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"TK spezial" für Niedersachsen 2-2014

  1. 1. Entgeltsystem Psychiatrie: leistungsabhängiges Vergütungssystem zielführend • Das Endo- prothesenregister Deutschland hat Betrieb aufgenommen spezialn i e d e rsac h s e n Nr. 2 2014Informationsdienst der Techniker Krankenkasse Liebe Leserin, lieber Leser, in dieser Ausgabe von TK spezial widmen wir uns gleich mehreren Krankenhausthemen. Neben der MRSA-Problematik und der Einfüh- rung des Endoprothesenregisters geht es um das Pauschalierende Entgeltsystem Psychiatrie und Psy- chosomatik. Dieser etwas sperrige Begriff, kurz PEPP, bezeichnet ein Entgeltsystem in der psychiatri- schen Versorgung, das Schritt für Schritt eingeführt wird. Es hat zum Ziel, eine leistungsgerechte Ver- gütung des tatsächlichen Behand- lungsaufwandes vorzunehmen. Auch wenn die Übergangsphase bei der Einführung von PEPP gerade verlängert worden ist: Die neue Vergütungsform ist aus Sicht der TK eine wichtige Vor- aussetzung, um die Übergänge zwischen ambulanter und stationä- rer Behandlung in der Psychiatrie effizienter und am Patienteninte- resse orientiert zu gestalten. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre. Inken Holldorf Leiterin der TK-Landesvertretung Niedersachsen Editorial Niedersachsen auf dem richtigen Weg MRSA-Infektionen sinnvoll bekämpfen Seit der Entdeckung des Penicillins 1928 sind Antibiotika zu einem der wichtigsten Instrumente in der Behandlung von Infektionskrankhei- ten geworden. Inzwischen jedoch sind diese Medikamente durch die Zunahme von Antibiotika-Resisten- zen nicht mehr verlässlich effektiv. Es gibt zahlreiche Hinweise, dass auch in Deutschland die Problematik der Antibiotika-resistenten Keime (MRSA) zunimmt. In Deutschland infizieren sich bis zu 600.000 Patienten jährlich bei einer medizinischen Behandlung im Kran- kenhaus mit MRSA Keimen. MRSA kann bei einem frisch operierten Menschen zu Entzündungen führen und verschiedene Organe dadurch schädigen. Hierdurch kann ein Pa- tient einen Schock bekommen und sogar im schlimmsten Falle sterben. Auch andere Faktoren außerhalb der Humanmedizin sind mit dafür verantwortlich, dass sich multiresis- tente Keime entwickeln. Beispielhaft kann in diesem Zusammenhang auf den großen Antibiotika-Verbrauch in der Tiermast verwiesen werden. Dabei spielt vor allem die hohe Zahl von Verunreinigungen des Fleisches mit multiresistenten Keimen eine bedeutende Rolle. WHO-Report: Wirkung von Antibiotika lässt nach In ihrem am 30. April 2014 veröffent- lichten „Global Report on Antibiotic Resistance“ hat die Weltgesund- heitsorganisation (WHO) die abneh- mende Wirksamkeit von Arzneimit- teln gegen Infektionskrankheiten als eine „ernste weltweite Bedro- hung der öffentlichen Gesundheit“ bewertet. Laut WHO-Report ist die Mortalität bei MRSA-Infektionen um 64 Prozent erhöht. Die WHO mahnt daher dringend zu besserer Hygiene und Infektionskontrolle in Gesund- heitseinrichtungen sowie zu Impfun- gen. Notwendig sei die Entwicklung neuer Diagnostika und Antibiotika. Ärzte sollten Antibiotika nur dann gezielt verschreiben, wenn diese unbedingt nötig sind. Durch Vermeidung der Verbreitung von Antibiotika-resistenten Erregern kann sichergestellt werden, dass unvermeidbare Infektionen noch the- rapierbar bleiben. In Deutschland gilt seit August 2011 ein neues Infekti- onsschutzgesetz. Es verpflichtet alle
