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Romanesco, ich dachte es könnte dir schmecken…ich habe es heute extra für dich gekauft“ erwiderte ich
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Hannah Weiler

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Hannah Weiler, 17 Jahre
Goethe-Gymnasium, Gaggenau, Baden-Württemberg

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Hannah Weiler

  1. 1. ZOE „Es wird alles wieder gut“
  2. 2. Zoe „Es wird alles wieder gut“ *ring* *ring*…ich hörte meinen Wecker, demnach war jetzt 6:30 Uhr, es war das grässlichste Geräusch, dass ich kannte, abgesehen von diesem Fußball Gejohle. Ich drehte mich zu meinem Nachttisch und schaltete den Wecker an meinem Handy aus. Auf dem Display leuchtete eine Nachricht auf. Sie war von meiner Mutter: „ Na mein Schatz, ist bei dir alles in Ordnung? Ich habe lange nichts von dir gehört. Gruß Mama !“ 1.Rückblick: Der Anfang <<Ich weiß noch genau, wie skeptisch meine Eltern waren, als ich ihnen erzählt habe, dass ich zu Johannes nach Hannover ziehen werde. Es kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen, doch es ist schon eineinhalb Jahre her. Ich hörte ihre Worte immer noch in meinen Ohren: „ Du willst zu Johannes ziehen? Nach Hannover ? Aber ihr seid doch erst 4 Monate zusammen, bist du dir da sicher Zoe?“ Ja, zu diesem Zeitpunkt war ich mir sicher, dass Johannes der Richtige ist und, dass es mit ihm wunderschön in Hannover sein wird. Die ersten zwei Monate waren, wie ich es mir vorgestellt hatte, unsere Wohnung war schön, ich bekam meine Traumstelle in einem Kosmetikstudio, in dem ich halbtags arbeiten konnte und in meiner Beziehung lief es auch super. Wir kochten zusammen, gingen Essen und ins Kino, eben wie ein richtiges Pärchen. Es war wie im Paradies…bis zu unserem ersten Streit. Es war ein Unfall, aber für Johannes unverzeihlich. Johannes besitzt wie viele andere Männer eine heißgeliebte PlayStation, als wir abends einen Film schauten, lief ich mit einem Glas Wasser zum Sofa, stolperte und schüttete den Inhalt meines Glases über die Konsole. Alles war kaputt und ich konnte Johannes ansehen, dass er gleich explodieren würde, jedoch ahnte ich nicht in welchem Ausmaß. Ich sagte, dass es mir Leid tue, er machte einen Schritt auf mich zu und plötzlich schrie er los, verpasste mir eine Ohrfeige und stieß mich nach hinten. „Halt, träume ich? Hat er mich gerade wirklich geschlagen? Wie fest musste er zugeschlagen haben? Meine Backe brennt wie Feuer.“ „Bei dir hackt es ja wohl, du bist zu blöd, ein Glas auf einen Tisch zu stellen!! Weißt du wie teuer die war? Das zahlst du mir zurück darauf kannst du wetten!“ Ich konnte seine Worte kaum wahrnehmen ich war wie gelähmt, er war sauer das verstand ich, aber was trieb ihn an mir so weh zu tun? Meine Tränen kullerten und ich rappelte mich auf und rannte ins Schlafzimmer, wo ich mich einschloss. Dort blieb ich eine gefühlte Ewigkeit und versuchte mir darüber klar zu werden, was gerade geschehen war. Wenig später klopfte es an der Tür. „Zoe? Es tut mir wirklich leid, mach doch bitte die Tür auf.“ Doch ich wusste nicht, was passieren würde, sobald ich aufschloss. „Zoe? Ach komm schon, lass uns bitte kurz reden, ich liebe dich!!“ Nach 15 min nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und schloss die Tür auf. Johannes stand mit einer traurigen Miene vor der Tür, er umarmte mich, was mich etwas überforderte. „ Ich verspreche dir, das wird nie wieder passieren, es tut mir leid, es ist einfach mit mir durchgegangen.