Statement Dr. Jens Baas 
Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse 
zur Vorstellung der Medienkompetenz-Kampagne 
"...
Digitalien ist grenzenlos – deshalb braucht es elterliche Kontrolle 
Es geht aber auch nicht nur darum, wie viel die Kinde...
Dennoch sollte man die elterliche Kontrolle nicht einfach aufgeben. 40 Prozent der Eltern 
haben ihren Kindern kein Limit ...
Während Frau Nahles eine Anti-Stress-Verordnung für Betriebe möchte, kennen unsere 
Jugendlichen längst keinen Feierabend ...
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Pressekonferenz: Statement von TK-Chef Dr. Baas zu "Jugend 3.0 – abgetaucht nach Digitalien?"

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Digitale Medien wie Computer und Smartphone haben einen festen Platz im Leben fast aller Jugendlichen in Deutschland. Statt mit der Familie verbringen viele ihre Wochenenden lieber in "Digitalien", bei gemeinsamen Mahlzeiten vibriert das Smartphone im Minutentakt auf dem Esstisch. Viele Eltern sorgen sich, dass ihre Kinder immer mehr online und damit off life sind und dass das Nutzungsverhalten zur Sucht werden könnte.

Um eine sachliche Diskussion führen zu können, wie Kinder und Jugendliche den gesunden Umgang mit digitalen Medien lernen, bedarf es zunächst einer Bestandsaufnahme. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat im Juli 2014 im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) einen repräsentativen Querschnitt der Eltern 12- bis 17-Jähriger in Deutschland befragt. Dabei ging es vor allem um die Mediennutzung ihrer Kinder, aber auch um Fragen zu deren Gesundheit, Ernährungsverhalten und Stresslevel. Einen kompakten Überblick über die Ergebnisse bietet dieser Studienband.

Weitere Informationen zur DVD und der forsa-Umfrage „Jugend 3.0 – abgetaucht nach Digitalien?“ gibt es unter www.tk.de/medienkompetenz.

Dieses Dokument ist das Statement von Dr. Jens Baas, Vorsitzender des TK-Vorstands, anlässlich der Vorstellung des Films und der forsa-Studie „Jugend 3.0 – abgetaucht nach Digitalien?“ auf der Pressekonferenz der Techniker Krankenkasse am 3. September 2014 in Berlin. Es kann für redaktionelle Zwecke und mit dem Hinweis "Quelle: Techniker Krankenkasse" honorarfrei verwendet werden. Eine Nutzung zu Werbezwecken ist ausgeschlossen.

Veröffentlicht in: Gesundheit & Medizin
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Pressekonferenz: Statement von TK-Chef Dr. Baas zu "Jugend 3.0 – abgetaucht nach Digitalien?"

