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--- LESEPROBE --- 
Catherine und ihre verrückte Welt 
Kuriose Küchen-Eskapaden, mit Liebe gekocht 
Ceren Ucar
„[…]ein humorvoller und sehr liebevoll geschriebener Roman, der die Stärken und Schwächen Protagonisten analysiert und die...
Über das Buch 
Eines Tages Köchin zu werden war schon immer Catherines größter Wunsch. Bereits als Kind experimentiert sie...
Impressum 
Catherine und ihre verrückte Welt (1. Auflage 2014) 
Autor: Ceren Ucar 
Lektorat: Iris Bachmeier 
Covergestaltu...
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1 Prolog 
„Wenn Sie nach einer gewissen Zeit fertig sind, wenn ihre Ziele schon erreicht haben, wenn Sie nicht mehr den...
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vergangenen Jahren aus mir hätte werden sollen und was eigentlich aus mir geworden war. 
Meine Abschlussprüfungen hatte...
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dass ich in die Leere springe und warte, bis etwas auf mich zukommt? „Falls Sie zu den Probierern gehören, dann sollten...
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Es ist nicht lange her, dass ich mich auf die Waage gestellt habe und mit meinem Gewicht zufrieden war, aber siehe d...
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Als ich mit dem Kritisieren fertig war, habe mich auf mein Bett gesetzt und angefangen, über meine gewaltige Veränderun...
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Morgen, Mr. Andrew! Was für unglaubwürdige Begrüßungen manche Menschen von sich geben konnten! Das war ja auch nur der ...
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Tieren niemanden hatte, war mir aber dann doch nicht sicher und blieb fest überzeugt, dass er in gewisser Hinsicht verr...
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Als Kind denkt man gar nicht daran, wie sehr sich sein Leben verändert, wenn man einmal das wird, was werden wollte. Ic...
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Einmal fragte mich Mrs. McKenzie, eine neue Lehrerin, die wir in der zweiten Klasse bekamen, nach meinem Namen. 
„Marth...
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Kombination ist. Dann biss ich ein Stück von der Erdbeere ab und schon hatte ich ein Gefühl, als hätte ich die Erdbeer...
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wäre. Zumindest habe ich diese Seite meines Charakters noch nie bereut. Das Restaurant sah sehr altmodisch aus, war ab...
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Nachdem ich mit dem Duschen fertig war, zog mich an und machte mich startbereit für den heutigen Tag. Ich blickte noch...
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Tussi von nebenan, wollte ich schon gar nicht fragen, ob sie so nett wäre und mich in die Arbeit fahren könnte. 
„Oh, ...
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nicht interessiert. Hauptsache, ich schaffte es noch rechtzeitig in die Arbeit.
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Als ich bei der Arbeit ankam, war froh, dass Mrs. Hall, die Besitzerin des Restaurants, nicht in der Nähe zu sehen ...
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sondern einfach gehen. Ich gebe zu, dass das jetzt übertrieben war, aber sie war wirklich unerträglich. Am besten, man...
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weiter: „Ich beobachte Sie genau, das wissen doch, oder?“ Ich nickte nur, und sie verschwand. Mrs. Hall wusste, dass i...
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er und grinste. Er machte sich öfter über mich lustig, daran war ich gewöhnt, aber dass er mich an Mrs. Hall erinnerte...
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können. Während George mit dem Dessert beschäftigt war, stellte ich mich zu ihm und versuchte ein Gespräch aufzubauen,...
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will. Aber ihm schien das auch ziemlich egal zu sein, denn er gab keine Antwort und setzte fort, was er zuvor sagen wo...
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ich kein gutes Einkommen mehr hätte, und wie es mit meiner Karriere, die sich eigentlich nie zu einer Karriere entwick...
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„Ich möchte in Ihrem Betrieb als Köchin arbeiten und bin der Meinung, dass ich hervorragend koche“, würde meine Antwor...
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langweilst, wundert mich sehr, aber das ist ‘ne andere Sache. Du kannst dir sicher sein, dass du auf dem richtigen Weg...
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hatten wir uns schon gewöhnt und konnten sie ignorieren. Und ich muss zugeben, sie war auch die Schönste von allen. Ca...
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Wie es weiter geht, erfahren Sie im Buch! 
Das Buch ist als eBook und gedruckte Version auf Amazon.de erhältlich. 
Hie...
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Catherine und ihre verrückte welt

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Eines Tages Köchin zu werden war schon immer Catherines größter Wunsch. Bereits als Kind experimentiert sie leidenschaftlich gern mit Zutaten und Geschmäckern und verwandelt die heimische Küche in ihr persönliches Kochshow-Studio.

Mit 21 Jahren hat sie ihr Ziel erreicht: Sie lebt in Manhattan und arbeitet dort als Köchin in einem renommierten Restaurant. Dummerweise muss Catherine aber nicht nur mit ihrer recht eigenwilligen Chefin zurechtkommen, sondern sich auch noch mit ihren verrückten und kuriosen Nachbarn herumschlagen.

Und dann geht plötzlich alles ganz schnell: Eine unbedachte Entscheidung, ein geheimnisvoller Anruf, ein unverhofftes Wiedersehen, eine zündende Idee – und Catherines verrückte Welt steht Kopf …

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  1. 1. Verlosungen, Leseproben, News und mehr? Jetzt Social Media Kanäle abonnieren!
  2. 2. --- LESEPROBE --- Catherine und ihre verrückte Welt Kuriose Küchen-Eskapaden, mit Liebe gekocht Ceren Ucar
  3. 3. „[…]ein humorvoller und sehr liebevoll geschriebener Roman, der die Stärken und Schwächen Protagonisten analysiert und diese dadurch sehr sympathisch erscheinen lässt.“ S.B. auf Amazon „Sehr fesselnd! Die Autorin schreibt auch sehr emotional und man kann sich sehr gut in die Lage der Protagonistin hineinversetzen.“ KekeCat „huibu“ auf Amazon „Ein wirklich wundervoller Roman, der mich zum Schmunzeln aber auch zum Nachdenken gebracht hat. Eine gelungene und runde Geschichte.“ Renate P. per E-Mail
  4. 4. Über das Buch Eines Tages Köchin zu werden war schon immer Catherines größter Wunsch. Bereits als Kind experimentiert sie leidenschaftlich gern mit Zutaten und Geschmäckern verwandelt die heimische Küche in ihr persönliches Kochshow-Studio. Mit 21 Jahren hat sie ihr Ziel erreicht: Sie lebt in Manhattan und arbeitet dort als Köchin in einem renommierten Restaurant. Dummerweise muss Catherine aber nicht nur mit ihrer recht eigenwilligen Chefin zurechtkommen, sondern sich auch noch mit ihren verrückten und kuriosen Nachbarn herumschlagen. Und dann geht plötzlich alles ganz schnell: Eine unbedachte Entscheidung, ein geheimnisvoller Anruf, unverhofftes Wiedersehen, eine zündende Idee – und Catherines verrückte Welt steht Kopf … Über die Autorin Ceren Ucar wurde 1995 im österreichischen Wien geboren und lebt bis heute dort. Seit dem Jahr 2010 besucht sie die Höhere Lehranstalt für Tourismus und wirtschaftliche Berufe Bergheidengasse mit Ausbildungsschwerpunkt Tourismus und Freizeitmanagement. Zu ihren Leidenschaften zählen neben dem Lesen und Schreiben ihre Reisen in fremde Städte.