“ Vermutlich hatte er Recht, solche Dinge passieren ja mal, wenn die Aggressionen nicht mehr zu halten sind oder? Und es war ja auch mein Fehler, also entschied ich mich dazu, Johannes zu verzeihen. Der Abend war zwar gelaufen aber am nächsten Morgen, überraschte er mich mit einem ausgiebigen Frühstück im Bett, und alles war vergessen. Ich war mir sicher, dass es eine einmalige Sache war, doch die folgenden Wochen bewiesen mir leider das Gegenteil. >> 2.Zurück in der Realität: Verdrängung Ich hörte die Tür ins Schloss fallen, Johannes war gegangen. Er arbeitete in einer Bank ganz in der Nähe und musste immer früher los als ich. Ich las die Nachricht meiner Mutter erneut und antwortete knapp, dass alles in Ordnung sei und fragte nach meinem Vater. Wie gerne hätte ich ihr gesagt, dass es nicht immer so toll ist und Johannes neben seiner netten und liebenswerten Art auch Phasen hatte, in denen er ein komplett andere Mensch war und handgreiflich wurde, was in der letzten Zeit immer öfter vorkam. Mittlerweile war es schon fast zur Gewohnheit geworden, trotzdem hatte ich jeden Morgen Angst, was der Tag bringt und hoffte, dass ich keinen Fehler mache, der ihn zum Ausrasten bringt. Ich schob den Gedanken von mir weg. Er hatte gerade viel Stress in der Bank und ich war manchmal auch schusselig und schwierig, er meinte das alles nicht so. Trotzdem sollte ich mich öfter zu Hause melden, seit meinem Umzug haben wir kaum noch Kontakt. Ich arbeitete viel und wenn Johannes heim kam, mochte er es nicht so gerne, wenn ich am Handy saß,
  3. 3. weil er die Zeit mit mir haben wollte, was ich eigentlich süß fand und wieder eine komplett andere Seite an ihm zeigt. Jetzt musste ich mich aber beeilen, es war mittlerweile 6.50 Uhr und ich müsste eigentlich schon geduscht am Frühstückstisch sitzen. Ich stieg aus dem Bett und schaffte es mir in Rekordzeit die Zähne zu putzen, mich zu duschen und zu frühstücken. Es fehlte nur noch mein Standard Make-Up was sehr dezent war und deswegen nur ein paar Minuten beanspruchte. Also lief ich zur Tür. Auf dem Weg dorthin, fielen mir die leeren Bierdosen und Chips Tüten, das dreckige Geschirr und der allgemein schmutzige Tisch im Wohnzimmer auf. Das hatte ich ja total vergessen, Johannes hatte gestern seine Freunde zum Fußball schauen eingeladen, er war wohl zu müde gewesen, um es aufzuräumen, dann musste das nach der Arbeit, dem Einkaufen und meinem Zahnarzt Termin wohl noch erledigt werden. Mir stand also ein stressiger Tag bevor, denn dazu kam, dass Johannes auch noch etwas zu Abend essen wollte, was ich ebenfalls noch kochen musste. Ich schnappte mir den Schlüsselbund und verließ die Wohnung. 3.Ein Tag wie jeder andere Ich war trotz der Trödelei pünktlich um 7.30 Uhr im Salon und hatte noch Zeit mit meinen Kolleginnen Bianca, Laura und Sandra, die mittlerweile gute Freundinnen waren, über den neuesten Klatsch zu reden, den wir täglich von unseren Kundinnen mitgeteilt bekamen. Mein Arbeitstag verlief unspektakulär und ich machte mich um halb zwei auf den Weg zum Einkaufen. Nachdem alle Einkäufe erledigt waren, musste ich gleich weiter zum Zahnarzt. Ich parkte mein Auto in der Tiefgarage, sodass ich den restlichen Weg durch die Stadt zur Praxis, zu Fuß zurücklegte. Mein Termin war um 3 Uhr, ich konnte aber eine Wartezeit von mindestens 10 Minuten einberechnen, daran war ich schon gewöhnt. Um Viertel nach 3 begann meine Behandlung und ich war überrascht als ich schon eine halbe Stunde später wieder fertig war. Auf dem Weg zu meinem Auto, traf ich auf meine Stammkundin, Frau