DER VIERTE WEG
GURDJIEFF ° OUSPENSKY ° BENNETT
GEORGES I. GURDJIEFF. EIN HINWEIS AUF SEIN
LEBEN UND WERK1
Am 29. Oktober 1949 starb in Paris ein höchst außerordentlicher...
in Tibet eine führende Rolle im englisch-tibetanischen Krieg gespielt habensoll, sind aus
dieser Zeit erhalten geblieben. ...
Dabei machten sie alle Schwierigkeiten der Millionen von Heimatlosen dieses unseligen
zwanzigsten Jahrhunderts durch. Gurd...
Tages blieb überall derselbe; alle nur mögliche Kraft und Zeit verwandte er auf das
Schreiben. Davon wich er nicht ab, gan...
Blick erkannte, wußte, daß dieser Vorgang eine ungeheure Operation bedeutet und die
erste Serie hatte eben die Aufgabe, au...
Wichtignehmen, ihr mit tausend kleinen täglichen Aufregungen und Begeisterungen
gefülltes Dasein gewöhnlich stiller, ruhig...
Gedächtnis geblieben: „Kundabuffer.“ Mir schien dies genug: Kundabuffer an Stelle des
echten Menschen, Täuschung an Stelle...
DER VIERTE WEG3
Dieser Ausdruck bezieht sich generell auf eine Lehre der möglichen geistigen Entwicklung
des Menschen, die...
und viele Dinge hinter Allegorien verstecken musste, von denen die QFS heute im Klartext
spricht. Das trifft besonders auf...
Anstrengung und Rückgabe – aus dem Gleichgewicht fällt und das Lernen auf einem
oberflächlichen Niveau belässt. Die Cassio...
nicht als vierten Weg bezeichnet. Gurdjieff nannte seine Darstellung den „Vierten Weg“,
um dessen Bedeutung in der Quadrig...
METHODEN DER ARBEIT
BEOBACHTUNG - SELBST-BEOBACHTUNG
Die Praxis der Selbst-Beobachtung und der Selbst-Erinnerung sind die ...
HEILIGE GLEICHUNG
Die Heilige Gleichung ist eine Praxis der Anrufung, die von Gurdjieff das Gebet der
Heiligen Bejahung ge...
ERKENNEN DES INDIVIDUELLEN ZIELES
Jedes menschliches Wesen, das zur Tradition des „Vierten Weges“ gehört, muss entweder
ei...
ÜBUNGEN ZU DEN 5 ANZUSTREBENDEN ZIELEN
Übungen, die die fünf Obligolnischen Bemühungen betreffen, lassen sich schwer festl...
Das vierte Ziel erfordert Mitleid und Unparteilichkeit, um das Leiden als natürliches Los
des Lebens zu ertragen. Arbeite ...
ERSTE INITIATION5
(G.I. Gurdjieff zugeschrieben, vielleicht aber auch von Jeanne de Salzmann)
Ihr werdet sehen, dass man v...
mit anderen werden durch denselben Respekt regiert. Wir müssen verstehen, dass alle
anderen Maßeinheiten, Talent, Gelehrsa...
GURDJIEFFS "KAMPF GEGEN DEN SCHLAF"6
Diese verfluchten Idioten ...
In der Abtei von Fontainebleau in der Nähe von Paris gr...
Bällen, mit seinen Schülern spielt, sie erhebt und wieder in Verwirrung stürzt, von ihnen
mit der unerschütterlichen Siche...
Und: "Es galt für mich, der Versuchung, das absolute, vollkommene und feste "Ich" zu besitzen,
abzuschwören - wenigstens f...
das zu tun, würden sie natürlich aufwachen. Alles was zur Zeit vor sich geht, ist auf
Rechnung dieses Schlafes zu setzen. ...
zu erfassen. Die Jünger brauchten ja nur zu erwachen, oder sie sollten es zumindest
versuchen. Man hat mich tatsächlich of...
Energie – Schlaf1
In einem früheren Vortrag sagte ich Ihnen, dass unser Organismus im Laufe von
vierundzwanzig Stunden ein...
beispielsweise die Nase dar, eine andere ein Bein, eine dritte die Hautfarbe oder die Grosse
des Magens. Die Maschine läss...
Demnach haben wir nicht, wie wir annehmen, zwei Zustände: Schlaf- und Wachzustand,
sondern mehrere. Zwischen dem aktivsten...
Verbindungen willentlich unterbricht. Sie werden bei uns mechanisch unterbrochen und
wiederhergestellt. Wir sind Sklaven d...
Dafür ist es zu spät. Wenngleich sich unser Mechanismus nicht künstlich verändern lässt, ist
es dennoch möglich, länger zu...
notwendig sind, werden im Organismus durch die Nahrung erzeugt, die von außen in ihn
hineinkommt. Der menschliche Organism...
Der Vierte Weg. Gurdjieff, Ouspensky, Bennett
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Der Vierte Weg. Gurdjieff, Ouspensky, Bennett

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Der Begründer Gurdjieff spricht von einem Vierten Weg als Synthese und Weiterentwicklung der drei traditionellen Wege des Mönchs, des Yogis und des Fakirs. Der Vierte Weg führt laut Gurdjieff zu einer ganzheitlichen Entwicklung des Menschen zu seinem vollständigen Potential bzw. zur harmonischen Evolution aller Teile oder Zentren, die den Menschen ausmachen: des Denkens, des Fühlens und der Bewegungen des Körpers.

Nach Gurdjieff verläuft der Vierte Weg im Leben - nicht etwa hinter Klostermauern oder im fernen Himalaya - und in 3 Linien unter der notwendigen Führung eines erfahrenen Lehrers:

der bewussten Auseinandersetzung mit sich selbst
der gemeinsamen Arbeit und des bewussten Austausches mit Gleichgesinnten
der Arbeit für die Schule bzw. die Lehre

Wesentliche Elemente dieser Arbeit sind:

die beständige Übung der inneren Achtsamkeit (Sich seiner selbst erinnern)
die Nicht-Identifikation, z.B. mit Vorlieben und Abneigungen (Bewusstes Leiden)
das gemeinsame Studium und die Verifikation (ganzheitliche Erfahrung) universaler Gesetzmässigkeiten, wie sie im Enneagramm und im sogenannten Schöpfungsstrahl von Gurdjieff dargestellt wurden

Neben vielen unbekannten Quellen enthält Gurdjieffs System Elemente des Sufismus (islamische Mystik), gewisser buddhistischer und hinduistischer Traditionen sowie angeblich essenisch-christlicher Mystik. Es gibt auch Anhaltspunkte für einen nicht unbedeutenden pythagoräischen Einfluss. Dies wird deutlich in den mathematisch-systemischen und musikalischen Lehren Gurdjieffs, wie z.B. im Gesetz der Oktave. Sehr wichtig sind daneben die zusammen mit Thomas de Hartmann erfassten und von Herbert Henck eingespielten Klavierstücke. Darunter das kürzeste mit dem Titel Melody for the Enneagramm.

Sein bekanntester Schüler P. D. Ouspensky dokumentierte und publizierte die ersten Vorträge Gurdjieffs aus den Jahren 1915 bis 1917 in Sankt Petersburg. Später kam es allerdings zum Bruch zwischen ihm und Gurdjieff, so dass sich von da an zwei Grundströmungen in der heute weitverzweigten Anhängerschaft des Vierten Weges etablierten:

Ouspensky ging nach London und gründete dort (und später auch in Amerika) eigene Gruppen, während Gurdjieff in der Nähe von Paris das „Institut für die harmonische Entwicklung des Menschen“ eröffnete. Nach Gurdjieffs Tod 1949 führte dessen enge Schülerin Jeanne de Salzmann die Arbeit mit der Gründung verschiedener internationaler Gurdjieff-Foundations weiter.

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Der Vierte Weg. Gurdjieff, Ouspensky, Bennett

  1. 1. DER VIERTE WEG GURDJIEFF ° OUSPENSKY ° BENNETT
  2. 2. GEORGES I. GURDJIEFF. EIN HINWEIS AUF SEIN LEBEN UND WERK1 Am 29. Oktober 1949 starb in Paris ein höchst außerordentlicher Mann: G. Gurdjieff, betrauert von Freunden und Schülern aus vielen Ländern. Er starb, während sein erstes Buch in vier Ländern im Druck war - ein Gleichnis gewissermaßen seiner immergewahrten und gewollten Anonymität der größeren Öffentlichkeit gegenüber, trotzdem sein Aktionsradius von Tibet über Europa bis nach Amerika reichte. Hinterlassen hat er derWelt ein vierfaches Gut: 1. S e i n e S c h r i f t e n 2. S e i n e M u s i k 3. S e i n e „B e w e g u n g e n“ u n d T ä n z e 4. S e i n e w o h l v o r b e r e i t e t e Ü b e r l i e f e r u n g Mir, als dem einzig Lebenden seiner deutschsprachigen Anhänger und Übersetzer seiner Schriften ins Deutsche, fällt die Aufgabe zu, für alle meine Brüder gleicher Zunge, wenn auch sehr unzulänglich, so doch auf Gurdjieff hinzuweisen. Gurdjieff wurde 1872 in der Gegend des Ararats geboren, von alters her ein Knoten- und Kreuzungspunkt vieler Völker und Kulturen. Seine Vorfahren stammten von Griechenaus Cäsarea ab, deren Geschichte weit vor Christi zurückreicht. Er wuchs in einer patriarchalischen Familie unter geradezu biblischen Lebensumständen auf. In der zweiten Serie seiner Schriften „Begegnungen mit hervorragenden Menschen“, schildert er seinen Vater, einen letzten Barden und ursprünglichen Denker, seinen ersten Lehrer, den Dechanten der militärischen Kathedrale in Kars, der seinen fähigen Schüler für die Laufbahn eines Priesters und Arztes zugleich bestimmte, das heißt, zur Heilung desganzen Menschen. Er selber hatte großes Interesse für alle Wissenschaften und zeigte gleichzeitig große Geschicklichkeit mit den Händen, weshalb er sich in vielen Gewerben versuchte. Aber einige Jugenderlebnisse in der seltsamen kaukasischen Umgebung, für die er keine Erklärung in der Wissenschaft fand, ließen ihn früh über den Sinn des Lebensnachdenken und an dem zweifeln, was die Leute sagen. So kam es dahin, daß er sich noch jung auf die S u c h e n a c h w a h r e m für a l l e Z e i t e n und für a l l e M e n s c h e n gültigem W i s s e n aufmachte. Nachdem er verschiedene mittelalterliche Ruinen und altarmenische Literatur studiert hatte, kam er zu der Überzeugung, daß die Menschen früherer Zeiten einWissen besessen hatten, das im Laufe der Zeit verlorengegangen war. Im Verein mit einigen jungen Freunden machte er sich auf die Suche nach Überresten oder Spuren dieses alten Wissens auf. Sie nannten sich „Wahrheitssucher“ und kamen in abgelegene Klöster, die uralte Traditionen bewahrt hatten, trafen Derwische, heilige Männer und Mitglieder der verschiedensten religiösen Bruderschaften. Später gesellten sich Leute ausverschiedenen Wissenszweigen und mit größeren materiellen Hilfsmitteln zu ihnen, einArchäologe, ein Geologe, ein Ingenieur, ein Arzt, Sprachwissenschaftler usw. Einigen von diesen hat Gurdjieff auch in der zweiten Serie seiner Schriften ein Denkmal gesetzt. Ihre Reisen ging nach Persien, Turkestan, Tibet, Indien, der Wüste Gobi, Ägypten. Gerüchte, daß Gurdjieff 1 http://gurdjieffclub.com/de/articles-essay-louise-march-g-gurdjieff-a-call-for-attention-to-his-life-and-work
  3. 3. in Tibet eine führende Rolle im englisch-tibetanischen Krieg gespielt habensoll, sind aus dieser Zeit erhalten geblieben. Gelegentlich tauchte er zu Hause auf und verschwand wieder, betrieb auch zwischendurch verschiedene Geschäfte und Gewerbe, um sich seinen Unterhalt zu verdienen. Seine Spuren werden für uns erst um 1912 herum deutlich. Damals war er an die vierzig, lebte in St. Petersburg und hatte Schüler um sich, die von seiner ungewöhnlichen Originalität und Echtheit angezogen waren. Sie empfanden alle etwas von dem, was eines meiner Kinder so zum Ausdruck brachte: „Er sieht a n d e r s a u s und er i s t a n d e r s als alle anderen L e u t e.“ Damals lernte ihn der Schriftsteller D. P. Ouspensky kennen, der durch seine Erforschung der vierten Dimension auf psychologisch-philosophischem Gebiet bahnbrechend geworden ist. Er fand in ihm alles, was er, der selbst gerade aus Indien zurückgekehrt war, an verschiedenen Orten im Osten vergeblich gesucht hatte. In seinem letzten Buch Auf der Suche nach dem Wunderbaren. Fragmente einer unbekannten Lehre schildert Ouspensky sein Zusammentreffen mit Gurdjieff und gibt wörtlich viele seiner Gespräche mit Gurdjieff wieder, oder genauer gesagt, Gurdjieffs gewichtige Antworten auf die prägnanten Fragen Ouspenskys sowie anderer Schüler. Gurdjieff kannte sich auf allen Gebieten aus und brachte Licht in die dunkelsten Ecken. Besonders gab er eine neue Auffassung vom Sinn und Zweck des menschlichen Daseins und dem, was Evolution wirklich ist. Er ging über alles bekannte Universitätswissen hinaus, auch über das, was gewöhnlich Religion genannt wird; er konnte helfen, wo die üblichen Ärzte und Seelsorger versagten. Aber er hielt keine Vorlesungen, er drängte sein Wissen niemandem auf, im Gegenteil, es war schwer, es aus ihm herauszuholen und man mußte wirklich ernsthaft suchen, wirklich es sich etwas kosten lassen, w i r k l i c h m e h r a l s W o r t e w o l l e n. Bei ihm hatte alles Hand und Fuß, das große Ferne kam einem nahe und wurde deutlich wie die eigene Hand, das nahe Kleine wurde millionenfach vergrößert und deshalb erkennbar. Alles übrige Denk- und Glaubens“gut“ des modernen Menschen flatterte wie Motten am Licht, wenn es in das Blickfeld Gurdjieffs kam. Dafür gab er zu ahnen, in seiner Sprache „zu kosten“, w a s „d e r W e g“, „d i e W a h r h e i t“, „d a s L e b e n“ i n W i r k l i c h k e i t i s t. Damals war er im Begriff, ein großes Institut zu gründen, „Institut für die harmonische Entwicklung des Menschen“, in dem der physische, emotionelle und denkerische Teil des Menschen auf gleiche Weise erzogen und Aufmerksamkeit und Wille zur Erkenntnis und Lenkung seiner selbst herangebildet werden soll. Er hatte schon viele wissenschaftliche Apparate aus Deutschland kommenlassen, als die politischen Ereignisse alles vereitelten; der erste europäische Krieg brach aus. So unglaublich es klingen mag, auch ein solches enormes Ereignis brachte Gurdjieff nicht von seinem Vorhaben ab; das geplante Institut wurde ein wanderndes Institut, teils mit den gleichen, teils mit verschiedenen Leuten.
