2012-08-30 Ubi medienkritik 2012_ho

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Strukturen der Medienkritik in der Schweiz

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  • Ausgangspunkt der systemtheoretischen Analyse ist die funktionale Ausdifferenzierung der Gesellschaft in verschiedene Funktionssystem, die je auf eine spezifische Problemlösung spezialisiert sind. Die Funktionssysteme Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst, Religion und Erziehung etc. erfüllen für die Gesellschaft exklusive Funktionen und erbringen füreinander wechselseitig Leistungen. Die funktionale Ausdifferenzierung hat zu komplexen gegenseitigen Abhängigkeits- und Beeinflussungsverhältnissen geführt. In dieser Situation ist jedes System genötigt, Erwartungen über seine Umwelt auszubilden und eben die anderen Systeme kommunikativ zu beeinflussen. Dafür braucht es einer ständigen Umweltbeobachtung, mit der ein einzelnes System überfordert wäre. Deshalb – so die These – hat sich ein eigenes Funktionssystem herausgebildet. Kohring schreibt diesem System plausibel die Funktion zu: „ Die Funktion in der Generierung und Kommunikation von Beobachtungen über die Interdependenz, d.h. wechselseitige Abhängigkeits- und Ergänzungsverhältnisse einer funktional ausdifferenzierten Gesellschaft“ Dieses System wird Öffentlichkeit genannt und Journalismus sein zentrales Leistungssystem. .
  • 2012-08-30 Ubi medienkritik 2012_ho

    1. 1. Die UBI im Kontext der Medienkritik –Rolle, Wahrnehmung & VernetzungReferat & Diskussion anlässlich der UBI-SitzungDonnerstag, 30. August 2012, Rathaus AppenzellProf. Dr. Vinzenz WyssZürcher Hochschule für Angewandten WissenschaftenIAM - Institut für Angewandte MedienwissenschaftZürcher Fachhochschule 1
    2. 2. Zürcher Fachhochschule 2
    3. 3. Zürcher Fachhochschule 3
    4. 4. Übersicht• Zur Relevanz der Medienkritik• Akteure der Medienkritik• Empirische Evidenzen: – Von Selbstbeobachtungsfallen und blinden Flecken – Medienjournalismus: schwach institutionalisiert – Medienblogs: Versammlungsöffentlichkeiten• Zur Rolle der UBI im Kontext der MedienkritikZürcher Fachhochschule
    5. 5. Systemtheoretische Perspektive:Selbstbeobachtung und Synchronisationvon Gesellschaft Politik Demonstration Wirtschaft Recht Urteil Öffentlichkeit Public Relations Report Film Journalismus Wissenschaft Kunst Verkündigung Vermittlung Religion ErziehungZürcher Fachhochschule 5
    6. 6. Zur Relevanz der Medienkritik• Mediale Kommunikationsangebote tragen durch die Herstellung von Öffentlichkeit zur Selbstbeobachtung und Synchronisation der Gesellschaft bei.• Medien verfügen über eine bedeutsame Definitionsmacht.• Wirklichkeitsbeschreibungen sind immer nur kontingent.  Notwendig: systematische und reflexive Thematisierung von Routineprozessen aller am ‚Medienprozess‘ Beteiligten; Beobachtung, Beschreibung und Bewertung von Medienleistungen.  Notwendig: Akteure der öffentlichen Wirklichkeitskonstruktion sollen – öffentlich – an deren Verantwortung erinnert, zur Rechenschaft gezogen und kontrolliert werden.Zürcher Fachhochschule
    7. 7. Akteure der MedienkritikEs braucht möglichst unabhängige Instanzen, welche die Medienfremdbeobachten und zur öffentlichen Selbstbeobachtungzwingen.Zürcher Fachhochschule
