K A UP UZ I N E R MÖ N C H B RU D ER P A UL US I M I N T E R V I E W

„Wer sich zum Islam bekehrt, der duldet auch die Ste...
HEUTE IST MAN BEQUEM GEWORDEN.

„In unserer heutigen Wellness-Gesellschaft haben viele junge Männer Angst davor ihren Elte...
STICHWORT „BILD“-ZEITUNG.

„Wir haben uns dann den biblischen Kommentar zur Schlagzeile der „BILD“ ausgedacht. Fünf Jahre ...
müssen, schlagen wir uns auf die Seite der Verfolgten. Und das dritte ist, der Islam hat interessante mystische
Schätze, d...
der Hand behalten will. Die Leute haben keine Hoffnung, weil sie keinen Glauben mehr haben. Wenn da kein Gott
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Interview mit Bruder Paulus

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Interview mit Bruder Paulus

  1. 1. K A UP UZ I N E R MÖ N C H B RU D ER P A UL US I M I N T E R V I E W „Wer sich zum Islam bekehrt, der duldet auch die Steinigung“ F ü r Br u der P a u l u s geht es vo n der ko m m en den W o che a n a u f W er b e- To u r du r ch di e T a l k- S en du n g en d er Na t i o n . Do r t st el l t der Ka pu z i n er m ö n ch sei n n eu es Bu ch „ Da s Leb en fi n det h eu t e st a t t “ vo r . Zu vo r spr a ch der Or den sm a n n i m In t er vi ew da r ü b er , wi e er sei n en W e g z u Go t t fa n d, wi e er z u m F er n sehen ka m u n d wa r u m er dem I sl a m ske pt i sc h geg en ü b er st eht . Interview: Bartek Langer WELCHE ANREDE IST IHNEN LIEBER, HERR TERWITTE ODER BRUDER PAULUS? „Ganz einfach Bruder Paulus. Mit meiner Lebensform will ich zeigen, dass alle Menschen Brüder und Schwestern sind. Ich habe mich entschieden, nichts besitzen zu wollen, dadurch bin ich wehrlos und somit kann ich auch jedermanns Freund werden. Und da ich nichts besitzen möchte, will ich auch niemanden was wegnehmen, also kann ich niemanden gefährlich werden.“ NICHTS ZU BESITZEN, ALSO LEBEN NACH DEM VORBILD VON FRANZISKUS VON ASSISI, DEM GRÜNDER DES ORDEN DER MINDEREN BRÜDER KAPUZINER – DIESE ENTSCHEIDUNG HABEN SIE BEREITS IM JUNGEN ALTER GEFÄLLT. „Als ich 16 Jahre alt war, habe ich einen Turnaround, eine Richtungsänderung, geschafft. Mir ist aufgegangen, dass im Christentum etwas Emanzipatorisches steckt, mir wurde klar, was es heißt, ein Getaufter zu sein. Die theologische Formel dafür lautet, wer getauft wird, der stirbt mit Christus und ersteht auf zum neuen Leben. Das hieß für mich, ich muss nicht mehr tun, was ich von meiner Geburt her vorgegeben bekommen habe. Ich bin nicht Opfer meiner Geschichte. Ich kann einen direkten Anschluss kriegen an das Urbild des freien Menschen namens Jesus. Als mir das klar wurde, wolle ich nur noch diesem Jesus dienen und der Kirche, denn sie ist der Ort, an dem diese Freiheit wach gehalten wird, dem originalen Menschen Jesus begegnen zu können. Ich habe im Alter von 16 Jahren kapiert, dass ich ein Freiheitskämpfer werden kann, wenn ich Christ bin.“ JESUS ZU DIENEN BEDEUTET FÜR SIE WIE JESUS ZU LEBEN. „Jesus machte es vor, wenn du vollkommen sein möchtest, verkaufe alles was du hast und gebe das Geld den Armen und folge mir nach. Das habe ich vor meinem Ordenseintritt getan, denn ich wollte dem Orden mit nichts beitreten und auch bis heute besitze ich nichts.