Dante die göttliche komödie und die gnosis der tempelritter

3.013 Aufrufe

Veröffentlicht am

Die Commedia (italienisch für ‚Komödie‘), in späterer Zeit auch Divina Commedia (‚Göttliche Komödie‘) genannt, ist das Hauptwerk des italienischen Dichters Dante Alighieri (1265–1321). Sie entstand während der Jahre seines Exils und wurde wahrscheinlich um 1307 begonnen und erst kurze Zeit vor seinem Tod vollendet (1321). Sie gilt als bedeutendste Dichtung der italienischen Literatur und hat gleichzeitig die italienische Sprache als Schriftsprache erst begründet. Zudem wird sie als eines der größten Werke der Weltliteratur angesehen.

Politisch hing die Entstehung und Nachwirkung des Werkes mit dem lang andauernden Konflikt zwischen Ghibellinen und Guelfen (Kaiser- und Papstanhänger) zusammen, der das mittelalterliche Italien beherrschte, worauf hier aber nicht eingegangen wird, zumal Dantes Dichtung sich im Gegensatz zu diesem Konflikt als zeitlos erwiesen hat. Dante selbst war Guelfe, wie sich u. a. aus dem Text ergibt.

Veröffentlicht in: Seele & Geist
0 Kommentare
2 Gefällt mir
Statistik
Notizen
  • Als Erste(r) kommentieren

Keine Downloads
Aufrufe
Aufrufe insgesamt
3.013
Auf SlideShare
0
Aus Einbettungen
0
Anzahl an Einbettungen
6
Aktionen
Geteilt
0
Downloads
35
Kommentare
0
Gefällt mir
2
Einbettungen 0
Keine Einbettungen

Keine Notizen für die Folie

Dante die göttliche komödie und die gnosis der tempelritter

  1. 1. 3 | ... Inhaltsverzeichnis Impressum 2 Inhaltsverzeichnis 3 Dante Alighieri: Die Göttliche Komödie 4 Gedanken über den Limbus oder „Ich Dis Dich“ 4 Wer war der Mensch, der solcherart Phantasie, so lebendig zu Pergament brachte? 4 Inferno 6 Purgatorium (Fegefeuer) 10 Paradiso 13 Darstellungen der Planeten 16 Todsünden und Tugenden 20 Die sieben Todsünden 20 Die sieben Tugenden 20 Darstellungen und Attribute 21
  2. 2. Dante Alighieri - Die Göttliche Komödie Dante Alighieri: Die Göttliche Komödie Gedanken über den Limbus oder „Ich Dis Dich“ Herr G. ist hin und her gerissen. Soll er sich nun taufen lassen oder nicht? Auf der einen Seite entginge er durch das Sakrament der Taufe der Gefahr, als ungetauftes Kind und gerechter Heide auf ewig im Limbus, dem 1. Kreis der Hölle, zu verweilen, zwar ohne Qual aber ohne Hoffnung auf Seligkeit. Zum anderen birgt der Akt der Taufe, das Durchschreiten der Tür zum „wahren“ Glauben, die Gefahr, durch unbesonnenen Lebenswandel immerwährender Verdammnis anheim-zufallen. ... | 4 Herr G. hat keine Lust in einem glühenden Sarg gebannt zu werden, in Pech gesotten oder Kot schaufeln zu dürfen. Als Zwietrachtstifter läuft Herr G. auch immer Gefahr vom Schwert eines Teufels in Stück gehauen zu werden. Ein Gedanke der Herr G. schaudern lässt. Delikat ist ferner der Umstand, dass es sich bei solcherart Buße nicht um einen einmaligen Akt, vielmehr, und das ist das perfide am System, um ewige Wiederholung, handelt. Wie steht schon am Eingang zum „Inferno“ so treffend geschrieben: „Durch mich gelangt man zu der Stadt der Schmerzen, Durch mich zu wandellosen Bitternissen, ... und weiter,„Laßt jede Hoffnung, die ihr mich durchschreitet.“ Wer war der Mensch, der solcherart Phantasie, so lebendig zu Pergament brachte? Dante Alighieri ward im Mai/Juni des Jahres 1265 zu Florenz geboren und starb am 14. September 1321 in Ravenna. Von Dantes Kindheit und Jugend ist mehr als wenig bekannt. ( Herr P. ist der Ansicht, dass diese auch nur für die Sozialpädogen und Psychologen unter uns interessant ist, es sei denn Sie messen der Tatsache, daß unser pubertierender Jüngling, als er das erste Mal Beatrices angesichtig wurde, libidinöser Tollheit anheim fiel, übermässige Bedeutung zu.) Bekannt ist, daß Dante die Werke Vergils, Ovids und Horaz‘ liebte, desgleichen Aristoteles und Platon. Er verfasste im Laufe seines bewegten Lebens mehrere Werke, u. a. „Fiore“ (1286/87), „Detto d‘amore“ (vor 1290), „La vita nuova“ (1292-95) und „Divina Commedia“ (1306-21), sowie diverse Sonette, Kanzonen, Stanzen, Gedichte, Lehrbücher, Enzyklopädien und Abhandlungen.
