Arzneimittelversorgung in der alternden Gesellschaft

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Vortrag von Mathias Arnold vom Landesapothekerverband Sachsen-Anhalt auf der TECLA-Pflegefachtagung am 26.06.2012 in Halberstadt.

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  • Älterwerdende Bevölkerung Ländliche Versorgung Einnahmen Ausgaben Schere Nachwuchsoffensive seit Juni 2010. U.a. Internetseite um Berufsbild des Apothekers zu detailliert darzustellen und wachsenden Bedarf an Apothekern zu sichern.  Ähnlich zur Arztentwicklung  Alterung, Nachwuchs, ländliche Versorgung Gute Kosten - schlechte Kosten, Zugang zu echten Innovationen, Versorgungsforschung, neue Konzepte.
  • Jeanette Huber: Gesundheit 2030. Was Kunden von morgen wirklich wollen. Bequemschuhsymposium 2012
  • Jeanette Huber: Gesundheit 2030. Was Kunden von morgen wirklich wollen. Bequemschuhsymposium 2012
  • Jeanette Huber: Gesundheit 2030. Was Kunden von morgen wirklich wollen. Bequemschuhsymposium 2012
  • Dies kann der Staat durch einfache Regeln und Gesetze vollziehen (z.B. Verbot des Abverkaufs von Alkoholika an Unter-18-Jährige), ansonsten lässt er aber den Markt walten oder aber er greift in unterschiedlicher Intensität ordnungs-, prozess- und strukturpolitisch ein.
  • Arzneimittelversorgung in der alternden Gesellschaft

    1. 1. Arzneimittelversorgung in der alternden Gesellschaft – sicher, lokal und vernetzt Die Apotheke auf dem Weg zu neuen VersorgungsformenMathias Arnold
    2. 2. Eine Gesellschaft sucht nach neuen Zielen…
    3. 3. …doch wohin führt der neue Weg?
    4. 4. Gesundheitswirtschaft • Größte Branche in D.; rd. 4,5 Mio. Beschäftigte Sport und • Beschäftigungsbringer der Freizeit Medizin- und Vergangenheit: Von 1980 Gerontotechnik Wellness bis 2000 plus 1.000.000 Bio- Gesundh.- techno- Verwaltung hand- Jobs. logie werkService-/ Selbst- Stationäre und Apo- Ambulante Gesundh.- • Zukunftsbranche: Bis 2020 hilfe theken touris-BetreutesWohnen Versorgung mus bis zu 800.000 neue Jobs Handel mit Kur- und Beratung möglich; Gesundh.- Bäderwesen produkten Pharmazeutische Industrie • Größte Dynamik bei Versorgung älterer Gesunde Ernährung Menschen Konzeption und Darstellung: IAT • Innovationstreiber für die Gesamtwirtschaft
    5. 5. Der Arzneimittelmarkt• Ausgaben der GKV für Arzneimittel: 28.560.000.000,00 €• verordnete Arzneimittelpackungen: 1.064.000.000• Rezepte: 618.800.000• Rabattmarkt 6.460.000.000,00 € (537.000.000 Packungen)
    6. 6. Entwicklungen im GesundheitsmarktDie Prognose von heute ist der Irrtum von morgen!
    7. 7. Die Gefahren• Globalisierung Monopolisierung der Gesundheitswirtschaft• Volatilität der (Finanz-)märkte• Dominanz amerikanischer Ideen und Unternehmen• Marktfundamentalismus in postkommunistischen Ländern Ost- und Mitteleuropas und in den Schwellenländern Lateinamerikas und Asiens• Übertragung neoliberaler Wirtschaftstheorien auf alle Politikbereiche• Finanzierungsprobleme in den Staatsausgaben• Demografische Situation, Priorisierungsfragen
    8. 8. Gesellschaftliche HerausforderungenDemografische Entwicklung (Erwerbstätige, Altersstruktur der Bevölkerung, Altersstruktur der Apotheker,...) Geografische Entwicklung (Unter-/ Überversorgte Regionen, Aufgabenzuschnitt bei Leistungserbringern,...) Medizinisch-Pharmazeutischer Fortschritt(Krankheitskostenentwicklung, Sparen mit Arzneimitteln,...) GKV-Ausgaben / GKV-Einnahmen (Beitragsbemessung, Steuerfinanzierung, Ausgabenreduktion,...)
