischen Buch Hiob nachzulesen, kann Gott selbst den Teufel beauftragen, einen Menschen zu versuchen. Dieser Fall gilt als äußerst selten. Jesus wurde allerdings vom Satan in der Wüste versucht. 2. Oftmals sind Verwünschungen (Flüche) Ursache eines dämonischen Angriffs. Während in den ersten beiden Fällen das Opfer unschuldig ist, gibt es zwei selbstverschuldete Ursachen für dämonische Nachstellungen: 3. Der Mensch verharrt ohne Reue im Zustand der Sünde. 4. Er sucht bewußt den Kontakt zu Zauberern, Satanskulten oder schließt sogar einen Pakt mit dem Teufel.
  21. 21. -21- Dämonische Anfechtungen, so der Exorzist Pfarrer Franz Knothe (Diözese Fulda), machen sich unterschiedlich bemerkbar durch körperliche oder seelische Leiden, Misserfolge im Berufsleben, Pessimismus, Verzweiflung und Selbstmordgedanken. Treten diese Beeinträchtigungen nur zeitweilig auf, so spricht der Exorzist von einer Umsessenheit (circumsessio). Zu ihrem Bild gehören auch körperliche oder seelische Störungen, etwa von unsichtbarer Hand ausgeführte Schläge oder Geißelungen. Die Umsessenheit gilt als Vorstufe der Besessenheit (obsessio). Der Besessene ist von dem Dämon vollkommen in Besitz genommen. Dieser spricht durch ihn in unbekannten Sprachen. Er weiß über entfernte und verborgene Dinge Bescheid, verursacht in Kopf und Magen körperliche Beschwerden und verbreitet einen »höllischen Gestank«, besonders Brandgeruch. Zuweilen kann er sein Opfer über dem Boden oder Bett schweben lassen. Medikamente sind ihm gegenüber unwirksam. Aggressiv dagegen reagiert der Dämon auf alles Heilige und Geweihte: Weihwasser, Kreuze, Reliquien, Medaillen, Jesusbilder, Gebete und Hostien. Der Theologe Kurt Koch hatte zahllose Begegnungen mit Menschen, die als besessen galten. Auf dem Hintergrund seiner Erfahrungen nennt er vier Hauptkriterien für Besessenheit: 1. Das Resistenzphänomen: Geisteskranke, so hatte er beobachtet, wurden durch sein Gebet beruhigt. Im Besessenen jedoch bewirkte das Gebet einen Widerstand gegen den Beter. Der Besessene schrie, tobte und griff den Beter an. 2. Besessene fielen beim Gebet in Trance, zeigten 3. hellsichtige Fähigkeiten und sprachen 4. in der Trance manchmal Fremdsprachen, die sie nicht gelernt hatten. Als wichtigstes Kriterium zur Beurteilung der Besessenheit gilt jedoch nach Kurt Koch: »Die Menschen, die von sich sagen, sie seien besessen, sind
  22. 22. -22- es nicht. Die wirklich Besessenen wissen es nicht und sagen es nicht.« Und noch eine Warnung gibt Koch seinen Hörern und Lesern mit auf den Weg: »Es gibt auch eine durch plumpe oder auch schwarmgeistige Seelsorge aufsuggerierte Besessenheit. Hier muß ein neuer Warnschuss losgelassen werden. Es gibt extreme Kreise, vor allem in überspannten ›Pfingstkreisen‹, in denen suggestiv herbeigeführte Besessenheitsfälle geradezu hochgezüchtet werden. Vor solchen Kreisen ist zu warnen. Vor allem sollte niemals ein okkult Belasteter oder gar ein wirklich Besessener solchen Kreisen zur Betreuung übergeben werden. Das verschlimmert nur den Zustand dieser armen geplagten Menschen. (...) Extreme religiöse Kreise sind Brutstätten für Neurosen und Depressionen aller Art.« Die moderne Psychiatrie kennt keine Besessenheit, wohl aber Krankheitsbilder wie Epilepsie oder Schizophrenie. Unsere Sprache dagegen ist konservativ: In Panik geraten, schreien einige wie besessen. Wer mit dem Auto wie ein Besessener fährt, ist sich und anderen Menschen eine Gefahr. Er wird vom Teufel geritten. Einige arbeiten wie besessen. Anderen sitzt der Teufel im Nacken. Sind sie von Ideen oder gar Ideologien besessen, dann können sie gefährlich werden. Mit der Besessenheit wird ein Zustand der Unfreiheit und des Selbstverlustes bezeichnet. Der Besessene gilt als nicht mehr zurechnungsfähig. Er ist nicht mehr frei in seinen Entscheidungen. Er ist sich und anderen fremd geworden. Blocksberg Bibbi Blocksberg heißt eine der vielen Hexen, deren Abenteuer unsere Kinder vor dem Schlafengehen in den Bann ziehen. Zum Glück haben sie noch keine Ahnung, was auf dem Blocksberg wirklich getrieben wurde. Erst im Deutschunterricht
  23. 23. -23- der Oberstufe werden sie mit den unsittlichen Spielen der Hexen konfrontiert. Seit dem 17. Jahrhundert wurde der Brocken als Berg der Hexen und Blocksberg bezeichnet. Der Name »Blocksberg« wurde vom Harz aus auf andere deutsche Verwünschungsberge und Sammelpunkte von Unholden übertragen. Zur Walpurgisnacht, aber auch zu Johannis, am Michaelisfest, zu Weihnachten und Neujahr kamen sie hier zu einer schwarzen Messe (siehe dort) zusammen. Die weiten Wege zum Blocksberg legten sie fliegend auf ihren Hexenbesen zurück. Dazu benutzten sie eine spezielle Flugsalbe. Johannes Praetorius beschreibt die Herstellung in seinem Buch »Blockes-Berges Verrichtung« (1668): Die Hexen nahmen das Fleisch von neugeborenen Kindern, kochten es zu Brei und mischten Mohn, Schierling und Sonnenwedel darunter. Dann schmierten sie sich mit dieser Flugsalbe ein und sprachen: »Oben aus und nirgends an!« - und schon flogen sie zum Fenster oder Schornstein hinaus. Neben dem Besen dienten Böcke, Ziegen, Katzen, Mutterschweine (siehe dort), dreibeinige Pferde oder Mistgabeln als Fortbewegungsmittel. Gegen das Hexentreiben hilft ein einfacher Abwehrzauber: Wenn sich Kinder als Hexen verkleiden und auf Besen reitend durch die Straßen toben, so soll dies die Hexen fernhalten. Besen, Ziegen und Böcke werden am besten versteckt. In die Fenster kann man ein Kräuterbüschel hängen und vor die Haustür zwei gekreuzte Eggen stellen. Wer die fliegenden Hexen sehen möchte, muß sich einen Kranz von Tausendgüldenkraut aufsetzen, eine Schlangenhaut um den Hals hängen oder den Kopf mit Baldrian einreiben. In Goethes »Faust« wird das derbe Treiben der Hexen auf dem Blocksberg offen geschildert. Er folgt dabei dem klassischen Ablauf eines Hexensabbats: Huldigung des Teufels, Küssen von Satans Hinterteil (Homagialkuss), Satansdienst, Bergpredigt, Hexentanz, Orgie. Daß sich die satanische
  24. 24. -24- Gemeinde auf einem Berg trifft, ist natürlich kein Zufall. Der Satanskult ist immer eine Parodie christlicher Riten, und auch die Wahl des Ortes will eine Gegenwelt zur christlichen errichten. Da Jesus seine Bergpredigt auf einer Erderhöhung hielt, predigt auch der Satan auf dem Brocken. Vor allen Dingen aber steht die sexuelle Enthemmung im Zentrum der schwarzen Messe. Goethe läßt daher den Satan sagen: »Für euch sind zwei Dinge Von köstlichem Glanz: Das leuchtende Gold Und ein glänzender Schwanz Drum wißt euch, ihr Weiber, Am Gold zu ergötzen Und mehr als das Gold Noch die Schwänze zu schätzen! (...) Seid reinlich bei Tage Und säuisch bei Nacht! So habt ihr's auf Erden Am weit'sten gebracht.« Goethes »Faust« gehört zur klassischen Schullektüre. So legt niemand in Deutschland die Reifeprüfung ab, ohne in die Geheimnisse der schwarzen Magie eingewiesen worden zu sein. Warum dieser Sachverhalt noch nicht die Kultusministerkonferenzen beschäftigt hat, bleibt rätselhaft.