  3. 3. „Die Göttliche Komödie“ umfasst 100 Gesänge, die in dem von Dante geschaffenen Dreireim, der Terzine, verfasst ist. Dante selbst nannte sein Werk schlicht „La Commedia“, erst Boccaccio taufte es in „Die Göttliche Komödie“ um. Sie fragen sich, wie ein Buch, das Grauen um Grauen, Greu-el um Greuel anhäuft, Komödie heißt? Für eine Komödie sprechen drei Aspekte: 1. es beginnt schrecklich, 2. es endet gut und 3. es wurde in der Volkssprache (italienisch) verfasst. Nach Wil-pert handelt es sich bei „Der Göttlichen Komödie“ um ein theologisch-kosmologisches Lehrge-dicht. Für von Falkenhausen ist es ein Minnelied und Heilsbekenntnis und für Vossler „überragt“ die Komödie „noch heute schlechthin alles, was vorher und nachher aus derselben italienischen Sprache ans Licht gebracht wurde“. Nun denn, beleuchten wir kurz das Werk, ob es diesem hehren Anspruch genügt. Das Thema der „Komödie“ ist eigentlich banal und – was noch schwerer wiegt – verbraucht. Andere und weit grössere haben sich schon zu der Reise aufgeschwungen: Gilgamesch, Odysseus, Tungdal, Drycthelm, Owein ... Die beschriebenen Qualen sind bekannt und oft waren die seiner Vorgänger schlimmer – oder besser – es kommt ganz auf die Sichtweise des Betrachters an. Zu Beginn verirrt sich unser Held in einem „finstren Walde“. Am Ende eines Tals sieht er einen sonnigen Hügel – die Rettung scheint nahe. Auf dem Weg dorthin versperren ihm drei Tiere den Weg: der Panther (die Wollust), der Löwe (der Hochmut) und die Wölfin (die Habgier). Im Laufe der Geschichte zeigt sich, dass der Protagonist nicht zu den Tapfersten gehört, so auch hier. Die Rettung naht in Gestalt Vergils, von Beatrice gesandt als Helfer, Beschützer, Mahner – Symbol für die menschliche Vernunft. Der weitere Weg führt zuerst durch die Kreise der Hölle bis zu deren Grund, dann durch den Mittelpunkt der Erde zur anderen Halbkugel und die Stufen des Läute-rungsberges 5 | ... hinauf bis zum Garten Eden. Dort verläßt Vergil den Wanderer, der sich aufmacht, nun geführt von Beatrice, das Paradies zu erkunden. Auf Tritt und Schritt wird der Leser mit Symbolik überhäuft: Zahlensymbolik (3, 9, 100, usw.), Kirchensymbolik (So beginnt Dantes Wanderung Karfreitag, zwei Tage und Nächte braucht er zur Übwerwindung des Inferno, vier Tage und drei Nächte verweilt er im Purgatorium, für das Para-dies einen einzigen, ewigen Tag) Das Ganze ist durchsetzt mit Anspielungen auf liturgische Texte, deren Deutung dem heutigen Leser schwer fallen mag. Auf seiner Reise begegnen Dante mehr als 600 Personen, die dem mittelalterlichen Menschen geläufig gewesen sein könnten, uns erschließt sich dieses Wissen erst nach mühevollem Studium entsprechender Quellen.
  4. 4. Dante Alighieri - Die Göttliche Komödie Inferno Die Hölle hat bei Dante die Gestalt eines Trichters. Durch acht konzentrische Kreise, die sich im-mer ... | 6 nach links wendend (links = Böse) durchschritten werden, gelangt der Wanderer auf dessen Grund, einer Eisfläche, in der Luzifer eingefroren ist. An diesem Ort finden sich die in „Ewigkeit Verdammten“. Zu den einzelnen Kreisen:
  5. 5. Nach durchschreiten des „Höllentores“ gelangen wir zunächst in die „Vorhölle“. An diesem Ort treffen wir auf die „Lauen“, die weder vom Himmel noch der Hölle zugelassen, „von Bienen und Wespen“ gepeinigt werden. 7 | ... Weiter geht es über den „Acheron“ in die Hölle selbst. I. Kreis (Der Limbus): Treffpunkt der „ungetauften Kinder“ und der „gerechten Heiden“. Sie erleiden keine Qual, haben aber auch keine Hoffnung auf Erlösung und Seligkeit, weil ihnen der Glaube fehlte. II. Kreis: Die „Wollüstigen“ werden durch starke Winde (Windsbraut) umhergetrieben III. Kreis: Die „Schlemmer“ stehen im Dauerregen IV. Kreis: „Geizige“ und „Verschwender“ müssen schwere Lasten wälzen V. Kreis: Die „Zornigen“ raufen und wälzen sich im Schlamm des Styx Die „Trägen“ seufzen auf dem Grund des Styx Wir betreten nun die innere tiefe Hölle: die Stadt „DIS“. VI. Kreis: Die „Ketzer“ sind in glühende Särge gebannt
