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KorrespondenzadresseDr. C. SchlötelburgVerband der Elektrotechnik Elektronik  Informationstechnik e.VStresemannallee 15,  ...
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Biomédica "La tecnología actual"

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Biomédica "La tecnología actual"

  1. 1. Bundesgesundheitsbl 2010 · 53:759–767DOI 10.1007/s00103-010-1103-2Online publiziert: 28. Juli 2010© Springer-Verlag 2010C. Schlötelburg1, 2 ·T. Becks2 ·T. Stieglitz1, 2, 3, 41 Deutsche Gesellschaft für BiomedizinischeTechnik(DGBMT) imVDE, Frankfurt am Main2 Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V, Frankfurt am Main3 Albert-Ludwigs-Universität Freiburg4 ProfessorialVisiting Fellow, Graduate School of BiomedicalEngineering, University of New SouthWales, SydneyBiomedizinischeTechnik heuteEine Übersicht aus dem Blickwinkel  der Deutschen Gesellschaft  für BiomedizinischeTechnikLeitthema: BiomedizinischeTechnik: Chancen und RisikenDer Einsatz technischer Hilfsmittel ist ausder heutigen Medizin nicht mehr wegzu-denken. In Diagnostik, Therapie und Re-habilitation hat die Medizintechnik ei-nen bedeutenden Platz im häuslichenUmfeld, in Praxen und Kliniken einge-nommen. Innerhalb des letzten Jahrhun-derts hat die Medizintechnik die Mög-lichkeiten von Diagnostik und Therapieentscheidend beeinflusst und wesentlichzum medizinischen Fortschritt beigetra-gen. Die Entdeckung der Röntgenstrah-lung, die Ableitung des Elektrokardio-gramms und die Dialyse bei Nierenversa-gen sind einige bedeutende Meilensteine.Die „Engineering in Medicine and Biolo-gy Society“ des Institutes of Electrical andElectronics Engineers (IEEE/EMBS) hatweitere wegweisende Entwicklungen derletzten 80 Jahre gewürdigt [1]: das Elek-tronenmikroskop, die Eiserne Lunge, denHerzschrittmacher, den Computertomo-graphen, den Kernspintomographen unddie Roboter-unterstützte Chirurgie. Die-se Geräte und Verfahren sind heute ausdem klinischen Alltag nicht mehr weg-zudenken.Wo steht die Medizintechnik heuteund was sind Trends im 21. Jahrhundert?Was ist das „Wesen“ der BiomedizinischenTechnik in einer Zeit, in der neue Techno-logien den Alltag durchdringen und klas-sische Wissenschaftsgrenzen verschwin-den? Wie steht Deutschland im weltwei-ten wirtschaftlichen Vergleich, wo sindseine Stärken, wo Besonderheiten und In-novationshemmnisse zu finden?Der vorliegende Beitrag legt eine Dis-kussionsgrundlage für die Biomedizi-nische Technik in Deutschland vor. Erliefert Kenndaten über die Medizintech-nikbranche, beschreibt die Forschungs-landschaft, zeigt Forschungsgebiete und -trends auf und gibt einen Überblick überdie Forschungsförderung sowie einenEinblick in bestehende Innovationsbar-rieren.BiomedizinischeTechnik– eine BegriffsbestimmungDie Biomedizinische Technik ist ein in-terdisziplinäres Fachgebiet, in dem Na-turwissenschaftler, Ingenieure und Ärzte„[…] neue naturwissenschaftliche undtechnische Impulse und Ideen zum Nut-zen der Biologie und besonders zum Nut-zen der Medizin einsetzen“ [aus: Zielset-zung der Deutschen Gesellschaft für Bio-medizinische Technik (DGBMT) im Ver-band der Elektrotechnik, Elektronik, In-formationstechnik e.V. (VDE)]. Alle gro­ßen Fachgesellschaften, unter ihnen dieInternational Federation for Medical andBiological Engineering (IFMBE) und dasInstitute for Electric and Electronics En-gineering (IEEE) variieren zwar im Wort-laut und im Inhalt die Beschreibung die-ser Wissenschaftsdisziplin, kommen aberüberein, dass die Bestrebungen stets zurVerbesserung der Gesundheit und derLebensqualität des Menschen dienen.Die Anwendungen der BiomedizinischenTechniksindvielfältigundschließenunteranderem auch Aspekte der medizinischenInformatik und der medizinischen Physikmitein(. Abb. 1).Abgrenzungenzudie-sen und zu anderen Disziplinen zerflie-ßen heute und sind eher historisch oderkulturgeschichtlich als inhaltlich zu ver-stehen und aufrechtzuhalten. Neue wis-senschaftliche Erkenntnisse bringen neu-artige Technologien – wie zum Beispieldie Nanotechnologie – ein oder schla-gen Brücken zwischen bislang nicht ver-netzten Disziplinen. Gemeinsam ist allenEntwicklungen ihr humanitäres Ziel: derEinsatz neuartiger Erkenntnisse, Metho-den und Geräte für eine bessere Diagnose,Therapie und Rehabilitation zum Wohleder Patienten.Die MedizintechnikbrancheMehr als 4,3 Millionen Menschen findenim deutschen Gesundheitswesen Arbeit,759Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 8 · 2010  |
  2. 2. das ist gut ein Neuntel der Gesamtzahl derBeschäftigten in Deutschland. Die Ausga-ben für Gesundheit betrugen in Deutsch-land im Jahr 2007 insgesamt 252,8 Mrd.Euro; sie stiegen gegenüber dem Vorjahrum 7,8 Mrd. Euro oder 3,2%. Von diesemeindrucksvollen Gesamtbetrag entfallennach Angaben des Statistischen Bundes-amtes zirka 22,1 Mrd. Euro oder 8,75% aufAusgaben für Medizinprodukte.Der weltweite Umsatz von Medizin-produkten betrug im Jahr 2006 zirka200 Mrd. Euro und wächst jährlich mitSteigerungsraten von zirka 10%. In jenemJahr belegten die USA mit zirka 85 Mrd.Euro pro anno den ersten Platz auf demWeltmarkt, gefolgt von der EuropäischenUnion (EU) mit zirka 60 Mrd. Euro proanno. Davon stellt Deutschland allein mitzirka 21 Mrd. Euro pro anno den dritt-größten Markt dar [2].Die deutsche Medizintechnik hat sichim schärfer werdenden Wettbewerb bis-lang gut behaupten können [3, 4]. In denvergangenen fünf Jahren stieg der Umsatznominal um durchschnittlich rund 7,9%pro anno ([5], . Abb. 2). Damit übertriffter das jährliche Plus in der Elektrotech-nik (+4%) und das der gesamten Industrie(+3%) deutlich [6]. Mit einem Umsatz vonetwa 17,76 Mrd. Euro und zirka 10% Welt-marktanteil im Jahr 2008 steht die Bran-che auf Platz 3 hinter den USA (zirka 43%Weltmarktanteil) und Japan (zirka 11%Weltmarktanteil) [7]. Zu diesem Umsatz-plus trägt ganz wesentlich die große In-novationskraft der Branche bei, die sichdeutlich in einem hohen Anteil der Aus-gaben für Forschung und Entwicklungbezogen auf den Umsatz zeigt. Er liegt inder Medizintechnik bei durchschnittlich9% (mit bis zu 12% bei der Elektromedi-zin) gegenüber zirka 4% in der gesamtenIndustrie [6, 8].Der Außenhandel bleibt dabei die trei-bende Kraft der deutschen Medizintech-nik. Der Exportanteil ist mit knapp 65%(im Jahr 2008) nicht nur sehr hoch, erist mit durchschnittlich 13,3% pro annoin den letzten fünf Jahren auch deutlichstärker gewachsen als der Inlandsumsatz[5]. Deutschland hält mit zirka 12,5% anden weltweiten MedizintechnikexportenRang 2 hinter den USA, die mit zirka 23%nur knapp doppelt so viel exportieren.Laut Branchenverband Spectaris [9] wirdfür 2009 infolge leicht sinkender Export-zahlen zwar ein geringer Rückgang desGesamtumsatzes um 3% von 17,76 Milli-arden Euro im Jahr 2008 auf 17,2 Milliar-den Euro erwartet, jedoch bleibt die In-landsnachfrage bedingt durch die Finan-zierung des deutschen Gesundheitswe-sens über gesetzliche und private Kran-kenversicherungen stabil.Die EU mit 41,8% und die USA mit21,9% sind die wichtigsten Exportmärkteder deutschen Medizintechnikindustrie[5]. Während die großen Schwellenlän-der China (3,3%) und Indien (1,2%) der-zeit noch weit dahinter rangieren, ist dortdas Wachstum insgesamt und insbeson-dere in Bezug auf die spezifische Nach-frage nach Medizintechnik deutlich hö-her (. Abb. 3).Im gesamten Europa arbeiten zirka440.000 Personen in der Medizintechnik­industrie [10]. In Deutschland sind es zir-ka 95.000 Menschen in über 1200 Unter-nehmenmitmehrals20 Mitarbeitern.Dieetwa 10.000 Kleinunternehmen bietenweitere zirka 75.000 Arbeitsplätze, undes ergeben sich damit zirka 170.000 Be-schäftigte in über 11.000 Unternehmen20.0005.1234.8334.9635.3035.4145.7005.6705.5305.6406.2006.2404.3434.3525.0905.9626.5776.8007.8909.18010.36011.10011.52002.0004.0006.0008.00010.00012.00014.00016.00018.00019989.4669.18510.05311.26511.991Alle Angaben in Millionen €12.50013.56014.72016.00017.300 17.7601999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008AuslandInlandAbb. 2 8 Umsatzentwicklung (Ausland: Exporte) der Medizintechnik in Deutschland bis 2008.  (Quellen: Statistisches Bundesamt, Spectaris e.V. [7])Abb. 1 9 Themen-und Kompetenzfelderder BiomedizinischenTechnik im weiterenSinne. (Quelle: DGBMTimVDE)760 |  Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 8 · 2010Leitthema: BiomedizinischeTechnik: Chancen und Risiken
  3. 3. (zirka 1,6% der Gesamtbeschäftigungenin Deutschland). Die Medizintechnik wareine der wenigen Industriebranchen, diein den ersten Jahren des letzten Jahrzehntstrotz schwacher Konjunktur neue Arbeits-plätze schuf. So stieg zwischen 2000 und2006 die Zahl der Mitarbeiter um durch-schnittlich 2,6% pro anno, während sie imverarbeitenden Gewerbe insgesamt um1,2% pro anno zurückging [11].Als Folge der großen Forschungsinten-sität in der Medizintechnik arbeiten zir-ka 15% der Beschäftigten (bei steigendemAnteil) im Bereich Forschung und Ent-wicklung. Die große Innovationskraftder deutschen Medizintechnikindustriedrückt sich auch in ihrem Produktportfo-lio aus. Nahezu 32% des Umsatzes werdenmit Produkten erzielt, die weniger als dreiJahre alt sind. Im weltweiten Vergleichnimmt die deutsche Medizintechnikin-dustrie bei der Zahl der Patenterteilungenhinter den USA den zweiten Platz ein.Weltweit ist eine fortschreitendeMarktkonzentration hin zu größeren Un-ternehmen zu verzeichnen. So teilen diezehn führenden Weltkonzerne der Medi-zintechnik zirka 30% des Gesamtmarktesunter sich auf. In Deutschland findensich mit Siemens Healthcare, B. Braunund Dräger Medical drei Unternehmenaus der reinen Medizintechnik, die diejährliche Umsatzgrenze von 1 Mrd. Eu-ro überschreiten. Fünf weitere Unterneh-men erlösen mehr als 250 Mio. Euro proanno und weitere 38 Unternehmen min-destens 50 Mio. Euro [12]. Typisch für diedeutsche Unternehmenslandschaft ist ih-re mittelständische Struktur (. Abb. 4).Insgesamt 50% des deutschen Gesamt-umsatzes werden von Betrieben erwirt-schaftet, die die jährliche Umsatzschwel-le von 25 Mio. Euro nicht überschreiten.Das durchschnittliche Medizintechnik-unternehmen in Deutschland hat rund80 Mitarbeiter. Über 93% aller umsatz-steuerpflichtigen Unternehmen der Bran-che verzeichnen einen Jahresumsatz vonmaximal 2 Mio. Euro bei einem Anteil amGesamtumsatz von 27%.Ein Branchenvergleich aus dem Jahr2008 belegt die Sonderstellung der Me-dizintechnik zwischen der Biotechnolo-gie- und der Pharmaindustrie. Die Bio-technologieindustrie (zirka 500 Unter-nehmen, zirka 30.000 Beschäftigte, zirkaZusammenfassung · AbstractBundesgesundheitsbl 2010 · 53:759–767  DOI 10.1007/s00103-010-1103-2© Springer-Verlag 2010C. Schlötelburg ·T. Becks ·T. StieglitzBiomedizinischeTechnik heute. Eine Übersicht aus dem Blickwinkelder Deutschen Gesellschaft für BiomedizinischeTechnikZusammenfassungDie BiomedizinischeTechnik ist wie kaumein anderes Berufsbild undWissenschafts-feld durch ein interdisziplinäres Zusammen-wirken unterschiedlicherTechnologien,Wis-senschaften und Denkweisen gekennzeich-net. Das enge Zusammenspiel von Ingeni-eurwissenschaften und Informationstechnikmit Medizin und Biologie liefert die Grund-lage für das Entstehen innovativer ProdukteundVerfahren, stellt jedoch hohe Ansprüchean die interdisziplinäre