Fachwerkbauweise in Frauenaurach Jutta Triantafyllidis                           Das Thema des diesjährigen „Tag des offen...
4 Giebelseite, Schwarzer AdlerSchauen wir uns einmal die repräsentative Giebelseite genauer an! Zunächst erkennen wir nurB...
Holznägel sorgen für die beständige Haltbarkeit. Fach-                                          werk ist eine Skelettbauwe...
9 Pfarrhaus, Giebelseite                                 10 Pfarrhaus, TraufseiteVergleichen wir die Fachwerkkonstruktion ...
14 Ehemalige Sägmühle, Baubeginn 168515 Ehem. Sägmühle, Fachwerk-Rekonstruktion, Nordgiebe
16 Klostermühle                                17 Klostermühle, Fachwerk-RekonstruktionDie Klostermühle, Klostermühlgasse ...
Zeichen wirtschaftlichen Niedergangs deuten. Aber es ist eher eine Sache des Zeitgeschmacks,die reichen barocken Fachwerkm...
Abbildungsnachweis1       Frauenaurach, Zeichnung Jutta Triantafyllidis2       Schwarzer Adler, Giebelseite, Foto Rainer M...
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Fachwerk in Frauenaurach

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  1. 1. Fachwerkbauweise in Frauenaurach Jutta Triantafyllidis Das Thema des diesjährigen „Tag des offenen Denkmals“ lautet ganz einfach „Holz“. Holz ist ein sehr altes, natürliches Baumaterial. Seit Jahrtausenden wird es vor allem in den etwas kühleren und bewalde- ten Regionen der Erde zum Hausbau benutzt. Holzhäuser haben Jahrhunderte überdauert, denn Holz ist beständig. Hier in Franken fällt einem zu diesem Thema spontan „Fachwerk- bauweise“ ein. Sie ist eine uralte und erprobte Art, Häuser zu kon- struieren. Aber hinter Fachwerkbauweise verbirgt sich ein sehr um- fangreiches Gebiet. Wie in der Steinbaukunst gibt es auch im Fach- werkbau unterschiedliche Stilepochen und vor allem regionale Unter- schiede. Fachwerkkonstruktionen lassen sich stets auf uralte Bautra- 1 Frauenaurach ditionen zurückführen. Wir wollen uns aber hier auf einen ganz klei- nen Ausschnitt beschränken, auf Fachwerkbauweise in Frauen- aurach.Auf Anhieb werden viele fragen: Wo sollen denn Fachwerkhäuser in Frauenaurach sein, da gibtes doch nur den „Schwarzen Adler“? Ja, leider erkennt man Fachwerk in Frauenaurach erst aufden zweiten Blick! Eine alte Verordnung verlangte, dass alle Fachwerkhäuser aus Feuerschutz-gründen verputzt werden sollten. Später gab es einen Trend, Fachwerkhäuser zu verputzen, umSteinhäuser vorzutäuschen. Steinhäuser galten damals als etwas Besseres. Heute würde man dasFachwerkwerk ganz gern wieder freilegen, wenn es nicht so kostspielig wäre.Aber 1979 kam eine junge Familie nach Frauenaurach. Sie erwarb das hässlichste Haus im Orts-kern, das ehemalige Gasthaus zum „Schwarzen Adler“, Herdegenplatz 1. Mit viel Mut und Enga-gement machten sie sich, zum großen Teil in Eigenleistung, an die Renovierung dieses Hauses.Sie hatten Phantasie und wussten, was sie aus daraus machen wollten. Sie legten das Fachwerkfrei. Nach drei arbeitsreichen Jahren war es dann so weit, jeder konnte das „neue“ Haus bewun-dern. Unter dem hässlichen Verputz erstrahlte ein Bilderbuchbeispiel fränkischen Fachwerks. Esist ein Schmuckstück für Frauenaurach geworden.2 Schwarzer Adler, 1979 3 Schwarzer Adler, 2007
  2. 2. 4 Giebelseite, Schwarzer AdlerSchauen wir uns einmal die repräsentative Giebelseite genauer an! Zunächst erkennen wir nurBalken, sie überwältigen uns. Aber bei längerem Hinschauen erkennen wir die Struktur und neh-men allmählich die Ordnung wahr. Wir sehen, dass sich einige Elemente wiederholen. 5 TeilansichtAuffallend sind zwei Figuren: „Wilder Mann“ oder auch K-Strebe genannt und „Andreaskreuz“.Diese Wiederholungen bewirken den ornamentalen Charakter des Fachwerks. Dabei sind alle ein-zelnen Teile genau aufeinander abgestimmt. Auf der Schwelle sind die Eckständer, Zwischenstän-der und Bundständer eingezapft. Diese werden durch verzapfte Riegel, Kopf- und Fußstreben,gehalten und stabilisiert. Den Abschluss bildet das Rähm.
