Märchen als User Generated Content
Was die Kulturgeschichte zur Erklärung des Web 2.0
beitragen kann




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    Sabria David | re:publica 09
Jetzt geht‘s los




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                       Sabria David | re:publica 09
Am Anfang war…




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                     Sabria David | re:publica 09
… das Wort




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                 Sabria David | re:publica 09
… das gesprochene Wort




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                         Sabria David | re:publica 09
Märchen…




Sind gesprochene Worte.
Gehörte und weitererzählte Geschichten.
Erzählungen.




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...
Wo kommen die Märchen her?




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                             Sabria David | re:publica 09
Wo kommen die Märchen her?

Von diesen beiden Herren vielleicht?




          Wilhelm und Jacob Grimm



                ...
Nein.




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             Sabria David | re:publica 09
Nein.

Die Brüder Grimm haben die Märchen
nicht geschrieben.




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                             Sabria Da...
Nein.

Die Brüder Grimm haben die Märchen
nicht geschrieben.


Sie haben sie aufgeschrieben.




                 12
     ...
Die Brüder Grimm haben sich Märchen
erzählen lassen und sie schriftlich
dokumentiert.




                13
             ...
Diese Damen z.B. haben den Grimms
Märchen erzählt:




                14
                             Sabria David | re:p...
Die Märchenerzählerin Marie Hassenpflug
Jung, gebildet aus gutem Hause




                                 15
           ...
Und die Märchenfrau Dorothea Viehmann
Tochter des Wirtes der Brauerei „Knallhütte“




                                   ...
Aus dem Handexemplar Jacob und Wilhelm Grimms, Gebrüder Grimm Museum, Kassel




                                     17
 ...
Auch sie haben die Märchen nicht
selbst erfunden. Sie haben erzählt, was
man sich erzählte.

Was von Generation zu Generat...
Märchen sind das Ergebnis einer
mündlichen Überlieferungstradition.




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                             ...
Märchen
     Volksmärchen
Mär fabula Erzählung
Ammenmärchen Gerücht
  Fairy tale        Conte de fées
                    ...
Mündlichkeit ↔ Schriftlichkeit
   Oralität ↔ Literalität




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                            Sabria David | re...
Mündliche Tradition




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                      Sabria David | re:publica 09
Mündliche Tradition
Wikipedia:
„Mündliche Überlieferung bezeichnet die erzählende
Weitergabe von geschichtlichen, gesellsc...
Mündliche Tradition
Wikipedia:
„Mündliche Überlieferung bezeichnet die erzählende
Weitergabe von geschichtlichen, gesellsc...
Mündliche Tradition
• Erzählungen wurden in rituelle Handlungen eingebunden
 (z.B. Krippenspiele)



• Formelhafte Wendung...
Mündliche Tradition
Der Autor (im weiteren Sinne: Urheber) kommt erst mit
der Schriftlichkeit.




                       ...
Mündliche Tradition
Der Autor (im weiteren Sinne: Urheber) kommt erst mit
der Schriftlichkeit.

Vorher gab es keinen Autor...
Parallelen für den Übergang von
mündlicher zu schriftlicher
Tradition:
• die Bibel
    • lange währender Prozess der Versc...
Märchen…
• entstehen im Volk (Sie sind eine „res publica“)
• haben keinen einzelnen Autor
• entstehen in kollektiver Autor...
Ergebnis
• menschlich Allgemeingültiges
• Reifungskrisen, Entwicklungs- und Loslösungsprozesse
• Gut und Böse

= was Mensc...
Also
• Rezeption und Produktion von Content liegen in einer
  Hand

• Der Entstehungsprozess bildet sich in der zeitlichen...
Was wir hier sehen…




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                      Sabria David | re:publica 09
… dokumentiert den Übergang von einer mündlichen in
eine schriftliche Tradition.
                         33
             ...
Mit allen Schwierigkeiten und
Konsequenzen, die das mit sich
bringt:

• Dokumentation um den Preis der Festschreibung
• Ka...
Filtermechanismen
•   Eine Auswahl repräsentiert die Erwartungen
•   „struppige“ Märchen wurden nicht aufgenommen
•   Grim...
Schauen wir uns den Übergang von
mündlicher zu schriftlicher
Tradition etwas genauer an




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           ...
Schauen wir uns den Übergang von
mündlicher zu schriftlicher
Tradition etwas genauer an

Der Übergang lässt sich nicht gen...
Aber ein Ereignis hat doch
die Schriftlichkeit über die
Mündlichkeit siegen lassen.




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               ...
Aber ein Ereignis hat doch
die Schriftlichkeit über die
Mündlichkeit siegen lassen.


