Umland, Einfluss, Wirtschaftsraum

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Axel G. Posluschny: Umland, Einfluss, Wirtschaftsraum - Überlegungen zu Herrschaft und Einfluss bei „frühkeltischen Eliten“
Vortrag Graduiertentagung der Uni Basel, 19.11.2011

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  • Liebe Kolleginnen und Kollegen, Zunächst einmal möchte ich sehr herzlich für die Einladung und die Gelegenheit, hier sprechen zu dürfen, bedanken. Als letzter Redner einer Veranstaltung sprechen zu dürfen, ist nach den vielen spannenden Vorträgen, die wir gestern und heute gehört haben, sicher nicht so einfach. Ich hoffe dennoch, Ihre Aufmerksamkeit für die nächsten Minuten fesseln zu können, und ihnen einen hoffentlich interessanten Aspekt unseres Themas aus Sicht der vorgeschichtlichen Archäologie bieten zu können. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat von 2004 bis 2010 ein großes Schwerpunktprogramm (SPP1171) zu den sogenannten frühkeltischen Fürstensitzen gefördert, zu denen ich mit meinem Projekt „Fürstensitze & Umland habe beitragen können. Zwar ist das Projekt seit Frühjahr 2010 ausgelaufen, aber meine Arbeiten dazu sind leider wegen anderer Verpflichtungen noch nicht abgeschlossen, ich kann Ihnen also nur einen vorläufigen Stand präsentieren. Insbesondere Aspekte einer Gesamtprojektsynthese sind noch nicht endgültig abgeschlossen, da auch von den anderen Teilprojekten des SPP noch nicht alle ausführlicheren Abschlusspublikationen vorliegen. Dennoch basieren natürlich Teile des Vortrags auch auf Gesprächen mit zahlreichen Kooperationspartnern im SPP, denen ich für ihre Diskussionsbereitschaft herzlich danken möchte.
  • Ich möchte Ihnen zunächst kurz einen Überblick über das Phänomen der so genannten frühkeltischen Fürstensitze geben und Ihnen einige dieser Anlagen vorstellen und dabei auch bereits auf einige Analysebeispiele eingehen, die ich mit Hilfe Geographischer Informationssysteme bearbeitet habe. Daran anschließend werde ich die Kernthesen und -fragen des Schwerpunktprogrammes skizzieren, auf die ich mich im Folgenden beziehen werde. Ich möchte Ihnen dann zeigen, mit welchen Daten und Verfahren ich mich einigen dieser Fragen genähert habe. Im weiteren Verlauf werde ich Ihnen einige Modelle für die Beschreibung und Erklärung hierarchischer, früheisenzeitlicher Siedlungsstrukturen vorstellen und an Hand der möglichen zentralörtlichen Funktionen der „Fürstensitze “ deren Anwendbarkeit überprüfen. Nach einigen weiteren Beispielen für die von mir durchgeführten Umlanduntersuchungen werde ich zum Abschluss quasi als Fazit eine Synthese - oder zumindest doch einen Ausblick darauf wagen.
  • Während der frühen Eisenzeit in Teilen Mitteleuropas wird ein Wandel in der Gesellschaft sichtbar, der sich u.a. auch im Auftreten einer speziellen Form von Siedlungen niederzuschlagen scheint: Befestigte Höhensiedlungen mit reichen Funden und zugehörigen Großgrabhügeln belegen eine wie auch immer geartete Führungsschicht; mediterrane Funde sind der Hinweis auf weit reichende Beziehungen oder Kontakte zumindest von Teilen der Bevölkerung. Nachdem Eduard Paulus der Jüngere für die 1876 unweit der Heuneburg aufgedeckten, mit reichen Funden ausgestatteten Großgrabhügel den Begriff "Fürstengräber" geprägt hat, wurde der Begriff "Fürst" in der Folge auch im Zusammenhang mit verschiedenen befestigten Höhensiedlungen in Verbindung gebracht, die dann auch als Sitz einer herrschenden Gesellschaftsschicht interpretiert wurden.
  • Wolfgang Kimmig hat dann vor über 40 Jahren versucht, durch eine eindeutige Definition eine klare Ansprache von Siedlungen als „Adelssitze “ zu ermöglichen, die er in der Folge auch sozial als Dynastenburgen und Herrschaftszentren interpretiert wissen wollte. Zu dieser Definition gehören mehrere Punkte: 1. Die beherrschende Lage der Siedlung auf einem Berg, möglichst an einem Verkehrsweg; 2. Das Vorhandensein von sog. „Südimport “, also reichen, ungewöhnlichen Funden aus dem Mediterraneum wie z.B. griechischem Trinkgeschirr oder Weinamphoren als Beleg weitreichender Beziehungen einer herausragenden Nobilität; 3. Die Siedlung musste befestigt gewesen sein; 4. Sie war aufgeteilt in eine "Unterstadt" - suburbium - und in eine Oberburg, den eigentlichen "Fürstensitz"; und 5. zum „Fürstensitz “ gehören außerdem die „Fürstengräber“ der vom „Fürstensitz“ stammenden hochstehenden Bevölkerung.
  • Dieses teilweise sehr idealisierende und unverkennbar antiken oder gar mittelalterlichen Vorbildern entlehnte Bild hat in der Folge zahlreiche Kritiker gefunden. Als einige der Alternativen zur Bezeichnung der immerhin unstrittig belegten herausragenden Bevölkerungsschicht, wie sie eben vor allem in den sog. Fürstengräbern" zu Tage tritt, wurden Häuptlinge/chiefs oder Priesterkönige bzw. -herrscher genannt; Franz Fischer hat in einem grundlegenden Aufsatz die reichen Südimporte als Keimelia - als thesaurierte, diplomatische Austauschgüter - gedeutet. Entsprechende Fundstellen aus der späten Hallstattzeit und der Frühlatènezeit finden sich vor allem in Ostfrankreich, Südwestdeutschland und der Schweiz. Südlich der Donau, in Teilen Frankens und im Nördlinger Ries treten dagegen befestigte Rechteckhöfe, sog. Herrenhöfe, auf. Unklar ist, ob diese Unterschiede als unterschiedliche hierarchische Abstufungen in verschiedenen Regionen oder als regionale Eigenheiten in der Sozialstruktur insgesamt zu deuten sind. Ich möchte gleich zu Anfang betonen, dass ich den Begriff „Fürstensitz “ nur als terminus technicus verstehe und benutze und daher auch durch die Verwendung der Anführungszeichen als solchen kennzeichne. Die dem Begriff immanent inne wohnende Deutung, die einen Vergleich mit mittelalterlichen Gesellschaftsstrukturen nahe legt, die so ohne weiteres nicht auf die frühe Eisenzeit übertragen werden können, halte ich nicht für sinnvoll. Ich denke aber, dass der Begriff „Fürstensitz“ sich in der Fachwelt soweit eingebürgert hat, dass zumindest jeder Kollege eine ungefähre Vorstellung davon hat, was damit gemeint sein könnte, ohne dass eine einhellige Übereinkunft in der Interpretation eines „Fürstensitzes“ und seiner Bedeutung bestehen muss.
  • Betrachten wir einmal einige Beispiele für die von uns untersuchten Anlagen. Die Heuneburg in Oberschwaben ist der klassische Vertreter eines „Fürstensitzes “ Kimmigscher Prägung. Sein Modell orientiert sich im Wesentlichen an den Funden und Befunden in ihrer Umgebung.
  • Die befestigte Siedlung liegt direkt oberhalb eines Flusses - der hier noch sehr jungen Donau
  • und in unmittelbarer Nähe befinden sich die Großgrabhügel der nach Kimmig zugehörigen Adeligen
  • Aber wie ist nun die prominente Lage eines solchen Ortes zu bewerten, wie sie ja auch Kimmig für die „Fürstensitze “ betonte? Betrachtet man einmal das Sichtfeld von der Heuneburg (hier rechts), so ergibt sich ein einsehbares Umfeld (hier hellgrün), dass im wesentlichen das Donautal und die sich südlich und südöstlich anschließenden Bereiche abdeckt. Wie nicht anders zu erwarten, ergibt sich vom Bussen (einer ebenfalls in der Hallstattzeit belegten Höhensiedlung) eine deutlich bessere Sicht in und auf die Landschaft. Die beherrschende Lage in der Landschaft ist es also sicher nicht gewesen, die zur Ausbildung der zentralörtlichen Siedlung Heuneburg führte, vielmehr dürfte die Lage an der Donau als wichtigem Verkehrsweg eine entscheidende Rolle für die Platzwahl gespielt haben, vielleicht auch verbunden mit der Tatsache, dass das Umfeld der Heuneburg auch die Möglichkeit zur Ausbildung einer ausgedehnten Außensiedlung bot. Der umgebende Landschaftsraum wird also in dieser Hinsicht nicht primär in seiner Gesamtheit gesehen, sondern es ist eher eine kleinräumig zu sehende Nutzungsmöglichkeit, die für die Standortwahl eine Rolle gespielt haben dürfte. Natürlich wurde aber auch zur Zeit des Bestehens der Heuneburg der gesamte umgebende Naturraum vor allem landwirtschaftlich genutzt, vermutlich hat dies aber nicht zu einem Bedeutungsüberschuss der Siedlung geführt.