“ DAS WAR ALSO EIN BEFREIUNGSAKT GEWISSERMAßEN. „Mein Papa wollte, dass ich seinen Betrieb übernehme. Da fühlte ich mich relativ programmiert und habe festgestellt, getauft sein heißt unter anderem auch, dass Papa jetzt nichts mehr zu sagen hat. Ich bin nach diesem Seminar, wo mir das mit der Taufe und ihren Folgen aufgegangen ist, nach Hause gefahren und habe meine Eltern angeschaut wie neue Menschen. Sie waren nur noch Instrumente in der Hand Gottes und ich fühlte mich nur noch Gott verantwortlich. Damit habe ich auch schwierige Entscheidungen treffen können, wie das elterliche Geschäft nicht zu übernehmen. Wenn man zum Mann wird, muss man schwere Entscheidungen treffen. Ich wollte Jesus dienen. Ein Jahr später habe ich die Kapuziner kennen gelernt und habe gemerkt, das sind die freien Männer schlechthin. Das ist so eine liberale Bewegung, die katholisch und gleichzeitig nicht sofort einem Bischoff zugeordnet ist. Mit denen wollte ich durch die Welt ziehen. Für mich war dann klar, dass ich drei Monate nach dem Abitur meine Schallplatten verschenke, meine Bücher ins Asylbewerberheim bringe, mein Zimmer ausräume, mein Geld spende und dann meinen Eltern sage, ich habe meinen Weg gefunden.“ DER PAPA WAR ÜBER DIESEN SCHRITT WOHL NICHT SEHR ERFREUT. „Er war schon enttäuscht, als ich mit 15 Jahren gesagt habe, ich weiß nicht was ich werden will, aber ich will Abitur machen und werde sicher nicht Kaufmann. Er hatte fest eingeplant, dass ich sein Nachfolger im Betrieb werde. Er ist richtig krank dran geworden, und ich habe mir schon auch Gedanken darüber gemacht, dass ich das mit verursacht h a b e. “
  2. 2. HEUTE IST MAN BEQUEM GEWORDEN. „In unserer heutigen Wellness-Gesellschaft haben viele junge Männer Angst davor ihren Eltern weh zu tun. Mutti wäscht die Wäsche und ist ja so froh, wenn der Kleine zu Hause ist, auch wenn er noch 30 ist. All diese Sachen beobachte ich schon aus meiner eigenen Biografie heraus mit einem großen Widerwillen. Viele junge Menschen schieben alles auf später auf, Mama sorgt ja noch für mich und ruft mich an. Letztlich kann sich die Seele da nicht entwickeln. Wenn die Kinder 18 werden, muss man sich mit ihnen mal mittags zusammensetzen und sagen, wir werden gleich mit dir feiern, aber vorher möchten wir mit dir einen neuen Vertrag abschließen. Wann kochst du, wann putzt du, wann wäschst du die Wäsche? Du hast jetzt einfach Verantwortung, du hast nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten.“ NACH ZAHLREICHEN STATIONEN IN GANZ DEUTSCHLAND WECHSELTEN SIE 1998 IN DAS KAPUZINERKLOSTER LIEBFRAUEN NACH FRANKFURT AM MAIN. IN DER BANKENMETROPOLE HIELTEN SIE SEMINARE FÜR ETHIK IN DER WIRTSCHAFT. AUS DER HEUTIGEN SICHT KÖNNTE MAN SAGEN, DIE BANKER WAREN NICHT GANZ BEI DER SACHE. „Ich gehe bei meinem Wirken nie davon aus, dass ich die ganze Welt bewegen kann. Ich versuche jetzt und hier und da, wo sich die Gelegenheit ergibt, ganz präsent zu sein. Ich mache mir keine Gedanken, wie ich wirken könnte oder was daraus werden könnte. Ich bin einfach da und für mich ist Ethik vor allen Dingen, dass ich da bin im Sinne von Präsenz, nicht dort, im Sinne von Abwesenheit der menschlichen Person in Entscheidungsprozessen. Ein Manager, der daran denkt, was er morgen alles werden könnte und die Beziehung zum Hier und Jetzt verliert, der erlaubt sich natürlich auch manches, damit das morgen endlich kommt, was er eigentlich anstrebt. Die Bankenkrise ist letztlich ein Missbrauch des Heute um eines ausgedachten Morgen willen.