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Thomas Szasz (The Myth of Mental Illness, 1961) 
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Scientology & Philosophie psychischer Erkrankungen 2014

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Philosophie und Thomas Szasz(Scientology)
Szász 1938 in die USA emigriert war, studierte er an der Universität von Cincinnati Physik und Medizin. 1944 machte er seinen Doktor der Medizin und begann eine Ausbildung als Psychoanalytiker am Chicago Institute for Psychoanalysis. Von 1956 bis zur Emeritierung im Jahr 1990 war Szasz Professor für Psychiatrie an der State University of New York in Syracuse. Thomas Szasz war Fellow der American Psychiatric Association und lebenslanges Mitglied der American Psychoanalytic Association. Er gründete auch zusammen mit der Scientology-Organisation die amerikanische „Citizens Commission on Human Rights“ (CCHR), distanzierte sich aber von dem Eindruck, dass diese Zusammenarbeit mehr als ein Zweckbündnis und dass er selbst Scientologe wäre.[2] Mike Gormez, ein prominenter Scientology-Kritiker, hält diese Zusammenarbeit für naiv, unüberlegt und ethisch fragwürdig und warf Szasz vor, sich instrumentalisieren zu lassen.[3]

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Scientology & Philosophie psychischer Erkrankungen 2014

  1. 1. 1 Zur Philosophie psychischer Erkrankungen Ringvorlesung "Zur Anthropologie von Gesundheit und Krankheit in der Psychiatrie" 2. Dezember 2014 Thomas Schramme Universität Hamburg Philosophisches Seminar 2 Gliederung • Philosophie und Psychiatrie • 1. Themenspektrum: Krankheitsbegriff • 2. Themenspektrum : das "Fremdpsychische" (other minds) • 3. Themenspektrum : Amoralismus • Resümee: notwendige und sinnvolle Zusammenarbeit zwischen Psychiatrie und Philosophie 2/23
  2. 2. 2 3 Philosophie und Psychiatrie • Psychiatrie als Teil der Medizin: - Status als Wissenschaft - ausgerichtet auf Ziel der Gesundheit und des Wohls: Kunst • Medizin benötigt immer den Standpunkt des Patienten: → holistische Perspektive oder Sphärentrennung? • Philosophie kann bei der Selbstbesinnung der Psychiatrie helfen: methodologische und begriffliche Reflexion • Psychiatrie kann Philosophen helfen, Theorien empirisch informiert zu entwickeln • traditionell enge Verbindung zwischen Philosophie und Psychiatrie: die menschliche Psyche als zentraler Untersuchungsgegenstand 3/23 4 Philosophie und Psychiatrie • besondere Probleme der Psychiatrie: - Problem des mangelnden Zugangs zum Geist (erkenntnistheoretisches Problem) - Problem des fehlenden Orts der Krankheit (ontologisches Problem) - Problem der mangelnden Interaktionsfähigkeit einiger Patienten (ethisches Problem) → Anfälligkeit der Psychiatrie für reduktionistische Sichtweisen: - Biologisierung der Psyche - Ignorieren der Patientenperspektive 4/23
  3. 3. 3 5 Themenspektrum Krankheitsbegriff Thomas Szasz (The Myth of Mental Illness, 1961) • zeigt verschiedene Unterschiede zwischen somatischer und angeblicher psychischer Krankheit auf, um zu zeigen, dass der Ausdruck 'Krankheit' in Bezug auf psychische Phänomene nicht sinnvoll gebraucht werden kann • Szasz' Konklusion: es gibt gar keine psychische Krankheit • Szasz macht sich den Dualismus zunutze, der mit der Rede von 'psychischer Krankheit' impliziert zu sein scheint • Es gibt nach Szasz angeblich keine psychische Krankheit, weil es keine eigenständige Sphäre des Mentalen gibt • mögliche Antwort auf Szasz: psychische Phänomene sind von Gehirnzuständen determiniert → Psychische Krankheit ist Gehirnkrankheit 5/23 6 Themenspektrum Krankheitsbegriff • Replik Szasz: "Krankheiten des Gehirns sind Gehirnkrankheiten; sie als 'psychische Krankheit' zu bezeichnen ist verwirrend, irreführend und unnötig." • der gleichen Meinung sind auch manche Vertreter der Biologischen Psychiatrie "(Es) folgt, dass es so etwas wie eine Krankheit des Geistes oder eine psychische Störung streng genommen nicht gibt und dass Griesinger recht hatte – Geisteskrankheiten sind Erkrankungen des Gehirns oder beinhalten zumindest eine entsprechende Funktionsstörung, weil alle psychischen Ereignisse von Prozessen im Gehirn begleitet werden und auf ihnen beruhen. (Auch Thomas Szasz hätte demnach mit seiner Behauptung, dass psychische Erkrankungen ein Mythos sind, recht gehabt, wenn auch nicht aus den von ihm selbst genannten Gründen.)" Robert E. Kendell 1993 6/23
