Joseph P. Strelka: 
Dante und die Templergnosis 
Das Buch lesen auf books.google.at 
Francke Verlag Edition Patmos, Band 1...
erleuchtenden Existenz, eine Glückseligkeitslehre. Dantes Dichtung ist ein grandioses 
Werk, das seine innere Entwicklung ...
jeder einzelne Gesang Dantes in allen Herleitungen und Verweisungen wahrhaft 
atemberaubend erklärt: Jahrtausende der Höch...
Templer 
Die esoterischen Kampfmönche 
Von David Axmann 
• Dan Browns Bestseller "Sakrileg" hat den geheimnisvollen Orden ...
Professor und Symbol-Forscher, verabredet war. Von der Polizei zur Leiche gebracht, 
entdeckt Langdon auf deren nacktem Ba...
päpstlichem Einverständnis alle in Paris versammelten Templer, einschließlich des 
Großmeisters Jacques de Molay, verhafte...
Die Gnosis (griechisch: Erkenntnis, Wissen) verheißt Einsicht in göttliche Geheimnisse und 
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Der Templerorden (auch die Templer, Tempelritter oder Tempelherren genannt) war ein geistlicher Ritterorden, der von 1118 bis 1312 bestand.

Der Ritterorden wurde 1118 infolge des Ersten Kreuzzugs gegründet. Sein voller Name lautete Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem (Pauperes commilitones Christi templique Salomonici Hierosolymitanis). Er war der erste Orden, der die Ideale des adligen Rittertums mit denen der Mönche vereinte, zweier Stände, die bis dahin streng getrennt waren. In diesem Sinne war er der erste Ritterorden und während der Kreuzzüge eine militärische Eliteeinheit. Er unterstand direkt dem Papst und wurde nach einem großen Aufsehen erregenden Prozess 1312 auf Druck des französischen Königs Philipp IV. von Papst Clemens V. am 22. März 1312 auf dem Konzil von Vienne aufgelöst.[1]

Der Heilige Stuhl stellte in einer Nachricht des L’Osservatore Romano vom 21. Mai 2006 wie folgt klar: „Wie bekannt ist, wurde der alte Orden der Templer von Papst Clemens V. (1305–1314) unterdrückt und von keinem anderen Nachfolgestaat wiederhergestellt.“[2] Am 16. Oktober 2012 stellte das Staatssekretariat des Vatikans nochmals fest, dass eine kirchliche Anerkennung des Templerordens seitens der katholischen Kirche nicht gegeben ist.

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Joseph P. Strelka - Dante und die Templergnosis

  1. 1. Joseph P. Strelka: Dante und die Templergnosis Das Buch lesen auf books.google.at Francke Verlag Edition Patmos, Band 16, 2012 322 S., ISBN 978-3-7720-8443-0 € 58,-- Von Matthias Mander Ein beeindruckender Vortrag – und eine ungewöhnliche Mitteilung ohne Worte: Am Abend des 8. März 2013 trug der 86-jährige weltbekannte Komparatist Joseph P. Strelka in den Räumen der Musikgesellschaft neben der Albertina über Einladung des Schriftstellerverbands jene Forschungsergebnisse vor, die sein neuestes Buch „Dante und die Templergnosis“, 2012, zusammenfasst. Mit einer launigen selbstironischen Einleitung brachte er die Zuhörer zum Lachen, ehe seine Stimme in großen Gedankenbögen jene Zusammenhänge erschloss, die in Jahrtausenden engster Umfassung und Durchdringung der vielen epochalen Erkenntnissehnsüchte zur heutigen Hochkultur und deren Bewusstseinsinhalten geführt haben. Obigem Buch sind folgende Aussagen zu entnehmen: „Je größer eine Dichtung ist, desto größer sind die Schwierigkeiten, sie ganz zu erfassen. Über sechs Jahrhunderte nach ihrer Fertigstellung wurde im 20. Jahrhundert entdeckt, dass Dante mit der Templergnosis vertraut war. Er war ein eingeweihter Templer und seine Göttliche Komödie ist das glänzendste überlebende Zeugnis der Templergnosis. Es geht um ein `Sehen mit den Augen der Seele`, bei dem das „innerste Wesen der Dinge in plastisch bildhaften, leuchtenden Gestalten erscheint`. Dieses Thema formuliert Albert Camus für unsere Zeit so: `Für alle Menschen, die ohne die Kunst und das, was sie bedeutet, nicht leben können, geht es nur um die Frage, wie inmitten von Schergen so vieler Ideologien die seltsame Freiheit der Schöpfung erhalten bleiben kann.