"TK spezial" für Thüringen 1-2014

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"TK spezial" für Thüringen 1-2014

  1. 1. spezial Informationsdienst der Techniker Krankenkasse Nr. 1 2014 T H Ü R I N G E N Thüringer besonders zufrieden mit Krankenhäusern • Dr. Brunhilde Seidel-Kwem (Universitätsklinikum Jena) im Interview • Frühchen-Versorgung in Spezialzentren Vorfahrt für Qualität Sinnvolle Strukturen und Mengen imThüringer Gesundheitswesen Die Förderung von Qualität ist ein zentrales Vorhaben der Großen Koali- tion. Doch lässt sich ein staatsfernes Selbstverwaltungssystem mit zentra- len Vorgaben trimmen? Zumal einer privilegierten Vergütung hoher Qualität Abschläge beim Gegenteil folgen müs- sen. Bei der zunächst notwendigen Schaffung von Transparenz sowie der Definition von Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität darf man schon jetzt auf die Beharrungskräfte der Interes- senverbände gespannt sein. Neben der kommenden Bundesgesetz- gebung sind freilich regionale Struk- turen entscheidend für mehr Qualitäts- orientierung im Gesundheitswesen. Auf den ersten Blick sind die Voraus- setzungen in Thüringen gut. Die Quali- tätsdaten der Krankenhäuser fallen gut aus, die Zahl von Beschwerden oder gemeldeten ärztlichen Behandlungs- fehlern ist unauffällig und Kliniken oder Pflegeeinrichtungen werden bei Überprüfungen oder Befragungen der Patienten wie jüngst beim TK-Klinik- führer überdurchschnittlich bewertet. Dennoch sind strukturelle Hürden offen- kundig, auch im stationären Bereich. Neben modern ausgestatteten Kran- kenhäusern und Angeboten der Spit- zenmedizin stehen in der Fläche oft überdurchschnittlich viele Betten, an denen unterdurchschnittlich viele Ärzten ihren Dienst tun. Vergütung und begrenzte Investitionsfinanzierung erzeugen eine fatale Tendenz zur Leis- tungsausweitung. Für Qualität sinn- volle Strukturen und Leistungsmengen können trotz bundesweit höchster Hospitalisierungsraten nicht mehr überall sichergestellt werden. Auch aus dem Thüringer Gesundheitsmini- sterium kommen widersprüchliche Signale. Während das novellierte Krankenhausgesetz die Weichen auf mehr Qualitätsorientierung stellt, ist bei Einzelentscheidungen, etwa bei der Standortausweitung der neurolo- gischen Frühreha, genau das Gegen- teil der Fall. Problematisch stellt sich die Situa- tion in der ambulanten Versorgung dar. Thüringen liegt bei den Fallzahlen in vielen Arztgruppen an der Bundes- spitze. Entsprechend wenig Zeit steht für den Patienten zur Verfügung – ein Widerspruch zur notwendigen inten- siveren Betreuung einer überdurch- schnittlich morbiden Bevölkerung, zum Beispiel bei der Kontrolle von Polyme- dikation Älterer oder der Überwachung einer modernen Arzneimitteltherapie. Wenn Versorgung nur mit Mühe sicher- gestellt werden kann, treten Qualitäts- fragen oft in den Hintergrund. Da sich diese Situation eher noch verschärfen wird, braucht der Freistaat Rahmenbe- dingungen für eine effiziente ärztliche Tätigkeit. Ein verstärkter Einsatz