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Währen des heutigen Abends möchte ich Ihnen einen ersten Überblick über
zwei Wege zur Wahrheitsfindung. Der er eine ist di...
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nicht mehr funktionieren und neue Modelle noch...
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Kinder haben tatsächlich solche Schaukelpferde, ei...
anhand von Beobachtungen der Natur, Wahrheit zu erkennen und vor allem zu
testen. Dies ist auch die Grundlage des Protesta...
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Was ist eigentlich ein Weltbild? Grob gesagt besteht es aus drei Bestandteilen.
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In der historischen Entwicklung unseres modernen Weltbildes, d.h. das der
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Wenn wir Gemeinsamkeiten suchen, dann fällt zuerst der gemeinsame
historische Verlauf beider Traditionen auf. Sowohl die m...
glauben, dass die Wahrheit eine objektive Absolute ist, dass heisst etwas dass
unabhängig von der Schöpfung der Welt exist...
Im Überblick:
Zuerst war die Alchemie, eine gemeinsame Wahrheitssuche einer spirituellen
Wissenschaft.
Vom 15. – 16. Jh. f...
Die Entwicklung unseres heutigen Weltbildes können wir anhand von 3
parallelen Strömungen in 4 historischen Phasen unterte...
Im folgenden werde ich kurz diese 4 Phasen erklären.
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Die Himmesscheibe von Nebra (Sachsen-Anhalt, Deutschland) stammt aus
der Bronzezeit, etwa 2100 bis 1700 Jahre vor unserer ...
Von etwa 400 bis 100 vor unserer Zeit entwickelte sich das Ptolemäische
Weltbild mit der Erde als Mittelpunkt, die vom Uni...
Erst nach rund 2000 Jahren mit Nikolaus Kopernikus im 16. Jahrhundert
setzte sich das heliozentrische Weltbild durch, wie ...
Heute gilt dieses Weltbild allerdings als lange überholt.
Wir wissen, dass die Sonne nicht im Mittelpunkt des Universums s...
Alles Begann mit Nikolaus Kopernikus und Johannes Keppler, die das
hergebrachte geozentrische Weltbild, bei dem sich das U...
Keppler war auch Mathematiker und Optiker. Er beschäftigte sich mit der
Schwerkraft und den Bewegungsgesetzen. Er entdeckt...
Galileo Galilei (1564-1642) fasste die neue Theorie, die sich in der
Wissenschaft abzuzeichnen begann in zwei zentralen Au...
Isaak Newton verfeinerte diese Bewegungsgesetzte und entwickelte die
Graviationsgesetze (Gesetze der Schwerkraft) weiter. ...
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Anglikaner. Bei ihm lässt sich alles auf d...
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Berkeley. Durch seine kritische Betrachtung der Wi...
David Hume war ein schottischer Katholik. Nicht immer verlief die Trennung
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Immanuel Kant war ein deutscher Philosoph und Protestant. Mit ihm stehen
wir eigentlich schon am Ende der klassischen Empi...
Die gängige Annahme, dass wissenschaftliche Erkenntnis aus
sinnlicher Wahrnehmung und Denken entspringt, muss hinterfragt ...
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Ursprünglich aus dem Toggenburg, wurde Zwingli nach dem Studium der
Freien Künste in Glarus zum Priester geweiht, wirkte n...
Die Gegner konnten nur Autoritäts- und Traditionsbruch vorweisen, keine
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Zwinglis Nachfolger war Bullinger, ein weiterer Zürcher Reformator, geboren in
Bremgarten. Als er studierte war die Reform...
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Johannes Calvin oder Jean Cauvin, wie er ursprünglich hiess, stammte aus
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Calvin setzte sich aktiv für die verfolgten Evangelischen in Frankreich ein und
wurde von den Farell gebeten, die Reformat...
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In der vergangenen Stunde haben wir uns eingehend mit den Parallelen in der
Entwicklung von Wissenschaft, Philosophie und ...
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Dualismus, die Erkenntnis des Selbst, die Mechanismen de...
Ein wesentlicher Punkt in der Zeit der Aufklärung und des Protestantismus ist
die Überzeugung, dass eine objektive Realitä...
Vernunft und Erkenntnis ist aktive Geistesarbeit des einzelnen. Die
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Die Methode anhand der die Wahrheit gefunden werden kann sind seither in
der Wissenschaft, Philosophie und Religion die se...
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Dies sind die Grundlagen des Rationalismus auch in der Religion und dem
sogenannten methodischen Zweifels, d.h. Zweifel al...
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Nun kommen wir zur Krise dieser Entwicklung. Interessant ist zu sehen, dass
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Diese Krise wurde durch eine Serie von Ereignissen, die die herkömmliche
Denkweise auf eine unüberwindbare Probe stellten,...
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Zwei neue Erkenntnisse wurden, beinahe zufällig und zeitgleich in der Physik
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Das erste ist die Quantentheorie. In...
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Das war nicht alles. Zur selben Zeit entwickelte Darwin seine
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So glorreich die Produktionsbeschleunigung der Industrialisierung und des
Kapitalismus noch Ende des 19. Jahrhunderts ersc...