  6. 6. Dante Alighieri - Die Göttliche Komödie VII. Kreis: Anmerkung: VII. und VIII sind noch jeweils unterteilt. VII in drei, VIII in 10 konzentrische Rin-ge, den sogenannten „Übelbuchten“. 1. Ring: „Wüteriche“, „Mörder „ und „Räuber“ wälzen sich in Lachen siedenen Blutes. 2. Ring: „Selbstmörder“ sind in Dornensträuche verwandelt; „die Vernichter ihrer bürgerlichen Existenz“ werden von Hunden durch eben diese Dornensträuche gehetzt. 3. Ring: „Gotteslästerer“ und „widernatürliche Laster“ (z.B. Wucher) sind gefangen in einem Sandmeer, welches vom Phlegeton durchströmt wird, auf das Feuerflocken regnen. VIII. Kreis: 1. Ring: „Kuppler“ und „Verführer“ werden von Teufeln gepeitscht und im Kreise gehetzt. 2. Ring: „Schmeichler“ stehen in einer Kloake und schaufeln Kot. 3. Ring: „Simonisten“ und „Verschacherer von Gnadengütern“ stecken mit brennenden Füßen kopfüber im Boden 4. Ring: „Zauberer“ und „Wahrsager“ laufen mit dem Kopf in den Nacken verdreht umher 5. Ring: „Bestechliche“ und „andere Gauner“ werden in Pech gesotten 6. Ring: „Heuchler“ schleichen unter der Last goldglänzender Kutten aus Blei umher 7. Ring: „Diebe“ sind mit Schlangen zusammengesperrt 8. Ring: „Üble Ratgeber“ sind in Flammen gehüllt 9. Ring: „Zwietrachtstifter“ werden mit Schwertern von Teufeln zerhauen ... | 8
  7. 7. 9 | ... 10. Ring: „Fälscher“ erleiden in einem Spital alle Krankheiten des Körpers und der Seele. IX. Kreis: Die schwerste aller Sünden: der „Verrat“. Die „Verräter“ stecken mehr oder weniger tief eingefroren im Eis des Cocytus: - Blutsverräter - Vaterlandsverräter - Verräter von Gastfreunden und Vertrauten - Verräter an ihren Wohltätern Diese „Verräter-Typen“ sind in vier Abschnitten verteilt: - Kaina (nach dem biblischem Brudermörder) - Antenora (nach dem verräterischen Trojaner Fürsten) - Ptolemäa (nach dem Mörder des Pmpejus (oder der Makkabäer) - Judicca (nach dem Verräter des Heilands) In der Mitte steht der Fürst des Höllenreiches, Luzifer, bis an die halbe Brust in den gefrorenen Fluten des Cocytus. In den Rachen seiner drei Köpfe zerkaut er die drei Erzverräter: - Judas - Brutus - Cassius Nach durchschreiten der Höllenkreise steigt Dante mit seinem Begleiter den „Läuterungsberg“ empor: das Fegefeuer. Im Fegefeuer werden ebenfalls Sünden abgebüßt: Der Deliquent wird geläutert. Was unterscheidet die Sünden in ihrer Qualität? Warum büßen die einen auf ewig in der Hölle? Warum büßen die anderen im Fegefeuer mit der Aussicht auf Erlösung? Die Hölle ist für jene, die, durchtränkt von ihrer Sünde, auf der selben beharren. Insofern handelt es sich nicht um eine „göttliche Bestrafung“ sondern um eine selbst erwählte. Hier übernahm Dante die Einstellung „Thomas von Aquin“ auf dessen Theologie sich Dante zu stützen scheint.
  8. 8. Dante Alighieri - Die Göttliche Komödie Purgatorium (Fegefeuer) Der „Läuterungsberg“ reicht von den Vorräumen bis zum verlassenen irdischen Paradies. Über sieben Ebenen, die immer rechts herum durchschritten werden (rechts = gut) wandern die Deli-quenten ... | 10 nach oben. Ein Pförtner-Engel gewährt nach Prüfung des Aspiranten einlaß in das „Purgatorium“. Danach ritzt er ihm mit seinem Schwert sieben „P“ (Peccarta = Hauptsünde) in die Stirn. Am Ausgang eines jeden Kreises steht ein weiterer Engel, der je ein „P“ mit seinem Flügel, zum Zeichen der
  9. 9. „Entsühnung“ wegwischt. Nachdem er die sieben evangelischen Seligpreisungen abgesungen hat, schickt er den Aspiranten hinauf zum nächsten Ring. Im Gegensatz zur Hölle, „leiden“ die Deli-quenten im Fegefeuer mit „Freude“, weil sie wissen, daß sie irgendwann erlöst werden und das 11 | ... „Paradiso“ betreten dürfen. Vorräume: Hier müssen die Seelen, die nach dem Tode, als körperlose Schemen, von einem Engel über das Weltmeer geschifft, die ihnen bestimmte Frist auf Einlaß zum Bußgang harren. I. Ring: Die „Stolzen“ gehen tiefgebückt unter schweren Lasten II. Ring: Der „Neid“ wird mit Blendung der scheelen Augen gebüßt III. Ring: Rauch hüllt die „Zornigen“ dicht ein IV. Ring: Die „Trägen“ müssen im rastlosen Lauf rennen V. Ring: Die „Habgierigen“ und die „Verschwender“ liegen unbeweglich festgebannt, mit dem Gesicht nach unten im Staub VI. Ring: Die „Schlemmer“ fasten, zum Gerippe abgemagert
  10. 10. Dante Alighieri - Die Göttliche Komödie VII. Ring: Die „Wollust“ wird in Feuergluten abgebüßt Gipfelrund: Hier liegt das, seit Adams Fall, verlassene irdische Paradies Anmerkung: Ring I. - III. reinigen die Sünden, dia aus „mißleiteter“ Liebe (Lust am Bösen) be-gangen ... | 12 wurde. Ring IV. - VII. die Sünden, die durch Mangel oder Übermaß an Liebe, d. h. durch Lässigkeit im sittlichen Guten und durch Unmäßigkeit im Streben nach irdischen Gütern verschul-det wurden
  11. 11. 13 | ... Paradiso Nach Durchschreiten des Fegefeuers und Löschung aller Peccarta, befindet sich die nunmehr geläuterte Seele bereit ins Paradies einzukehren. Von der Erde aus geht es in das Paradiso. Dieses besteht aus neun Himmeln. Die Seele lebt als Spiegelbild, Licht, Flamme oder Funke auf dem „Planet“, dessen Einfluß auf sein Wesen am beherrschensten war.
