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Esoterik und Anthroposophie 
-Zum O.T.O. hatte nach zahlreichen Quellen auch Rudolf Steiner enge Beziehungen, der...
Die Anthroposophen stellen heute die mit Abstand einflußreichste 
esoterische Gruppierung des deutschsprachigen Raumes dar...
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und ihre Angehörigen. Viele haben sich bei sogenannt...
Anschauungen im Gebrauch, wobei man neuerdings den im 19. Jahrhundert entstandenen 
Okkultismus auch als Versuch der "Anpa...
erschweren.“ (P. Gessler, Der neue Antisemitismus, S. 12) Da jüdische Menschen 
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erklärten, dass „aus den vom Faschismus vertr...
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Deutschlands Problem

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Kritik:
Esoterik und Anthroposophie
-Zum O.T.O. hatte nach zahlreichen Quellen auch Rudolf Steiner enge Beziehungen, der spätere Gründer der Anthroposophie, die heute diese Verbindungen bestreitet. Crowley wird dem Satanismus und Okkultismus zugeordnet, aber: "Okkultismus ist esoterisch – und umgekehrt“ Rechtsextremismus und Esoterik
Verbindungslinien, Erscheinungsformen, offene Fragen

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  1. 1. Kritik: Esoterik und Anthroposophie -Zum O.T.O. hatte nach zahlreichen Quellen auch Rudolf Steiner enge Beziehungen, der spätere Gründer der Anthroposophie, die heute diese Verbindungen bestreitet. Crowley wird dem Satanismus und Okkultismus zugeordnet, aber: "Okkultismus ist esoterisch – und umgekehrt“ Rechtsextremismus und Esoterik Verbindungslinien, Erscheinungsformen, offene Fragen von Andreas Klump Referent im Bundesministerium des Innern, Berlin ------- Esoterik soll hier als Sammelbezeichnung für weltanschauliche Richtungen und Praktiken verstanden werden, die sich mit dem “geheimnisvollen“, “unsichtbaren“, “inneren“ und “dunklen“ Wissen über Geist, Natur, Umwelt und Gesellschaft beschäftigen – und dabei eine schwer übersichtliche Mischung aus “Spiritismus, Magie, Mythos, neuem Heidentum, Astrologie, Ufologie, fernöstliche Weisheitslehren und pseudomedizinischen Heilmethoden“ darstellen (Ewald 1996: 5; Pfahl -Traughber 1999: 77f.). Dabei sollen die oft unter dem Oberbegriff New Age zusammengefassten Termini Esoterik und Okkultismus synonym verwandt werden, da ein von den Anhängern dieser Richtungen vorgenommener Unterschied zwischen “dunklen“, “hellen“, “inneren“ oder “äuß eren“ Bereichen der Lehre hier nicht relevant ist: “Okkultismus ist esoterisch – und umgekehrt“ (Freund 1995: 12). http://www.religio.de/links/Esoterische_u._neugnostische_Weltanschauungen%ACAnthroposophie %ACWaldorfp%E4dagogik.html Steiner wiederum war Generalsekretär der Theosophischen Gesellschaft der Helena Petrowna Blavatsky, die der Esoterik mit ihrem Buch "Geheimlehren" 1888 einen Massenmarkt öffnete. Steiner hat 1913 die Anthroposophie geründet, auf der die heutigen Waldorf-Schulen beruhen. Aus: Colin Goldner im Gespräch mit der Badischen Zeitung (25.3.99) BZ: Die Anthroposophie rangiert für Sie auf der Liste der esoterischen Angebote ganz oben. Wieso? Goldner: Rudolf Steiner, der seine esoterische Karriere als Generalsekretär der Theosophischen Gesellschaft in Deutschland begann, ist Wegbereiter des heutigen New Age. 1913 gründete er die „Anthroposophische Gesellschaft“, die die Lehre der Theosophen mit ein paar sozialen und humanen Untertönen versah. An der rassistischen Ideologie germanisch-nordischer Vorrangstellung hielt Steiner jedoch unbeirrbar fest.