Und zwar…




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   ...
(Shift happens!)




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                        Sabria David | re:publica 09
Der Buchdruck.




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                      Sabria David | re:publica 09
Paradigmenwechsel Buchdruck




Mitte des 15. Jh. erfindet Gutenberg den Buchdruck
mit beweglichen Lettern




           ...
Durch diese Technik war es nun
möglich, mit Büchern in
Massenproduktion zu gehen
• Demokratisierung der Rezeption von Büch...
Andererseits:

Produktion und Rezeption werden
getrennt




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                              Sabria David ...
Andererseits:

Produktion und Rezeption werden
getrennt

• Es darf zwar jeder Lesen




                             45
  ...
Andererseits:

Produktion und Rezeption werden
getrennt

• Es darf zwar jeder Lesen
• aber das Schreiben bleibt die Sache ...
Und so blieb es lange.




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                         Sabria David | re:publica 09
Und so blieb es lange.
Bis dieses Ding kam:




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                         Sabria David | re:publica 09
Und so blieb es lange.
Bis dieses Ding kam:




            Z3 von Konrad Zuse (Deutschland 1941)




                    ...
Am Anfang blieb alles beim Alten.




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                                Sabria David | re:publica 09
Am Anfang blieb alles beim Alten.

Weil das Ding benutzt wurde wie eine
bessere Rechen- oder
Schreibmaschine. Oder wie ein...
Aber dann…




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                  Sabria David | re:publica 09
Aber dann…

(Shift happens)




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                       Sabria David | re:publica 09
Aber dann…

(Shift happens)

… wurde die Technologie erwachsen.




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                              Sab...
Aber dann…

(Shift happens)

… wurde die Technologie erwachsen.

Und die Nutzer wurden es auch.




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Und aus dem Kanal wurde




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Und aus dem Kanal wurde




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Und aus dem Kanal wurde



   … ein Wechselkanal




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                          Sabria David | re:public...
Viele Menschen können zeitgleich auf
dasselbe Material zugreifen.




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Viele Menschen können zeitgleich auf
dasselbe Material zugreifen.

Sie lesen, rezipieren, konsumieren ihn.




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Viele Menschen können zeitgleich auf
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Sie lesen, rezipieren, konsumieren ihn.

Aber nicht nur...
Viele Menschen können zeitgleich auf
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Sie lesen, rezipieren, konsumieren ihn.

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Aber nicht nur...
Diese Dynamik war bisher nur in der
mündlichen Tradition möglich.




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Diese Dynamik war bisher nur in der
mündlichen Tradition möglich.

Neue Technologie ermöglicht neue
Kommunikation.




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Diese Dynamik war bisher nur in der
mündlichen Tradition möglich.

Neue Technologie ermöglicht neue
Kommunikation.

Rezept...
Diese Dynamik war bisher nur in der
mündlichen Tradition möglich.

Neue Technologie ermöglicht neue
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Auf eine Formel gebracht bedeutet
das:




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                               Sabria David | re:publica 09
Auf eine Formel gebracht, bedeutet
das:

Das Internet ist ein Schriftmedium




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                     ...
Auf eine Formel gebracht, bedeutet
das:

Das Internet ist ein Schriftmedium,
das nach den Regeln der Mündlichkeit
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Auf eine Formel gebracht, bedeutet
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Das Internet ist ein Schriftmedium,
das nach den Regeln der Mündlichkeit
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Die Generierung von Content
funktioniert bei Wikipedia und Open
Source Projekten wie sie auch bei
Märchen funktioniert.


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Die Generierung von Content
funktioniert bei Wikipedia und Open
Source Projekten wie sie auch bei
Märchen funktioniert.

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Es spielt sich nicht über Generationen
hinweg in der zeitlichen Vertikalen ab.




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                  ...
Es spielt sich nicht über Generationen
hinweg in der zeitlichen Vertikalen ab.

Sondern nahezu zeitgleich, in der
zeitlich...
Wie auch bei Märchen entsteht etwas
Übergeordnetes, ein sich selbst
organisierendes, wachsendes,
lebendes, offenes System....
Wie auch bei Märchen entsteht etwas
Übergeordnetes, ein sich selbst
organisierendes, wachsendes,
lebendes, offenes System....
Wie auch bei Märchen entsteht etwas
Übergeordnetes, ein sich selbst
organisierendes, wachsendes,
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Wie auch bei Märchen entsteht etwas
Übergeordnetes, ein sich selbst
organisierendes, wachsendes,
lebendes, offenes System....
Wie auch bei Märchen entsteht etwas
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organisierendes, wachsendes,
lebendes, offenes System....
Wie auch bei Märchen entsteht etwas
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Die Folge?