  12. 12. Dante Alighieri - Die Göttliche Komödie 1. Himmel: Der Fixsternhimmel. Nach Dantes Darstellung das Sternbild Zwilling (sein Sternzeichen). Hier hat die Seele Gelegenheit eine Rückblick auf sein irdisches Dasein zu werfen. 2. Himmel: Wer einem Gelübde auf Erden ungetreu geworden war, ist auf dem „wandelbarem“ Mond behei-matet. ... | 14 (Beiname: der Läufer) 3. Himmel: Merkur; sein Strahl regt Handel und Wandel an. Hier sind jene, die irdischen Staatsgeschäften zuliebe, ihr Seelenheil hinter ihre Berufung gestellt haben. (Beiname: der Gewinner) 4. Himmel: Auf der Venus sind die, die der irdischen Liebe ergeben waren. (Beiname: die Liebebringerin) 5. Himmel: Auf der Sonne sind solche, die erleuchtete Lehrer ihres Glaubens waren 6. Himmel: Die tapferen Gottesstreiter, Märtyrer und Glaubenshelden sind auf dem Mars untergebracht. (Bei-name: der Furchterwecker) 7. Himmel: Auf dem Stern des Götterkönigs - Jupiter - erstrahlen die Lichter der gerechten Herrscher. (Beina-me: der Begünstiger)
  13. 13. 15 | ... 8. Himmel: Saturn bietet Platz für die erdabgewandten, himmelswärts gerichteten Heiligen der Kontemplation (Beiname: der Läuterer) 9. Himmel: Das Empyrium ist pures Licht. Es stellt ein Bild der Dreieinigkeit dar. Es besteht aus drei Kreisen: der Zweite vom dem Ersten, der Dritte von beiden Licht empfangend.
  14. 14. Dante Alighieri - Die Göttliche Komödie Darstellungen der Planeten Mond ... | 16 Sonne
  15. 15. 17 | ... Mars Merkur
  16. 16. Dante Alighieri - Die Göttliche Komödie Venus ... | 18 Jupiter
  17. 17. 19 | ... Saturn Anmerkung: Alle Kupferstiche der Planeten, Tod-sünden und Tugenden von Hendrick Goltzius (1558 - 1616), gestochen von seinem Stiefsohn und Schüler Jacob Matham (1571 - 1631)
  18. 18. Dante Alighieri - Die Göttliche Komödie Todsünden und Tugenden Zum Abschluß eine kurze Zusammenstellung der „sieben“ Todsünden und der „sieben“ Tugenden auf die sich Dante in seiner „La divina Comedia“ bezieht. Anmerkung: Die „sieben“ Tugenden setzten sich aus den sogenannten „Kardinaltugenden nach Plato, Aristotels und der Stoa und der Erweiterung um die „drei“ theologischen Tugenden zusam-men. Die sieben Todsünden ... | 20 - Ira (der Zorn) - Luxuria (Die Unzucht (Wollust)) - Avaritia (Der Geiz) - Invidia (Der Neid) - Superbia (Der Hochmut) - Gula (Die Völlerei (Maßlosigkeit)) - Desidia (Die Trägheit) Die sieben Tugenden - Justitia (Die Gerechtigkeit) - Fortitudo (Die Tapferkeit) - Prudentia (Die Klugheit) - Temperantia (Die Mäßigung) - Fides (Der Glaube) - Spes (Die Hoffnung) - Caritas (Die Liebe) Im Mittelalter ergänzt - Humilitas (Die Demut) - Castitias (Die Keuschheit)
  19. 19. Die „Psychomachia“ des Aurelius P. Clemes Prudentuis (348 - 405) personifiziert die Todsünden und Tugenden und stellt diese im Kampf gegenüber: 21 | ... Todsünden Tugenden Hochmut Demut Zorn Geduld Neid Liebe Geiz Mildtätigkeit Wolllust Keuschheit Völlerei Mäßigkeit Trägheit Andacht Darstellungen und Attribute Hochmut (Superbia): Frau in reicher Kleidung, die einen Spiegel trägt, in den sie unablässig schaut. Auch der Pfau wird häufig dargestellt.
  20. 20. Dante Alighieri - Die Göttliche Komödie Zorn (Ira): ein Mensch, der seine Kleider zerreißt, oder ein Menschenpaar im Schwert-kampf. ... | 22 Neid (Invidia): Altes hageres Weib, mit einer Schlange, entblößten Brüsten und Schlangen im Haar, Sie ißt das eigene Herz
  21. 21. 23 | ... Geiz (Avaritia): Häufig dargestellt als eine magere häß-liche Frau mit einem Geldbeutel in der Hand, auf den sie gierig schaut. Oft auch zusammen mit einem Wolf abgebildet. Wollust (Luxuria): Häufig Reiterin auf einem Schwein oder Bock. Wird auch als schöne Frau dar-gestellt, angetan mit einem Bocks- oder Panterfell. Wenn sie nackt dargestellt wird, sind ihre Geschlechtsteile von Würmern zerfressen.
  22. 22. Dante Alighieri - Die Göttliche Komödie ... | 24 Völlerei (Gula): Reiterin auf einem Fuchs mit einer Gans im Maul. Hier interpretiert als fetter Mensch mit einem Schwein. Trägheit (Tristitia): schlafender Mann auf einem Esel. Hier dargstellt Frau mit „blödem“, trägem Blick und Esel.