nicht- ärztlicher Fachberufe und von Tele- medizin kann hier ebenso Wirkung ent- falten wie modifizierte Honoraranreize oder Unterstützung bei der Medikations- überwachung. Eine Lösung in Thüringen muss Hand in Hand mit den Bundes- vorgaben gehen. KOMMenTar Liebe Leserin, lieber Leser, die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte ist zwar kein Referenzobjekt für die Fähigkeit unseres Landes zur Umsetzung einer technischen Großreform. Doch trotz aller Schwierigkeiten ist das Projekt im Kern intakt. Dies schmeckt den unwillig Beteiligten gar nicht. Und so war es nicht ver- wunderlich, dass zum Amtsantritt der Großen Koalition erneut schwer- stes Geschütz gegen die Karte auf- gefahren wurde. Diesmal holte die Kassenärztliche Bundesvereinigung ein Uraltgutachten hervor und beklag- te eine fehlende Prüfung durch die Krankenkassen, ob das Foto denn auch zum jeweiligen Versicherten gehört. Der Schuss entpuppte sich allerdings als Rohrkrepierer, liefe die Forderung doch auf eine erken- nungsdienstliche Behandlung aller Versicherten hinaus. Dass so etwas nötig sei, dementierten alle Experten schnell, und gerade die niederge- lassenen Ärzte müssen sich fragen lassen, wie die möglichst umfas- sende Kontrolle von Identitätsmerk- malen zur möglichst großen Intrans- parenz von Behandlungsdaten passt, die man stets angestrebt hat. Guido Dressel Leiter der TK-Landesvertretung Thüringen
  2. 2. TK spezial Thüringen · 1/2014 | 2 Im Wettbewerb um beste Leistungen gewinnt der Patient TK-Patientenbefragung fördert Qualitätstransparenz im Klinikbereich Zum fünften Mal hat die TK eine große Patientenbefragung durchge- führt, deren Ergebnisse nun vorliegen. Über 230.000 Krankenhauspatienten haben jeweils 41 Fragen zu fünf The- menbereichen beantwortet – vom Behandlungserfolg bis zur Zuwendung und Pflege durch das Personal. In allen Bundesländern ist die allgemeine Zufriedenheit sehr hoch, in Thüringen liegt der Wert bei 80,2 Prozent. Die Qualität einer Krankenhausbehand- lung rückt seit Jahren in den Mittel- punkt des öffentlichen Interesses. Die neue Bundesregierung möchte nun sogar ein eigenes Institut zur Messung der Qualität gründen. Erste Schritte zur Qualitätsdarstellung sind bereits gemacht: Seit 2004 müssen Kliniken regelmäßig Berichte über ihre medi- zinischen Ergebnisse veröffentlichen. In diesen strukturierten Qualitäts- berichten sind jedoch für Patienten wichtige Aspekte nicht abgebildet. Vor allem „weiche“ Faktoren, wie die Qualität der Arzt-Patient-Gespräche oder die Betreuung durch das Pflege- personal, werden nicht berücksichtigt. Genau diese Lücke schließt die Zufrie- denheitsbefragung der TK: Sie stellt die Meinung der Patienten über eine Klinik in wissenschaftlich gesicherter Form dar. Die Beurteilungen geben zwar nur die individuelle Sicht der Patienten wieder, können aber eine wertvolle Entscheidungshilfe vor allem bei plan- baren Krankenhausbehandlungen sein. Und auch die Krankenhäuser selbst profitieren von der Befragung, denn sie