“ EINE TRÄUMEREI MIT FOLGENSCHWEREN KONSEQUENZEN. „Nehmen Sie zum Beispiel den Ursprung der Krise. Da haben Leute auf Kredite zugegriffen, die ihnen unverständlicherweise der US-Finanzmarkt zu praktisch 0% Zinsen angeboten hat und Manager, die an Provisionen gedacht haben, vermittelten diese Kredite. Das hat sich weiter nach oben fortgesetzt. Alle waren „mal eben weg“ in ihren Träumen, und am Ende sind diese Traumblasen geplatzt mit handfesten Folgen für das gesamte System, auch für die, die sich Augenmaß bewahrt hatten. In der heiligen Schrift ist der Gottesname überliefert: „Ich bin der, ich bin für dich da!“ Darin steckt für mich die Zusage, dass mein Leben jetzt schon wertvoll ist und durch nichts besser werden kann, da ja Gott schon da ist. Und es steckt der Aufruf darin, dass auch wir Menschen füreinander da sein sollten in der Wirklichkeit des Jetzt – und nicht immer nur immer auf der Flucht vor unserer Wirklichkeit sein dürfen. Wenn wir alle wieder mehr da wären und nicht ständig weg, dann würden wir auch viel mehr bewegen können.“ IHR NEUES BUCH „DAS LEBEN FINDET HEUTE STATT“, DAS AM 16. JANUAR ERSCHEINT, HANDELT VON DIESER „CARPE DIEM“-MENTALITÄT. „Jeder Tag kann dein letzter sein. Ich lebe jeden Tag so, dass ich sterben könnte. Wenn ich jetzt gleich sterben müsste, dann hätte ich ein glückliches Leben gehabt. Das ist die Kapuzinertradition – die Meditation des Todes. In meinem neuen Buch erzähle ich warum wir wieder lernen müssen, Menschen zu werden, die nicht denken, das Leben fange später erst an. Du musst hier und heute alles geben. Du musst jeden Tag so leben, als sei es dein Prüfungstag und nicht: Ich kann fünf Monate schludern, und dann lerne ich die letzten zwei Tage. Du musst jeden Tag in die Vollen gehen. Ich bin häufig auf Berufsinformationsmessen und dann sehe ich da, wie 150 junge Leute vor so einer Powerpoint-Präsentation sitzen, in der ihnen etwas von Karriereplanung vorgespielt wird. Ich möchte dann am liebsten, wie meine Brüder in der Barock-Zeit, ein Holzkästchen daneben stellen mit einem Totenschädel, es öffnen und sagen: Ich weiß sowieso, wo eure Karriere endet. Lasst euch da nicht den Sand in die Augen streuen. Später kommt der Tod. Das Leben findet heute statt.“ DER UMZUG IN DAS KLOSTER NACH FRANKFURT BEDEUTETE AUCH DEN EINSTIEG INS FERNSEHEN. „In Frankfurt gab es einen Mann, der für die Öffentlichkeitsarbeit der katholischen Kirche zuständig war. Er hatte gesehen, dass ich die Öffentlichkeit nicht scheue. Wir haben überlegt, was wir tun könnten, damit die Medien auf die katholische Kirche und deren gute Themen aufmerksam werden und nicht nur berichten, was es an Skandalen gibt. Dann brachten wir zusammen, was nicht zusammen gehört…“
  3. 3. STICHWORT „BILD“-ZEITUNG. „Wir haben uns dann den biblischen Kommentar zur Schlagzeile der „BILD“ ausgedacht. Fünf Jahre lang habe ich auf meiner Homepage ein Bibelwort zur täglichen „BILD“-Schlagzeile gesucht. Dann war ich wohl bunt und verrückt genug, um eingeladen zu werden in verschiedene Medien. Denn normalerweise lädt man aus vernünftigen Gründen einen katholischen Priester nicht mehr ein. Ich wurde dann von der katholischen Fernseharbeit, die dafür verantwortlich ist, Kurzbeiträge für das Privatfernsehen und die öffentlich-rechtlichen zu produzieren, gefragt, ob ich da nicht mitmachen wolle. Seitdem mache ich Kurzbeiträge für Sat1 und bin mit einer eigenen Talk-Sendung auf N24 angekommen.