  2. 2. Die Anthroposophen stellen heute die mit Abstand einflußreichste esoterische Gruppierung des deutschsprachigen Raumes dar. Allein in Deutschland besuchen über 60000 Kinder eine von 163 Waldorfschulen (die, obgleich reine Sektenschulen, zu größten Teilen vom Steuerzahler finanziert werden). Es ist ein Skandal, daß eine autoritär strukturierte Sekte, die an Reinkarnation und Karma, an „Äther“-, „Astral“- und andere Leiber glaubt, öffentlich anerkannte Schulen betreiben darf. BZ: Ich wundere mich, daß in ihrem Buch den großen Sekten wie Scientology oder dem Verein für psychologische Menschenkenntnis (VPM) keine eigenen Kapitel gewidmet sind... Goldner: Scientology und VPM werden nur am Rande erwähnt, da hierzu ausgezeichnete kritische Studien vorliegen, beispielsweise von Hugo Stamm oder Frank Nordhausen/ Liane v. Billerbeck. BZ: Viele der von Ihnen beschriebenen Psychosekten haben unmittelbare Verbindungen zu Rechtsextremen und Nationalsozialisten alter und neuer Prägung, andere basieren auf einer rechten Weltanschauung. Geht es da subjektiv wenigstens noch um den Versuch, Leid in irgendeiner Form zu heilen, oder soll hier für politische Ziele rekrutiert werden? Goldner: Hier geht es ausschließlich um politische Indoktrination, um die Modernisierung rechtsextremen Denkens unter dem Deckmantel esoterischer Sinnfindung. BZ: Was haben wir aus dieser Ecke, deren Gefährlichkeit ich im übrigen in der Öffentlichkeit für absolut unterschätzt halte, in den nächsten Jahrzehnten zu erwarten? Goldner: Die New-Age-Bewegung ist noch nicht faschistisch. Aber rechtsextreme und neofaschistische Organisationen können in den nächsten Jahren eine wachsende Attraktivität für entpolitisierte, autoritär strukturierte und systematisch verdummte New-Ager bekommen. BZ: Ihrem Buch liegt eine außerordentlich gründliche und faktenreiche Recherche zugrunde. Wie kommen Sie an all diese Informationen? Goldner: Ich befasse mich seit fast 20 Jahren mit der Szene und verfüge daher über ein umfängliches Archiv. Viele Insider-Informationen stammen auch von KlientInnen, die sich ratsuchend an das Forum Kritische Psychologie gewandt haben. Im übrigen gibt es kaum eine Gruppierung, in der ich nicht selbst undercover recherchiert hätte. BZ: Erzählen Sie mir einen Fall?