    8. 8. Branchenexterne Ebene Branche Ebene Medienorg.Akteure• Parlamentarische • Schweizer Presserat • Publikumsräte/ Vorstösse • Standes- Leserschaftsräte• Unabhängige organisationen und • Ombudsstelle Beschwerdeinstanz UBI Gewerkschaften SRG /• Forschungsberichte • Unabhängige Ombudsstelle Medienwissenschaft Medienpreise Private• Medienkritische • Fachjournalismus • Veröffentlichte Organisationen (z.B. Edito/Klartext, Selbst- (z.B. Aktion Medienfreiheit; Schweizer Journalist, thematisierungen Arbus; Medienkritik Schweiz) Persönlich, Klein Report) • Medien- • Medienblogs journalismus (z.B.medienwoche.ch, medienkritik-schweiz.ch) Zürcher Fachhochschule 8
    9. 9. Medienkritische Organisationen – die „Vereinigung für kritische Mediennutzung Arbus“ (www.arbus.ch), – die „Stiftung Wahrheit in den Medien“ (www.medienwahrheit.ch), – die „Aktion Medienfreiheit“ (www.medienfreiheit.ch), – der „Verein Qualität im Journalismus“(quajou.ch), – die „Gesellschaft für Medienkritik Schweiz“ (www.gfmks.ch) sowie – der Verein „Medienkritik Schweiz" (medienkritik-schweiz.ch).Zürcher Fachhochschule
    10. 10. Medienjournalismus: Erwartungen• wirksame Medienkritik erfordert die Reflexivität zwischen Beobachtern und Beobachteten• wirksame Medienkritik ist nur interaktiv möglich, indem die Medien selbst öffentlich auf Beurteilungen reagieren und Fremdbeobachtung zur Selbstbeobachtung machen.• Erwartung: Journalismus sollte im Sinne der Selbstbeobachtung in der Lage sein sollte, das Mediensystem genau so kritisch zu beobachten wie andere Gesellschaftsbereiche auch.  Thematisierung von Strukturen, Spielregeln und Ambivalenzen als "fünfte Gewalt", Qualitätssicherung, Verantwortungsbewusstsein der Medien demonstrierenZürcher Fachhochschule
    11. 11. Wie häufig berichten Journalistenüber Medienthemen?* sehr oft häufig selten nie SRG 8% 30% 41% 21% (398) Privatrundfunk 8% 30% 46% 16% (294) Printmedien 5% 15% 43% 37% (1140) Gesamt 6% 20% 43% 31% (2132) *Die Daten stammen aus einer Journalistenenquête aus dem Jahr 2008 (vgl. Keel 2011). Zürcher Fachhochschule 11
    12. 12. Untersuchte Zeitungen (Gesamtausgaben)Tageszeitungen Sonntags- & Wochenzeitungen Auflage Auflage in in Tausend* Tausend *20 Minuten 496 Sonntags Zeitung 182Blick am Abend 321 Der Sonntag 158Blick 208 Weltwoche 78Tages-Anzeiger 196 WoZ 16Aargauer Zeitung 179Berner Zeitung 194NZZ 133Die Südostschweiz 123NLZ 121St. Galler Tagblatt 118Basler Zeitung Zürcher Fachhochschule 78 *WEMF beglaubigte Auflage 2011 12
    13. 13. Ausgewählte Befunde I• nur 19% der «Medien» thematisierenden Artikel können einem engen Kern medienkritischer Berichterstattung aus der Schweiz zugeordnet werden (106 von 561 Artikeln).• ein Grossteil der allgemeinen medienjournalistischen Berichterstattung ist eher unbestimmt und nicht kontextspezifisch ausgerichtet. – Vgl. dazu auch Hickethier (2005: 61) für Deutschland: „der Berichterstattung über Medien droht der kritische Fokus verloren zu gehen und einem allgemeinen Reden über die Medien Platz zu machen“Zürcher Fachhochschule
    14. 14. Ausgewählte Befunde II• medienkritische Berichterstattung korreliert mit Auflage und spezifischer struktureller Ausstattung. Die drei Spitzenreiter haben alle für die Medienberichterstattung eine spezifische Ressort-/ bzw. Rubrikenstruktur ausdifferenziert. – Tageszeitungen; NZZ mit 37%; – Wochen- und Sonntagszeitungen: „Der Sonntag“ 46%Zürcher Fachhochschule
    15. 15. Zürcher Fachhochschule 15
    16. 16. Ausgewählte Befunde III• Medienorganisationen werden in den medienkritischen Artikeln zurückhaltend angesprochen. – Die SRG SSR wird mit 23 von 106 Artikeln am häufigsten thematisiert - private Rundfunkveranstalter kommen zusammen auf zehn Nennungen. – Die Kritik steht wenig in einem Zusammenhang mit dem Service Public respektive der gesellschaftlichen Aufgabe der Medien – NZZ (14), Ringier (13), Tamedia (9), AZ Medien (3) und Edipresse (1), Südostschweiz (0), andere Schweizer Medien (16)Zürcher Fachhochschule