  25. 25. -25- Das Böse Drei Kinder dürfen mit Erlaubnis ihrer Eltern die Nacht im Zelt verbringen. Um Mitternacht sind sie noch nicht müde, wollen etwas unternehmen, wissen aber nicht was. Die Zeit wird lang, die Herzen und Köpfe sind leer. Nichts ist los. Lähmende Langeweile. Plötzlich reitet sie der Satan: Ist nicht eine Schrebergartenanlage in der Nähe? Und befinden sich dort nicht Kaninchen- und Hühnerställe? Die Kinder schleichen sich auf das Gelände, brechen die Ställe auf und holen drei Kaninchen und acht Hühner heraus. Sie wissen nicht, warum, und denken nicht darüber nach. Die Tiere werden hin- und hergeworfen. Dann wird mit ihnen Fußball gespielt. Sie werden getreten und durch die Luft geschossen, bis sie tot sind. Des bösen Spiels ist damit noch kein Ende. Die Kinder werfen die Tierleichen vor fahrende Züge. Fälle wie dieser finden sich jeden Tag in den Zeitungen. Das Böse gehört zu unserem Alltag. Das Böse ist nicht der Böse, doch auch ohne Teufel bleibt das Böse rätselhaft. »Den Bösen sind sie los, das Böse ist geblieben«, sagte schon Goethe. Doch woher kommt es? Hier gibt es sechs klassische Antworten: 1. Das Böse ist der Preis der Freiheit. 2. Das Böse ist eine Folge verfehlter Erziehung. 3. Das Böse ist eine Folge sozialer Ungerechtigkeit. 4. Das Böse entsteht aus ungelebter Liebe. 5. Das Böse gehört als Aggressions- und Todestrieb zum Wesen des Menschen. 6. Das Böse ist unser Schatten. Alle Lebewesen sind äußeren Gefahren ausgesetzt. Beim Menschen jedoch kommen die größten Bedrohungen aus dem Inneren. Kein Tier überfrisst sich bis zur Herzverfettung, kein
  26. 26. -26- Tier missbraucht den natürlichen Sexualtrieb im perversen Treiben, kein Tier eignet sich ein größeres Revier an, als es zum Nahrungserwerb braucht, oder tötet absichtlich im Rivalenstreit das Brudertier. Völlerei, Unzucht, Neid, Zorn und Habsucht sind einige Namen für das Böse in uns. Fast unwillkürlich personifizieren wir sie. »Es war das Wort des Onkels, das mir die Augen geöffnet hatte.« Mit eben diesen Worten erinnert sich Erwin Wickert (*1915) an böse Streiche aus seiner Kindheit. Im Dorf Bralitz am Rand der Alten Oder wird Hochzeit gefeiert. Der siebenjährige Knabe soll Blumen auf den Weg des Brautpaares streuen. Von der anderen Seite des Hofes hatte er Kinderstimmen vernommen. Dorfjungen spielten in der alten Ziegelei. Sie »fingen Frösche aus den Becken, steckten ihnen einen Strohhalm in den After, bliesen sie auf, daß sie ganz rund waren, und warfen sie ins Wasser, daß sie aufklatschten und wie Bälle schwammen, mit den Beinen ruderten, aber zu unserem Gaudium nicht vorwärtskamen. Auch ich ließ mir einen Strohhalm geben und beteiligte mich an dem Spiel.« Der Knabe hatte nicht gehört, wie er zur Hochzeitsgesellschaft gerufen wurde. Ein Stallknecht brachte ihn ins Haus und berichtete, was er gesehen hatte. Onkel Martin »fragte mich, wie ich mich wohl fühlen würde, wenn jemand mich so aufblasen würde wie die Frösche«. Das saß und war schlimmer, als jeder Vorwurf es hätte sein können. Der Knabe schämte sich und verließ das Zimmer. »Erst da, erst in dem Augenblick, als ich die Forderung des Onkels anerkannte, die Tiere nicht als Sachen, sondern als mir verwandte Wesen erkannte und ihre Schmerzen mitfühlen konnte, erst da entstand das Böse.« Was gut oder böse ist, lernen Kinder von den Eltern. Aber die Stimme des Gewissens ist mehr als die Verinnerlichung dessen, was die Eltern einst sagten. Sie ertönt unvermittelt und kann durchaus gegen die Konventionen der Familie oder der
  27. 27. -27- Gesellschaft sprechen. Unter der Dorfjugend in Reuden war es jedes Frühjahr üblich, die Nester von Sperlingen und Krähen auszunehmen. Das galt im Dorf als gute Tat, das war nicht böse, wie das Aufblasen der Frösche. Die Bauern ermunterten die Jungen dazu, und schon der Dorfschullehrer hatte sie die heimische Fauna in gute und böse Tiere einzuteilen gelehrt. Gute Tiere waren die nützlichen, böse Tiere die schädlichen. Böse waren Mücken und Fliegen, Krähen und Spatzen, Habichte und Bussarde, Füchse und Marder, gut dagegen alle Haustiere, Schwalben, Regenwürmer, Singvögel. Onkel Martin hatte die Knaben die Achtsamkeit gegenüber den Fröschen gelehrt. »Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es fühlt wie Du den Schmerz.« Nun hätte der Knabe wissen können, was gut und was böse ist. Böse ist die Unachtsamkeit gegenüber dem Brudertier, böse die fehlende Anerkennung des fremden Schmerzes. Doch es bedurfte einer weiteren Erfahrung. Vom Vater hatte der Neunjährige ein Luftgewehr geschenkt bekommen. Schießübungen im Garten zeigten, wie wenig treffsicher der Knabe war. Eine Flasche auf einem Pfahl bildete das Ziel. Doch die Kugeln pfiffen vorbei. Vielleicht war das tote Objekt auch keine genügende Herausforderung für den jungen Schützen, denn als er auf den Vogel im Kirschbaum zielt und abdrückt, flattert dieser herab mit einem schleppenden Flügel. Mit Entsetzen sieht das Kind, daß es kein »böses«, sondern ein »gutes« Tier getroffen hat, ein Rotkehlchen. Das Rotkehlchen wird umhegt, in einen Korb gesetzt. Ein Wassernapf wird geholt, Körner werden vor das Brudertier gelegt. Das Herz klopft. »Ich wollte wiedergutmachen, aber was ich auch tat, es war vergeblich.« Am Abend ist das Rotkehlchen tot. Im Garten wird es begraben. Ein kleines Holzkreuz kennzeichnet die Stelle. Es markiert auch eine Wende im Wissen des Kindes um Gut und Böse. Die böse Tat weist über den Tag hinaus, ja über den Rand des Lebens in die Ewigkeit. Gut und Böse, Leid und Sterben,
  28. 28. -28- Tod und Schuld gehören auf geheimnisvolle Weise zusammen. Das Gewehr wird in eine Ecke des Speichers gestellt und nie mehr benutzt. Die Erinnerung an den Tod des Rotkehlchens begleitet untergründig den Knaben durch ein langes Leben. Noch siebzig Jahre später denke er nicht gerne an die Tat zurück: »Ich bitte die Frösche und die Vögel, die ich misshandelt oder umgebracht habe, um Verzeihung.« Böser Blick Die Augen werden auch als Fenster der Seele bezeichnet. Menschen können einen klaren, freundlichen, einen trüben oder traurigen Blick haben. Wer ein schlechtes Gewissen hat, der senkt den Blick. Wer sich freut, dessen Augen lachen. Einem bösen Hund soll man so lange fest in die Augen schauen, bis er den Blick senkt. Blicke können hypnotisierend, verletzend, niederschmetternd, ja sogar tödlich sein. Schlangen wird ein lähmender Blick nachgesagt. Im Mittelalter war es streng verboten, den Blick des Königs zu erwidern. Die Zauberkraft des Auges erstreckt sich sogar auf leblose Gegenstände. Uri Geller, heute einer der Betreuer von Michael Jackson, hat in Fernsehshows der Siebziger Jahre allein durch den Blick seiner Augen Gabeln verbogen und Kompassnadeln bewegt. Mit dem Wort »böser Blick« wird die zerstörerische Kraft dämonischer Menschen bezeichnet. Ihre Seele ist voller Neid, Eifersucht und Zorn, eben jener Laster, die auch den Teufel kennzeichnen. Deshalb wird der böse Blick auch »neidischer Blick« oder »Neidstrahlen« genannt. Die Angst vor dem bösen Blick ist in allen Ländern der Welt zu finden. In Tadschikistan schützt man sich vor den Folgen des bösen Blicks durch das Bärenkissen, ein stacheliges Gewächs, das über jedem Hauseingang zu finden ist, oder durch eine Kette mit schwarzweißen Perlen. Überall auf der Welt verbreitet sind
  29. 29. -29- Augenamulette. Im Christentum gilt das Augensymbol Gottes als apotropäisches Mittel: Zur Abwehr des bösen Blicks wird es über den Türen angebracht. Jesus hat bekanntlich Blinde geheilt. Er öffnete diesen Menschen wieder das Fenster der Seele, damit das Licht des Glaubens in sie einströmen kann. So gibt es neben dem bösen Blick den guten Blick. Es ist der Blick der Liebe, unter dem die dunklen Mächte weichen. Aleister Crowley Edward Alexander Crowley (1875-1947) wurde in Leamington Spa in der Nähe von Shakespeares Heimatstadt geboren. Er hielt sich für den größten Dichter seiner Zeit. Der Vater verdiente als Brauereibesitzer ein Vermögen. Zugleich zog er als Laienprediger der stark fundamentalistischen Sekte »Plymouth Brethreu« durch das Land und predigte strikte Abstinenz vom Alkohol. Sein Sohn Edward Alexander wuchs als Einzelkind auf. Sehr früh kam es zu großen Spannungen zwischen ihm und seinen Eltern. Die Mutter soll ihn während einer Auseinandersetzung als »Das große Tier« bezeichnet haben. Eine größere Verunglimpfung war in dem Kreis der Sekte nicht denkbar, denn »Das große Tier« (siehe dort) ist eine zentrale Gestalt aus der Apokalypse, ein Verbündeter des Teufels, ein eitler Widersacher Christi und Christenverfolger. Das Zeichen des Tieres war die Zahl 666. Als die Verhältnisse zu Hause unerträglich wurden, schickten die Eltern ihren Sohn in ein Internat der Sekte. Der Vater stirbt früh an Zungenkrebs. Er hinterläßt seinem Sohn ein großes Vermögen. Finanziell unabhängig, hat Crowley ausreichend Zeit und Geld für ausgedehnte Reisen, Wanderungen in den Alpen und Bergbesteigungen im Himalaja. Er experimentiert mit Drogen, wird alkohol- und heroinabhängig, schreibt unablässig,