Arbeitsweise verschie-dener Berufsgruppen, damit aus Ideen auchProdukte werden, die dem Patienten nützen.Der vorliegende Artikel beschreibt die Situati-on der BiomedizinischenTechnik in Deutsch-land, indem er Kenndaten über die Medizin-technikbranche liefert und sie in den inter-nationalen Markt einordnet. Er beschreibtdie Forschungslandschaft, zeigt aktuelle For-schungsgebiete und -trends auf und gibt ei-nen Überblick über die Forschungsförderungsowie einen Einblick in bestehende Innovati-onsbarrieren.SchlüsselwörterBiomedizinischeTechnik · Ausbildung ·­Forschung · Medizintechnikmarkt ·­ForschungsförderungBiomedical engineering today. An overview from theviewpoint of the German Biomedical Engineering SocietyAbstractBiomedical engineering is characterized bythe interdisciplinary co-operation of technol-ogy, science, and ways of thinking, probablymore than any other technological area.Theclose interaction of engineering and informa-tion sciences with medicine and biology re-sults in innovative products and methods,but also requires high standards for the inter-disciplinary transfer of ideas into products forpatients’benefits.This article describes thesituation of biomedical engineering in Ger-many. It displays characteristics of the medi-cal device industry and ranks it with respectto the international market.The researchlandscape is described as well as up-to-dateresearch topics and trends.The national fund-ing situation of research in biomedical engi-neering is reviewed and existing innovationbarriers are discussed.KeywordsBiomedical engineering · Education · Re-search · Medical device market · Funding ofresearch761Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 8 · 2010  |
  4. 4. 2 Mrd. Euro Jahresumsatz) ist mit weni-ger als 20% der Mitarbeiter und 11% desUmsatzes im Vergleich zur Medizintech-nikindustrie (11.044 Unternehmen, zirka170.000 Beschäftigte, 17,76 Mrd. Euro Jah-resumsatz) klein zu nennen [7, 8, 13]. Diepharmazeutische Industrie (1031 Unter-nehmen, 127.248 Beschäftigte, 31,15 Mrd.Euro Jahresumsatz) erwirtschaftet hin-gegen mit einer geringeren Mitarbeiter-zahl ein um 75% höheres Umsatzvolu-men [14].Medizinprodukte entsprechend derBegriffsbestimmung gemäß § 3 MPG(Medizinproduktegesetz) dürfen erst nacheinem Registrierungsverfahren in Ver-kehr gebracht werden. Das Ergebnis je-des in Deutschland durchgeführten Ver-fahrens wird dem Deutschen Institut fürMedizinische Dokumentation und Infor-mation (DIMDI) gemeldet. Zurzeit be-finden sich etwa 8000 verschiedene Pro-duktgruppen mit insgesamt 400.000 Ar-tikeln im Handel [12]. Auch die Verteilungdieser Produkte gemäß der im MPG defi-nierten Kategorien für das Jahr 2003 bis2006 (. Abb. 5) zeigt, dass neben Neu-erungen bei Einmalartikeln und wieder-verwendbarenInstrumentenDeutschlandim Bereich der elektrischen und medizi-nischen Produkte seine Stärken besitzt.Die Forschungslandschaft derBiomedizinischenTechnikForschungundEntwicklunginderBiome-dizinischen Technik finden in Deutsch-land an Hochschulen und Forschungs-einrichtungen (. Abb. 6) sowie in deut-schen Medizintechnikunternehmen statt,die im Durchschnitt mit zirka 15% ihrerBeschäftigten in diesen Bereichen arbei-tenundjenachBranchenteilbiszu12%ih-res Umsatzes in Forschung und Entwick-lung (FuE) investieren. Die 36 Universi-tätskliniken in Deutschland (http://www.landkarte-hochschulmedizin.de) spielenbei der FuE ebenfalls eine wichtige Rolle.Hier wird an neuen medizinischen Diag­nose- und Therapierverfahren geforscht,die oft erst durch innovative medizintech-nische Geräte und Systeme möglich wer-den. Insofern werden hier viele medizi-nischen Entwicklungen in Kooperationmit Ingenieuren und Naturwissenschaft-lern aus der Industrie oder aus anderenFakultäten realisiert.Einen ersten Eindruck über die Ak-tivitäten zur Biomedizinischen Tech-nik an Hochschulen kann man aus ei-ner Übersicht der Studienmöglichkeitengewinnen. Gegenwärtig existieren anüber 50 deutschsprachigen Hochschulen(. Abb. 6) Studiengänge für Biomedizi-nische Technik (siehe hierzu auch: http://www.dgbmt.de). Diese stellen allerdingsnur einen Ausschnitt der Forschungsak-tivitäten an Hochschulen dar. Der me-dizintechnische Fortschritt wird oft ge-trieben durch neue Erkenntnisse in denSchlüsseltechnologien Informations- undKommunikationstechnik, Mikrosystem-technik, Nanotechnologie, Biotechnolo-gie, Materialwissenschaften und optischeTechnologien. Hier ist das Spektrum derdaran arbeitenden Lehrstühle und Insti-tute in den unterschiedlichen beteiligtenFakultäten noch deutlich größer.Eine besondere Situation ergibt sichin Deutschland durch außeruniversi-täre Institute der großen Forschungsge-sellschaften. Hier sind in erster Linie dieFraunhofer Gesellschaft (http://www.fraunhofer.de), die Helmholtz-Gemein-schaft Deutscher Forschungszentren (ht-tp://www.helmholtz.de) mit ihrem For-schungsbereich Gesundheit und ihren16 Helmholtz-Zentren sowie die Leibniz-Gemeinschaft (http://www.leibniz-ge-meinschaft.de) mit ihrer Sektion Lebens-wissenschaften zu nennen. Im Bereichder anwendungsorientierten Forschungist beispielsweise die Fraunhofer-Gesell-schaft im Verbund Life Sciences mit bio-logischen, biomedizinischen, pharmako-logischen, toxikologischen und lebens-mitteltechnologischen Kompetenzenvon 419 Mitarbeitern über Institutsgren-zen hinweg gebündelt. Weitere Fraunho-fer-Verbundaktivitäten finden sich in denGroßunternehmen(ab EUR 50 Mio. Jahresumsatz)93,3%5,3%0,4%27,2%14,6%15,9%42,3%1,0%0,0%Anteile amgesamten UmsatzAnteile an derUnternehmenszahlMittelgroßeUnternehmen(bis EUR 50 Mio. Jahresumsatz)Kleinunternehmen(bis EUR 10 Mio. Jahresumsatz)Kleinstunternehmen(bis EUR 2 Mio. Jahresumsatz)20,0% 40,0% 60,0% 80,0% 100,0%Abb. 4 8 Der Mittelstand dominiert die Medizintechnikindustrie. (Quelle: Statistisches Bundesamt)2,21,58,06,503691215BruttoinlandsproduktNachfrage nachMedizintechnikDurchschnittliches jährliches Wachstumvon 2010 bis 2014 (in Prozent)2,5 - 3,52,0 - 2,511,5 - 14,59,0 - 11,0VereinigteStaatenWest-EuropaChina IndienAbb. 3 9 Vergleichdes prognostiziertenBruttoinlandsproduktsund der Nachfragenach Medizintechnikin ausgesuchten Regi-onen [5]762 |  Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 8 · 2010Leitthema: BiomedizinischeTechnik: Chancen und Risiken