  4. 4. Dabei machten sie alle Schwierigkeiten der Millionen von Heimatlosen dieses unseligen zwanzigsten Jahrhunderts durch. Gurdjieff wie die Schüler kämpften um das tägliche Brot, aber nicht nur in dem einen Sinn, in dem dies gewöhnlich verstanden wird, sondern sie arbeiteten auch. Arbeit bei ihm und in seinem Kreis bedeutet: A r b e i t a n s i c h s e l b s t , A r b e i t z u r E r k e n n t n i s s e i n e r s e l b s t u n d z u r S e l b s t- v e r v o l l k o m m n u n g. „Je größer die Schwierigkeiten, um so größer die Möglichkeit zu produktiver Arbeit, vorausgesetzt, daß man b e w u ß t arbeitet.“ Für eine Weile schien es, daß das Institut im Kaukasus, dann in Tiflis seßhaft werden könnte, aber die politischen Ereignisse vereitelten es auch dort nach kurzer Zeit. Gurdjieffs Takt, Menschenkenntnis und ganz ungewöhnlicher allgemeiner Umsicht war es zu verdanken, daß die verschiedenen feindlichen Parteien ihn und seine Gruppe unbehelligt ließen, ja es kam sogar dazu, daß die Weiße und Rote Armee ihn „unparteiisch“ genug fanden, so daß zum Beispiel beide ihm eine schriftliche Erlaubnis gaben, Waffen tragen zu dürfen. Das wandernde Institut gelangte schließlich nach fast unüberwindlichen Schwierigkeiten nach Konstantinopel. Alfons Paquet, der Frankfurter Schriftsteller, traf ihn dort 1921, am Tag vor seiner Rückkehr nach Deutschland, und sah eine Vorführung der sakralen Tänze von Gurdjieffs Gruppen. Es ist erstaunlich, wie viele Ahnungen er an jenem einen Abend von der Universalität von Gurdjieffs Lehre gewann.2 Nach einem fehlgeschlagenen Versuch, das Institut in Hellerau zu eröffnen, und Gurdjieffs Weigerung, es in London zu tun, kam es schließlich 1922 dazu, daß es in Fontainebleau im historischen Château du Prieuré eine - wie es schien - bleibende Behausung fand. Es hatte Schüler aus aller Herren Länder, vorwiegend jedoch Russen und Engländer. Das große Haus und der große Garten und Wald gaben mehr als genug Gelegenheit zu praktischer Arbeit. Es wurde gebaut, gefarmt, studiert, gewoben, gemalt und in dem aus einer Zeppelinhülle eigens dafür errichteten „Study House“ wurden bis tief in die Nacht „die Bewegungen“ und heiligen Tänze geübt, psychologische Übungen gemacht und es gab Gurdjieff seine auf Fragen gegebene Antworten. Eine Vorführung im Theater der Champs Elysées ließ die Welt sehen, was Gurdjieff und sein Kreis leisteten. 1924 ging er mit 40 Schülern seines Instituts nach Amerika und gab dort große Vorführungen in Carnegie Hall, New York, Boston, Chicago und anderen Städten. Diese Vorführungen von Tempeltänzen und psychologischen Phänomenen erregten größtes Aufsehen. Damals wollte er in Amerika und in verschiedenen anderen Ländern Zweigstellen des Instituts für die harmonische Entwicklung des Menschen gründen. Wiederum unterbrach das Schicksal seine Pläne und wiederum wurde dadurch nur die Form der Mittel, seine Lehre an andere weiterzugeben, verändert. Kurz nach seiner Rückkehr nach Frankreich erlitt Gurdjieff eine sehr schweren Autounfall, der seinem Lebenfast ein Ende machte. Während er wochenlang im Bett lag und mit großer innerer Anstrengung sein Bewußtsein wiedererkämpfte, erkannte er, wieviel er noch zu tun und wie wenig Zeit er noch hatte. Damals eben beschloß er zu schreiben. Es war sein eigener Entschluß, seine ihm von sich selbst diktierte Aufgabe, sein freiwillig auf sich genommenes Kreuz. Er schloß sein Institut für die harmonische Entwicklung des Menschen, schickte seine Schüler nach Hause, schloß sich selbst von allem ab und begann zu schreiben. Der von ihm gewählte Rhythmus seines 2 Siehe Alfons Paquet, Delphische Wanderung, Seite 218 ff.
  5. 5. Tages blieb überall derselbe; alle nur mögliche Kraft und Zeit verwandte er auf das Schreiben. Davon wich er nicht ab, ganz gleich, was die äußeren Umstände waren er schrieb auch in der Eisenbahn oder auf dem Schiff. Meistens saß er im Café de la Paix in Paris, oder in einem kleinen Café in Fontainebleau, oder wenn er für kurz nach New York kam, bei Childs, und schrieb. Der Lärm der redenden Menschen und das Klappern des Geschirrs drangen nicht an sein Ohr - ja selbst Besucher, deren viele kamen, mußten warten, bis er sich ihnen zuwandte, und darüber konnten ein und zwei und drei Stunden vergehen. Manche spürten in der Nähe des seltsamen Meteors den Gegensatz zwischen der geräuschvollen, hastenden, trügerischen äußeren Welt und der Ruhe, Sicherheit und inneren Fülle dessen, der da saß und schrieb. Ziemlich am Anfang meiner Arbeit, als ich noch verwundert war, daß Gurdjieff nichts von dem suchte, was die Annehmlichkeiten und das Streben aller anderen Menschen ausmacht, setzte er sich einmal, als er sichtlich ermüdet aus dem Café zurückkam, neben mich auf die Terrasse mit dem schönen Blick auf dem historischen Garten der Prieuré, wo ich an der Übersetzung arbeitete. „Warum arbeiten Sie nicht auch hier, mit dem Blick auf die Rosen, den Goldfischteich und die beschnittene Platanenallee, in so guter Luft?“ „Ich arbeite immer nur in Cafés, Tanzlokalen und ähnlichen Stätten, wo ich die Menschen sehe, wie sie sind, wo ich die sehe, die am meisten betrunken sind, am anormalsten. Bei ihrem Anblick kann ich den Impuls der Liebe in mir erzeugen. Und aus dem heraus schreibe ich meine Bücher.“ Eine Art Erholung war für ihn das Kochen. Er nannte sich „Dr. Kulinari“ und konnte die verschiedensten Gerichte aller asiatischen Stämme zubereiten, so wie sie durch die Jahrhunderte überliefert worden sind, und viele eigene Kombinationen dazu, die nicht nur den uns immer mehr abhanden kommen den Geschmackssinn beleben, sondern den Menschen auch zu einem gewissen Bewußtwerden der in ihm vor sich gehenden Verdauungsvorgänge führen. Acht oder neun Jahre verwandte er zum Schreiben und es entstanden drei Serien von Büchern, für einen einzigen Menschen von ungewöhnlicher Fülle, Originalität und Vielfalt der Bedeutung. Die zweite Serie, die zugleich ein Reisebuch von unvergleichlicher Schönheit ist, ging ihm so leicht wie seine Musik vonstatten, die an die 5000 Stücke zählt. Die Hauptanstrengung für Gurdjieff war die erste Serie seiner Schriften, betitelt; „ E i n e o b j e k t i v e - u n p a r t e i i s c h e K r i t i k d e s L e b e n s d e s M e n s c h e n“ oder „B e e l z e b u b s E r z ä h l u n g e n f ü r s e i n en E n k e l“ Manche Kapitel der ersten Serie, vor allem das Kapitel „Gedankenerwachen“,zuerst „Warnung“ genannt, hat er sieben- und dieses sogar zwölfmal umgearbeitet. Was für eine Mühe, bis alle Themen seines Werkes, das keine Frage unberührt läßt, in dieser Ouvertüre angeschlagen und verbunden waren. Bei den Änderungen war deutlich zuerkennen, daß er „den Knochen tiefer vergraben wollte“, das heißt, nichts auf billige Weise geben wollte. Dies war unbedingt nötig zur Erreichung des sich von ihm gesteckten Zieles. Es kann keinem etwas geschenkt werden; auch das Beste, was uns gegeben wird, kann nur dann unser eigen genannt werden, wenn wir es selbst erarbeiten. Auf keinem Fall wollte er „neues Wissen“ geben, was sich leicht in Worten sagen läßt, sondern etwas im W e s e n des Menschen ändern, öffnen, entfalten, was ihn langsam zur Erschaffung seiner eigenen inneren Welt führen und ihm V e r s t e h e n geben sollte. Er, der die Menschen mit einem
  6. 6. Blick erkannte, wußte, daß dieser Vorgang eine ungeheure Operation bedeutet und die erste Serie hatte eben die Aufgabe, aufzuräumen „mit den im Denken und Fühlen des Lesers seit Jahrhunderten eingewurzelten Vorstellungen und Anschauungen über alles in der Welt angeblich Existierende“, um Platz zu schaffen zur Aufnahme von etwas Neuem und Wirklichem. Damit komme ich auf das Hauptziel von Gurdjieffs Schriften zu sprechen und vor allem zu seiner ersten Serie: an Stelle eines persönlichen Lehrers gibt sie alles, was wir in diesem zwanzigsten Jahrhundert brauchen, um uns eine wahrhafte und unveränderliche innere Welt erwerben zu können. Dies kann aber nur geschehen, wenn der Leser langsam lernt, daß seine Mitarbeit, sein sich-wundern, Vergleichen, Gegenüber- stellen, Fragen-lernen, und auf Antwort-warten, ebenso nötig ist, wie die Hilfe des Buches. Durch unsere falsche Erziehung sind die uns verliehenen Kräfte des Denkens, Fühlens und Empfindens ganz vermechanisiert und einseitig ausgebildet; erst recht, wenn wir sogenannte gebildete Menschen sind. Der Kern in uns, das Samenkorn, das sich nach einer Entfaltung und Kontinuierlichkeit sehnt, liegt deshalb erstickt und eingezwängt zwischen den falschen Tätigkeiten unserer vielen vermeintlichen „Ichs“. Während der acht Jahre des Schreibens ließ Gurdjieff täglich vor oder nach Tisch, im kleinen Kreis oder für viele Gäste das eine oder andere Kapitel in der einen oder anderen Sprache vorlesen. Gurdjieff beobachtete die Zuhörer und erkannte an ihnen den Grad der Vollendung des von ihm neu geschrieben wie auch die Exaktheit der Übersetzung. Oft wählte er Kapitel, die dem einen oder anderen Menschentyp mehr entsprachen, oder aber das Kapitel über die Nation des Betreffenden. Neue Gäste waren erstaunt, daß er ein kleines Wort oder eine Satzverdrehung so wichtig nehmen konnte, die Übersetzer dagegen kannten Gurdjieff schon als L e h r e r d e r E x a k t h e i t. Für uns geschah die Übersetzung nicht eigentlich um der Übersetzung willen sondern war unsere Schulung, die uns aus unseren subjektiven Vorstellungen und Ansichten herausschälte und mit der Schaffung einer neuen exakten Sprache zu einem Verstehen brachte, das wir am Anfang nicht einmal hätten ahnen können. Vor allem wurde in uns allmählich die Fähigkeit des „Sich-leer-machen-könnens“, des „Hören-könnens“ herangebildet. Nur wo Platz ist, kann etwas neues Platz finden. Nun ist das ein schwierigerer Prozeß als die meisten Leute glauben wollen: d i e B e f r e i u n g v o n d e m a u t o m a t i s c h e r w o r b e n e n, r e i n s u b j e k t i v e n D e n k - u n d V o r s t e l l u n g s k a l e i d o s k o p und d i e E r w e r b u n g e i n e s b e w u ß t a r b e i t e n d e n, i m m e r g ü l t i g e n, o b j e k- t i v e n V o r s t e l l u n g s g u t e s an seiner Stelle. Alle möglichen Anekdoten illustrieren diesen Vorgang, und wenn sie erst einmal gesammelt werden, um Gurdjieffs Lehre in seiner grandios-humorvollen Weise zu veranschaulichen, werden die Übersetzer einen guten Beitrag liefern können. Aus dem Lesen um Gurdjieff erwuchsen allmählich Gruppen in den verschiedensten Hauptstädten der Welt, wobei die Zuhörer, jeder für sich, die erstaunliche Tatsache feststellten, daß seine erste Serie, dieses kosmische Märchen, wirklicher als alle Märchen, mit einer sicherlich außerirdischen Wissensquelle, die ihnen unerläßlich nötige Hilfe in der Erkenntnis ihrer selbst und aller Dinge in dieser Welt gibt. Wenn sie eine Frage hatten, auf die sie keine Antwort finden konnten, eine Schwierigkeit, die sie nicht annehmen oder überwinden konnten, so brachte ihnen dieses Buch die nötige Hilfe. Dabei konnte man im Laufe der Jahre bemerken, daß ihr äußerer Mensch, ihr sich
  7. 7. Wichtignehmen, ihr mit tausend kleinen täglichen Aufregungen und Begeisterungen gefülltes Dasein gewöhnlich stiller, ruhiger und ernster wurde, und ihr innerer Mensch, derin fast keinem Menschen der heutigen Zeit zum Durchbruch kommen kann, anfangs gelegentlich und später häufiger in Erscheinung trat. Man mußte nicht mit ihnen reden, aber man spürte, daß dieses Buch ihnen eine wirkliche Nahrung und Maßstab war. S e l b s t z u f r i e d e n h e i t k o n n t e n i c h t a u f t r e t e n, wenn man erkannte, wie lange es gebraucht hatte, bis man die eine oder andere Sache verstand, oder, richtiger gesagt, auf dem Wege war, zu verstehen; oder wenn man bemerkte, daß zwei Stunden des Zuhörens schon zuviel waren für unser nur auf flüchtige Beobachtung eingestelltes „Denken“ und unser immer flatterndes oder lahmes Gefühl. Jede Seite, jedes Kapitel in Gurdjieffs Schriften ließen den Zuhörer sein eigenes Unvermögen, seine eigene Uneinheitlichkeit, seine eigene Nichtigkeit erkennen und gleichzeitig verstärkten sie in ihm den Drang nach etwas Bleibendem, Sicherem, Dauerndem, erweiterten seine Fragemöglichkeiten, förderten sein Forschungsvermögen und seine nachdenkenden Fähigkeiten und erweckten in ihm Kräfte, die ihm zwar niemals recht, aber dafür den Geschmack dessen geben können, was ein Mensch sein könnte und sein sollte. Gurdjieff sprach in den acht Jahren, in denen er die verschiedenen Serien seiner Schriften schrieb, oft von deren Veröffentlichung, ja, er fuhr sogar eigens nach Leipzig, um mir den Ort zu zeigen, wo seine Schriften gedruckt werden sollten. Damals, in den späten zwanziger und frühen dreißiger Jahren, verstand ich das Gedrucktwerden hauptsächlich in dem Sinne, daß es in mir gedruckt werden müsse, nämlich, um in mir jenen Menschen zu erwecken und wach und tätig zu erhalten, der das Verlangen in meiner Kindheit gewesen war, wenn ich darüber nachsann, was es denn eigentlich bedeute, dieses „Lieben deinen Nächsten wie dich selbst“. Gerade als ich nach allen möglichen Versuchen und unter Zuhilfenahme der mir bekannten Religionen, philosophischen Richtungen, Wissenschaften und Künste endgültig die Hoffnungslosigkeit jedes wirklichen Versuches in dieser Richtung eingesehen hatte, hörte ich selber zum erstenmal ein Kapitel aus „Eine objektiv unparteiische Kritik des Lebens des Menschen“ (man konnte es damals nie selber lesen, nur hören), um ihm meine erste gesegnete schlaflose Nacht zu verdanken. Anfang 1949, bei einem Besuch in New York, sagte Gurdjieff im Kreise einiger seiner älteren Schüler, daß die Zeit gekommen sei, seine Schriften zu drucken und daß es noch im gleichen Jahre geschehen müsse. Er bestimmte, daß die erste Serie, die schwierigste, unbedingt als erste herauskommen müsse, und zwar im Taschenformat, damit jeder sie in seiner Tasche bei sich tragen könne. Gleichzeitig gab er die Erlaubnis das letzte Werk von Ouspensky, der in England und Amerika sehr bekannt und ob seiner früheren Bücher sehr geschätzt wird, zu veröffentlichen: „Auf der Suche nach demWunderbaren, Fragmente einer unbekannten Lehre“ ist sowohl Vorläufer als auch ein erster Kommentar zu Gurdjieffs Schriften. In Deutschland las ich 1929 zum erstenmal in Gegenwart von Gurdjieff einige Kapitel aus Beelzebubs Erzählungen vor. Es war im Hause von Alfons Paquet in Frankfurt. Zu der Lesung luden Paquet und ich Freunde ein; nach Gurdjieffs Weisung sollten mindestens sieben Familienväter darunter sein. Drei Stunden ununterbrochenen Lesen waren auch für die auf ihre Auffassungskraft stolzen Deutschen zuviel. Später wollte mich einer meiner Freunde enttäuschen, indem er mir sagte, nur ein Wort sei ihm von dem langen Lesen im