  5. 5. Impressum Catherine und ihre verrückte Welt (1. Auflage 2014) Autor: Ceren Ucar Lektorat: Iris Bachmeier Covergestaltung: Jasmin Waisburd Bild: © Bigstockphoto.com Roman Verlag © 2014 http://www.romanverlag.com 207 Taaffe Place, Office 3A Brooklyn, NY 11205, USA Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch die der Übersetzung, des Nachdrucks und der Vervielfältigung des Werkes oder Teilen daraus, sind vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlags in irgendeiner Form (Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren), auch nicht für Zwecke der Unterrichtsgestaltung, reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Werk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürften. Trotz sorgfältigem Lektorat können sich Fehler einschleichen. Autor und Verlag sind deshalb dankbar für diesbezügliche Hinweise. Jegliche Haftung ist ausgeschlossen, alle Rechte bleiben vorbehalten. .
  6. 6. 1 1 Prolog „Wenn Sie nach einer gewissen Zeit fertig sind, wenn ihre Ziele schon erreicht haben, wenn Sie nicht mehr den Weg gehen müssen, den Sie schon zuvor gegangen sind, dann gratuliere ich Ihnen, Sie können gehen … Ihre Koffer zusammenpacken und sich nie wieder blicken lassen. Gehen Sie nur, los, verschwinden doch! Schaffen Platz für andere, die genauso denken, wie Sie damals vor langer Zeit gedacht haben. Oh ja, wie sehr Sie auf diesen Tag fixiert waren. Das Einzige, woran Sie noch denken konnten, war dieser Tag. Dieser Moment, wo Sie ihre Koffer zusammenpacken dürfen. Haben Sie sich das Ganze so vorgestellt? Jahre nur mit Streben verbracht, damit man Sie nie wiedersehen darf? Ich glaube, das haben Sie. Vielleicht wussten Sie damals nicht, dass Sie eines Tages so enden würden, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass Sie nun gehen müssen. Achten Sie darauf, dass ich nicht ‚können‘ gesagt habe, sondern ‚müssen‘. Sie müssen gehen … Und falls noch immer nicht glauben, dass Sie gehen müssen, werde ich Ihnen eine Geschichte darüber erzählen …“, ging es mir durch den Kopf. Keine Ahnung, was der Direktor einer Schülerin sagen würde, die ihre Schule absolviert hat, aber ich schätze, er würde so ähnlich reagieren und mir solchen Kram erzählen, dass ich jetzt fertig sei und gehen dürfe. Es war so weit. Ich hatte es bald geschafft und stand vor dem Ziel. Ehrlich gesagt, ich wusste wirklich nicht, was in den
  7. 7. 2 vergangenen Jahren aus mir hätte werden sollen und was eigentlich aus mir geworden war. Meine Abschlussprüfungen hatte ich hinter mir, meine Projekte, die ich beenden musste, waren endgültig vorbei. Jetzt konnte ich noch einen Schritt weitergehen und Blick in die Arbeitswelt werfen. Oder ich würde zu Hause bleiben, vor dem Fernseher hocken und weiterhin sehen, wie die Zeit davonrennt. Ich würde zu den „Probierern“ gehören. Stimmte das? Gehörte ich zu der Kategorie, die das nur probieren wollten? Selbst wenn ich eine Karriere beginnen würde, würde das auch nur aus Lust und Laune machen und wäre dann nur das Probieren mein Ausgangspunkt? Oder wusste ich genau, was ich machen würde, nur fiel es mir vor lauter Freude nicht ein? So schwer war es anscheinend, eine richtige Entscheidung zu treffen, wenn man reif genug für gewisse Entscheidungen war. Ich plagte mich so sehr mit dem Thema, dass ich mir nach einer Weile nur noch ein Bild von meiner zukünftigen Karriere machte. Wie sich mein Leben verändern würde und in welcher Position ich sein könnte. Meine Entwicklung, meine Erlebnisse und die Erfahrungen, ich machen würde. So leicht es auch klang, würde immer ein Auf und Ab geben und ich würde öfter Entscheidungen treffen, die mir nachher anders überlegen würde. Der Direktor in meinem Unterbewusstsein hatte vermutlich recht, das Glauben und Wollen ist entscheidend. Sobald man an sich glaubt, ist bereit, von der Klippe fallen zu lassen. Die Augen schließen und einfach nur fallen lassen, ob man am Ende Boden landet oder irgendwo im Nirgendwo, davon hängt es gar nicht ab. Hatte der Direktor versucht, mir das zu erklären? Wollte er mich überreden,
  8. 8. 3 dass ich in die Leere springe und warte, bis etwas auf mich zukommt? „Falls Sie zu den Probierern gehören, dann sollten Sie auch dahinterstehen und es wenigstens probieren“, hörte ich ihn noch einmal sagen. „Und was passiert, wenn ich nicht wirklich dort lande, wo ich eigentlich landen wollte, und dann irgendwo liege und denke, dass ich doch nicht hätte springen sollen?“ „Würden Sie es bereuen, wenn eine Torte kreieren, die Ihnen gelingt und gut schmeckt, aber nicht aussieht … Würden Sie es dann bereuen, dass diese Torte überhaupt gebacken haben?“, fragte er mich. Die Torte … über die dachte ich eine Weile nach. Der Direktor würde auf keinen Fall mit mir über das Fallen von einer Klippe reden oder über eine gelungene nicht gelungene Torte oder was weiß ich. Das wären zu persönliche Themen, zu direkt, tabu … Das wären Passagen, über die man mit einem Direktor nicht reden könnte … Ob ich die Torte wirklich bereuen würde? Darüber dachte ich sehr lange nach, zumindest kam mir die Zeitspanne sehr lange vor. Aber meine Gedanken veränderten sich nicht und das Einzige, was ich wusste, war, dass ich gar nichts wusste. „Ich weiß es nicht, Herr Direktor, ich weiß es wirklich nicht …“
