Thomas Nesseler: Pressearbeit für wissenschaftliche Fachgesellschaften

1.388 Aufrufe

Veröffentlicht am

Wissenschaftliche Fachgesellschaften organisieren teilweise mit einer langen Tradition Diskurse für ihre akademischen Fachgebiete. Geistes- und Sozialwissenschaftler sind oftmals ebenso in Verbänden organisiert wie Wirtschaftwissenschaftler, Juristen oder Naturwissenschaftler und Ärzte.
Gerade im medizinischen Umfeld gibt es eine Vielzahl von wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften, die heute aktiver denn je ihre Teilhabe an wissenschafts- oder gesundheitspolitischen
Entscheidungen einfordern. Dabei spielt die Beratung von Multiplikatoren der öffentlichen
und veröffentlichten Meinung sowie die Kommunikation mit der breiten Öffentlichkeit eine große Rolle, wenn es gilt, Mehrheiten und Stimmungsbilder in der „res publica“ zu organisieren. Am Beispiel der beiden wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften für Psychiatrie und ärztliche
Psychotherapie, der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde
(DGPPN) sowie der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik
und Psychotherapie (DGKJP), sollen Möglichkeiten einer modernen Wissenschaftskommunikation
mit relevanten Teilfeldern der Gesellschaft beschrieben werden.

Veröffentlicht in: Business
0 Kommentare
0 Gefällt mir
Statistik
Notizen
  • Als Erste(r) kommentieren

  • Gehören Sie zu den Ersten, denen das gefällt!

Keine Downloads
Aufrufe
Aufrufe insgesamt
1.388
Auf SlideShare
0
Aus Einbettungen
0
Anzahl an Einbettungen
1
Aktionen
Geteilt
0
Downloads
9
Kommentare
0
Gefällt mir
0
Einbettungen 0
Keine Einbettungen