  4. 4. 4 7 Themenspektrum Krankheitsbegriff • Folge: Somatisierung psychischer Krankheit und damit Verlust einer eigenständigen Krankheitsform; es gibt dann strenggenommen keine psychische Krankheit • Diese Entwicklung ist aus verschiedenen – auch philosophischen – Gründen zu kritisieren • rein neurophysiologische Erklärungen des Mentalen scheitern an a) der multiplen Realisierbarkeit und b) der Erlebnisqualität psychischer Zustände → auch wenn man nicht bestreitet, dass mentale Vorgänge auf einer hirnphysiologischen Grundlage beruhen, kann man dennoch die Rede von psychischer Krankheit aufrechterhalten (begrifflicher Dualismus ist kein Subtanzdualismus) • auf welcher Basis kann psychische Krankheit erklärt werden? Eine mögliche Theorie: Störung natürlicher psychischer Funktionen 7/23 8 Themenspektrum Krankheitsbegriff Kontexte der Begriffsverwendung: 1) medizinisch-theoretisch (disease) 2) medizinisch-praktisch a) individuell (illness) b) juristisch (sickness; sick role) 3) metaphorisch → Sphärentrennung: verschiedene Krankheitsbegriffe, kein bio-psycho- soziales Modell (G. Engel) 8/23
  5. 5. 5 9 Themenspektrum Krankheitsbegriff ad 1) medizinisch-theoretischer Kontext • in erster Linie Perspektive der Pathologie/ Nosologie • Erklärung von Krankheiten • Regel-/Gesetzmäßigkeiten gesucht • Bedeutung des Zustands für individuellen Patienten unerheblich bei Entscheidung, ob Krankheit vorliegt • allgemeiner Krankheitsbegriff: Störung natürlicher Funktionsfähigkeiten (auch psychischer Funktionen) • wertneutrale (wissenschaftliche) Perspektive 9/23 10 Themenspektrum Krankheitsbegriff 2a) individueller Kontext • in erster Linie Perspektive von Ärzten und Patienten • Verstehen und Beseitigung von Leiden • individuelle Fälle • Bedeutung des Krankheitszustandes für individuellen Patienten entscheidend bei Entscheidung, ob Krankheit vorliegt • allgemeiner Krankheitsbegriff: spezifische Form von Leid/Schaden/ Übel • wertgeladene (lebensweltliche) Perspektive 10/23
  6. 6. 6 11 Themenspektrum Krankheitsbegriff 2b) juristischer Kontext • in erster Linie Perspektive von Institutionen/ Gesetzgeber • Zuordnung spezifischer Ansprüche/ Pflichten • allgemeine Regeln • Bedeutung des Krankheitszustandes für individuellen Patienten unerheblich bei Entscheidung, ob Krankheit vorliegt • allgemeiner Krankheitsbegriff: Unfähigkeit, bestimmten gesellschaftlichen Rollen entsprechen zu können • wertgeladene (sozio-politische) Perspektive 11/23 12 Themenspektrum Krankheitsbegriff: Resümee • Vorklärung: welche Perspektive steht im Zentrum der Untersuchung? • medizinisch-theoretische (wissenschaftliche) Perspektive nicht unbedingt nur biologisch zu konzipieren • wesentlich ist hier der Begriff psychischer Funktionen/Dysfunktionen • medizinisch-praktische Perspektive fragt nach dem Wohl des Patienten: pathologische Störung nicht notwendigerweise Leid "Weißt du, die sagen mir, das sei eine Krankheit. Wenn das eine Krankheit ist, dann ist es diejenige, die ich haben will. (...) Ich sehe mich selbst als privilegiert an, diese Erlebnisse gehabt zu haben. Erlebnisse, die sie pathologisch nennen." (Seth Farber, Madness, Heresy, and the Rumour of Angels. The Revolt Against the Mental Health System, Chicago and La Salle, Ill.: Open Court Publ. Co. 1993, S.95) 12/23