  • Der Glauberg als frühlatènezeitlicher „Fürstensitz“ in Hessen liegt in einer Übergangslage, in diesem Fall zwischen der fruchtbaren Wetterau und der hügeligen Region der Vogelsbergausläufer. Ihm wird eine landschaftsbeherrschende Lage nachgesagt, die darüber hinaus auch verkehrsgeopgraphisch günstig gewesen sei. Die Kartierungen zeigen die Sichtfelder von Siedlungen der Hallstatt-, Hallstatt-/Frühlatène- und Frühlatènezeit in der Wetterau aus. Der Glauberg - jeweils in allen genannten Perioden besiedelt und hier mit einem Stern markiert - ist dabei in kaum einem der Sichtfelder gelegen. Bei einer Sichtweite von max. 20 km ist er z.B. nur von 5 der fast 70 hallstattzeitlichen Siedlungen aus zu sehen gewesen. Die Zahl der Sichtverbindungen zu den anderen Zeiten liegt sogar noch deutlich darunter. Ob der Glauberg also als sichtbares Geländemerkmal eine Rolle zur Orientierung oder als Sichtziel gespielt hat, muss fraglich bleiben. Die Bedeutung des Glaubergs, die ich eher im kultischen Bereich sehen würde, scheint also nicht durch eine weithin sichtbare Gestalt untermauert gewesen zu sein. Verglichen mit so prominenten Bergen wie dem Hohenasperg oder dem Ipf empfinden wir die Lage des Glaubergs als eher unscheinbar, seine Prominenz bezieht sich lediglich auf sein näheres Umfeld.
  • Ich zeige Ihnen hier einen Überblick über den Glauberg und sein Plateau (ZEIGEN) auf einem luftgestützten Lasermessbild, das wir 2007 haben anfertigen lassen. Mit grün sind die bereits bekannte Grabenstrukturen um die eigentliche Befestigungsanlage herum markiert, in rot die Stellen, die wir nun neu als Abschnitte des Grabenwerkes vermuten dürfen und in hellblau schon einmal ein Hinweis auf die Lage des „Fürstengrabhügels “.
  • Sie sehen die Umgebung des Glaubergs hier noch einmal auf einer Karte mit Eintragung aller wichtigen Befunde. Das Plateau des Berges wurde auf etwa 8 Hektar mit einer Befestigungsanlage umgeben, weitere 12 Hektar wurden von einem Wall und einem Graben umschlossen, der eine Wasserquelle bzw. einen Teich im Norden des Plateaus schützt, und schließlich ist das gesamte nähere Umfeld der Anlage von einem immer wieder unterbrochenen Wall-Graben-System umgrenzt, dessen Verlauf noch nicht vollständig erfasst wurde, das aber vielleicht mehr als 200 Hektar umfasst.
  • Auffällig sind beim Glauberg u.a. die erwähnten umfangreichen Wall-/Grabenabschnitte, die den gesamten Berg – wenn auch immer wieder durch intentionelle Lücken unterbrochen – umgeben und zu denen auch die sogenannte Prozessionsstraße gehört. Bei den Analysen zur Deutung dieser Befunde am Abhang des Siedlungsplateaus habe ich zunächst an verschiedene Hypothesen gedacht: So fällt auf, dass die Bestattung und ihr Grabhügel einerseits innerhalb des großen, von dem tiefen Graben umfassten Areal der Siedlung liegt und somit in die Welt der Lebenden einbezogen wird.
  • Andererseits wird das „Fürstengrab “ aber durch die spezifische Form und den Verlauf des Grabens der „Prozessionstrasse“ auch von der eigentlichen Siedlungsfläche – extra muros - ausgeschlossen, so wie es die übliche Bestattungsweise in der Frühlatènezeit vorsieht. Die Wall-/Grabenanlagen deuten also auf eine doppelte Raumnutzung bzw. Raumsicht hin, bei dem neben dem umhegten Raum auch der Übergangscharakter seiner durchlässigen Grenzen eine Rolle gespielt haben kann. Wenngleich sich das auf Grundlage der ergrabenen Befunde auch nicht eindeutig belegen lässt, so kann ich mir mit Blick auf die Lückenhaftigkeit der Wälle und Gräben sehr gut ein Szenario vorstellen, bei dem in (regelmäßigen) zeitlichen Abständen Bevölkerungsgruppen aus dem Umland des Glaubergs zu gemeinsamen Arbeiten – eben dem Ausheben eines Grabens und dem Anlagen eines Walles – zusammen kamen, um somit im Rahmen einer gemeinsamen Tätigkeit das Sozialgefüge, vielleicht verbunden mit weiteren sozialen Aktivitäten wie dem aus der Ethnologie bekannten Feeding and Feasting, ihrer Gemeinschaft zu bestätigen und zu stärken. Dies würde dann auch eben jene Lückenhaftigkeit der Raumumgrenzung durch Wall und Graben erklären. Während das Modell zwar die Gestalt der Grabenanlagen und damit auch der „Prozessionstrasse “ erklären kann, ist deren Ausrichtung damit nicht ohne weiteres herzuleiten. Ich habe daher versucht, die Ausrichtung der Anlage auf mögliche markante Punkte in der Landschaft wie Bergspitzen, Höhensätteln oder ähnlichem zu beziehen, doch konnte ein solcher Sichtbezug weitgehend ausgeschlossen werden. In unserem Projektantrag hatten wir bereits 2003 die Überprüfung der Ausrichtung der „Prozessionsstrasse “ auf mögliche Punkte astronomischer Bedeutung als Erklärungsmuster vorgeschlagen.
  • In diesem Bereich arbeiten wir eng mit dem Astrophysiker Prof. Bruno Deiss von der Universität Frankfurt zusammen. Seine Analysen belegen zweifelsfrei, dass die Gräben der „Prozessionsstrasse “ sowie die Gräben und Pfostenstellungen im Bereich des „Fürstengrabes“ deutliche Hinweise auf die Nutzung als komplexes Kalenderbauwerk für langfristige Beobachtungen und zur Planung im Jahresverlauf, liefern. Zahlreiche der ausgegrabenen, bislang nicht zu erklärenden Befunde im Bereich des Grabes, wie die winkligen Gräben oder die unterschiedlichen Pfostenstellungen, ergeben dabei erstmals im Zusammenhang einen Sinn.
  • Die Auswertungen belegen eine sehr komplexe, ja komplizierte Konstruktion der Grabenanlagen, der Pfostenstellungen und letztlich auch des Grabhügels, die sowohl astronomische, wie auch mathematische Kenntnisse der Erbauer voraussetzen und deren Kombination keineswegs an einer beliebigen Konstellation von Gestirnen ablesbar ist, sondern in der Fülle und Kombination eine bewusste Bauplanung voraussetzt und alles andere als zufällig ist.
  • Dass in der Verlängerung der „Prozessionsstrasse “ ältere – in diesem Fall urnenfelderzeitliche – Bestattungen liegen, mag vielleicht sogar bedeuten, dass auch diese bereits bewusst dort angelegt worden sind und somit die Möglichkeit besteht, dass die Nutzung von wie auch immer gearteten Befunden als Kalendarium vielleicht schon vor der Frühlatènezeit einsetzte.
  • Das Sehen ist verbunden mit der Tatsache, dass Objekte und Vorgänge erkannt und damit in die eigene Erlebniswelt einbezogen werden können. So ist es dem Menschen zwar nicht möglich, Einfluss auf Zeit oder auf höhere Wesen und ihr Tun zu nehmen, aber eine Teilhabe an diesen Dingen ist zumindest passiv möglich. Wenn aus dem reinen Beobachten das Erkennen von Regelmäßigkeiten wird, wenn bestimmte Ereignisse wie eine Sonnenfinsternis vorhersagbar werden, dann ist es dem Menschen gelungen, an diesen nicht kontrollierbaren Ereignissen teilzuhaben. Diese Teilhabe, das Wissen um Zusammenhänge und das Wissen von bevorstehenden Ereignissen bedeutet natürlich Macht und könnte somit im Einzelfall zur Grundlage von sozialen Abstufungen werden, wie wir sie auch im Falle der „Fürstensitze “ und „Fürstengräber“ vor uns haben. So gehörte z.B. bei den Maya die Durchführung von Ritualen anlässlich des Endes einer Zwanzigjahresperiode im Mayakalender zu den wichtigsten Aufgaben eines Regenten. Im Zusammenhang mit dem Kalendarium auf dem Glauberg, das sowohl Jahreszyklen als auch Zyklen von knapp 19 Jahren nachvollziehbar macht, ist eine ähnliche Funktion durchaus auch für ein oder mehrere Personen am Glauberg vorstellbar. Und warum sollten solche Zyklen nicht auch mit den von mir erwähnten periodisch wieder kehrenden sozialen Aktivitäten wie der Anlage eines Grabenabschnittes, verbunden mit gemeinsamen Festivitäten, zusammen hängen? In diesem Sinne verstehe ich die Kenntnis, die die Errichtung des Kalenderbauwerks auf dem Glauberg möglich gemacht hat, als Machtfaktor, der eng mit der herausragenden Stellung Einzelner oder von Personengruppen zusammenhängt und die damit dem Glauberg zu seiner herausragenden Bedeutung verholfen hat.
