Geflüchtete und Arbeitsmarkt – Wege in Ausbildung und Beruf

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Am 3. November 2015 fand die TransMit Bildungswerkstatt „Geflüchtete und Arbeitsmarkt – Wege in Ausbildung und Beruf“ in Halle statt. Als Teil der TransMit Themenreihe „Integration Geflüchteter durch Bildung“ lag der Fokus der Veranstaltung auf Integrationsangeboten in den Arbeitsmarkt. In ihrem Vortrag stellte Diana Nebe (Agentur für Arbeit, Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen) den Ablauf des Asylverfahrens und die daran beteiligten Akteure vor. http://tinyurl.com/z7j5xv5

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Geflüchtete und Arbeitsmarkt – Wege in Ausbildung und Beruf

  1. 1. Diana Nebe Bereichsleiterin Arbeitgeber-Service/ Rehabilitanden und schwerbehinderte Menschen in der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen Bildungswerkstatt „Geflüchtete und Arbeitsmarkt – Weg in Ausbildung und Arbeit!“ am 03. November 2015 in Halle Zugänge für Geflüchtete in den Arbeitsmarkt - Wege in Ausbildung und Beruf Folie - 1 -
  2. 2. Agenda Rahmenbedingungen für Deutschland und Sachsen-Anhalt Daten und Fakten Ablauf eines Asylverfahrens, erfolgskritische Prozessschritte und Verantwortung im Asylprozess Ausbildungs- und Arbeitsmarktzugang Was läuft bereits in den Agenturen und Jobcentern Beispiel Kompetenzermittlung Sprache Fazit Folie - 2 -
  3. 3. Rahmenbedingungen für Deutschland und Sachsen-Anhalt Folie - 3 - aktuell steigende Flüchtlingszahlen mit zunehmendem Handlungsdruck für alle Beteiligte Fähigkeiten und Talente sind so verschieden, wie ihre Herkunft und Sprachkenntnisse Querschnitt über alle Bevölkerungs- und Altersgruppen; ein hoher Anteil der Asylsuchenden sehr Jung (70% U35, 55% U25) Flüchtlinge kommen in der Regel ohne formale Berufsqualifikation; Gleichwertigkeitsfeststellungen nach Anerkennungsgesetz gestalten sich schwierig stabile Arbeitsmarktlage; teilweise Fachkräfteengpässe; grundsätzliche Bereitschaft der AG zur Beschäftigung von Flüchtlingen Asylverfahrensbeschleunigungsgesetz Sachsen-Anhalt Prognose für Anzahl Asylsuchender von 23.000 auf 30.000 erhöht in 10/2015 perspektivisch Schaffung von vier zentralen Anlaufstellen (ZASt), Halberstadt, Halle, Stendal, Magdeburg Erweiterung der ZASt Halberstadt aus Kapazitätsgründen um Außenstelle Quedlinburg Schaffung von Landesaufnahmestellen in: Halle, Magdeburg, Klietz (LK Stendal) gemeinsames Projekt im RD-Bezirk SAT (AA HBS) mit MI, MS und ZASt zur Kompetenzerfassung Asylsuchender aus sicheren Herkunftsstaaten seit 09/2015  Kooperationsvereinbarung in Mitzeichnung Sprachförderung über derzeit gültige Richtlinie voraussichtlich auch in der neuen Förderperiode fortführen (ESF-Mittel)
  4. 4. Zugangsströme von Flüchtlingen nach Deutschland Top Ten der Hauptherkunftsländer (Stand: 7.10.2015; Quelle: Pressemitteilung des BAMF: http://www.bamf.de/SharedDocs/Meldungen/DE/2015/20151007-asylgeschaeftsstatistik-september.html?nn=3798410) Hauptherkunftsländer Jan.-Sept. 2015 Prozentualer Anteil an allen Antragstellern 1. Syrien 73.615 24,3% 2. Albanien 45.125 14,9% 3. Kosovo 34.723 11,4% 4. Serbien 22.958 7,6% 5. Irak 16.566 5,5% 6. Afghanistan 16.360 5,4% 7. Mazedonien 11.691 3,9% 8. Eritrea 7.403 2,4% 9. Bosnien-Herzegowina 6.055 2,0% 10. Pakistan 5.290 1,7% - von Januar bis September 2015: 303.443 Asylantragsteller (274.923 Erstanträge, 28.520 als Folgeanträge); gegenüber Vorjahr : +136.039 Personen; + 123%).
