„HÄUFIGE HAFTUNGSRECHTLICHE PROBLEME
IN DER GEBURTSHILFE: FALLBEISPIELE“
9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin
02.0...
I. Fallbeispiele
1. „Schnittstellenproblematik“ in der Zusammenarbeit nieder-
gelassener Frauenarzt/Entbindungsklinik
2. U...
1. „Schnittstellenproblematik“/Zusammenarbeit niedergelassener
Frauenarzt/Entbindungsklinik
Sachverhalt:
• 22-jährige Erst...
• Eintrag im Mutterpass
03.12.1990 Rubrik Urin „Eiweiß positiv“
• Ersttrimester-Untersuchung am 18.06.1990
• Zweittrimeste...
31.12.1990, 9.00 Uhr, stationäre Aufnahme bei regelmäßiger Wehen-
tätigkeit
Blutdruck: 150/105; 170/120; Eiweiß „+++“
37. ...
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Privatgutachter:
„Bei Frau H. lag ein befundetes Schwangerschaftsrisiko (chronische
Hypertonie) vor, welches entsprechend ...
Gerichtsgutachter:
„Bei Frau H. lag eine Risikoschwangerschaft vor, die bereits von den ersten
Vorsorgeuntersuchungen an a...
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9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
„Bei erkennbaren Entwicklungsstörungen muss der Gynäkologe einen
Spezialisten hinzuziehen oder die Schwangere in ein Perin...
„Wird bei Ultraschalluntersuchung festgestellt, dass der Fötus für die
berechnete Schwangerschaftswoche zu klein ist, sind...
2. Unzureichende risikoadaptierte Aufnahme in der Entbindungsklinik
Sachverhalt:
• Erstgravida, ET 04.03.2004
• Körpergröß...
15.03.2004, 23.45 Uhr Blasensprung
16.03.2004, 4.00 Uhr Kreißsaalaufnahme
8.45 Uhr Muttermund vollständig
9.00 Uhr Pressph...
Privatgutachter:
„Aufgrund der gesamten Befundkonstellation mit mütterlicher Adipositas,
starker Gewichtszunahme in der Sc...
Gerichtsgutachter:
„Unter Berücksichtigung des heutigen Kenntnisstandes, d. h. aller
weiteren Gesundheitsentwicklungen und...
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Drei Stufen der Aufklärung in Abhängigkeit
von der „Größe des Risikos“:
Beispiel:
Es besteht das Risiko einer Schulterdyst...
- „Wir können sowohl eine Sectio als auch eine Vaginalgeburt
durchführen. Beides ist gleichberechtigt.“
- „Wir können eine...
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3. Unzureichende Organisation/Zusammenarbeit zwischen Hebamme
und Facharzt
Sachverhalt:
• Zweitgravida 37 Jahre alt
• Erst...
laut Partogramm:
„CTG: Wechsellagerung
6.20 Uhr (nach einer Stunde Zeitumstellung): PDA 10 ml nachgespritzt;
CTG normal, W...
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7.30 Uhr Anwesenheit Assistenzarzt; Information Oberarzt ohne
Erwähnung des CTG-Befundes
7.48 Uhr Oberarzt trifft ein
bis ...
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Geburt 8.05 Uhr nach Kiwi-Vakuumextraktion durch Oberarzt
Eintrag im Geburtsverlaufsprotokoll:
„Nach drei weiteren Wehen u...
8.35 Uhr Eintreffen des Kindernotarzt; dann pH 6,825
9.10 Uhr Weiterverlegung in die Kinderklinik
hypoxisch-ischämische En...
Status praesens:
Infantile Cerebralparese mit dystoner Bewegungsstörung; vorwiegend
spastischer Bewegungsstörung im Beinbe...
Entscheidung der Gutachter- und Schlichtungsstelle der
Landesärztekammer Hessen:
„Auch das Auftreten von grünem Fruchtwass...
Für die Zeit ab 6.45 Uhr, d.h. nach Feststellung des von der Kommission
als hochpathologisch gewerteten CTG kam es jedoch ...
Bereits die Information des Assistenzarztes Dr. T. durch die Hebamme,
also gut 30 Minuten nach Beginn der Herztonveränderu...
In jedem Fall hätte zu diesem Zeitpunkt eine MBU veranlasst werden
müssen …
Als fehlerhaft ist es auch zu bewerten, dass b...
Die Hebamme muss ein pathologisches CTG erkennen und die
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Die Hebamme muss auch Präpathologien im CTG erkennen können
und bei ihrem Vorliegen rechtzeitig den Arzt hinzuziehen.