  2. 2. TK spezial Niedersachsen · 2/2014 | 2 Bundesländer, eine Krankenhaushy- giene-Verordnung zu erlassen. Au- ßerdem sind damit die bestehenden Empfehlungen des Robert Koch-Ins- tituts (RKI) für alle gesundheitlichen Einrichtungen bindend. Angesichts zunehmender Resisten- zen, hoher Kosten für aufwendige Behandlungen und einer steigenden Anzahl tödlich verlaufender Infektio- nen ist ein wesentliches Anliegen der aktuellen Gesundheitspolitik, Initiativen auf Landes- und Bundes- ebene zu initiieren, um den Antibioti- ka-Verbrauch zu reduzieren. Niedersächsische Antibio- tika-Strategie des NLGA In Niedersachsen hat das Lan- desgesundheitsamt (NLGA) eine Antibiotika-Strategie entwickelt, die Maßnahmen zum Schwerpunkt An- tibiotika-Therapie und zum Schwer- punkt Hygiene beinhaltet. Bausteine dieser Strategie sind bei- spielsweise die Netzwerkbildung auf Landesebene sowie auf kommunaler Ebene durch den öffentlichen Ge- sundheitsdienst oder das EU-Projekt EurSafety Health-net. EurSafety Health-net: grenzüberschreitende Zu- sammenarbeit Das Hauptziel des EurSafety-Health- net-Projektes sind die Stärkung der Patientensicherheit und der Schutz vor Infektionen. Der Blick über die Grenze in Richtung Niederlande hat gezeigt, dass die sehr viel niedri- geren MRSA-Prävalenzraten in den Krankenhäusern auf konsequentes Hygienemanagement, rationale An- tibiotika-Therapie und einen äußerst günstigen Personalschlüssel in Be- Empfehlungen des Robert Koch-Institutes Im Jahr 1999 sind erstmals Emp- fehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infekti- onsprävention zur Prävention von Krankenhausinfektionen sowie zu betrieblich-organisatorischen und baulich-funktionellen Maßnahmen der Hygiene in Krankenhäusern und anderen medizinischen Einrich- tungen erschienen. Die Kriterien werden beim RKI erarbeitet, veröffentlicht und aktualisiert. Ziel der Empfehlungen ist es, die Rate von Krankenhausinfektionen sowie die Verbreitung von Erregern mit besonderen Resistenzen in medizi- nischen Einrichtungen zu senken. HINTERGRUNDzug auf ärztliches und pflegerisches Hygienefachpersonal zurückzufüh- ren sind. In Deutschland kommen Antibiotika-resistente Bakterien (MRSA) 20-mal häufiger vor als in den Niederlanden. Mit dem Leiter des EurSafety-Health- net-Projektes, Prof. Dr. Alex W. Friedrich, steht die TK-Landesver- tretung derzeit im fachlichen und gesundheitspolitischen Austausch. Bei einem Besuch der Universi- tätsklinik in Groningen (University Medical Center Groningen) im April konnte der Krankenhausexperte der TK-Landesvertretung Niedersachsen, Jochen Blaser, einen persönlichen Eindruck der niederländischen Kran- kenhausstrukturen gewinnen und sich neben der Diskussion über eine effiziente MRSA-Prophylaxe auch zu weiteren aktuellen Themen wie der länderübergreifenden Versorgung, Leistungsangeboten (zum Beispiel Facharztangebot) der GKV und Zentralisierung von Krankenhaus- leistungen austauschen. In Zukunft könnten aus dieser Kooperation auch gemeinsame Verträge entstehen.