  8. 8. Gedächtnis geblieben: „Kundabuffer.“ Mir schien dies genug: Kundabuffer an Stelle des echten Menschen, Täuschung an Stelle der Wahrheit, außerdem die erste und einzige Erklärung dessen, was in der Sprache der Kirche „Erbsünde“ genannt wird. Wider seinen Willen war mein Freund beim Regnen nass geworden. In Berlin liess mich Gurdjieff als erstes das Kapitel über „Früchte alter Zivilisationen und die Blüten der modernen“ lesen, wobei mir schien, das einige der Anwesenden über das, was darin über die Erfindungen der Deutschen gesagt wird, fast Blut schwitzten. Beim Studium der Massenpsychose, jenem Greuel, der die Entartung der modernen Menschheit am schärfsten zeigt, nimmt Gurdjieff alle Nationen unter seine Lupe, keine kann sich überlegen fühlen, alle sind in die Irre gegangen. Inzwischen hat das Schicksal den Deutschen sehr mitgespielt und ihnen ihre liebsten Täuschungen, die manchem selbst lieber waren als das Leben, entrissen. Als ich Mitte der dreissiger Jahre wieder ein paar Jahre lang in Deutschland lebte, berührte es mich sehr schmerzlich, zu erkennen, wie der j e d e m M e n s c h e n innewohnende D r a n g n a c h e i n e m W e g w e i s e r, nach einem Lehrer oder Führer, in einer ganz falschen Richtung dort arbeitete. Auch die, die nicht davon verblendet oder angesteckt waren, tappten im Dunkeln und konnten nichts als einleidendes, passives Ertragen aus dieser Massenpsychose machen. Gurdjieff dagegen lebte damals zurückgezogen in Paris, immer von einer Gruppe an sich arbeitender Menschen umgeben, war denselben äußeren Schwierigkeiten ausgesetzt wie alle anderen Menschen und machte seine grandiosen Statistiken. Ihm diente diese größte aller bisherigen Massenpsychosen zu einer letzten Überprüfung dieser Hauptkrankheit, die der Mensch selbst, durch Schaffung der a n o r m a l e n ä u ß e r e n L e b e n s v e r- h ä l t n i s s e verursacht hat, ein weder von der Natur noch von Gott gegebener Faktor. Mir scheint, daß das deutsche Volk vielleicht mehr als jedes andere danach lechzt, in Gurdjieffs Schriften und auch in den von Ouspensky aufgezeichneten Gesprächen die Gesetze eindeutig klar aufgezeichnet zu finden, nach denen diese entsetzlichen, des Menschen unwürdigen letzten Jahrzehnte verliefen. Wer schuld war, der Kaiser oder Hitler, die Engländer, Russen oder Amerikaner - alle Theorien und subjektiven Deutungen werden bei ihm hinfällig. Viel nutzloses Gerede, viele nutzlose Bücher werden einfach verstummen. Was ist denn der Tod? Was wird durch ihn frei? Wozu dient es? W a s k a n n a n d i e S t e l l e v o n K r i e g u n d ä u ß e r e r G e w a l t t r e t e n? Wo fängt der Krieg an, und wo ist er immer zu Hause? In jedem Menschen und in den Beziehungen jedes einzelnen zu den anderen. Wo kann er aufhören? Nur im einzelnen und in seinen Beziehungen zu den anderen. Hat der einzelne Mensch eine Wahl? Können wir lernen zu wählen? Deswegen muß dieses Buch, das aus einem wirklichen Wissen, aus einer Gerechtigkeit und Liebe, deren Ausmaß wir nicht begreifen können, geschrieben worden ist, jetzt an die Öffentlichkeit kommen. Sommer 1950. L o u i s e M a r c h, Frankfurt am Main, Praunheim, Alte Mühle 2
  9. 9. DER VIERTE WEG3 Dieser Ausdruck bezieht sich generell auf eine Lehre der möglichen geistigen Entwicklung des Menschen, die der westlichen Kultur von George Gurdjieff in der ersten die Hälfte des 20. Jahrhunderts vorgestellt wurde. P. D. Ouspensky, ein Zeitgenosse und Student von Gurdjieff, hat viele Aspekte dieser Lehre in einer verdichteten Form im seinem Buch Auf der Suche nach dem Wunderbaren beschrieben. Der Vierte Weg ist ein Pfad der spirituellen Entwicklung, der sich von den drei traditionellen Wegen unterscheidet. Diese sind der Weg des Fakirs, der die Beherrschung des physischen Körpers hervorhebt, der Weg des Mönchs, der die Beherrschung der Emotionen betont, und der Weg des Yogis, der den Verstand diszipliniert. Diese verschiedenen Wege oder Annäherungen zu spiritueller Entwicklung entsprechen auch den drei Arten von Mensch. Der Vierte Weg versucht, in der Umgebung des alltäglichen Lebens alle drei traditionellen Wege gleichzeitig zu beschreiten. Im Gegensatz dazu verlangen alle anderen Wege ein vollständiges Entsagen des täglichen Lebens oder erfordern die Abgeschiedenheit einer klösterlichen Umgebung. Der Vierte Weg wird deshalb manchmal auch der Weg des ‘schlauen Menschen’ genannt. Jedoch können alle vier Wege zu den gleichen Einsichten führen und deren Praktizierende von den äußeren Kreisen der Menschheit zu den exoterischen und in weiterer Folge mesoterischen oder sogar esoterischen Kreisen führen. Die Prämisse des Vierten Weges ist, dass der Mensch grundsätzlich mechanisch ist, und der Freie Wille, echtes Bewusstsein und Freiheit nur selten realisierte Möglichkeiten sind. Im Normalzustand ist der Mensch den Umständen unterworfen und verlebt sein Leben in einem Zustand des Schlafs. Kernideen und verwendete Begriffe des Vierten Weges beinhalten: ‘kleine Ichs’, Tun, Sein, Identifikation, Selbsterinnernung, Zentren, Mensch 1, 2, und 3, Fusion bzw. Verschmelzung (von ‘Spänen’), Welten, Wasserstoff, Futter für den Mond. Während die Form der ersten drei Wege relativ gleichbleibend vorgegeben ist, erscheinen und verschwinden die Schulen des Vierten Weges nach Bedarf, in einer für die jeweilige Zeit geeigneten Form. Die Arbeit des Vierten Weges erscheint, um eine spezifische esoterischen Aufgabe erfüllen zu können, wie es die Zeiten erfordern können. Ouspenskys Buch Auf der Suche nach dem Wunderbaren ist wahrscheinlich die präziseste und strukturierteste Präsentation des Hintergrunds und der Grundsätze des Vierten Weges. Die Hauptwerke Gurdjieffs sind: Beelzebubs Erzählungen für seinen Enkel, Begegnungen mit außergewöhnlichen Menschen und Das Leben ist nur real, wenn ich bin. Die Quantum Future School (QFS) betrachtet Gurdjieff als Lehrer von zentraler Wichtigkeit der unmittelbaren Vergangenheit und verweist oft auf seine Arbeit. Gurdjieff wird als Wegbereiter betrachtet, der seiner Zeit weit voraus war, 3 http://de.cassiopaea.org/2011/06/05/vierter-weg-definition/
  10. 10. und viele Dinge hinter Allegorien verstecken musste, von denen die QFS heute im Klartext spricht. Das trifft besonders auf die Idee des ‘Futters für den Mond’ zu, d.h. die Art, wie hyperdimensionale Lebewesen die Menschheit verwalten, so wie ein Landwirt seine Schafe hütet. Gurdjieffs Konzepte der Kosmologie, des Schlafs der Menschheit, der Notwendigkeit des Erwachens des Bewusstseins, usw., stimmen im Allgemeinen mit dem Cassiopaea-Material überein, obwohl sich die Terminologie unterscheidet. Wie Gurdjieff in Auf der Suche nach dem Wunderbaren meint, benötigt es nur etwa 200 Leute, die dem esoterischen Kreis der Menschheit angehören, um die Welt in einer dramatischen Weise verändern zu können – wenn sie es wollten. Allerdings existieren vielleicht überhaupt nicht so viele Menschen dieser Art, oder sie haben beschlossen, dass die Menschheit viel zu tief schläft und nicht nach einer Veränderung fragt. Dies kann man nicht wissen ohne selbst diesem Level nahe zu sein. Das bezieht sich auf die Idee, dass es bestimmte Fenster kosmischer Gelegenheiten gibt, in denen Bewusstsein eine entscheidende Rolle zur Bestimmung einer zukünftigen Richtung spielen kann. Viele Schulen des Denkens sehen die aktuelle Zeit als einen solchen Angelpunkt, an dem unsere Zukunft hängt. An den Schulen des Vierten Weges verläuft die Arbeit in drei verschiedenen Linien. Diese sind 1. die Arbeit des Schülers an sich selbst, 2. die Arbeit mit anderen Schülern und 3. die Arbeit für die Schule. Die erste Linie besteht aus Aktivitäten wie Selbstbeobachtung, Selbsterinnerung und verschiedene individuell angepasste Übungen. Der Schüler muss Antrieb und Willen bereitstellen, die Schule kann Führung und einen konzeptuellen Rahmen bieten, in welchem der Schüler die gemachten Beobachtungen hineinstellen kann. Die zweite Linie, die Arbeit mit anderen Schülern, ist ein Auslöser für den Empfang von neuen Schocks. Durch die Teamarbeit mit nicht selbst ausgewählten, relativ fremden Personen, erfährt man Reibung. Diese Reibung kann als Treibstoff für Selbstbeobachtung und Umwandlung negativer Emotionen verwendet werden. Man übt externe Rücksichtnahme und innere Nicht-Rücksichtnahme. Die dritte Linie, die Arbeit für die Schule, ist wiederum abhängig vom Schüler. Der Schüler muss rechtzeitig einen Bereich unabhängiger Betätigung finden, durch welchen man der Schule etwas zurückgeben kann. Es muss aus freiem Willen geschehen und hauptsächlich dem Talent und Vermögen des Schülers entsprechen. Dies könnte körperliche Arbeit sein, Lehren, Kunstschaffen, Nachforschungen oder viele andere Dinge. Die Grundidee dabei ist, dass es vom Schüler kommen muss und der Schule nützt. Alle Prozesse laufen gemäß dem Gesetz der Sieben ab, entsprechend dem Vierten Weg. Die Arbeit ist dabei keine Ausnahme. Oktaven haben zwei Intervalle bzw. Schocks, wo nicht ohne äußeren Anstoß bzw. zusätzlichen Impuls weitergekommen werden kann. Die Arbeit des Schülers auf jeder der drei Linien kann zu einem Stillstand oder Plateau führen. An einem solchen Punkt kann die Arbeit auf einer anderen Linie den nötigen Impuls bringen, die Kluft zu überwinden. So bildet die Arbeit auf den drei Linien ein organisches Ganzes. In seinen “fünf edlen Bestrebungen” hebt Gurdjieff den Gedanken des “Zahlens für den eigenen Aufstieg” hervor. Rückgabe an die Schule kann als ein solches Beispiel – und als ebenso notwendig – gesehen werden. Dies ergibt sich aus der Tatsache, dass einseitiges Empfangen – Empfangen ohne angemessene Wertschätzung,
  11. 11. Anstrengung und Rückgabe – aus dem Gleichgewicht fällt und das Lernen auf einem oberflächlichen Niveau belässt. Die Cassiopaeaner4 haben weiters hervorgehoben, dass sich viele Leute, die sich selbst als in ihrer Entwicklung feststeckend empfinden, vorwärts bewegen könnten, wenn sie für das, was sie erhalten haben, im Sinne des Gleichgewichts zurückgeben würden. Ein anderer Grundsatz des Vierten Weges ist der Gedanke, dass man nur dann Fortschritt macht, wenn man einen anderen dafür heranbildet, um den eigenen vorherigen Platz einzunehmen. So sind Nehmen und Geben untrennbar in der Arbeit verbunden. Selbst-Erinnerung „Keiner von euch hat die wichtigste Sache, auf die ich hingewiesen habe, bemerkt … keiner von euch hat bemerkt, dass ihr euch nicht an euch selbst erinnert.“ (Gurdjieff hat diese Worte besonders betont.) „Ihr empfindet euch nicht, ihr seid euch eures Selbst nicht bewusst. Bei euch beobachtet es, genauso wie es spricht und es lacht. Ihr habt kein Gefühl für: Ich beobachte, ich stelle fest, ich erkenne. Es wird alles nur festgestellt, es wird erkannt. … Um sich selbst wirklich betrachten zu können, ist Selbst-Erinnerung unabdingbar.“ (Aus „Auf der Suche nach dem Wunderbaren“, S. 124) Selbst-Erinnerung ist die Brücke zwischen Wissen und Weisheit. Es ist eine Bemühung, sich seiner selbst in der Gegenwart bewusst zu sein, jede imaginäre Vorstellung, wie verlockend sie auch sein mag, von einem Moment auf den anderen zu verlassen, um in die Wirklichkeit zurückzukehren. Es bedeutet die Fähigkeit zu einer sofortigen, innerlichen Reorganisation: Das automatische Denken und Fühlen in den Hintergrund zu stellen, um das Höhere Selbst hervortreten zu lassen – sich seiner selbst zu erinnern. In einem seiner frühen Gespräche mit russischen Schülern stellte Gurdjieff den Begriff Selbst-Erinnerung zur Debatte und forderte sie auf einander mitzuteilen, was sie während ihrer Selbst- Beobachtung empfunden hatten. Keinem war es gelungen, die wichtigste Tatsache zu erkennen: Niemand hatte sich seiner selbst erinnert. Ouspensky, der von diesem Gespräch berichtet, beginnt daraufhin mit Selbst-Erinnerung zu experimentieren und realisiert in der Folge dessen Schlüsselfunktion in der Arbeit am Bewusstsein. Hier, wie schon zuvor, beruft Gurdjieff sich auf alte Praktiken und übersetzt diese in eine moderne Sprache. Die Upanishaden sind eine umfassende Abhandlung über das Selbst, und wie sehr es notwendig ist, sich daran zu erinnern und es an die vorderste Front zu stellen. Der Sufismus verwendet den Begriff der „Erinnerung an das Göttliche“ in ganz ähnlicher Weise wie Gurdjieff ihn später benutzte. Allerdings hat das Wort Gott im 20. Jahrhundert seine ursprüngliche Bedeutung verloren, da es zu sehr mit religiösen Strömungen in Verbindung gebracht wird, die den Menschen daran hindern, ein konkretes Verhältnis zu ihm zu entwickeln. Gurdjieff hat diese älteren Systeme in eine, dem modernen, westlich orientierten Menschen verständliche Sprache übertragen. Der Unterschied zwischen dem System und dem Vierten Weg rührt daher: Gurdjieffs Darstellung des „Systems“ für das 20. Jahrhundert hatte insofern Gültigkeit, als dass der Vierte Weg selbst die Summe aller vergangenen und gegenwärtigen Ausdrucksformen dieses Weges beinhaltet – das ganze Spektrum der Überlieferungen, die auf der Bühne der Menschheit bisher erschienen und wieder verschwunden sind. Frühere Ausdrucksformen des Vierten Wegs hätten sich selbst 4 http://de.cassiopaea.org/