  3. 3. Holznägel sorgen für die beständige Haltbarkeit. Fach- werk ist eine Skelettbauweise. Die Festigkeit eines Hauses hängt von der stabilen Balkenverbindung ab. Eck, Zwi- schen- und Bundständer sind wiederum mit den ins Stockwerk ragenden Tragebalken verbunden. Die Zimmer- leute waren die eigentlichen Schöpfer. 6 Verzapfung der BalkenMan unterscheidet zwischen Stützfachwerk und Schmuckfachwerk. Alle Balken, die für die Stabili-sierung notwendig sind, sind Stützelemente. Schmuckelemente dienen dagegen mehr demSchmuck und der Zierde. An unserem Beispiel gehören Andreaskreuz, doppelte Fußstreben undKopfbüge am oberen Ende der Eck- und Bundständer zum Schmuck.Wie alt ist der „Schwarze Adler“? In der Ortsgeschichte heißt es, in Frauenaurach sei nach dem30jährigen Krieg (1618 – 1648) alles verwüstet, zerstört und demoliert gewesen. Kein Mensch ha-be hier den langen Krieg überlebt. Die Häuser waren nicht mehr bewohnbar. Es dauerte eine Ge-neration, bis die Menschen wieder Mut fasten. Markgraf Christian Ernst wollte, dass sich in Frau-enaurach wieder Menschen ansiedelten. So begann ab 1680 eine rege Bautätigkeit. Inzwischensind auch die Baudaten des Schwarzen Adlers erforscht worden, der Baubeginn fällt genau in dasJahr 1680.Das Fachwerk weist eine gewisse Strenge auf. Vergleichen wir es mit anderen Beispielen im mit-telfränkischen Raum, die um 1700 errichtet worden sind, so lassen sich Ähnlichkeiten im Nürnber-ger und Fürther Land feststellen: K-Streben, verdoppelte Fußstreben, geschweifte Kopfbüge undsparsam verwendete Andreaskreuze sind auch hier in dieser Zeit üblich. Um 1700 knüpfte man,wie überall, an Baugewohnheiten vor dem 30jährigen Krieg an. 7 Oberbüchlein, Fürther Land, um 1700 8 Neuhof, Nürnberger Land, um 1700Wenden wir uns aber jetzt wieder den Fachwerkhäusern in Frauenaurach zu. Ein weiteres unver-putztes Fachwerkhaus stellt das Pfarrhaus dar, Wallenrodstraße 12. Man muss es suchen, dennes liegt nicht direkt an der Wallenrodstraße, sondern etwas versteckt dahinter. Der Baubeginn wirdmit 1695 angegeben.
  4. 4. 9 Pfarrhaus, Giebelseite 10 Pfarrhaus, TraufseiteVergleichen wir die Fachwerkkonstruktion mit der des Schwarzen Adlers. Auch hier finden wirdoppelte Fußstreben und Andreaskreuze unterhalb der Fenster. Kopfbüge sind nur auf der Giebel-seite im ersten Stock zu erkennen. Bei diesem Gebäude vermute ich, dass es einen Vorgänger vordem 30jährigen Krieg gab. Geübte Betrachter erkennen an der Giebelseite, dass hier ein spätererUmbau erfolgte.1770 wurden insgesamt auf der Giebelseite drei weitere Fenster eingebaut: zweiim ersten Stockwerk und im ersten Dachgeschoss noch eins dazu. Sehen wir uns einmal die An-dreaskreuze bei beiden Häusern genau an. Beim Schwarzen Adlers entdecken wir rechts und linksdes Kreuzes jeweils zusätzliche kurze Ständer.11 Pfarrhaus, Ausschnitt 12 Schwarzer Adler Ausschnitt 13 Sägmühle, AusschnittGehen wir nun noch zu einem dritten stattlichen und ebenfalls zweigeschossigen Gebäude, zurehemaligen Sägmühle, Wallenrodstraße 24. Der Nord-Giebel, den man von der HerzogenauracherStraße gut sehen kann, zeigt, dass er einst verputzt war, inzwischen ist der Putz stellenweise ab-gebröckelt. So kann man das darunter liegende Fachwerk erkennen. Der Baubeginn wird mit 1685angegeben. Im Gegensatz zu den anderen beiden Häusern wurde hier nur der Giebel im Dachbe-reich in Fachwerkbauweise ausgeführt.*) Auch hier wieder doppelte Fußstreben, Andreaskreuz mitkurzen Ständern rechts und links und mit Kopfbügen an den Bundständern, alles ist ähnlich demSchwarzen Adler.*)Konrad Rottmann (Stadtheimatpfleger in Erlangen): „Vermutlich/wahrscheinlich war der Nordgiebel ursächlich komplett aus Fach-werk!! Das EG- und OG-Mauerwerk scheint mir nicht sonderlich alt zu sein!“