haben bereits einen ausführlichen Ergebnisbericht erhalten, der ihnen wertvolle Rückmeldungen der Pati- enten liefert. Zu finden sind die Ergebnisse der Patientenbefragung im TK-Klinikführer. Auch die bisher verfügbaren medizi- nischen Ergebnisse der Kliniken sind dort laienverständlich aufbereitet. Mittlerweile nutzen jährlich 200.000 Personen das Onlineangebot. HInTerGrUnD Stationäre Versorgung in Thüringen In Thüringen stehen 45 Kranken- häuser mit über 16.000 Betten bereit. Bundesweit sind es mehr als 2.000 mit insgesamt über 500.000 Betten. Auf 100.000 Ein- wohner kommen so im Bundes- schnitt 2,5 Krankenhäuser und 612 Betten. Thüringen liegt mit 2,0 Einrichtungen je 100.000 Ein- wohner zwar unter dem Durch- schnitt, hinsichtlich der Betten- dichte jedoch deutlich darüber: 733 je 100.000 Einwohner. Einzig Bremen hat in Deutschland eine höhere Bettendichte. Somit ergibt sich in Thüringens Krankenhäusern auch ein Nutzungsgrad, der mit 76,3 Prozent deutlich niedriger als im Bund (77,4 Prozent) ausfällt. Mit der hohen Bettendichte geht auch eine hohe personelle Aus- lastung einher: Während ein voll angestellter Arzt im deutschland- weiten Schnitt 13,2 Betten betreut, sind es in Thüringen 14,5 – im Bun- desvergleich der zweithöchste Wert nach Brandenburg (15,5). Auch das Thüringer Pflegepersonal ist im Ver- gleich am zweitstärksten ausgela- stet: Eine Pflege-Vollkraft versorgt im Freistaat 6,4 Betten. Für das medizinisch-technische Personal liegt der Wert mit 15,1 Betten pro Mitarbeiter bundesweit zusammen mit Nordrhein-Westfalen an dritter Stelle. Höher eingestuft sind nur Sachsen (17 Betten) und Branden- burg (20,3 Betten). Aufschluss über Krankenhaus- und Bettendichten sowie personelle Auslastungen liefern die jährlich aufgestellte Krankenhausstatistik und der Datenreport des Statisti- schen Bundesamts. Die aktuellsten Daten stammen aus dem Jahr 2012. Mehr Informationen unter www.tk.de/ klinikfuehrer DaTen & FaKTen So zufrieden sind Thüringer mit Krankenhäusern im Freistaat In Thüringen liegt der Wert für die allgemeine Zufriedenheit bei 80,2 Prozent und damit noch über dem Bundesschnitt von 79,1 Prozent. An Organisation und Unterbringung im Krankenhaus üben die Patienten deutschlandweit die meiste Kritik. Während hier die Zufriedenheit in Thüringen bei 76,1 Prozent liegt, sind es bundesweit nur 73,3 Prozent. Mit dem Behandlungsergebnis sind 76,7 Prozent der Thüringer TK-Patienten zufrieden (Bund: 77,3), mit Information und Kommunikation durch die Ärzte und das Pflegepersonal 77,4 Prozent (Bund: 77,6). Die medizinisch-pflegerische Versorgung stellt 77,1 Prozent zufrieden (Bund: 76,8). Insgesamt 398.000 ihrer Versicherten hat die TK befragt. Sie alle wurden zwischen Juni 2012 und Juni 2013 für mindestens drei Tage stationär behan- delt. Die Rücklaufquote ist beeindruckend: 57,9 Prozent haben geantwortet, in Thüringen sogar 60,5 Prozent. Für insgesamt 1.024 Krankenhäuser und 2.582 Fachabteilungen liegen die Zufriedenheitswerte der Patienten vor.