Wie schon Bertha von Sutter voraussah, die logische Weiterentwicklung des
Rationalen Vernunftdenkens endet im Holocaust – ...
Die grösste Unerhöhrtheit kommt wohl aber aus der Theoretischen
Mathematik, als Kurt Gödel 1931 seinen Unvollständigkeitss...
Der Protestantismus, so sehr auf die Schrift berufen kommt auch immer mehr
in Bedrängnis. Die Bibel, als Gottes Wort wurde...
Gleichzeitig wird auch bei den Protestanten das Bedürfniss nach meditativen
Elementen die nicht nur den Geist sondern den ...
Der Mensch, der sich so mühsam aus dem Missbrauch der Kirche und den
Zwängen sinnloser Riten befreit hat, umfasst aber nic...
„Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch!“ Sagt Friedrich Hölderlin, der
diese Wende der Weltanschauung schon 1802 vo...
Die Bibel selbst gibt eine Antwort zu diesem Problem. Im 1. Brief des Paulus
von Tarsus an die Korinther schreibt er:»…»
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Ich habe in der Protestantischen Tradition nach Inspirationen für diesen
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Wege_Protestantischen_Denkens_Vortrag

  1. 1. 1
  2. 2. In einem ersten Teil möchte ich Ihnen eine kurze Erklären geben, was ein Weltbild ist und Ihnen einen Überblick verschaffen über die Entwicklung unseres Weltbildes, wie sich hier in der Deutschschweiz ausgeprägt hat. Nach der Pause werde ich versuchen die wesentlichen Punkte zusammenzufassen und eine Erklärung zu geben, warum gerade jetzt unser Weltbild in eine Krise geraten ist. Vielleicht ergeben sich daraus auch Ansätze für Lösungen. 2
  3. 3. Währen des heutigen Abends möchte ich Ihnen einen ersten Überblick über zwei Wege zur Wahrheitsfindung. Der er eine ist die moderne Wissenschaft, der andere die Protestantische Religion. Ich werde ihnen ein paar theoretische Hintergründe als Grundlage für die anschliessende Diskussionsrunde geben. Keine Angst, Sie werden sich nicht alles merken müssen und erhalten vor der Diskussion auch das Manuskript zum Vortrag, so dass Sie nichts notieren müssen. Ziel des heutigen Abends ist es Gemeinsamkeiten dieser beiden Wege zu erkennen und ansatzweise zu verstehen. Lebens und Sinnfragen von einem neuen Blickwinkel zu sehen und auch persönlich dazu Stellung nehmen zu können. Vielleicht werden Sie auch feststellen, dass unser protestantisches Denken, nicht einfach aus dem Nichts kommt, sondern auf einer gesellschaftlichen Entwicklung aufbaut und sich mit ihr auch fortwährend verändert. 3
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  5. 5. Viele denken heute, dass wir an einer Art Scheideweg stehen, wo alte Muster nicht mehr funktionieren und neue Modelle noch nicht vorhanden sind. Dies bezieht alle Ebenen (Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft, Religion). Doch ist dies wirklich so? Während dieses Abends möchte ich mich mit Ihnen gemeinsam Rückbesinnen. Anhand von einer Gegenüberstellung zweier paralleler Entwicklungen, der modernen Wissenschaft einerseits und des protestantischen Glaubens andererseits, werden wir die Klarheit von Werten analysieren. Ob es diese Klarheit überhaupt gibt und wie wir sie fassen können. Es geht hierbei um die Wege oder Methoden auf der Suche nach Wahrheit. Inspiriert hat mich dabei Max Weber, der Deutsche Soziologe. 1905 stellte er eine These auf nach der der Kapitalismus, also unser modernes Wirtschaftssystem, aus der protestantische Ethik heraus entstanden ist. Was ist denn das Besondere, das Andere, an dieser Denkweise? 5
  6. 6. Was sehen Sie hier? Ja, genau zwei Schaukelpferde. Meine beiden kleinen Kinder haben tatsächlich solche Schaukelpferde, eines mit Rädern und eines mit einer Wippe darunter. Als ich sie so beim spielen beobachtet fragte ich mich eines Tages, mit welchem der beiden Pferdchen kommt man wohl weiter? Diese Frage stelle ich nun Ihnen! Tatsächlich ist dies die Frage, die sich die Menschheit seit Angedenken stellt: Das linke Pferdchen, bleibt auf der Stelle und wippt nur hin und her. Ich habe dies als Sinnbild für alle absolutistischen Denkweisen, die entweder auf einem fixen, nicht rational erfassbaren Standpunkt beharren (wie die traditionelle katholische Kirche oder der fundamentalistische Islam, z.B.) oder erst gar keinen aufsuchen (Buddhismus, Hinduismus). In der Europäischen Wissenschaft und Philosophie verfolgten dieses Denken vor allem die Vorsokratiker (Heraklit und seine Zeitgenossen)- ich werde noch auf die Einzelheiten zurückkommen. Das Pferdchen mit Rädern erscheint da allerdings viel flotter. Man kann damit in der Stube herumsausen und kommt vom Fleck. Genau das war auch der Gedanke der ersten Empiriker – das heisst Wissenschaftler, die versuchten 6