` (Strelka: `Es liegt mir daran, festzuhalten, dass ich die Gotteshäuser aller Religionen mit aufrichtiger und tiefer Ehrfurcht betrete und dass ich die Hasser, gleichviel ob religiöser oder säkularer Herkunft, zutiefst verachte und bemitleide.` S. XII) Es ist bezeichnend, dass bei Dante wie in der Renaissance, die er einleitet, antike Elemente eine so große Rolle spielen, dass sie gleichwertig mit Elementen der judäo-christlichen Tradition verschmelzen. Bei der Gnosis spielen auch ägyptische Einflüsse herein, sie war das Wissen um den Weg der Erweckung und Entfachung des in jedem Menschen ruhenden Seelenfunkens zur Gewissheit seiner
  2. 2. erleuchtenden Existenz, eine Glückseligkeitslehre. Dantes Dichtung ist ein grandioses Werk, das seine innere Entwicklung im Traumbild einer Jenseitswanderung darstellt. Die Templergnosis ist ein spirituelles Wissen über die Vorstellungen und Denkformen der menschlichen Existenz. Sie sei `die Erkenntnis, wer wir sind und was wir geworden sind; woher wir stammen und wohin wir geraten, wohin wir eilen und wovon wir erlöst sind`. (Clemens Alexandrinus). Im 12. Jahrhundert zur Kreuzzugszeit entstanden, eng verbunden mit der Ordensregel des Bernhard von Clairvaux, in Zusammenhang zwischen den Templern und dem Tempel Salomos, wird auch das Hohelied Salomos aus dem Alten Testament beschworen, das einen Bezug zum ägyptischen Isis-Mysterienkult aufweist. Isis war ja Jahrtausende vor Maria zur jungfräulichen Gottesgebärerin des Horus geworden, eine Muttergöttin, verehrt im Götterpaar Isis und Osiris oder auch Demeter und Dionysos. So weisen die Vorläufer der Templer bis in die minoische Megalithkultur zurück. Bernhard von Clairvaux, der christliche Mystiker, hatte auch selbst die `heilige Geometrie` der Maurer des Königs Salomo übersetzt. Nach der Eroberung Jerusalems im ersten Kreuzzug wurde unter der Stätte des ehemaligen Salomonischen Tempels nach Schätzen gegraben, die dort vor dem Ansturm der Römer auf die Mauern der Stadt vergraben worden waren – damals schon über tausend Jahre zurückliegend! Dabei ging es nicht nur um die gnostischen Texte der Essener, sondern bei den Gesetzestafeln um viel mehr: Diese sind die `Tafeln des Logos, des Wortes, der Vernunft, des Maßes, der Verhältnisse, der Zahl.` Zum Frühkult des griechischen Mythos bis etwa 1500 v.C. gehört die ganzheitliche Einheit von Welt und Einzelleben ohne Trennung von sakral und profan. Alles war eine einzige untrennbare Einheit. Bernhard von Clairvaux, Zisterzienserabt ab seinem 25. Lebensjahr, steht in geistiger Verbindung mit den Essenern, denn sowohl die Essener wie die Zisterzienser liebten abgelegene einsame Orte für ihre Niederlassungen, beide trugen weiße Leinenkleider. Wie Bernhard den Templerorden gründete, gab es auch unter den Essener-Schriftrollen eine eigene Kriegsordnungs-Schriftrolle. Die Essener von Qumran wurden von den Römern getötet, aber einigen Priestern gelang es, aus Jerusalem zu fliehen, sie gingen zunächst nach