  3. 3. TK spezial Thüringen · 1/2014 | 3 Dr. Brunhilde Seidel-Kwem, Kaufmännischer Vorstand Universitätsklinikum Jena „Sehr gute Behandlungsqualität muss besonders vergütet werden“ TK spezial | Laut Umfragen schreibt jede zweite Klinik rote Zahlen. Dage- gen geht der speziell zur Messung der Krankenhauskosten eingeführte Orientierungswert von eher geringen Kostensteigerungen aus. Sind die Personal- und Sachkosten doch nicht so stark gestiegen wie oft behauptet? Seidel-Kwem | Der Orientierungs- wert misst nicht die Kostensteige- rungen der Krankenhäuser, sondern die Tarifsteigerungen und einen krankenhausspezifischen Preissteige- rungsindex bei Sachkosten. Kosten- steigerungen durch den medizinischen Fortschritt oder gesetzliche Vorgaben bilden sich darin nicht ab. Da Krankenhäuser – anders als andere öffentliche Unternehmen der Daseins- versorgung – ihre Preise nicht selbst erhöhen dürfen, bleiben nur zwei Mög- lichkeiten, um die finanzielle Stabilität zu sichern: Rationalisierung, etwa über Prozessoptimierung und Personal- abbau oder Behandlung zusätzlicher Patienten. Da beide Strategien nicht dauerhaft gewollt und überall reali- sierbar sind, sollten Krankenhäuser mit roten Zahlen niemanden wundern. Wer Krankenhausfinanzierung adäquat weiterentwickeln will, kommt um diese Erkenntnis nicht herum. Dennoch ist der Orientierungswert ein wesentlicher Fortschritt, denn die bisher gültigen an der Einnahmeseite der Krankenkassen orientierten Ver- änderungsraten haben über mehrere Jahre Tarif- und Sachkostensteige- rungen nicht annähernd abgedeckt. Selbst wirtschaftlich gut strukturierte, nach Qualitätskriterien arbeitende Kliniken kamen so unter erheblichen Druck. Auch wenn wir als Universitätsklini- kum Jena schwarze Zahlen schreiben: Wenn jede zweite Klinik rote Zahlen schreibt, zeigt das leider eindeutig, welch enormer finanzieller Druck inzwi- schen auf den Kliniken lastet. Daher kann ich mir auch nicht vorstellen, dass es im Interesse der Patienten und der Krankenkassen ist, den Rationalisie- rungsdruck auf die Krankenhäuser weiter zu erhöhen. Ganz konkret: Der Orientierungswert liegt 2013 bei 2,02 Prozent, aber alleine bei den Personalkosten gab es für uns als öffentlichen Arbeitgeber einen tarif- lich bedingten Anstieg von 2,65 Pro- zent. Ich hoffe aber trotzdem, dass sich durch den Orientierungswert die Schere zwischen den Kosten und den Einnahmen zumindest wieder etwas schließt. ZUr PerSOn Dr. Brunhilde Seidel-Kwem Dr. Brunhilde Seidel-Kwem ist seit April 2011 Kauf- männischer Vorstand am Universitätsklinikum Jena (UKJ). Zuvor war sie u.a. am Universitätsklinikum Göttingen tätig, zunächst als Finanzdezernentin, dann als Verwaltungsdirektorin. Es folgten Stationen beim Landesbetrieb Krankenhäuser (LBK) Hamburg und als Bereichsleitung und Vorstandsmitglied der Rhön-Klinikum AG. HInTerGrUnD Kostensteigerungen in Kliniken: auf der Suche nach Orientierung Um den sogenannten Orientierungs- wert gab es lange Diskussionen. Er war eine der zentralen Forderungen der Deutschen Krankenhausgesell- schaft (DKG). Die Krankenhäuser erhofften sich Budgetsteigerungen jenseits der Lohnentwicklung der gesetzlich Versicherten. Der Orien- tierungswert sollte methodisch die tatsächlichen Kostensteigerungen im Bereich Personal- und Sachkosten abbilden. Er wird vom Statistischen Bundesamt festgelegt. Nun liegt dieser Orientierungswert schon zum zweiten Mal in Folge sogar unterhalb der Entwicklung der Grundlohnrate. Die von der Krankenhausseite angegebene Höhe der Kostenzuwächse ist also statistisch nicht nachzuweisen. Laut DKG liegt das an Messfehlern und falschen Messzeitpunkten des Statistischen Bundesamts. Entsprechende Anpassungen und Korrekturen werden eingefordert. Auch wenn die Kritik der DKG an der einen oder anderen Stelle plausibel erscheint, so sind die Finanzierungsprobleme einiger Kliniken jedoch nicht allein mit systembedingten Einnahmede- fiziten erklärbar. Zumindest die Betriebskosten sind in den letzten beiden Jahren offenbar auskömm- lich finanziert worden. Eine offene Ursachenanalyse ist also angezeigt.