  3. 3. Goldner: Das Kritische Forum Psychologie betreut Therapiegeschädigte und ihre Angehörigen. Viele haben sich bei sogenannten „esoterischen Therapien“ für eine Menge Geld im besten Fall nutzloses Geschwätz, im schlimmsten Fall schwere psychische Schädigungen eingehandelt. Wie eine bekannte Opernsängerin. Sie litt unter der Angst, auf der Bühne könnte ihr plötzlich die Stimme versagen. In einer Reinkarnationstherapie „erinnerte“ sie sich – d.h. sie folgte den Suggestionen des „Therapeuten“ –, sie sei im 15. Jahrhundert Scharfrichter in Rothenburg o. d. Tauber gewesen, als welcher sie Hunderte von Delinquenten an den Galgen geknüpft habe. Viele der Verurteilten seien unschuldig gewesen, sie habe folglich furchtbares Karma auf sich geladen. Diese Schuld äußere sich in ihrem jetzigen Leben – naheliegenderweise – in Problemen an ihrem Halse. Sie steigerte sich in die Vorstellung hinein, sie könne dieses Karma nur abtragen, wenn sie sich selbst antue, was sie ihren unschuldigen Opfern angetan habe. Sie sah keine andere Möglichkeit mehr, als sich selbst zu richten und auf dem Dachboden aufzuhängen. Aufgrund akuter Selbstmordgefährdung kam sie in stationäre psychiatrische Behandlung, in der sie mehr als ein halbes Jahr verbleiben mußte. Unsere Beratungsstelle übernahm die Nachbetreuung. BZ: Wagen Sie für uns einen Ausblick in die Psycho-Zukunft und ihre Folgen? Goldner: Das liegt auf der Hand: Die einzige Möglichkeit, die Menschen haben, sich gegen ausbeuterische und inhumane gesellschaftliche Verhältnisse zur Wehr zu setzen – Verstand und Vernunft –, werden gezielt zerstört. Übrig bleibt ein Volk von Karma-, Schicksals und Vorsehungsgläubigen. "Waldorf" wurde offenbar dem Sponsor der ersten Schule entnommen, einer Zigaretten-Firma. Inzwischen gibt es auch eine "Waldorf-Pädagogik". Die Bezeichnung "Sektenschulen" bezieht sich wohl auf der Herkunft. Die tägliche Schulpraxis scheint jedoch sehr unterschiedlich auszusehen. Es ist deshalb Vorsicht bei der Übertragung solcher Begriffe auf einzelne Schulen und deren Lehrer und Schüler geboten. Zur Herkunft der Begriffe Esoterik und Okkultismus Hans-Jürgen Ruppert schreibt im Materialdienst der EZW 10/99 S. 289 Esoterik zwischen Endzeitfieber und Erlösungshoffnung "Nur wenige unter den "Kunden“ der Esoterik -Angebote dürften wissen, daß die heutige Esoterik ihre Wurzeln keineswegs in mythischen Zeiten oder in exotischen Kulturen hat, sondern kaum 150 Jahre alt ist und mitten in der modernen Welt, in einer der damals am weitesten säkularisierten Gesellschaften entstanden ist: Als erster verwendete vermutlich der Franzose Eliphas Levi (AlphonseLouis Constant, 1810-1875) das Substantiv "Esoterik“ (l‘esoterisme), der auch als Erfinder des Begriffs "Okkultismus“ (l‘occultisme) gilt (vgl. Hanegraaff, 384f). Seitdem ist "Esoterik“ als Sammelbegriff für die verschiedensten überlieferten magischen und "geheimen“ Praktiken und
  4. 4. Anschauungen im Gebrauch, wobei man neuerdings den im 19. Jahrhundert entstandenen Okkultismus auch als Versuch der "Anpassung“ der vormodernen esoterischen Tradition an die "entzauberte“ moderne Welt versteht (so Hanegraaff, 423). Vor allem über die anglo-indische Theosophie breitete sich diese Bedeutungsvariante des Substantivs aus, während das Verständnis von "Esoterik“ als "innerem Weg spiritueller Erfahrung“ erst ein ziemlich junges Produkt ihrer Psychologisierung unter dem Einfluß von Vertretern der Jung-Schule ist. Die Zusammenfassung der diversen