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Die Folge?

+ Open Source Software




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Die Folge?

+ Open Source Software
+ Wikipedia




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Die Folge?

+ Open Source Software
+ Wikipedia
+ Kollaborative Geschäftsmodelle




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Die Folge?

+   Open Source Software
+   Wikipedia
+   Kollaborative Geschäftsmodelle
+   Forschungsplattformen (Innocenti...
Die Folge?

+   Open Source Software
+   Wikipedia
+   Kollaborative Geschäftsmodelle
+   Forschungsplattformen (Innocenti...
Die Folge?

+   Open Source Software
+   Wikipedia
+   Kollaborative Geschäftsmodelle
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Die Folge?

+   Open Source Software
+   Wikipedia
+   Kollaborative Geschäftsmodelle
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Die Folge?

+   Open Source Software
+   Wikipedia
+   Kollaborative Geschäftsmodelle
+   Forschungsplattformen (Innocenti...
Partizipation, Kollaboration und die
Web 2.0-Technologien bringen
Bewegung in die Sache.

Die Grenze zwischen Rezeption un...
Etwas Festes verflüssigt sich, wenn es
bewegt wird:

In der Physik nennt man diese
Eigenschaft Thixotropie.
              ...
Etwas Festes verflüssigt sich, wenn es
bewegt wird.

In der Physik nennt man diese
Eigenschaft Thixotropie.
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Wissen (und: Kultur) hat thixotrope
Eigenschaften.




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                                Sabria David |...
Wissen (und: Kultur) hat thixotrope
Eigenschaften.

Es kann durch Bewegung verflüssigt
werden. Aggregatzustände des Wissen...
Die Web 2.0-Technologien bringen in
diesem Sinne Wissen in Bewegung.
                         Der Ketchup-Effekt des Web 2...
Das bedeutet nicht, dass alles besser
ist.




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Das bedeutet nicht, dass alles besser
ist.

Partizipation und Dynamik garantieren
nicht Qualität.




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Das bedeutet nicht, dass alles besser
ist.

Partizipation und Dynamik garantieren
nicht Qualität.

Sie ermöglichen sie abe...
Es bringt die Dinge in Bewegung.
Es löst starre Strukturen und macht
neue möglich.
Neue Verknüpfungen.
Neue Muster.
Neue A...
Was geschrieben wird, ist keine letzte
Wahrheit mehr.




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                                 Sabria Da...
Was geschrieben wird, ist keine letzte
Wahrheit mehr. Es wird wahrer, je
mehr sich daran beteiligen.




                 ...
Was geschrieben wird, ist keine letzte
Wahrheit mehr. Es wird wahrer, je
mehr sich daran beteiligen.
Es überholt sich selb...
Was geschrieben wird, ist keine letzte
Wahrheit mehr. Es wird wahrer, je
mehr sich daran beteiligen.
Es überholt sich selb...
Was geschrieben wird, ist keine letzte
Wahrheit mehr. Es wird wahrer, je
mehr sich daran beteiligen.
Es überholt sich selb...
Vielen Dank.
Sabria David www.text-raum.de
www.twitter.com/meta_blum

Dieser Vortrag steht unter
einer Creative Commons Li...
Abbildungsnachweise
Henriette Sauvant, „Hänsel und Gretel“. Aus: „Zaubermärchen“, Hanser Verlag, München 2004.

Rotkäppche...
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Der Vortrag wurde am 03.04.2009 auf der re:publica 09 gehalten. Er stellt das Web 2.0 in eine Reihe kulturhistorischer Shifts, die von der Mündlichkeit über den Buchdruck bis zur Wiederentthronung des Autors/Urhebers reichen. Er analysiert die strukturellen Parallelen zwischen der Märchen-Entstehung und heutigen Modellen der Kollaboration wie Open Source Software und Wikipedia und wagt damit einen Blick über den Tellerrand der Disziplinen.

Diese These wurde in einem Vortrag auf der stARTconference im September 2009 weiterentwickelt. Die Slides zu der Weiterentwicklung finden Sie hier: http://www.slideshare.net/Sabria_David/zur-genese-offener-werke-rotkppchen-20-medienwandel-und-schriftliche-mndlichkeit

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Märchen als User Generated Content