    9. 9. Gesundheitsdienstleistungen:Vom Lebensretter zum Life-Style LieferantHeilungsziel Lebensstil Lebensqualität Morbidität Mortalität Wohlstand der Gesellschaft Aus: Stefan Willich, Berlin
    10. 10. Die verschiedenen Konsumententrends Quelle: Zukunftsinstitut/Thomas Huber Gemeinsinn Homing High Touch New family valuesUnterstützung Nevolution Edutainment Downshifting INDIVIDUM Nomadics Deep Support Erlebniskonsum Retro Entspannung Selfness Neo-Nature Angstmanagement
    11. 11. Die sog. Megatrends• New Work - Arbeit im Wandel• Female Shift - Frauen definieren Zukunft• Individualisierung - Kultur der Wahl• Silberne Revolution - oder: Downaging• Bildung - die Zukunfts-Anforderung• Gesundheit - Leben in Vorsorge• Neo Ökologie - Neue Liebe zur Natur und LoHaS• Vernetzung - Die immer und überall- Verbindung• Globalisierung - die Welt als Dorf• Mobilität - Lebensprinzip des 21. Jahrhunderts• Urbanisierung - Alle wollen in die Stadt
    12. 12. Die sog. Megatrends• New Work - Arbeit im Wandel• Female Shift - Frauen definieren Zukunft• Individualisierung - Kultur der Wahl• Silberne Revolution - oder: Downaging• Bildung - die Zukunfts-Anforderung• Gesundheit - Leben in Vorsorge• Neo Ökologie - Neue Liebe zur Natur und LoHaS• Vernetzung - Die immer und überall- Verbindung• Globalisierung - die Welt als Dorf• Mobilität - Lebensprinzip des 21. Jahrhunderts• Urbanisierung - Alle wollen in die Stadt
    13. 13. Die sog. Megatrends• New Work - Arbeit im Wandel• Female Shift - Frauen definieren Zukunft• Individualisierung - Kultur der Wahl• Silberne Revolution - oder: Downaging• Bildung - Die Zukunfts-Anforderung• Gesundheit - Leben in Vorsorge• Neo Ökologie - Neue Liebe zur Natur und LoHaS• Vernetzung - Die immer und überall- Verbindung• Globalisierung - die Welt als Dorf• Mobilität - Lebensprinzip des 21. Jahrhunderts• Urbanisierung - Alle wollen in die Stadt
    14. 14. Wir fragen:Quo vadis, apotheca?
    15. 15. Distribution von Arzneimitteln• indirekter Vertrieb (über sog. Absatzmittler, handelsähnliche Strukturen)• intensive Distribution (immense Anzahl von Produkten und Varianten) = Überallerhältlichkeit der Arzneimittel.• Überallerhältlichkeit bedingt eine mehrstufige Versorgungsstruktur (vollversorgender Großhandel) → Transaktionskostenvorteile• Arzneimittel → Güter des täglichen Bedarfs - Distribution folgt den Anforderungen an FMCG (fast moving consumer goods)• Arzneimittel → Waren der besonderen Art (eingeschränkte Konsumentensouveränität, geringe Bevorratung, ausgeschaltete Marktmechanismen, deutlich erhöhter Beratungsbedarf)
    16. 16. Arzneimittel – Güter der besonderen Art• Verfügbarkeit für alle Verbraucher in angemessener Zeit mit angemessener Beratung (auch in Grundzentren bzw. Kleinstzentren)• Regulation durch den Staat, da der „reine“ Markt dies nicht ausreichend sichert und rein marktliche Mechanismen auch zu Verwerfungen bei der Selektion der angebotenen Arzneimitteln führen würden.• Bei der Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln hat sich der Staat ganz bewusst für einen starken ordnungspolitischen Eingriff entschieden.