  7. 7. anhand von Beobachtungen der Natur, Wahrheit zu erkennen und vor allem zu testen. Dies ist auch die Grundlage des Protestantismus. Die Reformatoren wollten nicht im alten Muster weiterleben sondern die Wahrheit aktiv erforschen, aufgrund der Schrift und im persönlichen Austausch mit Gott. Damals eine Revolution! 6
  8. 8. 7
  9. 9. Was ist eigentlich ein Weltbild? Grob gesagt besteht es aus drei Bestandteilen. Zum einem einer Philosophie, das heisst, wie die Menschen über sich und das Umfeld denken. Zweitens die Wissenschaft. Die beinhaltet die praktische Anwendung der Philosophie, in der Forschung aber vor allem im Alltag, in der Organisation des Zusammenlebens (soziales und politisches Gemeinswesen), in der Art wie Bedürfnisse befriedigt werden (Wirtschaft) und wie dieses Wissen weitergegeben wird, also die Tradition, Kulte, Riten, Geschichten, usw, die man als Glaubensvorstellung zusammenfassen könnte. 8
  10. 10. In der historischen Entwicklung unseres modernen Weltbildes, d.h. das der 400 Jahre die dem 20. Jh. vorangigen war geprägt durch drei parallele Geistesströmungen; der Wissenschaftlichen Revolution, dem Empirismus und der Reformation. 9
  11. 11. 10
  12. 12. Wenn wir Gemeinsamkeiten suchen, dann fällt zuerst der gemeinsame historische Verlauf beider Traditionen auf. Sowohl die moderne Wissenschaft als auch die Reformation und mit ihr die protestantische Theologie haben ihre Wurzeln im 16. Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Bis dahin hatten kontemplative Philosophien wie die Scholastik und mit ihr hierarchisch strukturierte, autoritative Religionen wie der Taoismus, Hinduismus oder Buddhismus im Orient oder im Okzident die sogenannt Heidnischen Kulte der Grieche, Römer und Kelten und durch deren Einfluss, etwas später, auch das frühe Christentum, das über Griechenland nach Europa kam. Gerade auch in der Katholischen Tradition kann man diese frühen Merkmale noch erkennen; der Glaube, der durch die Autorität des Papstes vermittelt wird, die Vielzahl Mystizistischer Elemente in der reichen Bild- und Kultsprache und die strenge Hierarchie. Bis ins 16. Jahrhundert wurde auch nicht klar Unterschieden zwischen religiösen und wissenschaftlichen Erkenntnistheorien. Dann kam die Wende. Die Gründe zu erläutern, wie und warum diese Wende gerade im 16. und 17. Jh. geschah, würde hier den Rahmen sprengen. Allerdings kann gesagt werden, dass technologische Entwicklungen und neue Erkenntnisse in der Wissenschaft eine grosse Rolle spielten. Man fing an zu 11
  13. 13. glauben, dass die Wahrheit eine objektive Absolute ist, dass heisst etwas dass unabhängig von der Schöpfung der Welt existiert, und dass sie theoretisch von allen Menschen durch die Vernunft erkannt werden kann. In der Wissenschaft hiess das, dass durch Beobachtung alle Gesetze und Regeln des Universums abgeleitet werden könnten. Gleichzeitig, im protestantischen Glauben wurde die Überzeugung stark, dass durch das Studium der Bibel allein, Gottes Wille erkannt werden könnte, man also keines Priesters zur Interpretation mehr bedarf, auf jeden Fall nicht ausschliesslich. Es ist also kein Zufall, das die Übersetzung der Bibel ins Deutsche, der Buchdruck, so wie die allgemeine Schulbildung, die allen Bürgern das Lesen vermitteln sollte, aus dieser, der protestantischen Tradition heraus motiviert war. (Dies begrenzt sich ausschliesslich auf Europe). Wenn wir dem historischen Verlauf in die heutige Zeit folgen, bemerken wir, dass die Wissenschaft wieder einen bedeutenden Einfluss auf unser Denken nimmt. Die Erkenntnisse der letzten 150 Jahre in Physik, Medizin, Biologie und Psychologie führten zur modernen Evolutionslehre, der Quantentheorie und der Relativitätstheorie. Subjektivistische Glaubensvorstellungen, die nicht von einer universellen Wahrheit ausgehen, wie der Taoismus, Shintoismus, durch Reisen und Einwanderung importier, oder das sogenannte Neu-Heidentum, u.a. finden immer mehr Akzeptanz in der Gesellschaft. Dies hängt wiederum direkt mit der Ähnlichkeit der Denkmuster von Wissenschaft und Religiöser Tradition in unserem 21. Jahrhundert zusammen. 11