  5. 5. Allianzen „Ambient Assited Living“ und„Vision“ (Bildverarbeitung) und dem In-novationscluster „Personal Health“.Die Zusammenarbeit zwischen denMedizintechnikunternehmen und derinstitutionellen Forschung ist in einigendeutschen Regionen besonders gut ausge-bildet. Dort befindet sich eine besondershohe Konzentration an Unternehmen,Forschungseinrichtungen und Dienst-leistern der Medizintechnik, die sehr gutmiteinander vernetzt sind und über aus-geprägte Kooperationsbeziehungen ver-fügen. Hierbei sind die Regionen Aachen,Berlin, Erlangen/Nürnberg, Hamburg/Kiel/Lübeck, Karlsruhe/Pforzheim, Mün-chen, Stuttgart und Tübingen/Tuttlingenbesonders hervorzuheben. In der zweitenRunde des Spitzenclusterwettbewerbs, dervom Bundesministerium für Bildung undForschung (BMBF) 2009 ausgeschrie-ben wurde, hat das „Medical Valley Eu-ropäische Metropolregion Nürnberg“ ei-nen von fünf zu vergebenen Spitzenplät-zen belegt und damit die Möglichkeit er-halten, in den nächsten fünf Jahren bis zu200 Mio. Euro an Bundesfördermitteln zubekommen. Darüber hinaus haben vonden bislang zehn ausgewählten Spitzen-clustern außer dem Medical Valley nochdrei weitere inhaltliche Bezugspunkte zurMedizintechnik: BioRN – Cluster Zellba-sierte Molekulare Medizin in der Me-tropolregion Rhein-Neckar, MicroTecSüdwest in Baden-Württemberg mit derGeschäftsstelle in Freiburg und der Mün-chener Biotech Cluster.Forschungsgebiete und -trendsin der BiomedizinischenTechnikDie Forschungsaktivitäten in der Biome-dizinischen Technik sind außerordentlichvielfältig und integrieren unterschiedlicheFachgebiete. In einer vom BMBF in Auf-trag gegebenen Studie wurden als beson-dersforschungsintensiveThemenderBio-medizinischen Technik identifiziert [15]:F Zell- und Gewebetechnik,F Therapiesysteme,F Diagnosesysteme,F bildgebende Verfahren,F Geräte und Systeme für minimal-invasive Interventionen,F Labortechnik,F Diagnostika,F chirurgische Geräte und Systeme,F e-Health, Software und Telemedizin,F technische Einrichtungen in Klinikund Praxis,F physiotherapeutische Geräte und­ysteme,F Rehabilitationsgeräte und -systeme/Hilfen für Behinderte,F audiologische Geräte und Systeme,F zahnmedizinische Geräte und­Systeme,F Prothesen und Implantate,F ophthalmologische Geräte und­Systeme.Beispielhaft soll hier auf drei Themendieser Liste näher eingegangen werden.Bildgebende Verfahren.  Derzeit ist ei-ne besonders hohe Innovationstätigkeitbei den bildgebenden Verfahren zu ver-zeichnen, mit denen medizinische Be-funde, physikalische oder chemischeEreignisse im Körper visualisiert wer-den. Zu den klassischen Verfahren ge-hören das planare Röntgen, die Com-putertomographie (CT), die Magnetre-sonanztomographie (MRT) und der Ul-traschall (US). Neuere Verfahren sinddie Positronen-Emissionstomographie(PET) und die Single-Photon-Emissi-onstomographie (SPECT). Darüber hi­naus spielen optische beziehungsweisefluoreszenzoptische Verfahren eine zu-nehmend wichtige Rolle. Mit Blick aufdie Anwendungen bildgebender Verfah-ren wird in den Bereichen Früherken-nung und Therapiemonitoring inten-siv geforscht. Beim Therapiemonitoringwird beispielsweise eine medikamentöseTherapie durch bildgebende Diagnos-tik begleitet und abhängig von den dia-gnostischen Ergebnissen adaptiert. Im-mer häufiger werden auch chirurgischeEingriffe durch bildgebende Diagnostikbegleitet und im Rahmen einer bildge-führten Intervention endoskopische Ins-trumente gesteuert [19]. Die Kombinati-on unterschiedlicher bildgebender Ver-fahren zur sogenannten „multimodalenBildgebung“ ist seit einigen Jahren in denFokus der Forschungen gerückt. Da je-des bildgebende Verfahren über indivi-duelle Stärken und Schwächen verfügt,wird auf diese Weise versucht, die jewei-ligen Vorteile miteinander zu kombinie-ren und die Schwächen zu verringern.Ein Forschungsgebiet mit besonders ho-hem Zukunftspotenzial ist die „moleku-lare Bildgebung“. Hier werden bestimm-te Signalmoleküle, die von einem bildge-benden Verfahren erkannt werden kön-13972.0136495.2211.3333532.8425992222860Nichtaktiveimplantierbare ProdukteAnzahl der ErstanzeigenAnästhesie- undBeatmungsgeräteAktive implantierbareProdukteElektrische und mech.MedizinprodukteWiederverwendbareInstrumenteZahnärztlicheInstrumenteOpthomologische undoptische ProdukteProdukte zumEinmalgebrauchTechnische Hilfen fürbehinderte MenschenRöntgen - und anderebildgebende GeräteKrankenhausinventarKategorien1000 2000 3000 4000 5000 6000Abb. 5 8 Verteilung der Erstanzeigen nach Kategorien 2003 bis 2006 [17, 18]763Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 8 · 2010  |