  30. 30. -30- wird aber wenig gelesen. Das Interesse an Okkultismus (siehe dort) und Satanismus liegt in der Luft der Zeit. Neue okkulte Ordensgemeinschaften entstehen. Am 18. November 1898 tritt Crowley einem der zahlreichen Geheimorden bei, dem »Hermetic Order of the Golden Dawn« (Hermetischer Orden der Goldenen Dämmerung). Wie andere Geheimorden bildet auch er ein Gegenmuster zu den christlichen Ordensgemeinschaften. Die Mitglieder tragen wie die Mönche den Titel »Frater« (Bruder), und wie in jeder katholischen Ordensgemeinschaft bekommt auch hier das neue Mitglied (Novize oder Neophyt) beim Eintritt einen Ordensnamen. Crowley heißt nun »Frater Perdurabo«. Die Ordenssprache ist Latein. Nach dem Vorbild der katholischen Kirche ist das Leben in einer klaren Hierarchie gegliedert. Sie ist durch unterschiedliche Weihestufen geprägt. Der »Hermetic Order« kennt zehn Grade der Einweihung, und wie die Kirche, so hat auch der Geheimorden eine »Heilige Schrift«. Ein gemeinsames Merkmal aller Geheimorden ist die Berufung auf alte außerchristliche Traditionen und Geheimschriften. Besonders der Mythos von den verborgenen (apokryphen) und von der Kirche angeblich bewußt unterdrückten Geheimschriften gehört zu den Gründungslegenden. Die »Heiligen Schriften« des »Hermetic Order« wurden bei einem Londoner Antiquar gefunden. Crowley erreicht nur den sechsten Grad in der Ordenshierarchie, denn kurz nach der Weihe zum Adeptus Minor (16. Januar 1900) verlangt er einen vollständigen Einblick in die Geheimschriften der Ordensleitung. Da ihm dieser verweigert wird, kommt es zum Bruch. Sieben Jahre später wird Crowley seinen eigenen Orden gegründet haben. Er nennt ihn »Argenteum Astrum«. Die notwendigen Geheimschriften schrieb Aleister Crowley während seines Aufenthaltes in Kairo 1904 selbst. Sie sind unter dem Titel »Liber Legis« (Buch des Gesetzes) bekannt. In ihm
  31. 31. -31- befinden sich auch die berühmten Worte, die jeder mit dem Namen Crowley verbindet: »Do what you want shall be the whole of the law« - »Tu was du willst sei das ganze Gesetz.« Hier heißt es weiter: »Es gibt keinen Gott außer dem Menschen. Der Mensch hat das Recht, nach seinen eigenen Gesetzen zu lebenzu leben, wie er will: zu arbeiten, wie er will: zu spielen, wie er will: zu ruhen, wie er will: zu sterben, wann und wie er will. Der Mensch hat das Recht, zu essen, was er will: zu trinken, was er will: zu wohnen, wo er will: sich auf dem Antlitz der Erde umherzubewegen, wie er will. Der Mensch hat das Recht, zu denken, was er will: zu sagen, was er will: zu schreiben, was er will: zu zeichnen, zu malen, schnitzen, ätzen, formen, bauen, was er will: sich zu kleiden, wie er will. Der Mensch hat das Recht, jene zu töten, die ihm diese Rechte streitig machen wollen.« Zu neuen Offenbarungen gehören neue Zeitrechnungen. Das gilt auch für Crowleys ägyptische Offenbarung des Jahres 1904. Crowleys Kalender rechnet in Zeiteinheiten von 22 Jahren. Eine Zeiteinheit wird mit dem großen römischen Buchstaben I (Eins) bezeichnet. Die Zahlenfolge IIII (Vier) bezeichnet 88 (4 mal 22) Jahre. Alle anderen Zahlen bis 22 werden mit klein geschriebenen römischen Zahlen ausgeführt. Zehn Jahre wären also ein »x«. Die Zeitangabe beginnt immer mit den Buchstaben »AN«. AN IIIIx bezeichnet also das Jahr 2002, in Crowleys Chronologie als »gemeine Zeitrechnung« oder »era vulgari«, abgekürzt »e.v.« bezeichnet. Diese wird der Zeitangabe gerne beigefügt: AN IIIx, 2002 e.v.. Die Mystifikation gehört zu Crowleys Selbststilisierung. Seine Vornamen ändert er von Edward Alexander zu Alick und später zu Aleister, der gälischen Form des Namens »Alexander«. Zur Selbststilisierung
  32. 32. -32- gehört auch ein ausschweifendes Sexualleben mit Männern und Frauen, durch das Crowley bald den Ruf bekommt, der ihn bis heute zum liebsten Kind der Medien macht. Fortan ist sein Lebensweg von Opfern begleitet: Nervenzusammenbrüche, Selbstmorde. Seiner Tochter gibt er den Dämonennamen »Lihth«. Sie stirbt früh. Sein Sohn verkommt. Im Jahr 1912 wird Crowley durch Karl Kellner zum Mitglied des Ordens Ordo Templi Orientis (O.T.O.) berufen. Aus diesem Orden ist auch Ron Hubbard, der Gründer der Scientology Church, hervorgegangen. Während des Ersten Weltkrieges hält sich Crowley in Amerika auf. Er verdient sein Geld als Ghostwriter von astrologischen Büchern und schreibt pro- deutsche Kriegspropaganda. Auch während der Zeit des Nationalsozialismus steht er auf deutscher Seite. Die geistige Verwandtschaft vieler seiner Ideen mit Hitlers Gedanken ist ihm selbst aufgefallen. Aleister Crowleys Mutter hatte ihren Sohn im Zorn als »Das große Tier« bezeichnet. In Amerika nimmt Crowley diesen Namen an. »Das große Tier« oder »To Mega Therion« ist fortan sein Titel. Unverhohlen bricht der Hass gegen das Christentum aus ihm hervor: »Tue, was du willst, sei das ganze Gesetz. Siehe, Jesus von Nazareth, wie bist du mir in die Falle gegangen. Mein Leben lang hast du mich geplagt und beleidigt. In deinem Namen wurde ich - wie alle freien Seelen im Reich der Christenheit in meiner Jugend gemartert; mir war jede Freude untersagt; alles, was ich hatte, wurde mir genommen, und das, was sie mir schuldig sind, bezahlen sie nicht - in deinem Namen. Nun endlich habe ich dich; der Sklavengott ist in der Gewalt des Herrn der Freiheit. Deine Stunde ist gekommen, wo ich dich vom Antlitz dieser Erde auslösche, so sicher wird die Finsternis hinweggenommen werden; und Licht, Liebe, Leben und Freiheit sollen einmal mehr das Gesetz der Erde sein. Mach Platz, o Jesus, für mich; dein Äon (= Zeitalter) ist vorbei; das Zeitalter
  33. 33. -33- des (ägyptischen Gottes) Horus ist angebrochen durch die Magick (=Magie) des Meisters, des Tieres, das der Mensch ist; und seine Zahl ist sechshundertundsechsundsechzig. Liebe ist das Gesetz, Liebe unser Willen. Ich, To Mega Therion, verurteile dich, Jesus, den Sklavengott, daher dazu, daß du verhöhnt und angespieen und gegeißelt und hernach gekreuzigt werdest.« Der Wille des Menschen ist sein Gesetz, sagt Crowley, und der Wille des »Großen Tieres« Crowley ist das Gesetz seiner Ordensmitglieder. Aus Amerika zurückgekehrt, gründet er am 2. April 1920 in Cefalù auf Sizilien ein Ordenshaus. Er nennt es Abtei Thelema. Mönche wohnen in einem Kloster oder einer Abtei. Die Abtei wird von einem Abt geleitet. Dieser verfügt auch über die Gerichtsbarkeit des Klosters. Das griechische Wort »Thelema« bedeutet »Wille«. Crowley gibt sich selbst den höchsten Ordenstitel eines »Ipsissimus«. »Er selbst ist gottgleich« - so könnte die Bedeutung umschrieben werden. Drei Jahre später verweist die italienische Regierung den »Gottgleichen« des Landes. Als in den Sechziger Jahren der Protestsatanismus aufkam, wurde Crowley auch in der Musikszene populär. Sein Bild findet sich auf dem berühmten Platten-Cover der Beatles »Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band« (1967). Es gab auch Pläne, sein Leben zu verfilmen. Mick Jagger sollte dabei die Hauptrolle spielen. Die Rolling Stones ließen sich auf ihrer LP »Their Satanic Majesties Request« (1967) von Crowleys Gedanken inspirieren. Das Lied »Sympathy for the devil« wurde zur Protesthymne einer ganzen Generation. Ozzy Osbourne von der Gruppe Black Sabbath komponierte ein Lied mit dem Titel »Mr. Crowley«, und Jimmy Page von der Gruppe Led Zeppelin erwarb sogar Crowleys Haus in Boleskine. Aleister Crowley verdankt seinen Nachruhm den Mystifikationen und Gerüchten von grausamen Tabubrüchen, von denen sein Leben begleitet war.