  7. 7. 7 13 Themenspektrum Other minds • was heißt es, psychisch krank zu sein? • über welche Wege kann man zur Psyche Zugang finden? - Verhalten - Gehirn - Ausdruck des Geistes in "Bildnerei": Hans Prinzhorn (1886-1933) • Prinzhorn sammelte zwischen 1919 und 1921 ungefähr 5000 Gemälde, Zeichnungen usw. von über 450 Patienten aus verschiedenen europäischen Ländern (Prinzhorn Sammlung, Heidelberg) • 1922 veröffentlichte er das Buch Bildnerei der Geisteskranken • er studierte die Bilder (und Anamnesen) ausgewählter Künstler um zu verstehen, was es heißt, psychisch krank zu sein 13/23 14 Barbara Suckfüll: No.1955 (Tinte, Ohne Titel, undatiert) 14/5
  8. 8. 8 15 "Fall 36" ("August Klotz" = August Klett): Spielerisch-dekoratives Blatt (Aquarell, undatiert) 15/5 16 "Fall 10" ("Hermann Beil" = Hermann Beehle): Sakrale (Götzen-) Figur? (Aquarell, undatiert) 16/5
  9. 9. 9 17 "Fall 244" ("Franz Pohl" = Franz Karl Bühler): Der Würgeengel (Buntstift, undatiert) 17/5 18 Themenspektrum Other minds • Versuch, die subjektive Perspektive zu verstehen; ausdrücklich keine wissenschaftliche Perspektive auf psychische Krankheit (kein diagnostisches Instrument) • Bilder als "Materialisierung der Seele" (Bezug auf Ludwig Klages) • Methode der "Wesensschau" (Bezug auf Edmund Husserl) • These, dass psychisch krank sein (speziell: Schizophrenie) mit einem Gefühl der Entfremdung von der Welt einhergeht ("Autismus", "Solipsismus") • Resümee: Interessanter Ansatz, aber auch methodologische Probleme 18/23
  10. 10. 10 19 Themenspektrum Amoralismus • eine ungewöhnliche psychiatrische Kategorie: Antisoziale Persönlichkeitsstörung • Verbindung von moralischen, rechtlichen und wissenschaftlichen Kategorien • Psychiatrie in enger Verbindung zu staatlichen und rechtlichen Institutionen • Nähe zur (hypothetischen) Figur des Amoralisten in der Moralphilosophie: Personen, die unwillig bzw. unfähig zur Moral sind 19/23 20 ICD-10 F60.2. Dissoziale Persönlichkeitsstörung Eine Persönlichkeitsstörung, die durch eine Missachtung sozialer Verpflichtungen und herzloses Unbeteiligtsein an Gefühlen für andere gekennzeichnet ist. Zwischen dem Verhalten und den herrschenden sozialen Normen besteht eine erhebliche Diskrepanz. Das Verhalten erscheint durch nachteilige Erlebnisse, einschließlich Bestrafung, nicht änderungsfähig. Es besteht eine geringe Frustrationstoleranz und eine niedrige Schwelle für aggressives, auch gewalttätiges Verhalten, eine Neigung, andere zu beschuldigen oder vordergründige Rationalisierungen für das Verhalten anzubieten, durch das der betreffende Patient in einen Konflikt mit der Gesellschaft geraten ist. 20/23
  11. 11. 11 21 Medikalisierung unerwünschten Verhaltens? • enger Bezug auf Normenübertretung (Verhalten) • Problem: abweichendes Verhalten kann sehr verschiedene Ursachen haben → liegt eine psychische Störung zugrunde oder handelt es sich um gesunde Motivationslagen? → ist die Person unfähig oder nicht willens, sich normenkonform zu verhandeln? (mad or bad?) • wissenschaftliche Sichtweise: welche Art von Defizit (psychische Dysfunktion) liegt der antisozialen Persönlichkeit zugrunde? 21/23 22 Amoralismus? • welche Art von Defizit? Affektiv, kognitiv (rational), volitional • Vernunft oder Gefühl als Basis der Moralität? Forschungsergebnisse bisher: beides relevant • These: das Phänomen der antisozialen Persönlichkeitsstörung (bzw. Sozio- oder Psychopathie) kann als realer, negativer Testfall für Thesen über die Grundlagen der Moral angesehen werden • allerdings bedarf es dazu besserer diagnostischer Kriterien, sonst hat man kein valides empirisches Material • wie kann man zwischen mad und bad besser unterscheiden? 22/23
  12. 12. 12 Resümee • Philosophie und Psychiatrie teilen traditionell Interessengebiete • die Zusammenarbeit der Disziplinen kann beide Seiten voranbringen • dies kann man illustrieren anhand der hier untersuchten Themenspektren Krankheitsbegriff, other minds und Amoralismus • die Psychiatrie ist sowohl eine Wissenschaft als auch eine medizinisch-praktische, therapeutische Kunst (sowie eine staatliche Institution mit dem Auftrag, gesellschaftliche Interessen zu schützen) • diese verschiedenen Perspektiven gilt es auseinanderzuhalten 23 23/23 24 Vielen Dank! 24/23

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