Haßbach und ich wusste schon, dass das auf ein Gespräch hinauslaufen würde. Sie erzählte mir aktuelle Geschichten von ihrer Tochter, die in den USA lebt und dort als Anwältin Karriere machte. Zum einen war mein Interesse dafür nicht besonders groß und zum anderen, stand ich unter Zeitdruck, da ich noch aufräumen und kochen musste, jedoch konnte ich sie einfach nicht abwürgen und so kam ich erst um halb 5 nach Hause. Johannes würde um ca. halb 6 nach Hause kommen, bis dahin musste die Wohnung sauber und das Essen fertig sein. Ich hatte eine Stunde. Ich begann damit das Gemüse zu schneiden, ich hatte zum Probieren mal was Neues gekauft, eine Mischung aus Brokkoli und Blumenkohl, die sich Romanesco nennt. Während dieser im Topf kochte, begann ich das Geschirr in die Spülmaschine zu räumen, die leeren Chips Tüten und Bierdosen wegzuwerfen und den Tisch abzuwischen. Ich sah auf die Uhr, es war 5 Uhr, viel Zeit blieb mir nicht mehr. Ich taute das Fleisch auf, dass es schneller ging, machte die Pommes in den Backofen und begann eine Soße zu kochen. 4. Selbst schuld Nun war es kurz vor halb 6, er würde gleich kommen, doch die Pommes waren noch nicht fertig. Ich hörte wie der Schlüssel im Schloss umgedreht wurde und mir wurde schlecht. Johannes hasste es, wenn er nach Hause kam und das Essen war noch nicht fertig. Aber vielleicht verstand er es ja oder? „Hallo Schatz! Ich bin zu Hause.“ Er kam in die Küche, gab mir einen Kuss und setzte sich wie immer an den Tisch, wo eigentlich ein gerichteter Teller mit Essen stand. „Wo ist mein Essen?“ Ich stammelte: “Äh…ich…also es ist noch nicht ganz fertig, die Pommes brauchen noch ca. fünf Minuten.“ Er antwortete mit einem Schnauben und einem Blick, mit dem man Menschen töten könnte. „Fassen wir zusammen, begann er, du hast es nicht geschafft, mir innerhalb von viereinhalb Stunden, etwas zu kochen? Das ist ja wohl ein schlechter Scherz!“ „ Es tut mir leid, es ist ja gleich fertig und ich musste heute noch einkaufen, zum Zahnarzt und…, er unterbrach mich. „ Oh ja, du bist die Ärmste von allen, stell dir vor, ich musste seit heute Morgen arbeiten, das bisschen einkaufen, lächerlich“ Ich hörte den Wecker und war froh, der Diskussion aus dem Weg gehen zu können, er musste mich immer gleich niedermachen. Ich servierte ihm den Teller mit Fleisch, Pommes und Romanesco, und setzte mich ihm gegenüber an den Tisch. Er begann ohne ein Wort mit dem Essen und ich schwieg ebenfalls, da die Situation sowieso schon angespannt war und ich war daran schuld, mal wieder. Hätte ich nicht so lange mit Frau Haßbach geredet, ich bin so blöd. Plötzlich spuckte er sein Essen in den Teller und verzog angewidert das Gesicht. „ Was ist denn das? Willst du mich vergiften?“ rief er. Ich zuckte zusammen. „Was meinst du? Das ist
  4. 4. Romanesco, ich dachte es könnte dir schmecken…ich habe es heute extra für dich gekauft“ erwiderte ich vorsichtig. Er sprang auf, warf den Teller an die Wand und schrie: „Zuerst schaffst du es nicht, das Essen rechtzeitig zu kochen und jetzt schiebst du mir so einen ekligen Fraß unter, was läuft bei dir eigentlich schief? Ach, und danke, dass du das extra für mich gekauft hast, dafür bekommst du einen Orden!!“ „Aber ich…,sei doch nicht so gemein“! „Gemein? Ich zeig dir was gemein ist“. Er zerrte mich vom Stuhl und schuckte mich, sodass ich zu Boden fiel, dann begann er an den unterschiedlichsten Stellen auf mich einzuprügeln, ins Gesicht, meine Arme und Beine…eigentlich überall. Ich schloss die Augen und wünschte mich an einen anderen Ort und, dass es bald vorbei war. Als er sich abreagiert hatte, ließ er von mir ab, stand auf und sagte: „Ich werde heute Abend im Wohnzimmer sein, mir eine Pizza bestellen und den Abend genießen, wo du hin gehst ist mir egal, aber zu mir brauchst du nicht zu kommen.