  1. 1. Statement Dr. Jens Baas Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse zur Vorstellung der Medienkompetenz-Kampagne "Jugend 3.0 - mit Sicherheit im Netz" am 3. September 2014 in Berlin Wenn es um Gesundheitsförderung bei Kindern und Jugendlichen geht, haben wir bisher immer über die Themen Ernährung, Bewegung und Stress gesprochen. Das sind sicherlich nach wie vor die wichtigsten Einflussfaktoren wenn es um Gesundheit geht. Digitale Medien nehmen aber inzwischen einen so großen Raum im Leben unserer Kinder ein, dass sie auch ihre körperliche und mentale Gesundheit beeinflussen. Jugendliche haben heute ein digitales Leben. Sie recherchieren für die Schule, sie treffen ihre Freunde online, und sie spielen digital. Unter Experten sind die Fronten zum Teil verhärtet. Psychologen und Psychotherapeuten sehen den Konsum, insbesondere kleiner Kinder sehr kritisch, andere sind der Meinung, dass man Kinder nicht früh genug an digitale Medien heranführen kann. Mit diesem Projekt möchten wir eine Diskussion dazu anstoßen, wie Kinder und Jugendliche zu einem gesunden Umgang mit digitalen Medien kommen. Zur Jugendgesundheit gehört auch Netzfitness Netzfitness ist eng mit der körperlichen Fitness verbunden. Denn auch, wenn die digitalen Medien das Leben in vielen Fällen bereichern und Kommunikation fördern, verführen sie auch zur Passivität. Das heißt: Sie sorgen dafür, dass Jugendliche ihre Freizeit buchstäblich aussitzen. Wenn man von einem klassischen Wochentag die Zeit für Schule, Hausaufgaben, Mahlzeiten und Schlafen abzieht, bleibt vielen nur noch ein Zeitfenster von drei bis vier Stunden. Bei hoher Mediennutzung sinkt der Aktivitätslevel dramatisch. Freizeit wird ausgesessen Die Elternbefragung, die wir beim Meinungsforschungsinstitut Forsa anlässlich dieses Projekts in Auftrag gegeben haben, bestätigt dies. Danach bringen es nur drei von zehn Jungen und jedes fünfte Mädchen auf mindestens eine Stunde Bewegung am Tag, die als Minimum von Gesundheitsexperten empfohlen wird. Deshalb sollten wir uns darum kümmern, dass ausschweifender Medienkonsum nicht dazu führt, dass Jugendliche ihre Freizeit aussitzen. Die Hälfte der Eltern ist aktuell der Meinung, dass ihre Kinder etwas beziehungsweise deutlich zu viel online sind. 1
  2. 2. Digitalien ist grenzenlos – deshalb braucht es elterliche Kontrolle Es geht aber auch nicht nur darum, wie viel die Kinder im Netz sind, sondern auch um die Frage, wo sie unterwegs sind. Ein Viertel der Eltern gibt an, eigentlich nicht wirklich zu wissen, was ihr Kind im Netz macht und dass sie sich eigentlich mehr darum kümmern müssten. So wie wir unseren Kindern den sicheren Schulweg beibringen und vorgeben, wann sie zuhause sein sollen, brauchen sie auch für die digitale Welt Regeln und Orientierung. Deshalb darf die elterliche Fürsorge nicht vor dem Log-in enden. Medienkompetenz bedeutet nicht nur zu wissen, wie man Geräte bedient. Jugendliche sollten auch in der Lage sein, Inhalte intellektuell und emotional zu verarbeiten, Informationen kritisch zu hinterfragen und sich eine eigene Meinung zu bilden. Uns geht es also nicht darum, die Nutzung zu verbieten. Wir wissen alle, dass digitale Medien viel Spaß machen können. Und natürlich muss Freizeit nicht immer pädagogisch wertvoll verbracht werden. Auch das, was wir in unserer Jugend gemacht haben, war nicht alles gleichermaßen sinnstiftend. Wie bei so vielen Dingen kommt es auf die richtige Dosis an. Und da der Jugendschutz im Internet quasi ausgehebelt ist, sollten wir uns auch darum kümmern, dass Kinder fit sind im Umgang mit digitalen Medien. Es ist zwar völlig unverständlich, warum es in diesem Land vom Trägermedium abhängt, ob ein Jugendlicher Zugang zu nicht altersgerechten Inhalten bekommt oder nicht, aber wir müssen mit dieser Situation umgehen. Medienkompetenz heißt Lebenskompetenz Das fängt in der realen Welt an. Denn was wir Medienkompetenz nennen, hat viel mit allgemeiner Lebenskompetenz zu tun. Wenn Kinder wissen, wie sie in der realen Welt reagieren müssen, wenn sie von Fremden angesprochen werden und wie sie sich nichts andrehen lassen, können sie sich auch online gegen dumme Anmache wehren und klicken nicht auf den "Kaufen Button". Und wenn sie im wirklichen Leben Wertschätzung und Anerkennung erfahren, ist die Gefahr geringer, dass sie zu tief in virtuelle Welten versinken. Wichtig ist aber, dass wir uns darum kümmern, was unsere Kinder im Netz machen. Nicht für alles erntet man ein "Gefällt mir" und man gehört vielleicht auch nicht zu den Facebook-Freunden der Kinder. Das ist auch in Ordnung, denn Pubertät bedeutet auch, sich abzugrenzen. Wir sind nicht mit unseren Kindern befreundet, sondern ihre Erziehungsberechtigten, sogar ihre Erziehungsverpflichteten. Und zu dieser Verpflichtung gehört auch, uns um ihre Gesundheit zu kümmern. Natürlich ist das in Zeiten mobiler Kommunikation nicht einfach. 80 Prozent der Jugendlichen besitzen ein eigenes Smartphone, so dass sie praktisch immer und überall ins Netz können. 2