Griechenland, dann nach Frankreich, wo sie es zu Ansehen und Einfluss brachten. Zu ihren Kreisen könne auch Bernhard gehört haben… Die Verbindung griechischer Philosophie mit alten Mysterienkulten hat zu einem überaus differenzierten Ergebnis geführt, dem Phänomen der Gnosis, einer Glückseligkeitslehre. Eine solche ist auch Dantes gewaltige Commedia trotz ihrer Begrenztheit durch die geozentrische Weltschau des Ptolemäus. Sie ist von höchster ästhetischer Bedeutung und das meistgedruckte Buch nach der Bibel. Demut ist die Grundtugend am Läuterungsberg, ja `der Ruhm der Welt überhaupt sei wie ein Windesrauschen`. Im Paradies von Beatrice belehrt, sagt Dante: `Dass unseren Geist nichts sättigt, muss ich sehen, wenn ihn das Licht der Wahrheit nicht erleuchtet.`“ Der riesige Wissens-, Denk- und ja, auch Bekenntniskosmos, den Professor Strelka entfaltet hatte, schuf im Auditorium mächtigen Eindruck. Dieser wurde noch verstärkt durch die Beobachtung, dass der greise starke Redner zunehmend tief bewegt war. Seine Stimme musste hörbar gegen die Ergriffenheit ankämpfen. In seiner Ausarbeitung wird
  3. 3. jeder einzelne Gesang Dantes in allen Herleitungen und Verweisungen wahrhaft atemberaubend erklärt: Jahrtausende der Höchstspannung menschlicher Wahrheits- und Selbstsuche, Selbstbestimmung und Daseinsernsthaftigkeit, gefasst in schärfster Wort- und Sprachfügung, erfüllte die Musikräume. Und schließlich rannen dem Vortragenden Tränen über die Wangen als er über Dantes „letzte Erkenntnis“ redete, die ihn wie „ein Strahl der Erleuchtung trifft: Das Antlitz des Menschen, aus dem heraus plötzlich der verborgene Gott als nun offen sichtbarer Gott sich enthüllt. Mit diesem Bild des Menschen untrennbar verbunden ist jene höchste Form der Liebe, in der sich die göttliche Kraft und Macht äußert, die unsichtbar und dennoch ganz wirklich das Weltall durchwaltet und selbst die Sonne bewegt und alle Sterne…“ Dieser erschütternde öffentliche Vorgang beweist über das dort vermittelte Höchstwissen hinaus die volle persönliche Hingabe des Autors an seine universalen Ideale der Menschenachtung und Menschenfreundlichkeit, wohl auch im Wissen um die schier unleistbare Aufgabe, diese durch unsere Gegenwart zu retten. P.S. Auf zwei kenntnisreiche Rezensionen des hier erwähnten Buchs ist hinzuweisen: Sidonia Gall im Literarischen Österreich 2012/2 und David Axmann im `extra` der Wiener Zeitung vom 18.8.2012 Matthias Mander
  4. 4. Templer Die esoterischen Kampfmönche Von David Axmann • Dan Browns Bestseller "Sakrileg" hat den geheimnisvollen Orden der Templer populär gemacht. Joseph P. Strelka zeigt nun, wie stark Dantes "Göttliche Komödie" vom gnostischen Denken dieser Gottesritter geprägt ist. 27 Jun 2011 --- Portrait of Jacques of Molay (Jacques de Molay) (Molai) (1243-1314), Grand Master of the Knights Templar. Illustration from "Le Plutarque Francais" by Edmond Mennechet, 1836 (colour engraving).© Corbis. All Rights Reserved. Die Zahl derer, die mit dem Wort "Tempelritter" etwas anzufangen wissen, hat sich seit 2003 auf drastische Weise vermehrt. In diesem Jahr nämlich hat der amerikanische Bestsellerautor Dan Brown den Roman "The Da Vinci Code" herausgebracht; in kurzer Zeit wurde das Buch ein Verkaufsschlager und in 44 Sprachen übersetzt, 2004 erschien die deutsche Übersetzung unter dem Titel "Sakrileg", 2006 folgte eine in Hollywood produzierte Verfilmung mit Tom Hanks und Audrey Tautou in den Hauptrollen. Information Joseph P. Strelka: Dante und die Templergnosis. Francke Verlag, Tübingen 2012, 304 Seiten, 25,10 Euro. In diesem Thriller geht es, kurz gefasst, darum: Der Chefkurator des Louvre wird ermordet aufgefunden, und zwar am selben Tag, als er mit Robert Langdon, Harvard-