  34. 34. -34- Dämonen Wer die erste Seite der Bibel aufschlägt, findet dort den Mythos von der Erschaffung des Lebens. Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut! So lautet der Refrain der Schöpfung. Also waren auch Dämonen ursprünglich gut. Ihr gewaltiges Heer setzt sich aus ehemaligen Engeln sämtlicher neun Chöre zusammen. Während die himmlischen Heerscharen eine heilige Ordnung bilden, sind die Dämonen eine reine Chaostruppe oder - wie Bonaventura lehrte - eine »perversitas«, eine verkehrte Ordnung. Unter den Dämonen findet man ehemalige Cherubim, Seraphim, Erzengel, Mächte und Gewalten. Dämonen sind geradezu besessen von ihrem Hass gegen die göttliche Ordnung. Deshalb stellen sie auch den Gläubigen nach und versuchen, sie gegen Gott aufzuhetzen. So schärft der Apostel Paulus seiner Gemeinde in Ephesus (6.11 f.) ein: »Zieht an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr bestehen könnt gegen die listigen Anschläge des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.« Das Wort »Dämon« ist aus dem griechischen »Daimon« abgeleitet. Dämonen dürfen nicht mit Elementargeistern (siehe dort) verwechselt werden, denn die Naturgeister bilden ein eigenes Reich. Sie interessieren sich nicht für religiöse Fragen, sie streben nicht nach Gnade und Gotteserkenntnis, sie wissen nichts von Sünde. Die meisten Elementargeister wollen einfach nur in Ruhe gelassen werden. Als körperlose Geister suchen sich die Dämonen eine Wohnung. Sie bevorzugen den menschlichen Körper, fahren zur Not aber auch in Schweine als Wirtstiere ein (Markus 5.12). Da Dämonen gern in Rotten auftreten, können sie im Körper des Menschen eine verheerende Wirkung auslösen. Die Bibel nennt Seh- und Hörstörungen, Stummheit, Epilepsie, Lähmung, soziale Isolation und autoaggressive Handlungen. Jesus hatte
  35. 35. -35- den Kampf gegen die Dämonen aufgenommen und den Anbruch einer neuen Zeit verkündet: »Wenn ich aber durch Gottes Finger die bösen Geister austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen.« (Lukas 11.20) Und weiter: »Blinde sehen, und Lahme gehen, Aussätzige werden rein, und Taube hören, Tote stehen auf, und Armen wird das Evangelium gepredigt.« (Matthäus 11.5) Aus Maria von Magdala hatte Jesus sieben Dämonen ausgetrieben, aus dem Besessenen von Gerasa sogar 6000. Dämonen kehren jedoch gerne an den Ort ihres unheilvollen Wirkens zurück. »Wenn der unreine Geist von einem Menschen ausgefahren ist, so durchstreift er dürre Stätten, sucht Ruhe und findet sie nicht; dann spricht er: Ich will wieder zurückkehren in mein Haus, aus dem ich fortgegangen bin. Und wenn er kommt, so findet er's gekehrt und geschmückt. Dann geht er hin und nimmt sieben andere Geister mit sich, die böser sind als er selbst; und wenn sie hineinkommen, wohnen sie darin, und es wird mit diesem Menschen hernach ärger als zuvor.« (Lukas 11.24-26). An Agnostikern und Atheisten gehen die Dämonen achtlos vorüber. Der Grund liegt auf der Hand, denn was gäbe es bei ihnen noch zu holen? Dämonen selbst sind jedoch niemals Ungläubige, Skeptiker oder Zweifler. Sie können keine Atheisten werden. Das unterscheidet sie von den Menschen. Sie glauben an den einen Gott (Jakobusbrief 2.19). Eheteufel Wenn die Ehe zur Hölle wird, muß nicht gleich der Teufel seine Hand im Spiel haben. Auch bei drastisch zunehmenden Scheidungsraten in der westlichen Welt sollte nicht gleich der Teufel an die Wand gemalt werden. Ehekrisen können höchst irdische Ursachen haben. Auch ist es unfair, Frauen zu verteufeln, wie es Elvis Presley mit den Versen »You... walk
  36. 36. -36- like an angel..., but... you're the devil in disguise« getan hat. Wie überall, so schützen auch im Fall des Eheteufels Wissen und Aufklärung vor Mystifikationen. Der Eheteufel Asmodi (Asmodäus) ist aus dem biblischen Buch Tobit bekannt. Hier wird eine Geschichte vom Erwachsenwerden zweier Jugendlicher erzählt. Sie heißen Tobit und Sara. Der Schutzengel Raphael will sie zum Bund der Ehe zusammenführen. Dabei stellen sich ihm einige Widerstände in den Weg. Einer erscheint in der Gestalt des Eheteufels Asmodi. Der Name leitet sich aus der Religion Zarathustras (siehe dort) ab. Hier heißt der Bösewicht Dev Aeschma. Er kommt in der Brautnacht und versucht, die Männer vor dem Vollzug der Ehe zu töten. Der Eheteufel ist also ein eifersüchtiger Geist. Doch mit Hilfe des Schutzengels kann er leicht vertrieben werden. Das Buch Tobit empfiehlt zur Vertreibung Asmodis zwei Mittel: 1. Ein magisches Räucherwerk aus Lebertran (Tobit 6.20) und 2. eine Zügelung der Triebe, denn Sara und Tobit schlafen drei Nächte keusch nebeneinander, ehe sie die Ehe vollziehen. Dieses Keuschheitsritual war auch unter den jungen Gralsrittern verbreitet. So schlafen Parzival und Condwiramurs erst drei Nächte nach der Hochzeit miteinander. Verständlich, daß bei diesen hohen ethischen Auflagen zur Bannung von Eheteufeln viele Paare heute ohne Trauschein zusammenleben wollen. Eheteufel sind also Eheverhinderungsteufel. Ihrer nun gibt es viele im 21. Jahrhundert. Elementargeister Wenn Häuser, Städte und Länder ihren eigenen Geist haben, dann noch mehr die Natur. Jeder Wanderer im Gebirge oder am Meer und jeder Waldgänger spüren diese Naturkräfte. In den
  37. 37. -37- Elementargeistern werden sie seit Urzeiten personifiziert. Elementargeister sind trotz ihres hohen Alters wieder populär, denn sie verkörpern heute ein ökologisches Bewußtsein. Ihr Name leitet sich aus den vier Elementen Erde, Wasser, Feuer und Luft ab. Jedem Element werden bestimmte Elementargeister zugeordnet. In der Luft schweben die Sylphen. Sie sind sterbliche Geister weiblichen Geschlechts. Im Feuer wohnen die Salamander. Im Wasser die Undinen, Nixen, Meerjungfrauen, Nymphen und die Lorelei. Der Erde sind die Gnome, Bergwerksdämonen, Zwerge, Schrate und Trolle zugeordnet. Die Elementargeister sind älter als das Christentum. Teilweise stammen sie aus der griechischen und der nordischen Mythologie. Sagen und Märchen, aber auch die Dichtung berichten von ihnen. Ob damit die Elementargeister ein reines Produkt der Fantasie sind, darüber streiten sich die Geister. Trotz großer Unterschiede in Erscheinungsbild und Wesensart haben alle Naturgeister gemeinsame Charakterzüge: 1. Sie wollen nicht von Menschen beobachtet werden. 2. Sie besitzen keine Seele. 3. Viele von ihnen haben ein starkes erotisches Verlangen. Elementargeister sind deutlich von Dämonen zu unterscheiden. Dämonen (siehe dort) sind gefallene Engel (siehe Engelsturz), also ehemalige Himmelsbewohner. Dämonen stellen der Seele des Menschen nach, wollen sie zum Bösen verführen und in die Hölle hinabziehen. Da Elementargeister keine Seele besitzen, sind sie für einen Teufel ohne Interesse. So könnte man denken, doch ist das Verhältnis zwischen Elementargeistern, Teufel und Mensch vertrackter. Während viele Erdgeister wie Trolle und Schrate, aber auch der Feuergeist des Salamanders glücklich über ihre Lebensform sind, drängt es Zwerge, Sylphen und Undinen zuweilen nach mehr. Sie haben Sehnsucht nach einer eigenen Seele. Wenn
  38. 38. -38- dieses Verlangen in ihnen auftaucht, kann es für den Menschen gefährlich werden. Die plumpen Zwerge bedienen sich dazu eines üblen Tricks. Sie tauschen das neugeborene Menschenkind gegen ein Zwergenkind aus. Dies wird Wechselbalg genannt. Die ersten sechs Wochen nach der Entbindung gelten als die gefährlichste Zeit für Säuglinge. Der Glaube an Wechselbälger hat sich in einer tiefen Schicht der Seele bis auf den heutigen Tag erhalten. Denn besonders in Krisenzeiten taucht bei Jugendlichen gelegentlich die Fantasie auf, sie wären auf der Säuglingsstation vertauscht worden. Wie immer, so ist auch hier die Frage nach Geistern mit der Frage nach der menschlichen Identität eng verbunden. Als böser Seelenräuber gilt bekanntlich der üble Zwerg mit Namen Rumpelstilzchen. Das Märchen der Brüder Grimm verrät auch, wie diesen Burschen beizukommen ist: Man muß sie nur beim Namen nennen, dann weicht der Spuk. Obwohl Elementargeister keine Dämonen sind, kann sich der Teufel ihrer dennoch bedienen. So sah es jedenfalls Martin Luther: »Wechselbälger und Kielköpfe legt der Satan an der rechten Kinder statt, damit die Leute geplaget werden. Etliche Mägde reißt er oftmals ins Wasser, schwängert sie und behält sie bei ihm, bis sie des Kindes genesen, und legt darnach dieselben Kinder in die Wiegen, nimmt die rechten draus und führet sie weg. Aber solche Wechselbälge sollen, wie man sagt, über 18 oder 19 Jahre nicht leben.« Besonders gefährlich sind die Wassergeister. Die neben der Lorelei bekannteste Nixe der Welt ist die kleine Seejungfrau, das Wahrzeichen der Stadt Kopenhagen. Sie ist klein und zierlich. Ihr offenes Haar ist lang. Schöne Brüste zieren den nackten Oberkörper. Der Unterleib mündet in einen Fischschwanz. Die Meerjungfrau sitzt auf einem Stein am Hafen. Niemand möchte bei ihrem Anblick glauben, daß sie ein Wässerchen trüben könnte, doch schon Hans Christian Andersens Märchen von der kleinen Seejungfrau offenbarte
