Informationsdienst der Techniker Krankenkasse Nr. 3 2014 
spezial 
Interview mit Dr. Jutta Hübner • Interview mit Kathrin ...
„Die Patienten übernehmen die Regie“ 
Information 
Schulmedizin und Komplementäre 
Onkologie sind in erster Linie dem 
Pat...
Interview mit Kathrin Sonnenholzner, MdL, Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit und Pfl ege im 
Bayerischen Landtag 
...
TK spezial Bayern · 3/2014 | 4 
sind, aber ein Anfang wäre es ohne 
Zweifel gewesen. Leider sieht es so 
aus, als würde si...
Hausärzte, Rheumatologen und die TK möchten die Versorgung von Rheumapatienten in Bayern verbessern 
Vernetzte Versorgungs...
Leitliniengerechte 
Arzneimittelversorgung 
Alle teilnehmenden Ärzte verpflichten 
sich neben der strukturierten Zusam-men...
Nächste SlideShare
Wird geladen in …5
×

"TK spezial" für Bayern 3-2014

211 Aufrufe

Veröffentlicht am

Dieses Dokument kann für redaktionelle Zwecke und mit dem Hinweis "Quelle: Techniker Krankenkasse" honorarfrei verwendet werden. Eine Nutzung zu Werbezwecken ist ausgeschlossen.

Veröffentlicht in: Gesundheit & Medizin
0 Kommentare
0 Gefällt mir
Statistik
Notizen
  • Als Erste(r) kommentieren

  • Gehören Sie zu den Ersten, denen das gefällt!

Keine Downloads
Aufrufe
Aufrufe insgesamt
211
Auf SlideShare
0
Aus Einbettungen
0
Anzahl an Einbettungen
3
Aktionen
Geteilt
0
Downloads
1
Kommentare
0
Gefällt mir
0
Einbettungen 0
Keine Einbettungen

Keine Notizen für die Folie

"TK spezial" für Bayern 3-2014

  1. 1. Informationsdienst der Techniker Krankenkasse Nr. 3 2014 spezial Interview mit Dr. Jutta Hübner • Interview mit Kathrin Sonnenholzner • Vernetzte Versor-gungskompetenz für Rheuma-Patienten Vortragsreihe „Komplementärmedizin für Krebspatienten“ Wann und wie lässt sich die Krebstherapie sinnvoll ergänzen? Die Diagnose Krebs stellt für Betroffene einen schwerwiegenden Einschnitt in ihr Leben dar. Sie stehen vor einem Berg von Fragen. Neben den schulmedi-zinischen Verfahren gibt es auch zahl-reiche ergänzende, sogenannte komple-mentäre Behandlungsmethoden, wie zum Beispiel bestimmte Diäten, Mistel-therapie oder Nahrungsergänzungen. Die Verfahren der komplementären Medizin verstehen sich als Ergänzung zur konventionellen Krebstherapie. Die Angebote sind jedoch häufig unübersichtlich, Informationen zum Teil widersprüchlich. Orientierung wollen jetzt die Bayerische Krebsge-sellschaft e.V. und die Techniker Kran-kenkasse (TK) mit der gemeinsamen Vortragsreihe „Komplementäre Medi-zin für Krebspatienten“ bieten. In den Vorträgen werden die Teilneh-merinnen und Teilnehmer über fol-gende Aspekte informiert:  Grundlegendes zu Nutzen, Scha-den und Kosten komplementärer Verfahren  Was kann man selbst als Patient tun?  Krebs und das Immunsystem, Immunstimulantien (Mistel-Thera-pie etc.)  Nahrungsergänzungsmittel  Behandlung von Nebenwirkungen: Was kann während der Therapie helfen? Die Vorträge finden in Bayreuth, Kempten, München und Nürnberg statt. Die Referentin in München und Nürnberg: Dr. Jutta Hübner, Fachärztin für Innere Medizin, Häma-tologie und Internistische Onkologie. Der Referent in Bayreuth und Kempten: Dr. Christoph Stoll, Arzt für Innere Medizin, Hämatologie, Internistische Onkologie, Palliativmedi-zin und Naturheilverfahren. Mehr Information gibt es unter www.tk.de, Webcode: 617608. ba yern Editorial Grüß Gott! Der Nutzen teurer Präparate im Bestandsmarkt ist nicht belegbar, so das Fazit einer Untersuchung im Auftrag der TK. Für den Bestands-marktreport