“ SIND MEDIEN WICHTIG, UM DIE MENSCHEN HEUTZUTAGE MIT RELIGIÖSEN THEMEN ZU ERREICHEN? „Ich bin fest davon überzeugt, dass die Medien schon immer der Königsweg des Evangeliums in die Herzen der Menschen waren. Wenn Sie so wollen, ist ja Jesus und jeder Mensch das erste Medium, über das Gott die Menschen erreicht. Aber auch im engeren Sinne gilt: Die Medien sind ein Weg, dass Menschen verstehen, was der Sinn des Lebens ist. Und das soll deutlich werden, wenn ich in Talk-Sendungen auftrete. Ich bin da zunächst mal ganz oberflächlich betrachtet ein Erinnerer daran, dass es noch Leute gibt, die glauben, das Leben hätte noch eine andere Dimension, um es mal ganz vorsichtig zu sagen. Ich hoffe, dass manche, die mir zuhören und zugucken, sagen, naja so doof sieht er auch wieder nicht aus, es scheint ja dann auch für vernünftige Menschen irgendwie möglich zu sein, zu glauben. Ich möchte auch den Menschen Mut machen, mir Fragen zu stellen.“ ALS KIRCHENEXPERTE KOMMENTIERTEN SIE AUF N24 UNTER ANDEREM DIE WAHL VON PAPST BENEDIKT XVI., DER 2006 MIT EINER AUSSAGE ÜBER DEN PROPHETEN MOHAMMED DIE ISLAMISCHE WELT ERZÜRNTE. WAS DENKEN SIE ÜBER DIE RELIGION DES ISLAM? „Man muss einfach wissen, wie der Islam entstanden ist. Es gibt die abrahamitische Religion des Judentums, mit dem Thema Verheißung des gelobten Landes. Dieses Volk hat die Aufgabe vor allen Völkern zu zeigen was Jahwe einst tun wird, er wird nämlich alle Völker in Jerusalem zusammenführen und wird ihnen auftischen und es wird Frieden geben – das ist die Hoffnung des religiösen Juden. Dafür gibt es ein ganz klares Territorium, das diesem auserwählten Volk, Israel, zugewiesen ist. Für die Christen hat sich das so schon erfüllt, aber doch wieder ganz anders: Es kam Jesus, der als Sohn Israels auch Sohn Gottes selbst war, und er verkündet, dass diese Hoffnung, die Israel hat, erfüllt ist. Dieses Territorium, in dem sich Israel befindet und wo alle Menschen sich versammeln werden, ist - so lautet das christliche Bekenntnis - von Gott verändert worden. Jetzt gibt es nicht mehr die Hoffnung auf die Pilgerschaft aller Menschen zu einem Land, sondern zu einem Menschen, zu Jesus. Er ist für uns Christen das neue Jerusalem und wer zu ihm findet, gehört zum neuen Volk Gottes, das alle Völker einladen soll, zu Jesus zu pilgern. Man findet ihn in jedem Menschen, denn das gelobte Land liegt in jedem Menschen. Daher ist Jesus der Friedenbringer. Darüber wollen die Christen mit ihrer Mission aufklären.“ DANN KAM MOHAMMED. „600 Jahre später überkommt Mohammed die Kunde von der abrahamitischen Religion und von Jesus. Dann wird daraus eine Religion, die von sich sagt, das ist toll, die Verheißung des gelobten Landes, wir müssen die ganze Welt zum gelobten Land machen. Darum gibt es auch Befürchtungen in Sachen Islam. Ein Muslim muss erklären, wie man das heutzutage sieht. Im Islam ist ganz tief verankert, dass alles Territorium dieser Welt „Allahu Akbar“ sagen muss und dass alle bestätigen müssen, Mohammed ist Gottes Prophet. Wenn das jemand sagt, dann ist er Muslim und damit das Territorium muslimisch. In der theologischen Diskussion habe ich da so meine Fragen an den Islam und ich halte ihn für wenig erlöst. Die Idee, die Gott uns gegeben hat, dass das gelobte Land im Herzen eines jeden Menschen liegt und man sich nicht ein Territorium erobern muss und alle Menschen darin, sondern, dass man jeden Menschen zur Vollkommenheit begleiten soll - das ist für mich eine viel attraktivere Einladung, die im Evangelium ausgesprochen wird. Darum möchte ich auch möglichst viele Muslime davon überzeugen, Christen zu werden.