  9. 9. 4 2 Es ist nicht lange her, dass ich mich auf die Waage gestellt habe und mit meinem Gewicht zufrieden war, aber siehe da - ich habe reichlich zugenommen. Mein ganzer Körper hat Fett angesetzt. Meine Brustgröße hat sich verdoppelt. So verdoppelt, dass ich sie als weibliche Person gar nicht würde anfassen wollen. Ich meine, was fange ich mit diesen megagroßen Hängebusen an? Nicht einmal ein Baby würde daran saugen wollen, wenn ich eines hätte. Und ein sexy gebauter, muskulöser, junger Mann schon gar nicht! Groß? Schön und gut, aber fett hängend? Nein, danke. So würde vermutlich jeder denken. Also bin ich froh, dass sie gar nicht sehen und ich bin mehrfach dass sie nicht mit ihnen in Berührung kommen müssen. Wenn nur meine Titten das Problem wären, würde mich dies beruhigen und ich würde mir keine Sorgen um mein Gewicht und Aussehen machen, aber da fängt es leider erst an. Über meine Hüften will ich gar nicht reden. Man würde glauben, ich wäre von einem fitten und attraktiven Menschen (Na schön, vielleicht war das Adjektiv „attraktiv“ nun wirklich übertrieben.) zu einem übergewichtigen Menschen mutiert. Ich könnte kotzen, wenn ich meine umfangreichen Oberschenkel im Spiegel sehen muss. Noch dazu habe ich wieder Pickel im Gesicht, als wäre ich eine Mischung aus Erwachsener und Teenager. Oh Gott, die Vorstellung ist schon Angst erregend! Langsam mache ich mir Sogen um mich …
  10. 10. 5 Als ich mit dem Kritisieren fertig war, habe mich auf mein Bett gesetzt und angefangen, über meine gewaltige Veränderung nachzudenken. Wann hatte es angefangen? Wie hatte ich das geschafft? Nachdem mir einfiel, wo der Haken war, habe ich angefangen zu weinen. Ich saß da, allein und verzweifelt, bedeckte mein Gesicht mit den Händen und heulte. Ab zu schluchzte ich so laut, dass ich mir kurzfristig Gedanken über meine Nachbarschaft machen musste. Ob sie wirklich gehört hatten, dass eine junge Dame wie ich kreischte ein kleines Kind, wenn sie mal zu weinen begann? Darüber konnte ich mir den Kopf nicht zerbrechen, schließlich hatte ich andere Probleme, über die ich mir Gedanken machen sollte. Was interessierte mich meine Nachbarschaft? Ich hätte mich auch über Mrs. Alen beschweren können, die ich manchmal in der Nacht stöhnen hörte, obwohl sie alleinstehend war. Da konnte ich richtige Grimassen schneiden, wenn es mal dazu kommen sollte, dass ich auch Gerüchte verbreiten musste. Oder der alte Typ von nebenan, jeden Tag Selbstgespräche mit seinen Katzen führte? Sollte man solche Leute nicht als „psychisch gestört“ bezeichnen? Leuten wie Mr. Andrew fällt es nicht auf, wie merkwürdig sie sich benehmen. Aber wenn man mal seinen Gefühlen freien Lauf ließ und auf übertriebene Art und Weise weinte, dann war man die schlimmste Person, in der Nachbarschaft sein kann. Und dann würden sie ständig nur über einen reden und Gerüchte verbreiten, die mit der Realität kaum etwas zu tun hatten. Ich hätte wetten können, dass Mrs. Alen morgen früh vor der Tür von Mr. Andrew, dem alten Typen, stand und sagte: „Schönen guten Morgen, Mr. Andrew!“ Oh, schönen guten
  11. 11. 6 Morgen, Mr. Andrew! Was für unglaubwürdige Begrüßungen manche Menschen von sich geben konnten! Das war ja auch nur der erste Satz, dann ging es noch schräger weiter. Mrs. Alen war eine moderne, typische elegante Frau. Deswegen benahm sie sich auch weiblicher als alle anderen Frauen. Sie faltete jedes Mal ihre Hände, wenn sie vor Mr. Andrews Haustür stand und ihm über den vergangenen Tag erzählen wollte. Das machte sie sehr häufig oder besser gesagt, fast immer. „Haben Sie gehört, wie Catherine gestern geweint hat? Wie peeeeeeinlich!!!“, würde sie fortfahren. Anschließend würde sie anfangen, laut zu lachen, sodass es jeder hörte und dachte, dass sie eine glückliche Person wäre immer einen Grund hätte, über etwas zu lachen. Dabei wirkte sie nicht glücklich, sondern gestört. So richtig, richtig gestört! Aber das wusste sie selber nicht und ich dachte, niemand würde sie darauf aufmerksam machen. Ob sie auch wollte, dass die anderen dachten, sie hätte eine Art Beziehung mit Mr. Andrew, da war ich mir noch nicht ganz sicher. Schließlich lachte er immer mit, obwohl keine Ahnung hatte, weshalb und worüber sie lachten. Dieser humorvolle Moment (wenn man ihn als humorvoll bezeichnen kann) und diese Lacherei gingen eine Weile weiter, bis sie sich wieder beruhigt hatten. Und wenn sie sich hatten, dann atmeten sie einmal tief durch und wünschten einander noch einen schönen Tag. Anhand dieser Begrüßung und diesem vollendeten Abschied hätte man, selbst wenn man diese beiden überverrückten Personen gar nicht kannte, gleich feststellen können, dass an ihrer Persönlichkeit etwas faul war. Ich habe mir manchmal überlegt, ob Mr. Andrew nur Gespräche mit seinen Katzen führte, weil er außer
  12. 12. 7 Tieren niemanden hatte, war mir aber dann doch nicht sicher und blieb fest überzeugt, dass er in gewisser Hinsicht verrückt war. Seine Katzen waren von großer Bedeutung für ihn. Jeden Tag streichelte er sie liebevoll und sprach mit ihnen, erzählte ihnen über seine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wie zärtlich geschmeidig er jedes Fell berührte, wie rücksichtsvoll er mit ihnen umging. Belehrte sie über die Einsamkeit, unter der er jahrelang gelitten hatte. Mr. Andrew filterte jedes einzelne Wort in seinem Mund und sprach sie sorgfältig aus, als würde er ein Kleinkind in den Schlaf wiegen. Er redete manchmal über „Samantha“. Flüsternd und besorgt klang er, wenn er den Namen „Samantha“ aussprach. Seine Stimme zitterte jedes Mal, wenn er sagte „Samantha würde das nicht akzeptieren“ oder „Samantha hat uns das verboten …“ Bis jetzt hatte ich nicht genau feststellen können, wer Samantha war, und traute mich nicht, ihn darauf anzusprechen, denn wenn er über sie sprach und ich an ihm vorbeiging, schaute er mich kurz an und verschwand mit seinen Katzen im Haus. „Kommt, meine Lieben, kommt. Samantha möchte, dass wir nach Hause gehen“, sagte er, während er sie auf den Schoß nahm. Ich schnäuzte mir und versuchte mich wieder aufrecht hinzusetzen, sodass ich mir vorstellen konnte, könnte mich selbst motivieren und mir einreden, ich könnte diese Kalorien, die ich zu mir genommen hatte, wieder verbrennen. Natürlich war das reine Einbildung, wie sollte ich eine derartige Fettmasse wieder wegkriegen? Natürlich war ich selber schuld, das war mir schon klar, aber wie hätte ich wissen sollen, dass die Konsequenzen so hart sein würden?