  14. 14. Im Überblick: Zuerst war die Alchemie, eine gemeinsame Wahrheitssuche einer spirituellen Wissenschaft. Vom 15. – 16. Jh. fand die Trennung statt. Die Wissenschaft unterteilte sich dann Ende des 17. Jh. in Naturwissenschaften und Philosophie. Heute im 21. Jh. ist es gerade die Philosophie, die wieder mit der Naturwissenschaft und der Religion verbunden wird. 12
  15. 15. Die Entwicklung unseres heutigen Weltbildes können wir anhand von 3 parallelen Strömungen in 4 historischen Phasen unterteilen. Diese drei Entwicklungsströmungen umfassen die wissenschfatliche Revolution, den Empirismus und die Reformation, die bei uns im Protestantismus mündete. 13
  16. 16. Im folgenden werde ich kurz diese 4 Phasen erklären. 14
  17. 17. Die Himmesscheibe von Nebra (Sachsen-Anhalt, Deutschland) stammt aus der Bronzezeit, etwa 2100 bis 1700 Jahre vor unserer Zeit. Vermutlich ein Kalender zur Bemessung des Sonnenjahres, stark durch die landwirtschaftlichen Wetterperioden beeinflusst. Himmel und Erde waren vermutlich nicht klar getrennt und beeinflussten sich gegenseitig. 15
  18. 18. Von etwa 400 bis 100 vor unserer Zeit entwickelte sich das Ptolemäische Weltbild mit der Erde als Mittelpunkt, die vom Universum umkreist wurde. Gerade der Glaube, dass die Erde als Schöpfung Gottes über allem anderen Stand machte den Übergang von diesem geozentrischen Weltbild zu einem heliozentrischen Weltbild, bei dem die Sonne im Mittelpunkt steht äusserst schwierig und bedeutete für viele Wissenschaftler die Anklage als Ketzer und sogar den Tod. 16
  19. 19. Erst nach rund 2000 Jahren mit Nikolaus Kopernikus im 16. Jahrhundert setzte sich das heliozentrische Weltbild durch, wie wir es bis anhin für selbstverständlich hielten. 17
  20. 20. Heute gilt dieses Weltbild allerdings als lange überholt. Wir wissen, dass die Sonne nicht im Mittelpunkt des Universums steht, sondern nur das Zentrum unseres Sonnensystems ist. Neueste Theorien gehen davon aus, dass sich das Universum in einer immerwährenden Bewegung ausdehnt und zusammenzieht und dass es unendlich viele Sonnensystemen in unendlich vielen Galaxien, ja vielleicht sogar unendlich viele Universen gibt. Gedanklich kann man das aber noch gar nicht richtig einordnen. Gehen wir zurück zu Kopernikus und den Anfängen unseres herkömmlichen, «modernen» Weltbildes. Anhand einiger bedeutender Namen, werde ich versuchen Ihnen die Zeitepoche, wo unser Weltbild geboren wurde, auferstehen zu lassen. 18
  21. 21. Alles Begann mit Nikolaus Kopernikus und Johannes Keppler, die das hergebrachte geozentrische Weltbild, bei dem sich das Universum um die Erde, die Schöpfung Gottes drehte, auf den Kopf stellten. 19
  22. 22. Keppler war auch Mathematiker und Optiker. Er beschäftigte sich mit der Schwerkraft und den Bewegungsgesetzen. Er entdeckte, dass es Gesetze gab, nach denen sich die Planten bewegten und berechnen liessen und dass diese von der Sonne beeinflusst wurden; eine frühe Theorie der Schwerkraft. 20
  23. 23. Galileo Galilei (1564-1642) fasste die neue Theorie, die sich in der Wissenschaft abzuzeichnen begann in zwei zentralen Aussagen zusammen: 1. "Zwei Wahrheiten können sich nie widersprechen." an Pietro Castelli, 21. Dezember 1613 2. Die Verwendung eines absoluten Raumes als Referenzramen 21
  24. 24. Isaak Newton verfeinerte diese Bewegungsgesetzte und entwickelte die Graviationsgesetze (Gesetze der Schwerkraft) weiter. Er war auch stark von dem mechanistisch-dualistischen Denken Descartes beeinflusst und gab der quantitative Wissenschaft, das heisst Erforschung und Vermessung von Daten Vorang vor der qualitativen Beobachtung. 22
  25. 25. 23
  26. 26. 24
  27. 27. John Lock gilt als einer der Gründerväter des Empirismus. Er war ein britischer Anglikaner. Bei ihm lässt sich alles auf die Vernunft zurückzuführen. Vernunft kann erlernt werden. Wenn mehr Menschen bessere Bildung erhalten und sich dadurch vernünftiger Verhalten, dann können alle Menschen ein besseres Leben führen. Er legte grossen Wert auf die Schulbildung und war selbst als Lehrer tätig. Vernunft bei Locke ist die Stimme Gottes im Menschen. Sein Denken hat die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten und deren Verfassung, die Verfassung des revolutionären Frankreichs und durch diese beiden im Grundsatz alle modernen, demokratischen Verfassung beeinflusst. 25