  3. 3. TK spezial Niedersachsen · 2/2014 | 3 Die Einführung des Pauschalierenden Entgeltsystems Psychiatrie und Psy- chosomatik (PEPP) stellt einen ers- ten Schritt hin zu einer Vergütung des tatsächlichen Behandlungsaufwands dar. Auf der Basis der zur Verfügung stehenden Kalkulationsdaten hat das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) in enger Ab- stimmung mit der Selbstverwaltung bisher für zwei Jahre Entgeltkata- loge erstellt. Dabei werden auf der Grundlage von Istkosten eines Falles tagesbezogene Entgelte kalkuliert. Die Zuordnung der Kosten erfolgt im Wesentlichen durch die Hauptdiagno- se. Um dem degressiven Kostenver- lauf innerhalb eines psychiatrischen Behandlungsfalles Rechnung zu tragen, werden Vergütungsstufen eingeführt, die dazu führen, dass im Verlauf der Behandlung die Vergütun- gen abgesenkt werden. Aus Sicht der Techniker Krankenkas- se ist es unerlässlich, auch für die Psychiatrie in Deutschland leistungs- gerechte Preise zu kalkulieren. Nur so ist sichergestellt, dass die zur Verfügung stehenden finanziellen Ressourcen aufwandsgerecht verteilt werden. Die transparente Darstel- lung des Leistungsgeschehens ist Voraussetzung für die Bildung kostenhomogener Gruppen und für die Entwicklung eines Qualitätssiche- rungssystems. Budgetneutrale Einführung Verschiedene Fachgesellschaften fordern die Aussetzung der Einfüh- rung eines pauschalierenden Ent- geltsystems für die Psychiatrie. Die Einwände gegen die Einführung des PEPP-Systems und die Forderung nach Umkehrbarkeit des Systems sind vor dem Hintergrund einer budgetneu- tralen Einführung bis einschließlich 2016 nicht nachvollziehbar. Im Rahmen dieser Phase soll das neue Entgeltsys- tem unter geschützten Bedingungen erprobt und weiterentwickelt werden. Darüber hinaus gibt es zusätzliche finanzielle Anreize durch die Anhebung der Obergrenze für Budgetsteigerun- gen für diejenigen Krankenhäuser, die auf PEPP umsteigen. Das PEPP-System ist ein lernendes System, somit werden auch die aktuell bestehenden Problempunkte sukzessive gelöst werden. Die große Herausforderung dabei ist die Einbe- ziehung der ambulanten Behandlung. Diese muss integrativer Bestandteil des Behandlungssystems werden, denn die Patienten in Niedersachsen fragen auch deutlich niedrigschwelli- ge Angebote im Bereich der Psycho- somatik nach. Daher ist die Verbesse- rung der wohnortnahen Versorgung mit teilstationären und ambulanten Angeboten ebenfalls bedeutsam. Die TK-Landesvertretung Niedersachsen bietet hierzu den integrativen Versor- gungsvertrag NetzWerk psychische Gesundheit (NWpG) an, bei dem die Patienten ambulant in ihrer gewohn- ten Umgebung betreut werden. Ziel ist es, Krankenhausaufenthalte zu vermeiden und die Qualität der Versorgung von psychisch erkrankten Menschen zu verbessern. Leistungsabhängiges Vergütungssystem in Psychiatrie zielführend Entgeltsystem Psychiatrie  Psychische Erkrankungen neh- men zu und damit die Bedeutung psychotherapeutischer und psychiatrischer Therapien für die Gesundheitsversorgung in Niedersachsen.  Das neue Entgeltsystem ist eine große Chance, die Behandlung psychisch kranker Menschen durch mehr Transparenz besser nachvollziehbar zu machen.  Das neue pauschalierte Ent- geltsystem ermöglicht es, das Geld für die Versorgung dorthin zu lenken, wo es am meisten benötigt wird.  Die neue Vergütungsform ist eine wichtige Voraussetzung, um die Übergänge zwischen ambulanter und stationärer Behandlung in der Psychiatrie effizienter und am Patienteninteresse orientiert zu gestalten.  Die Datenbasis ist besser als bei der Einführung der Diagnosis Re- lated Groups (DRG) bei den Akut- krankenhäusern im Jahr 2004.  Zentrale Herausforderung bei der Gestaltung eines neuen Entgelt- systems und den richtig gesetz- ten Anreizen in der Psychiatrie ist jedoch die Einbeziehung der ambulanten Behandlung in Form der Psychiatrischen Institutsam- bulanz. Der ordnungspolitische Rahmen muss so gestaltet werden, dass die ambulante Be- handlung integrativer Bestandteil des Behandlungssystems wird. Information 5 der 36 psychiatrisch tätigen Klinken in Niedersachsen sind auf PEPP umgestiegen Mehr Informationen unter www.tk.de, Webcode: 518902