  6. 6. nen, an einen sogenannten Marker ge-koppelt. Das Markermolekül, zum Bei-spiel ein Antikörper oder ein Peptid, bin-det gemäß dem biologischen Schlüssel-Schloss-Prinzip spezifisch an bestimm-te veränderte Zellstrukturen, die mit ei-ner Erkrankung in Verbindung stehen.Auf diese Weise wird das Kontrastmittelam Erkrankungsort angereichert, sodasseine bildgebende Diagnostik mit hoherSpezifität und Sensitivität durchgeführtwerden kann. Die Weiterentwicklung derbislang eingesetzten universellen Kon-trastmittel durch spezifische moleku-larbiologische Markerstoffe eröffnet so-mit völlig neue Diagnosemöglichkeiten.Mit Markerstoffen, die die Blut-Hirn-Schranke überwinden, können so auchentzündliche Prozesse und Plaques imGehirn festgestellt werden [20]. AndereMarker würden auf diese Weise die früh-zeitige Diagnose von Alzheimer und an-deren neurodegenerativen Krankheitenermöglichen [21].Prothesen und Implantate.  Auch aufdem Gebiet der Prothesen und Implantatewird derzeit besonders intensiv geforschtund entwickelt. So nehmen bei Endopro-thesen die Standzeiten stetig zu. Die Ent-wicklung von Werkstoffen mit einemElastizitätsmodul ähnlich dem von Kno-chen trägt dazu bei, die Biegespannung anden Grenzflächen zwischen Prothese undKnochen zu minimieren [22]. Durch einAufbringen von innovativen bioaktivenOberflächenaufdieProthesenwirkendie­se antiseptisch und helfen damit, Infekti-onen zu vermeiden [23]. Ferner soll dieAnheilung des Knochens an die Protheseverbessert und somit ein stabilerer Kon-takt geschaffen werden. Die individuelleProthesenanpassung setzt eine ausführ-liche Operationsplanung voraus. Auf derGrundlage von Computertomographie(CT) und Magnetresonanztomographie(MRT) werden Bilder des Patienten aufge-nommen, mit denen der Arzt über com-putergestützte Entwürfe (computer aideddesign, CAD) und Fertigungen (computeraided manufacturing, CAM) die Prothe-se optimal an den Patienten anpasst. BeiImplantaten ist insbesondere ein kontinu-ierlicher Anstieg der Funktionsdichte zuverzeichnen. Dabei sind bei elektrisch ak-tiven Implantaten die weitere Miniaturi-sierung sowie die Energieversorgung diegrößten Herausforderungen [24]. Hinzukommt die Entwicklung von langzeitsta-bilen biokompatiblen Gehäusen und lang-fristig funktionalen Elektroden [25] als bi-direktionale Schnittstelle zum Nervensys-tem, mit der bioelektrische Signale abge-leitet oder Nervenzellen stimuliert wer-den. Zur patientenindividuellen und ef-fektiven Therapie werden geregelte Syste-me angestrebt [26], bei denen über physi-ologische Messgrößen (zum Beispiel dieBlutzuckerkonzentration) eine Aktorik,also eine aktive Intervention angestrebtwird. Diese kann je nach Anwendungdie Gabe von Wirkstoffen (zum BeispielInsulin) über eine Medikamentenpum-pe sein oder aber auch die Erregung vonNerven. Von Regelung (closed-loop con­trol) wird gesprochen, wenn die Rückwir-kung kontinuierlich und ohne den Ein-griff eines Menschen allein durch einenAlgorithmus auf Basis eines Vergleichesvon Sollwert und Messwert erfolgt. Dafür viele Krankheiten und Therapien dieerforderlichen Zustandsgrößen aus demKörper nicht zuverlässig gemessen wer-den können und für nur wenige physio-logische Funktionen und Erkrankungenvalide Modelle vorliegen, steht die Biome-dizinische Technik hier noch vor großenHerausforderungen, bis im Rahmen ei-ner Modell-basierten Medizin eine gere-gelte Therapiekontrolle eingeführt wer-den kann.Telemonitoring.  Einen weiteren me-dizintechnischen Innovationsschwer-punkt stellt das Telemonitoring dar. Ty-pischerweise besteht ein Telemonitoring-system aus medizinischen Sensoren undeiner Basisstation beim Patienten, einemÜbertragungssystem und der Datenspei-cherung und -auswertung bei einem te-Stralsund /GreifswaldRostockLübeckHamburgOldenburg / Ostfriesland /WilhelmshavenBremerhavenHannover Braunschweig BerlinMünsterGelsenkirchenBochumHalle Anhalt / KöthenAachenJenaBautzenMittweidaDresdenIImenauGeißen / Friedberg ZwickauKoblenz / RemagenDarmstadtKaiserslauternWürzburg /SchweinfurtMannheimKarlsruheStuttgartUlmMünchenFurtwangenFreiburgWinterthurMuttenz /NW-SchweizZürichBuchsBernWestschweizWienGrazSaarbrücken /St. IngbertUniversitätFachhochschuleKooperation Uni mit FHBerufsakademieAbb. 6 8 Übersicht aller Hochschulen mit Studiengängen der BiomedizinischenTechnik und des­Klinik-Ingenieurswesens in deutschsprachigen Ländern764 |  Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 8 · 2010Leitthema: BiomedizinischeTechnik: Chancen und Risiken
  7. 7. lemedizinischen Zentrum, Krankenhausoder Arzt. Am oder im Körper befind-liche Sensoren kommunizieren über einNetzwerk sowohl untereinander als auchmit Empfangspunkten, die sich in Über-tragungsreichweite befinden. Die Ba-sisstation des Patienten nimmt die Da-ten vom Sensorsystem entgegen und lei-tet sie an ein telemedizinisches Zentrumweiter. Von dort aus werden die Daten andie behandelnde Klinik oder den Haus-arzt gesendet. Einen Entwicklungstrendstellen zunehmend interoperabel arbei-tende Telemonitoringsysteme dar, beidenen Komponenten und Sensoren, dievom Patienten genutzt werden, nach dem„Plug and Play“-Konzept funktionieren.Hierzu bedarf es geeigneter Standardsund Schnittstellen, die eine Systemerwei-terung in entsprechender Art und Weiseermöglichen, sowie zuverlässiger, meistextrakorporaler Sensoren. Mit Blick aufdie Anwendungen von Telemonitoring-systemen stehen derzeit Patienten mitHerz-Kreislauf-Erkrankungen im Vor-dergrund [27]. Angesichts der demogra-fischen Entwicklung rücken jedoch auchandere Krankheitsbilder in den Blick-punkt der Entwickler, so zum Beispielchronische Lungenerkrankungen [28],für die eine sogenannte „Peakflow-Mess-sensorik“ entwickelt wird, und Diabetes,bei dem die Bestimmung der Blutzucker-konzentration zukünftig über verschie-dene extrakorporale und implantierbareSensoren möglich werden soll [29]. AuchImplantate wie Herzschrittmacher wer-den zunehmend in Telemonitoringsyste-me eingebunden [30]. Es kommt dadurchzu einer deutlichen Zunahme der gemes-senen