“ DE FACTO ABER KONVERTIEREN IMMER MEHR CHRISTEN IN DEUTSCHLAND ZUM ISLAM. WORIN SEHEN SIE DIE GRÜNDE FÜR DIESE ENTWICKLUNG? „Die Deutschen sind so gestrickt, dass das Fremde immer schöner ist, als das Eigene, das ist das Grundproblem, das wir haben. Woanders ist es immer schöner. Das zweite ist, der Islam erscheint offensichtlich einigen als eine Religion, die hier verfolgt wird und weil wir Deutschen so einen missionarischen Hang haben, die ganze Welt retten zu
  4. 4. müssen, schlagen wir uns auf die Seite der Verfolgten. Und das dritte ist, der Islam hat interessante mystische Schätze, die wirklich attraktiv sind; und die stellen an uns Christen die Frage, was wir denn eigentlich mit unseren spirituellen Schätzen machen.“ WAS DENKEN SIE ÜBER MENSCHEN, DIE DEM CHRISTENTUM DEN RÜCKEN KEHREN UND ZUM ISLAM ÜBERTRETEN? „Ich kenne persönlich keine Konvertiten, doch ich denke, sie wollen einen neuen Weg versuchen. Sie sollen es ordentlich machen, aber sie werden es nicht schaffen, weil der Islam meines Erachtens nach in den arabischen Raum gehört. Für mich ist er nicht exportierbar. Weil er von seiner ganzen Denkwelt her, aus einem System kommt, das sich von unserem Denken unterscheidet. Natürlich möchten manche Menschen eine Art Bekehrung zu dem spirituellen Gehalt des Islam und sie lehnen natürlich die Scharia ab und sie lehnen auch die Steinigung ab. Es gehört aber zu der Lehre des Islam, dass all diese Dinge nicht voneinander zu trennen sind.“ WER ALSO ZUM ISLAM KONVERTIERT, DER TOLERIERT AUCH, DASS FRAUEN, DIE EHEBRUCH BEGANGEN HABEN, GESTEINIGT WERDEN DÜRFEN? „Wer sich zum Islam bekehrt, der ist auch dafür, dass Frauen gesteinigt werden. Und wenn man sagt, ich habe mich zum Islam bekehrt und ich bin nicht dafür, dass Frauen gesteinigt werden, dann stimmt das nicht. Zumindest muss er mir erklären, woher er das Recht nimmt, genau dies auszuklammern. Vielleicht gibt es aufgeklärten Islam, der das macht, aber ich finde, man sollte das einfach erklären. Genauso wie jemand, der heute katholisch wird und erklären muss warum der Papst gegen die Pille ist. Man kann nicht katholisch werden und gleichzeitig dafür sein, dass alle Leute in dieser Welt die Pille nehmen. Der Islam hat eine logische Begründungskette, warum es richtig ist, Ehebrecherinnen zu steinigen. Wenn ich sehe, was der Islam für Grundannahmen hat, dann muss ich sagen, was soll das denn jetzt. Ich würde gerne mit Muslimen darüber diskutieren.“ DIE VERÖFFENTLICHUNG DER UMSTRITTENEN MOHAMMED-KARIKATUREN IN EINER DÄNISCHEN TAGESZEITUNG LÖSTE VOR EINIGEN JAHREN WILDE PROTESTE UNTER MUSLIMEN AUS. EINE ÜBERTRIEBENE REAKTION? „Die Reaktionen nach der Veröffentlichung dieser Karikaturen fand ich wahnsinnig interessant. Es muss aber möglich sein, dass wir solche Sachen veröffentlichen können. Gleichzeitig wünsche ich mir eine Medienethik, die mehr darüber nachdenkt, was sie denn da eigentlich tut, wenn sie es tut. Wir müssen eine Sensibilität dafür entwickeln, dass man Religion und Glauben nicht lächerlich machen darf, zumindest nicht lächerlich auf billige Art und Weise.