Kritische Psychologie - wozu?

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Vortrag von Flavio Stein und Denis Neumüller beim Seminar "Lebensführung und Emanzipation" vom 29.5. bis 1.6.2014 in Hiddinghausen zur Einführung in die Kritische Psychologie und das Konzept Lebensführung

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Kritische Psychologie - wozu?

  1. 1. Flavio Stein, Denis Neumüller Seminar „Lebensführung und Emanzipation Hiddinghausen, 30.05.2014 no rights reserved Gesellschaft Individuum Emanzipation Lebensführung
  2. 2. Outline ● Grundlegende Erkenntnisse der Kritischen Psychologie ● Handlungsfähigkeit im Kapitalismus ● Selbstfeindschaft und Verdrängung ● Soziale Selbstverständigung
  3. 3. Kritische Psychologie – Wozu?
  4. 4. Grundlegende Erkenntnisse der Kritischen Psychologie ● Gesellschaftliche Natur des Menschen
  5. 5. Grundlegende Erkenntnisse der Kritischen Psychologie ● Gesellschaftliche Natur des Menschen Vgl.: http://grundlegung.de/artikel/8-2-gesamtgesellschaftliche-vermitteltheit/
  6. 6. Grundlegende Erkenntnisse der Kritischen Psychologie ● Gesellschaftliche Natur des Menschen ● Gesamtgesellschaftliche Vermitteltheit individueller Existenz
  7. 7. Grundlegende Erkenntnisse der Kritischen Psychologie ● Gesellschaftliche Natur des Menschen ● Gesamtgesellschaftliche Vermitteltheit individueller Existenz ● Möglichkeitsbeziehung: Gesellschaftliche Bedingungen als Handlungsmöglichkeiten
  8. 8. Grundlegende Erkenntnisse der Kritischen Psychologie ● Möglichkeitsbeziehung Bedingungen Handlungs-Determinanten
  9. 9. Grundlegende Erkenntnisse der Kritischen Psychologie ● Möglichkeitsbeziehung Bedingungen Handlungs-Determinanten
  10. 10. Grundlegende Erkenntnisse der Kritischen Psychologie ● Möglichkeitsbeziehung Bedingungen Handlungs-Möglichkeiten
  11. 11. Grundlegende Erkenntnisse der Kritischen Psychologie ● Gesellschaftliche Natur des Menschen ● Gesamtgesellschaftliche Vermitteltheit individueller Existenz ● Möglichkeitsbeziehung: Gesellschaftliche Bedingungen als Handlungsmöglichkeiten ● Erkenntnisdistanz => bewusstes „Verhalten zu“
  12. 12. Grundlegende Erkenntnisse der Kritischen Psychologie ● Gesellschaftliche Natur des Menschen ● Gesamtgesellschaftliche Vermitteltheit individueller Existenz ● Möglichkeitsbeziehung: Gesellschaftliche Bedingungen als Handlungsmöglichkeiten ● Erkenntnisdistanz => bewusstes „Verhalten zu“ ● Bedingungs-Prämissen-Gründe-Zusammenh. – „Je mein“ Handeln ist in den ges. Bedingungen, so wie ich sie interpretiere (Prämissen) begründet => individuelle Handlungsgründe
  13. 13. Psychische Funktionen ● Prinzipielle Möglichkeitsbeziehung zur Welt hat Konsequenzen für die psychischen Funktionen (Wahrnehmung, Denken, Emotionalität, Motivation, Interaktion, …)
  14. 14. Psychische Funktionen ● Prinzipielle Möglichkeitsbeziehung zur Welt hat Konsequenzen für die psychischen Funktionen (Wahrnehmung, Denken, Emotionalität, Motivation, Interaktion, …) ● Exemplarisch: emotionale Befindlichkeit – Bewertung meiner Lebenssituation am Maßstab meiner Bedürfnisse – Erkenntnisleitende Funktion der Emotionalität – Bewusstes Verhalten zu den eigenen Emotionen
  15. 15. Handlungsfähigkeit ● „Die Verfügung des Individuums über seine eigenen Lebensbedingungen in Teilhabe an der Verfügung über den gesellschaftlichen Prozess.“ * * Holzkamp (1985), S.241
  16. 16. Handlungsfähigkeit ● „Die Verfügung des Individuums über seine eigenen Lebensbedingungen in Teilhabe an der Verfügung über den gesellschaftlichen Prozess.“ * Produktive Bedürfnisse Sinnlich-vitale Bedürfnisse * Holzkamp (1985), S.241
  17. 17. Handlungsfähigkeit ● „Die Verfügung des Individuums über seine eigenen Lebensbedingungen in Teilhabe an der Verfügung über den gesellschaftlichen Prozess.“ ● Im Kapitalismus: – Herstellen der Lebensbedingungen – Allerdings: Exklusionslogik, Fetisch ● unvermeidliche Reproduktion der Exklusionslogik bei der Sicherung der eigenen Existenz