  39. 39. -39- abgründige Charakterzüge und ein starkes Verlangen nach der Seele des Menschen. Wassergeister sind ein beliebtes Motiv der Romantik. Teilweise haben die Autoren Mitleid mit den Nixen, teilweise warnen sie vor ihnen. Oft mischen sich bei den Männern Angst und Lust am Untergang. Die erotische Ausstrahlung der Nixe ist jedoch immer teuflisch. Denn wie die femme fatale verspricht sie alles und gibt nichts. In seiner Ballade »Der Fischer« (1778) hat Goethe diesen Charakterzug der Meerjungfrauen beschrieben: »Ach wüßtest du, wie's Fischlein ist So wohlig auf dem Grund, Du stiegst herunter, wie du bist, Und würdest erst gesund. Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll, Netzt' ihm den nackten Fuß, Sein Herz schwoll ihm so sehnsuchtsvoll, Wie bei der Liebsten Gruß. Sie (die Nixe) sprach zu ihm, sie sang zu ihm; Da war's um ihn geschehen: Halb zog sie ihn, halb sank er hin Und ward nicht mehr gesehen.« Engelsturz Teufel sind gefallene Engel. Doch warum stürzten sie aus dem Himmel? Zur Beantwortung dieser Frage sind ganze Bibliotheken geschrieben worden. Von allen Erzählungen über den Engelsturz sind drei besonders beliebt gewesen. Sie heißen: »Das Leben Adams und Evas«, »Die Schatzhöhle« und »Das Henochbuch«. Über Jahrhunderte waren diese äußerst populär und haben die Kunst nachhaltig beeinflusst. Wer nach dem Grund für den Engelsturz fragt, bekommt durch sie zwei verschiedene Antworten: 1. Der erste Versuch einer Antwort lautet: Eifersucht auf den
  40. 40. -40- Menschen und Rebellion gegen Gott führten zum Engelsturz. So erzählt die Geheimschrift »Das Leben Adams und Evas«: Satan und seine Engel wollten sich nicht vor dem Menschen verbeugen. Darüber wurde Gott zornig. Satan reagierte mit Trotz. Sein Herz verhärtete sich. Es kam zum offenen Widerspruch. Satan verstieg sich mit Worten immer mehr, wurde übermütig und verlor jedes Maß. Schließlich gab er vor, Gott gleich sein zu können. Gott verwies ihn des Himmels. Seitdem gilt die Hybris (Übermut) als höchste Sünde. 2. Der zweite Versuch einer Antwort lautet: Sexuelle Leidenschaft führte zum Engelsturz. Einige »Gottessöhne« (Genesis 6.1-4) verliebten sich in die ersten Frauen auf Erden, verließen ihre Plätze im Himmel und vollzogen auf Erden den Beischlaf. Diese Überschreitung der von Gott gezogenen Grenze zwischen Engel und Mensch hatte die unwiderrufliche Verbannung aus dem Himmel zur Folge. Hielt sich der Bericht der Bibel mit Namensnennungen und Zahlenangaben noch diskret zurück, so wusste das Henochbuch von exakt zweihundert männlichen Engeln, die mit irdischen Frauen Verkehr gehabt haben sollen. Der Anführer hieß Semjasa. Die anderen gefallenen Engel trugen Namen wie: Urakib und Arameel, Sammael und Akibeel, Tamiel und Ramuel, Danael und Erzeqeel, Saraqujal und Asael, Armers und Batraal, Anani und Zaqebe, Samsaveel und Sartael, Tumael und Turel, Jomjael und Arasjal. Sie schwängerten die Frauen und lehrten sie dämonische Künste wie Abtreibung, Erstellung von Zaubermitteln und Beschwörungsformeln, das Schneiden von heilkräftigen Wurzeln und Pflanzen, Astrologie und Wolkenkunde, Zeichendeutung an Erde, Sonne und Mond, Herstellung von militärischem Gerät, Schlachtmesser, Waffen, Schilde, Brustpanzer, Gebrauch von Augenschminke und Verschönerung der Augenlider, Färbetechniken und Goldschmiedekunst. Der Engelsturz war die Folge der Engelsünde des Neids und
  41. 41. -41- des Ungehorsams. Mit Blick auf den Sündenfall (siehe dort) der ersten Menschen bildet er das »Vorspiel« im Himmel. Die Folge des menschlichen Sündenfalls war die Erbsünde, die nach kirchlicher Lehre durch das Sühnopfer Christi überwunden wurde. Menschen können also die freien Plätze im Himmel einnehmen. Adam, Eva und andere Menschen aus der Zeit vor Christi Geburt sind sogar schon durch die Höllenfahrt Christi aus der Vorhölle (siehe Fegefeuer) befreit worden. Die Engelsünde aber hat die ewige Verdammnis zur Folge. Durch den Aufstand Satans und seiner Engel waren natürlich alle Engel vor die Entscheidungsfrage gestellt worden. Der größte Teil von ihnen blieb Gott treu. Wie groß ihre Zahl war, läßt sich nicht fassen. Die Engelforschung kann hier nur mutmaßen. Martin Luther (siehe dort) sagte einmal, wo 20 Teufel aufträten, da seien gewiss auch 100 Engel sonst wäre es auf Erden gar nicht auszuhalten. Der Reformator geht also von einem Verhältnis von 1:5 aus. So dürften 80 Prozent der Engel Gott treu geblieben sein. Ob es neben den beiden Gruppen der gefallenen und der treuen Engel eine dritte Gruppe neutraler Engel (siehe dort) gegeben hat, wird unter Engelforschern kontrovers diskutiert. Erscheinungsbild des Teufels Früher war es leicht, den Teufel an seinen markanten äußeren Merkmalen zu erkennen. Wenn ein finster blickender fremder Mann mit schwarzer Kleidung und einem roten Umhang (siehe Farben des Teufels) durch das Dorf zog, so wusste jedes Kind: Das könnte der Teufel sein. Letzte Zweifel beseitigte ein Blick auf Füße und Kopf. Kleine Hörner zwischen den Haaren, ein lahmes Bein oder ein Pferdefuß waren unverwechselbare Kennzeichen Satans. Wer sich näher an den Schwarzen herantraute, konnte den Teufel an seinem Schwefelatem
  42. 42. -42- erkennen. Auch in einer Kröte, einem schwarzen Pudel, einem Affen, einem Wolf oder einer Schlange konnte sich Satan verbergen. Das Erscheinungsbild des Teufels wurde durch Künstler und Märchenerzähler immer weiter ausgeformt. Sie griffen dabei auf Geschichten der Bibel, die Legenden von der Versuchung des heiligen Antonius (siehe Versuchungen) oder auch heidnische Vorbilder zurück. Besonders beliebt waren Mischwesen wie der Minotaurus und der Hirtengott Pan. Beide trugen Hörner. Der Minotaurus hatte den Unterleib eines Menschen und den Oberkörper eines Stieres. Sein Gegner war der Held Theseus. In christlicher Zeit wurden Theseus mit Christus und der Minotaurus mit dem Teufel gleichgesetzt. Pan besaß den Oberkörper eines Menschen, trug Ziegenhörner auf dem Kopf und hatte den Unterleib eines Bockes. Der Bock war ein Symbol der Geilheit (siehe Sexualität), die man dem Teufel nachsagte. Auch die Bibel beeinflusste das Erscheinungsbild des Teufels. Satan war die Schlange, die Eva verführt hatte, der brüllende Löwe und der böse Drache aus der Apokalypse (siehe dort). Vor allen Dingen die zahlreichen Dämonen, die Jesus (siehe dort) aus den Besessenen vertrieben hatte, bestimmten das Bild vom Teufel. So sind die ersten Teufelsdarstellungen aus dem 6. Jahrhundert Schattenbilder von Dämonen, die aus den Besessenen fahren. Das Erscheinungsbild Satans in der Kunst ist vielfältig: Er ist der Seelenverschlinger beim Jüngsten Gericht, der Höllenfürst, der große Versucher der Heiligen oder der Besiegte beim Abstieg Jesu in die Hölle. Hieronymus Bosch und Pieter Breughel gehören zu den bekanntesten Höllen- und Teufelsmalern. Teufel und Dämonen erscheinen auch als Wasserspeiher an romanischen Kirchen und auf Säulenaufsätzen. Die Kirche war nicht immer glücklich über die Darstellungen des Teufels. Der Grund lag auf der Hand: Wer sich ein bestimmtes Bild vom Teufel machte, der war zugleich
  43. 43. -43- Gefangener dieses Bildes. Oft fühlte man sich unter ganz normal aussehenden Menschen sicher - niemand weit und breit mit Pferdefuß oder Schwefelatem - und übersah dabei, daß der Teufel mal wieder im Detail steckte. Er ist ein großer Verwandlungskünstler und geht seit der Aufklärung weitgehend inkognito durch die Welt. Denn im Gegensatz zu den Schönen und Reichen dieser Welt legt er überhaupt keinen Wert darauf, erkannt zu werden. Schon die alte Hexe (siehe dort) in der »Hexenküche« von Goethes Faust erkennt den Teufel nicht, weil sie ausschließlich auf das traditionelle Erscheinungsbild fixiert ist. Deshalb klärt sie Mephistopheles (siehe dort) auf: »Auch die Kultur, die alle Welt beleckt, Hat auf den Teufel sich erstreckt; Das nordische Phantom ist nun nicht mehr zu schauen; Wo siehst du Hörner, Schweif und Klauen?« (Faust 2495ff.) Selbst die Anrede »Junker Satan« verbittet sich der Teufel. Der Satan gehöre ins Reich der Fabel. Allerdings: »Den Bösen sind sie los, die Bösen sind geblieben.« (Faust 2509) Das ist nicht nur ein Kernsatz zum Erscheinungsbild des Teufels, sondern ein Kommentar zum Bösen in der modernen Welt. Es hat keinen Namen und kein Gesicht mehr. Das macht es umso bedrohlicher, wie der moderne Terrorismus zeigt. Exorzismus Wie die Engel, so sind auch die Dämonen für das menschliche Auge unsichtbar. Doch können beide eine Gestalt annehmen oder in den Körper eines Tieres oder Menschen schlüpfen. Wenn der Dämon von einem Menschen Besitz ergriffen hat, dann spricht man von Besessenheit (siehe dort). Die Austreibung von Dämonen aus dem Menschen wird Exorzismus