Parameter. Beispiele sind die Vari-abilität der Herzfrequenz, die intrathora-kale und die intrakardiale Impedanz. Er-krankungsrelevante Parameter des Pati-enten können immer umfassender undindividueller erfasst werden.Insgesamt zeichnet sich in der Medi-zintechnik ein deutlicher Zukunftstrendab: Medizintechnische Systeme und Ver-fahren werden immer stärker den indi-viduellen Profilen einzelner Patientenoder Patientengruppen angepasst. Die-se Form der „personalisierten Medizin“führt durch eine spezifischere Behand-lung und Reduzierung unerwünschter Ef-fekte zu einer höheren Qualität der Pati-entenversorgung, aber auch zu neuen ge-sellschaftlichen und ethischen Herausfor-derungen, wenn Informationen über Er-krankungen direkt vom Genom abgelesenwerden [31]. Eine wesentliche Vorausset-zung für die Entwicklung personalisiertermedizintechnischer Verfahren und Sys-teme ist die möglichst umfassende Dia-gnostik aller relevanten Krankheitsfak-toren und – basierend auf dem Verständ-nis ihres Zusammenwirkens – die unmit-telbare Einleitung einer auf den Patientenmaßgeschneiderten Therapie („Theranos-tik“). Insgesamt werden diese Trends einegezieltere Therapieauswahl und eine bes-sere Therapieverlaufskontrolle ermögli-chen. Neben dem unmittelbaren Nutzenfür den Patienten werden personalisiertemedizinische Interventionen auch in ge-sundheitsökonomischer Hinsicht zu Vor-teilen führen, da Krankheiten früher er-kannt und mit weniger Nebenwirkungentherapiert werden können.Forschungsförderung in derBiomedizinischenTechnikDie Erforschung und Entwicklung inno-vativer medizintechnischer Systeme undVerfahren ist anspruchsvoll, kostenin-tensiv und muss entsprechend finanziertwerden. Daher spielt neben den Aufwen-dungen der Medizintechnikunternehmenfür Forschung und Entwicklung die öf-fentliche Forschungsförderung eine wich-tige Rolle. Medizintechnische Forschungund Entwicklung werden in Deutschlandin vielfältiger Art und Weise durch För-derprogramme unterstützt. Eine wesent-liche Rolle kommt dabei der Hightech-Strategie der Bundesregierung zu [16], inder „Gesundheitsforschung und Medizin-technik“ als einer von insgesamt 17 “High-tech-Sektoren“ definiert wird. Darüberhinaus werden mit dem ebenfalls in derHightech-Strategie festgeschriebenen„Aktionsplan Medizintechnik“ die unter-schiedlichen Förderprogramme und Ak-tivitäten des BMBF, die einen Bezug zurMedizintechnik haben, gebündelt. ImRahmen der Hightech-Strategie der Bun-desregierung und deren 17 Innovations-feldern werden zusätzlich zum regulärenForschungsetat 4 Mrd. Euro vom BMBFfür die Forschung vergeben. Davon ent-fallen insgesamt 800 Mio. Euro auf denBereich „Gesundheitsforschung und Me-dizintechnik“. Hinzu kommen 1,180 Mrd.Euro für die Informations- und Kommu-nikationstechnik, 640 Mio. Euro für Na-notechnologie, 430 Mio. Euro für Biotech-nologie, 420 Mio. Euro für Materialwis-senschaften, 310 Mio. Euro für optischeTechnologien und 220 Mio. Euro fürdie Mikrosystemtechnik, die als Schlüs-seltechnologien für die Medizintechnikebenfalls eine zentrale Rolle in der medi-zintechnischen Forschung spielen.Die medizintechnische Projektförde-rung des BMBF findet in unterschied-lichen Programmen statt und ist überwie-gend im Bereich der angewandten For-schung angesiedelt. Sie dient primär derUmsetzung von Forschungsergebnissender Grundlagenforschung in die industri-elle Produkt- beziehungsweise Verfahren-sentwicklung und in die Anwendung imGesundheitssystem. So werden Medizin-technikprojekte beispielsweise in den För-derprogrammen Mikrosysteme, optischeTechnologien oder Nanotechnologie vomBMBF gefördert. Aufgrund des stark in-terdisziplinären Profils der Medizintech-nik gibt es jedoch auch weitere Anknüp-fungspunkte – und entsprechende För-dervorhaben – etwa zu den BMBF-Pro-grammen Informations- und Kommuni-kationstechnologie(IKT)oderBiotechno-logie. Einen Schwerpunkt stellt die Medi-zintechnik innerhalb der Gesundheits-forschung des BMBF dar. Hier findet ins-besondere der jährlich ausgeschriebene„Innovationswettbewerb Medizintech-nik“ statt, der ein großes Spektrum unter-schiedlicher Fachthemen abbildet. Um dieBekanntmachungen und Projekte zu ko-ordinieren, wurde im BMBF der „inter-ne Koordinierungskreis Medizintechnik“eingerichtet. Hinzu kam der mit exter-nen Fachberatern besetzte „Medizintech-nische Ausschuss (MTA)“ des Gesund-heitsforschungsrats. Die Arbeiten beiderGremien mündeten in dem bereits obenerwähnten Aktionsplan Medizintechnik,der Themenschwerpunkte setzte bei:F Medizintechnik in der Rehabilitationund Pflege – intelligente Implantate,F Bildgebung undF Medizintechnik für die regenerativeMedizin.765Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 8 · 2010  |
  8. 8. Der Aktionsplan Medizintechnik wirdkontinuierlich fortgeschrieben.Auch durch die Deutsche Forschungs-gemeinschaft (DFG) wird Grundlagen-forschung in der Biomedizinischen Tech-nik gefördert. Die DFG sieht die Medi-zintechnik als Paradebeispiel für ein mul-tidisziplinäres Forschungsgebiet und einaußerordentlich entwicklungsfähigesThemenfeld. Die DFG-Projektgruppe„Medizintechnik“ hat in den Jahren 2003bis 2009 versucht, Hürden abzubauen,die sich mit dem hohen Maß an Inter-disziplinarität und den damit einherge-henden Kommunikationsschwierigkeitenzwischen den Fachdisziplinen begründenlassen. Das daraus neu entstandene Fach-kollegiumMedizintechnikversuchtalsin-terdisziplinäre Querverbindung zwischenMedizinern und Ingenieuren den beson-deren Anforderungen der Bewertung in-terdisziplinärer medizintechnischer An-träge gerecht zu werden. Die hierher ausverschiedensten Fachkollegien entsand-ten Vertreterinnen