Keine Notizen für die Folie

Thomas Nesseler: Pressearbeit für wissenschaftliche Fachgesellschaften

  1. 1. F 7.1 Schlafende Riesen im Kommunikationsprozess? Best Practice: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für wissenschaftliche Fachgesellschaften Thomas Nesseler Wissenschaftliche Fachgesellschaften organisieren teilweise mit einer langen Tradition Diskurse für ihre akademischen Fachgebiete. Geistes- und Sozialwissenschaftler sind oftmals ebenso in Ver- bänden organisiert wie Wirtschaftwissenschaftler, Juristen oder Naturwissenschaftler und Ärzte. Gerade im medizinischen Umfeld gibt es eine Vielzahl von wissenschaftlich-medizinischen Fach- gesellschaften, die heute aktiver denn je ihre Teilhabe an wissenschafts- oder gesundheitspoliti- schen Entscheidungen einfordern. Dabei spielt die Beratung von Multiplikatoren der öffentlichen und veröffentlichten Meinung sowie die Kommunikation mit der breiten Öffentlichkeit eine große Rolle, wenn es gilt, Mehrheiten und Stimmungsbilder in der „res publica“ zu organisieren. Am Beispiel der beiden wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften für Psychiatrie und ärztli- che Psychotherapie, der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheil- kunde (DGPPN) sowie der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychoso- matik und Psychotherapie (DGKJP), sollen Möglichkeiten einer modernen Wissenschaftskommu- nikation mit relevanten Teilfeldern der Gesellschaft beschrieben werden. Gliederung Seite 1. Wissenschaft kommunizieren: Vom Übersetzen zum Begreifen 2 2. Wissenschaft goes public: Ein Kongress wächst 3 2.1 Strategie und Planung im Detail 4 2.2 Pressearbeit: Experten-Laien-Dialog in der Praxis 5 2.3 Öffentliche Veranstaltungen: Laien fragen, Experten antworten 6 2.4 Zielgruppe Lehrer und Schüler 7 3. Experten im Dialog: Beratung all inclusive 8 4. Gutenberg lässt grüßen: Von „Psychiater im Netz“ zur Kunst des Buches 9 4.1 Zielgruppe Laien 9 4.2 Öffentliche Wissenschaft im Buch 10 4.3 Wissenschaft muss sich in öffentliche Debatten einmischen 11 5. Fazit 12 HWK 1 07 09 12 1
  2. 2. F 7.1 Zielgruppen im Visier: Wie gewinne ich Studierende, Mitarbeiter, Ehemalige? Spezifische Zielgruppen erreichen 1. Wissenschaft kommunizieren: Vom Übersetzen zum Begreifen Die wissenschaftliche Fachgesellschaft der Erwachsenenpsychiater, die DGPPN, ist in Deutschland mit fast 5.000 Mitgliedern die größte und älteste wissenschaftliche Vereinigung auf diesem Gebiet, während die DGKJP fast 900 Mitglieder vertritt, die im Bereich Kinder- und Jugendpsychiatrie wissenschaftliche Interessen verfolgen. Vorläufer- organisationen der DGPPN reichen bis ins Jahr 1842 zurück, bei der DGKJP bis in die Dreißigerjahre des letzten Jahrhunderts. Inzwischen vertreten die Fachgesellschaften nicht nur mehr die Interessen von Medizinern, sondern auch von anderen akademischen Berufsgruppen, die im Bereich Psychiatrie, Psychosomatik, Psychotherapie oder Ner- venheilkunde arbeiten und über einen Universitätsabschluss verfügen, so etwa Psychologische Psychotherapeuten oder Grundlagenwissen- schaftler aus den Natur- und Sozialwissenschaften. Wie viele andere Fachgesellschaften in Deutschland, sind DGPPN und DGKJP als ein- getragene Vereine mit Gemeinnützigkeitsstatus organisiert. Strategi- sche Planung und operatives Geschäft liegen in den Händen eines Vorstandsgremiums, dem ein Präsident mit zweijähriger Amtszeit als Primus inter Pares vorsteht. Teilhabe an öffentlichen Diskursen Fachgesellschaften als Die Kommunikation mit Zielgruppen außerhalb des Fachgebietes, also bedeutsame Mittler mit Angehörigen, Patienten, Selbsthilfegruppen, Journalisten, der Poli- tik oder der interessierten Öffentlichkeit, war lange Zeit wenig profes- sionell organisiert. Die Public-Understandig-of-Science-Bewegung machte Anfang der Achtzigerjahre auch nicht vor wissenschaftlichen Fachgesellschaften Halt, sondern führte zu einer Diskussion, wie rele- vante Inhalte und aktuelle Fragen besser außerhalb des eigenen Fach- gebietes zu kommunizieren seien. Denn gerade Fachgesellschaften verfügen über ein hohes Wissenspotenzial. Aktuelle Forschungsfragen und die daraus resultierende Diskussion wissenschaftlicher Fragen des Fachgebiets, die relevant sind für die Politik in Wissenschaft, Gesell- schaft oder in den Gesundheits- und Sozialsystemen, stehen immer wieder auf der Agenda. Die DGPPN und DGKJP sind beispielsweise federführend bei der Entwicklung von Leitlinien und Maßnahmen der Qualitätssicherung in der Krankenversorgung für das Fachgebiet Psy- chiatrie und Psychotherapie. Darüber hinaus hat die DGPPN das „Aktionsbündnis für Seelische Gesundheit“ initiiert, um der Stigmatisierung von Menschen mit psy- chischen Erkrankungen in unserer Gesellschaft entgegenzuwirken. In diesem Bündnis, das sich als gesellschaftliche Bewegung versteht, sind heute über 60 Organisationen und Institutionen auch außerhalb des Fachgebietes organisiert, um für eine größere Akzeptanz bei The- men im Kontext von psychischen Erkrankungen bzw. seelischer Ge- 2 HWK 1 07 09 12