  18. 18. Handlungsfähigkeit im Kapitalismus ● Restriktive Handlungsfähigkeit ● Verallgemeinerte Handlungsfähigkeit
  19. 19. Handlungsfähigkeit im Kapitalismus ● Restriktive Handlungsfähigkeit – innerhalb des “Rahmens” bestehender Verhältnisse – “sich einrichten” ● Verallgemeinerte Handlungsfähigkeit – „den Rahmen überschreiten“
  20. 20. Handlungsfähigkeit im Kapitalismus ● Restriktive Handlungsfähigkeit – innerhalb des “Rahmens” bestehender Verhältnisse – “sich einrichten” ● Verallgemeinerte Handlungsfähigkeit – „den Rahmen überschreiten“
  21. 21. Handlungsfähigkeit im Kapitalismus ● Restriktive Handlungsfähigkeit – innerhalb des “Rahmens” bestehender Verhältnisse – “sich einrichten” ● Verallgemeinerte Handlungsfähigkeit – „den Rahmen überschreiten“ ACT
  22. 22. Handlungsfähigkeit im Kapitalismus ● Restriktive Handlungsfähigkeit – innerhalb des “Rahmens” bestehender Verhältnisse – “sich einrichten” ● Verallgemeinerte Handlungsfähigkeit – „den Rahmen überschreiten“
  23. 23. Handlungsfähigkeit im Kapitalismus ● Restriktive Handlungsfähigkeit – – innerhalb des “Rahmens” bestehender Verhältnisse – “sich einrichten” – Reproduktion der Exklusionslogik ● Verallgemeinerte Handlungsfähigkeit – „den Rahmen überschreiten“ – Richtung Inklusionslogik Analytische Kategorien für „je mich“ Nicht über Menschen
  24. 24. Handlungsfähigkeit im Kapitalismus ● Restriktive Handlungsfähigkeit – innerhalb des “Rahmens” bestehender Verhältnisse – “sich einrichten” – Reproduktion der Exklusionslogik ● Verallgemeinerte Handlungsfähigkeit – „den Rahmen überschreiten“ – Richtung Inklusionslogik Nicht normativ / moralisch
  25. 25. Handlungsfähigkeit im Kapitalismus ● Restriktive Handlungsfähigkeit – innerhalb des “Rahmens” bestehender Verhältnisse – “sich einrichten” – Reproduktion der Exklusionslogik ● Verallgemeinerte Handlungsfähigkeit – „den Rahmen überschreiten“ – Richtung Inklusionslogik Keine Klassifikation/Etikettierung/Liste von Handlungen
  26. 26. Handlungsfähigkeit im Kapitalismus ● Restriktive Handlungsfähigkeit – innerhalb des “Rahmens” bestehender Verhältnisse – “sich einrichten” – Reproduktion der Exklusionslogik ● Verallgemeinerte Handlungsfähigkeit – „den Rahmen überschreiten“ – Richtung Inklusionslogik Verhältnis
  27. 27. Handlungsfähigkeit im Kapitalismus ● Restriktive Handlungsfähigkeit – innerhalb des “Rahmens” bestehender Verhältnisse – “sich einrichten” – Reproduktion der Exklusionslogik ● Verallgemeinerte Handlungsfähigkeit – „den Rahmen überschreiten“ – Richtung Inklusionslogik ACT
  28. 28. Handlungsfähigkeit ● „Die Verfügung des Individuums über seine eigenen Lebensbedingungen in Teilhabe an der Verfügung über den gesellschaftlichen Prozess.“ ● Im Kapitalismus: – Herstellen der Lebensbedingungen – Allerdings: Exklusionslogik, Fetisch ● unvermeidliche Reproduktion der Exklusionslogik bei der Sicherung der eigenen Existenz
  29. 29. Selbstfeindschaft & Unbewusstes ● Zwang, immer wieder Verhältnisse zu reproduzieren, die uns selbst schaden ● Um in diesen Verhältnissen zu „funktionieren“ kann es subjektiv funktional sein, die Tatsache der Selbstschädigung zu verdrängen ● Tatsache der Verdrängung muss ich ihrerseits verdrängen – Dynamik der 'Selbstfeinschaft'
  30. 30. Abwehr und ihre Überwindung ● Abwehr von Hinweisen (durch andere, durch meine Befindlichkeit), die auf meine Selbstfeindschaft verweisen – „Indem ich mir die ,Selbstfeindschaft' meines bisherigen Handelns in der Perspektive ihrer Überwindung schrittweise zum Bewusstsein bringen kann, ,habe' ich es auch immer weniger ,nötig', reale Beschränkungen, Abhängigkeiten, Unterdrückungsverhältnisse ,personalisierend' mir selbst bzw. meinen unmittelbaren Interaktionspartnern anzulasten, sondern kann sie als Implikate jener gesellschaftlichen Bedingungen begreifen, auf deren Änderung in kooperativer Verfügungserweiterung ich gerichtet bin.“ * ➔ Soziale Selbstverständigung * Holzkamp (1985), S.298
  31. 31. Soziale Selbstverständigung Welt: Handungsmöglichkeiten / -behinderungenWelt: Handungsmöglichkeiten / -behinderungen