  • Betrachten wir das „Fürstensitzphänomen “ aber noch einmal von einer etwas allgemeineren Warte aus. Sehr stark verkürzt lässt sich die Forschungsfrage des DFG-Schwerpunktprogramms 1171 wie folgt zusammen fassen: 1. Gab es eine Konzentration der Macht und wie ist sie zu beschreiben und zu deuten? 2. Fand damit einhergehend oder daraus resultierend eine Konzentration ökonomischen Reichtums statt? und 3. Gab es eine Integration von lokalen und kleinregionalen Gemeinschaften in überregionale Verbände und wenn ja, wie sah diese aus?
  • Die Untersuchungen meines Teilprojektes wurden mit den Regionen nahezu aller im SPP vertretenen Regionalprojekte sowie zusätzlich weiteren Vergleichsregionen und ihrem Umfeld durchgeführt. Für die Arbeiten habe ich Umfelder von ca. 50 x 50 km um die bekannten „Fürstensitze “ als Untersuchungsgebiete festgelegt, ergänzt um ebenso große Flächen, in denen andere Siedlungstypen, jedoch keine „Fürstensitze“ vorkommen. Sie sollen auch aus methodischen Gründen einem interregionalen Vergleich dienen. Verschiedene Untersuchungen widmen sich darüber hinaus einerseits Detailfragen einzelner Plätze und andererseits dem gesamten, in den für uns relevanten Zeiträumen besiedelten Raum.
  • Als Datenbasis dienten für die Untersuchungen alle eindeutig in eine der drei Perioden Urnenfelderzeit, Hallstattzeit und Frühlatènezeit datierbare Siedlungen und Grabfundstellen sowie zusätzlich alle undatierten Grabhügel in den Arbeitsgebieten. Die archäologische Quellenbasis sind die Fundstellendatenbanken und analogen Ortsakten der jeweiligen Landesdenkmalbehörden sowie einschlägige Publikationen. In die Datenbank habe ich alle Siedlungs- und Grabfundstellen der drei Perioden Urnenfelderzeit, Hallstattzeit und Frühlatènezeit aufgenommen. Alle Verteilungsberechnungen zu den jeweiligen Naturraumfaktoren wurden für die jeweiligen Zeitstufen sowie für Siedlungen und Gräber unabhängig voneinander durchgeführt, so dass sowohl epochenübergreifende Vergleiche, als auch Vergleiche zwischen Siedlungen und Gräbern möglich wurden.
  • Davon ausgehend, dass es sich bei den von uns untersuchten Gesellschaften um überwiegend agrarisch wirtschaftende handelt, habe ich mich bei der Auswahl der zu untersuchenden Naturraumfaktoren auf solche beschränkt, bei denen davon auszugehen ist, dass sie einen Einfluss auf das vorgeschichtliche Siedlungsverhalten hatten bzw. dass sich am Verhältnis der Fundstellen zu diesen Faktoren auch das Umweltverhalten prähistorischer Gemeinschaften ablesen lässt.
  • Gerade die Kombination von Analysen verschiedener Faktoren liefert grundlegende Ergebnisse zu Wirtschaftsweisen, Besiedlungsgeschichte und Naturraumverhalten vorgeschichtlicher Siedler. Es ist also eine entscheidende Aufgabe bei unseren Untersuchungen, die richtigen Faktoren auszuwählen und an diese auch die richtigen Fragen zu stellen. Bei den meisten Faktoren, z.B. bei den Klimafaktoren, basieren die in die Analyse eingeflossenen Werte auf rezenten Daten. Hier ist aber nicht der aktuelle Klimawert einer Fundstelle abgefragt und ausgewertet – z.B. nicht der durchschnittliche Jahresniederschlag am Platz einer Siedlung – sondern der Vergleich zwischen klimatisch begünstigteren und klimatisch weniger begünstigte Regionen, also z.B. zwischen niederschlagsärmeren und niederschlagsreicheren Gebieten. Diese Verhältnisse sind im Bereich der hier verwendeten Untersuchungsebenen nach Auskunft von Klimatologen annähernd gleichgeblieben und eignen sich daher sehr wohl für die durchgeführten Analysen. Ähnliches gilt für die bodenkundlichen Werte in den Projektregionen ebenso wie für die topographischen Informationen.
  • Eine der einfachsten Möglichkeiten eines GIS im Rahmen meiner Fragestellungen ist die Zuordnung der naturräumlichen Parameter an einem Ort zu den dort existierenden Fundstellen. Automatisiert kann man z.B. im GIS allen Siedlungen ihren Hangneigungs- und ihren Hangausrichtungswert zuordnen lassen, in einem weiteren Arbeitsschritt können dann auch die Anteile der Fundstellen an den einzelnen Klassen, hier im Beispiel an den unterschiedlichen Hangausrichtungsklassen, in Beziehung zu deren Anteilen im Arbeitsgebiet gesetzt werden. Diese Werte lassen sich dann zwischen den Fundstellen der unterschiedlichen Perioden oder der unterschiedlichen Arbeitsgebiete vergleichen, um daraus Präferenzmuster zu ermitteln.
  • Bei Umfelduntersuchungen hat sich das „site catchment “ bewährt, um Informationen aus anderen Quellen, z.B. aus Boden- oder Klimakarten, auch anteilsmäßig mit der Fundstelle bzw. ihrer Umgebung zu verknüpfen. Es kann z.B. berechnet werden, zu welchen Anteilen verschiedene Faktoren – wie unterschiedliche Bodenarten – innerhalb dieser Pufferfläche liegen. Aus den Anteilen verschiedener Böden im Umfeld einer Siedlung lassen sich u.a. Rückschlüsse auf mögliche Wirtschaftsweisen ziehen: Ist der Anteil von potentiellem Grünland deutlich höher als von potentiellem Ackerland, so darf ein höherer Anteil von Viehzucht statt Ackerbau als bevorzugte Wirtschaftsgrundlage vermutet werden. Meist werden bei Umfeldanalysen regelmäßige Abstände als Berechnungsgrundlage gewählt, oft weil dies am einfachsten zu berechnen ist. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass sich die so gebildeten Pufferflächen nicht an den natürlichen Umwelt- und Geländegegebenheiten orientieren.
  • Bei der Berechnung von Siedlungsumfeldern auf der Grundlage des umgebenden Geländes wird zunächst eine Kostenoberfläche erstellt, bei dem jedem Punkt im Gelände ein Widerstandswert, basierend auf frei definierbaren Faktoren wie z.B. Hangneigung, schwer überwindbaren Gewässern oder unpassierbaren Sümpfen, zugeordnet wird. Mit der Siedlung als Startpunkt werden dann in alle Richtungen die Widerstandswerte addiert, bis eine vorher definierte Obergrenze erreicht wird. Die so entstandene Polygonfläche hat die Eigenschaft, das jeder in ihr liegende Punkt mit dem gleichen maximalen Aufwand von der Siedlung aus erreicht werden kann. Schroffe Felsabbrüche, breite Flüsse oder Moore bilden somit eine Grenze der Zugänglichkeit, das Umfeld der Siedlung ist angepasst an die umgebende Landschaft. Aus der Größe der so entstandenen potentiellen Einzugsgebiete können im diachronen Vergleich Aussagen über die Lage der Siedlungen und ihre Nutzungsmöglichkeiten bezüglich des Umlandes abgeleitet werden - ich werde darauf später noch einmal zurück kommen.
  • Kommen wir zunächst aber noch einmal zurück zu einem der Kernbegriffe des Schwerpunktprogrammes, dem der Zentralisierung. Es lohnt sich, die am Anfang genannten Punkte einmal kritisch zu hinterfragen, um die Forschungen des SPP an ihnen zu messen. Das in der Archäologie verwendete Schlagwort „Konzentration der Macht “ mag einhergehen mit der in der Politikwissenschaft verwendeten Definition von Zentralisierung, die darunter das Streben versteht, alle Kompetenzen im Staat bei einer zentralen obersten Instanz zu konzentrieren. Streng genommen fehlt es uns im von uns untersuchten Zeitraum an einer dinglich fassbaren Manifestation dieser Instanz, die wir dann immer mit den „Fürsten “ gleichsetzen. Reichtum alleine muss nicht zwangsläufig eben jene Macht bedeuten, wenn gleich dies sicher nicht unwahrscheinlich ist. Natürlich ist der ursprüngliche Impetus der „Konzentration der Macht“ in der Archäologie ein zeiträumlicher gewesen, weniger ein auf einen Strukturwandel bezogener. Doch dieser lässt sich so ohne weiteres davon nicht trennen, verstehen wir doch die Aufgabe zahlreicher Höhenbefestigungen im Umkreis der Heuneburg zu deren Gunsten auch immer als eine Verlagerung und Akkumulation von Herrschaft von den Höhenbefestigungen untergeordneter Bedeutung zur Heuneburg selbst. Der „Fürst“ ist nach diesem Verständnis also der Herrscher, der die Macht der ursprünglich unabhängigen oder auch untergebenen anderen Siedlungen übernimmt, dessen Bedeutungszuwachs dann eben auch einhergeht mit der Bedeutungszunahme am „Fürstensitz“. Es bleibt aber zu fragen, was erstens diesen Prozess ausgelöst und wo zweitens die Henne und wo das Ei ist. Akkumuliert ein – aus welchen Gründen auch immer entstandener – Herrscher die Macht und ist somit Auslöser für eine auch räumliche Konzentration oder entsteht die Herrschaft eben erst durch die Konzentration von Macht oder auch von Mächtigen?