  12. 12. nicht als vierten Weg bezeichnet. Gurdjieff nannte seine Darstellung den „Vierten Weg“, um dessen Bedeutung in der Quadriga der möglichen Formen der Bewusstseins- erweckung hervorzuheben. Alle vier Wege führen zu demselben Ziel: Der Erweckung des Bewusstseins, der Wahrhaftigwerdung und Fähigkeit zu sein. Die spirituellen Pfade, die zu diesem einen Ziel führen, können sich jedoch – wie Straßen, die an den selben Bestimmungsort führen – in ihrer Art und Weise unterscheiden Um unser Hauptaugenmerk nicht aus dem Blick zu verlieren, werden wir die drei anderen Wege hier nicht näher erläutern; sie alle sind in Auf der Suche nach dem Wunderbaren eingehend beschrieben. Was dort aber nicht ausdrücklich betont wird, ist, dass Gurdjieffs Unterscheidung der drei Archetypen des Wegs auf Grundlage der verschiedenen menschlichen Wesensarten nur in der Theorie Gültigkeit hat. Praktisch wird sich jeder dieser Wege als eine Mischung der drei Möglichkeiten erweisen, wobei lediglich der Schwerpunkt auf jeweils eine Variante gelegt wird. Insofern unterscheidet sich der Vierte Weg, da er danach strebt, die drei Wege harmonisch zu vereinigen und gleichzeitig in allen äußeren Erscheinungsformen des Menschen zu wirken Wir sagen ‚streben’, denn genau das ist der Punkt. Normalerweise wird wohl jede Lehre anfangs als Vierter Weg erscheinen, doch im Laufe der Weiterentwicklung zeigt sich dann, dass sich der Schwerpunkt doch vorrangig auf einen bestimmten Aspekt verlagert. Sie wird zwangs- läufig entweder einen gefühlsbetonten religiösen Charakter oder eine akademisch intellektuelle Färbung annehmen. Dies scheint sowohl bei Gurdjieff als auch bei Ouspensky der Fall gewesen zu sein: Beide begannen an einem ganz ähnlichen Punkt, doch entwickelten sie im Laufe der Zeit bestimmte Fokussierungen, die jeweils ihrem natürlichen Wesen entsprachen. Für Gurdjieff war das räumliche Agilität und für Ouspensky die intellektuelle Auseinandersetzung. Ein grundlegender Aspekt des Vierten Wegs, der bei den meisten modernen spirituellen Übungen fehlt, besteht darin, dass die geistige Entwicklung des Menschen an eine Größenordnung gebunden werden muss, die eben größer als der Mensch ist. Er entwickelt sich nicht bloß zu seinem eigenen Nutzen. Im Grunde genommen ist der Mensch für spirituelle Entwicklung gänzlich ungeeignet. Er ist vielmehr dafür geschaffen, körperliche Funktionen zu erfüllen, wofuer er in seinem unterentwickelten Zustand auch durchaus imstande ist. Evolution ist die seltene Ausnahme, ein Schwimmen gegen den Strom, ein Entkommen aus der sonst gültigen Gesetzmäßigkeit. Der Grund dafür, dass spirituelle Entwicklung überhaupt möglich ist, besteht darin, dass sie auch dem höheren Kosmos einen Nutzen bringt. Parallel zu der abwärts gerichteten Bewegung universellen Wachstums – der physikalisch endlosen Ausdehnung des Universums – existiert eine aufwärts, auf die Bewusstheit gerichtete Bewegung, für die eine kleine Zahl bewusster Individuen unverzichtbar ist. Das sind die breiten und schmalen Wege, die in den Evangelien erwähnt werden. Gurdjieff verglich die bewussten Individuen mit Eicheln auf einem Feld. Aus wie vielen der Abermillionen Eicheln, die die Natur hervorbringt, werden wirklich Bäume? Deswegen ist der Vierte Weg exklusiv. Er ist für alle da, aber er schmeichelt niemandem. Es ist auch kein Weg, der halbherzig gegangen werden kann. Er ist eine letzte Zuflucht, ein Ausweg für diejenigen, die von allem anderen enttäuscht sind, die gesucht, aber nicht gefunden haben. Er ist ein Weg für desillusionierte Menschen, die zuviel wissen – die wissen, dass sie nichts zu verlieren haben.
  13. 13. METHODEN DER ARBEIT BEOBACHTUNG - SELBST-BEOBACHTUNG Die Praxis der Selbst-Beobachtung und der Selbst-Erinnerung sind die zwei Hauptpfeiler der Gurdjieff-Arbeit. Selbst-Beobachtung ist das fundamentale Medium des Selbststudiums. Die Selbst-Beobachtung, wenn sie korrekt ausgeführt wird, beginnt unsere innere und äußere Situation zu enthüllen - unsere zwei gegensätzlichen Naturen, unseren Mangel an Aufmerksamkeit, unsere Mechanität, die Disharmonie unsere Funktionen und Fähigkeiten und warum alles in unserem Leben einfach nur „geschieht“. Die Selbst-Beobachtung bekommt einen größeren Wert, wenn wir einiges an theoretischem Wissen über die menschliche Maschine erwerben, ihre Funktionen, ihre wesentlichen Organe und deren Verbindungen. Beispielsweise spricht Gurdjieff davon, dass wir drei Zentren oder Funktions-Schwerpunkte haben: Denken, Fühlen und instinktiv-motorische Funktionen. Über die Selbst-Beobachtung können wir diese Idee verifizieren und feststellen, welche Assoziation oder welcher Impuls aus welchem Zentrum kommt oder welches Zentrum davon beeinflusst wird. Wenn ich mich und meine Funktionen beobachte, ist es unabdingbar eine objektive Haltung einzunehmen. Diese wird möglich durch eine korrekte Wertschätzung für das Ziel des Erwachens. Ganz klar gesagt, ich muss wissen, was hilft mir zu erwachen und was bringt mich in den Schlaf? Wie Gurdjieff sagte: Wenn ein Mensch sich in Gefangenschaft befindet hat er nur ein Ziel – Freiheit. Wenn er also in seiner Zelle sitzt, wie nimmt er jedes Ding, jeden neuen Eindruck auf? Nach welchem Kriterium? Wenn Sie fähig sind hier innezuhalten und für einen Moment nachzudenken SELBST-ERINNERUNG Gurdjieff zufolge ist die echte Selbst-Erinnerung oder das Gewahrsein des eigenen Daseins und der mechanischen Existenz, der prinzipielle Prozess, der die gesamte Praxis der Arbeit durchdringt und mit einer erweckenden Kraft ausgestattet ist. Selbst-Erinnerung ist das Selbe wie sich seiner Selbst bewusst werden – „Ich bin“: Gurdjieff deutete an, dass dies weder psychische Funktionen, Gedanken, noch Gefühle voraussetzt; es ist ein spezieller Zustand einer teilweisen, aber fortwährenden Transformation des Bewusstseins. Ein charakteristischer Zug der Selbst-Erinnerung ist die geteilte Aufmerksamkeit, die gleichzeitig auf das Objekt und uns selbst gerichtet ist. Es bleibt die wichtige Frage wie man sich seiner selbst erinnert, wie gelangt man in diesen Zustand größerer Bewusstheit? Der erste Schritt dahin ist das Erfassen der Tatsache, dass wir im Wesentlichen unbewusst sind, dass wir schlafen; und wir müssen diese Tatsache vollständig akzeptieren. Wenn die Akzeptanz dieser Tatsache, dass wir uns nicht unserer selbst erinnern können, in uns ständig vorhanden ist, dann erhalten wir vielleicht die Chance uns unserer selbst zu erinnern. Wir beginnen die Annäherung an die Selbst-Erinnerung mit Hilfe des Verstandes. In der Realität jedoch ist dieses Phänomen keine intellektuelle Anstrengung auf den unteren Ebenen. Es erscheint durch Aufmerksamkeit, die auf Gedanken, Gefühle, Empfindungen gerichtet ist, durch die Kombination von Willen und ständiger Anstrengung, die im zunehmenden Maße Momente von Selbst-Gewahrsein erzeugen und intensiver werden. P.D. Ouspensky schrieb:“Um die Selbst-Erinnerung vollständiger zu erleben, ist ein hohes Maß an emotionaler Energie notwendig“. Das Resultat der Selbst-Erinnerung ist das Gewahrsein des eigenen, erwachten Bewusstseins und mit der Zeit, des eigenen permanenten „Ich“.
  14. 14. HEILIGE GLEICHUNG Die Heilige Gleichung ist eine Praxis der Anrufung, die von Gurdjieff das Gebet der Heiligen Bejahung genannt wurde. Heiliges Bejahen, Heiliges Verneinen, Heiliges Versöhnen, Verkörpert Euch in mir Für mein Sein! Gurdjieff glaubte, dass dies eines der universalen Gebete ist, in Verbindung mit dem Gesetz der Drei, die der Menschheit gegeben wurden. Verneinung existiert in jeder Situation im Leben. Die Bedeutung der Bejahung führt zu der Notwendigkeit eine bewusste, spirituelle Anstrengung zu machen. Dies steht im Zusammenhang mit dem Akzeptieren und Überwinden der eigenen Trägheit oder Schlafes. Die Heilige Versöhnung darf nicht nur als etwas Abstraktes begriffen werden, sondern muss ihren Ausdruck als eine Kraft finden, die bis in unser Innerstes dringt. Nach Gurdjieff kann die Verwirklichung des Gesetzes der Drei in einem menschlichen Wesen wie folgt formuliert werden: „Das Höhere verschmilzt mit dem Niederen, um das Mittlere hervorzubringen; welches dann zum Niedrigen für das nächst Höhere oder zum Höheren für das nächst Niedrigere wird.“ ABSICHTLICHES LEIDEN Gurdjieff glaubte, dass die Spannung, die unweigerlich zwischen unseren bewussten und den unbewussten Teilen entsteht, gebraucht werden kann und auch gebraucht werden sollte. Der Mensch, der nach Erweckung strebt, muss versuchen jedes mögliche Mittel für diese Arbeit zu gebrauchen, einschließlich des ganzen Spektrums des Leidens. Der schlafende Mensch leidet blind und ohne Hoffnung, dass heißt unbewusst. Ein richtiges Verstehen und Anwenden dieser Methode kann zu einer Transformation von Energien und einer zu Veränderung des Wesens führen. In einem seiner Gespräche sagte Gurdjieff: “Man braucht Feuer. Ohne Feuer wird es nichts geben. Dieses Feuer ist Leiden, absichtliches Leiden, ohne das es unmöglich ist etwas zu schaffen. Man muss sich vorbereiten, muss wissen was einen Leiden lässt und wenn es soweit ist, muss man es gebrauchen.“ BEWUSSTES BEMÜHEN Bewusste Arbeit – bezeugte anhaltende Anstrengung – intelligent angegangen, eingeschätzt und verbessert auf einer fortführenden Basis – Anstrengungen, die etwas bewirken, werden die Faulheit besiegen und die innere und äußere Welt verbinden. Diese Anstrengungen müssen zu einem gründlichen und genauen Selbst-Studium beitragen. Wenn wir den Wechsel unserer Ich’s und unserer inneren Zuständen beobachten, beginnen wir die Wirkung kosmischer Gesetze zu sehen, wie sie durch bewusste und mechanische Kräfte in uns interagieren. Bewusstes Bemühen ist der erste Schritt weg vom Fluch der Selbst-Beruhigung.
  15. 15. ERKENNEN DES INDIVIDUELLEN ZIELES Jedes menschliches Wesen, das zur Tradition des „Vierten Weges“ gehört, muss entweder ein persönliches Ziel haben oder sich eines schaffen. Echter Fortschritt ist ohne Zweck und zugrundeliegendes Ziel nicht fassbar. Wenn wir nach geborgten Zielen streben riskieren wir Selbsttäuschung. Ein generelles Ziel der Arbeit gibt Stärke, kann aber das individuelle Ziel nicht ersetzen, das damit verbunden sein muss. DIE FÜNF SEINS-VERPFLICHTUNGEN Die fünf Seins-Verpflichtungen in sich zu kultivieren und zu unterstützen, ist eine der Seins- Pflichten des Menschen, der in der Arbeit voranschreiten will. Gurdjieff schrieb die folgenden Formulierungen Ashiata Shiemash zu, einer mythischen Figur aus seinem Hauptwerk „Beelzebubs Erzählungen“. Das erste Streben — in ihrer gewöhnlichen Seins-Existenz alles für ihren planetischen Körper wirklich Notwendige zufriedenstellend zu haben.“ Das zweite Streben — immer ein unablässiges instinktives Bedürfnis nach Selbstvervollkommnung im Sinne des Seins zu haben. Das dritte Streben — das bewusste Streben, die Gesetze der Weltschöpfung und Welterhaltung immer mehr und mehr kennenzulernen. Das vierte Streben — so bald und so rasch als möglich die Schuld für ihr Entstehen und die Individualität ihrer Existenz abzuzahlen, um danach frei zu sein, soviel als möglich den Kummer UNSERES GEMEINSAMEN VATERS erleichtern zu helfen. Das fünfte Streben — ist das Streben, der schnelleren Vervollkommnung anderer Wesen, sowohl der uns ähnlichen als auch der Wesen anderer Formen beizustehen, bis zu dem Grade des heiligen Martfotai, das heißt, bis zum Grad der Selbst- Individualität. MOVEMENTS In einem Vortrag von 1923 sagte Gurdjieff: „Movements, die als Teil der Arbeit betrachtet werden, können in folgende Kategorien eingeteilt werden: I. diejenigen, in denen die besonderen Eigenheiten des Menschen berücksichtigt werden, nicht nur die heutigen, sondern auch diejenigen, die aller Wahrscheinlichkeit nach noch auftauchen werden II. wenn der Atem an den Movements beteiligt ist III. wenn das Denken an den Movements teilnimmt IV. wenn die alten, konstanten und unveränderlichen Elemente des Menschen an den Movements teilhaben Nur wenn die Movements mit den eben aufgezählten Punkten in Verbindung stehen, können sie im normalen, alltäglichen Leben nützlich sein. Gurdjieff, der ein bemerkenswertes Talent auf diesem Gebiet besaß, nutzte viele Methoden, einschließlich, mit großer Intensität, die von ihm geschaffenen Movements, die zu einer Musik ausgeführt wurden, die er und Thomas de Hartmann komponierten. Während der Ausführung der Movements, unter Gurdjieff’s Anleitung, war es möglich Fähigkeiten der Konzentration und des Gebetes zu erlangen, sowie Informationen über die spezifischen Charakteristiken der eigenen „menschlichen Maschine“.