wurden 17 Arzneimittel aus drei Wirkstoffgruppen unter-sucht. Darunter Biologika, die zur Behandlung von Rheuma verordnet werden. Die Biologika scheinen Vorteile in Bezug auf die therapeu-tische Wirksamkeit, Verträglichkeit oder Therapiesicherheit zu bieten. Die Evidenz ist jedoch nicht eindeu-tig, oder die beobachteten Verbes-serungen fallen gering aus. Eine qualitativ hochwertige Arznei-mitteltherapie auf Basis gesicher-ter Evidenz ist unter anderem auch Ziel des neuen TK-Vertrags mit Hausärzten, Rheumatologen und Krankenhäusern in Bayern, den wir Ihnen auf Seite 5 vorstel-len. Der Vertrag startet zunächst in Bayern und Nordrhein-Westfalen und soll langfristig in weiteren Ländern umgesetzt werden. Christian Bredl Leiter der TK-Landesvertretung Bayern
  2. 2. „Die Patienten übernehmen die Regie“ Information Schulmedizin und Komplementäre Onkologie sind in erster Linie dem Patienten verpflichtet. Beide wol-len dem Krebskranken helfen, die Krankheit möglichst zu überwin-den, und wenn dies nicht möglich ist, sein Leiden zu lindern und für ihn eine möglichst lange Lebens-zeit mit guter Lebensqualität sicherzustellen. Dies ist die philo-sophisch- ethische Grundlage, auf der sich ein wissenschaftliches Fundament errichten lässt. Dieses Fundament beruht auf der Patien-tenorientierung TK spezial Bayern · 3/2014 | 2 Kommentar von Dr. Jutta Hübner Die Komplementärmedizin arbeitet biologisch basiert, nutzt Substanzen wie Nahrungsergänzungsmittel oder Kräuter. Daneben spielen aber auch Entspannungsverfahren oder Meditati-on eine große Rolle. In der Regel kön-nen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für komplementärmedizi-nische Methoden nicht übernehmen. Es ist jedoch wichtig, Versicherten seriöse Informationen zu diesem The-ma zu geben. Egal ob Bewegung, Vitamine oder Misteltherapie – wir wollen, dass Patienten die Komple-mentärmedizin verstehen, sie einord-nen können und lernen, sie für sich zu nutzen. Wir möchten den Kranken hel-fen, sich kompetent und autonom für einen persönlichen Weg zu entschei-den. Das bedeutet auch, neben den Chancen die Risiken von Anwen-dungen oder Medikamentenkombina-tionen zu kennen, wenn sie zum Bei-spiel Wechselwirkungen hervorrufen. Versicherte benötigen seriöse Informationen Mit dem Angebot begegnen wir auch der großen Informationsflut: Oft füh-len sich die Patienten von Berichten in den Medien erschlagen und haben Probleme, seriöse Informationen von tendenziösen zu unterscheiden. Wir möchten Patienten befähigen, selbst etwas zu tun, aktiv an ihrer Heilung mitzuwirken. Die Patienten überneh-men die Regie. Wir wissen aus Befra-gungen: Eine große Mehrheit der Pati-enten wünscht sich, selbst etwas zur Behandlung beitragen zu können. Die Schulmedizin sinnvoll ergänzen Kritiker sagen, Komplementärmedizin bringt nichts im Kampf gegen Tumore. Sie haben recht, die Wirkung solcher Therapien gegen den Krebs selbst ist wissenschaftlich nicht belegt. Wissen-schaftler sprechen von fehlender Evi-denz. Trotzdem können unterstützende Maßnahmen die Schulmedizin sinnvoll ergänzen. Zum Beispiel, wenn es darum geht, die Nebenwirkungen einer Chemotherapie abzumildern. Und: Die Nachfrage nach diesen Methoden ist groß, mehr als 70 Prozent der Krebspa-tienten sind interessiert. Wir wären schlecht beraten, dieses Bedürfnis schlicht zu ignorieren. Ein Leitfaden für Ärzte Unsere große Hoffnung ist es auch, Akzeptanz für die Komplementärmedi-zin bei den Onkologen zu schaffen, des-halb haben