  5. 5. Seite 5 Die aktuelle Fluchtmigration wird nachhaltige Auswirkungen für Sachsen-Anhalt haben Projektion Anstieg Anzahl arbeitsloser Flüchtlinge (SGB II und SGB III) Prognose Qualifikation von arbeitslosen Flüchtlingen2 in Prozent berufliche Ausbildung Ohne formale Qualifikation 81% 11% 8% akademische Ausbildung + 11.000 Zugänge in die Grundsicherung in 2016 + 5.000 bis 7.000 arbeitslose Flüchtlinge in 2016 Projektion Zugänge von erwerbsfähigen Leistungsberechtigten
  6. 6. Ablauf eines Asylverfahrens Folie - 6 - Registrierung nach Einreise Verweis in nächstgelegenes Aufnahmelager ggfs. Verlegung in anderes Bundesland (Verteilung nach Königsteiner Schlüssel) persönlicher Asylantrag beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge BAMF legt Akte an (Erfassung, Foto, Fingerabdruck) Asylsuchender erhält Ausweisdokument für vorübergehenden Aufenthalt Prüfung Zuständigkeit nach EU-Land (Dublin III) Bei Zuständigkeit Deutschland: • Persönliche Anhörung zu Fluchtgründen / Lebensumständen • Andernfalls Überstellung in Einreiseland Entscheidung BAMF Aufenthalts- erlaubnis Aufforderung Ausreise / Abschiebung Ablehnung aber Duldung Klage bei Ablehnung Gericht gibt statt Gericht lehnt ab idealtypisch
  7. 7. Folie - 7 - Im heutigen Ablauf gibt es mehrere erfolgskritische Prozessschritte
  8. 8. Verantwortung im Asylprozess Integrationsprozess für Asylbewerber mit hoher Bleibeperspektive Folie - 8 - Erstaufnahme- einrichtung bzw. Notunterkunft Ziel: Erfassung Verteilung der Flüchtlinge nach Königsteiner Schlüssel Gesundheits- untersuchungen Intervention AA/JC Erstkontakt Aufnahme Fähigkeiten und Talente Erstgespräch VerBIS Kommune Ziel: Unterstützung Asylsuchender bei der Kontakt- aufnahme mit AA/JC Sicherstellung von gesundheitlichen Standards Intervention AA/JC Austauschformate AA/JC mit Kommunen Agentur für Arbeit Ziel: Transparenz Vorbereitung Integration in AM Rolle AA/JC Kontakt Kennzeichnung Aktivierung (Integrationskurs, Sprachkurs, Kompetenzfeststell ung, PerF, Anerkennungs- verfahren) Jobcenter Ziel: Integration in den AM Rolle AA/JC Zahlung ALG II Aktivierung (Integrationskurse, Sprachkurse, Kompetenzfeststell ung, Perf, Qualifizierung) Arbeitgeber aufschließen BAMF: Bearbeitung Asylantrag, Durchführung Asylverfahren Entscheidung Asylantrag positiv effizientesÜbergabemanagement
  9. 9. Verantwortung im Asylprozess Nutzung von Netzwerken Folie - 9 - Bleibe- rechts- netzwerke IQ- Netzwerke Arbeitgeber- Verbände Integrations- lotsen Schulen Flüchtlings- hilfen Ausländer- behörden Kommunen Sport- vereine Anbieter von Sprach- kursen Netzwerke initiieren, gestalten, nutzen Runde Tische initiieren Ziel: • „Heranführung“ der Asylbewerber und Flüchtlinge an AA /JC • Abstimmung der Aktivitäten der Partner
  10. 10. Zuständigkeit für den Einzelnen richtet sich nach Aufenthaltsstatus Folie - 10 - Aufenthaltstitel Hintergrund Zuständig für Arbeitsvermittlung Aufenthaltsgestattung (Asylverfahren noch nicht abgeschlossen) Während der Durchführung des Asylverfahrens Agentur für Arbeit Duldung (ausreisepflichtig) Negative Asylentscheidung Agentur für Arbeit Aufenthaltserlaubnis (§ 1 AufnG | §23(a) & § 25 AufenthG | § 104 AufenthG Positive Asylentscheidung Jobcenter Sonstige Ausländer mit Aufenthaltserlaubnis und Niederlassungserlaubnis Positive Asylentscheidung Agentur für Arbeit und Jobcenter EU-Bürger Keine Asylentscheidung erforderlich, da freier Arbeitsmarktzugang im Rahmen der Freizügigkeit Agentur für Arbeit und Jobcenter