  3. 3. Zielgruppen im Visier: Wie gewinne ich Studierende, Mitarbeiter, Ehemalige? F 7.1 Spezifische Zielgruppen erreichen sundheit zu werben. Dies mögen nur einige wenige Beispiele sein, die zeigen, dass wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaften weit über ihr Fachgebiet hinaus wahrgenommen werden, wenn sie es ver- mögen, fachwissenschaftliche Inhalte in Kontexte zu überführen, die auch von Nichtexperten, den sogenannten Laien, verstanden werden. Wenn man bedenkt, dass wir alle in den meisten Wissensgebieten Komplexes für den i. d. R. keine Experten sind, dann wird man dem Gedanken mit etwas Einzelnen verstehbar weniger Affekt begegnen können und das „Über-setzen“ im wahrsten machen Sinne des Wortes für den Königsweg halten, um komplexe Inhalte und Zusammenhänge verstehbar werden zu lassen. Nur in der Translation von wissenschaftlichen Inhalten wird dem damit verbundenen „Be- greifen“ als einem kognitiven Vorgang, der sich im Verstehen von Welterfahrung vollendet, eine Tür geöffnet, so dass Wissen nachhaltig für jeden Einzelnen nutzbar wird. Im Prinzip verfügen wir alle über diese Erfahrungen, denn seit den ersten Schritten in unserer Sozialisa- tion, als wir im Kindsein die Gegenstände, die uns interessierten, er- griffen, um diese zu begreifen, wiederholen wir diesen Vorgang immer wieder aufs Neue, um uns die Welt und deren Objekte anzueignen. Es dauerte jedoch noch bis Ende der Neunzigerjahre, bis die Fachge- Kongresse für die sellschaft allmählich Kommunikationsansätze entwickelte, die den Außendarstellung Maßstäben einer modernen, integrierten Kommunikation entsprechen. Eine wichtige Funktion in der Außendarstellung hatten – und hier ist die DGPPN im Vergleich zu vielen anderen wissenschaftlichen Fach- gesellschaften keine Ausnahme – die ein- oder zweijährlich stattfin- denden Jahrestagungen bzw. Kongresse. Gerade diese „Events“ hatten oftmals einen Anteil daran, dass die Arbeit einer wissenschaftlichen Fachgesellschaft auch von anderen Publika wahrgenommen wurde. 2. Wissenschaft goes public: Ein Kongress wächst Wie für viele andere wissenschaftliche Fachgesellschaften, so gehören Instrument zur sowohl für DGPPN als auch DGKJP die wissenschaftlichen Tagungen Mitgliederbindung zu den Höhepunkten im Vereinsleben. Aufgrund eines zielgruppenori- entierten Teilnehmermarketings und dank eines weit gefächerten Pro- grammangebotes, das Grundlagenforschung und Versorgungsfragen zu verbinden weiß, konnte die DGPPN die Zahl der Kongressbesucher von ursprünglich 800 fast verzehnfachen: Zum letzten Kongress im November 2008 kamen fast 8.000 Teilnehmer. Über 1.250 Referenten berichteten in mehr als 500 Veranstaltungen über den aktuellen For- schungs- und Versorgungsstand in Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. HWK 1 07 09 12 3
  4. 4. Zielgruppen im Visier: Wie gewinne ich Studierende, Mitarbeiter, Ehemalige? F 7.1 Spezifische Zielgruppen erreichen Literaturhinweise und nützliche Links [1] Nesseler, Thomas (2003): Neue Wege der Wissenschaftskommunikation. In: Bentele, Günter; Piwinger, Manfred, Schönborn, Gregor (Hrsg.): Kommunikati- onsmanagement (Loseblattwerk). Neuwied. [2] Informationen zum Aktionsbündnis für Seelische Gesundheit: http://www.seelischegesundheit.net/ [3] Weiterführende Informationen über die DGPPN: http://www.dgppn.de/ bzw. DGKJP: http:www.dgkjp.de bzw. zu den Kongressen unter http:dgppn- kongress.de sowie http:dgkjp-kongress.de [4] Übersicht über Medienaktivitäten beider Fachgesellschaften u. a. im Archiv zum DGPPN Kongress 2008: http://www.dgppn.de/de_kongress2008- medien_202.html bzw. Beiträge DHD: http://dhd-news.de/event/310/dgppn- kongress-2008 sowie zum DGKJP Kongress 2009: http://www.dgkjp.de/de_kongressearchiv_77_13.html [5] Expertenservice DGPPN unter http://www.dgppn.de/de_expertenservice_50.html [6] Laienseite der DGPPN und der DGKJP im Internet: http://www.neurologen-und- psychiater-im-netz.de/npin/show.php3?id=1&nodeid [7] Nesseler, Thomas; Hohagen, Fritz (Hrsg.) (2006): Wenn Geist und Seele strei- ken. Handbuch psychische Gesundheit. München. [8] Nesseler, Thomas; Häßler, Frank; Thomasius, Rainer (2009): Wenn Jugendliche trinken. Auswege aus Flatrate-Trinken und Koma-Saufen. Stuttgart. Informationen zum Autor Dr. Thomas Nesseler, Jahrgang 1959, ist seit 2005 Hauptgeschäftsführer und Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) sowie der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) in Berlin. Er studierte Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft an der Universität Freiburg. Nach einer journalistischen Ausbildung war er zwischen 1989 und 2005 Pressesprecher von Universität und Universitätsklinikum Freiburg sowie in Personalunion zwischen 2000 bis 2005 Gründungsgeschäftsführer von kongress & kommunikation gemeinnützige GmbH von Universität und Universitätsklinikum Freiburg. Ziel der GmbH-Gründung war die bessere organisatorische und kommunikative Vermarktung von wissenschaftlichen Tagungen und Kongressen in der Wirtschafts- region Freiburg/Südbaden. In dieser Zeit Entwicklung des „Freiburger Modells der Kongresskom- munikation“. HWK 1 07 09 12 15

×