“ Ich antwortete nicht, mir liefen die Tränen übers Gesicht und ich blieb auf dem Küchenboden liegen wie ein Baby im Mutterbauch, nur war es geschützt, ich nicht. Mein ganzer Körper schmerzte, als ich aufstand, ich machte mich bettfertig und zog mich ins Schlafzimmer zurück. Dort begann ich erneut zu weinen und mir schossen tausende Gedanken durch den Kopf. „Womit habe ich das verdient?!“, „Tut man das jemanden an, dem man liebt?“, „Liebt er mich denn überhaupt?“.… Ich hatte schon viele Ausraster von Johannes erlebt, mindestens einmal die Woche, gab es etwas, was ihm nicht passte, was er sofort mit Schlägen bestrafte, aber so wie heute war es noch nie. Ich wusste nicht, was ich denken sollte, ich hatte mir heute schon viel geleistet und er war bestimmt einfach nur gestresst, vom Arbeiten, ich musste einfach mehr Rücksicht nehmen. Aber nehmen in einer Beziehung, nicht beide Rücksicht und nicht immer nur einer? Ob es ihm leid tat? Bestimmt…es war jedes Mal so, dass er sich sofort entschuldigte, aber da war die Situation irgendwie anders. Während ich weiter nachdachte und weinte, schlief ich ein. 5.Scham Obwohl ich mir keinen Wecker gestellt hatte, wachte ich um kurz nach halb 7 auf, ich fühlte mich, als hätte mich ein LKW überrollt, mein ganzer Körper schmerzte. „BAM, ich spüre erneut die Schläge ins Gesicht, in den Bauch, an meinen Armem… als wäre es gerade erst passiert“, ich versuchte, nicht gleich schon wieder in Tränen auszubrechen. Ich war froh, dass Johannes schon weg war, da ich gerade auf keine Konfrontation oder gar einen neuen Konflikt Lust hatte, geschweige denn im Stande dazu war, sowas nochmal durchzumachen. Ich versuchte behutsam aus dem Bett zu steigen, um die Schmerzen zu lindern, doch es half nichts, bei jeder Bewegung spürte ich es. Aber da musste ich jetzt wohl durch. Ich lief ins Bad, um zu duschen und mich fertig zu machen, als ich in den Spiegel sah erschrak ich. Ich hatte ein riesiges blaues Auge, meine Lippe war aufgeplatzt, und auch meine Arme waren übersäht mit blauen Flecken, vom Rest meines Körpers, brauchte ich gar nicht anzufangen. Das durfte niemand sehen, was würden die anderen über mich denken und über Johannes? Ich konnte so nicht arbeiten gehen, also überschminkte ich mein Gesicht, so gut es ging, mittlerweile konnte ich das ganz gut, ich hatte es ja schon oft gemacht. Ich zog ein T-Shirt mit einer Weste darüber an, sodass man meine Arme nicht sah. Der Tag würde anstrengend werden, denn es war nicht einfach meine Schmerzen zu verbergen. Als ich im Kosmetikstudio ankam, waren noch keine Kunden da, so frühstückten wir alle gemeinsam noch eine Kleinigkeit und redeten noch ein bisschen. Ich versuchte mich zusammen zu reißen, ich wollte nicht, dass jemand merkte, dass es mir nicht gut ging. Meine erste Kundin sollte um 8 Uhr kommen, also spülte ich noch schnell mein Geschirr ab und prüfte auf dem Klo noch nach ob meine Schminke noch deckte. Nach ca. drei Stunden und vier Kundinnen, war der Salon so aufgeheizt, dass ich meine Weste auszog, es war einfach viel zu warm und ich bekam schon Schweißausbrüche. Ich bemerkte wie Bianca mich mit offenem Mund anstarrte. Was war denn los? Sah man meinen BH durch? Oder hatte ich einen Fleck auf meinem T-Shirt? Während ich mich innerlich noch fragte, was los war, sah ich an mir runter, natürlich, wie blöd war ich denn? Ich hatte vergessen, dass meine Weste hauptsächlich zur Verdeckung meiner Arme diente, nun wurde mir noch wärmer. Ich zog die Jacke schnell wieder an, jedoch war mir klar, dass in der gleich anstehenden Pause ein Gespräch fällig war. Wie schon erwartet, winkte mich Bianca in der Pause zu sich: „ Zoe, was ist denn mit dir passiert?