  16. 16. ÜBUNGEN ZU DEN 5 ANZUSTREBENDEN ZIELEN Übungen, die die fünf Obligolnischen Bemühungen betreffen, lassen sich schwer festlegen, da sie sich auf unser persönliches Lebensbild und die Arbeit beziehen. Die Aufgaben, die zur Erfüllung dieser Veantwortung vollbracht werden müssen, können ganz verschieden sein und richten sich nach unseren wesentlichen Charaktermerkmalen und Fähigkeiten, unseren natürlichen Gaben und Interessen. Oftmals setzen sie nicht nur ein gehöriges Maß an Selbstkenntnis voraus, sondern auch Geschick und Kenntnis in den betreffenden Gebieten. Traditionsgemäß werden diese Aufgaben oft von einem Lehrer gestellt, der Einblick in Teile unseres Wesens besitzt, die wir noch nicht entwickeln haben, die aber für ein harmonisches Wachstum vonnöten sind. Natürlich wissen wir in vielen Fällen schon sehr genau, was für uns nötig wäre, sind aber zu stark mit den durch Gewohnheit verfestigten Verhaltensweisen unserer Persönlichkeit identifiziert, um die notwendigen Schritte zu unternehmen, und daher brauchen wir ein wenig Ermutigung. Wenn man keinen Kontakt zu einem Lehrer hat, liegt es an jedem Einzelnen selbst, sich seiner Fehler und Mißstände auf diesen Gebieten bewußt zu werden und entsprechend zu handeln. Erstes Ziel: „In seinem normalen Lebenszustand alles zu haben, das dem Wohlergehen des planetarischen Körpers dient und das er wirklich benötigt.“ Die erste Bemühung läßt sich von den meisten von uns leicht bewerkstelligen, sonst hätten wir nicht die Zeit, Mittel oder Inklination, die Arbeit überhaupt erst aufzunehmen. Jeder, der auf diesem Gebiet versagt, disqualifiziert sich dadurch automatisch von der Mitgliedschaft in einer Gruppe. Zweites Ziel: „Ein fortwährendes und unermüdliches instinktives Bedürfnis nach Selbstverbesserung des Wesenskerns zu haben.“ Das zweite Ziel handelt von der Ernsthaftigkeit und Energie, die man für die Arbeit mitbringt. Viele Leute interessieren sich nur oberflächlich für die Arbeit, sei es aus Gründen der Selbstliebe oder intellektueller Neugier. Auf diesem Gebiet ist aber absolute Hingabe und Ehrlichkeit abgebracht. Hindernisse sollen bewältigt und nicht aus persönlicher Bequemlichkeit und Faulheit umgangen werden. Drittes Ziel: „Man muß bewußt immerzu danach streben, mehr und mehr über die Gesetze der Welterschaffung und Welterhaltung zu lernen“. Das dritte Ziel erfordert die Entwicklung des intellektuellen Zentrums und den wahrhaftigen Wunsch, die Theorien und Prozesse unseres Universums zu verstehen und die Entwicklung des eigenen Selbst. Wenn man eine gefhühls-zentrierte oder eine körper- zentrierte Person ist, muß man sich auf intellektuellem Gebiet besonders anstrengen. Viertes Ziel: „Das Ziel, vom Anfang ihres Lebens an danach zu streben, so schnell wie möglich den Preis für ihr Entstehen und ihre Individualität zu begleichen, um danach die Freiheit zu haben, den Kummer unseres Gemeinsamen Vaters so klein wie möglich zu halten.“
  17. 17. Das vierte Ziel erfordert Mitleid und Unparteilichkeit, um das Leiden als natürliches Los des Lebens zu ertragen. Arbeite daran, dich in die Lage eines anderen zu versetzen und Verantwortung für diejenigen zu übernehmen, die unter schwierigeren Bedingungen leben. Es ist außerdem auch notwendig, eigene Fehler nach Möglichkeit wieder gutzumachen, durch die man andere hat leiden lassen; wenn das nicht möglich ist, sollte man bescheiden seine Last tragen. Fünftes Ziel: „Das Ziel, immer Beistand zu leisten, um anderen Wesen zu ermöglichen, sich schnellstmögllich zu vervollkommnen, sowohl Wesen die einem selbst ähneln als auch solchen einer anderen Gattung, bis der Grad des heiligen Martfotai, das heißt, bis der Grad der Untrennbarkeit des Selbst erreicht ist.“ Das fünfte Ziel ist möglicherweise eines der am schwersten zu erreichende, da es uns in die Lage eines Lehrers versetzt. Lehren und jemand etwas beibringen kann viele verschiedene Formen annehmen, sei es, daß man ein guter Vater oder gute Mutter ist, daß man mit andern in einer Gruppe teilt oder daß man ein Guru ist, der Hunderte von Schülern um sich schart. Höre auf dein Gewissen und suche dir deinen eigenen kleinen Platz. Wie bei jedem Weg der Tat liegt die größte Schwierigkeit darin, daß erst einmal das Ego überwunden werden muß, denn das Ego ist wie ein Stock mit zwei Enden. Das eine Ende ist der arrogante, selbstgefällige Charaker, das andere Ende ist der unterwürfige selbstzerstörerische Charakter. Beiden gemeinsam ist die Konzentration auf das Ego- Selbst. „Ich bin ja so großartig“ oder „Ich bin ja so ein Nichts“. Wahre Bescheidenheit hält diesen beiden Seiten die Balance, und nur durch diese Balance kann man wirklich selbstlos handeln. Die meisten von denen, die der Verantwortung des Lehrens aus dem Weg gehen möchten, haben dafür die egoistische „Ich bin ja so ein Nichts“-Ausrede. Unterschäze deine Fähigkeiten nicht und habe keine Angst davor, ein paar Fehler zu machen. Dadurch, daß man anderen etwas beibringt, lernt man selbst am besten. „Wenn der Lehrer bereit ist, dann kommen auch die Schüler.“ ERWÄGUNGEN * Wer ist es, der strebt ? * Bei der Erstrebung welchen Ziels spüre ich innere Widerstände ? * Warum strebe ich ? * Wonach strebe ich ? * Wen möchte ich durch mein Streben beeindrucken ? * Welche zu erstrebenden Ziele vermeide ich oder mag ich nicht ?
  18. 18. ERSTE INITIATION5 (G.I. Gurdjieff zugeschrieben, vielleicht aber auch von Jeanne de Salzmann) Ihr werdet sehen, dass man vom Leben exakt das zurückbekommt, was man hineingesteckt hat. Euer Leben ist der Spiegel von dem was ihr seid, es ist euer Spiegelbild. Ihr seid passiv, blind und anspruchsvoll. Ihr nehmt alles, ihr akzeptiert alles, ohne jemals das Gefühl zu haben, dafür zahlen zu müssen. Eure Haltung zum Leben und zur Welt ist die Haltung von jemandem, der das Recht hat, zu verlangen und zu nehmen. Jemand, der für nichts bezahlen oder sich etwas verdienen muss. Ihr glaubt, dass alles für euch so eingerichtet sei, nur weil ihr es seid. All eure Blindheit liegt da. Es fällt euch nicht auf. Es ist jedoch das, was in euch eine Welt von der anderen trennt. Ihr habt keinen Maßstab euch selbst zu beurteilen. Ihr lebt nur zwischen „Ich mag“ und „Ich mag nicht“. Das bedeutet, ihr messt nur euch selbst Bedeutung zu. Ihr erlaubt es nicht, dass irgendetwas über euch steht – theoretisch vielleicht, aber nicht in der Realität. Darum seid ihr so voller Anspruch und denkt weiterhin, dass alles billig sein sollte, damit ihr es euch leisten könnt alles zu kriegen. Ihr seht nichts was höher steht, nicht außerhalb oder innerhalb von euch. Darum, ich wiederhole, habt ihr keinen Maßstab und lebt nur, um eure Launen zu befriedigen. Ja, eure „Selbstwertschätzung“ macht euch blind. Sie ist das größte Hindernis für ein neues Leben. Man muss fähig sein dieses Hindernis zu überwinden, diese Schwelle, bevor es weitergehen kann. Es ist der Test, der die Spreu vom Weizen trennt. Wie intelligent, wie begabt oder brillant ein Mensch auch sein mag, wenn er seine Meinung über sich selbst nicht ändert, ist er für die innere Entwicklung verloren. Für die Arbeit, die auf Selbsterkenntnis beruht, einer echten Evolution. Er wird so bleiben wie er ist, sein ganzes Leben. Die erste Anforderung, die erste Bedingung, der erste Test für den, der an sich selbst arbeiten will, ist seine Selbstwertschätzung zu ändern. Es darf nicht nur eingebildet sein oder gedacht oder geglaubt, man muss die Dinge in sich sehen, die man vorher nicht gesehen hat, wirklich sehen. Niemand wir die Meinung über sich selbst ändern, solange er nicht in sich sieht. Und um zu sehen, muss man lernen zu sehen: Das ist die erste Einweihung eines Menschen zur Selbsterkenntnis. Zuallererst muss er wissen wonach er Ausschau halten muss. Wenn er es weiß, muss er sich anstrengen, seine Aufmerksamkeit fokussieren, konstant und Zäh schauen. Indem er seine Aufmerksamkeit aufrecht erhält, er nicht vergisst zu schauen, wird er eines Tages sehen. Wenn er einmal sieht, kann er auch das zweite Mal sehen. Und wenn das wiederholt wird, kann er nicht ignorieren was er sieht. Das ist der Zustand, den wir in unserer Beobachtung anstreben; daraus wird der wahre Wunsch, der Wunsch zur Entwicklung, geboren. Aus unserer Kälte wird Hitze, vibrierend; wir werden tief angerührt von unserer Wirklichkeit. Heute haben wir nur die Illusion von dem was wir sind. Wir überschätzen uns selbst. Wir respektieren uns nicht selbst. Um mich selbst zu respektieren muss ich in mir einen Teil erkennen, der höher als die anderen Teile ist und dem ich Respekt entgegenbringe, durch die Haltung, die ich dazu einnehme. Auf diesem Wege werde ich mich respektieren. Und meine Beziehungen 5 http://gurdjieffclub.com/de/articles-essay-first-initiation-by-jeanne-de-salzmann
  19. 19. mit anderen werden durch denselben Respekt regiert. Wir müssen verstehen, dass alle anderen Maßeinheiten, Talent, Gelehrsamkeit, Kultur, Genie veränderliche Maßeinheiten sind, Einheiten für Details. Die einzig wahre Maßeinheit, unveränderlich, objektiv, ist die Maßeinheit der inneren Schau. „Ich“ sehe – „Ich“ sehe mich selbst, das ist das Maß. Mit einem höheren, wirklichen Teil, habt ihr einen niedrigeren, ebenfalls realen, beurteilt. Und dieses Beurteilen, das durch sich selbst die jeweiligen Rollen jedes Teiles definiert, bringt Selbstrespekt. Aber ihr werdet sehen, es ist nicht leicht. Es gibt kein Feilschen. Man muss eine Menge bezahlen. Für die schlechten Zahler, die Faulen, die Verlierer - keine Chance. Man muss zahlen, eine Menge zahlen, sofort und im Voraus. Zahle aus eigener Kraft, mit aufrichtiger Arbeit, mit ganzem Herzen, ohne Erwartung. Je mehr man gewillt ist zu zahlen, ohne Zurückhaltung, ohne zu betrügen und ohne Falschheit, umso mehr wird man erhalten und von da an wird man seiner wahren Natur begegnen. Ihr werdet all die Tricks sehen, all die Unehrlichkeit, um zu vermeiden bezahlen zu müssen. Denn man muss mit seinen haltlosen Theorien, all den tief verwurzelten Überzeugungen, all den Vorurteilen, all den Konventionen, dem „Ich mag“ und „Ich mag nicht“ bezahlen. Man muss bezahlen ohne zu feilschen, ernsthaft, sich nicht nur etwas vormachen. Versucht zu sehen, wenn ihr Falschgeld benutzt. Versucht für einen Moment die Idee zu akzeptieren, dass ihr nicht das seid, was ihr glaubt zu sein, dass ihr euch selbst überschätzt, dass ihr euch deshalb selbst belügt. Dass ihr euch immer belügt, jeden Moment, den ganzen Tag, euer ganzes Leben. Dass die Lüge euch in einem Ausmaß regiert, dass ihr sie nicht mehr kontrollieren könnt. Ihr seid ihr Opfer. Ihr lügt überall. Eure Beziehungen zu anderen, Lügen. Die Erziehung, die ihr gebt, eure geliebten Konventionen, Lügen. Euer Lernen, Lügen. Eure Theorien, eure Kunst, Lügen. Euer soziales Leben, euer Familienleben, alles Lügen und was ihr über euch selber denkt, ebenfalls Lügen. Doch weder stoppt ihr euer Tun, noch das, was ihr sagt, den ihr glaubt an euch. Ihr müsst innerlich anhalten und beobachten. Beobachten ohne Vorurteil, gleichzeitig akzeptiert eine Zeitlang die Idee über das Lügen. Und wenn ihr in dieser Art beobachtet, für euch selbst zahlt, ohne Selbstmitleid, indem ihr all eure falschen Reichtümer für einen Moment der Wirklichkeit hingebt, werdet ihr vielleicht eines Tages plötzlich etwas sehen, dass ihr niemals zuvor gesehen habt. Ihr werdet in euch jemanden anderen sehen, nicht den aus eurer Einbildung. Ihr werdet sehen, dass ihr zwei seid. Einer, der nicht ist, aber den Platz des anderen übernimmt und seine Rolle spielt. Und den, der ist. Doch dieser ist so schwach, so unbeständig, dass er, wenn er auftaucht, auch schon wieder verschwindet. Er kann Lügen nicht aushalten. Die kleinste Lüge tötet ihn. Er kämpft nicht, es widersteht nicht, er ist im Voraus besiegt. Lernt zu schauen bis ihr den Unterschied zwischen euren zwei Naturen beobachtet, bis ihr die Lügen gesehen habt, den Betrüger in euch. An dem Tag, wenn ihr eure zwei Naturen seht, wird in euch die Wahrheit geboren.