“ HÄTTE MAN JESUS DERARTIG DARGESTELLT… „Dann würde ich auf die Barrikaden gehen und das tat ich auch beispielsweise im Falle von „Popetown“ (eine Serie auf MTV über einen fiktiven Priester Vater Nicholas, der in Popetown – einer Persiflage auf den Vatikan – lebt und arbeitet), bei der es eine ganz böse Anzeige in einer Zeitschrift gab, die in der Woche zu Karfreitag geschaltet wurde. Auf dieser war im Hintergrund ein Kreuz zu sehen, vorne saß Jesus vor dem Fernseher, die Headline darüber lautete „Ablachen statt rumhängen“. Da habe ich sechs Stunden lang telefoniert bis ich dann den Verantwortlichen an der Strippe hatte, der das freigab. Dieser behauptete, die Anzeige wäre blind gebucht worden und man hätte nicht gewusst worum es geht, was bekanntlich vorkommt. Aber da merkt man, MTV legt es natürlich darauf an, das auf dieser Weise zu machen und die Einschaltquoten scheinen ihnen Recht zu geben.“ IN DIEBURG LEITEN SIE SEIT 2006 DAS BERUFUNGSPASTORAL DER KAPUZINER. IM APRIL ZIEHEN SIE WEITER NACH WÜRZBURG. WIE STEHT ES UM DEN NACHWUCHS, KANN BRUDER PAULUS IRGENDWANN BERUHIGT IN RENTE GEHEN? „Bei uns steht es um den Nachwuchs so wie in unserer Gesellschaft. Weil wir ein moderner Ort sind und zu einer modernen Kirche gehören, sind wird der Gesellschaft schon 25 Jahre voraus. Wir sind jetzt schon im Durchschnitt so alt, wie Deutschland in 25 Jahren durchschnittlich alt sein wird. Das sind derzeit bei uns im Schnitt 67 Jahre, der Durchschnitt in Deutschland liegt bei 42 Jahren. Wir haben aus dem gleichen Grund keinen Nachwuchs, wie die Gesellschaft keinen Nachwuchs hat. Es gibt keine Hoffnung mehr. Und wenn man keine Hoffnung hat, will man auch keine Kinder in die Welt setzen. Und dann kann auch niemand einem Orden beitreten. Der Grund warum jemand nicht ins Kloster geht, ist der gleiche Grund wieso er keine Kinder in die Welt setzt. Weil er sein Leben in
  5. 5. der Hand behalten will. Die Leute haben keine Hoffnung, weil sie keinen Glauben mehr haben. Wenn da kein Gott ist, dem man sein Leben übergeben kann, dann muss man sein Leben selbst in der Hand behalten.“ BRUDER PAULUS, VIELEN DANK FÜR DIESES GESPRÄCH. Br u der P a u l u s wu r de a m 2 2 . J u l i 1 9 5 9 i n S t a dt l o hn a l s Ber n ha r d Ter wi t t e g eb o r en . B er ei t s i m A l t er vo n 1 6 J a hr en en t schi e d er si ch fü r ei n Leb en a l s M ö n ch u n d t r a t dem Or den der M i n der en Br ü der Ka pu z i n er b ei . E r st u di er t e Theo l o gi e u n d P hi l o so phi e u n d l er n t e a l s ka t h o l i scher P r i est er , S eel so r ge u n d P sy cho t her a pi e m i t so z i a l em E n ga gem en t z u ver b i n den . B eka n n t g ewo r den i st der Or den sm a n n du r c h sei n e t ä gl i chen Ko m m en t a r e z u r „BIL D“ - S ch l a gz ei l e. Br u der P a u l u s ha t ei n e ei gen e Ta l k- S en du n g a u f N2 4 u n d i st ei n wi l l ko m m en er Ga st i m F er n sehen , R a di o o d er i n der P r e ss e. Do r t b ez i eht er r egel m ä ß i g S t el l u n g z u a kt u el l en Them en so wi e z u et hi sc hen F r a gen . S ei t 2 0 0 6 l ei t et er da s Ka pu z i n er kl o st er Di eb u r g a l s Zen t r u m fü r Ber u fu n gspa st o r a l d er Ka pu z i n er . A l s „H ea dhu n t er Go t t es“ , wi e er si ch sel b st b ez ei chn et , wi r b t er do r t u m Na chwu chs.

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