und Vertreter sindweiterhin an der Bewertung der den je-weils einzelnen Fachkollegien zugeord-neten Anträgen betei­ligt. Zusätzlich sindsie für die Bewertung und Diskussionmedizintechnischer Anträge im interdis-ziplinären Fachkollegium Medizintech-nik verantwortlich.Auch im 7. EU-Forschungsrahmen-programm werden Forschungs- und Ent-wicklungsprojekte der Medizintechnikgefördert. Die entsprechenden thema-tischen Bekanntmachungen ordnen sichvor allem den Themenbereichen „Ge-sundheit“, „Informations- und Kommu-nikationstechnologien“ sowie „Nanowis-senschaften, Nanotechnologien, Materi-alien und neue Produkttechnologien“ zu.Weitere Förderaktivitäten finden sich aufder Ebene einzelner Bundesländer.Innovationsbarrieren derBiomedizinischenTechnikÖffentliche Technologieförderung kanneinen wesentlichen Teil des Risikos beider Entwicklung innovativer Medizin-technik kompensieren. Jedoch stellendie Phasen der industriellen Forschungund vorwettbewerblichen Entwicklungnur einen Teilbereich der gesamten Um-setzungskette eines medizintechnischenProdukts dar. So sehen sich die Medi-zintechnikunternehmen insgesamt miteinem immer länger dauernden und kos-tenintensiver werdenden Gesamtpro-zess von der Idee bis zur Refinanzierungeines Medizinprodukts konfrontiert [15].Ein wesentlicher Grund dafür ist eine derabschließenden Phasen der medizintech-nischen Produktentwicklung: die Über-führung einer innovativen Technologiein die Kostenerstattung der GesetzlichenKrankenversicherung (GKV). DieserProzess gilt als vergleichsweise lang, auf-wendig und wenig transparent. Der Zu-gang medizintechnischer Innovationenzum geregelten Markt und damit auchzur überwiegenden Zahl der Patientenin Deutschland gestaltet sich dadurch alsschwierig. Eine weitere potenzielle Hür-de ist die Phase der klinischen Forschungund Validierung einer innovativen Medi-zintechnologie, die ebenfalls mit hohenKosten und einem erheblichen „Erfolgs-risiko“ einhergeht [15]. Vielfach ist dieGewinnung eines geeigneten klinischenPartners, der über das erforderliche Kom-petenzprofil für eine bestimmte medizi-nische Fragestellung verfügt, aus Sichtder Unternehmen eine Herausforderung.Hinzu kommt, dass in der Phase der me-dizintechnisch-klinischen Forschung, dasheißt vor allem durch das jeweilige Stu-diendesign, wesentliche Grundlagen fürdie sich anschließende Nutzenprüfung inBezug auf die GKV-Erstattung geschaf-fen werden. Insbesondere kleinere Unter-nehmen können diesen potenziellen In-novationsbarrieren lediglich mit begrenz-ten finanziellen Möglichkeiten begegnen.Bei ihnen können sich bereits die Phasender Marktzulassung oder des Know-how-Schutzes aufgrund ihres zum Teil hohenAufwandes als innovationshinderlichauswirken. Auch die Finanzierung vonForschungs- und Entwicklungsvorhabenin kleinen und insbesondere jungen Me-dizintechnikunternehmen, vor allem inder Markteintrittsphase, kann eine signi-fikante Hürde darstellen.FazitDie Medizintechnik ist, wie kaum einanderes Fachgebiet, durch interdiszip-linäres Zusammenwirken unterschied-licherTechnologien, Wissenschaften undDenkweisen gekennzeichnet. Das engeZusammenspiel von Ingenieurwissen-schaften und Informationstechnik mitMedizin und Biologie bildet die Grund-lage für das Entstehen innovativer Pro-dukte undVerfahren. Die Biomedizi-nischeTechnik hat in den letzten Jahr-zehnten die Medizin und das Gesund-heitswesen durch die Entwicklung neu-er Methoden und Geräte für Präventi-on, Diagnostik,Therapie und Rehabili-tation revolutioniert. Ein innovativer In-dustriezweig ist entstanden, der neueBerufsfelder geschaffen hat und eineerhebliche Anzahl von Menschen be-schäftigt. Jedoch stellt derTransfer vonIdeen aus der Forschung in Produkte,die dem Patienten nützen, hohe Ansprü-che an die interdisziplinäre Arbeitswei-se verschiedener Berufsgruppen. MitBlick sowohl auf die Hochschulausbil-dung als auch auf dieVernetzung ent-sprechender Kompetenzen sollte die-serTatsache mit Blick auf die Zukunftverstärkt Rechnung getragen werden.Die Entwicklung des Angebots der Stu-diengänge von wenigen Standorten inden 1960er-Jahren bis auf 50 Hochschu-len heute zeigt, welche Dynamik im Be-reich der BiomedizinischenTechnik liegt.Die Attraktivität der Studiengänge, ge-rade auch bei weiblichen Studierenden,beruht unter anderem auf derThemen-vielfalt und den Möglichkeiten, mit dereigenen Arbeit zur Steigerung der Le-bensqualität von Kranken beizutragenund sie dadurch als sinnvoll zu erleben.Damit Deutschland im internationalenWettbewerb der Medizintechnik mit-tel- bis langfristig bestehen und Markt-anteile halten beziehungsweise ausbau-en kann, ist die Fähigkeit zur kontinu-ierlichen technologischen Innovationvon zentraler Bedeutung und wird somitzum wichtigen Ansatzpunkt staatlichenHandelns. Damit neue Ideen aus Wissen-schaft und Forschung letztlich als erfolg-reiche Produkte und Dienstleitungen ih-ren Weg zum Markt finden können, müs-sen Rahmenbedingungen für die betei-ligten Akteure derWertschöpfungsket-te geschaffen werden, die die im Beitraggenannten Innovationshemmnisse kon-sequent minimieren, damit der Stand-ort Deutschland weiterhin auf demWelt-markt konkurrenzfähig bleibt.766 |  Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 8 · 2010Leitthema: BiomedizinischeTechnik: Chancen und Risiken