  4. 4. TK spezial Thüringen · 1/2014 | 4 TK spezial | Ein Vorwurf an die Kran- kenhäuser lautet regelmäßig, dass zu viel operiert wird. Wie sehen Sie diese Entwicklung? Seidel-Kwem | Bei diesem Thema darf es keine pauschalen Vorwürfe und Vorverurteilungen geben. Werden wir als Gesellschaft immer älter? Ja. Können wir heute Eingriffe durch- führen, die wir vor einigen Jahren noch nicht durchführen konnten? Ja, dem medizinischen Fortschritt – eine der Hauptaufgaben der deutschen Universitätsmedizin – sei Dank. Diese Tatsachen darf man nicht vom Tisch fegen, aber sie dürfen natürlich auch nicht als reflexartige Begründung herangezogen werden. Wenn es Fehlanreize gibt, müssen sie ausgeräumt werden. Auch darf man nicht die Überprüfungen durch den Medizinischen Dienst der Kran- kenkassen vergessen, die eine starke Kontrollfunktion haben. TK spezial | Die Welt in der Uni-Klinik Jena sieht anders aus als in einem kleinen Krankenhaus in derThüringer Fläche. Sollte die Existenz dieser Kliniken im Notfall in Form von soge- nannten Sicherstellungszuschlägen garantiert werden? Seidel-Kwem | Dahinter steht ja deutschlandweit die Frage: Welche medizinischen Versorgungsleistungen wollen und können wir in unserem Land in welcher regionalen Nähe den Bürgern und Versicherten anbieten und wie finanzieren? Das ist die spannende Frage der Krankenhausplanung – nicht nur in Thüringen. Die Diskussion sollte aus meiner Sicht daher aber nicht auf die Zu- schläge verengt werden. Gerade in den letzten Jahren haben sich starke Netzwerke zwischen den Kliniken in Thüringen gebildet. Konkret denke ich an das Schlaganfallnetzwerk SATELIT, bei dem die Chancen der Telemedizin sehr gut genutzt werden, auch dank der Förderung des Freistaats. Im Be- reich der Infektionsprävention gibt es ebenfalls ein solches Netzwerk, das ALERTS-Net. Diese Beispiele zeigen: Kooperation und politisch gewollter Wettbewerb schließen sich – bei uns in Thüringen zumindest – nicht aus. TK spezial | Stichwort Behandlungs- qualität. Kann die aus Ihrer Sicht ver- nünftig gemessen werden und falls ja: Sehen Sie eine Möglichkeit, dass die Höhe der Vergütung von der Be- handlungsqualität abhängig gemacht werden kann? Seidel-Kwem | Ich persönlich begrü- ße die Idee, dass sehr gute Behand- lungsqualität auch besonders vergütet wird. An auswertbaren Daten mangelt es nicht, die Dokumentationsdichte hat in den vergangenen Jahren im Klinik- bereich sehr zugenommen. Auch an Initiativen und Ideen mangelt es nicht. Wichtig ist nun eine seriöse und ver- ständliche Aufbereitung dieser Quali- tätsdaten. Vieles ist hier bislang stark techno- kratisch ausgeprägt oder aber es wer- den Ergebnisse fast schon polemisch in der Öffentlichkeit dargestellt. Die vielen kommerziellen Angebote, z.B. Sonderhefte mit den entsprechenden Rankings, zeigen zudem, dass es ein großes Interesse an einer verständ- lichen Darstellung von Qualität gibt. Die neue Regierungskoalition im Bund hat die Gründung eines Quali- tätsinstituts beschlossen, das sektor- übergreifend Routinedaten sammeln, auswerten und einrichtungsbezogen veröffentlichen soll. Das wird ein spannender Prozess. Ich freue mich auf die Diskussion darüber. MENGENAUSWEITUNG: Ein Vorwurf an die Krankenhäuser lautet regelmäßig, dass zu viel operiert wird.
