Vor 300 Jahren in Speyer "entdeckt"

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Vor 300 Jahren in Speyer "entdeckt": Der "Speyerer", auch "Vinum bonum" oder Ruländer genannt. Aus: Vierteljahresheft des Verkehrsvereins Speyer, Heft Herbst 2011

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  • Wenn schon eine pfälzische und deutsche Weinkönigin ihren Ruländer als 'Pinot Gris' vermarktet ... warten wir dann auf eine 'Neuentdeckung' oder auf eine Archivierung im Stadtarchiv Speyer?
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Vor 300 Jahren in Speyer "entdeckt"

  1. 1. Dr. Joachim Kemper Vor 300 Jahren in Speyer „entdeckt“ Der „Speyerer“, auch „Vinum bonum“ oder Ruländer genanntDas Jahr 2011 ist für die Stadt Speyer Fass im Keller des Gartenhauses ab-ein Jahr der Jubiläen und Feierlichkei- füllte. Im folgenden Sommer öffnetenten. Neben den vielfältigen kulturell-hi- Ruland und dessen Frau das Fässchenstorischen und kirchlichen Veranstal- und nahmen eine Probe: „Der Wein wartungen im Zeichen der Salier, die das süß und lieblich, und ehe sie es sich ver-Jahr 2011 zu einem regelrechten „Sa- sahen, war er ihnen im Kopf. Es mag ih-lierjahr“ machen, stehen weitere Ereig- nen fast ergangen seyn wie dem Noah,nisse und Jubiläen, die nicht vergessen da er das erstemal seinen Wein kostete.“werden sollten.So feiert Speyer in diesem Jahr ein Ruland vermehrte bald die Reben undweinbaugeschichtlich wichtiges Jubi- sorgte als geschäftstüchtiger Handels-läum: die „Entdeckung“ einer bis heute mann für eine erhebliche Verbreitungverbreiteten und erfolgreichen Weiß-wein-Rebsorte. 1711 erkannte derSpeyerer Kaufmann Johann Seger Ru-land († 1745) in einem von ihm erwor-benen Speyerer Gartengrundstück denWert und die Besonderheit zweier Reb-stöcke.Ruland, der aus dem Gebiet der dama-ligen Reichsstadt Frankfurt stammte,war nach Lehrjahren in Straßburg nachSpeyer gekommen, wo er 1705 in dieangesehene Familie des BürgermeistersStegmann einheiraten konnte. NachStegmanns Tod wurde Ruland durchErbschaft zu einem wohlhabendenMann. 1709 erwarb er das in der Strei-chergasse gelegene Gartengrundstück,wo er im Jahr 1711 seine folgenreiche„Entdeckung“ machte. Wir sind darü-ber durch eine kleine Schrift des Speye-rer Gymnasialkonrektors Georg Litzelaus dem Jahr 1758 gut unterrichtet, dieman vom Stil her fast als moderne Wer-bebroschüre bezeichnen möchte: „Hi-storische Nachricht von dem Rheinwein… und besonders von dem Speyerer Georg Litzel, Historische Nachricht vonund Rulandswein“. Litzel berichtet, dem…Speyerer und Rulandswein, Speyerdass Ruland den Traubenmost der bei- 1758.den Rebstöcke separat in ein kleines (Titelblatt, Exemplar Stadtarchiv Speyer) 5
  2. 2. Verschiedene Landesherren sorgten mit Empfehlungen und Geboten für die Verbreitung des Ruländeranbaus in ih- ren Herrschaftsgebieten. Im Jahr 1782 zählte zum Beispiel eine Anordnung des Speyerer Bischofs Damian August von Limburg-Styrum zur Anpflanzung neuer Reben die Rebsorte bereits aus- drücklich zu den hervorragenden Ge- wächsen, während Kurfürst Karl-Theo- dor für den Raum Neustadt einige Jahre früher neben Riesling, Traminer und Trötsch einzig und allein den Ru- länder für Neupflanzungen vorschrieb. Bei der mehr oder weniger zufälligen „Entdeckung“, die Johann Ruland in seinem Garten gemacht hatte, handelte es sich, wie wir heute wissen, um eine Mutation des Spät- bzw. Blauburgun- ders. Die rötlich-rot gefärbte Ruländer- rebe ist heute im deutschen Sprach- raum vor allem als „Grauburgunder“Ruländer-Rebe (Zeichnung) aus Gok, C.F., bekannt (eine eher trocken ausgebauteDie Weinrebe und ihre Früchte, Stuttgart Variante), während die Bezeichnung1836. (Stadtarchiv Speyer) „Ruländer“ in der Regel den mehr tra-der Rebsorte – auch über die Pfalz hin- ditionellen, lieblichen Ausbau der Reb-aus: „Man hat sie in das Gebuerge und sorte aus reifen und zum Teil edelfaulenin andere Landschaften geholet, und Trauben meint. In Frankreich, abervon denselben indessen viele hundert auch in Australien und Luxemburg do-Futer Wein gemachet.“ miniert die Bezeichnung „Pinot gris“.Um die Mitte des 18. Jahrhunderts In Italien ist der Wein als „Pinot grigio“hatte in Speyer der „Ruländer“ (oder bekannt (was zugleich als „modische“wie er auch genannt wurde, der „Speye- Bezeichnung weltweit en vogue ist).rer“ bzw. „Vinum bonum“) bereits den Im schweizerischen Wallis herrscht dieGänsfüßer als beliebteste Rebsorte ver- alte Bezeichnung „Malvoisie“ vor. Diedrängt. Der Gänsfüßer, eine sehr alte im Elsaß lange Zeit gebräuchliche Sor-rote Rebsorte mit charakteristischen tenbezeichnung „Tokayer“ darf seitBlättern, war schon im späten Mittelal- kurzem aufgrund einer Klage aus Un-ter in der Pfalz sehr verbreitet. Er ver- garn (Weinanbaugebiet Tokajer) nichtschwand nach und nach fast ganz aus mehr verwendet werden.dem Anbau und zählt heute zu den (lei- Sicherlich waren die von Ruland gefun-der) kaum noch bekannten Rebsorten. denen Rebstöcke nicht die ersten oderDer Gänsfüßer ist fast nur noch als einzigen Pflanzen der Rebsorte im Sü-Hausrebe in Verwendung, wird aber den des deutschen Sprachraums, gehörtauch erfreulicher Weise wieder im die Burgunderfamilie doch zu den sehr„Versuchsanbau“ vom Staatsweingut alten Rebsorten. Vermutlich gelangtemit Johannitergut in Neustadt-Muß- daher der Ruländer bereits im spätenbach gepflegt und kann dort auch ge- Mittelalter von Frankreich in diekauft werden. Schweiz und an den ungarischen Plat-6
  3. 3. tensee, wo er (ebenso im nördlichen Rebsorten sollten damit ausgeglichenBurgenland) als „Grauer Mönch“ bzw. werden. So brachten Sorten wie Trollin-„Szürkebarat“ bezeichnet wurde und ger oder Gutedel hohen Ertrag bei ge-wird. In den 1560er Jahren soll die Reb- ringem Mostgewicht, während es beisorte aus Ungarn an den badischen Riesling oder Traminer genau umge-Kaiserstuhl und in das Elsaß gelangt kehrt war. Die von Ruland entdecktensein, woran heute noch ein Denkmal in Reben vereinten gute ErtragssicherheitColmar erinnert. mit relativ hohem Mostgewicht, wes-Wie dem auch sei, erst mit der Speyerer halb die Trauben schon bald zum Ver-„Entdeckung“ des Ruländers im Jahr schnitt mit dem Riesling und anderen1711 kam die Rebsorte in das Bewusst- Sorten empfohlen wurden. Bereits insein des deutschen Weinbaus und fand der Speyerer Schrift von Litzel heißt es:rasche Verbreitung. Das Jahr 1711 darf „Der Weinstock ist sehr fruchtbar. Diedemnach durchaus als Jahr der eigent- Trauben sind braun, und die Beere nichtlichen Entdeckung des Ruländers be- gar zu groß: sind aber duennhaeutig undzeichnet werden. geben viele Bruehe. Doch weil der Wein sehr zart ist, ist es gut, wenn auch Rueß-Erfolgszug des Ruländers ling, Dramaenner [Traminer], oder an-Was waren die Gründe für den Erfolg derer rauher Wein darunter kommt, da-des Ruländers seit dem 18. Jahrhun- mit er sich desto laenger halte.“dert? Im frühneuzeitlichen Weinbau 1844 wurde der Ruländer auf einer Ta-herrschte der heute nur noch wenig ge- gung von Fachleuten in Bad Dürkheimbräuchliche „Gemischte Satz“ vor, das als Sorte 1. Klasse bezeichnet, mit derbedeutet, unterschiedliche Rebsorten auch Weinbau in wenig begünstigtenwuchsen in einem Weingarten zusam- Lagen lohnend sei. Hermann Goethe,men und wurden auch gemeinsam ge- einer der führenden Weinbauexpertenkeltert. Die Vor- und Nachteile von des späten 19. Jahrhunderts, beschriebSpeyer mit Weinbergen, um 1862. (Stadtarchiv Speyer, Graphiken und Ansichten Nr. 640) 7
