Wenn die eigene Institution zum Tatort wird...

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Wenn die eigene Institution zum Tatort wird...

  1. 1. Wenn die eigene Institution zum Tatort wird… Fachtagung Traumapädagogik in Bewegung Ursula Enders mit Illustrationen von Dorothee Wolters 06.07.2013
  2. 2. Wenn Mädchen und Jungen heute nicht vor sexuellem Missbrauch geschützt werden… wenn heute betroffene Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene keine angemessene und ausreichende Hilfe bekommen… dann werden wir in 20 Jahren die heutigen Fälle sexuellen Missbrauchs aufarbeiten müssen.
  3. 3. Vermutumg eines sexuellen Missbrauchs
  4. 4. Umgang mit Vermutung erfordert: Klarheit über die eigene Rolle
  5. 5. Vermutung oder Verdacht? Aufgabe der Strafverfolgungsbehörden: Abklärung eines Verdachts Aufgabe von Schule und Jugendhilfe: Abklärung einer Vermutung Sicherstellung des Kindeswohls und Fürsorgepflicht für Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen
  6. 6. Schule/Jugendhilfe/Vereine Maßstab der Bewertung = Standards fachlichen Handelns
  7. 7. Schule/Jugendhilfe/Vereine Differenzierung zwischen • Grenzverletzungen • Übergriffen • strafrechtlich relevanten Formen der Gewalt
  8. 8. Sexueller Missbrauch durch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wird strategisch durch Grenzverletzungen vorbereitet. Wenn es gelingt, Grenzverletzungen und Übergriffe zu stoppen, wird sexueller Missbrauch verhindert.
  9. 9. Jeder Mitarbeiter/jede Mitarbeiterin hat ein Recht auf Schutz vor Verleumdungen. Grenzverletzungen/Übergriffe sachlich zu benennen, ist keine Verleumdung und kein Verrat, sondern Ausdruck fachlicher Verantwortung für den Schutz von Mädchen und Jungen.
  10. 10. Abklärung einer Vermutung erfordert: Wissen
  11. 11. Abklärung einer Vermutung • Wissen über …  Täter und Täterinnen  institutionelle Dynamiken bei sexuellen Grenzverletzungen  Risikofaktoren
  12. 12. Abklärung einer Vermutung • Wissen über …  Hinweise von Mädchen und Jungen, jungen Frauen und Männern • Verhaltensweisen/-auffälligkeiten • Aussagen  objektive Hinweise (z.B. kinderpornografische Produkte, Eintragungen bei Facebook, körperliche Spuren, Spuren auf Kleidung)
  13. 13. Abklärung einer Vermutung Fakten
  14. 14. Im Fokus der Medien
  15. 15. Täter und Täterinnen • nur 5-12% aller Täter sind pädosexuell • in Institutionen ist der Anteil vermutlich etwas höher
  16. 16. Zentrales Thema der Praxis
  17. 17. Zentrales Thema der Praxis
  18. 18. Zentrales Thema der Praxis
  19. 19. Zentrales Thema der Praxis
  20. 20. Thema der Praxis… Pädosexuelle Täter
  21. 21. Thema der Praxis…
  22. 22. Thema der Praxis…
  23. 23. Strategien der Täter und Täterinnen
  24. 24. Täter und Täterinnen tragen Masken
  25. 25. Beispiel: Maske des Opfers (z.B. Missbrauch, Krankheit, häusliche Gewalt) Ein Arbeitsplatz ist kein Therapieplatz. Es ist die Verantwortung von Fachkräften, sich bei persönlichen Belastungen professionelle Hilfe zu holen.
  26. 26. Beispiel: Maske des „armen Schluffen“ oder „Dauerjugendlichen“ Männer und Frauen, die von Erwachsenen nicht ernst genommen werden, sind für die pädagogische Arbeit nicht geeignet!
  27. 27. Täter und Täterinnen haben zwei Gesichter
  28. 28. Täter und Täterinnen vernebeln die Wahrnehmung der Umwelt
  29. 29. Verführung
  30. 30. Demütigung und Machtdemonstration
  31. 31. Intrigen säen!
  32. 32. Typische Täterstrategien im Kontakt mit Mädchen und Jungen