  28. 28. Die eigentliche Brücke zwischen Wissenschaft und Religion bildet George Berkeley. Durch seine kritische Betrachtung der Wissenschaft hat er einerseits versucht das Christentum gegenüber den Freidenkern zu verteidigen und anderseits grundlegend die moderne Mathematik beeinflusst. (Er widersetzt sich der Idee des «absoluten Raums», wie er von Galilei definiert wurde. Sein heisst für ihn «wahrgenommen werden». Allerdings meint er damit nicht, dass nichts existitiert ausserhalb unserer Wahrnehmung, sondern «dass die ganze Natur um uns herum und unser ganzes Dasein in Gott ruhen. Er ist die alleinige Ursache.“ Somit basiert auch sein Denken auf einem Referenzrahmen, nur dass dieser bei ihm Gott ist. 26
  29. 29. David Hume war ein schottischer Katholik. Nicht immer verlief die Trennung zwischen protestantischem und katholischem Denken so klar, wie die These Webers das weismachen möchte. Es gab auch während der ganzen Entwicklung Vor- und Rückschritte. Mehr als ein Geistesblitz, muss man sich die Geburt der modernen Wissenschaft als ein 200 Jahre andauerndes Ringen um die Wahrheit vorstellen. Hume unterteilte den Geist in zwei Kategorien; in Sinneswahrnehmungen und in Ideen. Er liess keine Wahrheit gelten, die nicht empirisch, dass heisst auf Grund von Wahrnehmung gemessen werden konnte. Eine zentrale Grundlage der modernen Wissenschaft. Damit kam er immer wieder in philosophischen Konflikt mit Zeitgenossen. Er war ein enger Freund von Adam Smith, dem Vater der modernen Wirtschaft und dem Kapitalismus. Ausserdem beeinflusste er stark die Philosophie von Immanuel Kant. 27
  30. 30. Immanuel Kant war ein deutscher Philosoph und Protestant. Mit ihm stehen wir eigentlich schon am Ende der klassischen Empirik und am Anfang der modernen Philosophie, die allerdings auf den Ideen der Empirik aufbaut. Kant glaubte nicht, dass sich alles nur aus der Vernunft heraus erklären liesse, sondern dass auch Anschauung, basierend auf moralischen Empfindungen, historischen Entwicklungen und religiöse Gefühle einen wichtigen Einfluss auf die Erkenntnis der Wahrheit hätten. Diese philosophische Denkweise wie auch der klassische Empirismus von Locke, Berkeley und Hume werden unter dem Begriff Rationalismus zusammengefasst. 28
  31. 31. Die gängige Annahme, dass wissenschaftliche Erkenntnis aus sinnlicher Wahrnehmung und Denken entspringt, muss hinterfragt werden. Keiner der beiden Quellen darf man ungeprüft vertrauen. Deshalb ist zunächst einmal an Allem zu zweifeln. Dieser Grundsatz von Kant baut auf den Ideen von René Descartes auf. Descartes hat die Philosophie bis in die Gegenwart hinein stark beeinflusst, und zwar vorwiegend dadurch, dass er Klarheit und Differenziertheit des Denkens zur Maxime erhob. Auch die Geisteshaltung des Szientismus geht zum Teil auf ihn zurück. Durch Descartes wurde das Unterscheiden zwischen Gegensätzen zum Denken an sich. Körper und Geist, Richtig und Falsch, des sinnlichen Frau und dem vernunftbegabten Manne. 29
  32. 32. 30
  33. 33. Ursprünglich aus dem Toggenburg, wurde Zwingli nach dem Studium der Freien Künste in Glarus zum Priester geweiht, wirkte nach der Schlacht bei Marginano) in Einsiedeln und war währen dieser ganzen Zeit sehr Papsttreu. Das Studium des Griechischen, seine eigen Übersetzung des Neuen Testamentes und seine grosse Volksnähe brachten ihn immer mehr in Konflikt mit der Herkömmlichen Interpretation der Bibel. 1519 wurde er dann nach Zürich gerufen, um dort die Reformation voranzutreiben. Zwingli wurde aufgrund seiner Kritiken der Ketzerei angeklagt und brachte seine Thesen zum ersten Mal an der 1. Disputation 1523 als Verteidigung vor. 31
  34. 34. Die Gegner konnten nur Autoritäts- und Traditionsbruch vorweisen, keine Theologischen Fehler. Er gewann. Mit Zwingli verbinden wir wichtige Begebenheiten wie den Bildersturm, den Bruch dem Zölibat 1924 (Heirat mit Anna Meyer) und neue Sittengesetze in Zürich (Schul-, Kirchen- und Ehewesen), das sehr stark in die Gesellschaft und Politik eingriff, sowie die Entstehung der Zürcher Bibel mit Leo Jud aus den Originaltexten. 32