wir einen Leitfaden für Ärzte entwickelt. Doch wir müssen unter-schiedliche Lager überzeugen. Einer-seits sind das klassische Schulmedizi-ner: Sie sind skeptisch und müssen aktiv einbezogen werden, mit ihnen wollen wir die Behandlung gemeinsam gestalten. Andererseits gibt es zuneh-mend Kliniken und Praxen, die sich Heil-praktiker, Heiler oder alternative Exper-ten „einkaufen“. Sie reagieren damit auf die große Nachfrage. Diese Entwicklung beobachten wir mit Sorge, denn sie gefährdet die wissenschaftlich fundierte Therapie. Und sie führt dazu, dass die Patienten nicht einen Arzt vor sich haben, sondern für jede Frage einen neuen Ansprechpartner brauchen. PD Dr. Jutta Hübner  Ärztin für Innere Medizin, Hämatologie und Internis-tische Onkologie; Zusatzbezeichnungen u.a. Natur-heilverfahren, Palliativmedizin  Leiterin der Arbeitsgruppe Integrative Onkologie des Dr. Senckenbergischen chronomedizinischen Instituts an der Universität Frankfurt/Main  Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Prävention und Integrative Onkologie  Projektleiterin bei der Deutschen Krebsgesellschaft, Berlin Dr. Hübner ist Referentin der Vortragsreihe „Komple-mentärmedizin für Krebspatienten“. und der damit ver-bundenen obersten Forderung nach Ehrlichkeit bei dem, was Ärzte mit einer Therapie versprechen. Deshalb muss eine Substanz oder Methode – völlig unabhängig davon, ob aus der Natur oder der modernen Forschung stammend – auf ihre Wirkung, aber auch auf mögliche von ihr ausgehende Gefahren nach strengen Kriterien bewertet werden. ZUR PERSON
  3. 3. Interview mit Kathrin Sonnenholzner, MdL, Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit und Pfl ege im Bayerischen Landtag „ich möchte es schaffen, die Pfl ege als Beruf wieder attraktiv zu machen.“ ebene unter anderem über einen Inves-titionsfonds diskutiert. Was halten Sie von dieser Idee und meinen Sie, dass diese umgesetzt wird? Sonnenholzner | Wenn man ehrliche Krankenhausplanung machen will, ist der angedachte Investitionsfonds zur Umwandlung überfl üssiger Häuser in andere Versorgungseinrichtungen eine wertvolle Hilfe. Man kann darüber streiten, ob die dafür vorgesehenen 500 Mio. € bundesweit ausreichend ZUr PErSon TK spezial Bayern · 3/2014 | 3 tK spezial | Frau Sonnenholzner, Sie sind nun fast ein Jahr Vorsitzende des Gesundheitsausschusses. Welche Ver-änderungen haben sich für Sie dadurch ergeben und welche Akzente konnten Sie bisher setzen? Sonnenholzner | Zum einen hat das Thema Gesundheits- und Pfl egepolitik mit dem neu eingerichteten Aus-schuss ein höheres Gewicht und zum anderen versuche ich, wichtige The-men zu dis-kutieren und auch zu guten gemein-samen Die Auswahlkriterien für das Medizinstudium müssen auch die soziale Kompetenz ausreichend würdigen.“ Lösungen zu kommen. So haben wir uns zum Beispiel intensiv und sehr früh mit den Gefahren von E-Zigaret-ten und E-Shishas für Jugendliche beschäftigt und kurz vor der Sommer-pause einen gemeinsamen Antrag ver-abschiedet, der die Staatsregierung auf-fordert, einen Entwurf für ein Psy-chisch- Kranken-Hilfe-Gesetz auf den Weg zu bringen. Das habe ich vor Kurzem noch für undenkbar gehalten! Dieses Gesetz ist lange überfällig, ich hoffe, dass es damit bald für die psy-chisch Kranken überall in Bayern ein gutes Angebot der Krisenintervention geben wird. tK spezial | Vor der Landtagswahl sagten Sie, dass die Umsetzung der Bedarfsplanungsrichtlinie für die nie-dergelassenen Ärzte die größte Herausforderung