  23. 23. 25 | ... Gerechtigkeit (Justitia): Waage, Winkelmaß, Weltkugel, Ge-setzbuch Tapferkeit (Fortitudo): Ritterrüstung, Löwenfell, Schwert und Schild, Samsons Säule, Fahne
  24. 24. Dante Alighieri - Die Göttliche Komödie Mäßigung (Temperantia): zwei Gefäße zur Mischung von Wasser mit Wein, Kamel und Elefant als Reit-tier, Sanduhr, Windmühle ... | 26 Klugheit (Prudentia): Schlange (»Seid klug wie die Schlan-gen «), Spiegel, Fackel, Sarg (Gedenke des Todes)
  25. 25. Liebe (Caritas): Chrismon, Lamm, Kinder, Pelikan, Brot 27 | ... Glaube (Fides): brennendes Herz, Kreuz, Kerze und Buch (Bibel)
  26. 26. Dante Alighieri - Die Göttliche Komödie ... | 28 Hoffnung (Spes): Anker, Taube, Schiff, Labarum, Füllhorn Anmerkung: Alle Kupferstiche der Planeten, Todsünden und Tugenden von Hendrick Goltzius (1558 - 1616), gestochen von seinem Stiefsohn und Schüler Jacob Matham (1571 - 1631)
  27. 27. Joseph P. Strelka: Dante und die Templergnosis Das Buch lesen auf books.google.at Francke Verlag Edition Patmos, Band 16, 2012 322 S., ISBN 978-3-7720-8443-0 € 58,-- Von Matthias Mander Ein beeindruckender Vortrag – und eine ungewöhnliche Mitteilung ohne Worte: Am Abend des 8. März 2013 trug der 86-jährige weltbekannte Komparatist Joseph P. Strelka in den Räumen der Musikgesellschaft neben der Albertina über Einladung des Schriftstellerverbands jene Forschungsergebnisse vor, die sein neuestes Buch „Dante und die Templergnosis“, 2012, zusammenfasst. Mit einer launigen selbstironischen Einleitung brachte er die Zuhörer zum Lachen, ehe seine Stimme in großen Gedankenbögen jene Zusammenhänge erschloss, die in Jahrtausenden engster Umfassung und Durchdringung der vielen epochalen Erkenntnissehnsüchte zur heutigen Hochkultur und deren Bewusstseinsinhalten geführt haben. Obigem Buch sind folgende Aussagen zu entnehmen: „Je größer eine Dichtung ist, desto größer sind die Schwierigkeiten, sie ganz zu erfassen. Über sechs Jahrhunderte nach ihrer Fertigstellung wurde im 20. Jahrhundert entdeckt, dass Dante mit der Templergnosis vertraut war. Er war ein eingeweihter Templer und seine Göttliche Komödie ist das glänzendste überlebende Zeugnis der Templergnosis. Es geht um ein `Sehen mit den Augen der Seele`, bei dem das „innerste Wesen der Dinge in plastisch bildhaften, leuchtenden Gestalten erscheint`. Dieses Thema formuliert Albert Camus für unsere Zeit so: `Für alle Menschen, die ohne die Kunst und das, was sie bedeutet, nicht leben können, geht es nur um die Frage, wie inmitten von Schergen so vieler Ideologien die seltsame Freiheit der Schöpfung erhalten bleiben kann.` (Strelka: `Es liegt mir daran, festzuhalten, dass ich die Gotteshäuser aller Religionen mit aufrichtiger und tiefer Ehrfurcht betrete und dass ich die Hasser, gleichviel ob religiöser oder säkularer Herkunft, zutiefst verachte und bemitleide.` S. XII) Es ist bezeichnend, dass bei Dante wie in der Renaissance, die er einleitet, antike Elemente eine so große Rolle spielen, dass sie gleichwertig mit Elementen der judäo-christlichen Tradition verschmelzen. Bei der Gnosis spielen auch ägyptische Einflüsse herein, sie war das Wissen um den Weg der Erweckung und Entfachung des in jedem Menschen ruhenden Seelenfunkens zur Gewissheit seiner
  28. 28. erleuchtenden Existenz, eine Glückseligkeitslehre. Dantes Dichtung ist ein grandioses Werk, das seine innere Entwicklung im Traumbild einer Jenseitswanderung darstellt. Die Templergnosis ist ein spirituelles Wissen über die Vorstellungen und Denkformen der menschlichen Existenz. Sie sei `die Erkenntnis, wer wir sind und was wir geworden sind; woher wir stammen und wohin wir geraten, wohin wir eilen und wovon wir erlöst sind`. (Clemens Alexandrinus). Im 12. Jahrhundert zur Kreuzzugszeit entstanden, eng verbunden mit der Ordensregel des Bernhard von Clairvaux, in Zusammenhang zwischen den Templern und dem Tempel Salomos, wird auch das Hohelied Salomos aus dem Alten Testament beschworen, das einen Bezug zum ägyptischen Isis-Mysterienkult aufweist. Isis war ja Jahrtausende vor Maria zur jungfräulichen Gottesgebärerin des Horus geworden, eine Muttergöttin, verehrt im Götterpaar Isis und Osiris oder auch Demeter und Dionysos. So weisen die Vorläufer der Templer bis in die minoische Megalithkultur zurück. Bernhard von Clairvaux, der christliche Mystiker, hatte auch selbst die `heilige Geometrie` der Maurer des Königs Salomo übersetzt. Nach der Eroberung Jerusalems im ersten Kreuzzug wurde unter der Stätte des ehemaligen Salomonischen Tempels nach Schätzen gegraben, die dort vor dem Ansturm der Römer auf die Mauern der Stadt vergraben worden waren – damals schon über tausend Jahre zurückliegend! Dabei ging es nicht nur um die gnostischen Texte der Essener, sondern bei den Gesetzestafeln um viel mehr: Diese sind die `Tafeln des Logos, des Wortes, der Vernunft, des Maßes, der Verhältnisse, der Zahl.