  35. 35. Zwinglis Nachfolger war Bullinger, ein weiterer Zürcher Reformator, geboren in Bremgarten. Als er studierte war die Reformation schon in vollem Gange, die Reformationszeit in England, Genf und die Bartholomäusnacht in Frankreich ereigneten sich währen seiner Amtszeit. Sein Vater war ein in Konkubinat lebender Priester der sich dann zum Protestantismus bekehrte und seine Ehe legalisierte. Bullinger besuchte die Lateinschule. Mit 19 Jahren wurde er Lehrer am Zisterzienserkloster in Kappel am Albis. 1531 musste er nach der Niederlage der Protestanten im zweiten Kappelerkrieg nach Zürich flüchten. Bremgarten wurde wieder katholisch. In Zürich hat er schon am Sonntag nach seiner Ankunft auf Zwinglis Kanzel im Grossmünster «eine Predigt herunterdonnerte, dass es vielen vorkam, Zwingli sei nicht tot, sondern gleich dem Phoenix wieder auferstanden». Das sagte Oswald Myconius, ein andere Schweizer Reformator. Dies zeigt wie nahe sich Zwingli und Bullinger nicht nur Theologie sondern auch im Temperament standen. Auch Bullinger wurde bekannt durch seine grosse Volksnähe und seine vorbildhafte Gastfreundschaft. Bullingers umfangreiches Werk fand auch in England eine grosse Auflage, einer seiner Nachfahren war später an der Reformation in Amerika beteiligt. Ausserdem unterhielt Bullinger einen regen Briefwechsel mit ganz Europa und 33
  36. 36. schrieb regelmässig eine politische Zeitung. 33
  37. 37. Johannes Calvin oder Jean Cauvin, wie er ursprünglich hiess, stammte aus einer Flämisch-Französischen Schiffersfamilie. Auch er besuchte die Lateinschule und genoss den Hausunterricht in einer befreundeten Adelsfamilie. Auch er studierte die sieben freien Künste und 1528 in Paris Jura. Danach begann er seine Karriere in der Kirche, wo er bis zum Generalprokurator des Bischofs von Nyon aufstieg. 1531 wurde seinem Vater auf dem Sterbebett die Totenmesse verweigert, aufgrund eines kleinen Kirchenbanns. Dies muss für den jungen, gewissenhaften Calvin ein einschneidendes Erlebnis gewesen sein. Calvin war in der Scholastik (Sie erinnern sich, die «absolutistische Philosophie) und in der Humanistik unterrichtet, sprach Hebräisch und Griechisch. Während seins Studiums in Paris kam er auch mit den Lehren Luthers und anderer Reformatoren in Kontakt und setzte sich aktiv mit ihnen auseinander. 34
  38. 38. Calvin setzte sich aktiv für die verfolgten Evangelischen in Frankreich ein und wurde von den Farell gebeten, die Reformation in Genf voranzutreiben. Kurz darauf wurde er von Papsttreuen aus der Stadt verwiesen. Überhaupt war er viel unterwegs, aufgrund seiner Studien, weil er ausgewiesen wurde oder Flüchten musste oder um Hilfe gebeten wurde. 1540 kehrte er nach Genf zurück, um die politische Ordnung zu stabilisieren, musste allerdings einige Konzessionen eingestehen. Calvin war wohl der politischteste der Reformatoren und führte eine intelligente Kirche- und Machtpolitik. Er war sowohl von Luther als auch von Zwingli beeinflusst (wieder zwei Gegensätze) und hatte wohl das breiteste Studium genossen, dafür fehlte es ihm manchmal an Volksnähe. 35
  39. 39. Der Deutsche Augustinermönch und Theologieprofessor begann sich gegen die Missentwicklungen im christlichen Bei Zwingli und Melanchton, gesellschaftspolitische Fragen. Glauben zu wehren und basierte seine Theologie allein auf die Gnade Gottes, das Wort in der Bibel, das durch das Leben Jesu Beispielhaft geworden war. Er stand oft in kritischer Auseinandersetzung mit den anderen Reformatoren und spaltete sich dann von ihnen ab. Wie gewinne ich einen gnädigen Gott – der persönlich, individuelle Glaube, stand für ihn immer im Vordergrund. Luther gilt seither als Gründer der evangelisch-lutherischen Kirche, währen die anderen Reformatoren unter dem Begriff Protestantismus zusammengefasst werden. Was er mit ihnen gemeinsam hat ist die Abwendung von der Autoritativen Macht der Kirchlichen Ämter, zumindest von der missbräuchlichen Macht, die Bedeutung, die dem persönlichen Glauben, der eigenen unmittelbaren Beziehung zu Gott und die richtige Erkenntnis durch das Studium der Schrift, zukommt. Für Luther hatte die Gnade Gottes aber mehr Gewicht als für die 36
  40. 40. Protestanten, die, beeinflusst vom Humanismus, die guten Werke mehr ins Zentrum stellten. 36
  41. 41. 37
  42. 42. 38
  43. 43. 39
  44. 44. In der vergangenen Stunde haben wir uns eingehend mit den Parallelen in der Entwicklung von Wissenschaft, Philosophie und Religion beschäftigt und wie diese das Weltbild der jeweiligen Epoche geprägt haben. 40
  45. 45. Fassen wir kurz die Gemeinsamkeiten zusammen. Diese betreffen den Dualismus, die Erkenntnis des Selbst, die Mechanismen der Wahrheitsfindung, die Betonung des Verstandes und die Ähnlichkeiten der Methode. 41