  5. 5. TK spezial Thüringen · 1/2014 | 5 Frühchen-Versorgung in acht Spezialzentren in Thüringen Sterberisiko korreliert mit Fallzahlen Jedes Jahr kommen in Thüringen zwischen 1.300 und 1.400 Frühchen zur Welt. Für sie ist eine hoch qualifi- zierte Versorgung überlebenswichtig. Ein besonders hohes Risiko für Kom- plikationen haben die vor der 33. Schwangerschaftswoche geborenen Säuglinge mit einem Geburtsgewicht von unter 1.500 Gramm. In Thüringen sind es jährlich fast 200. Sie leiden vor allem unter Problemen mit der Atmung. Andere Komplikati- onen können Hirnblutungen, Darm- entzündungen und Infektionen sein. Die notwendige Behandlungsqualität für diese sehr früh geborenen oder sehr kleinen Babys stellen Neugebo- renen-Intensivstationen, sogenannte Perinatalzentren, sicher. Spezielle Geräte stehen dort bereit, die das Kind bei der Atmung unterstützen und unter anderem dafür sorgen, dass die Körper- temperatur nicht absinkt. In Thüringen versorgen acht solcher Neugeborenen-Intensivstationen die Frühchen, die vor der 33. Woche auf die Welt kommen und ein Geburtsge- wicht von unter 1.500 Gramm haben. Studien: Praxiserfahrung des Klinikpersonals wichtig In der Fachöffentlichkeit steht die Frage, welche Rolle die Erfahrung von Ärzten, Hebammen und Pflegekräften für die Qualität der Versorgung von Frühgeborenen spielt, immer wieder zur Diskussion. Unabhängig von der Anzahl der betreuten Frühchen sind auch die Ausbildung des Personals und die Ausstattung der Station entscheidend. Wichtig ist, dass ein Perinatalzentrum rund um die Uhr gewährleisten kann, dass genug Fachkräfte verfügbar sind. Das Institut für Qualität und Wirt- schaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat zusammen mit Wissen- schaftlern der Universität Düsseldorf zehn Studien zu dieser Frage ausge- wertet. Das Ergebnis: Die Daten wei- sen deutlich auf einen statistischen Zusammenhang zwischen den Behand- lungszahlen und der Sterblichkeit von Frühgeborenen hin. Diese war in Spezialzentren mit größeren Behand- lungszahlen geringer. Transparenz durch zentrale Veröffentlichung Für das Frühjahr 2014 ist ein Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschus- ses (GBA) geplant, der die Zentren verpflichtet, ihre Qualitätsdaten auf der Internetplattform www.perinatal- zentren.org zu veröffentlichen. Mit der zentralen Veröffentlichung können wichtige Informationen zur Ergebnis- qualität der teilnehmenden Kranken- häuser eingesehen werden. Die Kran- kenhäuser können nach Namen oder Regionen bzw. Entfernungen ausge- wählt werden. Nur die Transparenz der Behandlungsqualität ermöglicht es Patienten, gut informiert die für sie beste Behandlungsstätte aussuchen zu können. DaTen & FaKTen Frühgeburten in Thüringen Rund 1.380 Babys sind im Jahr 2012 in Thüringer Kliniken vor der vollendeten 37. Schwangerschafts- woche zur Welt gekommen. Das sind knapp 4,2 Prozent mehr Frühchen als im Jahr zuvor. Vom gesamten Geburtsaufkommen in Thüringen machen Frühgeburten 2012 rund 8,5 Prozent aus. Insge- samt 183 Säuglinge sind mit einem Gewicht von unter 1.500 Gramm zur Welt gekommen. Das zeigen die Qualitätsdaten der Kranken- häuser im Freistaat. Bundesweit wurden rund 52.000 Frühgeburten gezählt. AUSSTATTUNG UND ERFAHRUNG: Die notwendige Behandlungsqualität für sehr früh geborene oder sehr kleine Babys stellen Neugeborenen-Intensivstationen, sogenannte Perinatalzentren, sicher.