  32. 32. Soziale Selbstverständigung Welt: Handungsmöglichkeiten / -behinderungenWelt: Handungsmöglichkeiten / -behinderungen Intersubjektive Verständigung
  33. 33. Soziale Selbstverständigung Welt: Handungsmöglichkeiten / -behinderungenWelt: Handungsmöglichkeiten / -behinderungen Verständigung über Handlungs- begründungen
  34. 34. Soziale Selbstverständigung Gesellschaftliche Strukturen / Prozesse Unmittelbarkeit
  35. 35. Soziale Selbstverständigung Gesellschaftliche Strukturen / Prozesse Unmittelbarkeit
  36. 36. Soziale Selbstverständigung Gesellschaftliche Strukturen / Prozesse Unmittelbarkeit „Fetisch“
  37. 37. Soziale Selbstverständigung Gesellschaftliche Strukturen / Prozesse Unmittelbarkeit Isolation/Konkurrenz/ Instrumentalisierung
  38. 38. Soziale Selbstverständigung Gesellschaftliche Strukturen / Prozesse
  39. 39. Soziale Selbstverständigung Gesellschaftliche Strukturen / Prozesse
  40. 40. Subjektwissenschaftliche Verallgemeinerung ● Objektivierung: Erkennen des Zusammenhangs zwischen meiner Befindlichkeit / meinen Handlungsgründen und den ges. Bedingungen ● Begreifen, dass auch die anscheinend persönlichsten Empfindungen, Denk- und Handlungsweisen gesamtgesellschaftlich vermittlet sind ● Begreifen von Unterschieden als verschiedene Erscheinungsformen des gleichen Verhältnisses ● Entprivatisierung individueller Betroffenheit
  41. 41. Soziale Selbstverständigung und Emanzipation ● impliziert / beinhaltet eine Inklusionslogik – Ich brauche die Sichtweise der Anderen, um meine Sichtweise zu erweitern und umgekehrt ● bereits ein Teil der Emanzipation – indem wir die gemeinsamen Bedingungen erkennen, die unseren unterschiedlichen Sichtweisen und Befindlichkeiten zugrunde liegen, erlangen wir ein Stück weit die Verfügung über diese Bedingungen ● „Möglichkeitsverallgemeinerung“
  42. 42. Fallstricke ● Personalisierung – Selbstvorwürfe – Vereigenschaftung ● Pathologisierung ● „gute Position“ * ● Emanzipation als Aufopferung ● „Andere befreien wollen“ ● Moralische Bewertungen von Handlungen – Anschuldigungen ● Defensive Rechtfertigungshaltung ● Rückfall in bloße Bewältigung und Illusion vermeintlich widerspruchsfreier Lösungen *Vgl.: Forschungsgruppe Lebensführung. (2004)
  43. 43. MEW 1, Briefe aus den Deutsch-Französischen Jahrbüchern, S.337 Aus Scham macht man keine Revolution
  44. 44. MEW 1, Briefe aus den Deutsch-Französischen Jahrbüchern, S.337 Ich antworte: Die Scham ist schon eine Revolution
  45. 45. MEW 1, Briefe aus den Deutsch-Französischen Jahrbüchern, S.337 Scham ist eine Art Zorn, der in sich gekehrte.
  46. 46. MEW 1, Briefe aus den Deutsch-Französischen Jahrbüchern, S.337 Und wenn eine ganze Nation (Bewegung, F&D) sich wirklich schämte, so wäre sie der Löwe, der sich zum Sprunge in sich zurückzieht
  47. 47. Danke für die Aufmerksamkeit!
  48. 48. Literatur ● Forschungsgruppe Lebensführung. (2004). Zurn Verhältnis von Selbsterkenntnis, Weltwissen und Handlungsfähigkeit in der Subjektwissenschaft. Forum Kritische Psychologie, 47, 4–38. ● Holzkamp, K. (1985). Grundlegung der Psychologie. Frankfurt am Main: Campus. ● Holzkamp, K. (1995). Alltägliche Lebensführung als subjektwissenschaftliches Grundkonzept. Das Argument, 212, 817–846. ● Holzkamp, K. (1995). Psychologie: Selbstverständigung über Handlungsbegründungen alltäglicher Lebensführung. Forum Kritische Psychologie, 36, 7 – 112. ● Osterkamp, U. (2001). Lebensführung als Problematik von Subjektwissenschaft. Forum Kritische Psychologie, 43, 4–35. ● Osterkamp, U. (2003). Kritische Psychologie als Wissenschaft der Ent-Unterwerfung. Journal Für Psychologie, 11, 176–193. ● Osterkamp, U., & Huck, L. (2006). Überlegungen zum Problem sozialer Selbstverständigung und bewusster Lebensführung. In T. Rihm (Ed.), Schulentwicklung (pp. 25–39). VS Verlag für Sozialwissenschaften. ● Osterkamp, U. (2008). Soziale Selbstverständigung als subjektwissenschaftliches Erkenntnisinteresse. Forum Kritische Psychologie, 52, 9–28.

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