  33. 33. Kontaktaufnahme zu potenziellen Opfern Beispiel: Mädchen und Jungen mit Behinderungen
  34. 34. Gelegenheiten schaffen Beispiel: Schlafsituation Dein Bett gehört dir! Niemand hat das Recht, sich auf dein Bett zu setzen!
  35. 35. Gelegenheiten schaffen Beispiel: Schlafsituationen Dein Schlafsack ist dein Privatbereich!
  36. 36. Testrituale Beispiel: Kosenamen und Spitznamen (z.B. „Schätzchen“, „Dickerchen“) Mädchen und Jungen werden mit ihrem Vornamen und niemals mit Kose- oder Spitznamen angesprochen.
  37. 37. Testrituale Beispiel: sexuell grenzverletzende Kleidung (viel Haut, transparent, Genitalien abzeichnend… ) Mitarbeiter/innen tragen eine ihrer pädagogischen Tätigkeit entsprechende Kleidung, die nicht zu einer Sexualisierung der Atmosphäre beiträgt.
  38. 38. Verführen und Widerstand brechen  Probleme der Opfer regeln (z.B. Fehlverhalten nicht bestrafen)  Opfern besonders hohen Status innerhalb der Gruppe/der Institution vermitteln  Sonderrechte gewähren
  39. 39. Drohung
  40. 40. Aktive Beteiligung einreden
  41. 41. Bedeutung der Täterstrategien für die institutionelle Dynamik
  42. 42. Der Täter steht im Fokus
  43. 43. Opfer werden vergessen
  44. 44. Täter gilt als Opfer falscher Verdächtigungen
  45. 45. Kindliche Zeuginnen und Zeugen werden übersehen
  46. 46. Die Opfer und ihre Vertrauenspersonen werden gemobbt.
  47. 47. Nach der Aufdeckung: Die Anwesenheit des abwesenden Täters (Ursula Enders)
  48. 48. Intrigen des Täters wirken noch
  49. 49. Täter manipuliert von außen die institutionelle Dynamik
  50. 50. Missbrauch in Institutionen Belastungen der Opfer: • öffentliche Opfer • (sehr häufig) mehrere Kinder und/oder Jugendliche in Handlungen verstrickt • Schweigen, um Peergroup und/oder sich selbst nicht zu „verraten“
  51. 51. Abklärung einer Vermutung erfordert Risikoanalyse der institutionellen Strukturen
  52. 52. Sexueller Missbrauch bzw. sexuelle Übergriffe in Institutionen • nicht allein aus einer Täter/OpferKonstellation heraus • immer eingebettet in die Struktur und das System einer Institution
  53. 53. Missbrauch und institutionelle Strukturen Risikofaktoren: • geschlossene Systeme • autoritäre und verwahrloste Leitungsstrukturen • schlechte/geringe Kooperation mit anderen Institutionen • unzureichende Trennung zwischen privaten und beruflichen Kontakten
  54. 54. Missbrauch und institutionelle Strukturen Risikofaktoren: • unzureichende Verankerung der Kinderrechte • rigide oder diffuse institutionelle Regeln • unzureichendes Beschwerdemanagement • besonderer Status der Institution in der Öffentlichkeit • (z.B. Eliteinternat, Spitzensport)
  55. 55. Missbrauch und institutionelle Strukturen Risikofaktoren: • Missachtung der Grenzen zwischen den Generationen • konzeptionelle Mängel  traditionelle Mädchen- und Jungenbilder  rigide oder persönliche Grenzen missachtende Sexualerziehung  keine/ kaum Prävention gegen sexualisierte Gewalt • Vernachlässigung der Jugendschutzbestimmungen • Vernachlässigung des Opferschutzes bei sexuellen Übergriffen
  56. 56. Umgang mit sexualisierter Gewalt in Institutionen
  57. 57. Keine Fokussierung auf das Opfer
  58. 58. Alle Hinweise berücksichtigen Verhalten des Täters Aussagen des Kindes Hinweise anderer Mädchen und Jungen Objektive Beweise
  59. 59. angemessene und notwendige Hilfen für alle Ebenen der Institution
  60. 60. Nachhaltige Aufarbeitung
  61. 61. Institutionelles Schutzkonzept
  62. 62. Gleich geht’s weiter …

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