  13. 13. 8 Als Kind denkt man gar nicht daran, wie sehr sich sein Leben verändert, wenn man einmal das wird, was werden wollte. Ich war oft abenteuerlustig und habe mich immer gefreut, wenn ich mit verschiedenen Lebensmitteln experimentieren durfte und Essbares dann nachher essen konnte. Einmal habe ich Mehl mit Wasser vermischt. Dann Lebensmittelfarbe hinzugefügt und kräftig mit den Händen durchgeknetet. Danach gab ich Backpulver, Milch und geriebene Mandeln dazu und knetete die Masse wieder schön durch, sodass Mehl an meinen Wangen kleben blieb und ich ein Stück vom Teig auf der Nase hatte. Dann gab ich meistens Zucker und Eier dazu. Wesentlich mehr Zucker, als ich dazugeben sollte, und verarbeitete ihn erneut. Dabei führte ich Selbstgespräche wie Mr. Andrew von nebenan und bildete mir ein, ich wäre eine der berühmten Köchinnen, die man so im Fernsehen zu sehen bekam. „Willkommen bei Catherines Show! Heute werden wir wieder ganz tolle Leckereien kochen, zumindest hoffe ich das, versprechen kann ich’s nicht! Aber selbst wenn aus diesen Rezepturen nichts wird (die eigentlich keine Rezepturen sind, weil ich sie nämlich ganz spontan erfinde), dann werden wir uns trotzdem freuen und denken, dass zumindest eine nette Zeit verbracht haben. Also bleibt dran!“, rief ich laut in der Küche. Martha Stewart wäre wahrscheinlich enttäuscht von mir gewesen, wenn sie mich und meinen ordinären Körper gesehen hätte. „Habe ich dir das so beigebracht? Hast du gedacht, würdest so werden wie ich?“, hörte ich ihre Stimme in meinem Kopf schwingen. Sie war wirklich ein Vorbild für mich. Es gab auch Momente, wo ich mich als Martha Stewart ausgegeben habe.
  14. 14. 9 Einmal fragte mich Mrs. McKenzie, eine neue Lehrerin, die wir in der zweiten Klasse bekamen, nach meinem Namen. „Martha Stewart, sehr erfreut“, sagte ich stolz und reichte ihr meine Hand. Sie warf mir einen seltsamen Blick zu, den ich nicht deuten konnte. „Mögen Sie denn Martha Stewart nicht?“, fragte ich enttäuscht, nachdem nicht wusste, weshalb sie mich dermaßen merkwürdig anguckte. Und ihr Gesichtsausdruck veränderte sich auch nicht, als sie eine Augenbraue hob und wie in Zeitlupe nickte. „Ganz meinerseits, Mrs. Stewart“, sagte sie, aber in meinen Ohren klang es eher so: „Deinen Namen werde ich mir merken, und ich bin sicher, wir beide werden uns sehr amüsieren.“ Ob wir uns amüsiert haben? Ich denke, ich konnte froh sein, dass wir überhaupt miteinander zurechtkamen. Was ich da gezaubert hatte, hatte eher wenig Ähnlichkeit mit einem Teig. Zumindest sah es nicht appetitlich aus und heute würde es mir den Magen umdrehen, wenn ich das essen müsste. Aber mit mehr Erfahrung hätte es sich zu einem leckeren Makronenteig entwickeln können, wenn ich so eine französische Köstlichkeit in dem Alter schon gekannt hätte. Manchmal versteckte ich mich unter dem Bett und nahm so viel zu essen mit, dass mir im Nachhinein immer schlecht wurde. Zuerst leckte ich zum Beispiel an einer Erdbeere und ließ das Aroma auf meiner Zunge zergehen. Dann roch ich an Sojasauce und rieb ein Stück Schokolade meinen Zähnen, sodass geriebene Schokostückchen in meinem Mund blieben. Warum ich an der Sojasauce roch, weiß nicht, aber ich hatte wohl unbewusst die Tatsache im Kopf, dass Süßes und Pikantes beziehungsweise Salziges eine gute
  15. 15. 10 Kombination ist. Dann biss ich ein Stück von der Erdbeere ab und schon hatte ich ein Gefühl, als hätte ich die Erdbeere in Schokoladenfondue eingetunkt und das dann genossen. Diesen Vorgang wiederholte ich mit fast allen Früchten. Damals ist es mir nicht aufgefallen, aber ich muss sagen, dass das mein erster Schritt war, welcher mich zu meiner Kochkarriere hinführte, und der wesentliche Grund, weshalb ich heute so dick geworden bin und mein Spiegelbild nicht ertragen kann. Wie gesagt, ich bin unter großer Mühe und durch einen starken Willen Köchin geworden. Ich habe nicht behauptet, dass aus mir eine „erfolgreiche Köchin“ geworden ist. Ziemlich weit weg bin ich von dieser Bezeichnung, aber kochen werde ich wohl können, wenn Köchin von Beruf bin. Nachdem ich mich zusammengerissen hatte, stand auf und machte mich auf den Weg zum Badezimmer. Ich öffnete meinen Zopf und ging mit den Fingern durch meine braunen, langen Haare. Dabei konzentrierte ich mich auf meine blauen Augen in meinem Spiegelbild. Wenn ich meinen Körper hätte übersehen können, dann ich gesagt: „Du bist zum Anbeißen!“ Da ich das nicht konnte, zog ich meine Kleidung aus und stellte mich in die Dusche. Langsam ließ ich warmes Wasser über mein Gesicht laufen und dachte dabei an den kommenden Tag, den ich wieder in der Küche verbringen wollte. Seit einigen Monaten arbeitete ich in einem sehr berühmten Restaurant in Manhattan, New York, und ich muss sagen, ich war begeistert, obwohl am Anfang Vorurteile hatte. Eigentlich habe ich sie fast bei jedem und allem. Ich denke, Vorurteil bedeutet Sicherheit und Vorsicht. Vielleicht wäre es schlimmer, wenn ich gar nicht vorurteilsvoll