  5. 5. 14 Ehemalige Sägmühle, Baubeginn 168515 Ehem. Sägmühle, Fachwerk-Rekonstruktion, Nordgiebe
  6. 6. 16 Klostermühle 17 Klostermühle, Fachwerk-RekonstruktionDie Klostermühle, Klostermühlgasse 11, ist ein beeindruckender Giebelbau, der in der Zeit um1680 wieder hergerichtet wurde. Man kann davon ausgehen, dass das Gebäude schon vor dem30jährigen Krieg stand*). Das Giebelfachwerk konnte auf Grund der Innenansicht des Dachgiebelsrekonstruiert werden. Auch hier sehen wir doppelte Fußstreben, Andreaskreuze unter den Fens-tern und an den Bundständern Kopfbüge.Doppelte Fußstreben, Andreaskreuze unter den Fenstern und Kopfbüge an den Bundständernhabe ich gemeinsam an einem Fachwerkhaus bisher nur in Frauenaurach gesehen. Es ist typischfür Frauenauracher Fachwerkhäuser, die ab 1680 in Frauenaurach gebaut wurden. Das liegt vorallem an den Zimmerleuten, die damals in Frauenaurach tätig waren. Auf Anhieb hat man den Ein-druck, dass alle Häuser gleich aussehen, aber wie wir bereits gemerkt haben, gibt es doch großeUnterschiede. Kein Haus ist genau wie das andere. Genau das macht den Reiz örtlicher Fach-werkbauweise aus, sie sind ähnlich, aber nicht gleich.Dachgeschosse waren damals nicht bewohnt, hier waren Lagerräume. Es waren deshalb keineteuren Glasfenster nötig. Die Öffnungen wurden nur mit hölzernen Läden geschlossen. Ganzoben im Giebel befand sich bei allen Häusern eine Aufzugsluke unter einem kleinen vorspringen-den Dächlein, um Lagergut in das Dachgeschoss zu transportieren. Der Zugang zu allen Häusernwar stets an der Traufseite, nie an der Giebelseite. Im Erdgeschoss waren Gewerberäume und imersten Stock befanden sich die Wohnräume. Die Fachwerkwände in den Erdgeschossen wurden inspäterer Zeit häufig durch Steinmauern ersetzt.Nun haben wir in Frauenaurach noch zwei weitere Fachwerkhäuser, die bisher nicht erwähnt wur-den, obwohl ihr Fachwerk frei zu sehen ist. Sie unterscheiden sich jedoch auffallend von den bis-her erwähnten Gebäuden. Doppelte Fußstreben, Andreaskreuze und Kopfbüge an den Bundstän-dern suchen wir vergebens. Was ist passiert? Schaut man auf die Bauzeit diese Häuser, dannstellt man fest, dass zumindest das eine, 100 Jahre nach den bisher besprochenen Häusern ent-standen sind.Zum Ende des 18. Jahrhunderts wird in vielen Teilen Frankens reiches Schmuckfachwerk immerseltener. Hauptsächlich konstruktive Fachwerkbauweise wird noch angewandt, das Fachwerk hatnur stützende Funktion. Man spricht deshalb auch von Stützfachwerk. Man könnte dies als ein*) Laut Forschungsergebnissen von Manfred Kellner
  7. 7. Zeichen wirtschaftlichen Niedergangs deuten. Aber es ist eher eine Sache des Zeitgeschmacks,die reichen barocken Fachwerkmuster wurden ganz einfach als unmodern empfunden.Es gibt nur noch gerade klassische Formen. So entsteht eine Art „Gitterfachwerk aus dichtgereih-ten senkrechten…Ständern mit wenigen wandhohen Streben, die in ihrer schwachen Neigung nurwie leicht gekippte Ständer wirken.“ *)18 Kantoratshaus, 1795 19 Wohnhaus, Wallenrodstraße 12, Ende 18. Jh.Das Kantoratshaus wurde 1680 als Kantorats- und Schulgebäude erbaut. Nach 100 Jahren war esbereits baufällig und musste 1795 durch einen Neubau ersetzt werden. Bis 1889 fungierte es alsKantorat und Schule. Danach war es Mesnerhaus.