E 12.1
Und morgen steht es in der Zeitung
Tipps für Interviews mit Printmedien




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Lilo Berg: Tipps für Interviews mit Printmedien

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Gut gemachte Interviews sind beim Leser beliebt, weil sie wohldosierte Informationen in
übersichtlicher Form bieten.
Beim Vorgespräch mit dem Journalisten stellen Sie die Weichen für ein gelungenes Interview.
Klären Sie dabei auch die Regeln, nach denen es verlaufen soll.
Meist lassen sich nur wenige Hauptaussagen vermitteln. Wenn Sie Ihre Botschaften mit
überzeugenden Zahlen belegen, mit Beispielen und treffenden Vergleichen illustrieren, werden sie
interessanter und eher gedruckt.
Nach dem Interview formt der Journalist einen Text aus dem Gesprächsprotokoll. Dabei wird
immer gekürzt und umformuliert. Reagieren Sie schnell und souverän, wenn Ihnen das Manuskript
zur Autorisierung vorgelegt wird.

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Lilo Berg: Tipps für Interviews mit Printmedien

  1. 1. E 12.1 Und morgen steht es in der Zeitung Tipps für Interviews mit Printmedien Lilo Berg Gut gemachte Interviews sind beim Leser beliebt, weil sie wohldosierte Informationen in übersichtlicher Form bieten. Beim Vorgespräch mit dem Journalisten stellen Sie die Weichen für ein gelungenes Interview. Klären Sie dabei auch die Regeln, nach denen es verlaufen soll. Meist lassen sich nur wenige Hauptaussagen vermitteln. Wenn Sie Ihre Botschaften mit überzeugenden Zahlen belegen, mit Beispielen und treffenden Vergleichen illustrieren, werden sie interessanter und eher gedruckt. Nach dem Interview formt der Journalist einen Text aus dem Gesprächsprotokoll. Dabei wird immer gekürzt und umformuliert. Reagieren Sie schnell und souverän, wenn Ihnen das Manuskript zur Autorisierung vorgelegt wird. Gliederung Seite 1. Interview: Ein Begriff, zwei Bedeutungen 2 2. Vor dem Interview 3 2.1 Das Vorgespräch 3 2.2 Vorbereitung auf das Interview 7 3. Jetzt gilt das gesprochene Wort 9 3.1 Ablauf des Interviews 9 3.2 Kontroverse Themen, vertrauliche Nachrichten 11 4. Nach dem Interview 13 4.1 Die Autorisierung 13 4.2 Lob und Tadel 16 HWK 1 00 08 03 1
  2. 2. E 12.1 Werkzeugkasten: Welche Instrumente wofür? Interviews: Bestehen vor Schreibblock, Mikrofon und Kamera 1. Interview: Ein Begriff, zwei Bedeutungen Ein deutscher Physiker erhält den Nobelpreis – am nächsten Tag steht ein großes Interview mit ihm in der Tageszeitung. Die Stammzelldebatte wird immer verwirrender, da finden Sie in Ihrer Wochenzeitung einen Überblicksartikel mit prägnanten Zitaten der weltweit wichtigsten Experten. Ein Wirtschaftsforschungsinstitut muss seine Konjunkturprognose verteidigen, nachdem ein Journalist in einem Magazinbeitrag auf die Schwächen hingewiesen hatte – sehr überzeugend und gestützt auf die Kritik namhafter Wissenschaftler. Die Bitte um ein In der Form mögen sich all diese Printmedientexte unterscheiden: Da Interview gibt es das Wortlautinterview im Frage-Antwort-Muster, den nur sparsam mit Zitaten gewürzten Text im Berichtsstil oder das Porträt eines Forschers, in dem er selbst, aber auch Freunde und Kritiker zitiert werden. Am Anfang stand jedoch immer die Bitte eines Journalisten um ein Interview. Sowohl Recherchemethode als auch Darstellungsform In den Printmedien kann ein Interview sowohl ein Instrument der Recherche als auch eine Darstellungsform sein. Anders ausgedrückt: Was der Journalist nach dem Gespräch mit einem Wissenschaftler auf dem Tonband hat, ist zunächst einmal nur ein formloses Interview, das Protokoll eines