  20. 20. GURDJIEFFS "KAMPF GEGEN DEN SCHLAF"6 Diese verfluchten Idioten ... In der Abtei von Fontainebleau in der Nähe von Paris gründete Georg Iwanowitsch Gurdjieff Ende 1922 das "Institut zur harmonischen Entwicklung des Menschen". In dieser Abtei lebten und arbeiteten u. a. viele Schriftsteller, Wissenschaftler, Ärzte, Künstler, die alle bereitwillig ihre bisherige Arbeit und Karriere aufgegeben hatten, um Gurdjieffs Lehre zu folgen. Ein unbeteiligter Beobachter der Geschehnisse, der die Abtei mehrmals besuchte, schildert seine Eindrücke so: "Die 60 bis 70 Schüler, die hier lebten, taten tagsüber harte körperliche Arbeit, lebten in kalten, karg eingerichteten Zimmern und von verheirateten Paaren mit Kindern abgesehen, streng nach Geschlechtern getrennt. Mittags gab es Suppe mit Mehl, dafür aber reichlich. Gurdjieff fordert absoluten Gehorsam und verlangt von jedem genau das, was seinem persönlichen Zu- oder Abneigungen entgegenläuft. Es gilt, die Gewohnheiten der Schüler zu brechen, denn diese sind die stärksten mechanischen Verkettungen, denen man unterworfen ist. Etwa um neun oder zehn Uhr versammeln sich alle zu den Tänzen und den sogenannten Dauerübungen: z.B. mit ausgestreckten Armen umhergehen; was einige eine Stunde lang fertigbrachten." Zu diesen Tänzen schreibt Dr. Young, ein Bewohner der Abtei: "Der Sinn der Tänze bestand ebenfalls darin, die Trägheit körperlicher Gewohnheiten zu brechen, sich trotz Erschöpfung um geistige Konzentration zu bemühen und absolute Körperbeherrschung zu erlangen. Ein Training, für das sicherlich ein großes Maß an Willen erforderlich ist. Die Tänze bestanden z.B. aus vier verschiedenen Bewegungen, von denen jede einen eigenen Rhythmus hatte oder gegensätzlich war, wie beispielsweise Kreisbewegungen mit der einen und Klopfbewegungen mit der anderen Hand, während dessen man ein immer komplizierter werdendes Kopfrechnen durchzuführen hatte." Weshalb entscheidet sich jemand für ein derartiges Leben? Der verwöhnte westliche Mensch, der nun theoretisch die Freiheit und das Geld hätte, über sich selbst zu bestimmen und sich gemäß seinen Anlagen zu entwickeln, sucht nach Lehrern, die ihn an seine Grenzen heranführen, ihn in Frage stellen, ihn womöglich demütigen und von ihm genau das Gegenteil verlangen, als wonach er gerade das Bedürfnis hätte. Fast sieht es wie eine weitere Perversion seines Konsumverhaltens aus. Der moderne Mensch steht vor einem Überangebot an Waren und Möglichkeiten, sein Leben zu gestalten. In vielen Fällen scheint ihn das zu verwirren, wo kann er einen Sinn, ein Ziel erkennen? Nun sucht er danach, seine äußeren Umstände wieder so schwer wie möglich zu gestalten, entscheidet sich - freiwillig? - für Entbehrung, Demütigung, Gehorsamkeit, Schmerzen, Ekel, einerseits, um in seiner Übersättigung überhaupt mal wieder etwas zu fühlen. Andererseits vielleicht in der Hoffnung, durch bewußtes Wahrnehmen und Transformieren der dabei auftretenden Gefühle innerlich frei und stark zu werden. Wie könnte ein Mensch aussehen, der so frei und stark geworden ist? Wie wird er sich verhalten? Wie nehmen wir ihn wahr? Zieht er sich zurück wie ein Mönch, ein buddhistischer Meister, der abgeklärt und abgekehrt von irdischer Mühsal, nicht spricht, nicht sprechen muß, sondern seine Weisheit in seinem ruhigen und unerbittlichen Lächeln ausstrahlt? Gurdjieff, der, wie wir wohl annehmen dürfen, diese innere Freiheit besaß und, wie Ouspensky es ausdrückte, "zu den Quellen der Erkenntnis" vorgedrungen war, verhielt sich sehr anders. Man hat die Assoziation eines genialen Jongleurs, der anstatt mit 6 http://www.philognosie.net/index.php/article/articleview/186/
  21. 21. Bällen, mit seinen Schülern spielt, sie erhebt und wieder in Verwirrung stürzt, von ihnen mit der unerschütterlichen Sicherheit eines von sich selbst überzeugten Menschen, Dinge verlangt, die sie nicht verstehen und sie an den Rand ihrer Kräfte bringen und deren Sinn sie erst durch die praktische Arbeit ergründen können - wenn sie können. Er konfrontiert sie mit Widersprüchlichkeiten, Arroganz und Sarkasmus. Hierzu einige Beispiele aus Louis Pauwels Buch Gurdjieff der Magier: "Man stellte sie (die Schüler) mit ihren schändlichen Neigungen bloß und rechnete ihnen die erheblichen Ausgaben vor, zu denen ihr Gastgeber durch ihren Appetit und Durst veranlaßt wurde. "Wieviel glaubt ihr, wird das kosten?" sagt Gurdjieff und hält ein höchst mageres Radieschen hoch, "ein Sonderradieschen, extra für mich aus dem Kaukasus geschickt." Es kam gerade-wegs vom Markt in Neuilly." Dr. Young, ein bekannter englischer Psychiater und Schüler von C. G. Jung, gab seine Praxis auf, um als Schüler von Gurdjieff in der Abtei von Fontainebleau zu leben. Er berichtet: "Gurdjieff beschloß, einen Wagen zu kaufen. (...) Man nahm an, Gurdjieff habe nie fahren gelernt, was wahrscheinlich stimmte. Viele - und darunter die intelligenten Engländerinnen - glaubten, Gurdjieff brauche es nicht auf eine normale Art zu lernen. Er würde sozusagen durch Eingebung fahren lernen. Man vertrat den Aberglauben, Gurdjieff sei mit außergewöhnlichen und mysteriösen Kräften begabt. Wenn man das Kreischen des mißhandelten Getriebes hörte, erklärten die Getreuen beharrlich, daß der Meister damit die Zuneigung und Treue solcher Skeptiker, wie ich es sei, zu erproben gedenke." Gurdjieff schrieb über sich selbst: "Die große Natur hatte meine ganze Familie und vor allem mich freigiebig mit einem Ausmaß von Fassungskraft ausgestattet, wie es selten von einem Menschen erreicht wird." Der Wissenschaftler, Schriftsteller und Gurdjieff-Schüler Pierre Schaeffer erklärt die Intentionen seines Lehrers wie folgt: "Ihr werdet weder getröstet, noch beruhigt, noch aufgeklärt. Ihr werdet nur einen Mann vorfinden, der Euch fühlen läßt, inwieweit man ein Mensch, und zwar ein einsamer Mensch, sein kann." Wer soweit gekommen ist, hat das erste große Ziel von Gurdjieffs Arbeit erreicht. Er hat aufgehört, eine Maschine zu sein, die sich nicht kennen und für ihre Handlungen nicht verantwortlich sein kann. Bevor ein Mensch also von sich sagen kann, er handle, muß er noch einmal ganz von vorne beginnen, wieder Kind werden, und durch für ihn völlig neue Herausforderungen und Überforderungen, seine wahren Grenzen und seine Möglichkeiten kennenlernen. Denn der Mensch hat zwar die Illusion seiner Ganzheit und Einheit, ist aber in Wahrheit nur eine sich mit äußeren Einflüssen, Ereignissen und ihren eigenen gewohnheitsmäßigen Emotionen identifizierende Marionette. Doch wo ist nun der Ausweg aus dieser Misere? Das zentrale Gebot in Gurdjieffs Lehre ist, damit aufzuhören, sich zu identifizieren. Dies soll mit ständigen Bewußtheitsübungen erreicht werden. Gurdjieff ging davon aus, daß alle Gefühle des noch nicht entwickelten Menschen falsch, und seine Handlungen mechanisch sind. Der sein göttliches Selbst Suchende sollte ständig den Satz "Das bin nicht ich" im Bewußtsein haben. Die innere Arbeit, die Gurdjieff von denen verlangt, die erwachen wollen und damit nach seiner Philosophie erst zu Menschen werden, birgt Gefahren in sich. In manchen Zeugnissen der Gurdjieff-Schüler, die in Pauwels Buch zu Wort kommen, wird eine gewisse Sehnsucht nach der "Lebensweise" einer funktionierenden Maschine deutlich: "Es ist besser zu leben und wenig zu existieren, als überhaupt nicht zu existieren, weil man zu neugierig war und das Schwindelgefühl einem das scheinbare Sein ausgehöhlt hat" (P. Schaeffer).
  22. 22. Und: "Es galt für mich, der Versuchung, das absolute, vollkommene und feste "Ich" zu besitzen, abzuschwören - wenigstens für eine gewisse Zeit - wenn anders ich Freiheit und Gesundheit wiedergewinnen wollte. (...) ich war wie die meisten Mitglieder der Gruppen Gefangener meines eigenen Ehrgeizes (...)" (L. Pauwels). Gurdjieffs Regeln: 1. Geh immer den Ereignissen nach, die der Rest der Menschheit als mysteriös abtut. 2. Tu niemals etwas, weil andere es auch tun. 3. Denke niemals das, was andere denken. 4. Vertraue nur der eigenen Sicht der Welt, niemals der Sicht, wie sie andere haben. Und traue auch deiner eigenen Sicht nur einen Moment lang. OUSPENSKY: DER KAMPF GEGEN DEN SCHLAF7 Um den Unterschied zwischen den einzelnen Bewusstseinszuständen zu verstehen, müssen wir zunächst auf den ersten, den Schlafzustand, eingehen. Er ist ein völlig subjektiver. Der Mensch ist hier in seine Träume versunken – gleichgültig, ob er eine Erinnerung an sie bewahrt oder nicht. Selbst wenn irgendwelche realen Eindrücke auf den Schläfer einwirken, wie gewisse Geräusche, Stimmen, Hitze, Kälte oder Gefühle seines eigenen Körpers, so können diese doch nur phantastische Bilder in ihm hervorrufen. Dann erwacht der Mensch. Auf den ersten Blick erscheint es als befände er sich in einem ganz anderen Bewusstseinszustand. Er kann sich bewegen, mit anderen Personen sprechen, Pläne machen, Gefahren sehen, sie vermeiden und so weiter. Normalerweise sollte man annehmen, dass seine Lage nun wesentlich günstiger ist als im Schlaf. Aber wenn wir den Dingen ein wenig mehr auf den Grund gehen, wenn wir einen Blick auf die innere Welt des Menschen werfen, auf die Ursachen seiner Handlungen, entdecken wir, dass er sich jetzt fast im gleichen Zustand befindet wie vorher. Ja, er ist sogar in einer noch schlechteren Lage, denn während des Schlafes ist er passiv, das heißt, er kann nichts unternehmen. Im Wachzustand hingegen kann er handeln, und die Folgen seiner Handlungen werden auf ihn und seine Umgebung zurückwirken. Dabei ist er sich seiner selbst gar nicht wahrhaft bewusst. Er ist eine Maschine, alles stößt ihm zu. Er kann die Flut seiner Gedanken nicht hemmen, er kann weder seiner Phantasie, noch seinen Gefühlen, noch seiner Aufmerksamkeit gebieten. Er lebt in einer subjektiven Welt des <<ich liebe>>, <<ich liebe nicht>>, <<das gefällt mir>>, <<das gefällt mir n icht>>, <<ich habe Lust>>, <<ich habe keine Lust>>, - in einer Welt also, die aus dem besteht, was er zu lieben oder nicht zu lieben, zu wünschen oder nicht zu wünschen glaubt. Er sieht nicht die wirkliche Welt. Die reale Welt ist für ihn hinter der Mauer seiner Phantasie verborgen. Er lebt in einem Traum. Das, was er <<klares Bewusstsein>> nennt, ist nur Schlaf – und zwar ein viel gefährlicherer Schlaf, als der, den er nachts in seinem Bett erlebt. Betrachten wir irgendein Ereignis in der Geschichte der Menschheit. Den Krieg zum Beispiel. Auch in diesem Augenblick ist Krieg. Was soll das heißen? Es bedeutet, dass mehrere Millionen Schlafender bemüht sind, mehrere Millionen anderer Schlafender zu vernichten. Wenn sie sich weigerten das zu tun, 7 Der im Jahre 1917 gehaltene Vortrag von Gurdjieffs wurde dem Buch „Auf der Suche nach dem Wunderbaren“ von P. D. Ouspensky entnommen
  23. 23. das zu tun, würden sie natürlich aufwachen. Alles was zur Zeit vor sich geht, ist auf Rechnung dieses Schlafes zu setzen. Diese beiden Bewusstseinszustände also, der Schlafzustand und der Wachzustand, sind gleichermaßen subjektiv. Erst wenn der Mensch beginnt, sich seiner selbst bewusst zu werden, kann er wahrhaft erwachen. Dann gewinnt das ganze Leben rings um ihn ein anderes Aussehen und einen neuen Sinn. Er erblickt darin ein Leben von schlafenden Menschen, ein Traumleben. Alles was die Leute sagen, was sie tun, geschieht im Schlaf. Nichts davon kann also auch nur den geringsten Wert haben. Allein das Erwachen und das, was zum Erwachen führt, hat wirklichen Wert. Wie oft habt ihr mich schon gefragt, ob es nicht möglich wäre, den Krieg zu vermeiden. Natürlich wäre es möglich. Die Menschen brauchten nur zu erwachen. Das klingt sehr einfach. Und doch gibt es nichts das schwieriger wäre, weil der Schlaf durch das gesamte Leben um uns und durch alle Bedingungen unserer Umwelt verursacht und erhalten wird. Wie kann man sich diesem Schlaf entziehen? Das ist die wichtigste und wesentlichste Frage, die ein Mensch stellen kann. Doch bevor er sie stellt, muss er sich von der Tatsache überzeugen, dass er schläft. Und das wird ihm nur möglich sein, wenn er aufzuwachen versucht. Wenn er erst einmal begriffen hat, dass er sich seiner selbst nicht bewusst ist und dass ein Bewusstwerden bis zu einem gewissen Grad ein Erwachen bedeutet, und wenn er die Erfahrung gemacht hat, wie schwer es ist, sich seiner selbst bewusst zu werden , dann wird er auch begreifen, dass der Wunsch allein nicht genügt. Genauer gesagt , der Mensch kann nicht allein zum Erwachen gelangen. Wenn aber zwanzig Menschen vereinbaren, dass der erste von ihnen, der aufwacht, die anderen weckt, besteht schon eine gewisse Chance. Doch selbst das genügt noch nicht, denn es ist denkbar, das diese zwanzig Menschen gleichzeitig einschlafen und nur träumen, dass sie aufwachen. Man muss also nach einer anderen Lösung suchen. Die zwanzig Menschen müssen von einer anderen Person beaufsichtigt werden, der selbst nicht einschläft oder der zumindest nicht so leicht einschlummert wie die anderen oder der doch nur dann, und zwar ganz bewusst, einschläft, wenn es statthaft ist, das heißt, wenn daraus kein Schaden für ihn oder die anderen entstehen kann. Die zwanzig Menschen müssen also einen solchen Menschen finden und ihn dazu bringen, sie aufzuwecken und ihnen zu gestatten, wieder in den Schlaf zurückzusinken. Ohne diese Voraussetzung ist ein Erwachen nicht möglich. Diese Tatsache gilt es zu begreifen. Es ist möglich, tausend Jahre lang zu denken, es ist möglich, ganze Bibliotheken zu schreiben, Theorien zu Tausenden aufzustellen – und alles das im Schlaf, ohne jede Hoffnung auf Erwachen. Im Gegenteil: die von Schlafenden verfertigten Theorien und Bücher werden nur bewirken, dass immer mehr Menschen in diesen Schlaf hineingezogen werden. Diese Idee von Schlaf ist keineswegs neu. Fast seit der Erschaffung der Welt schon hat man den Menschen davon gesprochen. Wie oft lesen wir zum Beispiel in den Evangelien: „Wacht auf“, „Wache“, „Schlaft nicht“. Sogar die Jünger Jesu schliefen im Garten Gesemane, während ihr Meister zum letzten Mal betete. Diese Tatsache besagt alles. Aber verstehen die Menschen sie? Sie halten sie für eine rhetorische Floskel, für eine Metapher. Und sie begreifen nicht, dass sie buchstäblich als Wahrheit begriffen werden muss. Dabei ist gerade in diesem Fall der Grund noch leicht