  1. 1. Märchen als User Generated Content Was die Kulturgeschichte zur Erklärung des Web 2.0 beitragen kann 1 Sabria David | re:publica 09
  2. 2. 2 Sabria David | re:publica 09
  3. 3. Jetzt geht‘s los 3 Sabria David | re:publica 09
  4. 4. Am Anfang war… 4 Sabria David | re:publica 09
  5. 5. … das Wort 5 Sabria David | re:publica 09
  6. 6. … das gesprochene Wort 6 Sabria David | re:publica 09
  7. 7. Märchen… Sind gesprochene Worte. Gehörte und weitererzählte Geschichten. Erzählungen. 7 Sabria David | re:publica 09
  8. 8. Wo kommen die Märchen her? 8 Sabria David | re:publica 09
  9. 9. Wo kommen die Märchen her? Von diesen beiden Herren vielleicht? Wilhelm und Jacob Grimm 9 Sabria David | re:publica 09
  10. 10. Nein. 10 Sabria David | re:publica 09
  11. 11. Nein. Die Brüder Grimm haben die Märchen nicht geschrieben. 11 Sabria David | re:publica 09
  12. 12. Nein. Die Brüder Grimm haben die Märchen nicht geschrieben. Sie haben sie aufgeschrieben. 12 Sabria David | re:publica 09
  13. 13. Die Brüder Grimm haben sich Märchen erzählen lassen und sie schriftlich dokumentiert. 13 Sabria David | re:publica 09
  14. 14. Diese Damen z.B. haben den Grimms Märchen erzählt: 14 Sabria David | re:publica 09
  15. 15. Die Märchenerzählerin Marie Hassenpflug Jung, gebildet aus gutem Hause 15 Sabria David | re:publica 09
  16. 16. Und die Märchenfrau Dorothea Viehmann Tochter des Wirtes der Brauerei „Knallhütte“ 16 Sabria David | re:publica 09
  17. 17. Aus dem Handexemplar Jacob und Wilhelm Grimms, Gebrüder Grimm Museum, Kassel 17 Sabria David | re:publica 09
  18. 18. Auch sie haben die Märchen nicht selbst erfunden. Sie haben erzählt, was man sich erzählte. Was von Generation zu Generation weitergegeben wurde. 18 Sabria David | re:publica 09
  19. 19. Märchen sind das Ergebnis einer mündlichen Überlieferungstradition. 19 Sabria David | re:publica 09
  20. 20. Märchen Volksmärchen Mär fabula Erzählung Ammenmärchen Gerücht Fairy tale Conte de fées Hoax Urbane Mythen 20 Sabria David | re:publica 09
  21. 21. Mündlichkeit ↔ Schriftlichkeit Oralität ↔ Literalität 21 Sabria David | re:publica 09
  22. 22. Mündliche Tradition 22 Sabria David | re:publica 09
  23. 23. Mündliche Tradition Wikipedia: „Mündliche Überlieferung bezeichnet die erzählende Weitergabe von geschichtlichen, gesellschaftlichen und religiösen Informationen“ 23 Sabria David | re:publica 09
  24. 24. Mündliche Tradition Wikipedia: „Mündliche Überlieferung bezeichnet die erzählende Weitergabe von geschichtlichen, gesellschaftlichen und religiösen Informationen“ Ergänzung: Weitergabe UND Schaffung von Kultur/Informationen 24 Sabria David | re:publica 09
  25. 25. Mündliche Tradition • Erzählungen wurden in rituelle Handlungen eingebunden (z.B. Krippenspiele) • Formelhafte Wendungen und Wiederholungen • Reim, Versmaß, Rhythmik und Singen erleichtern das Memorieren und Weitererzählen (Homer, Koran) 25 Sabria David | re:publica 09
  26. 26. Mündliche Tradition Der Autor (im weiteren Sinne: Urheber) kommt erst mit der Schriftlichkeit. 26 Sabria David | re:publica 09
  27. 27. Mündliche Tradition Der Autor (im weiteren Sinne: Urheber) kommt erst mit der Schriftlichkeit. Vorher gab es keinen Autor. Es gab Autoren. 27 Sabria David | re:publica 09
  28. 28. Parallelen für den Übergang von mündlicher zu schriftlicher Tradition: • die Bibel • lange währender Prozess der Verschriftlichung (1.000 v. Chr. - 100 n. Chr.) • verschiedene Erzählkränze wurden miteinander verwoben • Kanonisierung • Apokryphen (bleiben virulent, Ochs und Esel) • Klassische Sagen des Altertums • Homer: Odyssee, Ilias (700 v. Chr.) • die „Homerische Frage“ („Wer bin ich und wenn ja wie viele?“) 28 Sabria David | re:publica 09