“. Ich hatte vorher versucht mir eine logische Ausrede einfallen zu lassen, überlegte sogar, ob das der richtige Zeitpunkt war, um jemanden von der Wahrheit zu erzählen, vielleicht wurde dann alles besser. Aber was würde das für ein Licht auf mich werfen? Nein, ich schämte mich dafür, es war besser für mich, es niemanden zu erzählen. So kam ich nur auf die Ausrede, dass ich die Treppe runtergefallen sei. Ihr Blick sprach Bände, sie glaubte mir kein
  5. 5. Wort. „Du willst mir nicht erzählen, dass diese blauen Flecken von einem Sturz von der Treppe kommen oder“? „Doch, ich wollte mit meinem Wäschekorb die Treppe runter, da ich zur Wäscherei fahren wollte und blieb leider mit einem Spannbetttuch am Geländer hängen, dann ging alles sehr schnell, aber mir geht’s gut es sieht schlimmer aus als es ist“, beteuerte ich. Ich war so nervös, während ich sprach. Das Telefon klingelte, es wurde nach Bianca verlangt, mir fiel ein Stein vom Herzen, das war meine Rettung, bis sie mit dem Telefonieren fertig war, war die Pause zu Ende und meine nächste Kundin stand ohnehin schon in den Startlöchern. Hätte sie noch mehr Fragen gestellt, wäre sie noch misstrauischer geworden, aber ich glaube, ich konnte sie fürs Erste abwimmeln. Bianca hatte noch eine Kundin zu versorgen, als ich Feierabend hatte, also konnte ich ohne ein weiteres Gespräch gehen, ich verabschiedete mich. Bianca warf mir beim Hinausgehen, einen sorgevollen Blick zu, den ich nach dem Gespräch heute Morgen, meinen restlichen Arbeitstag ertragen musste, ich wusste, dass sie nicht locker lassen würde. 6.Verhängnisvolle Nachricht Zu Hause erfüllte ich meinen täglichen „Haushaltsdienst“ und diesmal stand das Essen pünktlich zu Johannes‘ Rückkehr auf dem Tisch. Anstatt sich zu bedanken, meinte er: „ Na siehst du? Es geht doch!“ Ich lächelte und war froh, dass er mir verziehen hatte. Gegen später, schauten wir noch gemeinsam einen Film im Fernsehen, in der Pause holte ich ein paar Gummibärchen, Johannes blieb im Wohnzimmer, das Gespräch zwischen Bianca und mir hatte ich schon wieder vergessen, da der Abend mit Johannes so schön war. Als ich zurückkam, hatte er mein Handy in der Hand. „Was machst du da“? fragte ich. Seine Antwort kam blitzschnell „Hast du irgendjemand was erzählt?“ Ich hatte ein ungutes Gefühl, irgendwas stimmte nicht. „Nein, wieso sollte ich?“ Weil Bianca dir gerade eine Nachricht geschrieben hat, ich wollte nach meinem Handy greifen, doch er zog es weg. „Nein, nein ich lese es dir vor: „Hey Zoe, ich mache mir echt Sorgen um dich, bist du sicher, dass hinter deinen blauen Flecken nicht etwas anderes steckt? Melde dich bitte bei mir, ich bin für dich da“! Ach ist das nicht süß, sagte er mit einer ironischen Stimme. Ich habe ihr nichts erzählt, aber vielleicht hätte ich das tun sollen, meine Stimme wurde lauter, warum machte er sich über mich lustig? Ich spürte Wut in mir aufsteigen, ein Gefühl, das ich schon sehr lange nicht mehr hatte. „Ach ja, schrie er, warum schreibt sie dir dann sowas, ich zuckte zusammen. Er warf mein Handy zur Seite und drückte mich stark an die Wand, seine Hand umschlang meinen Hals. „Weißt du, du machst es mir echt