` Zum Frühkult des griechischen Mythos bis etwa 1500 v.C. gehört die ganzheitliche Einheit von Welt und Einzelleben ohne Trennung von sakral und profan. Alles war eine einzige untrennbare Einheit. Bernhard von Clairvaux, Zisterzienserabt ab seinem 25. Lebensjahr, steht in geistiger Verbindung mit den Essenern, denn sowohl die Essener wie die Zisterzienser liebten abgelegene einsame Orte für ihre Niederlassungen, beide trugen weiße Leinenkleider. Wie Bernhard den Templerorden gründete, gab es auch unter den Essener-Schriftrollen eine eigene Kriegsordnungs-Schriftrolle. Die Essener von Qumran wurden von den Römern getötet, aber einigen Priestern gelang es, aus Jerusalem zu fliehen, sie gingen zunächst nach Griechenland, dann nach Frankreich, wo sie es zu Ansehen und Einfluss brachten. Zu ihren Kreisen könne auch Bernhard gehört haben… Die Verbindung griechischer Philosophie mit alten Mysterienkulten hat zu einem überaus differenzierten Ergebnis geführt, dem Phänomen der Gnosis, einer Glückseligkeitslehre. Eine solche ist auch Dantes gewaltige Commedia trotz ihrer Begrenztheit durch die geozentrische Weltschau des Ptolemäus. Sie ist von höchster ästhetischer Bedeutung und das meistgedruckte Buch nach der Bibel. Demut ist die Grundtugend am Läuterungsberg, ja `der Ruhm der Welt überhaupt sei wie ein Windesrauschen`. Im Paradies von Beatrice belehrt, sagt Dante: `Dass unseren Geist nichts sättigt, muss ich sehen, wenn ihn das Licht der Wahrheit nicht erleuchtet.`“ Der riesige Wissens-, Denk- und ja, auch Bekenntniskosmos, den Professor Strelka entfaltet hatte, schuf im Auditorium mächtigen Eindruck. Dieser wurde noch verstärkt durch die Beobachtung, dass der greise starke Redner zunehmend tief bewegt war. Seine Stimme musste hörbar gegen die Ergriffenheit ankämpfen. In seiner Ausarbeitung wird
  29. 29. jeder einzelne Gesang Dantes in allen Herleitungen und Verweisungen wahrhaft atemberaubend erklärt: Jahrtausende der Höchstspannung menschlicher Wahrheits- und Selbstsuche, Selbstbestimmung und Daseinsernsthaftigkeit, gefasst in schärfster Wort- und Sprachfügung, erfüllte die Musikräume. Und schließlich rannen dem Vortragenden Tränen über die Wangen als er über Dantes „letzte Erkenntnis“ redete, die ihn wie „ein Strahl der Erleuchtung trifft: Das Antlitz des Menschen, aus dem heraus plötzlich der verborgene Gott als nun offen sichtbarer Gott sich enthüllt. Mit diesem Bild des Menschen untrennbar verbunden ist jene höchste Form der Liebe, in der sich die göttliche Kraft und Macht äußert, die unsichtbar und dennoch ganz wirklich das Weltall durchwaltet und selbst die Sonne bewegt und alle Sterne…“ Dieser erschütternde öffentliche Vorgang beweist über das dort vermittelte Höchstwissen hinaus die volle persönliche Hingabe des Autors an seine universalen Ideale der Menschenachtung und Menschenfreundlichkeit, wohl auch im Wissen um die schier unleistbare Aufgabe, diese durch unsere Gegenwart zu retten. P.S. Auf zwei kenntnisreiche Rezensionen des hier erwähnten Buchs ist hinzuweisen: Sidonia Gall im Literarischen Österreich 2012/2 und David Axmann im `extra` der Wiener Zeitung vom 18.8.2012 Matthias Mander
  30. 30. Templer Die esoterischen Kampfmönche Von David Axmann • Dan Browns Bestseller "Sakrileg" hat den geheimnisvollen Orden der Templer populär gemacht. Joseph P. Strelka zeigt nun, wie stark Dantes "Göttliche Komödie" vom gnostischen Denken dieser Gottesritter geprägt ist. 27 Jun 2011 --- Portrait of Jacques of Molay (Jacques de Molay) (Molai) (1243-1314), Grand Master of the Knights Templar. Illustration from "Le Plutarque Francais" by Edmond Mennechet, 1836 (colour engraving).© Corbis. All Rights Reserved. Die Zahl derer, die mit dem Wort "Tempelritter" etwas anzufangen wissen, hat sich seit 2003 auf drastische Weise vermehrt. In diesem Jahr nämlich hat der amerikanische Bestsellerautor Dan Brown den Roman "The Da Vinci Code" herausgebracht; in kurzer Zeit wurde das Buch ein Verkaufsschlager und in 44 Sprachen übersetzt, 2004 erschien die deutsche Übersetzung unter dem Titel "Sakrileg", 2006 folgte eine in Hollywood produzierte Verfilmung mit Tom Hanks und Audrey Tautou in den Hauptrollen. Information Joseph P. Strelka: Dante und die Templergnosis. Francke Verlag, Tübingen 2012, 304 Seiten, 25,10 Euro. In diesem Thriller geht es, kurz gefasst, darum: Der Chefkurator des Louvre wird ermordet aufgefunden, und zwar am selben Tag, als er mit Robert Langdon, Harvard-