überlieferten Vorstellungen und Praktiken unter Oberbegriffen wie "Esoterik“ oder "Okkultismus“ ist Ausdruck dessen, daß man dahinter eine einheitliche Weltanschauung vermutete, die man der modernen Naturwissenschaft und der traditionellen christlichen Religion als "Alternative“, als "Dritten Weg“ entgegensetzte. Es ist nun interessant zu beobachten, daß die vielfältigen Angebote der modernen Esoterik bei uns in den 80er Jahren einem größeren Publikum überhaupt erstmals bekannt wurden unter dem zentralen Stichwort der Erlösungshoffnung der Esoterik: "New Age“-Bewegung des "Neuen Zeitalters“‘, mit der Prophezeiung vom Kommen eines "neuen Menschen“ und einer neuen, besseren Welt. Das ist an sich schon bemerkenswert, denn ohne diese "frohe Botschaft“ der "Wendezeit“-Hoffnung wäre Esoterik wohl kaum auf die große Resonanz gestoßen, die sie bis heute bei uns hat!" Gleich = Der sekundäre Antisemitismus Das Phänomen des „sekundären Antisemitismus“ ist zuallererst eine Besonderheit in Deutschland nach dem Holocaust. Weder erfanden die Nationalsozialisten den Antisemitismus in Deutschland, noch kann davon ausgegangen werden, dass dieses Vorurteil am 8. Mai 1945 von der Bildfläche verschwand. Das Zentrum dieses Motivs wird in der sarkastischen Aussage „Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen“ ausgedrückt. Bekannt wurden die Aussage und das Phänomen durch das Buch „Der ewige Antisemit“ von Henryk M. Broder Mitte der 80er Jahre. Konkret entsteht ein neues judenfeindliches Stereotyp „nicht trotz, sondern wegen Auschwitz“ (L. Rensmann, Kritische Theorie über den Antisemitismus, S. 231). Die Vertreter der „Frankfurter Schule“ sprachen treffend vom „Schuldabwehrantisemitismus“. Gerade in der Nachkriegszeit – nach Auschwitz – über Juden oder Israel zu reden, erforderte neue Spielarten des antisemitischen Vorurteils. Darunter fällt die Behauptung, dass Juden das Leid des Holocaust besonders für ihre gegenwärtigen politischen Zwecke ausnutzen würden (was sich häufig in Debatten um Israels Existenzrecht äußert). „Laut einer Emnid-Untersuchung des Jahres 2001 stimmen fast 80 Prozent der 25- bis 29-Jährigen ganz oder zum Teil der Aussage zu: ‚Jüdische Organisationen stellten überzogene Entschädigungsforderungen an Deutschland, um sich zu bereichern.‘ Diese Ergebnisse werden zum so genannten ‚sekundären Antisemitismus‘ gerechnet, also zu der Judenfeindlichkeit, die daraus erwächst, dass Juden an das Verbrechen des Holocaust durch Deutsche erinnern und somit eine positive Identifikation mit Deutschland im Sinne patriotischer Gefühle
  5. 5. erschweren.“ (P. Gessler, Der neue Antisemitismus, S. 12) Da jüdische Menschen bereits aufgrund ihrer Existenz an das Menschheitsverbrechen erinnern, werden diese zum Objekt abwehr-aggressiver Projektionen. Gerade diejenigen, die sich der „Versöhnung“ mit den Deutschen widersetzen bzw. die offizielle Erinnerungspolitik in Frage stellen, werden häufig als „unversöhnliche, rachsüchtige Verfolger konstruiert und verachtet“ (L. Rensmann, Kritische Theorie über den Antisemitismus, S. 234). Analog verhält es sich mit dem Staat Israel. Die unzähligen Verlautbarungen und Vergleiche des Vorgehens der israelischen Armee mit Vokabeln aus der NS-Zeit lassen deutlich erkennen, dass der Wunsch existiert, auch die „Juden“ als Täter zu identifizieren, und die singuläre Tat der Shoa zu relativieren, um die deutsche Untat als „eine unter vielen anderen“ zu subsumieren. „Voraussetzung der ‚Erlösung‘ (der Befreiung des deutschen Nationalgefühls vom Albtraum des historischen Judenmords, J. B.) ist aber eine Schuld der Juden. Die Opferfunktion der Juden muss daher außer Kraft gesetzt werden; Juden, die als Täter wahrgenommen werden, erlauben es, Gefühle der Empathie, des Schuldbewusstseins, des Unbehagens durch Parteinahme gegen die Juden zu ersetzen. Dazu braucht man darstellbare Gründe: etwa die Politik Israels.