  • Kommen wir zum zweiten, mit einer Zentralisierung im archäologischen Sinne zusammen hängenden Schlüsselbegriff, dem des „Ökonomischen Reichtums “ und dessen Anhäufung. Dem Lexikon können wir entnehmen, dass in der Betriebswirtschaft unter Zentralisierung die Zusammenfassung von gleichartigen oder ähnlichen Prozessen verstanden wird, eine Entsprechung mit der in unserer Terminologie geläufigen Akkumulation von Konsum- und Luxusgütern ist also hier nicht gemeint. Vielmehr handelt es sich um eine immer wieder angewendete Gleichung, die einen Zusammenhang zwischen ökonomischer Prosperität und soziologischer Superiorität sieht. Eine Gleichung, die sicher in vielen Fällen richtig ist, aber die nicht immer zwangsläufig richtig sein muss. Auch hier stellt sich wieder die Frage, ob Reichtum die Folge oder der Auslöser von Zentralisierung oder auch allgemeiner von politischer Macht war.
  • Bezogen auf unser Forschungsprogramm meint Zentralisierung also einen Prozess, an dessen Ende eine regionale Konzentration von Siedlungen und ihren Bewohnern an einer Stelle – wie z.B. einem „Fürstensitz “ – steht oder bei dem sich zumindest Macht und/oder Wohlstand an einem dieser „Fürstensitze“ konzentrieren. Ob dieser Prozess zu einer Urbanisierung hinführt, sei an dieser Stelle einmal dahin gestellt. Auch möchte ich ergebnisoffener an die Fragestellung herangehen als dies die (ZITAT) „erwartungsgemäß einhergehende Integration von lokalen in überregionale Verbände “ (ZITAT ENDE) vorgibt. Eine solche muss nicht per se zwangsläufig Teil einer Zentralisierung sein, wie wir sie bei der Entstehung der „Fürstensitze“ beobachten können.
  • Nachdem wir uns im Rahmen des SPP weitestgehend von den Christallerschen Vorstellungen bzw. Klassifizierungen von Zentralorten und untergeordneten Siedlungen gelöst haben, kann das Modell von Gringmuth-Dallmer, auch bezüglich der von ihm verwendeten Termini, für uns eine Hilfe beim Umgang mit dem komplexen Thema der Zentralisierung vor dem Hintergrund einer Typologisierung verschiedener Siedlungsformen sein.
  • Ich zeige Ihnen hier ein auf seinen Überlegungen aufbauendes Schema. Im Zusammenhang mit unseren Kernfragen ist es zielführend, auch für die von uns behandelten „Fürstensitze “ - die wir ja auch gerne als Zentralorte bezeichnen - eine Zuordnung zu den von ihm verwendeten Begriffen zu versuchen. Kern ist auch hier – wie bei Christaller – eine hierarchische Gliederung von verschiedenen Siedlungsformen, die sich im Wesentlichen durch das Maß der bei Ihnen nachgewiesenen zentralörtlichen Funktionen unterscheiden. Sind alle diese Funktionen, die Gringmuth-Dallmer beschreibt, an einem Ort vorhanden, so spricht er von einem komplexen Zentrum. Dies wäre sicher – da an der Spitze der Hierarchiepyramide stehend – auch die Siedlungsform, die wir mit unseren „Fürstensitzen “ in einem ersten Ansatz vergleichen wollen.
  • Ich habe hier mal in einer bewusst grob gehaltenen Übersicht einige der von mir untersuchten Plätze gegenübergestellt. Ein Kreuz bedeutet dabei, dass die entsprechende Funktion am Ort sicher nachgewiesen wurde, ein Fragezeichen steht für ein vermutetes aber nicht sicher belegtes Vorhandensein und eine Null zeigt an, dass die entsprechende Funktion nicht nachgewiesen wurde bzw. auch aus meist methodischen Gründen nicht nachgewiesen werden kann. Selbstverständlich sind einige meiner Einschätzungen im Detail diskutabel, aber wenn man sich den aktuellen Forschungsstand vor Augen hält, so zeigt die Tabelle, wo wir trotz der hervorragenden Arbeit auch der letzten Jahre noch Erkenntnislücken haben und wo wir sie zum Teil auch niemals werden ausräumen können – wie z.B. auf dem Hohenasperg, wo das Plateau selbst nur wenig Chancen bietet, durch größere Ausgrabungen zu weiteren Aussagen zu gelangen. Die meisten der abgefragten Funktionen liefert noch die Heuneburg, bei der aber auch die umfangreichsten Untersuchungen durchgeführt wurden. Entscheidend ist, dass bei keinem der untersuchten Plätze alle 5 Kriterien Gringmuth-Dallmers für ein komplexes Zentrum erfüllt sind.
  • Betrachten wir nur die sicher nachgewiesenen Funktionen aus der Tabelle auf der letzten Folie, so ergeben sich die hier gezeigten Klassifikationen. Keine der Anlagen kann als komplexes Zentrum nach Gringmuth-Dallmer angesprochen werden, einige wiesen mehrere zentralörtliche Funktionen auf, andere nur eine. Wenn man dabei berücksichtigt, dass es sich bei dieser einen lediglich um die aus dem Vorhandensein einer Befestigung geschlossene Schutzfunktion handelt – die ja Bestandteil der „Fürstensitz “-Definition ist – so zeigen sich doch deutlich die Grenzen der Aussagefähigkeit. Ich behaupte nun nicht, dass die Tabelle die tatsächliche Bedeutung der Plätze zeigt. Sie gibt lediglich wieder, was wir derzeit ruhigen Gewissens dazu sagen können. Dabei ist vor allem zutiefst unbefriedigend, dass die Zuordnungen meist nur wegen der Unmöglichkeit der Nachweisbarkeit bestimmter Kriterien getroffen werden können, nicht wegen deren nachgewiesenem Fehlen. Damit sind wir dem erklärten Ziel des SPP einer Typologie und Bewertung der einzelnen Anlagen nicht wirklich näher gekommen.
  • Es stellt sich die Frage, ob unsere Quellen eine entsprechende Einordnung überhaupt zulassen. Und auch dann bleibt letztlich die Überlegung, ob die streng hierarchische Gliederung nicht zu einfach ist, um dem komplexen Beziehungsgefüge zwischen Orten verschiedener Funktionen und Bedeutungen untereinander und auch über- bzw. intraregional gerecht zu werden. Darüber hinaus ist nach wie vor unklar, welche Bedeutung streng hierarchische oder eher multifunktional und multilateral miteinander verbundene Siedlungen verschiedener Typen für die zu untersuchenden Gesellschaften haben. Sind sie ein Zeichen für Stammesgesellschaften oder begegnen wir hier einem darüber hinaus gehenden System? Nicht allein der Ort, also der „Fürstensitz “ selbst, sondern auch seine Einbeziehung in das nähere und weitere Umfeld können also offensichtlich für weiter gehende Erklärungen zwangsläufig eine wichtige Rolle spielen.
  • Gringmuth-Dallmer hat Schemata räumlicher Grundstrukturen vorgestellt, die sich relativ einfach auch mit den Verteilungsmustern der Siedlungen im Umfeld der „Fürstensitze “ vergleichen lassen. Eine Flächenstruktur mit einer einigermaßen gleichmäßigen Verteilung der Siedlungsfundstellen einer Periode können wir streng genommen in keiner der von mir untersuchten Gebiete feststellen.
  • Bisweilen schwierig zu unterscheiden sind Inselstrukturen und Streustrukturen
  • so zum Beispiel im Gebiet um den Glauberg – hier am Beispiel der Hallstattzeit, wo im Norden des Arbeitsgebietes eher eine Inselstruktur vorzuherrschen scheint während im Süden – vielleicht bedingt durch geringere Fundstellenzahlen – eher von einer Streustruktur gesprochen werden kann. Ähnliche „Mischformen “ sind auch charakteristisch für die Umgebung der Heuneburg, für das Nördlinger Ries und auch für die Region um die Ehrenbürg. Inselstrukturen scheinen kaum in einer Reinform zu existieren, was dadurch bedingt ist, dass sich geringe Fundstellenzahlen in einigen Bereichen der Arbeitsgebiete kaum zwanglos zu Inselverteilungen konglomerieren lassen..