  5. 5. Professor und Symbol-Forscher, verabredet war. Von der Polizei zur Leiche gebracht, entdeckt Langdon auf deren nacktem Bauch ein mit Blut gezeichnetes Pentagramm nebst einer rätselhaften Botschaft. Wenig später erfährt er von Sophie Neveu, einer Kryptologin in der Dechiffrierabteilung der Pariser Polizei, dass er als Hauptverdächtiger in diesem Mordfall gilt. Sophie und Robert entschlüsseln die Geheimnachricht: Der Ermordete war Großmeister der "Prieuré de Sion", einer Bruderschaft, die – angeblich – als Nachfolgerin der Tempelritter das Mysterium des sagenhaften Heiligen Grals bewahrt. Nun ist höchste Zeit, dass die zwei von der Polizei bereits heftig gesuchten Privatermittler die Flucht ergreifen. Wiewohl permanent verfolgt, lösen sie ein Rätsel nach dem anderen und gelangen schließlich nach Schottland, wo Sophie erfährt, dass sie selbst eine Nachfahrin der Merowinger ist – und damit von Jesus selbst! Zurück in Paris, wird auch das letzte Geheimnis offenbar: nämlich wo sich der Heilige Gral befindet. Dan Browns Mysterienkrimi verknüpft auf bedenkenlos geschickte Art historische Fakten mit literarischer Fiktion, eine Methode, die zwar den Verkaufserfolg garantierte, nicht aber die Zustimmung der einschlägigen Wissenschaft. Ritter und Mönche Die Geschichte der Tempelritter lädt allerdings zu kühnen, ja übermütigen Spekulationen geradezu ein: denn diese mittelalterliche Männergesellschaft, welche die ritterlichen und mönchischen Ideale zu verbinden trachtete, umgibt ein arkaner Nimbus. Der geistliche Ritterorden der Pauperes commilitones Christi templique Salomonici Hierosalemitanis (Armen Ritterschaft Christi und des Salomonischen Tempels zu Jerusalem), kurz Templerorden, Templer oder Tempelritter, gegründet zwischen 1118 und 1121, bezog seinen Namen aus dem Umstand, dass er einen Stützpunkt auf dem Jerusalemer Tempelberg hatte, wo einst der Tempel Salomons gestanden war. Ursprünglich dazu bestimmt, Pilger auf dem Weg von Jaffa nach Jerusalem vor Räubern zu schützen, nahm der Orden bald einen rasanten ökonomischen Aufschwung und wurde, begünstigt durch etliche päpstliche und königliche Privilegien, zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor. In Paris und London wurden Ordenshäuser errichtet, von denen aus lukrative Bankgeschäfte mit Adels- und Königshäusern koordiniert wurden. Die Organisation des Ordens orientierte sich an der Ständeordnung des Mittelalters: Die Kaplane waren als Ordensgeistliche zuständig für liturgische und sakramentale Aufgaben; die Ritterbrüder mussten adeliger Herkunft sein und selbst für ihre (teure) Ausrüstung sorgen: sie verpflichteten sich auf Lebenszeit und legten die Gelübde der Keuschheit, des Gehorsams, des Verzichts auf persönlichen Besitz und des Schutzes der Pilger ab; außerdem gab es dienende Brüder, die für die Alltagsarbeiten zuständig waren, sowie Knappen als Kampfgefährten der Ritter. Die Position der Templer in Jerusalem und Umgebung wurde durch das Erlahmen der Kreuzzugsambitionen und die militärischen Erfolge der Muslime kontinuierlich geschwächt, und mit dem Fall von Akko 1291 ging die letzte christliche Bastion im Heiligen Land verloren. In Europa formierten sich indessen die Todfeinde des Ordens, angeführt vom französischen König Philipp IV. und von Papst Clemens V., in brutaler Endlösungsabsicht. Am 13. Oktober 1307 werden auf königlichen Befehl hin und mit