“ (W. Benz, Was ist Antisemitismus?, S. 24) So meinte der Leiter des Deutschen Orientinstituts, Prof. Udo Steinbach, im Januar 2003 die Intifada mit dem Aufstand im Warschauer Ghetto, bezüglich der Verwendung des Begriffes Terrorismus, vergleichen zu können. (nach: Konkret 2/2003, S. 11) Ex-Bundesarbeitsminister Norbert Blüm sprach vom „hemmungslosen Vernichtungskrieg“ der Israelis gegen die Palästinenser angesichts der Vorgänge im Flüchtlingslager Dschenin. (D. Rabinovici, U. Speck, N. Sznaider, Neuer Antisemitismus?, S. 8. und: W. Benz, Was ist Antisemitismus?, S. 206) Unter dem Deckmantel von Frieden und Menschenrechte wird Israel dämonisiert, während man das Bedürfnis nach Sicherheit des jüdischen Staates vor Angriffen unter den Tisch fallen lässt. Ganz zu schweigen von der vorherrschenden Stille, wenn es um die Zustände und Verfasstheit der Gegner Israels geht. In den Veröffentlichungen der radikalen Linken aus Deutschland, vor allem in den 70er und 80er Jahren, war es völlig normal, Israel als den „neuen faschistischen Staat“ zu delegitimieren. Exemplarisch sei hier auf die Erklärung der „Schwarzen Ratten/Tupamaros Westberlin“ verwiesen, die am 9. November (!) 1969 jüdische
  6. 6. Mahnmale aus „Solidarität mit dem palästinensischen Volk“ beschmierten, und erklärten, dass „aus den vom Faschismus vertriebenen Juden“ nun „selbst Faschisten geworden“ seien (T. Haury, Zur Logik des bundesdeutschen Antizionismus, in: L. Poliakov, Vom Antizionismus zum Antisemitismus, S. 136). Auch Rechtsradikale nutzen dieselbe Argumentationskette, wenn sie am 03.06.2003 in Hagen gegen den Besuch des Zentralratsvorsitzenden Paul Spiegel unter dem Motto: „Der Rassismus ist ein Meister aus Israel“ demonstrieren. Diskussionen in Deutschland um den Schlussstrich oder um die „Schuld“ der Befreier werden ebenfalls häufig von unterschwelligen sekundär-antisemitischen Motivlagen begleitet. Aktuell konnte man diese Tendenzen wieder im Streit um die NPD-Äußerungen im sächsischen Landtag beobachten. Dass die Tatsache der Parlamentszugehörigkeit einer offen nationalsozialistisch und geschichtsrevisionistisch argumentierenden Partei allein schon unerträglich genug ist, steht außer Frage. Aber deren Rede vom „Bomben-Holocaust“ fiel natürlich nicht vom Himmel. Der Bestsellerautor Jörg Friedrich (ein bis dato eher „links“ und progressiv einzuordnender Historiker) verwendete in seinem Buch „Der Brand“ eindeutige Vokabeln, die Assoziationen mit dem Vernichtungswahn der Nazis herstellten. Die Luftschutzkeller werden als „Gaskammern und Krematorien“ bezeichnet, aus Bombenopfern werden „Ausgerottete“. Heribert Prantl verwies in einem Artikel, der in der Süddeutschen Zeitung erschien, ebenfalls auf diese Tatsache hin. Sogar die Wortschöpfung des „Bomben-Holocaust“ sieht er durch das Buch von Friedrich „sprachlich vorgeformt“. Prantl weiter: „Der Historiker Hans Ulrich Wehler hat das scharfsinnig analysiert: ‚Wenn Friedrich schreibt, die Bomberflotten seien >EinsatzgruppenKrematorienAusgerottete<, dann hat man sprachlich die völlige Gleichsetzung mit dem Holocaust.