  • Sehr viel deutlicher zeichnen sich in einigen Gebieten Linienstrukturen ab
  • Dies ist im Bereich des Altmühltales
  • ebenso der Fall wie im naturräumlich gänzlich anders ausgestatteten Gebiet um Straubing. In beiden Untersuchungsgebieten orientieren sich die linearen Verteilungsmuster natürlich an den größeren Gewässern. Die Tatsache, dass wir in keinem Fall eine eindeutig gleichförmige Verteilung der Siedlungsfundstellen beobachten können, spricht für eine wie auch immer begründete Aufteilung des Raumes. Neben territorial bzw. im weitesten Sinne sozial zu interpretierenden Mustern – wie sie kleinräumig sicher im Bereich der Heuneburg anzutreffen sind – ist dabei natürlich vor allem an die Nutzung und Meidung bestimmter Landschaftsteile aus naturräumlichen Gründen zu denken, wie dies auch die von mir durchgeführten Naturraumanalysen zeigen. Die unterschiedlichen Untersuchungsintensitäten dürften auf dieser Maßstabsebene keine Rolle spielen.
  • Schwierig wird die Anwendung des Gringmuth-Dallmerschen Systems von unterschiedlichen Siedlungshierarchien. Wie ich eben schon zeigen konnte, sind zahlreiche der zentralörtlichen Funktionen allein aus quellenbedingten bzw. methodischen Gründen nicht ohne Weiteres nachweisbar. Insofern kann eine Verteilung von verschiedenen Funktionen auf unterschiedliche, prinzipiell gleichrangige Siedlungen sicher existiert haben, ein Nachweis ist aber schwierig. Allerdings scheint es doch so zu sein, dass die von uns untersuchten „Fürstensitze “ eher dem hier rechts abgebildeten Schema entsprechen, wonach EIN Platz aus der Menge der anderen, untergeordneten Siedlungen heraus sticht. Aber wie gesagt, dies vorbehaltlich der Problematik unserer Aussagemöglichkeiten.
  • Während die räumlichen Grundstrukturen nach Gringmuth-Dallmer nur bedingt Aussagen zu Siedlungshierarchien erlauben, sind seine Siedlungssysteme dazu geeignet, aus funktionaler Sicht ein Siedlungsbild zu charakterisieren. Dabei sind die einfachen Strukturen, wie wir sie eben gesehen haben, von komplexeren Siedlungsstrukturen wie sie hier gezeigt werden, zu unterscheiden. Dieses vielfältige Beziehungsgeflecht von komplexen Zentren, Zentren für einzelne Funktionen und ländlichen Siedlungen sowie die Struktur prinzipiell gleichrangiger Siedlungen mit einem herausgehobenen Platz, von dem sie in mehr oder weniger starker Abhängigkeit stehen – das rechte Modell auf der vorherigen Folie – sind nach Gringmuth-Dallmer Siedlungssysteme, deren Kennzeichen (ZITAT): „ das Aufeinanderbezogensein der einzelnen, hierarchisch gegliederten Siedlungen “ ist (ZITAT ENDE) Dass Gringmuth-Dallmer eine volle Ausbildung solcher Siedlungssysteme erst für die Römerzeit annimmt, halte ich zunächst einmal für quellenbedingt. So ist es sicher kein Zufall, dass eben in der Römerzeit in unseren Breitengraden die ersten Steinbauten und auch komplexeren Gebäudestrukturen auftauchen, bei denen eine Funktionszuweisung in vielen Fällen ungleich einfacher ist, als bei den Pfostenbauten, wie wir sie aus früheisenzeitlichen Siedlungen kennen. Auch sind ja die schriftlichen Quellen der uns für die frühe Eisenzeit fehlt. Dennoch wäre es natürlich denkbar, dass auch in der Hallstatt- und Frühlatènezeit ein Siedlungssystem wie das hier gezeigte existiert hat.
  • Bei der Bewertung der „Fürstensitze “ als protourbane Zentren oder Zentralorte spielt natürlich auch der Stadtbegriff eine entscheidende Rolle. Dass es hier keinen Konsens über die Definition gibt, ist hinlänglich bekannt. Gemeinsam ist aber den meisten Begriffsbestimmungen der Faktor der Größe, die - abhängig vom jeweiligen Untersuchungsgebiet - unterschiedlich angesetzt wird. Christopher Pare hat im Tagungsband zum Blaubeurener Treffen des „Fürstensitze “-Programms überzeugend einen Größenzuwachs bei den befestigten Höhensiedlungen von der Späthallstatt- zur Frühlatènezeit nachgewiesen. Dies ist aus struktureller Sicht nicht unwichtig für die Bewertung der Entwicklung dieser Anlagen. Für die Stadtdefinition sind aber mehr oder weniger absolute Größenvorstellungen entscheidend. Ich erzähle nichts Neues, wenn ich darauf hinweise, dass wir auch hier aus vielerlei methodischer Sicht Probleme bei der Berechnung der Bevölkerungszahlen der früheisenzeitlichen Siedlungen haben. Mit am erfolgversprechendsten scheint mir der Ansatz zu sein, den ich zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen der Archäobotanik und der Archäozoologie entwickelt habe und der zunächst einmal das agrarische Potential im Umkreis um die Siedlungen bewertet - aus Zeitgründen kann ich darauf jetzt nicht weiter eingehen. Aber natürlich bleibt auch hier die Frage nach dem Grenzwert, der eine Siedlung zu einer Stadt - oder weniger verfänglich zu einer protourbanen Siedlung werden lässt. Sind z.B die 1000 Einwohner, die Kollege Kolb für die Kulturen des circummediterranen Raumes annimmt, ohne Weiteres übertragbar auf unsere Verhältnisse? Nach modernen Maßstäben wäre auch die Größe einer Siedlung im Sinne ihrer Fläche ein belastbares Maß. Dies setzt aber voraus, dass wir - wie in modernen Großstädten - einen Zuwachs an Flächengröße auch immer mit einer starken Zunahme der Bevölkerungszahlen gleich setzen können. In vielen Fällen wissen wir aber zu wenig über die Innenstruktur früheisenzeitlicher „Fürstensitze “, über ihre innere Aufteilung und die Dichte der Wohnbebauung. Mögliche landwirtschaftliche Gehöftstrukturen wie sie Siegfried Kurz für die Außensiedlung der Heuneburg überzeugend belegen konnte, erhöhen zwar insgesamt die Bevölkerungszahl, aber in weit geringerem Maße als dies eine Bebauung analog zur Besiedlung auf der Heuenburg selbst tun würde. Der Flächenzuwachs ist hier nicht proportional zum Bevölkerungszuwachs. Und wie bewerten wir dann die Tatsache, dass eben jene Außensiedlung nur für eine bestimmte Zeit Bestand hatte? Verliert die Heuneburg danach ihre Bedeutung als zentraler Ort? Wo sind auch hier die Grenzwerte? Ist Bourges - wie Dirk Krausse schreibt - tatsächlich eine Stadt, nur weil die Siedlung eine Fläche von angeblich mindestens 4 Quadratkilometern einnahm? Oder müssen wir doch wieder stärker auf die strukturellen Aspekte zurück greifen, wie sie z.B. Bernhard Hänsel für bronzezeitliche Siedlungssysteme in Südosteuropa vorgeschlagen hat? Aber auch hier haben wir es wieder mit dem Problem der fehlenden Nachweisbarkeit vieler dieser Kriterien zu tun. Auch sind manche Aspekte nur angesprochen, ohne dass Grenzwerte genannt werden, wie auch hier die Größe oder die Nutzungsdauer. - Stadtbegriff nach Hänsel (B. Hänsel, Bronzezeitliche Siedlungssysteme und Gesellschaftsformen in Südosteuropa: vorstädtische Entwicklungen und Ansätze zur Stadtwerdung. In: Cl. Belardelli u.a. (Hrsg.), The Bronze Age in Europe and the Mediterranean. Colloquia XIII Int. Congr. Prehist. And Protohist. Sciences 11 (Forlì 1996) 241-251 - D. Krausse, „Auf der Schwelle zur Hochkultur “ Damals 7-2009, 16-21, S. 21 Bourges „Hier stellt sich erneut die Frage, ob es bereits Städte vor den spätkeltischen oppida gab. Zumindest für Bourges wird man diese Frage bejahen wollen, denn für eine Siedlung, die eine Fläche von wenigstens vier Quadratkilometern einnimmt, erscheint die Bezeichnung „Fürstensitz“ wenig angemessen“