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Genauer: E-E-E-Zeit
Feige, Frauenheilkunde 2001, 422:
„Die Leistungsfähigkeit einer Geburtsklinik kann … daran gemessen
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Es stellt einen groben Behandlungsfehler dar, wenn in einer
Entbindungsstation eines Krankenhauses der behandelnde Arzt zu...
Es muss organisatorisch sichergestellt sein, dass die erforderliche
Entscheidung zur Notsectio rechtzeitig getroffen werde...
FRAUENARZT 54 (2013) Nr. 1
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FRAUENARZT 51 (2010) Nr. 9
45
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II. Resümee
„Der Facharztstandard bei der Versorgung von Frauen und Kindern in der
Geburtshilfe ist unabhängig von Ort und...
„Die Eltern kommen zu uns mit ihrem Wichtigsten – ihren Kindern!“
Dr. Roland Uphoff, Master of medicine, ethics an law
Fac...
www.uphoff.de www.recht-geburtsschaden.de
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Besuchen...
Dr. Roland Uphoff - Kanzlei
für Geburtsschadensrecht
und Arzthaftung
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Dr. Roland Uphoff referiert zum Thema Haftungsrechtliche Probleme in der Geburtshilfe. Diese werden anhand von konkreten Fallbeispielen erläutert.

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9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.02.-04.02.2015 in Aachen

  1. 1. „HÄUFIGE HAFTUNGSRECHTLICHE PROBLEME IN DER GEBURTSHILFE: FALLBEISPIELE“ 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin 02.02.-04.02.2015, Aachen Dr. Roland Uphoff, Fachanwalt für Medizinrecht, M.mel.
  2. 2. I. Fallbeispiele 1. „Schnittstellenproblematik“ in der Zusammenarbeit nieder- gelassener Frauenarzt/Entbindungsklinik 2. Unzureichende risikoadaptierte Aufnahme in der Entbindungsklinik 3. Unzureichende Organisation/Zusammenarbeit zwischen Hebamme und Facharzt II. Resümee 2 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  3. 3. 1. „Schnittstellenproblematik“/Zusammenarbeit niedergelassener Frauenarzt/Entbindungsklinik Sachverhalt: • 22-jährige Erstgravida, ET 24.01.1991 • Blutdruckwerte 9. SSW 175/100 mmHg 14./15. SSW (23.07.1990) 150/110 mmHg 23. SSW (18.09.1990) 160/90 mmHg 27. SSW (22.10.1990) 155/110 mmHg 31. SSW (12.11.1990) 140/100 mmHg 33. SSW (03.12.1990) 150/90 mmHg 35. SSW (17.12.1990) 180/100 mmHg 3 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  4. 4. • Eintrag im Mutterpass 03.12.1990 Rubrik Urin „Eiweiß positiv“ • Ersttrimester-Untersuchung am 18.06.1990 • Zweittrimester-Untersuchung 18./19. SSW (20.08.1990) • Dritttrimester-Untersuchung 31. SSW (12.11.1990), BIP 7,8; ATD 5,8 • Eintrag im Mutterpass unter Rubrik „Entwicklung nach Ultraschall- befund zeitgerecht/unauffällig“ … : „Ja“ 4 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  5. 5. 31.12.1990, 9.00 Uhr, stationäre Aufnahme bei regelmäßiger Wehen- tätigkeit Blutdruck: 150/105; 170/120; Eiweiß „+++“ 37. SSW mit Kontraktionen CTG ab 9.00 Uhr eingeengt tachycard, silent 10.00 Uhr Kreißsaalaufnahme 11. 26 Uhr Notsectio 1.740 g, Apgar 3/7/…, pH-Wert 7,06, 36 + 4 beinbetonte cerebrale Bewegungsstörung mit spastischer Tetraparese 5 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  6. 6. 6 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  7. 7. 7 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  8. 8. 8 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  9. 9. 9 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  10. 10. Privatgutachter: „Bei Frau H. lag ein befundetes Schwangerschaftsrisiko (chronische Hypertonie) vor, welches entsprechend den Mutterschaftsrichtlinien sowie den Leitlinien der DGGG zur Einweisung der Schwangeren in die mutmaßliche Entbindungsklinik hätte führen müssen. Sorgfaltsfehlerhaft ist diese Vorstellung in einer leistungsfähigen Geburts- klinik nicht erfolgt, ebenso ist sorgfaltsfehlerhaft das befundete Risiko „Hochdruck“ in der Schwangerschaft nicht in der entsprechenden Rubrik im Mutterpass eingetragen worden …“ 10 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  11. 