‘“ (H. Prantl, Auschwitz, beiseite gebombt, Süddeutsche Zeitung, 24.01.2005, siehe auch: H. Heer, in: Konkret 1/2004, S. 34 – 37 und: Konkret 2/2004, S. 37 – 39) Die erste große Manifestation dieses „Schuldabwehrantisemitismus“ in der Berliner Republik war die Walser-Rede in der Frankfurter Paulskirche 1998. Walser sprach in seiner Laudatio vom Holocaust als eine „Dauerrepräsentation unserer Schande“, von einer „Instrumentalisierung unserer Schande zu gegenwärtigen Zwecken“. Auschwitz sei ein „jederzeit einsetzbares Einschüchterungsmittel“ um „alle Deutschen“ zu verletzen. Die 1.200 Zuhörer – die Elite Deutschlands – stand auf und applaudierte „stürmisch“. Nur Friedrich Schorlemmer, Ignatz Bubis und seine Frau
  7. 7. blieben sitzen. Auch Walser galt bis dahin als ein „Linker“, als progressiver Intellektueller. Alle Motive der Leugnung, der Relativierung sowie der „Schlussstrich“-Forderung spielen also im Komplex des sekundären Antisemitismus eine Rolle. Simplifizierend ausgedrückt handelt es sich um eine Projektion, um das eigene Eingeständnis des im deutschen Namen verübten Verbrechens zu verhindern. Bleibt die Leugnung des Verbrechens notorischen Rechtsextremisten vorbehalten, sind Relativierung und „Schlussstrich“-Mentalitäten im öffentlichen Diskurs durchaus wahrzunehmen. Relativieren kann einerseits heißen, die neuen „Nazis“ oder „Rassisten“ sind die Israelis, während man in Deutschland aus der Vergangenheit gelernt habe. Auf der anderen Seite kann eine (gleichberechtigte) deutsche Opferrolle konstruiert werden, die sich in Büchern wie „Der Brand“ findet. In beiden Fällen wird die deutsche Nation entlastet, wohingegen Israel oder die Sieger dämonisiert werden. Bereits Theodor W. Adorno erkannte diese Tendenz: „Zuweilen werden die Sieger zu Urhebern dessen gemacht, was die Besiegten taten, als sie selber noch obenauf waren, und für die Untaten des Hitler sollen diejenigen verantwortlich sein, die duldeten, daß er die Macht ergriff, und nicht jene, die ihm zujubelten. Die Idiotie alles dessen ist wirklich Zeichen eines psychisch Nichtbewältigten, einer Wunde, obwohl der Gedanke an Wunden eher den Opfern gelten sollte.“ (T. W. Adorno, Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit?, S. 557) Sekundärer Antisemitismus speist sich somit einerseits aus dem telos, die „Juden“ (bzw. den Staat Israel) als „genau so schlimm“ wie die NS-Militärmaschinerie darzustellen. Andererseits verunmöglicht die Erinnerung an die Shoa eine absolut unverkrampfte Identifikation mit der deutschen Nation, was immer wieder dazu führt, Israel bzw. „die Juden“ eines ähnlichen Vergehens überführen zu wollen. Möglicherweise liegt gerade im Zusammenspiel des DDR-Antizionismus und dem Vorwurf der finanziellen „Ausbeutung“ des Leids in Westdeutschland die Symbiose, die den sekundären Antisemitismus im geeinten Deutschland prägte. In den 90er Jahren stand die Erinnerung an die Schrecken der NS-Zeit dem positiven Bild Deutschlands im Wege. In neueren Diskursen wird das Gedächtnis an die Naziverbrechen zum Bestandteil der nationalen Identität gemacht was wiederum eine unbefangenere Diskussion auch um die deutschen Opfer ermöglicht. Hauptsächlich aber fokussiert sich die sekundär-antisemitische Motivation meist in der
  8. 8. Dämonisierung und Delegitimierung des Staates Israels aber auch zunehmend z. B. dem Zentralrat der Juden (wie z. B. während des Libanonkrieges geschehen). Autor: Jochen Böhmer

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