  24. 24. zu erfassen. Die Jünger brauchten ja nur zu erwachen, oder sie sollten es zumindest versuchen. Man hat mich tatsächlich oft gefragt, warum die Evangelien nie vom Schlaf sprechen… Es ist auf jeder Seite davon die Rede. Die Frage beweist nur, dass die Menschen auch die Bibel im Schlaf lesen. Wie bringt man es fertig, einen schlafenden Menschen aufzuwecken? Man muss ihn anstoßen. Wenn ein Mensch jedoch tief schläft, genügt ein einfacher Stoß nicht. Dann muss man ihn immer wieder unaufhörlich rütteln. Infolgedessen ist ein Mensch nötig, der dies besorgt. Ich sagte bereits, dass ein Mensch, der erwachen will, sich einen Helfer dingen muss, der es übernimmt, ihn ständig wachzurütteln. Aber wen kann er dazu bringen, wenn doch alle Welt schläft? Er nimmt einem Menschen das Versprechen ab, ihn zu wecken, und dieser fällt seinerseits in den Schlaf. Wozu ist er ihm also nütze? Und wenn man einen Menschen findet, der tatsächlich fähig ist, sich wachzuhalten, so wird dieser vermutlich Wichtigeres zu tun haben, als die anderen zu wecken. Es besteht auch die Möglichkeit, sich mechanisch wecken zu lassen. Man kann eine Weckeruhr benutzen. Das Unglück ist nur, dass man sich allzu rasch an jede Weckeruhr gewöhnt: man hört sie schließlich gar nicht mehr. Man braucht also viele Weckeruhren mit verschiedenen Klingelzeichen. Der Mensch muss sich buchstäblich mit Weckern um geben, die ihn am Einschlafen hindern. Aber auch hier erheben sich wieder neue Schwierigkeiten. Die Weckeruhren müssen aufgezogen werden; um sie aufzuziehen, ist es unerlässlich, dass man an sie denkt; um daran zu denken, muss man immer wieder aufwachen. Und das schlimmste: der Mensch gewöhnt sich an alle Wecker, und nach einer gewissen Zeit schläft er nur umso besser. Infolgedessen müssen die Wecker ständig ausgewechselt werden, und man muss immer wieder neue erfinden. Das hilft mit der Zeit. Leider besteht aber nur wenig Hoffnung, dass der Mensch diese ganze Leist ung des Erfindens, des Aufziehens und des Austauschens all der Weckeruhren allein, ohne äußere Hilfe, vollbringen kann. Es ist sehr viel wahrschein- licher, dass er diese Arbeit zwar in Angriff nimmt, dann aber bald einschläft und im Schlaf träumt, dass er Wecker erfindet, sie aufzieht und austauscht. Ein Mensch, der erwachen will, muss sich also nach anderen Menschen umsehen, die den gleichen Wunsch haben, um dann mit ihnen zusammenzuarbeiten. Aber das ist leichter gesagt als getan, denn die Bewältigung einer solchen Aufgabe und ihre Organisation verlangen Kenntnisse, über die der gewöhnliche Mensch nicht verfügt. Die Arbeit muss organisiert werden, und einer muss die Leitung übernehmen. Wenn diese beiden Bedingungen nicht erfüllt sind, kann die Anstrengung nicht die erwarteten Erfolge zeitigen, und alle Mühe ist vergebens. Die Menschen können sich quälen, aber auch diese Qualen werden sie nicht erwachen lassen. Es sieht so aus, als sei für gewisse Menschen nichts schwieriger, als diese Zusammenhänge zu begreifen. Sie mögen aus eigener Initiative zum größten Einsatz fähig sein, aber sie werden sich um keinen Preis der Welt davon überzeugen lassen, dass ihr erstes Opfer darin bestehen muss, sich einem anderen zu unterwerfen. Und sie wollen nicht zugeben, dass all ihre anderen Opfer in diesem Fall zu nichts nütze sind. Die Arbeit muss geplant werden. Und das kann nur durch einen Menschen geschehen, der ihre Probleme, ihre Methoden und ihre Ziele kennt und der sich selbst schon einmal in ein solch organisiertes Werk eingegliedert hat.
  25. 25. Energie – Schlaf1 In einem früheren Vortrag sagte ich Ihnen, dass unser Organismus im Laufe von vierundzwanzig Stunden eine bestimmte Energiemenge erzeugt, die für seine Existenz notwendig ist. Ich wiederhole: eine bestimmte Menge. Gleichwohl ist diese Energiemenge viel grösser als das, was ein normaler Verbrauch erfordern würde. Aber unser Leben ist so anomal, dass wir den Grossteil und mitunter sogar die gesamte Menge verausgaben, und noch dazu unproduktiv. Eine der Hauptursachen für den Energieverbrauch sind all die unnötigen Bewegungen, die wir im alltäglichen Leben ausführen. Später werden Sie anhand bestimmter Experimente sehen, dass diese Energie grösstenteils genau in dem Augenblick verbraucht wird, da unsere Bewegungen weniger aktiv sind. Zum Beispiel: wieviel Energie gibt ein Mensch an einem Tag aus, den er ganz mit körperlicher Arbeit zubringt? Ziemlich viel. Trotzdem gibt er sogar noch mehr aus, wenn er ruhig dasitzt und nichts tut. Unsere grossen Muskeln verbrauchen weniger Energie, weil sie sich besser auf die Schwungkraft eingestellt haben, während die kleinen Muskeln mehr verbrauchen, weil sie sich der Schwungkraft weniger angepasst haben: sie können nur durch Kraft in Bewegung gesetzt werden. So wie ich beispielsweise jetzt hier sitze, hat es den Anschein, als bewegte ich mich nicht. Das heisst aber nicht, dass ich keine Energie ausgebe. Jede Bewegung, jede Spannung, ob gross oder klein, ist mir nur möglich, wenn ich diese Energie ausgebe. Im Augenblick ist mein Arm gespannt, doch ich rühre mich nicht. Dennoch gebe ich mehr Energie aus, als wenn ich ihn in dieser Weise bewegte (er macht eine Geste). Es ist etwas sehr Interessantes, und Sie sollten zu verstehen versuchen, was ich über die Schwungkraft sage. Wenn ich eine jähe Bewegung mache, strömt Energie herbei, doch wenn ich diese Bewegung wiederhole (er macht die gleiche Geste), erfordert die Schwungkraft keine Energie mehr. Sobald der erste Anstoss gegeben ist, hört der Energiestrom auf, und die Schwungkraft tritt an seine Stelle. Jede Spannung benötigt Energie. Bei Spannungslosigkeit ist der Energieverbrauch geringer. Wenn mein Arm gespannt ist wie jetzt, so verlangt das einen ununterbrochenen Strom, was bedeutet, dass er mit den Akkumulatoren verbunden ist. Bewege ich jetzt meinen Arm auf diese Weise, dann gebe ich, da es mit Unterbrechungen geschieht, noch immer Energie aus. Leidet ein Mensch an chronischen Spannungen, so gibt er, auch wenn er nichts macht, auch wenn er sich hingelegt hat, mehr Energie aus als ein Mensch, der einen ganzen Tag mit körperlicher Arbeit zubringt. Wer hingegen diese kleinen chronischen Spannungen nicht hat, der verschwendet, wenn er nicht arbeitet oder sich nicht bewegt, gewiss keine Energie. Fragen wir uns jetzt: gibt es viele unter uns, die von dieser schrecklichen Krankheit frei sind? - Wir sprechen nicht von den Leuten im allgemeinen, sondern von den hier Anwesenden; die anderen gehen uns nichts an. Fast alle haben wir diese reizende Gewohnheit. Vergessen wir nicht, dass jene Energie, von der wir jetzt so leichthin reden und die wir unwillkürlich und ohne Not vergeuden, die gleiche Energie ist, die wir für die beabsichtigte Arbeit benötigen; ohne sie vermögen wir nichts zuwege zu bringen. Wir können auch nicht mehr Energie erhalten. Der Energiezufluss nimmt nicht zu:die Maschine bleibt so,wie sie geschaffen wurde. Wenn sie zum Beispiel geschaffen wurde, um zehn Ampere zu erzeugen, so wird sie auch weiterhin zehn Ampere erzeugen. Der Strom liesse sich nur vermehren, wenn man alle Drähte und Spulen veränderte. Eine Spule stellt 1 Ouspensky, P.D. - Auf der Suche nach dem Wunderbaren
  26. 26. beispielsweise die Nase dar, eine andere ein Bein, eine dritte die Hautfarbe oder die Grosse des Magens. Die Maschine lässt sich also nicht verändern - ihr Aufbau bleibt so, wie er ist. Die Menge der erzeugten Energie ist konstant; selbst wenn die Maschine überholt wird, erhöht sich diese Menge nur geringfügig. Das, was wir beabsichtigen, erfordert grosse Anstrengungen. Und Anstrengung verlangt viel Energie. Aber die Art von Anstrengungen, die wir bisher gemacht haben, bringt eine solche Energievergeudung mit sich, dass wir niemals werden ausfahren können, was wir uns vorgenommen haben. So brauchen wir also einerseits sehr viel Energie, und andererseits ist unsere Maschine dergestalt gebaut, dass sie nicht mehr erzeugen kann. Wie kommen wir aus dieser misslichen Lage heraus? Der einzige Ausweg, das einzige mögliche Verfahren heisst: sparsam mit der vorhandenen Energie umgehen. Wollen wir daher in dem Augenblick über Energie verfügen, da wir ihrer bedürfen, so müssen wir lernen, mit ihr, wo immer wir können, hauszuhalten. Es steht fest, dass einer der Hauptenergieverluste auf unserem Zustand unwillkürlicher Gespanntheit beruht. Es gibt in uns viele andere Lecks, aber sie sind alle schwieriger zu reparieren. Deshalb beginnen wir mit dem Leichtesten, das heisst mit der Beseitigung dieses Lecks. Anschliessend werden wir lernen, wie man mit den anderen fertig wird. Der Schlaf des Menschen ist nichts anderes als die Unterbrechung der Verbindungen zwischen den Zentren. Die Zentren des Menschen schlafen nie. Da die Assoziationen ihr Leben, ihre Bewegung ausmachen, halten sie niemals an, hören sie niemals auf. Ein Stillstand der Assoziationen bedeutet den Tod. Die Bewegung der Assoziationen setzt in keinem Zentrum auch nur für einen Augenblick aus. Sie laufen sogar im tiefsten Schlaf weiter. Wenn ein Mensch im Wachzustand sieht, hört, sein Denken wahrnimmt, so sieht, hört, nimmt er sein Denken auch im Halbschlaf wahr, und diesen Zustand nennt er Schlaf. Selbst in jenem Zustand, in welchem er seiner Meinung nach ganz und gar aulhört zu sehen oder zu hören - und den er auch Schlaf nennt -, gehen die Assoziationen weiter. Der einzige Unterschied liegt in der Stärke der Verbindungen zwischen dem einen Zentrum und einem anderen. Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Beobachtung sind nichts anderes als die Beobachtung eines Zentrums durch ein anderes oder das Abhören eines Zentrums durch ein anderes. Folglich brauchen die Zentren selber nicht anzuhalten und zu schlafen. Schlaf bringt ihnen weder Vorteile noch Nachteile. Der sogenannte Schlaf ist nicht dazu da, den Zentren eine Ruhepause zu gewähren. Wie schon gesagt, tritt der Tiefschlaf ein, wenn die Verbindungen zwischen den Zentren unterbrochen sind. Und tatsächlich herrscht der vollständige Ruhezustand der Maschine, der Tiefschlaf, dann, wenn alle Verbindungen, alle Bindeglieder zu funktionieren aulhören. Wir haben mehrere Zentren, und wir haben ebenso viele Verbindungen, sagen wir fünf Verbindungen. (In Wirklichkeit stimmt das nicht ganz: einige Menschen haben zwei Verbindungen, andere haben sieben. Fünf haben wir als einen Mittelwert genommen). Der Wachzustand ist dadurch gekennzeichnet, dass alle diese Verbindungen intakt bleiben. Wenn jedoch eine davon unterbrochen ist oder nicht länger funktioniert, so sind wir weder eingeschlafen noch hellwach. Ein Bindeglied ist abgetrennt - wir sind nicht mehr hellwach, aber auch nicht eingeschlafen. Sind zwei Bindeglieder unterbrochen, so sind wir noch weniger wach - allein wir sind noch immer nicht eingeschlummert. Wenn ein drittes unterbrochen wird, so sind wir nicht eigentlich mehr wach und dennoch nicht wirklich in Schlaf gefallen; und so weiter.