  9. 9. KorrespondenzadresseDr. C. SchlötelburgVerband der Elektrotechnik Elektronik  Informationstechnik e.VStresemannallee 15,  60596 Frankfurt am Maindgbmt@vde.comInteressenkonflikt.  Der korrespondierende Autorgibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.Literatur  1. Charting the Milestones of Biomedical Enginee-ring (2002) IEEE, Piscataway  2. Invest in Germany (2008) MEDICAL DEVICES: CEmarking and reimbursement in Germany, Berlin  3. DB Deutsche Bank Research (2006) Deutsche Me-dizintechnik: Exportdynamik ungebrochen. Eigen-verlag, Frankfurt am Main  4. Deutsches Institut fürWirtschaftsforschung (2006)Die Medizintechnik am Standort Deutschland –Chancen und Risiken durch technologische Inno-vationen, Auswirkungen auf und durch das natio-nale Gesundheitssystem sowie potentielleWachs-tumsmärkte im Ausland. 2., neubearbeitete underweiterte Auflage. Eigenverlag, Berlin  5. HSH Nordbank (2010) Globale Absatzmärkte derdeutschen Medizintechnik: Perspektiven und Pro-gnosen 2020. Eigenverlag, Hamburg  6. Bundesministerium für Bildung und Forschung(2005) Studie zur Situation der Medizintechnik inDeutschland im internationalenVergleich. Eigen-verlag, Berlin  7. Spectaris Deutscher Industrieverband für optische,medizinische und mechatronischeTechnologiene.V. (2009) Branchenbericht 2008 – Hightech, In-novation,Wachstum – Die optische, medizinischeund mechatronische Industrie in Deutschland. Ei-genverlag, Berlin  8. GermanyTrade Invest (2009)The medical tech-nology industry in Germany. Eigenverlag, Berlin  9. Spectaris Deutscher Industrieverband für optische,medizinische und mechatronischeTechnologiene.V. (2009) Mittelständische Unternehmen stärkender Medizintechnikbranche in der Krise den Rü-cken. Pressemitteilung, 16.12.200910. Eucomed (2007) Medical technology brief: keyfacts and figures on the European medical techno-logy industry. Eigenverlag, Brussels11. HSH Nordbank (2010) Medizintechnik in Deutsch-land. Zukunftsbranche Medizintechnik – Auch imNorden einWachstumsmotor. Eigenverlag, Ham-burg12. Invest in Germany (2008) INDUSTRY OVERVIEW:The medical devices industry in Germany. Eigen-verlag, Berlin13. GermanyTrade Invest. (2009)The medical bio-technology industry in Germany. Eigenverlag, Ber-lin14. GermanyTrade Invest. (2009)The pharmaceuti-cal industry in Germany. Eigenverlag, Berlin15. Bundesministerium für Bildung und Forschung(2008) Studie zur Identifizierung von Innovations-hürden in der Medizintechnik. Eigenverlag, Berlin16. Bundesministerium für Bildung und Forschung(2006) Die Highttech-Strategie für Deutschland. Ei-genverlag, Bonn Berlin17. Deutsches Institut für Medizinische Dokumen-tation und Information (2008)Vorschlagsverfah-ren zur Pflege von OPS und ICD-10-GM für Zwe-cke des G-DRG-Systems, http://www.dimdi.de/static/de/klassi/prozeduren/opspflege/index.htm(14.9.2009)18. PriceWaterhouse Coopers (2008) Interne Analysefür denVDE19. Moche M,Trampel R, KahnT, Busse H (2008) Na-vigation concepts for MR image-guided interven-tions. J Magn Reson Imaging 27(2):276–29120. Stoll G, Bendszus M (2010) New approaches toneuroimaging of central nervous system inflam-mation. Curr Opin Neurol [Epub ahead of print]21. Ryu EK, Chen X (2008) Development of Alzheimer’sdisease imaging agents for clinical studies. FrontBiosci 1(13):777–78922. Zhao DS et al (2009) Development of a multi-com-ponent fiber-reinforced composite implant forload-sharing conditions. Med Eng Phys 31(4):461–46923. Zhao JM,Tsuru K, Hayakawa S, Osaka A (2008) Mo-dification ofTi implant surface for cell prolifera-tion and cell alignment. J Biomed Mater Res A84(4):988–99324. StieglitzT (2007) Intelligente Implantate im Diens-te des Patienten, Proceedings MikrosystemtechnikKongress, 15.–17. Oktober, Dresden, S 83–8825. StieglitzT (2010) Manufacturing, assembling andpackaging of miniaturized neural implant. Micro-systemsTechnol 16(5):723–73426. 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Ginsburg GS,Willard HF (2009) Genomic and per-sonalized medicine: foundations and applications.Transl Res 154(6):277–287MasterstudiengangAlternde GesellschaftenZumWintersemester 2010/2011 ­beginnt– unterVorbehalt der Akkreditierung – anderTechnischen Universität Dortmund,Fakultät für Er­ziehungswissenschaft undSoziologie, der Masterstudiengang Alternde­Gesellschaften.Der Studiengang richtet sich an Absol-ventinnen und Absolventen sozial- undverhaltenswissenschaftlicher Bachelor- undDiplomstudiengänge, die eine ErweiterungundVertiefung ihrer Kenntnisse im Hin-blick auf soziale und ökonomische Aspekte­alternder Gesellschaften anstreben und diesemit einer Qualifizierung für (Leitungs-)Tätig-keiten in Forschung und Praxis verbindenmöchten.Studieninhalte:  Der Masterstudiengang versteht das kollek-tive Altern unserer Gesellschaft als eine derwichtigsten individuellen, institutionellenund gesamtgesellschaftlichen Gestaltungs-aufgaben unserer Zeit. Er vermittelt relevantes Fachwissen über Alterund Altern aus der Perspektive verschiedenerDisziplinen und verbindet dieses in interdis-ziplinärerWeise innerhalb drei ausgewählterThemenschwerpunkte:F Technik,Wirtschaft und Arbeit,F Bildung, bürgerschaftliches Engagementund Partizipation,F Gesundheitliche und pflegerischeVer­sorgung imWohlfahrtsmix.Neben fundiertem Fachwissen, vermitteltder Masterstudiengang methodische Kom-petenzen, die zu einerTätigkeit in der Sozial-bzw. Alternsforschung befähigen.Quelle:Lehrstuhl für soziale Gerontologie,TU DortmundFachnachrichten767Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 8 · 2010  |
  10. 10. Copyright of Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz is the property of SpringerScience Business Media B.V. and its content may not be copied or emailed to multiple sites or posted to alistserv without the copyright holders express written permission. However, users may print, download, oremail articles for individual use.

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