11. Gerichtsgutachter: „Bei Frau H. lag eine Risikoschwangerschaft vor, die bereits von den ersten Vorsorgeuntersuchungen an als solche zu erkennen war. Zunächst nur als rein chronische Hypertonie erkennbar, traten dann im weiteren Verlauf die weiteren Symptome einer Plazentainsuffizienz mit asymmetrischer Wachs- tumsretadierung beim Feten auf. Weder das Vorliegen des pathologisch erhöhten Blutdrucks noch die Wachstumsretardierung haben beim behandelnden Arzt zur fachgerechten Intensivierung der Betreuung und der entsprechenden zeitnahen Vor- stellung in der Geburtsklinik geführt. Dies muss als grob fehlerhaft ge- wertet werden.“ 11 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  12. 12. 12 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  13. 13. „Bei erkennbaren Entwicklungsstörungen muss der Gynäkologe einen Spezialisten hinzuziehen oder die Schwangere in ein Perinatalzentrum einweisen.“ (OLG München OLGR 2001, 109) 13 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  14. 14. „Wird bei Ultraschalluntersuchung festgestellt, dass der Fötus für die berechnete Schwangerschaftswoche zu klein ist, sind zur Abklärung einer eventuellen Gefährdung des Kindes Doppleruntersuchungen indiziert.“ (OLG Karlsruhe AHRS III 1952/302) 14 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  15. 15. 2. Unzureichende risikoadaptierte Aufnahme in der Entbindungsklinik Sachverhalt: • Erstgravida, ET 04.03.2004 • Körpergröße 172 cm • Gewichtszunahme 22,8 kg auf 90 kg • 08.01., 12.01., 22.01., 04.02., 26.02., 01.03., 12.03.2004 Glukosurie • zweites und drittes Ultraschallscreening ohne Gewichtsschätzung • kein Glukose-Toleranztest • stationäre Aufnahme 14.03.2004, 41. + 5 • Ultraschall BIP 9,9, AQ 11,4, Gewichtsschätzung 3.893 g +/- 223 g 15 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  16. 16. 15.03.2004, 23.45 Uhr Blasensprung 16.03.2004, 4.00 Uhr Kreißsaalaufnahme 8.45 Uhr Muttermund vollständig 9.00 Uhr Pressphase 9.08 Uhr „erschwerte Schulterentwicklung“ Kindsentwicklung durch Hebamme, 4.200 g; pH-Wert 7,25 Komplette Erb´sche Lähmung 16 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  17. 17. Privatgutachter: „Aufgrund der gesamten Befundkonstellation mit mütterlicher Adipositas, starker Gewichtszunahme in der Schwangerschaft, möglicherweise vorliegendem Diabetes bei festgestellter Glukosurie, klinisch großem Bauchumfang (Fundus bei ET + 10 am Rippenbogen), Verdacht auf Makrosomie bei Schätzgewicht von ca. 3.900 g wäre ein aufklärendes Gespräch wegen der „dringenden Hinweise für eine fetale Makrosomie“ erforderlich gewesen.“ 17 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  18. 18. Gerichtsgutachter: „Unter Berücksichtigung des heutigen Kenntnisstandes, d. h. aller weiteren Gesundheitsentwicklungen und der zweiten Schwangerschaft der Mutter und unter Fortgeltung der Faktoren, die schon im Jahre 2004 galten, muss ich heute sagen, dass bei Durchführung eines Toleranztestes im Jahre 2004 mit hoher Wahrscheinlichkeit (mehr als 50%) das Vorliegen eines Gestationsdiabetes bei der Mutter des Klägers festgestellt worden wäre … Insbesondere hätte sich dann bei der Geburtsplanung auch eine andere Betrachtungsweise ergeben, d. h. entweder eine frühzeitigere Einleitung der Geburt bis hin zur Erwägung einer Sectio … Wäre die Schwangere am 14.03. mit der Diagnose des Schwangerschaftsdiabetes in der Klinik erschienen, dann hätte man aus meiner Sicht nur noch über die Sectio diskutieren können …“ 18 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  19. 19. 19 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  20. 20. 20 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  21. 21. Drei Stufen der Aufklärung in Abhängigkeit von der „Größe des Risikos“: Beispiel: Es besteht das Risiko einer Schulterdystokie und Plexusschädigung - „Wir können eine Sectio durchführen. Wir empfehlen Ihnen, es weiterhin vaginal zu versuchen.