  • Betrachten wir den Faktor der Siedlungsgröße im Sinne ihrer Fläche als relativer Größe. Innerhalb der einzelnen Anlagen gibt es Entwicklungen, die allerdings nicht immer gleichartig verlaufen. Die Heuneburg hat ihre maximale Ausdehnung - bezogen auf die Außensiedlung - während der Phase der Lehmziegelmauer, die geplant wirkende Innenbebauung dieser Periode wird nach der Einebnung der Lehmziegelmauer wieder aufgegeben. Wollen wir der Idee folgen, dass auch der Südimport als Anzeiger für die zentralörtliche Bedeutung der Heuneburg zu gelten hat, so scheint sie diese Rolle aber trotz der Aufgabe der Außensiedlung weiter gehabt zu haben, auch die sogenannten Herrenhäuser der Perioden III und II könnten dies belegen. Die Siedlung ist also dann am größten, als wir auch bezogen auf das Umland mit einer Bedeutungskonzentration auf der Heuneburg rechnen müssen, ohne dass sie danach in eine Bedeutungslosigkeit versunken wäre. Im Gegensatz dazu erreicht die Ausdehnung der besiedelten Fläche am Glauberg ein Maximum ungefähr zu jener Zeit, als wir einerseits einen Höhepunkt seiner Bedeutung erwarten dürfen, zu der aber andererseits die Besiedlung dann auch relativ schnell zu Ende geht. Der Höhepunkt der Besiedlung auf dem Glauberg liegt lange nach dem Höhepunkt der Besiedlung auf der Heuneburg. Ihm folgt hier keine weitere Besiedlung im direkten Anschluss. Aber es gibt noch andere wichtige strukturelle Unterschiede. Das im Wesentlichen an der Heuneburg entwickelte „Fürstensitzmodell “ Kimmigs beinhaltet ja den Aspekt des Südkontaktes, nachgewiesen durch mediterranes Importgut. Funde dieser Kategorie fehlen bislang von der Siedlung auf dem Glauberg gänzlich. Welche Konsequenzen hat dies nun für die Rolle und die Bedeutung des Glaubergs in seiner Zeit? Versuchen wir einmal ein kleines Gedankenspiel: Was wäre gewesen, wenn bei den Arbeiten der Partnerprojekte eine griechische Scherbe gefunden worden wäre? Der Glauberg wäre allein dadurch zum "Fürstensitz" a la Kimmig geworden und der Glauberg wäre stärker mit SW-Deutschland in Verbindung gebracht worden. Aber wäre das der Rolle des Glaubergs gerecht geworden, so wie wir sie jetzt sehen? Ist es sinnvoll, dass eine Scherbe unser Denken so stark beeinflusst? Oder umgekehrt: ist es sinnvoll oder gar methodisch richtig, allein auf Basis der (noch) nicht nachgewiesenen Existenz einer Fundgattung unsere Interpretation so deutlich beeinflussen zu lassen? Wir sprechen hier nicht vom Nachweis einer Nichtexistenz, sondern lediglich vom fehlenden Nachweis einer Existenz! Vor diesem Hintergrund müssen wir uns bei der Interpretation von der starken Fixierung auf einzelne Fundgattungen oder gar Funde lösen und den Blick auf andere Zusammenhänge auf einer anderen Maßstabsebene richten. Ich halte den Glauberg selbstverständlich für einen – wie immer in Anführungszeichen geschriebenen – „Fürstensitz “, einen Ort mit zentraler Bedeutung für eine ganze Region, aber eben nicht nach Kimmigscher Definition sondern – und da stimme ich voll und ganz mit Holger Baitinger überein – in einer Mittelgebirgsausprägung. Damit wird nicht das Modell Kimmigs falsch, lediglich der Umgang damit ist zu hinterfragen, wenn es dazu verwendet wird, unterschiedliche Phänomene ähnlicher Ausprägung und möglicherweise mit unterschiedlichen Ursachen über einen Kamm zu scheren. ------------------------------------------------------------------------ Lehmziegelphase: Periode IVb/IVa
  • Da die Bevölkerungszahlen in einigen Definitionen von Stadt oder von zentralen Orten eine Rolle spielen, diese aber alleine aus dem archäologischen Befund nur schwer zu rekonstruieren sind, möchte ich nun auf den Aspekt des Nutzungspotentials der untersuchten Siedlungen eingehen. Im Zusammenhang mit der Frage nach Konsumenten- und Produzentensiedlungen, wie wir sie vor dem Hintergrund überwiegend agrarisch ausgerichteter Ökonomien in der frühen Eisenzeit zu Recht stellen, ist natürlich ein Vergleich der landwirtschaftlichen Möglichkeiten im Umfeld um die Fürstensitze und im Umfeld um die anderen Siedlungen interessant. Hatten die „Fürstensitze “ ein größeres Ertragspotential, auch zur Versorgung einer größeren Bevölkerung oder auch zur temporären Versorgung von Personen aus dem Umland (Stichwort „feasting“ als sozialer Akt)? Und wenn ja, wurde dieses Potential auch tatsächlich genutzt? Oder versorgte das Umland wegen oder trotz ausreichender agrarischer Möglichkeiten den „Fürstensitz“? Welche Möglichkeiten hatten die eventuell untergeordneten Siedlungen des Umlandes?
  • Die Grundlage bildet dabei wieder das innerhalb eines bestimmten Zeitraumes erreichbare Umfeld, welches mit diesem sogenannte Kostenmodell berechnet wurde, bei dem die Hangneigung eines Geländes in Gehgeschwindigkeiten umgesetzt wurde. Das Beispiel einer topographieabhängigen Berechnung eines Siedlungsumfeldes hatte ich Ihnen ja schon vorhin gezeigt.
  • Während die Berechnung der entsprechenden Umfeldareale um die Siedlungen lediglich ein rechentechnisches Problem darstellt, ist die Festlegung der Grenze dieser Gebiete ein grundlegendes. Basierend auf den Untersuchungen von Chisholm und von Bintliff habe ich mich für ein Umfeld in einer Entfernung von 15 Gehminuten für die tägliche agrarische Nutzung entschieden sowie für ein Umfeld in einer Gehentfernung von 1 Stunde für darüber hinaus gehende Aktivitäten wie Waldwirtschaft, Weide, usw. --------------- * M. Chisholm, Rural Settlement and Land Use (London 1962). J. Bintliff, Settlement and Territory. In: G. Barker (ed.), Companion Encyclopedia of Archaeology 1 (London, New York 1999) 505–545. J. Bintliff, Going to Market in Antiquity. In: E. Olshausen/H. Sonnabend (Hrsg.), Zu Wasser und zu Land. Verkehrswege in der antiken Welt. Stuttgarter Koll. Hist. Geogr. Altertum 7, 1999 (= Geographica Historica 17) (Stuttgart 2002) 209–250.
  • Allein aus der Betrachtung der Umfeldgrößen ergeben sich bereits interessante Aspekte für die Bewertung des Umfeldpotentials der Siedlungen innerhalb ihrer Regionen. Das Diagramm zeigt die Mittelwerte der 60 min-Umfeldgrößen aller Siedlungen eines Arbeitsgebietes (in rosa), verglichen mit den Umfeldgrößen der „Fürstensitze “ und anderer bedeutender Siedlungen (in dunkelrot). Im interregionalen Vergleich differieren die Medianwerte - mit Ausnahme des Maindreiecks - nur unwesentlich. Sie folgen also offensichtlich ähnlichen Mustern, die sich natürlich aus der Wahl der Lage des Siedlungsplatzes ergeben. Dagegen sind die Größen der Umfelder um die herausragenden Sieldungsplätze meist deutlich geringer, als die der gleichzeitigen „regulären “ Siedlungen im gleichen Untersuchungsgebiet. Dies wird besonders deutlich im Bereich des Nördlinger Ries mit dem Ipf und den beiden zu seine Füßen liegenden Rechteckhöfen von Osterholz „Zaunäcker “ und „Bugfeld“ (KLICK), wo die erreichbaren und damit schnell nutzbaren Areale deutlich kleiner sind als im Mittel bei den gleichzeitigen regulären Siedlungen. Lediglich der nahe gelegene, ebenfalls in der Hallstattzeit befestigte Goldberg (KLICK) befindet sich in einer Lage, die die Einbeziehung eines weiteren Umfeldes erlaubt.
  • Ich möchte dies dahin gehend deuten, dass sowohl der Ipf als auch die Anlagen von Zaunäcker und Bugfeld weniger als Ausgangspunkte für eine überwiegend landwirtschaftliche Umlandnutzung zu sehen sind, sondern dass ihre Rolle im Siedlungsgefüge anderer Natur war. Die möglicherweise rituelle Bedeutung zumindest der Anlage von Osterholz-Bugfeld sowie die Bedeutung des Ipfs selbst als möglicher Handelspunkt aber auch als Landschaftsmarke zeigen hier alternative Erklärungsansätze im Gegensatz zur möglicherweise doch eher agrarisch zu interpretierenden Bedeutungsgrundlage des Goldberges.