  16. 16. 11 wäre. Zumindest habe ich diese Seite meines Charakters noch nie bereut. Das Restaurant sah sehr altmodisch aus, war aber von innen sehr modern. Designerstühle und -tische befanden sich darin, und die kreativsten Porträts und Bilder von den berühmtesten Künstlern der ganzen Welt hingen an den Wänden. Die Gäste kamen nicht nur aus Manhattan, sondern auch von anderen Städten und Orten. Sie kamen überall. Am Anfang war das ziemlich ungewohnt für mich, aber mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt. Da in meiner Schulzeit die Ehre hatte, mit vielen Sprachen Bekanntschaft machen zu dürfen, war das nicht so ein riesiges Drama für mich. Ich spreche sie zwar nicht alle fließend, aber meistens bilde ich eine Kombination aus verschiedenen Sprachen und mische viele Wörter zusammen. Und wenn diese Methode auch nicht klappt, dann verwende ich die Körpersprache! Nachdem manche Bewegungen international sind, denke ich, wäre das der letzte Ausweg, um sich erfolgreich verständigen zu können. Zwei Klassiker wären zum Beispiel „Daumen hoch“ oder runter“. Das mache ich, wenn ich wissen will, ob alles im grünen Bereich ist oder wenn ich jemandem zustimmen will. Wobei erwähnen muss, dass auch diese Zeichen von verschiedener Bedeutung sein können. Wenn ich in Australien oder Nigeria wäre, würde ein „Daumen hoch“ zu einem Problem führen, schließlich wäre das dort ein obszönes Schimpfwort. Natürlich kann die Körpersprache auch missverstanden werden, da in verschieden Kulturen manches anders wahrgenommen wird. In Amerika sollte man zum Beispiel jeden oder jede anlächeln, in Japan dagegen ist das anders. Männer sollten in der Öffentlichkeit nicht viel lachen und Frauen dürfen beim Lachen nicht ihre Zähne zeigen. Also: Achtung bei Japanern und Japanerinnen!
  17. 17. 12 Nachdem ich mit dem Duschen fertig war, zog mich an und machte mich startbereit für den heutigen Tag. Ich blickte noch kurz in den Spiegel (Das war wirklich ein kurzer Blick, schließlich hätte ich es nicht gewagt, das hervorstehende Fett an meinen Hüften zu betrachten, denn ich war mir sicher, würden die Würstchen hochkommen, die ich in der Früh schnell verschlungen hatte.), holte meine Autoschlüssel und ging aus dem Haus. Seit vielen Monaten wohnte ich in einem von diesen Reihenhäusern. Ich habe noch nie zuvor in einem Reihenhaus gewohnt, deswegen brauchte ich noch eine Weile, bis mich daran gewöhnt hatte, das Gefühl zu ignorieren, sich von den anderen nicht zu unterscheiden. Ich meine, ich gehe hinaus und sehe eine Reihe von gleichen Häusern und die meisten in der Nachbarschaft gehen selbstverständlich arbeiten und kommen ungefähr zur selben Zeit wieder nach Hause. Ich stieg in mein Auto, aber der Motor wollte partout nicht anspringen. Nach ein paar Versuchen gab ich es auf und stieg aus dem Auto. Die Minuten kamen mir wie Stunden vor, denn ich wusste nicht, was tun sollte, und geriet in Panik. Statt mir schnell eine alternative Lösung auszudenken, bekam ich einen Wutanfall und fing an, den hinteren Reifen meines Autos mit meinem rechten Fuß zu attackieren. Dabei schrie ich, soweit ich es mitbekommen habe, den Reifen verärgert an und machte nach jedem Wort eine kurze Pause. „Du verflixter, runder, nutzloser, schwarzer, hässlicher Reifen!“, blieb mir im Kopf hängen. Dann versuchte ich die Ruhe zu bewahren und tat nun das Sinnvollste, nämlich das, was ich vor der Attacke schon hätte machen sollen, und suchte eine Lösung. „Also gut, Catherine, schön tief durchatmen!“, murmelte ich vor mich hin. Ein Taxi würde zu lange brauchen, bis es bei mir ankam, und Mrs. Alen, die
  18. 18. 13 Tussi von nebenan, wollte ich schon gar nicht fragen, ob sie so nett wäre und mich in die Arbeit fahren könnte. „Oh, schönen guten Morgen, Mrs. Alen! Wären Sie so nett und könnten mich zur Arbeit fahren?“, müsste ich mit gefalteten Händen sagen. Sie würde mir im Auto derart auf die Nerven gehen und ich müsste jederzeit damit rechnen, dass sie mir den Moment vor Augen halten würde, wo ich geweint hatte. Dann würde ich sie anbrüllen und frech fragen, wie es in der vergangenen Nacht war und ob ihr imaginärer Freund es ihr richtig besorgt hatte. „Na Mrs. Alen, wie war es denn gestern Nacht? Mir schien, die Performance ihrer Hand war hervorragend! Sie sollten sie öfters anwenden“, würde ich sagen. Also beschloss ich, mein Fahrrad zu benutzen. Ich weiß, es klingt verrückt, aber ich hatte keine andere Wahl. Eine 21- Jährige, die seit ihrer Kindheit immer unfähig war und kein Fahrrad lenken konnte, saß nun auf dem Fahrradsitz, um in die Arbeit fahren zu können. Soweit ich mich erinnern kann, habe mein Fahrrad für meine Kochexperimente benützt. Dass ich, während die Reifen sich drehten, auf dem Fahrradsitz einen Handstand machte und gleichzeitig versuchte, mit der Zunge Vanillepudding aus der Schüssel zu essen, die ich am Sitz festgebunden hatte, war sehr ausgefallen. Sicher bin ich kurz darauf am Boden gelandet, aber das war es wert. Nachdem ich mit dem Fahrrad in die Arbeit fuhr, musste ich mir keine großartigen Gedanken über den Verkehr in der Stadt machen. Ich fuhr zwar nicht auf dem Fahrradweg, gab aber trotzdem Acht auf Personen, die sich jedes Mal aufregten, wenn ich an ihnen vorbeifuhr. „Entschuldigung!“, oder „Tut mir leid!“, Verzeihung!“, rief ich hinter ihnen her. Ob sie meine Entschuldigung annahmen, daran war ich
  19. 19. 14 nicht interessiert. Hauptsache, ich schaffte es noch rechtzeitig in die Arbeit.