  29. 29. Märchen… • entstehen im Volk (Sie sind eine „res publica“) • haben keinen einzelnen Autor • entstehen in kollektiver Autorschaft • werden über Generationen hinweg weitererzählt • Individuelles wurde hinzugefügt • und wenn dies kein Echo in den Zuhörern fand, wurde es wieder weggelassen • Motive und Stoffe werden immer wieder neu zu Geschichten verwoben, bis sie sich zu einer immer dichter werdenden Form kondensierten 29 Sabria David | re:publica 09
  30. 30. Ergebnis • menschlich Allgemeingültiges • Reifungskrisen, Entwicklungs- und Loslösungsprozesse • Gut und Böse = was Menschen angeht und betrifft, und zwar zeit- und regionsunabhängig (it‘s all about you) Entstanden nach den Regeln der Evolution: Was sich bewährt, besteht. Was sich nicht bewährt, fliegt raus. 30 Sabria David | re:publica 09
  31. 31. Also • Rezeption und Produktion von Content liegen in einer Hand • Der Entstehungsprozess bildet sich in der zeitlichen Vertikalen ab, über Generationen und Jahrhunderte hinweg • Es gibt Filter (jeder, der etwas hinzufügt oder weglässt, filtert) • Es gibt Multiplikatoren: Die Märchenerzählerin ist „Medium“, durch das „Volkes Stimme“ spricht 31 Sabria David | re:publica 09
  32. 32. Was wir hier sehen… 32 Sabria David | re:publica 09
  33. 33. … dokumentiert den Übergang von einer mündlichen in eine schriftliche Tradition. 33 Sabria David | re:publica 09
  34. 34. Mit allen Schwierigkeiten und Konsequenzen, die das mit sich bringt: • Dokumentation um den Preis der Festschreibung • Kanonisierung • Filter 34 Sabria David | re:publica 09
  35. 35. Filtermechanismen • Eine Auswahl repräsentiert die Erwartungen • „struppige“ Märchen wurden nicht aufgenommen • Grimms hatten ein volkskundliches Interesse • Märchen mussten trotzdem „salonfähig“ sein • hohes künstlerisches Niveau wurde erwartet • sexuelle Anspielungen wurden entschärft Rapunzels Schwangerschaft • Ergänzungen, Überarbeitungen im Laufe der Editionen • Nach und nach entwickelt sich der typische „Märchenstil“ 35 Sabria David | re:publica 09
  36. 36. Schauen wir uns den Übergang von mündlicher zu schriftlicher Tradition etwas genauer an 36 Sabria David | re:publica 09
  37. 37. Schauen wir uns den Übergang von mündlicher zu schriftlicher Tradition etwas genauer an Der Übergang lässt sich nicht genau datieren Mündlichkeit und Schriftlichkeit waren über Jahrhunderte parallele Stränge 37 Sabria David | re:publica 09
  38. 38. Aber ein Ereignis hat doch die Schriftlichkeit über die Mündlichkeit siegen lassen. 38 Sabria David | re:publica 09
  39. 39. Aber ein Ereignis hat doch die Schriftlichkeit über die Mündlichkeit siegen lassen. Und zwar… 39 Sabria David | re:publica 09
  40. 40. (Shift happens!) 40 Sabria David | re:publica 09
  41. 41. Der Buchdruck. 41 Sabria David | re:publica 09
  42. 42. Paradigmenwechsel Buchdruck Mitte des 15. Jh. erfindet Gutenberg den Buchdruck mit beweglichen Lettern 42 Sabria David | re:publica 09
  43. 43. Durch diese Technik war es nun möglich, mit Büchern in Massenproduktion zu gehen • Demokratisierung der Rezeption von Büchern, des Lesens • Viele konnten sich jetzt Bücher leisten • Jeder dufte lesen (Alphabetisierung vorausgesetzt) • Höfe und Klöster hatten kein Buchmonopol mehr • sogar die Bibel konnte vom Volk gelesen werden, seit Luther die Bibel vom Lateinischen (grch., hebr.) ins Frühneuhochdeutsche übersetzt hat (1534) • Technische Entwicklung spiegelt sich in der sprachlichen Demokratisierung Übergang von Mittelhochdeutschen zum Neuhochdeutschen 43 Sabria David | re:publica 09
  44. 44. Andererseits: Produktion und Rezeption werden getrennt 44 Sabria David | re:publica 09
  45. 45. Andererseits: Produktion und Rezeption werden getrennt • Es darf zwar jeder Lesen 45 Sabria David | re:publica 09
  46. 46. Andererseits: Produktion und Rezeption werden getrennt • Es darf zwar jeder Lesen • aber das Schreiben bleibt die Sache einiger Auserwählter (Autoren/Autoritäten) 46 Sabria David | re:publica 09
  47. 47. Und so blieb es lange. 47 Sabria David | re:publica 09