    17. 17. Die Apotheke• eigenständige Betriebsform für den Verkauf von Arzneimitteln• engste gesetzliche Vorgaben• Eindeutige Definition des Sortimentes• Exklusivvertrieb soll eine intensive, ubiquitäre Distribution ermöglichen.• Nacht- und Notdienste und Kontrahierungszwang im GKV-relevanten Bereich sichern eine flächendeckende Versorgung• Apotheken stellen eine bewusst gewählte Ausnahme dar• andere Betriebsformen, die eingeschaltet werden, sind daran zu messen, ob sie alle Attribute in gleichem Maße oder besser erfüllen
    18. 18. Besonderheiten• Neben einzelbetrieblichen Interessen sind beim Vertrieb von Arzneimitteln – stärker als in den meisten anderen Branchen – vor allem übergeordnete, gesundheitspolitische Zielsetzungen zu berücksichtigen.• Speziell sind das: – die Arzneimittelsicherheit – die Versorgungssicherheit – die Sicherstellung der Versorgungsqualität – die Effizienz der Arzneimittelversorgung (Arzneimittelausgaben)
    19. 19. Versorgungsziele• Sicherung einer zeitlichen wie flächendeckenden kontinuierlichen Vollversorgung• Flexible Reaktionsfähigkeit auf demografische und medizinische Entwicklungen (z.B. extrem teure Innovationen aber auch Pandemien)• strukturelle Sicherheit der Vertriebswege – Keine Gefährdung der Arzneimitteltherapiesicherheit durch Vertriebswegegestaltung (Versandhandel mit Rx- Arzneimitteln, Pick up-Stellen, Arzneimittelmakler)
    20. 20. Versorgungsziele• Diskriminierungsfreier Zugang aller Verbraucher zu Arzneimitteln und entsprechender Beratung• Sicherstellung und Ausbau der Betreuungsqualität in der Versorgung – Adhärenz und Pesistenz in der AM-Anwendung – Vermeidung von Fehlgebrauch und Missbrauch• Lokale Vernetzung aller Strukturen der medizinischen-pharmazeutischen Versorgung• Sicherstellung einer wirtschaftlichen Versorgung
    21. 21. Risiken für das SozialsystemAlzheimer-Risiken Geriatrie-BoomOnkolog. Risiken KHK-Risiken GeburtencrashRezession in der Pädiatrie
    22. 22. Chancen für das Privatsystem Mehr Home Care Pharmaceutical Care Wellness, Kuren Mehr Dermokosmetik, Allergie, Prävention Fitness & Antistress, Beaty, Impfen Mehr Liebhaberwert von Kindern
    23. 23. Die Tendenzen sprechen für die wohnortnahe Apotheke Demografische Entwicklung fordert: – Raum- und Zeitüberbrückung – Beratungs- und Betreuungskompetenz für Patienten mit altersbedingten psychische und physische Einschränkungen – Apotheker als Kontrollinstanz da Multimorbidität und intensive Arzneimitteltherapie zu einer weiteren Komplexität der Versorgungssituation führen – Soziale Kompetenz in der Patienten-Versorgung – Verstärkte umfassende Betreuung (Prävention, Arztunterstützung in dünn besiedelten Regionen…)
    24. 24. Die Tendenzen sprechen für die wohnortnahe Apotheke Verändertes Konsumverhalten: – Ende der „Geiz ist Geil“ – Mentalität – Verbraucher legt mehr Wert auf Service und Dienstleistung – Gesundheit gewinnt an Wert – Die Kompetenz des Kunden Verdienens wird genauso wichtig wie die Kompetenz der pharmazeutischen Beratung – Jede gute Apotheke entwickelt seine ur-eigene Qualitätsmarke, aber keine Apotheke kann für alle die beste sein.