  11. 11. Folie - 11 -
  12. 12. Ausbildungs- und Arbeitsmarktzugang nach Asylbewerbern, Geduldeten, Asylberechtigten Folie - 12 -Stab Migration (270) Asylbewerber Duldung Asylberechtigte Kein Zugang in den ersten drei Monaten (Arbeits- bzw. Ausbildungsmarkt) Kein Zugang in den ersten drei Monaten (Arbeitsmarkt) uneingeschränkter Arbeitsmarktzugang Nach Ablauf von drei Monaten Zugang mit Zustimmung der BA inkl. Vorrangprüfung zustimmungsfreier Zugang bei Berufsausbildung nach Ablauf von drei Monaten zustimmungsfreier Zugang bei betrieblicher Berufsausbildung ab dem ersten Tag (nicht schulische Ausbildung!) Zustimmungsfreier Zugang bei Hochqualifizierten und anerkannten Hochschulabsolventen (Einkommen über 48.800€  Blaue Karte EU) nach drei Monaten Zustimmungsfreier Zugang bei Hochqualifizierten und anerkannten Hochschulabsolventen (Einkommen über 48.800€  Blaue Karte EU) ab dem ersten Tag Wegfall Vorrangprüfung nach Ablauf von 15 Monaten (weiterhin Prüfung gleichwertige Arbeit) Zustimmungsfrei nach Ablauf von 4 Jahren Neu: gesichertes Bleiberecht während Ausbildung mit jährlicher Überprüfung
  13. 13. Beratungs- und Vermittlungsleistungen der BA nach Asylbewerbern, Geduldeten, Asylberechtigten Folie - 13 - Leistungen / Maßnahmen Asylbewerber Geduldete Asylberechtigte Berufsberatung Uneingeschränkte Inanspruchnahme Uneingeschränkte Inanspruchnahme Wie Inländer uneingeschränkt Vermittlung in Arbeit NachAblauf von 3 Monaten NachAblauf von 3 Monaten (für Hochqualifizierte und Hochschulabsolventen ab dem 1. Tag möglich) Vermittlung in betriebliche Ausbildung NachAblauf von 3 Monaten ab dem 1. Tag möglich
  14. 14. Arbeitsmarktzugang für Menschen mit Migrationshintergrund Folie - 14 - Leistungen/Status Asylbewerber Geduldete Asylberechtigte Beratungs- und Vermittlungsleistungen Berufsberatung Uneingeschränkte Inanspruchnahme ab 1. Tag wie Inländer Arbeitsvermittlung nach Ablauf 3 Monaten Nach Ablauf 3 Monaten (für Hochqualifizierte und Hochschul- absolventen ab dem 1. Tag möglich) Ausbildungsvermittlung nach Ablauf 3 Monaten ab dem 1. Tag möglich zu vergebender Kundenstatus 0-3 Monate Aufenthalt ratsuchend arbeitslos ab 4. Monat Aufenthalt arbeitslos Einsatz Arbeitsmarktpolitischer Instrumente der BA Sprachtest BPS ab 1. Tag wie Inländer Zugang Lernbörse Dolmetscherleistungen ab 1. Tag (VKB) VV prüfen ab 4. Monat Aufenthalt ab 16. Monat Aufenthalt wie Inländer FbW VB EGZ MAT MAG Teilhabe am Arbeitsleben Einsatz sonstiger Instrumente Integrationskurs BAMF kein Zugang ab. 1. Tag Sprachkurs BAMF ab 1. Tag www.iwdl.de www.geothe.de/de/spr/flu.html Nutzung IQ-Netzwerk ab 1. Tag 1 ESF-Sprachkurs Bund ab 4. Monat Aufenthalt ab 1. TagFreiwilligendienste ab 4. Monat Aufenthalt 2 Sprachkurs § 421 SGB III ab 1. Tag entfällt