  48. 48. Und so blieb es lange. Bis dieses Ding kam: 48 Sabria David | re:publica 09
  49. 49. Und so blieb es lange. Bis dieses Ding kam: Z3 von Konrad Zuse (Deutschland 1941) 49 Sabria David | re:publica 09
  50. 50. Am Anfang blieb alles beim Alten. 50 Sabria David | re:publica 09
  51. 51. Am Anfang blieb alles beim Alten. Weil das Ding benutzt wurde wie eine bessere Rechen- oder Schreibmaschine. Oder wie ein Publikationsmedium. Wie eine Umsetzmaschine. Wie ein Informationskanal. 51 Sabria David | re:publica 09
  52. 52. Aber dann… 52 Sabria David | re:publica 09
  53. 53. Aber dann… (Shift happens) 53 Sabria David | re:publica 09
  54. 54. Aber dann… (Shift happens) … wurde die Technologie erwachsen. 54 Sabria David | re:publica 09
  55. 55. Aber dann… (Shift happens) … wurde die Technologie erwachsen. Und die Nutzer wurden es auch. 55 Sabria David | re:publica 09
  56. 56. Und aus dem Kanal wurde 56 Sabria David | re:publica 09
  57. 57. Und aus dem Kanal wurde 57 Sabria David | re:publica 09
  58. 58. Und aus dem Kanal wurde … ein Wechselkanal 58 Sabria David | re:publica 09
  59. 59. Viele Menschen können zeitgleich auf dasselbe Material zugreifen. 59 Sabria David | re:publica 09
  60. 60. Viele Menschen können zeitgleich auf dasselbe Material zugreifen. Sie lesen, rezipieren, konsumieren ihn. 60 Sabria David | re:publica 09
  61. 61. Viele Menschen können zeitgleich auf dasselbe Material zugreifen. Sie lesen, rezipieren, konsumieren ihn. Aber nicht nur. 61 Sabria David | re:publica 09
  62. 62. Viele Menschen können zeitgleich auf dasselbe Material zugreifen. Sie lesen, rezipieren, konsumieren ihn. Aber nicht nur. Sie verändern ihn auch. 62 Sabria David | re:publica 09
  63. 63. Viele Menschen können zeitgleich auf dasselbe Material zugreifen. Sie lesen, rezipieren, konsumieren ihn. Aber nicht nur. Sie verändern ihn auch. Sie greifen ein. 63 Sabria David | re:publica 09
  64. 64. Viele Menschen können zeitgleich auf dasselbe Material zugreifen. Sie lesen, rezipieren, konsumieren ihn. Aber nicht nur. Sie verändern ihn auch. Sie greifen ein. Sie produzieren mit. 64 Sabria David | re:publica 09
  65. 65. Viele Menschen können zeitgleich auf dasselbe Material zugreifen. Sie lesen, rezipieren, konsumieren ihn. Aber nicht nur. Sie verändern ihn auch. Sie greifen ein. Sie produzieren mit. Sie hinterlassen Spuren. 65 Sabria David | re:publica 09
  66. 66. Diese Dynamik war bisher nur in der mündlichen Tradition möglich. 66 Sabria David | re:publica 09
  67. 67. Diese Dynamik war bisher nur in der mündlichen Tradition möglich. Neue Technologie ermöglicht neue Kommunikation. 67 Sabria David | re:publica 09
  68. 68. Diese Dynamik war bisher nur in der mündlichen Tradition möglich. Neue Technologie ermöglicht neue Kommunikation. Rezeption und Produktion haben wieder zusammengefunden. 68 Sabria David | re:publica 09
  69. 69. Diese Dynamik war bisher nur in der mündlichen Tradition möglich. Neue Technologie ermöglicht neue Kommunikation. Rezeption und Produktion haben wieder zusammengefunden. 69 Sabria David | re:publica 09
  70. 70. Auf eine Formel gebracht bedeutet das: 70 Sabria David | re:publica 09
  71. 71. Auf eine Formel gebracht, bedeutet das: Das Internet ist ein Schriftmedium 71 Sabria David | re:publica 09
  72. 72. Auf eine Formel gebracht, bedeutet das: Das Internet ist ein Schriftmedium, das nach den Regeln der Mündlichkeit funktioniert. 72 Sabria David | re:publica 09
  73. 73. Auf eine Formel gebracht, bedeutet das: Das Internet ist ein Schriftmedium, das nach den Regeln der Mündlichkeit funktioniert. Was entsteht, ist eine synchrone schriftliche Mündlichkeit 73 Sabria David | re:publica 09
  74. 74. Die Generierung von Content funktioniert bei Wikipedia und Open Source Projekten wie sie auch bei Märchen funktioniert. 74 Sabria David | re:publica 09