  44. 44. -44- genannt. Exorzismus ist in allen Religionen verbreitet. Er gehört zu den Aufgaben des Schamanen und Medizinmannes. Im osteuropäischen Judentum ist der religiöse Meister (Zaddik) für die Teufelsaustreibung zuständig. Sein Hauptgegner ist der Dibbuk, ein Aufhocker und Umklammerer, der aus der Totenwelt hinaufsteigt, um die Seele eines Menschen in Besitz zu nehmen. Weihrauch, Gebet (siehe dort) und das Blasen des Schofarhornes vertreiben ihn. Da Jesus (siehe dort) ein großer Exorzist war, fühlen sich auch die Priester zur Teufelsaustreibung berufen. Die katholische Kirche hat sogar ein eigenes Ritual für den Exorzismus entwickelt. Das »Rituale Romanum« oder »Römisches Ritenverzeichnis« von 1614 ist ein klassisches Handbuch für Exorzisten, nach dem noch heute gearbeitet wird. Es enthält Gebete, Bibelzitate, Litaneien und Beschwörungsformeln. Woran kann ein katholischer Priester einen Besessenen erkennen? In den Richtlinien (»Normae observandae circa exorcizandos a daemonio«) zur Durchführung des Exorzismus werden vier Maßstäbe zur Enthüllung des Teufels benannt: 1. Der Mensch muß eine ihm unbekannte Sprache sprechen oder verstehen, 2. hellseherische Fähigkeiten besitzen, Gedanken lesen oder Auskunft geben können über Geschehnisse an einem fernen Ort und 3. über außergewöhnliche Körperkräfte verfügen. 4. Beim Verhör durch den Exorzisten muß der Dämon in dem Menschen wahrheitsgemäße Auskunft geben. Die Vorschriften aus dem Römischen Ritenbuch warnen den Priester ausdrücklich vor einer Überschreitung seiner Befugnisse. »Der Exorzist hüte sich, dem kranken Besessenen irgendeine Arznei zu verabreichen oder anzuraten. Diese Sache überlasse er den Ärzten.« Auch soll er nicht leichtfertig
  45. 45. -45- annehmen, jemand sei vom Teufel besessen. Der Teufel sei ein mit allen Wassern gewaschener Lügner, der voll List und Heimtücke den Exorzisten zu irritieren versuche. Mal gebe er sich für einen Heiligen, mal für einen Engel aus, dann verhalte er sich ruhig, so daß der Exorzist glaube, der Kranke sei nicht besessen. Vor allen Dingen lasse sich der Geistliche nicht auf Gespräche mit dem Teufel ein, sondern »vollziehe die Exorzismen mit befehlender Macht, voll Glaube, Demut und Eifer«. Nach Möglichkeit solle die Austreibung unter Ausschluss der Öffentlichkeit, aber im Beisein von Angehörigen in einer Kirche vorgenommen werden. Der Geistliche habe stets ein Kruzifix zur Hand oder in Reichweite. Auf Brust und Kopf des Besessenen solle er Reliquien legen. Der Exorzist beruft sich auf die Vollmacht des Gottessohnes. »Im Namen unseres Herrn Jesus + (Priester macht das Kreuzzeichen) Christus, beschwöre ich dich, unreiner Geist, jede feindliche Macht, jedes Gespenst: reiße dich los und weiche von diesem Geschöpf Gottes + » (»Exorcizo te, immundissime Spiritus, omnis incursio adversari, omne phantasma, omnis legio, in nomine Domini nostri Jesu + Christi eradicare, et effugare ab hoc plasmate Dei.«). Bei den Dämonenaustreibungen Jesu genügte ein mächtiges Wort, und die bösen Mächte gaben ihr Opfer frei. Das Rituale Romanum jedoch ist eine endlose Beschimpfung des Teufels und seiner Dämonen: »Höre es also und fürchte dich, Satan (›Audi ergo, et time, satana‹), du Glaubensfeind, du Widersacher des Menschengeschlechtes, du Mörder und Räuber des Lebens, du Verächter der Gerechtigkeit, du Wurzel aller Übel, du Herd aller Laster, du Verführer der Menschen, du Verräter der Völker« - so geht es in einem fort, unterbrochen von schwersten Beschuldigungen: »Du bist schuldig vor dem allmächtigen Gott, dessen Gebot du übertreten hast. Du bist schuldig vor seinem Sohn Jesus Christus, unserem Herrn, den du zu versuchen wagtest und in deiner Vermessenheit gekreuzigt
  46. 46. -46- hast. Du bist schuldig am Menschengeschlecht, dem du mit deiner Überredung den tödlichen Gifttrank dargereicht hast.« Dramatischer Höhepunkt des Rituals ist die Aussprechung ewiger Verdammnis in den Flammen der Hölle: »Weichet von mir, ihr Verfluchten, ins ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln bestimmt ist!« (»Discedite a me, maledicti, in ignum aeternum, quae paratus est diabolo et angelis eius.«) »Dich, du Gottloser, und deine Engel werden Würmer peinigen, die niemals sterben. Dir und deinen Engeln ist ein unauslöschliches Feuer bereitet. Denn du bist der Urheber verfluchten Mordens, der Anstifter der Blutschande, der Anführer der Religionsfrevler, der Lenker schändlicher Taten, der Lehrmeister der Irrlehrer, der Erfinder jeglicher Unzucht.« Jeder katholische Priester ist zur Ausübung des Exorzismus befugt. Der Jesuit Adolf Rodewyk (1894-1989) ist der bekannteste und umstrittenste deutsche Exorzist des 20. Jahrhunderts. Nach eigenen Angaben soll er über 500 Teufelsaustreibungen vorgenommen haben. Seine Bücher »Dämonische Besessenheit heute« und »Dämonische Besessenheit in der Sicht des Rituale Romanum« wurden zu Klassikern. Dem Aschaffenburger »Main-Echo« (9. Oktober 1974) gab der achtzigjährige Rodewyk ein ausführliches Interview zum Thema »Besessenheit«. Auf die Frage, wie er eine körperliche oder seelische Abnormität von einer Besessenheit unterscheide, gab er zur Antwort: Er spreche bei begründetem Verdacht einen Probeexorzismus. Wenn der Mensch daraufhin keine Reaktion zeige, sei er nicht besessen. Falle er jedoch in Trance, spreche oder verstehe fremde Sprachen, entwickle übernatürliche Kräfte, könne hellsehen oder reagiere aggressiv auf geweihte Gegenstände, so erhärte sich der Verdacht. Der Besessene spüre den Unterschied zwischen einem geweihten und einem ungeweihten Rosenkranz. »Er stürzt sich auf ihn und zerreißt ihn in Stücke. Unter Umständen reagiert er auch körperlich,
  47. 47. -47- bekommt Brandblasen.« Besessenheit sei für den Teufel selbst eine Strafe. »Das ist gar kein Vergnügen für ihn, an einen anderen Menschen gebunden zu sein.« Aber warum läßt Gott die Heimsuchung des Menschen zu? Besessenheit könne eine Strafe Gottes sein oder die Auswirkung eines Fluches. Aber es gebe auch das unschuldige Opfer, vergleichbar mit einem Mann, der »ein Kind aus einer Gruppe herausgreift und es anständig verprügelt. Er überfällt also einen völlig Harmlosen.« Gott schicke den Blitz, zerstöre und bringe alles wieder in Ordnung. Er brauche sich nicht zu rechtfertigen. Manchmal sei Besessenheit eine erzieherische Maßnahme Gottes, nämlich wenn »Gott einmal zeigen will, was ein Teufel aus einem Menschen machen kann. Das kann pädagogisch sehr gut sein. Der Mensch kann ja hinterher alles wieder gutmachen. Es ist ein Lehrbeispiel. Wenn Gott hilft, die Besessenheit zu überwinden, dann ist das auch für die Umwelt lehrreich.« Rodewyk arbeitete während des Zweiten Weltkrieges als Seelsorger in einem Standortlazarett in Trier. Hier begegnete er 1941 einer dreißigjährigen Krankenschwester, die nach seiner Diagnose von sieben Teufeln besessen war. Magda hatte eine tiefe Abneigung gegen alles Heilige, stahl geweihte Oblaten (Hostien) und stach mit einer feinen Nadel den Namen »Judas« hinein. Sie fügte sich tiefe, lange Schnittwunden zu und griff auch ihren Exorzisten an. Mehrfach hatte sie versucht, ihrem Seelsorger mit einem Rasiermesser oder Skalpell Arme und Gesicht zu zerschneiden oder ihn mit Strychnin zu vergiften. Sie setzte ihm mit Besenstiel, Beil, Schere oder Messer zu. Ein Schnitt mit dem Rasiermesser verletzte Rodewyk am rechten Zeigefinger, ein weiterer tiefer Schnitt mit dem offenen Rasiermesser auf dem linken Handrücken zerschnitt eine Ader, durchtrennte eine Sehne und riss eine weitere an. Sich selbst fügte Magda über 87 Wunden zu. Der Exorzist führte ein genaues Protokoll: Die Größe der Schnitte schwankte zwischen 2 und 10 cm Länge und 0,5 bis 2,5 cm Tiefe. Im ersten Jahr der