  4. 4. TK spezial Niedersachsen · 2/2014 | 4 In Deutschland werden jedes Jahr etwa drei Millionen Implantate ein- gesetzt. Zu den bei Weitem häufigs- ten Operationen gehört der Einbau künstlicher Gelenke. Bei starkem Gelenkverschleiß oder nach Brüchen gibt oft nur ein neues Knie- oder Hüft- gelenk den Patienten Mobilität und Lebensqualität zurück. 2012 wurden allein in Niedersachsen 14.579 künstli- che Hüftgelenke und 12.292 Knie- gelenke operiert. Hinzu kamen 9988 Operationen nach Hüftfrakturen und 4187 Wechseloperationen, das heißt Operationen, in denen ein Kunstge- lenk oder Komponenten des Gelenks erneuert werden mussten. Gerade der Wechsel von Endoprothesen in so hoher Zahl muss nicht sein. „Viele dieser Eingriffe sind auf Mängel bei der Erstoperation oder Qualitätsmän- gel des Implantats zurückzuführen und könnten vermieden werden“, sagt Inken Holldorf, Leiterin der TK-Landes- vertretung Niedersachsen. So funktioniert das Endoprothesenregister Was einfach klingt, ist in der Praxis ein sehr komplexes System mit hohen Anforderungen: Für das Endoprothesenregister muss eine ganze Reihe von Datenflüssen koordiniert werden. Bei der Ope- ration erfasst die Klinik mit einem Barcode-Scanner alle Details des künstlichen Gelenks, das die Chir- urgen einbauen, also Hersteller, Produktbezeichnung und sämtliche Implantatbestandteile. Von der Klinik fließen die Informationen in pseudonymisierter Form zur Regis- terstelle, die vom BQS-Institut im Auftrag des EPRD betrieben wird. Die Krankenkassen senden später Auszüge aus Abrechnungsdaten der Klinik ebenfalls pseudonymi- siert an die Registerstelle weiter. Diese Daten werden laufend ergänzt, um festzustellen, ob es eine Wechseloperation gegeben hat. Die Registerstelle verknüpft die Daten mit der Produktdaten- bank der Hersteller, in der nahezu alle auf dem Markt befindlichen Endoprothesen enthalten sind, und ist dadurch in der Lage, die pseudonymisierten Datenpakete wieder zusammenzufügen. Der Aufbau des EPRD, eines Gemeinschaftsprojekts von Ärzten, Krankenkassen und Industrie, geht auf eine Initiative der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) zurück. Das EPRD ist heute als ge- meinnützige Gesellschaft eine hun- dertprozentigeTochter der DGOOC, ausschließlich wissenschaftlichen Grundsätzen verpflichtet und garantiert die Unabhängigkeit und Neutralität der Auswertungen. Die Techniker Krankenkasse ist mit dem Verband der Ersatzkassen (vdek) einer von mehreren Koope- rationspartnern, die den Aufbau und Betrieb der EPRD gGmbH finanziell unterstützen. HINTERGRUND Qualitätskontrolle für Kunstgelenk-Operationen Das Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) hat Betrieb aufgenommen Deutlich sinkende Revisionsraten Mit dem Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) wird sich die Behandlungsqualität beim Gelenker- satz verbessern. Fehler beim Einbau künstlicher Knie- und Hüftgelenke, Produktmängel oder gar Serienfehler bei Endoprothesen, die bei etlichen Patienten implantiert wurden, werden in Kliniken, die sich am EPRD betei- ligten, künftig nicht mehr unentdeckt bleiben. Ziel des Registers ist es ins- besondere, mehr über die Standzeit künstlicher Gelenke zu erfahren, also über die Zeit, in der Implantate im Körper funktionstüchtig sind. Zudem kann ein Endoprothesenregister die Zahl der Wechseloperationen senken Nach der Gründung der Endoprothe- senregister Deutschland gGmbH im Jahr 2010 wurde zunächst in einer