  75. 75. Die Generierung von Content funktioniert bei Wikipedia und Open Source Projekten wie sie auch bei Märchen funktioniert. Nur: 75 Sabria David | re:publica 09
  76. 76. Es spielt sich nicht über Generationen hinweg in der zeitlichen Vertikalen ab. 76 Sabria David | re:publica 09
  77. 77. Es spielt sich nicht über Generationen hinweg in der zeitlichen Vertikalen ab. Sondern nahezu zeitgleich, in der zeitlichen Horizontalen. Der synchrone Zugriff großer Usermengen macht es möglich. 77 Sabria David | re:publica 09
  78. 78. Wie auch bei Märchen entsteht etwas Übergeordnetes, ein sich selbst organisierendes, wachsendes, lebendes, offenes System.(„Das Märchen lebt“) 78 Sabria David | re:publica 09
  79. 79. Wie auch bei Märchen entsteht etwas Übergeordnetes, ein sich selbst organisierendes, wachsendes, lebendes, offenes System. („Das Märchen lebt“) Es tauscht sich mit der Umwelt aus 79 Sabria David | re:publica 09
  80. 80. Wie auch bei Märchen entsteht etwas Übergeordnetes, ein sich selbst organisierendes, wachsendes, lebendes, offenes System. („Das Märchen lebt“) Es tauscht sich mit der Umwelt aus Es kann sich Veränderungen anpassen 80 Sabria David | re:publica 09
  81. 81. Wie auch bei Märchen entsteht etwas Übergeordnetes, ein sich selbst organisierendes, wachsendes, lebendes, offenes System. („Das Märchen lebt“) Es tauscht sich mit der Umwelt aus Es kann sich Veränderungen anpassen Es ist wandelbar 81 Sabria David | re:publica 09
  82. 82. Wie auch bei Märchen entsteht etwas Übergeordnetes, ein sich selbst organisierendes, wachsendes, lebendes, offenes System. („Das Märchen lebt“) Es tauscht sich mit der Umwelt aus Es kann sich Veränderungen anpassen Es ist wandelbar Es wächst mit Entwicklungen mit 82 Sabria David | re:publica 09
  83. 83. Wie auch bei Märchen entsteht etwas Übergeordnetes, ein sich selbst organisierendes, wachsendes, lebendes, offenes System. („Das Märchen lebt“) Es tauscht sich mit der Umwelt aus Es kann sich Veränderungen anpassen Es ist wandelbar Es wächst mit Entwicklungen mit Es ist agil, flexibel, überlebensfähig 83 Sabria David | re:publica 09
  84. 84. Die Folge? 84 Sabria David | re:publica 09
  85. 85. Die Folge? + Open Source Software 85 Sabria David | re:publica 09
  86. 86. Die Folge? + Open Source Software + Wikipedia 86 Sabria David | re:publica 09
  87. 87. Die Folge? + Open Source Software + Wikipedia + Kollaborative Geschäftsmodelle 87 Sabria David | re:publica 09
  88. 88. Die Folge? + Open Source Software + Wikipedia + Kollaborative Geschäftsmodelle + Forschungsplattformen (Innocentive) 88 Sabria David | re:publica 09
  89. 89. Die Folge? + Open Source Software + Wikipedia + Kollaborative Geschäftsmodelle + Forschungsplattformen (Innocentive) + Rekordspendensummen im amer. Wahlkampf 89 Sabria David | re:publica 09
  90. 90. Die Folge? + Open Source Software + Wikipedia + Kollaborative Geschäftsmodelle + Forschungsplattformen (Innocentive) + Rekordspendensummen im amer. Wahlkampf + Ein digitales Stadtarchiv Köln 90 Sabria David | re:publica 09
  91. 91. Die Folge? + Open Source Software + Wikipedia + Kollaborative Geschäftsmodelle + Forschungsplattformen (Innocentive) + Rekordspendensummen im amer. Wahlkampf + Ein digitales Stadtarchiv Köln + … 91 Sabria David | re:publica 09
  92. 92. Die Folge? + Open Source Software + Wikipedia + Kollaborative Geschäftsmodelle + Forschungsplattformen (Innocentive) + Rekordspendensummen im amer. Wahlkampf + Ein digitales Stadtarchiv Köln + … + … 92 Sabria David | re:publica 09
  93. 93. Partizipation, Kollaboration und die Web 2.0-Technologien bringen Bewegung in die Sache. Die Grenze zwischen Rezeption und Produktion von Content, von Wissen, löst sich auf. 93 Sabria David | re:publica 09
  94. 94. Etwas Festes verflüssigt sich, wenn es bewegt wird: In der Physik nennt man diese Eigenschaft Thixotropie. grch. thixis „das Berühren“ und trepo „ich ändere, wende“ 94 Sabria David | re:publica 09