  6. 6. päpstlichem Einverständnis alle in Paris versammelten Templer, einschließlich des Großmeisters Jacques de Molay, verhaftet. Die Anklage wirft ihnen Ketzerei, Sodomie (im Sinne homosexueller Handlungen) und Götzendienst vor. Die meisten Verhafteten legen – aus Angst vor der Folter oder tatsächlich gefoltert – Geständnisse ab, die viele jedoch später widerrufen, was ihnen freilich gar nichts nützt: denn Widerruf gilt als Rückfall in die Ketzerei und wird mit dem Tod am Scheiterhaufen bestraft. Ein katholisches Los, das auch den Großmeister ereilt. Mysteriöses Nachleben Warum, so ist zu fragen, geht von den Templern auch sieben Jahrhunderte nach ihrer, allerdings nur scheinbar totalen, Vernichtung immer noch Faszination aus? Weil ihr spirituelles Arcanum, ihr metaphysisches Geheimnis dank der Tatsache, dass nicht alle Ordensmitglieder getötet und deren heilige Quellen nicht verschüttet wurden, angeblich auf mysteriöse Weise irgendwie, irgendwo weiterlebt. Dan Brown bietet eine populär-triviale Enthüllung an; es gibt aber auch seriöse wissenschaftliche Deutungsversuche, etwa ein aktuelles Buch von Joseph P. Strelka. Bevor davon die Rede sein soll, ein paar grundsätzliche Worte zum Thema Glaubensvielfalt. Die Metaphysik reckt ihr Haupt in den Himmel, steht jedoch fest auf dem Boden irdischer Erfahrung. An der Beengtheit, Beschränktheit, Mühseligkeit und Endlichkeit der Natur laborierend, erträumt, ersehnt sich der menschliche Geist etwas Übernatürliches, das freilich, es geht ja nicht anders, auf irdischen Vorstellungen gründet und menschliche Züge trägt. Alle monotheistischen Religionen, die gemäß ihrer Konstitution himmlische Offenbarungen, göttliche Botschaften zu verwalten haben, leiden an dem gleichen, unvermeidlichen Geburtsmakel. Im festen Glauben, die einmalige göttliche, d.h. von Gott inspirierte, Lebensordnung nebst Heilsversprechen gnadenhalber erhalten zu haben, sehen sie sich (offenbar von Gott selbst) gezwungen, die heiligen Worte (an denen die Gläubigen weder zweifeln noch rütteln dürfen) immer wieder aufs Neue zu deuten, auszulegen, zu interpretieren, und zwar im stets hoffnungsvollen Glauben, dass Gott immer auch durch den Mund der Interpreten spricht. Kurzum, die Gotteskinder müssen viel und unerschütterlich glauben; weil nun aber die Menschen von Natur aus, also gottgewollt, gar so verschieden geartet sind, entwickelten sich im Lauf der Religionsgeschichte verschiedenartige Glaubens-Richtungen. Zum Beispiel im Christentum. Dass es nicht Jesus war, der es erfunden hat, weiß ja heute sogar schon der Vatikan. Jesus war bekanntlich ein Jude, ein jüdischer Wander- und Wunderprediger, dessen Lehre erst post mortem durch den Chefinterpreten Paulus christologischen Charakter erhalten hat. In der wirren Frühzeit des Christentums lagen verschiedene Glaubensmodelle und Gottesanschauungen miteinander im Streit, und es dauerte etliche Jahrhunderte, bis sich die Ansichten des katholischen Zentralkomitees flächendeckend durchgesetzt hatten, bzw. durchgesetzt wurden. Abseits des dogmatischen Christus-Bildes pflanzte sich jedoch im Geheimen eine metaphysische Welterklärungsmethode fort, die Jesus nicht als Offenbarungshöhepunkt ansah, sondern bloß als ein (wenngleich wichtiges) Glied in einer zeitenüberspannenden Glaubenskette: die sogenannte gnostische Methode.