der aktuellen Legisla-turperiode sei. Wie zufrieden sind Sie mit dem aktuellen Stand? Sonnenholzner | Leider tut sich viel zu wenig. So warten wir immer noch auf die Einrichtung des Gemeinsamen Landesgremiums nach §90a SGB V durch die Staatsregierung. Ich habe den Eindruck, dass man den Schwierig-keiten lieber aus dem Weg gehen will. tK spezial | Sie sind ja selbst Ärztin und können sicherlich am besten beur-teilen, wie junge Ärzte für die Tätigkeit in Bayerns ländlichen Regionen begeistert werden können? Sonnenholzner | Der Zugang zum Medizinstudium über die Durch-schnittsnote im Abitur ist falsch. Wir brauchen endlich Auswahlkriterien, die auch die soziale Kompetenz ausrei-chend würdigen. Die Weiterbildung zum Allgemeinmediziner muss in allen Landkreisen in Verbünden erleichtert werden, an denen sich die ausbilden-den ÄrztInnen und die örtlichen Kran-kenhäuser beteiligen. Junge Ärztinnen und Ärzte scheuen heute vielfach die Belas-tungen durch eine eigene Praxis. Daher muss es auch in ländlichen Gebieten die Möglichkeit geben, z.B. in medizinischen Versorgungszentren angestellt zu arbeiten. Die Belastung durch den Bereitschaftsdienst in den praxisfreien Zeiten darf nicht zu hoch sein. Um die ländlichen Regionen für junge ÄrztInnen attraktiv zu machen, muss die Infrastruktur wie Schulen, Kindertagesstätten und Freizeitange-bote stimmen. Außerdem brauchen auch die PartnerInnen attraktive Job-angebote. tK spezial | Die Zahl der praktizie-renden Ärzte steigt auch in Bayern ständig, dennoch reden wir von dro-hendem Ärztemangel. Ist es nicht viel mehr ein Verteilungsproblem? Sonnenholzner | Auch wenn man mit einbezieht, dass die Gesamtzahl der Ärzte keine Aussage über den Bedarf erlaubt, da gerade bei den jüngeren Ärztinnen viele in Teilzeit beschäftigt sind, haben wir in man-chen Bereichen eine eklatante Über-versorgung, aber in Brennpunktge-bieten in den Städten und in Teilen der ländlichen Gebiete zu wenig Ärzte. Hier ist die Kassenärztliche Vereinigung gefragt. Die Belastung des Personals im Krankenhaus ist in vielen Häusern enorm und bereitet mir Sorge. tK spezial | Um die Versorgung sicherzustellen, wurde auf Bundes- Kathrin Sonnenholzner, MdL  Mitglied der SPD seit 1974  Ärztin  Landtagsabgeordnete seit September 2003  Gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion  Stellvertretende Vorsitzende Landesgesundheitsrat  Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit und Pfl ege  Stellvertretende Bezirksvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt Oberbayern  Vorsitz der Arbeiterwohlfahrt Jesenwang mit Trägerschaft der Mittagsbetreuung an der Grund-schule  Frauen helfen Frauen e.V.  Gegen Vergessen – für Demokratie
  4. 4. TK spezial Bayern · 3/2014 | 4 sind, aber ein Anfang wäre es ohne Zweifel gewesen. Leider sieht es so aus, als würde sich einmal mehr aus-gerechnet Bayern gegen die Einrich-tung sträuben. Ich hoffe aber immer noch, dass sich die Vernunft im Bun-desrat durchsetzt. tK spezial | Gerade hier in München wurde in den letzten Monaten viel über die Krankenhäuser diskutiert. Wie lässt sich der bayerische Kranken-hausmarkt zukunftsfest im Sinne der Patientinnen und Patienten gestalten? Sonnenholzner | Wir haben in Bayern zu viele Krankenhausbetten. Leider fi ndet eine ehrliche und am gegenwär-tigen und zukünftigen Bedarf orien-tierte Krankenhausplanung durch das Gesundheitsministerium in Bayern nicht statt. Wo es Überkapazitäten gibt, müssen sie abgebaut werden. Ziel muss überall in Bayern eine her-vorragende Notfallversorgung und eine fl ächen-deckende Versorgung mit Kranken-häusern der Primärver-sorgung Wir haben in Bayern zu viele Krankenhausbetten. Wo es Überkapazitäten gibt, müs-sen sie abgebaut werden.