  20. 20. 15 3 Als ich bei der Arbeit ankam, war froh, dass Mrs. Hall, die Besitzerin des Restaurants, nicht in der Nähe zu sehen war. Mann, Catherine, du Glückspilz! Du hast richtig Schwein gehabt, meine Liebe!, dachte ich und stellte mein Fahrrad ab. Also diese Frau, meine Chefin, konnte einen richtig niedermachen, wenn sie jemanden sah, der zu spät zur Arbeit erschien. Sie würde mit einem Mixer in die Augen desjenigen hineinfahren und diese zuerst durchmixen, bis die Hälfte der beiden Augen hinausfiele. Dann kämen ihre Füße an die Reihe. Sie würde halben Augäpfel mit dem Fuß zu einer flüssigen Masse zerstampfen. Anschließend würde sie einen anlächeln und fragen, ob man gut geschlafen hätte, schließlich gäbe es gar keinen anderen Grund für das Zuspätkommen. Wohnte man nicht in der Nähe, dann sollte man auf den Schlaf verzichten. Hatte in der vergangenen Nacht eine fette Party veranstaltet, so sollte man wieder auf den Schlaf verzichten und früher aufstehen. Das Beste war, sie würde nicht einmal auf die Antwort warten und eine akzeptable Erklärung verlangen, sondern einem mit der Hand den Kopf hinunterdrücken und die flüssige Masse, die sie zuvor hergestellt hatte, vor die Nase halten, bis einem schlecht wurde. „Falls das noch einmal passieren sollte, werden Sie Ihre pürierten Augen essen müssen, verstanden?“, würde sie drohen. Und wieder würde sie nicht auf die Antwort warten,
  21. 21. 16 sondern einfach gehen. Ich gebe zu, dass das jetzt übertrieben war, aber sie war wirklich unerträglich. Am besten, man erfüllte ihre Wünsche und ging ihr aus den Augen, sonst hatte man das starke Bedürfnis, diese Frau an einen Lastwagen anzuhängen und in der Gegend herumzuschleifen. Als ich im Umkleideraum stand und mit dem Umziehen fertig war, dachte ich, dass dieser Abschnitt meines Lebens mein letzter wäre. Noch wollte ich durch die Tür hinausgehen und den Raum verlassen, aber wen sah ich? Mrs. Hall, die blonde Hexe mit ihren langen Beinen. In Wahrheit war das ein Kompliment für sie, denn das waren die einzigen Körperteile, dich ich an ihr mochte. Mit diesen langen Beinen hätte sie „Miss Universe“ werden können, das schwöre ich. Mein ganzer Körper zitterte vor Angst und ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Der Boden bebte unter meinen Füßen, und sie blickte nur in meine Augen, als würde mich gleich köpfen. Dass ich sie furchteinflößend fand, lag nicht an ihrer starken Persönlichkeit oder ihren strengen Regeln. Den Job, für den ich hart gearbeitet hatte, wollte nicht verlieren. Das Restaurant war eines der besten, die es in Manhattan gab. Deswegen konnte sie sich solche Aktionen leisten, was die Pünktlichkeit oder Leistung betraf. Mrs. Hall hätte Hunderte von Mitarbeitern finden können, die Schlange gestanden hätten, um in diesem Restaurant arbeiten zu dürfen. Sie näherte ihr Gesicht, bis es nur noch ein paar Millimeter von mir entfernt war, und ich spürte ihren Atem. Auf der Nase, auf meinen Lippen und sogar auf meinen Wangen. „Miss Catherine …“, erklärte sie. Ehe ich noch eine Antwort geben konnte, beendete sie ihren Satz und sprach
  22. 22. 17 weiter: „Ich beobachte Sie genau, das wissen doch, oder?“ Ich nickte nur, und sie verschwand. Mrs. Hall wusste, dass ich zu spät kam, aber anscheinend wollte sie mich nicht feuern. Diese Drohung sollte ein Zeichen dafür sein, dass sie über alles informiert war. Schnell schnappte ich noch meine Kochmütze und begab mich in Richtung Küche. Dort lief es einigermaßen gut. George, der Südafrikaner, hatte die Küche und das Personal im Griff. Er konnte er wusste, wie man mit Stress umgeht. Eigentlich wusste generell, wie der Tag ablaufen sollte, obwohl er nicht Küchenchef war. Man hätte ihn sogar als Experten bezeichnen können, was das Führen einer Küche anging. George war einer der wenigen, mit denen ich mich verstand und mit denen ich über mein Privatleben reden konnte. Er hatte in seiner Heimat eine Kochschule absolviert und genug Erfahrung gesammelt. Als wir uns zum ersten Mal sahen, erzählte er mir, wie eine Europatour gemacht hatte. Der 29-Jährige war für seine Arbeitgeber von wichtiger Bedeutung. Seine Karriere begann in Paris, wo er als Chef de Partie arbeitete, aber seinen Durchbruch hatte er erstaunlicherweise in Italien, obwohl er fast keine Ahnung von der italienischen Küche hatte. Nach Manhattan kam er erst später, weil seine Freundin Alice versetzt wurde und er ohne sie nicht konnte. Also begrüßte ich George wie jeden Morgen: „Hey, du Kuvertüre, wie läuft’s denn so?“ Ich nannte ihn manchmal so, weil mich seine Hautfarbe immer an diese leckeren, kleinen, braunen Schokostückchen erinnerte. Außerdem liebten wir beide Schokolade über alles, und das war schon ein Grund, ihn Kuvertüre zu nennen. „Perfekt, wie soll es denn laufen? Ich sollte wohl eher fragen, wie es bei dir läuft? Ich denke, nicht so gut?“, sagte