  15. 15. Einsatz arbeitsmarktpolitischer Instrumente der BA nach Asylbewerbern, Geduldeten, Asylberechtigten (U25) Folie - 15 - Leistungen/ Maßnahme Asylbewerber Geduldete Asylberechtigte BvB Kein Anspruch Kein Anspruch Wie Inländer BAE Kein Anspruch Kein Anspruch abH Kein Anspruch Kein Anspruch AsA Kein Anspruch Mind. 4 Jahre Wartezeit EQ Globalzustimmung BA nach 3 Monaten Wartezeit Praktika Mindestlohnfreie Praktika ohne Zustimmungserfordernis der BA (Pflichtpraktika, Orientierungspraktika bzw. Ausbildungs- und studienbegleitende Praktika bis 3 Monate) BerEb Ohne Wartezeit Ohne Wartezeit
  16. 16. Was läuft bereits in den Agenturen und Jobcentern Betriebsnahe Maßnahmen für Flüchtlinge (PerF): Potenziale erkennen – abseits der „formalen“ Anerkennung von beruflichen Abschlüssen im „Echtbetrieb“ sollen Talente identifiziert werden, die hilfreich sind für eine Arbeitsmarktintegration/ Vermittlung deutscher Arbeitskultur (Arbeitnehmer- persönlichkeit)/ Unterstützung von Bewerbungsaktivitäten Deutschtests mittels Bildkarten zur gezielten Erhebung der mündlichen Deutschkenntnisse (nach europäischem Referenzrahmen) Qualifizierung der Kolleginnen und Kollegen in den AA und JC (Sprach-kompetenz, interkulturelle Kompetenz, kultursensibler Umgang, Ausländerrecht) gezielte Ansprache und Einstellung von Mitarbeitern mit besonderen Sprachkenntnissen bzw. Kulturreferenz Aufstockung und Einkauf auskömmlicher Maßnahmekapazitäten (Eintritte nicht „zu Lasten“ inländischer Arbeitsuchender) Referenzprozess Arbeitsmarktintegration Erfolgskriterien gelingender (frühzeitiger) Arbeitsmarktintegration Wünsche an die Politik Folie - 16 -
  17. 17. Seite 17 Beispiel: Bildergeschichte zur Erfassung der mündlichen Deutschkenntnisse ▬ Psychologin bzw. Psychologe stellt einige weiterführende Fragen und protokolliert das Gespräch ▬ GER-Einstufung ▬ Kundin bzw. Kunde erzählt eine vorgegebene Bildergeschichte (4 Bilder) 1
  18. 18. Seite 18 Fazit das künftige Fachkräftepotenzial der Flüchtlinge wird erheblich von Investitionen in Bildung und Ausbildung abhängen Mehr Personal in den Behörden kann nur ein Teil der Lösung sein  vielmehr muss ein heute stark zergliederter Arbeitsablauf mit zahlreichen Verantwortungsübergängen vereinfacht werden aufgrund der prognostizierten Beschäftigungsstruktur von ausländischen Beschäftigten werden Neuankömmlinge nur in geringem Umfang mit der deutschen Bevölkerung, aber sehr viel stärker mit den schon in Deutschland lebenden Ausländern im Wettbewerb stehen Sprache, Sprache, Sprache Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen braucht Zeit – es stehen keine Million Fachkräfte vor der Tür – noch fehlt es an ausreichenden Sprachangeboten sowie an institutionellen Rahmenbedingungen
  19. 19. Seite 19 Die Integration von Flüchtlingen ist eine Chance für die BA und die Gesellschaft als Ganzes. Dafür müssen alle Schulter an Schulter stehen.
  20. 20. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Diana Nebe Leiterin zgl. Expertin Bereich Arbeitgeber-Service/ Reha-SB Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen Kontakt: 0345-1332/ 535 Diana.Nebe@arbeitsagentur.de Folie - 20 -

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