  7. 7. Die Gnosis (griechisch: Erkenntnis, Wissen) verheißt Einsicht in göttliche Geheimnisse und die geistige Welt sowie Anleitungen zur Glückseligkeit. Im Gegensatz zu den Glaubenslehren der christlichen Kirchen ist das Ziel der Gnosis die Erlösung des Menschen durch Erkenntnis Gottes und der Welt. Der Templerorden war eine gnostische Gemeinschaft. Nur eine kleine Gruppe von Eingeweihten hegte und tradierte die uralten Geheimnisse und war befähigt, "mit den Augen der Seele zu sehen", nämlich zu einer Anschauung zu gelangen, bei der "das innerste Wesen der Dinge in plastisch bildhaften, leuchtenden Gestalten erscheint". Nach außen hin wirkten die Templer als eine dem Papst verpflichtete Kerntruppe des Christentums, als ritterliche Beschützer der exoterischen Massen – der innere Kreis jedoch verehrte die große Muttergottheit der Gnosis und versenkte sich in die Mysterien einer kosmischen Sinnordnung, die von synkretistischen Elementen (ägyptischen, griechischen, jüdischen etc. Ursprungs) geprägt war, und vollzog symbolträchtige esoterische Rituale. Der Templer Dante Alles das war, wie Joseph P. Strelka in seiner komparatistischen, geistes- und literaturwisschenschaftlichen Studie zeigt, auch dem Stammvater der italienischen Dichtung, Dante Alighieri (1265–1321), wohlbekannt. Ja, nicht nur das: in seiner gewaltigen "Divina Commedia" legte er "das glänzendste überlebende Zeugnis der Templergnosis" ab. Dante, der selbst Mitglied einer Templer-Fraternität war, schuf wenige Jahre nach der Zerschlagung des Ordens ein poetisches Zeit- und Sittengemälde, in das zahlreiche verschlüsselte Hinweise auf das gnostische Welt-Bild eingefügt sind – notwendigerweise verschlüsselt, denn die Angst vor Sanktionen der Inquisition saß tief. Angesichts einer "Ecclesia Carnalis", "der es um Geld und Macht ging" und die keinen Wert auf Spiritualität legte, erhob der Kunst-Idealist Dante seine Stimme: Es ging ihm dabei "keineswegs nur um eine Kritik der negativen Zustände der Welt", "sondern aus solcher Kritik des Chaos sollte als eine Art möglicher Utopie durch eine Glückseligkeitslehre ein groß angelegtes Bild der Zukunft" entworfen werden. Begleitet von einem guten, alten Werk (Robert John: Dante, 1946), wandert Strelka auf Dantes Spuren durch die Hölle über den Läuterungsberg ins Paradies, in jedem der hundert Gesänge auf gnostische Wegmarken und Wortzeichen hinweisend, in der sicheren Überzeugung, "dass in der Commedia nichts zufällig und unüberlegt" ist: eine kulturhistorische Wanderung mit hohem Erkenntnisgewinn. P.S.: Der Plan, alle Tempelritter auszurotten, schlug wie gesagt fehl. Einige von ihnen vermochten ins Ausland zu fliehen und nahmen die Ordensgeheimnisse mit. Vieles wäre noch zu erzählen, etwa vom Fortleben der Templergnosis in Schottland oder von deren Einfluss auf die Lehren der Freimaurer. Aber das ist ein anderes Kapitel in der esoterischen Geistesgeschichte des Abendlandes. David Axmann wurde 1947 geboren und lebt als Publizist und Buchautor in Wien und im Burgenland.

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