    25. 25. Zukunftsstrategien – national wie international Hervorhebung des Wertes der Leistungen  „Tue Gutes und sprich darüber“  zunehmende Abkopplung der Entgeltung vom Preis des Arzneimittels Qualitätsorientierung Betonung/Ausbau von Services Einbindung in Prävention Disease-Manager Zugänglichkeit als Stärke nutzen
    26. 26. Schritte in die Zukunft• Neue Konzepte der gesundheitlichen und sozialen Betreuung• Regionale Netzwerke• Zusammenarbeit über die Grenzen des Berufsstandes hinaus• Heilberufliche Basis stärken
    27. 27. Herausforderung Multimorbidität
    28. 28. Herausforderung Kundendifferenzieruzng• Soziale Stellung• Familienstand (Singles, patchwork-family,…)• Alter („junge Alte“, …)• Migrationshintergrund• Gesundheitszustand (Chronisch Krank, Pflegebedürftig, Dement…)• Käufertyp (LOHA,…)• „Neue Krankheiten“ (Empty Nest Syndrom, Burn Out…)
    29. 29. Thesen• Zum Erhalt lokaler Strukturen sollten lokale Netzwerke geknüpft werden.• Auf Grund ihrer Stellung im System sind alle Leisatungserbringer natürliche Verbündete.• Eine abgestimmtes Handeln sichert das Überleben in einem Markt der zunehmend von horizontalen Oligopolen geprägt wird.• Der Kampf für eine wohnortnahe und unabhängige Versorgung dient letztendlich unseren Patienten.
    30. 30. Die Zukunft hat schon begonnen• Herausforderung für die Begleitung und Betreuung von Patienten steigt immer weiter an• Biologicals (Tyrosinkinasehemmer, Remissionsinduktoren, Wachstumshormone o.ä.) werden häufiger eingesetzt und sind teurer• Die unerwünschten Arzneimittenwirkungen (UAW) und – Ereignisse (UE) werden bedeutsamer und beeinträchtigender• Der Arzneimittelmarkt wird „schwieriger“, die Erklärungsbedürftigkeit steigt, die Apotheke als „Exzellenzzentrum für die Arzneimitteltherapie“ ist unverzichtbar
    31. 31. Instrumente des ABDA-KBV Konzeptes
    32. 32. Medikationsmanagment• Erfassung der Gesamtmedikation (Rx, Otx, OTC)• Bewertung, Prüfung auf UAE• Gemeinsame Festlegung eines Medikationsplanes• Kontinuierliche Betreuung – enge Abstimmung bei Änderungen und UAE – Förderung der Compliance
    33. 33. Wirkstoffverordnung• Arzt verordnet Wirkstoff, Stärke, Menge, Darreichungsform und evtl. Teilbarkeit• Ziel → Wirkstoffname als prägendes Element des Packungsdesigns• Ausnahmen auch weiterhin möglich (medizinisch begründete Fälle)
    34. 34. Medikationskatalog• Leitlinien, Leitsubstanzen, Versorgungsquoten• Rabattverträge weiter möglich• Arzt entscheidet über Therapie, individuelle Therapien weiter möglich• Berücksichtigung der AMR• schrittweise Weiterentwicklung (AkdÄ/AMK)
    35. 35. Schweiz: Pilotprojekt „netCare“Kooperationspartner:• Schweizer Apothekerverband Pharmasuisse• Medgate - Telemedizin-Anbieter• Helsana - größte Krankenkasse der Schweiz
    36. 36. Neue Formen, Neue Wege• Vernetzung• Kooperation• Neue Technologien• Neue Versorgungsformen – Politischer Rahmen – Rolle der Krankenkassen – Forderungen der Versicherten – Priorisierung – Selbstbeteiligung – Public Private Partnership
    37. 37. Die Orientierung des Arztes und Apothekers am Wohle desPatienten bzw. Kunden ist seine ureigenste Aufgabe undnotwendige Voraussetzung zur Erfüllung der ethischen Berufsanforderungen.
    38. 38. Auf dieser Basis sollten wir wesentlich enger Zusammenarbeiten!
    39. 39. „Suche unablässig nach weiteren Verbesserungen des Systems“1Dr. W. Edwards Deming: Die vierzehn Management-Regeln,Regel 5
    40. 40. Unser gemeinsames Ziel

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