  46. 46. Ein wesentlicher Punkt in der Zeit der Aufklärung und des Protestantismus ist die Überzeugung, dass eine objektive Realität gibt, ausserhalb und unabhängig von der individuellen menschlichen Wahrnehmung. Diese kann durch den Verstand, die Vernunft erkannt werden. Mittel dazu sind Theorien, die durch gezielte Zweifel und Gegenargumente geprüft und anhand von messbaren Werten überprüft werden. Daraus wird dann eine Synthese, eine Schlussfolgerung zusammengefasst, die als richtig angesehen wird, solange bis sie widerlegt werden kann. Somit gibt es ein richtiges und ein falsches Resultat, unser heutiges Verständnis von Wahrheit und Fälschung. Seither wird unterschieden zwischen Körper und Geist, Gott und Teufel (vorher beides Daimon), Gut und Böse, Richtig und Falsch. Die Übergänge sind nicht mehr fliessend sondern klar unterschieden. Das eine ist erstrebenswert, das andere zu vermeiden. So selbstverständlich es heute erscheint, dieser Gedanke war neu. Forschung und Erkenntnis stehen nun über Autorität und Tradition. Dieses Denken wird auch unter dem Begriff Cartesianischer Dualismus zusammengefasst. 42
  47. 47. Vernunft und Erkenntnis ist aktive Geistesarbeit des einzelnen. Die Wahrnehmung und Erkenntnis des Selbst als ein Ich bekommt zentrale Bedeutung. Eigenverantwortung wird eine Pflicht, Selbstverwirklichung das höchste Ideal. Dazu gehören auch die Emanzipation des Gläubigen von der Kirchenordnung oder des Forschers von der philosophischen Tradition. Die Entwicklung der Nationalstaaten, aber auch die Aufbrüche der Gesellschaftsordnung hin zur Kleinfamilie und der «emanzipierten» Frau sind Folgeerscheinung davon. 43
  48. 48. Die Methode anhand der die Wahrheit gefunden werden kann sind seither in der Wissenschaft, Philosophie und Religion die selben: 1. Nichts für wahr halten, was nicht so klar und deutlich erkannt ist, dass es nicht in Zweifel gezogen werden kann. (Man ist sich nie ganz gewiss!) 2. Schwierige Probleme in Teilschritten erledigen. (Es wird nicht vom Ganzen ausgegangen, da unerforschbar.) 3. Vom Einfachen zum Schwierigen fortschreiten. 4. Stets prüfen, ob bei der Untersuchung Vollständigkeit erreicht ist. Das Vorgehen des Denkens gleicht dieser Netzpyramide. Man erarbeitet einzelne Punkte und führt sie zu übergeordneten Punkten zusammen, bis man zum obersten vereinigenden Prinzip angelangt ist. In der Wissenschaft ist dies die Universaltheorie in der Religion Gott. Theoretisch würden hier beide zusammenlaufen, wäre da nicht Punkt 1. dass man nie ganz gewiss sein kann. 44
  49. 49. 45
  50. 50. Dies sind die Grundlagen des Rationalismus auch in der Religion und dem sogenannten methodischen Zweifels, d.h. Zweifel als Weg zur Wahrheitsfindung. Der Schwan hier wurde zum Symbol Luther. Sein Vorgänger Jan Hus, Hus bedeutet auf Tschechisch Gans, wurde 1415 auf hinterhältige weise hingerichtet und soll gesagt haben: «Heute brät ihr eine Gans, morgen wird ein Schwan auferstehen». Dieses Wort wurde hat Luther später auf sich bezogen, als der auferstandene Schwan. Der Schwan war zeitgleich auch ein politisches Unabhängikeitssymbol, besonders vom deutschen Königshaus. 46
  51. 51. 47
  52. 52. Nun kommen wir zur Krise dieser Entwicklung. Interessant ist zu sehen, dass die Krise sowohl des Protestantismus wie auch des Rationalismus in erster Linie inert, das heisst in ihr schon angelegt und nicht von aussen bewirkt ist; dies gerade durch die Methode des Zweifels, der nach stetem Weitersuchen drängt. 48
  53. 53. Diese Krise wurde durch eine Serie von Ereignissen, die die herkömmliche Denkweise auf eine unüberwindbare Probe stellten, beschleunigt. Wir werden diese Ereignisse im Folgenden genauer betrachten. 49
  54. 54. Sie haben alle zu Anfang von mir eine Stück Papier erhalten. Währen ich nun weiterspreche, bitte ich Sie es folgendermassen durchzuschneiden… 50
  55. 55. Zwei neue Erkenntnisse wurden, beinahe zufällig und zeitgleich in der Physik gemacht. Das erste ist die Quantentheorie. In der klassischen Mechanik weiss man, dass sich Materie immer nach gewissen Regeln verhält und dass es «Materie» gibt, das heisst Dinge, die sich wie Partikel, kleine Körperchen verhalten und «Energie» gibt, d.h. etwas, das sich Wellenförmig ausdehnt. Bei Experimenten mit Licht hat man gemerkt, dass das nicht immer so ist. Unterdessen hat man diese Experimente auch mit grösseren Körpern erfolgreich durchgeführt. Das Resultat – ob etwas Materie oder Energie, d.h. Teilchen oder Welle ist, hängt vom Beobachter ab! Unglaublich. Warum und wie das geht, kann bis heute nicht schlüssig erklärt werden. Die Theorie ist aber zweifelsfrei bewiesen. 51