  4. 4. in seinem „Handbuch der Ampelogra- zum Wiederaufschwung des Ruländer-phie“ den Ruländer wie folgt: „Der Ru- anbaus beitrug. Alles in allem gilt dieländer ist mit zu den edelsten Keltertrau- Rebsorte aber als relativ „schwierig“,ben zu rechnen und liefert einen süßen, da sie erheblich auf Klimaschwankun-äußerst feinen, angenehmen Wein, wel- gen reagiert und anfällig für Rebkrank-cher sich hauptsächlich zur Champag- heiten und Schädlinge ist.ner-Fabrikation und zum Verschnitt mit Hauptanbaugebiete des Ruländers inRiesling eignet.“ Deutschland sind heute die Pfalz und Rheinhessen sowie vor allem Baden.Vom Ruländer zum Pinot grigio Insgesamt wird er in Deutschland aufDer mit einer 300-jährigen Geschichte ca. 4.500 Hektar angebaut (ca. 4% deraltehrwürdige Ruländer hat seit seiner Rebfläche), in der Schweiz und inEntdeckung in Speyer einige Höhen Österreich kommt er zusammen aufund auch Tiefen erlebt, und in der Pfalz über 500 Hektar. In Baden, wo der Ru-wurde er zeitweise fast gänzlich vom länder als zweitwichtigste weiße SorteSilvaner verdrängt. mehr als 10% der Rebfläche bedeckt,Der Ruländer war im 19. Jahrhundert wurde und wird daher auch der 300.mit zunehmendem Anbau in seiner Er- „Geburtstag“ des Ruländers im Jahrtragsleistung zurückgefallen und verlor 2011 groß gefeiert: Vom 17. bis 19. Junidaher an Bedeutung. Erst nach dem 1. fanden z.B. in Endingen am KaiserstuhlWeltkrieg begann man mit einer ver- Jubiläumsfeierlichkeiten im Rahmenstärkten Auslese und der Vermehrung des Grauburgunder-Symposiums statt;der leistungsfähigsten Rebstöcke, was international ausgeschriebene Graubur-Ruländerpreis 2011(v.l.): Helmut Peter Koch, Oberbürgermeister Hansjörg Eger, SarahBühler und Thomas Gries. Foto: speyer-aktuell8
  5. 5. gunderpreise wurden verliehen. Welt- der Ruländer-Akademie, übergaben amweit beträgt die Anbaufläche der Reb- 28. Juni im Rahmen eines Festakts imsorte, die in den 1990er Jahren von Rathaus die Preise. Der „Grauburgun-Norditalien ausgehend einen regelrech- derpreis“ ging an das Weingut Bühlerten Boom erlebte, über 15.000 Hektar; in Kallstadt für eine trockene 2010erSchwerpunkte sind dabei neben Frank- Grauburgunder Spätlese, während mitreich (Elsaß) und Norditalien jetzt auch dem „Ruländerpreis“ das Weingutdie USA, Au- Gries in Rhodt aus-stralien und gezeichnet wurdeNeuseeland. (2010er Ruländer Auslese „RhodterWeinbrüder und Ordensgut“). DieRuländer-Aka- Preisträger erhieltendemie erstmals eine ausDies alles ist Anlass des 300-jähri-Grund genug, gen Jubiläums neuauch an die geschaffene Me-Speyerer Ur- daille. Diese zeigtsprünge der auf der VorderseiteRebsorte zu er- eine mit Trauben ge-innern! Im Mai schmückte Frauen-2011 begingen gestalt (siehe Titel-die Weinbruder- bild), über der eineschaft der Pfalz Ansicht der Stadtund die Speye- Medaille „300 Jahre Ruländer-Rebe“ von Speyer zu sehen ist;rer Ruländer- Peter Götz Güttler. die FrauengestaltAkademie mit Numismatischer Verein Speyer hält ein Banner miteiner feierlichen dem abgewandeltenWeinprobe im Forum des Historischen Titel der Schrift von Georg Litzel