  48. 48. -48- Besessenheit stellte ein Arzt mit dem Stechzirkel die Länge der Narben fest. Die Schnittlänge der Wunden an Armen und Händen ergab zusammen 57,9 cm, an Brust und Leib 43,9 cm, an den Beinen 99 cm, zusammen also 200,7 cm. Rodewyk deutet die Schnitte als Sühneleiden. Als verantwortlich für die autoaggressiven Tendenzen und antiklerikalen Affekte galten die sieben Teufel, die Magdas Persönlichkeit in Besitz genommen hatten. Nach einiger Zeit konnte Rodewyk ihre Namen ausfindig machen. Sie lauteten Beelzebub, Lucifer, Judas, Nero, Kain, Herodes, Barabbas und Abu Gosch. Magda war ein NSDAP-Spitzel, Rodewyk gehörte der bedeutenden Gesellschaft Jesu an, die Hitler verboten hatte. Vor seinem Eintritt in den Orden (1918) war Rodewyk aktiver Kriegsteilnehmer im Rang eines Offiziers. Den Zweiten Weltkrieg mußte er aus der Etappe erleben. Die Teufelsaustreibungen im Trierer Standortlazarett waren sein Kampf gegen die satanischen Mächte der Zeit. Deshalb verstand er den »Fall Magda« als Gleichnis für die religiöse Lage der Gegenwart, den kleinen Kriegsschauplatz ihres Leibes als ein Abbild des großen besessenen Volkskörpers. Beelzebub spricht den Zusammenhang direkt an: »Was du an Magda siehst, ist Symbol der Zeit. An ihr siehst du im Kleinen, was draußen im Großen vorgeht. Die Teufel, die dir in ihr begegnen, beherrschen mit ihrem Geist das Zeitgeschehen, jeder in seiner Weise.« Besessenheit bedeutet nach Rodewyks Auffassung für die Teufel eine schreckliche Bestrafung. Sind sie doch in den Menschen wie in ein Gefängnis gesperrt. Der Exorzist gilt dabei als Gefängnisaufseher und Chefankläger. Er stellt den Teufeln Fragen, die sie wahrheitsgemäß beantworten müssen. Was der angebliche Teufel Judas mitteilt, wirkt jedoch wenig überzeugend, denn Magda zeigte keine Anzeichen von Geldgier oder Besitzstreben. Eingefahren war Judas in Magda drei Tage vor der ersten
  49. 49. -49- heiligen Kommunion, und er blieb in ihr bis zum Lebensende (15. Dezember 1954). Rodewyk gelang es, Magda von vielen Teufeln zu befreien. Warum wollte ausgerechnet Judas nicht weichen? Vielleicht, weil er Ausdruck der heimlichen Liebe zwischen dem Priester und der Krankenschwester war? Denn Magda trug einen Ehering, den ihr Rodewyk geschenkt hatte. Exorzismen offenbaren manchmal ganz weltliche Abgründe. Der Exorzist (Film) Am 26. Dezember 1973 kam der Film »Der Exorzist« von William Friedkin in die amerikanischen Kinos. Der Regisseur hatte sich von Jesuiten beraten lassen. Seine Filmerzählung von dem zwölfjährigen Mädchen Regan (Linda Blair) ist eine Pubertätsparabel. Sie beschreibt die Angst vor dem Erwachsenwerden, die in vielen Fällen von Besessenheit eine wichtige Rolle spielt. Fremde Mächte haben von Regan Besitz ergriffen und ihr Wesen verändert. Der Film deutet diese Inbesitznahme nach dem klassischen Muster der Besessenheit (siehe dort): Regan spricht in veränderter Stimmlage, redet in einer fremden Sprache. Paranormale Phänomene tauchen auf. Sie würgt grünen Brei hervor, ihre Gesichtshaut verändert sich. Levitationen geschehen: Sie selbst schwebt über dem Bett, Gegenstände fliegen durch die Luft. Sie stößt sexuelle Obszönitäten hervor, während sie mit einem Kruzifix masturbiert: »Lass Jesus dich ficken!« Regans Welt bekam einen Riss, als ihre Mutter eine neue Bindung zu einem Mann einging. »Der Exorzist« wurde ein Welterfolg. Warum? Studentenunruhen in Paris und Berlin, Anti- Vietnamdemonstrationen, Kaufhausbrände, Bombenanschläge, Überfälle auf Botschaftsgebäude, Flugzeugentführungen, der Watergate-Skandal, der Sturz Allendes in Chile, die
  50. 50. -50- Bombenattentate der PLO bei den Olympischen Spielen in München: Vom Tod Benno Ohnesorgs (2. Juli 1967) bis zum Selbstmord der Terroristen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe (28. April 1977) und der anschließenden Eskalation des Terrors in Deutschland zog sich ein Riss durch die Gesellschaft. Im Spiegel des Einzelschicksals der besessenen Regan fand sich eine vaterlose Generation wieder, die auch zwischen den Zeiten leben mußte. Die Welt drohte auseinanderzubrechen. Farben des Teufels Farbgebungen bleiben nicht ohne Wirkung. Das lehren die asiatische Kunst des Feng Shui ebenso wie die moderne Farbpsychologie. Auch der Teufel besitzt Signalfarben. Klassische Teufelsfarben sind rot, schwarz, blau, gelb, grün und grau. Kein Maler käme auf die Idee, einen weißen Teufel zu malen. Wenn etwa die Bibel von Männern in weißen Kleidern spricht, so weiß jeder: Das können nur Engel sein. Weiß ist auch die Farbe der Friedenstaube und der Feste Weihnachten, Epiphanias, Gründonnerstag und Ostern. Bei der roten Farbe denken wir an die Flammen der Hölle und den feuerroten Drachen der Apokalypse des Johannes. Rot ist die Farbe der Verführung. Deshalb gehören rote Farben auch in jedes Bordell. Im Mittelalter wurden den von der Kirche verurteilten Ketzern rote Kreuze auf die Kleidung genäht. Rot scheint also eindeutig eine Teufelsfarbe zu sein. Doch auch in der Farbpsychologie steckt der Teufel im Detail. Denn Rot ist zugleich die Farbe der Liebe und die liturgische Farbe der Märtyrer. Deshalb ist jedes vorschnelle Urteil unangebracht. Auch hilft eine genaue Kenntnis der Farbskala zu einem differenzierten Urteil: Rot ist von purpurrot zu unterscheiden. Rot trägt der Teufel, purpurrot der Kardinal.
  51. 51. -51- Weil Satan der Affe Gottes ist, ahmt er auch die schwarze Kleidung der Priester nach. Deshalb sollte man sich hüten, in jedem schwarzgekleideten Priester oder Gothic-Fan einen Anhänger Satans sehen zu wollen. Schwarz ist die Farbe des dritten apokalyptischen Reiters, des Todes und der Unterwelt. Auch bei der Farbe blau muß man genau hinsehen, um den Teufel nicht mit der Muttergottes zu verwechseln. Dunkelblau gilt als Teufelsfarbe, hellblau ist dagegen eindeutig eine heilige Farbe. Maria trägt ein himmelblaues Gewand. Grau ist nicht nur alle Theorie, sondern auch die Farbe der Ketzer. Hexen mußten ein graues Gewand anziehen. Auch die Farbe gelb ist des Teufels. Im Mittelalter trugen die zum Tod verurteilten Ketzer ein ärmelloses gelbes Bußgewand mit einer aufgemalten Teufelsfigur. Gelb ist aber auch der »Judenstern«. Gerade dieses Beispiel zeigt, wie gefährlich und fragwürdig die alten Signalfarben des Teufels sind. In der modernen Welt helfen sie bei der Identifizierung Satans nicht mehr weiter. Fatima Mit dem Namen des portugiesischen Wallfahrtsortes Fatima verbinden Katholiken Höllenvisionen, die Ankündigung eines großes Strafgerichtes und die Ermordung eines Papstes. Am 13. Mai 1917 war hier die Muttergottes erschienen. Am 3. März 1917 hatte Zar Nikolaus II. (1868-1918) nach der Februarrevolution abdanken müssen. Im November 1917 besiegelte die Oktoberrevolution den Sieg der Bolschewiki und den Triumph des Kommunismus. Die Stadt Fatima liegt etwa 190 Kilometer nördlich von Lissabon. In Fatima hüteten die zehnjährige Lucia Santos, ihr neunjähriger Vetter Francisco und ihre sieben Jahre alte Cousine Jacinta Marrto jeden Tag die Schafe. Die drei Hirtenkinder hatten nie eine Schule besucht. Am 13. Mai 1917 erschien ihnen Maria als Lichtgestalt über
  52. 52. -52- einer Steineiche schwebend. »Habt keine Angst, ich tue euch nichts zuleide«, sagt sie. »Woher seid Ihr?«, fragt Lucia. »Ich komme vom Himmel«, lautet die Antwort. Dann folgt eine lange Erklärung: »Ihr sollt sechs Mal nacheinander zur gleichen Stunde wie heute, am dreizehnten jedes Monats, hierher kommen bis Oktober. Im Oktober werde ich euch sagen, wer ich bin und was ich von euch will. Ich werde dann noch ein siebtes Mal kommen. Wollt ihr euch Gott schenken, bereit, jedes Opfer zu bringen und jedes Leid anzunehmen, das er euch schicken wird, als Sühne für die vielen Sünden, durch die die göttliche Majestät beleidigt wird, um die Bekehrung der Sünder, von denen so viele auf die Hölle zueilen, zu erlangen und als Genugtuung für die Flüche und alle übrigen Beleidigungen, die dem unbefleckten Herzen Mariens zugefügt werden?« Die Kinder von Fatima gehen nun, wie es die Lichtgestalt befohlen hatte, jeden 13. des Monats zu der Steineiche. Die ihnen folgende Menschenmenge wird immer größer. Am 13. Oktober 1917 sind es mehr als 50000 Menschen, die in strömendem Regen an der Steineiche auf die Erscheinung warten. Da blitzt es, und die Madonna erscheint. Sie stellt sich als Rosenkranzkönigin vor und fordert alle zum regelmäßigen Beten des Rosenkranzes auf. Anschließend öffnet sie ihre hell strahlenden Hände. Die Wolken teilend, geht die Sonne auf. Am Himmel beginnt ein seltsames Schauspiel, das zehn Minuten währt: Wie ein Feuerrad rotiert die Sonne und taucht die Talmulde in ein farbiges Lichtspektakel aus blauen, roten, gelben, grünen und violetten Farben. Dann erscheint neben der Sonne die Heilige Familie: die Jungfrau im weißen Gewand mit himmelblauem Mantel und neben ihr der Namenspatron vieler katholischer Bischöfe, der Heilige Josef mit dem Jesuskind. Drei geheime Botschaften vermittelt Maria über die Kinder.