  23. 23. 18 er und grinste. Er machte sich öfter über mich lustig, daran war ich gewöhnt, aber dass er mich an Mrs. Hall erinnerte, machte mich wahnsinnig. Wir konnten sie beide nie leiden, nicht weil sie unsympathisch war oder aus irgendeinem Grund, der mit ihren Eigenschaften zu tun hatte. Sie war … sie war einfach seltsam. Oh ja, ich denke, dass das die richtige Bezeichnung für Mrs. Hall ist. „Wie soll es denn laufen!“, antwortete ich und verdrehte die Augen. Kuvertüre lachte natürlich wieder und meinte, ich solle ihm bei der heutigen kalten Vorspeise helfen. In Küche waren noch Tom der Dicke, Leonardo, Spezialist für die mexikanische Küche, Charlotte, die ständig etwas zu meckern hatte, und noch eine paar Chefs Commis, die ich kaum kannte. Tom war im Gegensatz zu mir richtig dick, aber das lag daran, dass er ständig aß, während etwas zubereitete. Er war der Lustigste von allen, und auch ein bisschen naiv. Ob er auch rohe Eier essen würde, wenn nur Spiegeleier machen müsste? Leonardo war eher ein Romantiker, liebte die mexikanische Küche und war scharf auf scharf. Sein Leben bestand aus seiner Frau, der Liebe und mexikanischem Essen. Oder doch umgekehrt? Auf jeden Fall waren das die wichtigsten Punkte, die er aufgezählt hätte, wenn man ihn darauf ansprach. Charlotte, die blöde Kuh, sich ständig aufregte, war im Großen und Ganzen eigentlich okay. Außer, dass ich die Haarfarbe nicht mochte, die sie seit Kurzem trug. So viel zu den schrägsten Mitarbeitern, die man je haben konnte. Mit der kalten Vorspeise war ich fast fertig. Den Salat mit Mozzarella und Tomaten musste ich noch würzen dann konnte man ihn schon servieren. Die Vorspeise gab ich weiter und war froh, für ein paar Minuten Luft schnappen zu
  24. 24. 19 können. Während George mit dem Dessert beschäftigt war, stellte ich mich zu ihm und versuchte ein Gespräch aufzubauen, damit ich mich in diesen Minuten nicht langweilen musste. Ich fragte ihn nach Alice, wie es ihr ginge und ob sie sich schon überlegt habe, wie es wäre, wenn ein Kind zur Welt bringen würde. Alice war etwas nervös, wenn es um Kinder ging. Sie wäre eine zu besorgte Mutter und hätte Angst, Fehler zu begehen. Fehler, die sie bei der Erziehung nie wiedergutmachen könnte. Aber das gehörte eben dazu, und selbst wenn sie das Schwangerwerden jetzt verschob, würde irgendwann die Zeit kommen. Länger konnte sie sich nicht mehr drücken. „Sie ist sich noch nicht ganz sicher. Ich verstehe sie auch, aber wir sind schon seit einer Ewigkeit zusammen und ich würde sie unterstützen, soweit ich kann. Verstehst du?“, fragte er und klang sehr verzweifelt. „Ich verstehe dich, aber wichtig ist, dass Alice dich versteht“, antwortete ich und hoffte, dass ich ihn beruhigen konnte. Meiner Meinung nach sollte George ganz anders reagieren. Es würde mir ungeheuer auf die Nerven gehen, wenn meine Frau das Schwangerwerden immer wieder verschieben würde. Frauen sind empfindlich, und ein Kind ist eine ungewöhnliche Sache für sie, aber das Davonrennen wäre auch keine Lösung. Als ich so in Gedanken vertieft war, war es Georges Stimme, die mich in Gegenwart zurückholte. „Catherine, Catherine!“, hörte ich ihn rufen. Er wiederholte meinen Namen so oft, dass ich nach einiger Zeit genug hatte. „Was ist?!“, rief ich so laut, dass George zusammenzuckte. „Ach, tut mir leid. Ich wollte nicht so laut reden“, teilte ich ihm mit, was in Wahrheit gar nicht stimmte. Warum sollte ich laut reden, wenn gar nicht reden
  25. 25. 20 will. Aber ihm schien das auch ziemlich egal zu sein, denn er gab keine Antwort und setzte fort, was er zuvor sagen wollte. „Catherine, bitte sag mir, womit du die Vorspeise gewürzt hast?“, fragte er besorgt. „Die Vorspeise habe ich mariniert, wieso fragst du?“ „Das ist mir schon klar, dass du eine Marinade hergestellt hast. Ich möchte wissen, welche Gewürze da drin waren!“ „Mann, George, reg dich mal ab! Ich habe eine ganz gewöhnliche Marinade aus Öl, Essig, Salz und Pfeffer gemacht. Und kannst du jetzt so nett sein und mir sagen, warum du dich so aufregst und wissen willst, was in dieser blöden Marinade war?“ Also das war der übertriebenste Moment, den ich je mit der Kuvertüre erlebt hatte. Es war nur eine Marinade und kein Chemieexperiment, bei dem ein Fehler zu einer Explosion führen konnte. „Und was ist mit diesem Zuckerbehälter vor dir?“, fragte er neugierig. Nun wusste ich, worauf hinauswollte. Von diesem Augenblick an war mir klar, dass kleine Fehler sich zu großen Fehlern entwickeln konnten. Kurz gesagt: Ich war am Arsch. Sofort machte ich einen Aufstand und plapperte dahin, dass Mrs. Hall mich entführen und in den Wald verschleppen würde, wenn sie das erfuhr. Dort würde mich kopfüber an einem Baum aufhängen und mir mein Haar abschneiden. George fasste mich am Arm und teilte mir mit, dass ich mich beruhigen solle. „Sie wird sicher nicht darauf kommen, dass du so dumm warst und eine Menge Zucker statt Salz in die Vorspeise gekippt hast“, erklärte er liebevoll und lachte wieder. Ich war verloren, ich war am Ende … Schon hatte ein Leben ohne Job vor Augen. Was ich machen würde, wenn
  26. 26. 21 ich kein gutes Einkommen mehr hätte, und wie es mit meiner Karriere, die sich eigentlich nie zu einer Karriere entwickelt hatte, weitergehen würde. Arbeitslos oder sogar obdachlos würde ich sein. Kein Zuhause, kein Auto und Fahrrad … Auf der Straße müsste ich leben und vielleicht sogar ab zu von der Ferne das Restaurant beobachten. George würde mir Geld geben, wenn er mich auf der Straße herumwandern sah. Und sogar Mrs. Alen würde sich über mich lustig machen, weil ich wieder weinen würde. Meine ehemalige Nachbarin würde sich neben mich setzen und vielleicht würde ich mir sogar ihre Geschichten über Selbstbefriedigung anhören. Ich musste einsehen, dass ich jetzt gehen durfte. Also nahm ich meine Kochmütze in die Hand und machte mich auf den Weg zu Mrs. Halls Zimmer. Meine Beine spürte ich kaum und mein Kopf fühlte