in ih-Museums der Pfalz das 300-jährige Ju- ren Händen. Auf der Rückseite domi-biläum der Rebsorte. niert der Schriftzug „300 Jahre Rulän-Die 1982 gegründete Ruländer-Akade- der Rebe aus Speyer, 1711-2011“.mie Speyer hat sich der Dokumentie-rung der Herkunft und Verbreitung des Alte Weinstadt SpeyerRuländers verschrieben. Der histori- Auch das Verständnis für die Bedeu-sche Name „Ruländer“ für die Reb- tung der Stadt Speyer im historischensorte soll, so die Akademie, nicht in Ver- Weinhandel sowie als „Weinstadt“ wirdgessenheit geraten. Jährlich veranstaltet durch die Akademie gefördert. Dies istdie Akademie einen „Ruländer-Wett- übrigens ein Thema, das nicht nur fürbewerb“, in dem je ein trocken und ein kleinere oder größere Ausstellungenlieblich ausgebauter Wein der Rebsorte taugt, sondern durchaus auch für fach-aus dem Anbaugebiet Pfalz prämiert wissenschaftlich-historische Forschun-werden. Die Preisträger des 19. Rulän- gen oder Abschlussarbeiten an Univer-der-Wettbewerbs (2011) wurden im sitäten. Die im Speyerer Stadtarchiv ge-Juni von den Akademiemitgliedern im hüteten Akten und Urkunden derRahmen einer Blindverkostung gekürt. Reichsstadt Speyer vom Mittelalter anOberbürgermeister Hansjörg Eger und sind auch für weingeschichtliche Frage-Helmut Peter Koch, Präsident des Sozi- stellungen sehr aussagekräftig. Speyeralgerichts Speyer sowie neuer Präsident war im Mittelalter ein wichtiger Um- 9
  6. 6. schlagplatz für den oberrheinischen beschreibt die landwirtschaftliche Nut-und vor allem pfälzischen Wein, der von zung folgendermaßen: „Der Speyererhier aus zumeist nach Norden verschifft Wein ist nicht der geringste unter denwurde und als „Rheinwein“ dann über Rheinweinen. Er hat vor vielen den Vor-Frankfurt und Köln in den Hanseraum zug. Das macht die Lage, und der guteund nach Nordeuropa gelangte – Köln Grund und Boden. … Man siehet oft aufwurde regelrecht als „Weinhaus“ der einem Acker zugleich Weinstoecke,norddeutschen hansischen Städte be- Obstbaeume, allerhand Kraeutelwerkzeichnet. und anders … . In diesem SpeyerischenWeinschankrechte und die „Wein- Paradiß wachsen Mandeln, Reps zumsteuer“ (Weinungeld) bildeten in vielen Oele, und Taback in Menge, und etlicheStädten, so auch in Speyer, den Anlass Stunden davon Castanien in gantzenfür vielfältige Reibereien, vor allem Waeldern. Anderer herrlichen Fruechtenzwischen Klerus und Bürgerschaft. nicht zu gedencken.“Wein war in Speyer zweifellos eine Art Dass auch einzelne Bürger gut Buch zu„Grundnahrungsmittel“, wobei die är- führen verstanden, wenn es um ihrenmeren Bevölkerungsteile sicherlich oft eigenen Weinanbau ging, beweist dasauf mindere Qualitäten zweiter oder im Stadtarchiv überlieferte „Herbst-dritter Pressung oder auf Hefeweine büchlein“ des Johann Michael Beutels-zurückgreifen mussten. Für städtische bacher, dessen Einträge im Jahr 1796Oberschichten des Mittelalters hat man einsetzen (Stadtarchiv Speyer, Bestandeinen durchschnittlichen täglichen 193-1 Nr. 2). Der Autor überschreibtWeinverbrauch von knapp 1,3 Litern das Ziel seines Buches so: „Schema,pro Person errechnet – man sollte dabei worinnen enthalten, was ich jährlich anaber bedenken, dass diese Weine da- trauben gemacht und wieviel wein die-mals meist alkoholärmer waren. selben geben, anfangend anno 1796.