  31. 31. Professor und Symbol-Forscher, verabredet war. Von der Polizei zur Leiche gebracht, entdeckt Langdon auf deren nacktem Bauch ein mit Blut gezeichnetes Pentagramm nebst einer rätselhaften Botschaft. Wenig später erfährt er von Sophie Neveu, einer Kryptologin in der Dechiffrierabteilung der Pariser Polizei, dass er als Hauptverdächtiger in diesem Mordfall gilt. Sophie und Robert entschlüsseln die Geheimnachricht: Der Ermordete war Großmeister der "Prieuré de Sion", einer Bruderschaft, die – angeblich – als Nachfolgerin der Tempelritter das Mysterium des sagenhaften Heiligen Grals bewahrt. Nun ist höchste Zeit, dass die zwei von der Polizei bereits heftig gesuchten Privatermittler die Flucht ergreifen. Wiewohl permanent verfolgt, lösen sie ein Rätsel nach dem anderen und gelangen schließlich nach Schottland, wo Sophie erfährt, dass sie selbst eine Nachfahrin der Merowinger ist – und damit von Jesus selbst! Zurück in Paris, wird auch das letzte Geheimnis offenbar: nämlich wo sich der Heilige Gral befindet. Dan Browns Mysterienkrimi verknüpft auf bedenkenlos geschickte Art historische Fakten mit literarischer Fiktion, eine Methode, die zwar den Verkaufserfolg garantierte, nicht aber die Zustimmung der einschlägigen Wissenschaft. Ritter und Mönche Die Geschichte der Tempelritter lädt allerdings zu kühnen, ja übermütigen Spekulationen geradezu ein: denn diese mittelalterliche Männergesellschaft, welche die ritterlichen und mönchischen Ideale zu verbinden trachtete, umgibt ein arkaner Nimbus. Der geistliche Ritterorden der Pauperes commilitones Christi templique Salomonici Hierosalemitanis (Armen Ritterschaft Christi und des Salomonischen Tempels zu Jerusalem), kurz Templerorden, Templer oder Tempelritter, gegründet zwischen 1118 und 1121, bezog seinen Namen aus dem Umstand, dass er einen Stützpunkt auf dem Jerusalemer Tempelberg hatte, wo einst der Tempel Salomons gestanden war. Ursprünglich dazu bestimmt, Pilger auf dem Weg von Jaffa nach Jerusalem vor Räubern zu schützen, nahm der Orden bald einen rasanten ökonomischen Aufschwung und wurde, begünstigt durch etliche päpstliche und königliche Privilegien, zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor. In Paris und London wurden Ordenshäuser errichtet, von denen aus lukrative Bankgeschäfte mit Adels- und Königshäusern koordiniert wurden. Die Organisation des Ordens orientierte sich an der Ständeordnung des Mittelalters: Die Kaplane waren als Ordensgeistliche zuständig für liturgische und sakramentale Aufgaben; die Ritterbrüder mussten adeliger Herkunft sein und selbst für ihre (teure) Ausrüstung sorgen: sie verpflichteten sich auf Lebenszeit und legten die Gelübde der Keuschheit, des Gehorsams, des Verzichts auf persönlichen Besitz und des Schutzes der Pilger ab; außerdem gab es dienende Brüder, die für die Alltagsarbeiten zuständig waren, sowie Knappen als Kampfgefährten der Ritter. Die Position der Templer in Jerusalem und Umgebung wurde durch das Erlahmen der Kreuzzugsambitionen und die militärischen Erfolge der Muslime kontinuierlich geschwächt, und mit dem Fall von Akko 1291 ging die letzte christliche Bastion im Heiligen Land verloren. In Europa formierten sich indessen die Todfeinde des Ordens, angeführt vom französischen König Philipp IV. und von Papst Clemens V., in brutaler Endlösungsabsicht. Am 13. Oktober 1307 werden auf königlichen Befehl hin und mit
  32. 32. päpstlichem Einverständnis alle in Paris versammelten Templer, einschließlich des Großmeisters Jacques de Molay, verhaftet. Die Anklage wirft ihnen Ketzerei, Sodomie (im Sinne homosexueller Handlungen) und Götzendienst vor. Die meisten Verhafteten legen – aus Angst vor der Folter oder tatsächlich gefoltert – Geständnisse ab, die viele jedoch später widerrufen, was ihnen freilich gar nichts nützt: denn Widerruf gilt als Rückfall in die Ketzerei und wird mit dem Tod am Scheiterhaufen bestraft. Ein katholisches Los, das auch den Großmeister ereilt. Mysteriöses Nachleben Warum, so ist zu fragen, geht von den Templern auch sieben Jahrhunderte nach ihrer, allerdings nur scheinbar totalen, Vernichtung immer noch Faszination aus? Weil ihr spirituelles Arcanum, ihr metaphysisches Geheimnis dank der Tatsache, dass nicht alle Ordensmitglieder getötet und deren heilige Quellen nicht verschüttet wurden, angeblich auf mysteriöse Weise irgendwie, irgendwo weiterlebt. Dan Brown bietet eine populär-triviale Enthüllung an; es gibt aber auch seriöse wissenschaftliche Deutungsversuche, etwa ein aktuelles Buch von Joseph P. Strelka. Bevor davon die Rede sein soll, ein paar grundsätzliche Worte zum Thema Glaubensvielfalt. Die Metaphysik reckt ihr Haupt in den Himmel, steht jedoch fest auf dem Boden irdischer Erfahrung. An der Beengtheit, Beschränktheit, Mühseligkeit und Endlichkeit der Natur laborierend, erträumt, ersehnt sich der menschliche Geist etwas Übernatürliches, das freilich, es geht ja nicht anders, auf irdischen Vorstellungen gründet und menschliche Züge trägt. Alle