  95. 95. Etwas Festes verflüssigt sich, wenn es bewegt wird. In der Physik nennt man diese Eigenschaft Thixotropie. grch. thixis „das Berühren“ und trepo „ich ändere, wende“ z.B. Ketchup, Wiederverflüssigungen von Blutreliquien („Blutwunder“) 95 Sabria David | re:publica 09
  96. 96. Wissen (und: Kultur) hat thixotrope Eigenschaften. 96 Sabria David | re:publica 09
  97. 97. Wissen (und: Kultur) hat thixotrope Eigenschaften. Es kann durch Bewegung verflüssigt werden. Aggregatzustände des Wissens 97 Sabria David | re:publica 09
  98. 98. Die Web 2.0-Technologien bringen in diesem Sinne Wissen in Bewegung. Der Ketchup-Effekt des Web 2.0 98 Sabria David | re:publica 09
  99. 99. Das bedeutet nicht, dass alles besser ist. 99 Sabria David | re:publica 09
  100. 100. Das bedeutet nicht, dass alles besser ist. Partizipation und Dynamik garantieren nicht Qualität. 100 Sabria David | re:publica 09
  101. 101. Das bedeutet nicht, dass alles besser ist. Partizipation und Dynamik garantieren nicht Qualität. Sie ermöglichen sie aber. Weil sie Rückkopplungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen. Weil sie die Voraussetzung für Emergenz schaffen. 101 Sabria David | re:publica 09
  102. 102. Es bringt die Dinge in Bewegung. Es löst starre Strukturen und macht neue möglich. Neue Verknüpfungen. Neue Muster. Neue Antworten. Erstarrtes löst sich und fügt sich zu Neuem. 102 Sabria David | re:publica 09
  103. 103. Was geschrieben wird, ist keine letzte Wahrheit mehr. 103 Sabria David | re:publica 09
  104. 104. Was geschrieben wird, ist keine letzte Wahrheit mehr. Es wird wahrer, je mehr sich daran beteiligen. 104 Sabria David | re:publica 09
  105. 105. Was geschrieben wird, ist keine letzte Wahrheit mehr. Es wird wahrer, je mehr sich daran beteiligen. Es überholt sich selbst. 105 Sabria David | re:publica 09
  106. 106. Was geschrieben wird, ist keine letzte Wahrheit mehr. Es wird wahrer, je mehr sich daran beteiligen. Es überholt sich selbst. Es schreibt sich fort. 106 Sabria David | re:publica 09
  107. 107. Was geschrieben wird, ist keine letzte Wahrheit mehr. Es wird wahrer, je mehr sich daran beteiligen. Es überholt sich selbst. Es schreibt sich fort. Es lebt. 107 Sabria David | re:publica 09
  108. 108. Vielen Dank. Sabria David www.text-raum.de www.twitter.com/meta_blum Dieser Vortrag steht unter einer Creative Commons Lizenz. 108 Sabria David | re:publica 09
  109. 109. Abbildungsnachweise Henriette Sauvant, „Hänsel und Gretel“. Aus: „Zaubermärchen“, Hanser Verlag, München 2004. Rotkäppchen, verschiedene Buchtitel der „Rotkäppchen“-Sammlung, Bilderbuchmuseum Troisdorf. Fotos: Sabria David. Doppelportrait Gebrüder Grimm, Radierung nach einer Bleistiftzeichnung von Ludwig Emil Grimm. Zit. nach: Brüder Grimm, Kinder- und Hausmärchen. Reclam, Stuttgart 1997, S. 941. Portrait der Märchenfrau Dorothea Viehmann: L. E. Grimm, Radierung, 1819 und Portrait Marie Hassenpflug zitiert nach: www.grimms.de, Brüder Grimm Museum Kassel. Aus dem Handexemplar Jacob und Wilhelm Grimms, Gebrüder Grimm Museum, Kassel. Vollständig digitalisiert zu finden unter www.grimms.de Genrebild über den Besuch der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm bei der Märchenerzählerin Dorothea Viehmann in Niederzwehren bei Kassel, Louis Katzenstein 1810. Digitales Archiv Marburg/Hessisches Staatsarchiv Marburg. Gutenberg-Portrait. Zit. nach http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Gutenberg Zuse Z3: Image courtesy of Computer History Museum, http://www.computerhistory.org/timeline/?year=1941 Ketchup: http://www.mensa.unibe.ch/lenya/mensa/live/News.html Sollte ich weitere Rechteinhaber übersehen haben, bitte ich um Nachricht und um Nachsicht. 109 Sabria David | re:publica 09

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