  • Kommen wir noch einmal zurück auf den Begriff der Zentralität. Neben der zentralen Bedeutung kann für die „Fürstensitze “ ja auch immer eine zentrale Lage innerhalb einer Landschaft oder gar eines Territoriums vermutet werden. Die Annahme, ein zentraler Ort bzw. ein Ort mit zentralörtlichen Funktionen müsse immer im Zentrum eines Territoriums liegen, ist zunächst einmal für die „Fürstensitze “ der frühen Eisenzeit nicht belegbar, u. a. auch, weil weder die Art und Lage, ja letztlich nicht einmal die Existenz von Territorien im Sinne eines politischen Macht- und Einflussgebietes für diese Zeitstufen bislang bekannt sind. Vielleicht ist auch gerade die Grenzlage zu Nachbarterritorien oder allgemeiner in einer Kontaktzone zu Nachbargebieten ein viel wichtigerer Aspekt bei der Wahl eines Siedlungsplatzes? Zumindest bei den Oppida bzw. befestigten spätlatènezeitlichen Siedlungen am südlichen Oberrhein kann angenommen werden, dass diese zur (militärischen) Kontrolle eines Gebietes von dessen Rand aus angelegt wurden, eine zentral angelegte Siedlung mit zentral(örtlich)er Bedeutung muss darüber hinaus nicht immer archäologisch erkennbar sein. Strukturelle Unterschiede, z.B. in der Dauer und Intensität der Besiedlung, aber auch im Falle der „Fürstensitze“ durch die deutlich herausragenden Funde, mahnen allerdings zur Vorsicht bei der Übertragung dieses Modells auf die Hallstatt- und Frühlatènezeit. Eine Grenzlage kann unterschiedlich definiert sein, sie kann sich auf politische Territorien beziehen, sie kann aber auch in einem naturräumlichen Sinne verstanden werden. Die Kartierung zeigt die Grenzen der naturräumlichen Einheiten der 3. Ordnung und die Lage der untersuchten Plätze in Deutschland. Es zeigt sich eine klare Beziehung der „Fürstensitze “ zu den Naturraumgrenzen. Lediglich die Heuneburg und der Hohenasperg liegen deutlich über 2 Kilometer von einer Grenze entfernt, allerdings sind diese beiden Siedlungen auch lediglich maximal 5,5 Kilometer von einem größeren Gewässer entfernt, die wir, wenn auch vielleicht nicht immer als Grenze, so doch als Trenn- oder Übergangslinien auffassen können. Insgesamt lässt sich also festhalten, dass kein „Fürstensitz“ in Deutschland weiter als 5,5 Kilometer - oder ca. 1 Stunde Fußweg - vom nächst benachbarten Naturraum oder von einem größeren Gewässer entfernt liegt, in den meisten Fällen sogar deutlich unter 2 Kilometer. Daraus lässt sich zwanglos eine Bedeutung dieser Plätze als Übergangsorte im weitesten Sinne ableiten, sei es zwischen zwei oder mehr Naturräumen oder sei es als Handelsposten mit Bezug zu schiffbaren Gewässern. Ob diese Gewässer oder ob Naturraumgrenzen allgemein als Territorialgrenzen im politisch-sozialen Sinne gewirkt haben, ist durchaus denkbar. Allerdings sind diese Grenzen eher starrer Natur, wogegen wir schon allein auf Grund der Siedlungsdynamik in der frühen Eisenzeit mit sich verschiebenden Territorialgrenzen rechnen müssen. Jud 2000. Grenzlage Fürstensitze: - Breisach am Rhein? - Heuneburg an der Albgrenze - Glauberg an der Wetterau/Vogelsberggrenze - Ipf an der Riesgrenze ...
  • Werden wir nun tatsächlich vor dem Hintergrund all der Unwägbarkeiten und all der quellenkritischen Probleme der im Rahmen des SPP 1171 gestellten Aufgabe gerecht, ein differenziertes und aktuelles Bild von der Entstehung und der Bedeutung der sog. Fürstensitze zu zeichnen? Sind die Kelten tatsächlich, wie Dirk Krausse kürzlich schrieb, die ersten Städtegründer nördlich der Alpen? Oder greifen diese Vereinfachungen – selbst oder gerade wenn sie sich nicht an ein Fachpublikum wenden und vielleicht doch auch vorwiegend auf die Spätlatènezeit bezogen waren – nicht ein wenig zu kurz, angesichts der Komplexität des von uns über 6 Jahre analysierten Phänomens? Die Dynamik des Geschehens im 7. bis 4. Jahrhundert ist offensichtlich, und die Kartierung hier zeigt ja auch eindrücklich den regionalen Aspekt der Entwicklung, allein schon auf der Grundlage der sehr unterschiedlichen Siedlungsstellenzahlen in den drei von mir untersuchten Perioden. ------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Ich denke, ich konnte zeigen, dass es DEN FÜRSTENSITZ, wie ihn Kimmig aus der Kenntnis der Quellen seiner Zeit noch nachvollziehbar beschrieb, nicht gibt. Auch die anderen Projekte des SPP konnten zeigen, dass wir es mit einer überaus heterogenen Erscheinung zu tun haben. Gemeinsam ist den „Fürstensitzen “ ihre herausragende Stellung im Siedlungsgefüge ihrer Region, gemeinsam ist ihnen auch der Status als „Siedlung mit zentralörtlichen Funktionen“, aber nicht der einer frühen Stadt. Die Gründe, die zu ihrer Entstehung geführt haben und die den Wohlstand und vielleicht auch die Macht ihrer Bewohner – oder zumindest eines Teils ihrer Bewohner – begründet haben, sind je nach Landschaft, je nach kultureller und naturräumlicher Grundlage des Ortes sicher andere gewesen. Entscheidend war, dass die kulturellen, sozialen und politischen Rahmenbedingungen zu einer bestimmten Zeit zusammen mit den natürlichen Gegebenheiten geeignet waren, aus einer befestigten Höhensiedlung einen Ort mit herausragenderer Bedeutung entstehen zu lassen. Insofern werden wir uns sicher schwer tun, nach DER Ursache für eine Zentralisierung zu suchen, auch weil diese zum Teil im Umfeld der „Fürstensitze “ gar nicht oder aber zu anderen Zeiten fassbar wird. Dennoch haben alle Projekte des SPP 1171 über 6 Jahre miteinander ein differenziertes und aktuelles Bild gezeichnet, aber eben kein abschließendes – aber vielleicht wäre das auch ein bisschen zuviel verlangt gewesen? (D. Krausse, „Auf der Schwelle zur Hochkultur “ Damals 7-2009, 16-21, hier 16; weiter S. 18 Heuneburg=stadtartige Siedlung, S. 20 Mont Lassois=„Stadtplan“, stadtartige Anlage; S. 21 Glauberg: „… und die monumentalen Graben- und Wallsysteme des Glaubergs sprechen eher für einen rituell-religiösen als einen ökonomisch-urbanen Charakter dieser Anlage´“ – GLEICHSETZUNG URBAN-ÖKONOMISCH?; S. 21 Bourges „Hier stellt sich erneut die Frage, ob es bereits Städte vor den spätkeltischen oppida gab. Zumindest für Bourges wird man diese Frage bejahen wollen, denn für eine Siedlung, die eine Fläche von wenigstens vier Quadratkilometern einnimmt, erscheint die Bezeichnung „Fürstensitz“ wenig angemessen“)
  • Umland, Einfluss, Wirtschaftsraum

    1. 1. Umland, Einfluss, WirtschaftsraumÜberlegungen zu Herrschaft und Einfluss bei„frühkeltischen Eliten“Dr. Axel Posluschny M.A.DFG-Projekt „Fürstensitze“ & Umland / EU-Projekt ArchaeoLandscapes EuropeRömisch-Germanische Kommission desDeutschen Archäologischen InstitutsPalmengartenstr. 10-12D-60325 Frankfurtposluschny@rgk.dainst.dehttp://www.archaeolandscapes.eu
    2. 2. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Gliederung• Die Definition eines „frühkeltischen Fürstensitzes“• Beispiele für einige der untersuchten Anlagen• Analysebeispiele• Kernthesen des SPP 1171• Datenbasis & GIS-Methodik• Modelle für früheisenzeitliche Siedlungsstrukturen• Zentralorte und ihre zentralörtlichen Funktionen• Beispiele für Umlanduntersuchungen• Fazit – Ausblick auf eine Synthese?
    3. 3. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011„Fürstensitze“ – ein archäologisches Konstrukt?“Fürstensitz”Untersuchungs-gebiet
    4. 4. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011„Fürstensitze“ – Kriterien nach Kimmig 1969-Befestigte Siedlung in prominenter Lage,möglichst an einem Verkehrsweg-„Südimport“ - mediterrane Funde wie Amphoren,attisches Trinkgeschirr, Bronzegefäße-Unterteilung in Oberstadt („Akropolis“) undUnterstadt („Suburbium“)-Vorhandensein zugehöriger „Fürstengräber“
    5. 5. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011„Fürstensitze“ & „Herrenhöfe“• „Fürstensitz“• „Herrenhof“
    6. 6. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Der „Fürstensitz“ Heuneburg
    7. 7. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Der „Fürstensitz“ Heuneburg
    8. 8. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Der „Fürstensitz“ Heuneburg
    9. 9. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Sichtfeld Bussen( )Sichtfeld Heuneburg( )Prominenz und Sichtfelder
    10. 10. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Der Glauberg in seinem UmfeldHa Ha/Lt fLtSichtbarkeit des Glaubergs von gleichzeitigen Siedlungen derWetterau aus (maximale Sichtentfernung 10 km [oben] und 20 km[unten])Ha Ha/Lt fLt
    11. 11. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Der „Fürstensitz“ auf dem Glauberg
    12. 12. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Der „Fürstensitz“ auf dem Glauberg• Plateau:8 ha• „Annex“:12 ha• Gesamtaus-dehnung:> 200 ha (?)„Fürstengrab“Siedlungsplateau„Annex“Wall-/Grabensystem(z.T. rekonstruiert)„Prozessionsstrasse“Quelle/Teich
    13. 13. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011
    14. 14. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011
    15. 15. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Der Glauberg – Ein Kalenderbauwerk
    16. 16. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Der Glauberg – Ein Kalenderbauwerk
    17. 17. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Der Glauberg – Ein Kalenderbauwerk
    18. 18. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Mathematik & Astronomie© B. Deiss
    19. 19. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Kernfragen des SPP 1171-Konzentration der Macht?-Konzentration ökonomischen Reichtums?-Integration von lokalen und kleinregionalenGemeinschaften in überregionale Verbände?•Dazu:-Analyse der Siedlungsgefüge• (Quelle: http://www.fuerstensitze.de/1149)
    20. 20. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Projektregionen1: Marienberg(Würzburg)2: Glauberg(Wetterau)3: Heuneburg(Obere Donau)4: Ipf (Ries)5: Ehrenbürg(Oberfranken)6: Münsterberg(Breisach)7: StraubingerDonautal8: Hohenasperg(Neckar)9: Vladař(Böhmen)10: Zavist (Böhmen,nicht erfasst)11: Altmühltal12: Bad Dürkheim(Pfalz, nicht erfasst)
    21. 21. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Archäologische Daten• Aufgenommen werden:• alle Siedlungen• alle Gräber(felder)• 3 Epochen:- Urnenfelderzeit (ca. 1200–750 v. Chr.)- Hallstattzeit (ca. 750–450 v. Chr.)- Frühlatènezeit (ca. 450–250 v. Chr.)- Siedlungen (ca. 5800)- Gräber/Gräberfelder (ca. 7700, davon ca.5000 undatierte Grabhügel)- Sonstiges (Einzelfunde, Höhlen,Straßenbefunde, ...; ca. 1400)
    22. 22. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Naturraumdaten• Höhenbezug• Hangneigung• Hangausrichtung• Reliefenergie• Gewässerbezug• Bodengeologie (Entfernung zum Löß), Bodenart, Bodenschwere,Bodenzustandsstufe• Klima (Jahresniederschlag, Vollfrühlingsbeginn [Blühbeginn desApfels], Spätsommerbeginn [Gelbreife des Winterweizens])• Naturraumzugehörigkeit• ...