Gesprächs, mehr nicht. Lesbar ist so ein Text in den seltensten Fällen. Im Zuge der redaktionellen Bearbeitung können aus dem Rechercheprotokoll ganz unterschiedliche Textsorten entstehen – unter anderem das, was Laien normalerweise mit dem Begriff verbinden: ein geformtes Interview mit einer Abfolge von Fragen und Antworten. Journalisten sprechen in diesem Fall von einem Wortlautinterview. Wortlautinterview Gut gemachte Wortlautinterviews sind bei vielen Lesern beliebt. Denn sie bieten wohldosierte Informationen, unter denen man leicht wählen kann, weil sie übersichtlich dargeboten werden. Wie die Leserforschung zeigt, werden solche Interviews gern gelesen, wenn mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllt ist: Entweder ist der Interviewpartner prominent, das Thema brisant oder aber die vorgestellte Person hat Außerordentliches zu sagen. Sind diese Voraussetzungen gegeben, halten die Leser auch bei langen Interviews oft bis zur letzten Zeile durch. Es scheint sogar so zu sein, dass der Leser im Online-Zeitalter in Zeitungen und Zeitschriften besonders ausführliche Darstellungen sucht. Gute Voraussetzungen also für Wissenschaftler, die etwas Spannendes zu sagen haben. 2 HWK 1 00 08 03
  3. 3. Werkzeugkasten: Welche Instrumente wofür? E 12.1 Interviews: Bestehen vor Schreibblock, Mikrofon und Kamera 2. Vor dem Interview Auch wenn die Zeit noch so drängt: Vor dem Interview sollten einige So viel Zeit muss sein! Fragen geklärt werden, damit es optimal verläuft und später keine Komplikationen auftreten. Sie müssen wissen, mit wem Sie es zu tun haben und um was es bei dem Gespräch gehen wird. Beim Vorgespräch können Sie auch die Regeln aushandeln, nach denen das Interview geführt werden soll. 2.1 Das Vorgespräch Das Vorgespräch findet oft telefonisch statt. Wenn der Journalist gleich eine Auskunft braucht, kann sich das Interview direkt an das Vorgespräch anschließen. Sie können den Journalisten aber auch bitten, in einer halben Stunde erneut anzurufen – das ist selbst unter den strengen Produktionsbedingungen einer Tageszeitung zumutbar. Eine kleine Unaufrichtigkeit wird Ihnen dabei niemand verdenken: Schützen Sie also bei Bedarf eine dringende Besprechung vor, um ein wenig Vorbereitungszeit zu gewinnen. Was Sie vor dem Interview wissen sollten Steht der Journalist nicht unter akutem Termindruck, dann verständigt man sich beim Vorgespräch auf Ort, Termin und Dauer des eigentlichen Interviews. In größeren Forschungseinrichtungen kann die Pressestelle das Vorgespräch für Sie übernehmen und Sie anschließend über das Ergebnis informieren. Literaturhinweise [1] Christensen, Lars Lindberg: The Hands-on Guide for Science Communicators. New York. Springer Science+Business Media. 1. Auflage 2007 [2] Falkenberg, Viola: Interviews meistern. Ein Ratgeber für Führungskräfte, Öffentlichkeitsarbeiter und Medien-Laien. Frankfurt am Main. FAZ-Institut. 1. Auflage 1999 [3] Haller, Michael: Das Interview: ein Handbuch für Journalisten. Konstanz. UVK Medien. 3. Auflage 2001 HWK 1 00 08 03 3
  4. 4. Werkzeugkasten: Welche Instrumente wofür? E 12.1 Interviews: Bestehen vor Schreibblock, Mikrofon und Kamera Information zur Autorin: Lilo Berg leitet seit 1996 das Ressort Wissenschaft bei der „Berliner Zeitung“. Davor war sie Redakteurin bei der „Woche“ in Hamburg und bei der „Süddeutschen Zeitung“ in München. Seit vielen Jahren unterrichtet sie Wissenschaftsjournalismus, unter anderem an der Universität Leipzig. Lilo Berg ist Autorin des Buchs „Brustkrebs: Wissen gegen Angst“. HWK 1 00 08 03 17

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