“ sein. Diese muss die Bereiche Innere Medizin, Chirurgie und Gynäkologie/Geburtshilfe umfas-sen. Der Koalitionsvertrag in Berlin sieht dazu eine Planung nach Entfer-nung vor, die die Erreichbarkeit garan-tiert. Dieses Instrument muss genützt werden. Die Möglichkeiten der Tele-medizin müssen rasch ausgebaut wer-den, damit die Menschen in allen Tei-len Bayerns Zugang zu schnellstmög-licher bester Behandlung haben. tK spezial | Nicht nur bei der statio-nären, sondern auch bei der ambulanten Versorgung wird aktuell über die The-men Qualität und Transparenz gespro-chen. Wieso tun sich die Beteiligten in einem Bereich, der doch selbstverständ-lich sein sollte, so schwer, eine gemein-same wie schnelle Lösung zu fi nden? Sonnenholzner | Beim Thema Transpa-renz spielen leider Eigeninteressen ein-zelner eine bremsende Rolle. Beim The-ma Qualität ist es oft nicht möglich, sich auf entsprechende Standards zu eini-gen. Und Qualitätsstandards bedeuten oft Mindestmengen und damit den Abbau bestehender Strukturen. tK spezial | Präventionsaktivitäten erhalten im Vorfeld des Präventions-gesetzes mehr Gewicht in der politi-schen Diskussion als früher. Wo sehen Sie besonderen Handlungsbe-darf hier in Bayern, bzw. welche Schwerpunkte würden Sie in der Prävention setzen? Sonnenholzner | Bewegungsmangel und falsche Ernährung sind die groß-en Probleme gerade auch bei Kindern und Jugendlichen. Dort muss ein be-sonderer Schwerpunkt gesetzt wer-den, z. B. durch mehr Schulsport. Beim Tabakkonsum dürfen wir nicht nachlassen in den Bemühungen, Glei-ches gilt für riskanten Alkoholkonsum und die zunehmende Zahl medika-mentenabhängiger Menschen. Bei allen Präventionsbemühungen müs-sen die Bemü-hungen von einem breiten Bündnis getragen und nach-haltig sein, das heißt über einen langen Zeitraum verfolgt werden. Die von mir ange-regte Kampagne des Gesundheits-ministeriums „0,0 Promille in der Schwangerschaft“ muss noch ver-stärkt werden. tK spezial | Wird über unsere Gesundheitsversorgung diskutiert, geht es meist um angebliche negati-ve Aspekte. Frau Sonnenholzner, daher nun die Frage, was stellt Sie denn im bayerischen Gesundheits-wesen besonders zufrieden? Sonnenholzner | Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern hat bei uns jeder den gleichen Zugang zu medizi-nischen Leistungen und im Fall akuter Erkrankungen gibt es fast keine War-tezeiten. tK spezial | Frau Sonnenholzner, wel-che persönlichen Ziele möchten Sie in den kommenden vier Jahren durch Ihre Arbeit im Gesundheitsausschuss erreichen? Sonnenholzner | Ich möchte es schaf-fen, die Pfl ege als Beruf wieder attrak-tiv zu machen und mehr (junge) Men-schen für diese Berufsbilder zu interes-sieren. Die Impfmüdigkeit besonders bei Masern bereitet mir Sorgen, es wäre schön, wenn wir auch hier weiter-kommen. Eine weitere Bevorratung mit antiviralen Medikamenten, die nachge-wiesen unwirksam sind (Tamifl u) möchte ich verhindern, da sie die Men-schen in falscher Sicherheit wiegt und Millionen verschlingt. tK spezial | Frau Sonnenholzner, vie-len Dank für Zeit und die ausführlichen Antworten. Wir wünschen Ihnen für die weitere Arbeit viel Erfolg. Kathrin Sonnenholzner mit Christian Bredl im Gespräch auf dem TK-Sommerempfang 2014 in München.