    23. 23. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.201116.09.2006aus: V. Gaffney/Z. Stančič, GIS approaches to regional analysis: A case study of the island of Hvar 2 (Ljubljana 1996)
    24. 24. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Fundstellen und Naturraum
    25. 25. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011UmfelduntersuchungenFundstelle Bodenarten-verteilungUmfeld um dieFundstelleBodenarten-verteilungim Umfeld umdie Fundstelle
    26. 26. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011„Kostenbasierte“ SiedlungsumfelderJeder Punkt innerhalb der Fläche istvon der Siedlung (rotes Quadrat) mitdem gleichen maximalen Aufwandzu erreichen(Grundlage: Hangneigung,breite Gewässer)
    27. 27. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Zentralisierung•Archäologie:•„Konzentration der Macht“•(http://www.fuerstensitze.de/1149)•Lexikon:•„in der Politik das Streben, alle Kompetenzen imStaat bei einer zentralen obersten Instanz zukonzentrieren“•(http://de.wikipedia.org/wiki/Zentralisierung)
    28. 28. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Zentralisierung•Archäologie:•„Ökonomischer Reichtum“•(http://www.fuerstensitze.de/1149)•Lexikon:•„in der Betriebswirtschaft die Zusammenfassung vongleichartigen oder ähnlichen Prozessen“•(http://de.wikipedia.org/wiki/Zentralisierung)
    29. 29. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Zentralisierung•„mit ersten Schritten einer Urbanisierungeinhergehenden Zentralisierungsprozesse“•„Eine methodische Herausforderung ist dasformulierte Ziel, die mit der Zentralisierungerwartungsgemäß einhergehende kulturelle undpolitische Integration von Lokalgruppen inüberregionale Verbände archäologischnachzuweisen.“• (Quelle: http://www.fuerstensitze.de/1149)
    30. 30. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Zentralorte – zentralörtliche Funktionen(nach Gringmuth-Dallmer 1999)
    31. 31. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Zentralorte – zentralörtliche Funktionen(nach Gringmuth-Dallmer 1999)
    32. 32. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Zentralörtliche Funktionen der „Fürstensitze“Marienberg Glauberg Heuneburg Ipf (Ehrenbürg) Brei-sach Hohenasperg (Vlada )řHerrschaft ? ? ? ? ? ? ? ?Schutz X X1X X X X X XHan-del ? ? X ?2?2X 0 ?3Handwerk 0 ?4X 0 X X 0 ?Kult 0 X50 ?60 0 0 01. Außenwall zur Reprä sentation? 4. Im Annexbereich?2. „Südimport“ 5. Kalenderbauwerk3. Nordital./Ostalpenraum – Bronzefigürchen 6. Grabenwerk Bugfeld?
    33. 33. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Klassifizierung der „Fürstensitze“Marienberg Glauberg Heuneburg Ipf (Ehrenbürg) Breisach Hohenasperg (Vlada )řKomplexesZentrum 0 0 0 0 0 0 0 0Siedlung mitmehreren zentral-örtl. Funktionen 0 X X 0 X X 0 0Siedlung miteiner zentralörtl.Funktion X 0 0 X 0 0 X X
    34. 34. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Zentralorte – zentralörtliche Funktionen
    35. 35. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011gleichmäßige Flächenstruktur InselstrukturStreustruktur LinienstrukturBesiedlungsstrukturennach Gringmuth-Dallmer 1996,Abb. 1
    36. 36. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Besiedlungsstrukturennach Gringmuth-Dallmer 1996,Abb. 1gleichmäßige Flächenstruktur InselstrukturStreustruktur Linienstruktur
    37. 37. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Besiedlungsstrukturen
    38. 38. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Besiedlungsstrukturennach Gringmuth-Dallmer 1996,Abb. 1gleichmäßige Flächenstruktur InselstrukturStreustruktur Linienstruktur
    39. 39. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Besiedlungsstrukturen
    40. 40. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Besiedlungsstrukturen
    41. 41. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Besiedlungshierarchiennach Gringmuth-Dallmer 1996, Abb. 5Prinzipiell gleichrangige Siedlungen, von deneneinzelnemit zentralen Funktionen ausgestattet sindPrinzipiell gleichrangige Siedlungen mit einemheraus-gehobenen Platz, von dem sie abhängig sind
    42. 42. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Komplexe Siedlungssystemenach Gringmuth-Dallmer 1996, Abb. 7BeispielMA/fNZKultplatzRingwallFernhandelsplatz„Fürstensitz“regionaler MarktAgrarsiedlungAgrarsiedlungmit Gewerbe
    43. 43. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011„Urbanität“, Bedeutung und Größe•Die Größe als Faktor für die Bedeutung der Siedlung:•Größenmaß – Einwohnerzahl vs. Siedlungsfläche•Belastbare Grenzwerte für die Klassifizierung von Siedlungstypen?Stadtbegriff nach Hänsel 1996:•Größe (Grenzwert?)•Geschlossenheit•Bauliche Differenzierung•Ökonomische Differenzierung•Fernbeziehung (gelegentlich? regelmäßig?)•Zentrumsfunktionen (welche?)•Nutzungsdauer (Grenzwert?)(B. Hänsel, Bronzezeitliche Siedlungssysteme und Gesellschaftsformenin Südosteuropa: vorstädtische Entwicklungen und Ansätze zurStadtwerdung (Forlì 1996) 241 – 251)Fallbeispiel Bourges:•„Hier stellt sich erneut die Frage, ob esbereits Städte vor den spätkeltischen oppidagab. Zumindest für Bourges wird man dieseFrage bejahen wollen, denn für eine Siedlung,die eine Fläche von wenigstens vierQuadratkilometern einnimmt, erscheint dieBezeichnung „Fürstensitz“ wenigangemessen“(D. Krausse, Auf der Schwelle zur Hochkultur. Damals 7-2009, 21)
    44. 44. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Interne GrößenentwicklungenGlaubergHeuneburgsHafLtPer. IVb/afLtPer. III-I
    45. 45. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Siedlungen und Hinterland
    46. 46. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Erreichbarkeit und Gelände02356-0.3 -0.25 -0.2 -0.15 -0.1 -0.05 0 0.05 0.1 0.15 0.2 0.25 0.3 0.35 0.4 0.45 0.5 0.55 0.6 0.65 0.7 0.75 0.8 0.85 0.9 0.95 12,50122,97963,54944,22825,03686,00005,03684,22823,54942,97962,50122,09971,76261,47961,24211,04270,87530,73480,61680,51780,43470,3649 0,3063 0,2571 0,2159 0,1812 0,1521v = 6e−3.5 s+0.05 v = walking speed (km/h)s = slope (mathematical)based on L. J. Goren ofl /N. Gale, Mapping Regional Settlement in Information Space. Journal Anthr. Arch. 9, 1990, 240–274
    47. 47. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011V. Gaffney/Z. Stančič, GIS approaches to regional analysis: A case study of the island of Hvar 2 (Ljubljana 1996)
    48. 48. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Hinterlandgrößen
    49. 49. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011HinterlandgrößenIpfGoldberg„Bugfeld“„Zaunäcker“
    50. 50. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011Zentrale Bedeutung vs. zentrale Lage
    51. 51. Graduiertentagung Herrschaftsräume & Einflusssphären - Basel, 18.–19.11.2011

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