monotheistischen Religionen, die gemäß ihrer Konstitution himmlische Offenbarungen, göttliche Botschaften zu verwalten haben, leiden an dem gleichen, unvermeidlichen Geburtsmakel. Im festen Glauben, die einmalige göttliche, d.h. von Gott inspirierte, Lebensordnung nebst Heilsversprechen gnadenhalber erhalten zu haben, sehen sie sich (offenbar von Gott selbst) gezwungen, die heiligen Worte (an denen die Gläubigen weder zweifeln noch rütteln dürfen) immer wieder aufs Neue zu deuten, auszulegen, zu interpretieren, und zwar im stets hoffnungsvollen Glauben, dass Gott immer auch durch den Mund der Interpreten spricht. Kurzum, die Gotteskinder müssen viel und unerschütterlich glauben; weil nun aber die Menschen von Natur aus, also gottgewollt, gar so verschieden geartet sind, entwickelten sich im Lauf der Religionsgeschichte verschiedenartige Glaubens-Richtungen. Zum Beispiel im Christentum. Dass es nicht Jesus war, der es erfunden hat, weiß ja heute sogar schon der Vatikan. Jesus war bekanntlich ein Jude, ein jüdischer Wander- und Wunderprediger, dessen Lehre erst post mortem durch den Chefinterpreten Paulus christologischen Charakter erhalten hat. In der wirren Frühzeit des Christentums lagen verschiedene Glaubensmodelle und Gottesanschauungen miteinander im Streit, und es dauerte etliche Jahrhunderte, bis sich die Ansichten des katholischen Zentralkomitees flächendeckend durchgesetzt hatten, bzw. durchgesetzt wurden. Abseits des dogmatischen Christus-Bildes pflanzte sich jedoch im Geheimen eine metaphysische Welterklärungsmethode fort, die Jesus nicht als Offenbarungshöhepunkt ansah, sondern bloß als ein (wenngleich wichtiges) Glied in einer zeitenüberspannenden Glaubenskette: die sogenannte gnostische Methode.
  33. 33. Die Gnosis (griechisch: Erkenntnis, Wissen) verheißt Einsicht in göttliche Geheimnisse und die geistige Welt sowie Anleitungen zur Glückseligkeit. Im Gegensatz zu den Glaubenslehren der christlichen Kirchen ist das Ziel der Gnosis die Erlösung des Menschen durch Erkenntnis Gottes und der Welt. Der Templerorden war eine gnostische Gemeinschaft. Nur eine kleine Gruppe von Eingeweihten hegte und tradierte die uralten Geheimnisse und war befähigt, "mit den Augen der Seele zu sehen", nämlich zu einer Anschauung zu gelangen, bei der "das innerste Wesen der Dinge in plastisch bildhaften, leuchtenden Gestalten erscheint". Nach außen hin wirkten die Templer als eine dem Papst verpflichtete Kerntruppe des Christentums, als ritterliche Beschützer der exoterischen Massen – der innere Kreis jedoch verehrte die große Muttergottheit der Gnosis und versenkte sich in die Mysterien einer kosmischen Sinnordnung, die von synkretistischen Elementen (ägyptischen, griechischen, jüdischen etc. Ursprungs) geprägt war, und vollzog symbolträchtige esoterische Rituale. Der Templer Dante Alles das war, wie Joseph P. Strelka in seiner komparatistischen, geistes- und literaturwisschenschaftlichen Studie zeigt, auch dem Stammvater der italienischen Dichtung, Dante Alighieri (1265–1321), wohlbekannt. Ja, nicht nur das: in seiner gewaltigen "Divina Commedia" legte er "das glänzendste überlebende Zeugnis der Templergnosis" ab. Dante, der selbst Mitglied einer Templer-Fraternität war, schuf wenige Jahre nach der Zerschlagung des Ordens ein poetisches Zeit- und Sittengemälde, in das zahlreiche verschlüsselte Hinweise auf das gnostische Welt-Bild eingefügt sind – notwendigerweise verschlüsselt, denn die Angst vor Sanktionen der Inquisition saß tief. Angesichts einer "Ecclesia Carnalis", "der es um Geld und Macht ging" und die keinen Wert auf Spiritualität legte, erhob der Kunst-Idealist Dante seine Stimme: Es ging ihm dabei "keineswegs nur um eine Kritik der negativen Zustände der Welt", "sondern aus solcher Kritik des Chaos sollte als eine Art möglicher Utopie durch eine Glückseligkeitslehre ein groß angelegtes Bild der Zukunft" entworfen werden. Begleitet von einem guten, alten Werk (Robert John: Dante, 1946), wandert Strelka auf Dantes Spuren durch die Hölle über den Läuterungsberg ins Paradies, in jedem der hundert Gesänge auf gnostische Wegmarken und Wortzeichen hinweisend, in der sicheren Überzeugung, "dass in der Commedia nichts zufällig und unüberlegt" ist: eine kulturhistorische Wanderung mit hohem Erkenntnisgewinn. P.S.: Der Plan, alle Tempelritter auszurotten, schlug wie gesagt fehl. Einige von ihnen vermochten ins Ausland zu fliehen und nahmen die Ordensgeheimnisse mit. Vieles wäre noch zu erzählen, etwa vom Fortleben der Templergnosis in Schottland oder von deren Einfluss auf die Lehren der Freimaurer. Aber das ist ein anderes Kapitel in der esoterischen Geistesgeschichte des Abendlandes. David Axmann wurde 1947 geboren und lebt als Publizist und Buchautor in Wien und im Burgenland.

×