sich so an, als würde er in wenigen Sekunden platzen. Trotzdem hatte ich vor, zu kündigen, bevor sie es tat. Damit hätte ich mein Leben lang nicht fertig werden können. Meine Eltern wären enttäuscht von mir, wenn sie erfahren würden, dass meine Chefin mir gekündigt hätte, daher dachte ich, es wäre besser, wenn ich meinen Job aufgab. Dann konnte ich meinen Eltern zumindest sagen, dass mir die Arbeitsbedingungen nicht mehr gefielen und ich nicht weiterhin in diesem Betrieb arbeiten wollte. Vielleicht konnten sie das verstehen und würden nicht denken, dass ich unfähig war und keine Marinade zustande bringen konnte. Vermutlich war das auch Ende meiner Kochkarriere, ich meine, selbst wenn ich mich in einem anderen Restaurant bewarb, musste ich eine Erklärung für meine Kündigung haben, aber die hatte ich nicht. Das Gespräch würde ungefähr auf diese Weise ablaufen: „Guten Tag, was führt Sie zu uns?“
  27. 27. 22 „Ich möchte in Ihrem Betrieb als Köchin arbeiten und bin der Meinung, dass ich hervorragend koche“, würde meine Antwort lauten. „Warum haben Sie Ihren ehemaligen Job aufgegeben?“ „Weil ich gekündigt habe“ Was für ein Selbstbewusstsein! Da konnten wir gleich über schmutzige Themen reden, wie zum Beispiel Analverkehr oder „Was ist deine Lieblingsposition“. „Weil Sie gekündigt haben, habe ich das richtig verstanden? Und warum haben Sie gekündigt, wenn ich fragen darf?“ „Ich war unfähig, eine Marinade herzustellen!“ „Danke, wir werden Sie demnächst anrufen!“, wäre die letzte Antwort, die ich von dieser Person bekäme, denn dieser Satz war gleichbedeutend mit „Wir werden Sie nicht anrufen!“ Nachdem ich mir Gedanken über meine Vorstellungsgespräche gemacht hatte und mich das noch mehr demotivierte, überlegte ich, wie sehr ich auch meine Eltern vermisste. Lucie und Camilla, so heißen meine Schwestern. Lucie, die Jüngere, arbeitete bei einer Werbeagentur. Sie war sehr tollpatschig und redete zu viel. Manchmal stellte ich sie mir wie eine computergesteuerte Maschine vor, die darauf programmiert war, wie ein Wasserfall zu reden. Aber sie war die Einzige in der Familie, die ein wenig Verständnis für meine Kochexperimente hatte. „Weißt du was, Catherine? Ich finde deine abartigen Ideen, was das Kochen angeht, sehr interessant. Vor allem, weil du dir so richtig Mühe gibst und jeden Tag anhörst, was Martha Stewart treibt. Dass du dich dabei nicht
  28. 28. 23 langweilst, wundert mich sehr, aber das ist ‘ne andere Sache. Du kannst dir sicher sein, dass du auf dem richtigen Weg bist, und du darfst nie den Fehler begehen darauf hören, was die anderen über dich sagen. Damit meine ich Camilla, Tante Janette, Tante Susanne, Onkel Boris, unsere Cousine Charlotte, Kevin, Großvater, Großmutter und den Rest“, plapperte sie vor sich hin, als wir beide auf unseren Betten saßen. „Lucie, ich glaube, du hast mittlerweile die ganze Familie aufgezählt“, antwortete ich. „Oh nein, da sind noch viele, die ich nicht erwähnt habe! Deine Lehrerin, Mrs. McKenzie, deine Sitznachbarin, ich meine die mit den Locken ...“ Und da bereute ich es schon, dass ich ihr überhaupt eine Antwort gegeben hatte. Den letzten Teil ihrer Aufzählung habe ich nicht mehr mitgekriegt, weil ich schon genug davon hatte. Lucie hatte richtige Locken, und ihre Haarfarbe war nicht blond, sondern eher brünett. Die Haarfarbe hatte sie von meiner Großmutter, zumindest behauptete das meine Mama. Meine älteste Schwester Camilla war die Intellektuellste von allen. Sie beschwerte sich immer, wenn man irgendetwas tat, das nicht ordnungsgemäß oder falsch war, und sie forschte liebend gern. Camilla war außerdem sehr genau. Wenn man ihr sagte, dass man sie so sehr liebt, dann hätte sie einen angeschaut und gefragt: „Wenn du deine Liebe abwiegen würdest, wie viel Kilogramm würde sie wiegen?“ Oder hätte mich gefragt, wie ich die Liebe, für sie empfand, definieren würde. „Kannst du mir sagen, wie das definierst? Schließlich muss ich mir vorstellen können, was du unter Liebe verstehst.“ Von diesem Zeitpunkt an wusste ich, ich durfte ihr nie wieder sagen, wie sehr ich sie liebte. Aber an ihre Fragen
  29. 29. 24 hatten wir uns schon gewöhnt und konnten sie ignorieren. Und ich muss zugeben, sie war auch die Schönste von allen. Camilla hatte richtig glänzendes, dunkelbraunes Haar, blau- graue Augen und eine schöne, geschmeidige Haut. Seit einer langen Zeit lebte meine Familie in Paris. Ich dagegen wohnte schon seit meinem Abschluss in Manhattan. Als ich eine Weile an meine Familie dachte, hatte nicht bemerkt, dass ich in der Zwischenzeit schon vor Mrs. Halls Zimmer stand. Meine Hand ballte sich zu einer Faust und weigerte sich, an die Tür zu klopfen. Tränen stiegen mir in die Augen. Mein Hals brannte so stark, dass ich kaum noch schlucken konnte. War das wirklich meine Belohnung für die ganze Mühe und all Jahre, ich geopfert hatte, damit aus mir das wurde, was ich werden wollte? Ich dachte an meine Lehrerin, Mrs. McKenzie, die mich am ersten Schultag fragte, was mein Traumberuf sei. Anschließend sammelte ich meinen Mut und öffnete, ohne davor zu klopfen, die Tür von Mrs. Hall. Plötzlich befand ich mich drinnen und fühlte ihren erstaunten Blick auf meinem Gesicht. Das Einzige, woran ich noch dachte, war die Antwort, die ich meiner Lehrerin gegeben hatte: „Ich möchte Köchin werden, Mrs. McKenzie.“ *** Ende der Leseprobe
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