  5. 5. Hausärzte, Rheumatologen und die TK möchten die Versorgung von Rheumapatienten in Bayern verbessern Vernetzte Versorgungskompetenz für Rheuma-Patienten TK spezial Bayern · 3/2014 | 5 Rheuma ist eine tückische Krankheit. Gerade entzündliche Rheumaformen wie die Arthritis können zu schweren Behinderungen führen, wenn die Krank-heit nicht rechtzeitig erkannt und umfas-send behandelt wird. Viele Patienten lei-den an Bewegungseinschränkungen und starken Schmerzen aufgrund von Gelenkentzündungen und -auflösungen. Dabei lassen sich mit der richtigen The-rapie nicht nur körperliche Behinde-rungen und Frühverrentungen verhin-dern, sondern auch die Lebensqualität der Betroffenen steigern. Mit der pas-senden Versorgung kann es sogar zum Stillstand der Erkrankung kommen. Doch Rheumatologen sind knapp, die verschiedenen Rheumaformen sind schwer diagnostizierbar und die Arznei-mitteltherapie ist hoch komplex. Dem Hausarzt kommt eine wichtige koordinierende Funktion zu Gemeinsam mit den Hausärzten und Rheumatologen möchte die TK jetzt die Versorgung von Patienten mit entzünd-lichen Rheumaformen in Bayern verbes-sern. Dem Hausarzt kommt dabei eine wichtige koordinierende Funktion zu. Hat er den Verdacht, sein Patient leidet an Rheuma, kümmert er sich kurzfristig um einen Termin bei einem Rheumato-logen. Dieser leitet die Diagnostik und Behandlung ein, sollte sich der Ver-dacht bestätigen. „Hausarzt und Rheumatologe führen die weitere The-rapie des Patienten in gemeinsamer Abstimmung durch und erstellen ein Behandlungsziel“, erklärt Dr. Dieter Geis vom Bayerischen Hausärzteverband. Die Kapazitäten der Rheu-matologen bestmöglich nutzen Der Rheumatologe sorgt wiederum dafür, dass der Hausarzt umfassend über die diagnostischen Ergebnisse und die eingeleitete Behandlung informiert wird, damit der Patient über den Haus-arzt weiterbetreut werden kann. „Wir möchten die Kapazitäten der Rheumato-logen bestmöglich nutzen und wollen die Voraussetzungen schaffen, um den Hausarzt in die Langzeitbetreuung kom-petent mit einzubinden. Die vernetzte Zusammenarbeit ist das Ziel, der Pati-enten sollte gemeinsam von Haus- und Facharzt betreut werden“, so Dr. Edel-mann vom Verband der Rheumatolo-gen. Für eventuell erforderliche Klinikaufent-halte nehmen besonders qualifizierte Rheuma-Abteilungen und Rheuma-Kli-niken am Vertrag teil. Einweisungen in Kliniken ohne rheumatologische Kom-petenz sollen damit vermieden wer-den. Die Klinikeinweisungen erfolgen in Absprache zwischen Hausarzt und Rheumatologen. Speziell für Rheu-mapatienten ausgebildete Arzthelfe-rinnen stehen für das intensive Gespräch mit dem Betroffenen bereit, helfen bei der besseren Krankheitsbe-wältigung, führen gemeinsam mit dem Rheumatologen Patientenschu-lungen durch und fördern damit die Eigenverantwortung, das Wissen um die Krankheit und die Therapietreue, beispielsweise im Umgang mit Medikamenten. ” Zitat „Für den Verband ist dieser Vertrag ein wegweisender Schritt zu mehr Qualität in der Versorgung von Rheumapatienten. Die wichtigen Ziele einer frühen Diagnosestel-lung, eines Krankheitsstillstandes und einer nachhaltigen Verbesse-rung der Lebensqualität rücken damit für viele Rheumapatienten in eine erreichbare Nähe.“ Dr. Edmund Edelmann, Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Rheumatologen e.V. ” „Der Hausarzt spielt bei der Versor-gung jedes chronisch kranken Pati-enten eine besondere Rolle. Durch die regelmäßigen Kontakte zu die-sen Patienten können Hausärzte den gesamten Patienten ‚im Blick behalten‘, seine familiäre Situation oder sonstige Ko-Erkrankungen in die medizinische Behandlung mit-einbeziehen. Der Hausarzt kennt in der Regel die gesamte Medikation des Patienten und kann auch dies in die notwendigen Absprachen mit dem Rheumatologen einbringen.“ Dr. Dieter Geis, Bayerischer Haus-ärzteverband e.V. Zitat 17.600 TK-Versicherte aus Bayern lei-den an Rheuma, bundesweit sind unter den TK-Versicherten 174.000 betroffen.