  53. 53. -53- Die ersten beiden Offenbarungen werden schnell bekannt. Im Jahr 1930 ist Fatima bereits offiziell als Wallfahrtsort anerkannt. Das so genannte erste Geheimnis von Fatima, eine Höllenvision, lautet: »Ein großes Feuermeer, und in ihm versunken schwarze, verbrannte Wesen, Teufel und Seelen in Menschengestalt, die fast wie durchsichtige glühende Kohlen aussahen. Sie wurden innerhalb der Flammen in die Höhe geschleudert und fielen von allen Seiten herab wie Funken bei einer großen Feuersbrunst, gewichtlos und doch nicht schwebend; dabei stießen sie so entsetzliche Klagelaute, Schmerzens- und Verzweiflungsschreie aus, daß wir vor Grauen und Schrecken zitterten. Die Teufel hatten die schreckliche und widerliche Gestalt unbekannter Tiere, waren jedoch durchsichtig wie glühende Kohle.« Das zweite Geheimnis von Fatima kündigt den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges an und fordert zur Verehrung des Unbefleckten Herzens der Gottesmutter auf: »Wenn ihr eines Nachts ein unbekanntes Licht sehen werdet, so wisset, es ist das Zeichen von Gott, daß die Bestrafung der Welt für ihre vielen Verbrechen nahe ist: Krieg, Hungersnot. Um das zu verhindern, will ich bitten, Russland meinem Unbefleckten Herzen zu weihen und die Sühnekommunion am ersten Samstag des Monats einzuführen. Wenn man meine Bitten erfüllt, wird Russland sich bekehren, und es wird Friede sein. Wenn nicht, so wird es seine Irrtümer in der Welt verbreiten, Kriege und Verfolgungen der Kirche hervorrufen; die Guten werden gemartert werden, der Heilige Vater wird viel zu leiden haben.« Das dritte Geheimnis aber sollte im Jahr 1960 bekannt gegeben werden. In einem versiegelten Brief wurde es deshalb nach Rom geschickt. Veröffentlicht wurde es jedoch erst am 26. Juni 2000. Das Attentat auf den Papst hatte sich inzwischen ereignet- ausgerechnet am »Fatimatag«, dem 13. Mai 1981. Johannes Paul II. hatte seine wunderbare Rettung auf die Hilfe der Muttergottes von Fatima zurückgeführt. Die Kugel, die ihm
  54. 54. -54- Ärzte aus dem Leib operierten, wurde zum Dank in die Krone der Gottesmutter eingelassen. Faust Alle Menschen, die mit dem Teufel paktiert haben, befanden sich in einer Krisensituation. Das gilt auch für den berühmtesten Teufelsbündler, dessen Geschichte Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) erzählt. Goethe kannte sie seit seiner Kindheit in Frankfurt. Siebzig Jahre Autorschaft widmete er der Gestaltung des Stoffes. Wie kommt ein Mann dazu, mit dem Teufel zu paktieren? Heinrich Faust ist ein kluger, gelehrter Arztsohn, vielfach studierter Doktor, ausgebildeter Mediziner, Jurist, Philosoph und Theologe, von den Bürgern geachtet und von seinem Assistenten bewundert. Niemand ahnt, daß er todunglücklich ist. Bis zur »Midlife-Crisis« hatte er sein Leben ausschließlich den Wissenschaften gewidmet. Zu religiösen oder familiären Bindungen war er unfähig. Jetzt wird er alt, die Lebenssäfte fließen träger. Viel Wissen hat Faust erworben, aber keine Weisheit erlangt. Ein entwurzelter Mensch. Seine »esoterische Phase« hat er hinter sich. Jetzt spielt er mit Selbstmordgedanken. Das ist die Bühne innerer Leere, auf der Satan in Gestalt eines schwarzen Pudels erscheint. Faust schließt einen Pakt und besiegelt ihn ganz traditionell mit seinem Blut (siehe Teufelspakt). Der Preis kümmert ihn nicht. Er hat nichts zu verlieren. Der Teufel (siehe Mephistopheles) bietet ihm seinen Dienst auf Erden an, im Jenseits müsse ihm dafür Faust zu Diensten stehen. Für Faust zählen die Gegenwart und das Leben auf der Erde. Der gefallene Engel und der entwurzelte Mensch schließen einen Pakt, eine Solidarität der Außenseiter. Der Teufel vermittelt Faust eine Verjüngungskur und entfacht seine Libido. Schnell ist ein
  55. 55. -55- Mädchen zur Stelle und wird ins Unglück gestürzt: Verführung, Schwangerschaft, Kindsmord, Brudermord, Muttermord folgen einander. Dazu kommen Experimente am Menschenleben, Machtstreben und Wirtschaftskriminalität, kühne Deichbaumaßnahmen, Expansion des Besitzes und die heimtückische Ermordung eines alten Ehepaares. Wer mit dem Teufel paktiert, gehört in die Hölle. So hatte es die Kirche seit Jahrhunderten gelehrt, und so glaubte es das Volk. Wirklich? Bleibt nicht im Menschen ein Rest vom Traum der Versöhnung und Erlösung, die auch dem schlimmsten Sünder zuteil werden kann? Hat nicht der Böseste eine schwache Stimme des Gewissens, die ihm sagt: »Es ist nicht richtig, was Du tust!« Faust kennt Momente der Gewissensanwandlung und der Verzweiflung, sie führen ihn aber nicht von seinem Höllenweg ab. Als er im Alter von beinahe hundert Jahren stirbt, will der Teufel seine Seele schnappen. Doch da kommen Engel und retten sie. Langsam steigt Faustens unsterbliche Seele in den Himmel hinauf. Hier kommt es zu einem Wiedersehen mit der Geliebten. Am Ende steht bei Goethe die Allversöhnung und Wiederherstellung der gefallenen Schöpfung. Alles ist im Himmel vereint, so wie es der junge Goethe beim Kirchenvater Origenes gelesen hatte. Das menschliche Leben hat ein Vorspiel und ein Nachspiel im Himmel. Auch über Faust hatten Gott und Teufel im Himmel gesprochen. Der Teufel war als Widersacher und Querulant mitten in den Gesang der Engel geplatzt. Michael, Gabriel und Uriel sangen von der Herrlichkeit der Schöpfung und ihrem wunderbaren Geheimnis. Satan widersprach, stellte die Harmonie des Weltganzen in Frage und spielte sich dabei als Anwalt des Menschen auf. Als Gegenbeispiel brachte Gott ausgerechnet Faust ins Spiel, keinen frommen Christen, keinen Zufriedenen, sondern einen zerrissenen Menschen, einen Zweifler und Selbstmordkandidaten. Ein völlig anderer Typus als Hiob, der fromme Dulder. Ein Mensch voller Unruhe, rastlos
  56. 56. -56- strebend nach neuer Erfahrung. Gerade er soll den Beweis der harmonischen Schöpfung erbringen. Am Ende, da ist Gott gewiss, werde der Mensch aus der Dunkelheit der Welt und des Irrtums in die Klarheit der Erkenntnis geführt sein. Nicht die Frömmigkeit, das Gebet und die Tugendhaftigkeit führen zur Erlösung, sondern das Streben. Die Engel (Verse 11934-41) singen von diesem »Stairway to heaven«: »Gerettet ist das edle Glied Der Geisterwelt vom Bösen, Wer immer strebend sich bemüht, Den können wir erlösen. Und hat an ihm die Liebe gar Von oben teilgenommen, Begegnet ihm die selige Schar Mit herzlichem Willkommen.« Zu den Skeptikern an diesem Konzept der Allversöhnung gehörte Thomas Mann (1875-1955). Als er seinen Roman »Doktor Faustus« (15. März 1943-29. Januar 1947) niederschrieb, erlebte er aus dem sicheren kalifornischen Exil den Höllensturz Deutschlands, die Befreiung der Konzentrationslager und die erste Atombombenexplosion in Hiroshima. Deutschland hatte mit dem Teufel paktiert, es war zum Land der Dämonen geworden. Beispiellose Verbrechen waren verübt worden. Da konnte es kein Erbarmen geben! Und »was nur immer auf deutsch gelebt hat, steht da als ein Abscheu und als Beispiel des Bösen«. Die Bevölkerung von Weimar, der Stadt Goethes, Herders, Schillers, wird von amerikanischen Soldaten vor die Krematorien des nahe gelegenen Konzentrationslagers auf dem Ettersberg geführt, »Bürger, die in scheinbaren Ehren ihren Geschäften nachgingen und nichts zu wissen versuchten, obgleich der Wind ihnen den Gestank verbrannten Menschenfleisches von dorther in die Nasen blies«. Seinen »Doktor Faustus« versteht Thomas Mann deshalb als pädagogische Maßnahme und Aufklärungsbuch über das Böse in und außerhalb des Menschen. Deutschland war nicht der verführte Unschuldsengel. Das Dämonische gehörte vielmehr zu seinem Wesen. Vor ihm erschaudert der Dichter und sucht - Michelangelos Weltgericht in der Sixtinischen Kapelle vor

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