nicht leicht, deine Fehler nerven mich wirklich. Du lässt mir auch keine andere Wahl, als dich zu bestrafen, du musst es ja irgendwie lernen. Ich keuchte: „Lass mich bitte los, es tut weh“! Wenn jemand von dem ganzen erfährt, wäre das doch peinlich für dich, willst du das alle wissen, dass du nichts auf die Reihe kriegst?, ich will dich ja nur schützen. Endlich ließ er mich los. Er hatte eigentlich Recht, in letzter Zeit waren mir wirklich viele Fehler unterlaufen, aber er kann es doch auch anders regeln, ich hielt diese Schläge und Handgreiflichkeiten nicht mehr lange aus. Trotzdem wollte ich nicht, dass jemand etwas erfährt, wie Johannes sagte, es wäre peinlich und ich würde mich so schämen. Die Wut von vorhin war verpufft, ich musste einfach achtsamer werden, die letzten beiden Streitereien hätten durch Disziplin und Achtsamkeit verhindert werden können, ich hatte selbst Schuld. Johannes war zwar auch nicht fehlerfrei, er hatte nicht das Recht einfach an mein Handy zu gehen, aber das sind einzig und alleine Kettenreaktionen, die von mir ausgelöst wurden. Heute weinte ich nicht, ich musste stärker werden, mich überhaupt verändern. Dennoch entschuldigte ich mich wieder bei Johannes, er war nachsichtig und da es schon halb 11 war gingen wir schlafen. 7. Ein Ausweg? Der nächste Morgen verlief, wie jeder andere auch, ich kam, wie eigentlich immer, pünktlich im Geschäft an, heute sogar ein paar Minuten früher. Ich betrat den Salon, es war alles leer. War denn noch keiner hier? Bianca war eigentlich immer die Erste…auf einmal hörte ich Stimmen, sie kamen aus unserem Aufenthaltsraum für die Pausen. Ich lief zur Tür, um zu hören wer da sprach, es waren Laura und Bianca. Ich wollte gerade rein gehen und sie begrüßen als Bianca meinte: „Ich muss mal mit dir über Zoe reden“. Mir stockte der Atem und ich blieb vor dem offenen Türspalt stehen. „Hast du auch ihre blauen Flecken am Arm gesehen? Sie meinte sie wäre die Treppe runtergefallen, aber das glaube ich nicht. Laura antwortete mit großen Augen: „Warum glaubst du das nicht?“ „Was ich dir jetzt sage, darfst du niemanden erzählen Laura, jedenfalls fürs erste, ok?“ Ich sah wie sie nickte. „Also Ich habe Zoe schon drei, vier-mal zufällig dabei beobachtet, wie sie Verletzungen im Gesicht oder an anderen Stellen überschminkt hat, die ersten Male versuchte ich mir das auch noch logisch zu erklären aber jetzt bin ich mir sicher, Johannes schlägt sie. Diese Blutergüsse von gestern, können nicht von einem
  6. 6. Treppensturz sein, und als ich sie darauf ansprach spürte ich, dass sie nervös wurde, wäre sie wirklich die Treppe runtergefallen, wäre das nichts verwerfliches, wo man nervös werden musste, verstehst du ?“ „Oh nein, das ist ja furchtbar, wenn ich sowas höre, werde ich echt aggressiv und sie nimmt ihn noch in Schutz!! Meiner Meinung nach, ist das keine Liebe, man schlägt doch niemanden den man liebt, egal was passiert“, entgegnete Laura. „Da bin ich deiner Meinung, und sie muss da raus, wahrscheinlich ist ihr das gar nicht bewusst, ich mache mir Sorgen, aber wir müssen wann anders weiter reden, sie wird bald kommen, sagte Bianca. Ihre Worte trafen mich wie ein Schlag, ich lief zurück zum Eingang und tat so als würde ich gerade kommen. “ Hallo Mädels, rief ich“. Während meiner gesamten Arbeitszeit, machte ich mir Gedanken über das Gespräch, das ich vorhin mit angehört hatte. Gestern war ich mir noch so sicher, dass ich selbst an allem Schuld war aber Lauras Satz, dass man niemanden schlägt, den man liebt, verfolgte mich den ganzen Tag und ich begann an meiner Meinung zu zweifeln. Erst durch dieses Gespräch wurde mir bewusst, wie oft es in letzter Zeit wirklich vorgekommen war, aber was sollte ich dagegen tun? Ich konnte mich nicht trennen, ich liebte Johannes und ich hatte hier kaum jemand, meine Eltern wohnten Kilometer weit weg, ich hatte nur ihn. Vielleicht würde er sich ändern, wenn ich mit ihm redete, eine Therapie anfangen, ich beschloss ihn heute darauf anzusprechen. 