  27. 27. Demnach haben wir nicht, wie wir annehmen, zwei Zustände: Schlaf- und Wachzustand, sondern mehrere. Zwischen dem aktivsten und intensivsten Zustand, den jeder haben kann, und dem passivsten Zustand gibt es bestimmte Abstufungen. Wenn nur eine Verbindung ausfällt, so ist das äusserlich nicht ersichtlich und bleibt für andere unbemerkbar. Es gibt Menschen, deren Fähigkeit sich zu bewegen, zu gehen, zu leben nur dann aussetzt, wenn alle Verbindungen abgebrochen sind, und es gibt andere Leute, bei denen die Unterbrechung zweier Verbindungen genügt, damit sie in Schlaf fallen. Betrachten wir den Bereich zwischen Schlaf und Wachen als einen mit sieben Verbindungen, so gibt es Leute, die im dritten Grad des Schlafes weiterhin leben, reden und gehen. Der Zustand des Tiefschlafs ist für alle der gleiche, doch die dazwischenliegenden Abstufungen sind häufig subjektiv. Es gibt sogar «Sonderlinge», die sich höchst aktiv zeigen, wenn bei ihnen eine oder mehrere Verbindungen unterbrochen sind. Wenn ein solcher Zustand einem Menschen infolge seiner Erziehung zur Gewohnheit wurde und er in diesem alles erwarb, was er besitzt, dann ist seine Tatkraft darauf aufgebaut, und er kann folglich nur bei Eintritt dieses Zustands aktiv sein. Für Sie persönlich ist der aktive Zustand relativ - in einem bestimmten Zustand können Sie aktiv sein. Allerdings gibt es einen objektiven aktiven Zustand, wenn alle Verbindungen intakt sind; und es gibt in einem entsprechenden Zustand subjektive Aktivität. So bestehen zwischen Schlaf und Wachen vielerlei Abstufungen. Der aktive Zustand ist ein Zustand, in welchem das Denkvermögen und die Sinne bei voller Leistungsfähigkeit und mit Hochdruck arbeiten. Wie es einen objektiven Wachzustand, das heisst einen echten Wachzustand gibt, so gibt es auch einen objektiven Schlafzustand. «Objektiv» heisst wirklich aktiv oder passiv. Auf alle Fälle muss jeder verstehen, dass der Zweck des Schlafes nur dann erreicht wird, wenn alle Verbindungen zwi- schen den Zentren unterbrochen sind. Nur dann kann die Maschine erzeugen, was sie während des Schlafes erzeugen soll. Der Tiefschlaf ist ein Zustand, in welchem wir keine Träume oder Empfindungen haben. Hat man jedoch Träume, so bedeu- tet dies: eine Verbindung ist nicht unterbrochen, da ja Gedächtnis, Beobachtung, Empfindung nichts anderes sind als die Beobachtung eines Zentrums durch ein anderes. Wenn Sie also sehen, was in Ihnen vorgeht, oder wenn Sie sich daran erinnern, heisst dies, dass ein Zentrum ein anderes beobachtet. Und wenn es zu beobachten vermag, dann deshalb, weil etwas vorhanden ist, wodurch es dies kann. Und wenn etwas vorhanden ist, wodurch ein Beobachten möglich wird, dann ist die Verbindung nicht abgebrochen. Hieraus folgt: befindet sich die Maschine in gutem Zustand, so braucht sie nur sehr kurze Zeit, um jene Stoffmenge herzustellen, die der Zweck des Schlafes ist; auf jeden Fall viel weniger Zeit, als wir gewöhnlich im Schlaf verbringen. Was wir «Schlaf» nennen, wenn wir zwischen sieben und zehn Stunden oder Gott weiss wie lange schlafen, ist kein Schlaf. Diese Zeit bringt man grösstenteils nicht im Schlaf zu, sondern in jenen Übergangsstadien, jenen unnötigen Halbtraumzuständen. Einige Leute brauchen mehrere Stunden, um einzuschlafen, und mehrere Stunden, um danach wieder zu sich zu kommen. Könnten wir auf einmal einschlafen und ebenso schnell vom Schlaf zum Wachzustand übergehen, so würden wir auf diese Ubergangsstadien nur ein Drittel oder ein Viertel der Zeit verwenden, die wir gegenwärtig dabei verlieren. Aber wir wissen nicht, wie man diese
  28. 28. Verbindungen willentlich unterbricht. Sie werden bei uns mechanisch unterbrochen und wiederhergestellt. Wir sind Sklaven dieses Mechanismus. Wenn «es» ihm gefällt, dann können wir in einen anderen Zustand übergehen. Andernfalls gilt es, sich hinzulegen und zu warten, bis «es» uns die Erlaubnis zu ruhen erteilt. Diese Mechanität und lästige Abhängigkeit hat verschiedene Ursachen. Eine dieser Ursachen ist der chronische Spannungszustand, von dem wir zu Beginn sprachen und der einer der vielen Gründe ist für den Verlust unserer Energiereserven. Sie verstehen somit, dass die Befreiung von dieser chronischen Spannung einem doppelten Ziel dienen würde. Einmal würden wir viel Energie sparen, und zum anderen wäre das sinnlose Herumliegen und Warten auf den Schlaf überflüssig. Sie sehen, wie einfach das ist, wie leicht zu erreichen und wie notwendig. Sich von dieser Gespanntheit zu befreien, ist für uns von unschätzbarem Wert. Später werde ich Ihnen hierzu einige Übungen geben. Ich empfehle Ihnen, diese mit grossem Ernst zu beachten, und bemühen Sie sich mit allen Ihren Kräften, aus jeder Übung das zu gewinnen, was diese geben soll. Man muss - koste es, was es wolle - lernen, nicht gespannt zu sein, wenn Spannung nicht notwendig ist. Wenn Sie sitzen und nichts tun, lassen Sie den Körper schlafen! Wenn Sie schlafen, schlafen Sie so, dass Sie insgesamt schlafen. Frage: Gibt es eine Möglichkeit, das Leben zu verlängern? Antwort: In gewissen Schulen findet man verschiedene Theorien über die Verlängerung des Lebens, und zahlreiche Systeme befassen sich mit diesem Thema. Auch gibt es immer noch leichtgläubige Leute, die an die Existenz eines Lebenselixiers glauben. Ich werde Ihnen schematisch darlegen, wie ich die Frage verstehe. Hier ist eine Uhr. Sie wissen, dass es verschiedene Uhrenarten gibt. Die meine hat eine Triebfeder, die 24 Stunden läuft. Nach 24 Stunden bleibt die Uhr stehen. Uhren anderer Bauart können eine Woche gehen, einen Monat, vielleicht sogar ein Jahr. Der Mechanismus ist stets für eine bestimmte Zeit berech- net. So wie er vom Uhrmacher konstruiert wurde, so bleibt er. Sie haben vielleicht gesehen, dass Uhren einen Regulator haben. Wenn man ihn verstellt, dann kann die Uhr langsamer oder schneller laufen. Entfernt man ihn ganz, so kann sich die Triebfeder sehr rasch entspannen und, obwohl sie für 24 Stunden berechnet ist, in drei oder vier Minuten ablaufen. Andererseits könnte meine Uhr im Zeitlupentempo ebensogut eine Woche oder einen Monat funktionieren, obgleich ihr System für 24 Stunden berechnet ist. Wir gleichen einer Uhr. Unser Funktionssystem ist im voraus festgelegt. Jeder Mensch besitzt mehrere Arten von Triebfe- dern. Je nach der Vererbung ist das System anders. So kann zum Beispiel ein Mechanismus auf 70 Jahre zugeschnitten sein. Wenn die Haupttriebfeder abläuft, geht das Leben seinem Ende zu. Der Mechanismus eines anderen Menschen kann für eine Dauer von 100 Jahren berechnet sein; es ist, als wäre er von einem anderen Handwerker entworfen worden. Und bei einigen läuft die Haupttriebfeder womöglich nur eine Woche. So hat jeder Mensch eine andere Lebenszeit. Unser System können wir nicht modifizieren. Jeder von uns bleibt so, wie er geschaffen wurde. Die Lebensdauer lässt sich nicht verändern; wenn die Triebfeder abgelaufen ist, so bedeutet dies das Ende. Die Lebensdauer ist bereits bei der Geburt festgelegt, und wenn wir glauben, wir könnten in dieser Hinsicht etwas ändern, dann ist das blosse Einbildung. Hierzu müsste man alles umgestalten: die Vererbung, unseren Vater, unsere Grossmutter ...
  29. 29. Dafür ist es zu spät. Wenngleich sich unser Mechanismus nicht künstlich verändern lässt, ist es dennoch möglich, länger zu leben. Ich sagte, dass die Triebfeder statt 24 Stunden eine Woche lang arbeiten könnte. Oder aber umgekehrt: eine für die Funktionsdauer von 50 Jahren berechnete Triebfeder kann durch Beeinflussung in fünf oder sechs Jahren ablaufen. Jeder Mensch hat eine Haupttriebfeder; es ist unser Mechanismus. Das Ablaufen dieser Triebfeder steht mit unseren Ein- drücken und Assoziationen in Zusammenhang. Darüber hinaus haben wir zwei oder drei Spiralfedern - ebenso viele, wie es Gehirne gibt. Die Gehirne entsprechen diesen Federn. Zum Beispiel ist unser Verstand eine Feder. Unsere gedanklichen Assoziationen haben eine bestimmte Dau- er. Das Denken ist mit dem Abspulen einer Garnrolle vergleich- bar. Jede Rolle enthält eine gewisse Garnlänge. Wenn ich den- ke, spult sich das Garn ab. Meine Rolle hat 50 Meter Garn, die eines anderen hat 100 Meter. Heute verbrauche ich zwei Meter, morgen ebensoviel, und wenn die 50 Meter zu Ende gehen, geht auch mein Leben seinem Ende zu. Die Garnlänge lässt sich nicht verändern. Doch so wie die für eine Laufzeit von 24 Stunden entworfene Haupttriebfeder sich in zehn Minuten entspannen lässt, so kann auch das Leben sehr schnell verbraucht sein. Der einzige Unter- schied ist der, dass die Uhr in der Regel nur eine Feder besitzt, während der Mensch über mehrere verfügt. Jedem Zentrum entspricht eine Feder von unterschiedlicher Länge. Wenn eine der Federn abgelaufen ist, kann der Mensch weiterleben. Sein Denksystem zum Beispiel wurde für eine Dauer von 70 Jahren berechnet, sein Gefühl hingegen für eine Dauer von nur 40 Jahren. Nach 40 Jahren lebt dieser Mensch weiter, allerdings ohne Gefühl. Das Ablaufen der Feder lässt sich beschleunigen oder verlang- samen. In diesem Bereich kann man nichts entwickeln; das einzige, was wir machen können, ist hauszuhalten. Die Zeit ist proportional zum Assoziationsfluss; sie ist relativ. Um dies zu verstehen, erinnern Sie sich doch zum Beispiel an folgendes: Sie sitzen zu Hause, in der Ruhe. Sie haben den Eindruck, fünf Minuten lang so dagesessen zu haben, aber die Uhr beweist Ihnen, dass eine ganze Stunde verstrichen ist. Ein andermal warten Sie auf jemanden auf der Strasse; Sie sind verärgert, dass er nicht kommt. Ihrer Meinung nach stehen Sie schon eine Stunde lang da, während es nur fünf Minuten sind. Dies kommt daher, weil Sie während dieser Zeit viele Assozia- tionen hatten. Sie überlegten: warum kommt er nicht? Ist er vielleicht überfahren worden? und so weiter. Je mehr Sie sich konzentrieren, desto kürzer erscheint Ihnen die Zeit. Eine Stunde kann unbemerkt vergehen, denn wenn Sie sich konzentrieren, haben Sie sehr wenige Assoziationen, wenige Gedanken, wenige Gefühle. Die Zeit ist subjektiv; sie hängt von den Assoziationen ab. Wenn Sie konzentrationslos dasitzen, erscheint Ihnen die Zeit lang. Ausserlich existiert die Zeit nicht; sie existiert für uns nur innerlich. In den anderen Zentren laufen die Assoziationen genauso ab wie im Denkzentrum. Das Geheimnis der Verlängerung des Lebens beruht auf der Fähigkeit, die Energie unserer Zentren langsam und stets absichtlich auszugeben. Lernen Sie, bewusst zu denken! Dies bewirkt eine Einsparung beim Energieverbrauch. Träumen Sie nicht! Nahrungsarten Alle Substanzen, die für die Erhaltung des Lebens des Organismus, für die psychische Arbeit, für die höheren Bewußtseins-Funktionen und das Wachstum der höheren Körper
  30. 30. notwendig sind, werden im Organismus durch die Nahrung erzeugt, die von außen in ihn hineinkommt. Der menschliche Organismus nimmt drei Arten von Nahrung auf: 1. Die normale Nahrung, die wir essen. 2. Die Luft, die wir atmen. 3. Unsere Eindrücke. Es ist nicht schwer einzusehen, daß Luft eine Art Nahrung für den Organismus darstellt. Aber wieso die Eindrücke eine Nahrung darstellen, mag zuerst schwierig zu verstehen sein. Wir müssen uns jedoch erinnern, daß wir mit jedem äußeren Eindruck, ob er nun die Form eines Lautes, einer Gesichtswahrnehmung oder eines Ge- ruches hat, von außen her eine gewisse Energiemenge, eine gewisse Anzahl von Schwingungen aufnehmen; diese Energie, die von außen in den Organismus eintritt, ist Nahrung. Femer kann, wie schon ge sagt wurde, Energie nicht ohne Stoff vermittelt werden. Wenn Eindrücke von außen Energien von außen mit sich in den Organismus hineinbringen, so bedeutet das, daß auch Stoffe von außen eindringen, die den Organismus im vollen Sinne des Wortes ernähren. „Für seine normale Existenz muß der Organismus alle drei Nahrungsarten erhalten, das heißt physische Nahrung, Luft und Eindrücke. Der Organismus kann nicht nur von einer, auch nicht von zwei Nahrungsarten existieren, alle drei werden benötigt. Aber die Beziehung dieser Nahrungsstoffe zueinander und ihre Bedeutung für den Organismus ist nicht die gleiche. Der Organismus kann für eine verhältnismäßig lange Zeitspanne bestehen, ohne frische physische Nahrung zu erhalten. Es sind Fälle von Hungern bekannt, die über sechzig Tage dauerten, wobei der Organismus nichts von seiner Vitalität verlor und sich sehr schnell wieder erholte, sobald er wieder Nahrung zu sich zu nehmen begann. Natürlich kann ein solches Hungern nicht als vollständig betrachtet werden, da in allen Fällen solchen künstlichen Hungerns die Betreffenden Wasser zu sich genommen haben. Nichtsdestoweniger kann ein Mensch sogar ohne Wasser und ohne Nahrung für einige Tage leben. Ohne Luft kann er nur einige Minuten leben, nicht mehr als zwei oder drei; gewöhnlich stirbt ein Mensch, wenn er vier Minuten ohne Luft ist. Ohne Eindrücke kann ein Mensch nicht einen Augenblick leben. Wenn der Fluß der Eindrücke auf irgendeine Weise zu einem Halt gebracht werden könnte oder wenn man dem Organismus seine Fähigkeit, Eindrücke zu empfangen, raubte, so würde er sofort sterben. Der Strom von Eindrücken, die uns von außen zukommen, gleicht einem Treibriemen, der uns Bewegung vermittelt. Der Hauptmotor ist für uns die Natur, die uns umgebende Welt. Die Natur übermittelt uns durch unsere Eindrücke die Energie, durch die wir leben, uns bewegen und sind. Wenn der Strom dieser Energie angehalten wird, so wird unsere Maschine sofort zu arbeiten aufhören. Infolgedessen sind von den drei Nahrungsarten die für uns wichtigste die Eindrücke, trotzdem es klar ist, daß ein Mensch von Eindrücken allein nicht lang leben kann. Eindrücke und Luft befähigen einen Menschen, etwas länger zu leben. Eindrücke, Luft und physische Nahrung befähigen den Organismus, bis zum Ende seiner normalen Lebensdauer zu leben und die Sub- stanzen zu erzeugen, die nicht nur zur Erhaltung des Lebens, sondern auch für die Bildung und das Wachstum der höheren Körper notwendig sind.

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