  3. 3. Dennoch sollte man die elterliche Kontrolle nicht einfach aufgeben. 40 Prozent der Eltern haben ihren Kindern kein Limit vorgegeben, wie viel sie im Internet unterwegs sein dürfen. 30 Prozent kontrollieren auch nicht, wo die Kinder im Netz unterwegs sind. Mehr als jeder siebte Elternteil meint, bei seinem Kind bereits erste Anzeichen von Onlineabhängigkeit zu erkennen. Aber auch von diesen Eltern begrenzt nur ein Drittel den Netzkonsum. Stress für die ganze Familie Das bleibt nicht ohne Folgen: Der intensive Konsum der Jugendlichen beeinflusst den Alltag der gesamten Familie. Ein Fünftel der Eltern gibt an, dass das Kind beim Essen durch Smartphone oder Gameboy abgelenkt ist, jedes siebte Kind nimmt das Essen sogar als Takeaway mit auf sein Zimmer – und damit vermutlich auch an den Bildschirm. Auch die ständigen Diskussionen um Mediennutzung belasten die ganze Familie. Eine Mutter sagte: "Mein Sohn ist immer aggressiver. Ich weiß aber nicht, ob ihn das Spielen aggressiv macht oder die ständigen Diskussionen mit mir dazu." In jeder dritten Familie gehen Absprachen, wie viel Netzzeit die Kinder bekommen, mit Diskussionen und Widerstand einher. Extremsurfen geht auf den Rücken und auf den Kopf Intensiver Medienkonsum belastet also die gesamte Familie, aber besonders die Extremsurfer selbst. Der fehlende Ausgleich erhöht ihr Risiko für körperliche Beschwerden. Fast ein Fünftel der Jugendlichen, die laut ihrer Eltern deutlich zu viel surfen, leidet an Rückenschmerzen, bei den Kindern mit normalem Onlinekonsum ist es etwa jedes Zehnte. Jugendliche, deren Gehirn mangels Bewegung schlechter durchblutet ist, haben auch eine geringere mentale Leistungsfähigkeit. Über dreißig Prozent der Extremsurfer leiden an Kon-zentrationsstörungen, 3 ein Viertel hat Kopfschmerzen. Bei den Jugendlichen mit unauffälligem Konsum sind es nur 12 beziehungsweise 14 Prozent. Auch Stress, Aggressivität und Schlaf-störungen wird den 12- bis 17-Jährigen mit intensivem Konsum deutlich häufiger bescheinigt. Anti-Stress-Verordnung für das Kinderzimmer? In unserem Film berichtet ein Mädchen, wie sehr ihr Smartphone sie von den Schularbeiten ablenkt. Nach unserer Studie nutzen 83 Prozent der Jugendlichen Online-Chats, um sich mit Mitschülern und Freunden auszutauschen. Viele Smartphones stehen auf Push-Nachricht, das heißt, es gibt bei eingehenden Nachrichten ein akustisches oder optisches Signal. Kinder können sich diesem Sog kaum entziehen. Es gibt sogar schon einen Begriff dafür: FOMO – das steht für "Fear of missing out". Es beschreibt die Angst, etwas zu verpassen. Wer Chat-gruppen in Klassenstärke hat, kann beim Gang ins Badezimmer schnell 30 bis 40 Nachrichten verpassen. Viele Jugendliche bringen es so auf über 500 Nachrichten am Tag.
  4. 4. Während Frau Nahles eine Anti-Stress-Verordnung für Betriebe möchte, kennen unsere Jugendlichen längst keinen Feierabend mehr, sondern sind ''always on''. Deshalb glauben wir, dass es wichtig ist, sich dieses Themas anzunehmen. Es geht darum, wie wir Jugendlichen die kluge Mediennutzung beibringen. Darum sollten sich alle, die für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen verantwortlich sind, gemeinsam darum kümmern – Eltern, Lehrer, Erzieher und Krankenkassen, aber auch der für den Jugendschutz verantwortliche Gesetzgeber. Dazu soll unser Projekt beitragen. Film für den Dialog Wir haben uns dabei bewusst für das Format Film entschieden, da wir uns wünschen, dass Schulklassen, Elternabende und Familien über das Medium in den Dialog kommen. Der Film eignet sich für Elternabende, die Ausbildung der Pädagogen und das gemeinsame Anschauen in der Familie. Er ist als DVD bei uns erhältlich und kann auf tk.de und unserem youTube-Kanal angesehen werden. Es gibt bereits eine Menge interessanter Informationen – Broschüren, Flyer etc. Aber unsere Erfahrungen mit vorhergehenden Projekten wie Organspende und Mobbing zeigen, dass ein Film eine gute Basis für Unterricht, Projektwoche oder Informationsveranstaltungen ist. Die DVD enthält zudem ein kleines Booklet mit Informationen zur Mediennutzung von Jugendlichen und spricht Eltern, Jugendliche und Pädagogen differenziert an. 4

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