  56. 56. Es kommt noch schlimmer! Nach den Regeln der Rationalität können zwei Dinge, die wahr sind, sich nicht widersprechen. Eines der beiden muss sonst falsch sein (Galileo Galilei). Die zweite wichtige Entdeckung, des letzten Jahrhunderts widerspricht aber dieser ersten; die Relativitätstheorie. Sie sagt, dass Entwicklung, das heisst chronologische Abläufe, oder Veränderungen über einen gewissen Zeitraum, nicht linear ablaufen, sondern eher wie bei diesem Bild in Kreisen, exponentiell. Raum und Zeit sind nicht ein für allemal definiert, sondern bedingen sich gegenseitig! Mit diesen zwei Theorien, von denen beide zu genüge bewiesen sind, bricht die ganze Gedankenwelt der klassischen Mechanik zusammen. Sie funktioniert zwar im alltäglichen Gebrauch, bis zu gewissen Grad und kann auch ziemlich verlässlich angewand werden, kommt aber eher einer Daumenregel als exakter Wissenschaft nahe. 52
  57. 57. Das war nicht alles. Zur selben Zeit entwickelte Darwin seine Evolutionstheorie, auf der heute nicht nur die moderne Genetik beruht, sondern auch sehr viele Erkenntnisse in der Sprachforschung, Verhaltensforschung, Psychologie und Geschichtsforschung. Sie steht nicht nur im Kontrast zur herkömmlichen Biologie, der Aufklärung, sondern vor allem zur Philosophie und Ethik, wie wir sie vorher beschrieben haben. 53
  58. 58. So glorreich die Produktionsbeschleunigung der Industrialisierung und des Kapitalismus noch Ende des 19. Jahrhunderts erschienen. Die Kriegsmaschinerie des 20. Jahrhunderts und Massenflucht sowie Massensterben von Menschen, die ausgebeutet werden, sind heute nicht nur ein Ethisches Problem, sondern ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko für den politischen Frieden in dieser Welt geworden. 54
  59. 59. Wie schon Bertha von Sutter voraussah, die logische Weiterentwicklung des Rationalen Vernunftdenkens endet im Holocaust – ein Wort, das sie noch nicht kannte. Mit ihr und ihrem Freund Alfred Nobel begann die systematische Friedensforschung, die durch die zwei Weltkriege eine unbedingte Notwendigkeit geworden ist. Gerade aber Friedenforschung zwingt uns, uns mit Andersdenkenden und Andersgläubigen auseinanderzusetzen und uns selbst zu hinterfragen. Absolute Wahrheit steht diesem Streben nur noch im Wege. Jedenfalls scheint dies so. 55
  60. 60. Die grösste Unerhöhrtheit kommt wohl aber aus der Theoretischen Mathematik, als Kurt Gödel 1931 seinen Unvollständigkeitssatz formuliert: «Jedes hinreichend mächtige formale System ist entweder widersprüchlich oder unvollständig.» In anderen Worten, eine Wahrheit kann nur zweifelsfrei bewiesen werden, wenn sie nicht vollständig ist. Alles vollständige muss zwangsläufig Paradox sein. Das ist Todesstoss des Rationalismus. 56
  61. 61. Der Protestantismus, so sehr auf die Schrift berufen kommt auch immer mehr in Bedrängnis. Die Bibel, als Gottes Wort wurde von Menschen geschrieben, und dann tauchen neue Bücher auf, die nicht so einfach weg zu erklären sind. Doch worauf soll man sich nun berufen, welche Schrift ist die richtige? Braucht es doch wieder eine Autorität, den Rückgriff auf die Tradition? 57
  62. 62. Gleichzeitig wird auch bei den Protestanten das Bedürfniss nach meditativen Elementen die nicht nur den Geist sondern den Mensch als ganzes ansprechen wieder stärker. 58
  63. 63. Der Mensch, der sich so mühsam aus dem Missbrauch der Kirche und den Zwängen sinnloser Riten befreit hat, umfasst aber nicht nur den Mann. Auch die Frau will sich von Traditionen befreien – und kommt in Widerspruch mit Bibeltexten. Einige Texte in der Bibel scheinen sich selbst sogar zu widersprechen. Was gilt nun? Wie weiter? Alles einfach aufgeben? Zurück zum Alten? 59
  64. 64. „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch!“ Sagt Friedrich Hölderlin, der diese Wende der Weltanschauung schon 1802 voraussah. Wir werden sehen. 60
  65. 65. Die Bibel selbst gibt eine Antwort zu diesem Problem. Im 1. Brief des Paulus von Tarsus an die Korinther schreibt er:»…» Die Liebe, nicht Vernunft, als Weg zur Erkenntnis. Das Brotbrechen, das Teilen und die aktive Auseinandersetzung mit anders Denkenden, wie es Jesus mit Judas tat. Vielleicht von Jesus lernen, dass die Wahrheit sich nicht durch Berechnung sondern durch das Leben selbst und die Geschichten, die es erzählt, offenbart. 61
  66. 66. Ich habe in der Protestantischen Tradition nach Inspirationen für diesen Lösungsweg gesucht. 62
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