  6. 6. R Thüringen: 5.000 Versicherte mehr als im Vorjahr TK ist Deutschlands größte Krankenkasse Zu Jahresbeginn ist die TK zu Deutsch- lands größter gesetzlicher Kasse ange- wachsen, mit rund 420.000 neuen Ver- sicherten im Jahr 2013. Nach einem weiteren Zuwachs von fast 60.000 im Januar 2014 sind jetzt mehr als 8,8 Millionen Menschen bei der TK versichert. In Thüringen betreut die TK aktuell insgesamt rund 120.000 Menschen und ist im Jahresvergleich um fast 5.000 Versicherte gewachsen. Damit ist sie die einzige große gesetzliche Krankenkasse im Freistaat, die per Saldo Mitgliederzuwächse verbuchen konnte. Insgesamt ist die Zahl der gesetzlich Versicherten im Land erneut zurückgegangen. Beitragsrückerstattung für 90.000 Thüringer Im ersten Quartal des Jahres hat die TK die mit Abstand größte Beitrags- rückerstattung, die es je bei einer Krankenkasse gegeben hat, vollzogen. Allein in Thüringen haben bis Ende März über 90.000 Mitglieder Verrech- nungsschecks in Höhe von insgesamt bis zu 160 Euro erhalten. Damit hat die TK im Freistaat rund 14 Millionen Euro an ihre Mitglieder ausgereicht, bundesweit sogar mehr als eine Milliarde Euro. Und: Von der TK-Dividende 2014 profitieren auch all diejenigen noch, die erst im Laufe des Jahres zur TK wechseln werden. Wer spätestens zum 1. Dezember 2014 Mitglied gewor- den ist, erhält die volle Dividende in Höhe von 80 Euro. Sie wird im Laufe des Dezember 2014 an die Mitglieder ausgeschüttet. Mehr Informationen unter www.tk.de, Webcode: 480064 DIe TK In THÜrInGen TK-ServiceTeam Wir freuen uns auf Ihren Anruf. Tel. 0800 - 285 85 85 (gebüh- renfrei 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr) TK-ÄrzteZentrum Tel. 040 - 85 50 60 60 60 24 Stunden täglich an 365 Tagen im Jahr TK-FamilienTelefon Tel. 040 - 85 50 60 60 50 24 Stunden täglich an 365 Tagen im Jahr TK-ReiseTelefon Tel. +49 40 - 85 50 60 60 70 24 Stunden täglich an 365 Tagen im Jahr TK im Internet www.tk.de E-Mail: service@tk.de Save the date: Weimarer Gespräche zum Gesundheitswesen Wenige Wochen vor der Landtags- wahl widmen sich die Weimarer Gespräche zum Gesundheitswesen einer Bestandsaufnahme der Thüringer Gesundheitspolitik der vergangenen Legislaturperiode und werfen einen Blick auf die künftige: Welche Her- ausforderungen stehen an? Welche gesundheitspolitischen Schwerpunkte muss der Freistaat setzen? Die Weimarer Gespräche zum Gesundheitswesen finden in ihrer inzwischen 14. Auflage am Mittwoch, den 9. Juli, ab 14:30 Uhr im Hotel Russischer Hof in Weimar statt. Die Fachtagung ist eine Kooperations- veranstaltung von TK und Universitäts- klinikum Jena. Impressum Herausgeber | Techniker Krankenkasse, Landesvertretung Thüringen Verantwortlich | Guido Dressel Telefon | 03 61 - 54 21-400 e-Mail | lv-thueringen@tk.de Internet | www.tk.de/lv-thueringen redaktion | Teresa Urban Telefax | 03 61 - 54 21-430 Twitter | www.twitter.com/TKinTH

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