  6. 6. Leitliniengerechte Arzneimittelversorgung Alle teilnehmenden Ärzte verpflichten sich neben der strukturierten Zusam-menarbeit zu einer leitliniengerechten Arzneimittelversorgung. „Denn gerade die Behandlung mit den immunsup-pressiven (u.a. biologischen) Arznei-mitteln erfordert eine besondere Kom-petenz vom Rheumatologen hinsicht-lich Wechsel- und Nebenwirkungen“, sagt Dr. Edelmann. Die Patientensi-cherheit und Lebensqualität der Rheu-mapatienten steht für alle Beteiligten im Vordergrund: Unnötige Rückfälle, Krankenhausbehandlungen, Frühbe-rentung, Arbeitsunfähigkeit oder gar Pflegebedürftigkeit sollen verhindert werden. Das zentrale Ziel ist ein Krankheitsstillstand, die sogenannte Remission der Rheumaerkrankung. Therapietreue ist bei Rheumapatienten unter 18 Jahren besonders wichtig Die Therapietreue spielt vor allem bei jungen Rheumapatienten unter 18 Jah-ren eine wichtige Rolle. Aufgrund der speziellen Lebenssituation, in der Studi-um und Beruf, d.h. eine Neuausrichtung des Lebens im Vordergrund stehen, fin-det die Hälfte dieser Rheumapatienten nicht den Anschluss in die Erwachse-nenbehandlung. Diese Lücke kann spä-ter zu teilweise heftigen Rückfällen füh-ren, der Krankheitsverlauf kann sich dra-matisch verschlechtern. Daher sieht der Vertrag Leistungen für pädiatrische Rheumatologen, Hausärzte und Erwachsenenrheumatologen vor, wenn sie junge Rheumapatienten über die rein medizinischen Bedürfnisse hinaus intensiv auf dem Weg zur Erwachse-nenmedizin begleiten. Impressum Zur Information Die Bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, Mela-nie Huml, zeichnete am 9. Juli 2014 Christian Bredl mit der Verdienst-medaille der Bundesrepublik Deutschland aus. Damit würdigte sie Bredls Engagement im sozialen Bereich. „Wir brauchen Menschen wie Christian Bredl, die sich – neben ihren beruflichen Aufgaben – eh-renamtlich engagieren“, sagte Huml auf dem Sommerempfang der TK. Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Leiter der TK in Bayern ist Bredl Mitglied im sozialpolitischen Beirat des VdK Bayern und im Vorstand des Vereins Health Care Bayern. Mit konstruktiven Diskussions-beiträgen Expertise unterstützt Christian Bredl seit vielen Jahren den Sozi-alverband gemeinnützigen Verein Health Care Bayern, der sich die Förde-rung und Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung zum Ziel gesetzt hat. „Sie, sehr geehrter Herr Bredl, reden nicht nur über die Sache, sondern füllen sie durch Ihr Engagement mit Leben“, so die Staatsministerin. Herausgeber | Techniker Krankenkasse, Landesvertretung Bayern des Verdienstordens für unser Gemeinwohl und fachkundiger VdK Bayern sowie den Verantwortlich | Christian Bredl Redaktion | Alexander Becker, Telefon | 089 - 490 69-600 Kathrin Heydebreck E-Mail | lv-bayern@tk.de Telefax | 089 - 490 69-624 Internet | www.tk.de/lv-bayern Twitter | www.twitter.com/krankenkasse Staatsministerin Melanie Huml, MdL, überreicht Christian Bredl die Verlei-hungsurkunde. TK-Vorstand Thomas Ballast gratuliert Christian Bredl.

×