Ähnlich könnte es beim Wohnhaus in der Wallenrodstraße 12 gewesen sein. Es ist anzunehmen,dass das Haus bereits um 1680 erbaut worden war, aber vielleicht einen Schaden erlitten hatte, sodass das Fachwerk erneuert werden musste.*²) Im ersten Stock können wir auf der Giebelseite anden Eckständern sogar noch Kopfbüge erkennen. Später wurde das Haus verputzt, 1988 wiederfreigelegt und 2011 renoviert.Fast alle Häuser in der Wallenrodstraße, im Ellenbogen und am Herdegenplatz sind verputzteFachwerkhäuser. Die meisten entstanden um 1700 als Handwerkerhäuser, weil der MarkgrafChristian Ernst in Frauenaurach Handwerker ansiedeln wollte.*)Konrad Bedal: Fachwerk in Franken, S. 21*²) Konrad Rottmann: „Das Fachwerk bei ‚Phillips-Haus‘ ist nur bedingt (jünger, d.h. nach 1780) erneuert. Auf der Innenseite des Außen-fachwerks war eine ‚historische Innendämmung ‘aus horizontalen Bohlen mit Holznägel und Lehmschlag angebracht.“
  8. 8. Abbildungsnachweis1 Frauenaurach, Zeichnung Jutta Triantafyllidis2 Schwarzer Adler, Giebelseite, Foto Rainer Müller3 Schwarzer Adler, Foto Rolf Krahl – Wikimedia Common4 Giebelseite, Schwarzer Adler, Zeichnung Jutta Triantafyllidis5 Teilansicht, Zeichnung Jutta Triantafyllidis6 Verzapfte Balken, Zeichnung Jutta Triantafyllidis (nach Bedal*)7 Oberbüchlein, Fürther Land, um 1700, Foto Konrad Bedal, in „Fachwerk in Franken“, S. 1988 Neuhof, Nürnberger Land, um 1700, Foto Alfred Höhn, in „Fachwerkbauten in Franken“, S. 1989 Pfarrhaus, Giebelseite, Foto Jutta Triantafyllidis (überarbeitet)10 Pfarrhaus, Traufseite, Foto Jan Eric Löbe – Wikimedia Common11 Pfarrhaus, Ausschnitt, Foto – Abb. 1012 Schwarzer Adler, Ausschnitt, Foto – Abb. 313 Ehemalige Sägmühle, Ausschnitt, Foto – Abb. 1414 Ehemalige Sägmühle, Giebelseite, Baubeginn 1685, Foto Jan Eric Löbe – Wikimedia Common15 Ehemalige Sägmühle, Fachwerk-Rekonstruktion, Giebelseite , Zeichnung Jutta Triantafyllidis16 Klostermühle, Erneuerung 1680, Foto Jutta Triantafyllidis17 Klostermühle, Fachwerk-Rekonstruktion, überarbeitetes Foto – Jutta Triantafyllidis18 Wohnhaus, Wallenrodstr. 12, Ende 18. Jh., Foto Jan Eric Löbe – Wikimedia Common19 Kantoratshaus, 1795, Foto Jan Eric Löbe – Wikimedia Common*) Konrad Bedal „Fachwerk in Franken“, S. 63Verwendete LiteraturArbeitskreis für Hausforschung, Hausbau im Mittelalter Bad Windsheim 1983Hrsg.: Band 33Fachwerk in FrankenBedal Konrad Fachwerk in Franken Hof 1980Bedal Konrad Fachwerk vor 1600 in Franken Bad Windsheim 1990Bedal Konrad Historische Hausforschung 1978Bedal Konrad Ländliche Bauten aus Franken Bad Windsheim 1988Binding Günther u. a. Kleine Kunstgeschichte des deutschen Fachwerkbaus Darmstadt 1989Großner Rudolf Bilder aus Frauenaurach Erlangen 1983Höhn Alfred Fachwerkbauten in Franken Würzburg 1980Kellner Manfred Text: Die Sägmühle zu Frauenaurach Frauenaurach 2011Triantafyllidis Jutta Fränkisches Freilandmuseum - museumspädagogische Ansätze Erlangen 1989Triantafyllidis Jutta Darstellung des Fachwerks im Unterricht Ansbach 1983 In: Mitteilungsblätter für LehrerTriantafyllidis Jutta Unterlagen für Lehrerfortbildung: Fachwerk in Franken 1981Triantafyllidis, Jutta Frauenaurach, Werdegang einer ursprünglich mittelalterlichen An- Erlangen 1986 siedlung In: Erlangen erkundenWikipedia, freie Enzyklopädie Liste der Baudenkmäler in Erlangen-Frauenaurach Internet 2012i
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