“ Beutelsbacher berichtet also in dieserBeutelsbachers Herbstbüchlein hochinteressanten Quelle über seineSpeyer war nicht nur ein zentraler Um- jährlichen Traubenernten in seinenschlagplatz für Wein, sondern verfügte Gärten (Rebzeilen) sowie von seinenbis weit in das 19. Jahrhundert (und so- „Hausreben“ und die daraus resultie-gar länger) hinein über eine größere renden Einnahmen. Beutelsbacher ver-Anzahl von Weingärten. Seit dem 14. fügte insgesamt über RebpflanzungenJahrhundert ist eine Speyerer „Wein- in neun Gärten, die er immer wiederleutezunft“ („Rebleutezunft“) bekannt, neu anlegte oder veränderte. Schlechtezu der neben den Weingärtnern auch Jahrgänge werden von ihm ebensoWeinwirte und andere verwandte Be- beim Namen genannt wie besondersrufsgruppen zählten (Weinmesser, Kü- gute Ernten. 1830 übergab Beutelsba-fer usw.). Später sind die Weingärtner cher dann seine Rebzeilen an seinedann als Untergruppe der Gärtnerzunft Kinder und erntete für sich nur noch imerfasst. Gegen Ende des 18. Jahrhun- eigenen Garten – das „Herbstbüchlein“derts sind nur noch wenige hauptberuf- endet mit dem Jahr 1835.liche Weingärtner belegt. Der private Beutelsbacher notierte in seinem Buchbzw. nebenberufliche Weinbau spielte auch eine kurze Beurteilung der Wein-trotzdem weiterhin eine Rolle. Im Jahr ernten (in Speyer?) vom Jahr 1644 (!)1846 wurden immerhin noch 125.000 an bis eben zum besagten Jahr 1835.Liter Speyerer Wein gekeltert. Georg 1711, im Jahr der Entdeckung des Ru-Litzel, der im Jahr 1758 sein Loblied länders, war die Ernte zum Beispieldes Speyerer Ruländers veröffentlichte, „mittelmäsig gut“, 1712 war sie dagegen10
  7. 7. Auszug aus dem „Herbstbüchlein“ des Johann Michael Beutelsbacher. (Stadtarchiv Speyer, Bestand 193-1 Nr. 2).sehr gut, während im Folgejahr der ren wir wie beiläufig, zum Beispiel klet-Frost die Reben stark in Mitleiden- terte das Thermometer im Februarschaft zog. Wir erfahren auch, dass im 1827 auf 22 Grad.Jahr 1811 die Erträge „extra gut undviel“ waren; Beutelsbacher spricht von Speyerer Ruländer wiederbelebteinem „Cometwein“ – gemeint ist, dass Vom „Herbstbüchlein“ kommen wirim Jahr 1811 der große Komet „Flau- jetzt endgültig in die unmittelbaregergues“ monatelang am Himmel sehr Gegenwart zurück: Seit dem Jahr 1982gut sichtbar war und im Oktober des ist die Stadt wieder ganz offiziell Wein-Jahres seine größte Helligkeit erreichte. baugemeinde. Der damals neu ange-Auch von hohen Temperaturen erfah- legte Wingert am Speyerer „Tafelsbrun- 11
  8. 8. schnittlich bei 1.000 Litern. Im Jahr 2010 waren es knapp 1.250 Liter, wobei die von der Stadt geernteten Trauben qualitätsmäßig zu den besten in der Pfalz gelesenen Ruländertrauben ge- hörten. Zweimal erhielt der Ruländer- wein der Stadt die „Bronzene Kammer- preismünze“ der Landwirtschaftskam- mer Rheinland-Pfalz. Nach der Lese werden die Trauben zur Lehr- und Versuchsanstalt für Weinbau in Neustadt (Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz) transpor- tiert, wo der Wein gekeltert und für die Stadtverwaltung Speyer in 0,7-Liter- Flaschen abgefüllt wird. Der „Speyerer Ruländer“ ist, wenn man so will, ein re- gelrechter Repräsentationswein, der als städtisches Geschenk zu verschiedenenRebenpflege auf dem Ruländer-Weinberg Anlässen gerne gesehen ist – und aucham Tafelsbrunnen. Stadtgärtnerei gerne getrunken wird. Zu kaufen gibt es den Speyerer Ruländer allerdingsnen“ umfasst elf Rebzeilen mit ca. 660 nicht. Eine kleinere Anzahl der Fla-Ruländer-Rebstöcken und wird von schen wird in einer Art „Weinarchiv“Mitarbeitern der städtischen Gärtnerei (einem kleinen Weinkeller der Stadt-gepflegt. Die Erntemenge liegt durch- gärtnerei) aufgehoben.12

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