  5. 5. Impressum Herausgeber | Techniker Krankenkasse, Landesvertretung Niedersachsen Verantwortlich | Inken Holldorf Redaktion | Bastian Nack, Frank Seiffert Telefon | 05 11- 30 18  53 - 0 Telefax | 05 11- 30 18  53 - 30 E-Mail | lv-niedersachsen@tk.de Twitter | www.twitter.com/TKinNI Internet | www.tk.de/lv-niedersachsen Machbarkeitsstudie geprüft, ob ein Endoprothesenregister in Deutsch- land erfolgreich etabliert werden kann. Ende 2012 startete dann der Probebetrieb, seit 2014 können sich bundesweit alle Kliniken am Register beteiligen. „Schon im Probebetrieb sind die sehr komplexen Datenflüsse zwischen allen Partnern – den betei- ligten Kliniken, Krankenkassen, Her- stellern sowie der wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Orthopädie – reibungslos gelaufen“, sagt Prof. Joachim Hassenpflug, Direktor der Klinik für Orthopädie am Uniklini- kum Schleswig-Holstein in Kiel und ehrenamtlicher Geschäftsführer des EPRD. Chance auf Qualitätsverbesserung Nach den Erfahrungen anderer Länder ist ein Endoprothesenregister nach fünf bis sieben Jahren voll funkti- onsfähig. Beispiele zeigen, dass die Register Revisionsraten erheblich ver- ringern können. In Schweden, Finn- land, Island und Norwegen wurden bereits in den 70er- und 80er-Jahren Endoprothesenregister gegründet. In der Folge ist die Wahrscheinlichkeit für Revisionen in diesen Ländern um bis zu zehn Prozent gesunken, in Schweden fiel die Rate sogar auf etwa die Hälfte des Ausgangswerts. „Jede Revision ist eine zu viel, denn eine Wechseloperation bedeutet für den betroffenen Patienten zusätzliche vermeidbare Schmerzen“, so Prof. Hassenpflug. Auch die Kosten können nach Ansicht Hassenpflugs reduziert werden: „Wenn es uns gelingt, die Zahl der Revisionen in Deutschland lediglich um ein Prozent zu senken, kommen wir bereits auf Einsparungen in Höhe von 4,3 Millionen Euro. Dieses Niveau sollten wir relativ bald erreichen.“ Mehr als 35.000 Datenbankeinträge Im EPRD werden alle für den Eingriff relevanten Daten dokumentiert. „Die Datenbank erfasst schon heute na- hezu 98 Prozent der Produkte, die in Deutschland eingebaut werden, und ist in ihrer Granularität der Klassifika- tion weltweit einmalig“, so Prof. Has- senpflug. Für die Kunstgelenke sind in der Datenbank mehr als 35.000 Einzelteile hinterlegt. Hinzu kommen Informationen zu Operationsverfahren und -anlässen sowie Merkmale der Patienten wie Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen. Die Kliniken erhalten einmal jährlich eine Auswertung des EPRD mit Anga- ben, welche Prothesen in ihrem Haus wie häufig eingebaut wurden, wie sich die Zahl der Wechseloperatio- nen entwickelt hat und warum es zu Revisionen gekommen ist. „Erstmals werden Krankenhäuser in Deutsch- land informiert, wie sich Prothesen verhalten, nachdem der Patient das Krankenhaus verlassen hat. Diese Berichte werden den Häusern helfen, fehlerhafte Verfahren und Produkte zu erkennen und zu verbessern“, sagt Hassenpflug. Die Berichte informie- ren Kliniken auch, wenn Prothesen in einem anderen Krankenhaus gewech- selt werden. Bei Rückrufaktionen können die betroffenen Patienten deutlich leichter als heute identifiziert und benachrichtigt werden. „Schon in zwei bis drei Jahren werden unsere Berichte den Krankenhäusern erste Aussagen liefern“, so Hassenpflug. Auch hier zeigen Beispiele aus dem Ausland, wie wertvoll die Berichte für die Kliniken sein können. So hat sich beispielsweise in Norwegen vor einigen Jahren ein Knochenzement als nicht funktionsfähig erwiesen. In verschiedenen internationalen Registern sind bei Kappenprothesen vergleichsweise kurze Standzeiten aufgefallen. Revisionsoperationen sind vermeidbar Aktuell sind im Endoprothesenregis- ter Deutschland rund 26.000 Opera- tionen erfasst, 400 Krankenhäuser aus dem Bundesgebiet haben Inter- esse an einer Teilnahme angemeldet. Darunter sind auch 29 Kliniken aus Niedersachsen – wie beispielsweise das Klinikum Osnabrück, das Her- zogin-Elisabeth-Hospital in Braun- schweig oder das Diakoniekranken- haus Annastift. Ab sofort können sich alle Kliniken auf freiwilliger Basis am Register beteiligen. „Häuser, die nicht teilnehmen, werden sich langfristig irgendwann einmal rechtfertigen müssen, warum sie diese Chance der Qualitätsverbesserung nicht wahrneh- men“, so Holldorf.

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