8.Wird jetzt alles besser? Kurz bevor ich anfangen wollte zu kochen, ging eine SMS von Johannes ein: „Hallo meine Süße, lass uns heute Abend mal essen gehen, sei um halb 6 fertig und komm raus :-)“. Es war komisch, ich freute mich aber, es war als würde Johannes merken, dass es brenzlig wurde. Wir gingen zu unserem Lieblingsitaliener, bei dem wir schon lange nicht mehr waren, der Abend war einfach wundervoll. Johannes entschuldigte sich sogar und meinte in Zukunft würde es wieder besser werden, es war nun auch nicht mehr so stressig in seinem Job. Ich war glücklich, Laura und Bianca hatten ja keine Ahnung von alldem hier, er würde sich ändern. Wir zahlten und als wir zu Hause waren, schliefen wir miteinander, ich war lange nicht so glücklich und ich schlief in dem Glauben ein, dass von jetzt an alles anders werden würde. Das war jetzt zwei Wochen her, wieder ein Tag wie ich schon oft erlebt hatte, ich stand aus dem Bett auf, putzte meine Zähne, duschte, blickte in den Spiegel, begann meine Verletzungen zu überschminken und ging zur Arbeit. Jegliche Gewalt gegen Frauen, sei diese körperlich, sexuell oder psychisch, ist eine Verletzung der Menschenrechte. 22% der Frauen haben körperliche und/oder sexuelle Gewalt in der Partnerschaft erlebt*. So wie Zoe geht es also vielen anderen Frauen auch, das muss geändert werden, denn die meisten Frauen schaffen es nicht alleine sich von ihrem Partner zu lösen oder sich allgemein gegen Gewalt, die sie auf variable Art und Weise erfahren, zu wehren. Ich habe diese Geschichte geschrieben, um auf diese Problematik aufmerksam zu machen und während ich mich mit diesem Thema auseinandergesetzt habe, wurde mir klar, wie wichtig es ist die Gewalt gegen Frauen zu stoppen. Dadurch, dass ich mich in Zoe hineinversetzt habe, verstehe ich nun ihre Gefühlslage und die Ängste, die sie einerseits mit ihrem Partner und andererseits mit einer Trennung von ihm verbindet. Nicht jeder Frau, die Gewalt erfährt, geht es so wie Zoe, bei manchen ist es weniger, bei anderen noch mehr oder eine andere Art der Gewalt, doch fast alle haben eines gemeinsam, und zwar die Hilflosigkeit, sich nicht wehren zu können. In meinen Augen, sind solche Arten von Gewalt, etwas, dass jeder Frau auf der Welt widerfahren kann, durch die neuesten Vorkommnisse in Köln, werde ich in meiner Meinung eindeutig bestätigt. Ich versuche also mit meiner Teilnahme am Europäischen Wettbewerb zu helfen, ich tue es für alle Frauen, die Gewalt erleben oder erlebt haben und um die Frauen zu schützen, die das noch nicht mitmachen mussten. Vor diesem Thema sollte man sich nicht verschließen, denn wie das folgende Zitat zeigt, hat jeder Mensch die Verantwortung bei der Beendigung der Gewalt gegen Frauen mitzuhelfen: *Quelle: Trägerverein Frauen- und Kinderschutzhaus Baden-Baden und Landkreis Rastatt, FRA-Pressemitteilung Wien/Brüssel, 5.03.14
  7. 7. “All of us – men and women, soldiers and peacekeepers, citizens and leaders – have a responsibility to help end violence against women!“ Secretary General Ban Ki Moon

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