    17. 17. Ausgewählte Befunde IV• Medienkritische Berichterstattung … ist vor allem journalistisch redaktionelle Eigenleistung. … erweist sich als abhängig von bestimmten journalistisch verwertbaren Ereignissen. … ist eher am journalistischen Endprodukt interessiert, weniger an der kritischen Darstellung von Entstehungsbedingungen und Randbedingungen• Strukturelle Aspekte werden eher vernachlässigt dargestellt.Zürcher Fachhochschule
    18. 18. Ausgewählte Befunde V• Medienkritische Berichterstattung zeigt sich hinsichtlich der eigenen Redaktion oder des eigenen Medienhauses sehr zurückhaltend: 28 von 106 Artikel• Institutionen der schweizerischen Medienkritik: 28 von 106 Artikel• Der Schweizer Presserat: 12 Artikel• Unabhängige Beschwerdeinstanz UBI: 3 Artikel• Institutionen der Medienpolitik – Parteien, Parlamente, Exekutiven – werden nur in begrenztem Umfang dargestellt.Zürcher Fachhochschule
    19. 19. Medienjournalismus:Blinde Flecken – die Selbstbeobachtungsfalle• Definitionsproblem• Kollegenorientierung• Glashaus-Dilemma• Institutionalisierungsproblem• BetriebsblindheitZürcher Fachhochschule
    20. 20. Medienblogs• Z.B. „Blick am Abend Blog“: „BlaABlog hört auf. […] Sie werden vielleicht sagen: Was, schon?! […] Wir sagen: Dankeschön! Und auf Wiedersehen. Die Show muss weitergehen.“• Bei blattkritik.ch heisst es seit Mai 2011: „Leider ist blattkritik.ch seit etwas mehr als zwei Jahren inaktiv. Alle Versuche, aus blattkritik.ch einen breit abgestützten Medienblog mit mehreren Autorinnen und Autoren zu machen, sind gescheitert.“Zürcher Fachhochschule
    21. 21. In der Deutschschweiz aktiveMedienwatchblogs Fehlerli fehler.li Infamy infam.antville.org Journalistenschredder blogdessennamenmansichnicht merkenkann.wordpress.com Medienkritik Schweiz medienkritik-schweiz.ch medienkritisch medienkritisch.ch Medienspiegel www.medienspiegel.ch Medienwoche medienwoche.ch O-Ton o-ton.ch Zürcher Fachhochschule 21
    22. 22. Öffentlichkeitsebenen Zürcher Fachhochschule 22
    23. 23. Die Rolle der UBI• Die Delegation an selbstregulierende Kräfte ist eine naive Haltung.• Auch die zahllosen, zersplitterten, medienkritischen Organisationen sowie die beliebig agierenden und kaum auf Dauer gestellten Medienblogs vermögen bis heute der Medienkritik nicht die öffentliche Plattform zu geben, die sie gemäss ihrer demokratietheoretischen Bedeutung benötigen würde.• Medienkritik sollte von Zufälligkeiten der (medien-) journalistischen Berichterstattung ebenso befreit werden als auch von zeit- und befindlichkeitsgebundenen Parolen partikularer (politischer) Interessen.Zürcher Fachhochschule
    24. 24. Die Rolle der UBIUBI ist ein wichtiger Knotenpunkt im Netz der Medienkritik, diebesser als andere folgenden Prinzipien gerecht werden kann: • Unabhängigkeit (keine partikulären Interessen) • Rekursivität (Kritik bezieht sich auf transparente Kriterien) • Partizipation (möglichst viele Stimmen sich beteiligen sich)  verstärken • Koordination (Aktivitäten nehmen Bezug auf andere)  verstärken • Resonanz (breite Öffentlichkeit wird erreicht)  verstärken: mediengerechte Medienmitteilung, Einsatz von Social Media nutzen, Anschluss an ThematisierungZürcher Fachhochschule

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