“ 21 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  22. 22. - „Wir können sowohl eine Sectio als auch eine Vaginalgeburt durchführen. Beides ist gleichberechtigt.“ - „Wir können eine Vaginalgeburt weiter versuchen und vertreten. Wir empfehlen Ihnen eine Sectio.“ 22 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  23. 23. 23 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  24. 24. 24 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  25. 25. 3. Unzureichende Organisation/Zusammenarbeit zwischen Hebamme und Facharzt Sachverhalt: • Zweitgravida 37 Jahre alt • Erste Geburt 2004 mittels Sectio, Geburtsgewicht 4.000g • 25.03.2007, 1.50 Uhr stationäre Aufnahme bei Abgang von „reichlich grünlichem Fruchtwasser“, Muttermund 4-5 cm, Kopf Beckeneingang • 6.45 Uhr CTG bei vollständigem Muttermund • Hebamme allein anwesend • 7.20 Uhr Information Assistenzarzt Dr. T. 25 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  26. 26. laut Partogramm: „CTG: Wechsellagerung 6.20 Uhr (nach einer Stunde Zeitumstellung): PDA 10 ml nachgespritzt; CTG normal, Wehentätigkeit häufig in kürzeren Abständen von wenigen Minuten ohne DIP 7.20 Uhr vaginale Untersuchung … Muttermund vollständig, Kopf knapp Beckenmitte, … tiefe wehenabhängige Dezelerationen Info Herr Dr. T.; Hebamme Frau A.“ 26 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  27. 27. 27 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  28. 28. 28 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  29. 29. 29 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  30. 30. 7.30 Uhr Anwesenheit Assistenzarzt; Information Oberarzt ohne Erwähnung des CTG-Befundes 7.48 Uhr Oberarzt trifft ein bis dahin keinerlei Mikroblutuntersuchung keinerlei Sectiovorbereitung keinerlei intrauterine Reanimation Eintrag im Partogramm: „Mehrere DIP I in schmaler Form mit spontaner Erholung bei jeder Wehentätigkeit seit ca. 45 Minuten (CTG) Oberarzt Dr. … … Anästhesiologie, Kinderklinik, Notarzt, Kinderklinik ist gegen 8.07 Uhr durch die Hebamme angerufen worden. Die Hebamme wirkte aktiv bei der Reanimation mit.“ 30 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  31. 31. 31 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  32. 32. Geburt 8.05 Uhr nach Kiwi-Vakuumextraktion durch Oberarzt Eintrag im Geburtsverlaufsprotokoll: „Nach drei weiteren Wehen und medio-lateraler Episiotomie rechts wird der Kopf geboren, ist jedoch der Vulva fest aufgesetzt. Nach einmaligem Manöver nach McRoberts um 8.05 Uhr Entwicklung des asphyktisch- schlaffen Kindes.“ Geburtsgewicht 3.580g Kind reanimationspflichtig bei Apgar 1/2/4 Ergänzung im Geburtsprotokoll: „… Entwicklung eines asphyktischen, schlaffen Mädchens aus II. v. HHL, Abnabelung Das Kind wird zunächst in den Nebenkreißsaal genommen, dort jedoch kein vorbereiteter Arbeitsplatz. Zurück in den Entbindungsraum: dort Maskenbeatmung, Herzdruckmassage …“ 32 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  33. 33. 8.35 Uhr Eintreffen des Kindernotarzt; dann pH 6,825 9.10 Uhr Weiterverlegung in die Kinderklinik hypoxisch-ischämische Encephalopathie III Diagnose „schwere peripartale Asphyxie“ mit Nebennierenrindenblutung globale Entwicklungsverzögerung 33 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  34. 34. Status praesens: Infantile Cerebralparese mit dystoner Bewegungsstörung; vorwiegend spastischer Bewegungsstörung im Beinbereich Kombinierte Entwicklungsverzögerung Intensive krankengymnastische und physiotherapeutische Betreuung bei annähernd 24-Stunden-Pflege 34 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  35. 35. Entscheidung der Gutachter- und Schlichtungsstelle der Landesärztekammer Hessen: „Auch das Auftreten von grünem Fruchtwasser bei noch unauffälligem CTG indizierte noch nicht das sofortige operative Beenden der Geburt. Allerdings stellt dieser Umstand zusammen damit, dass das Kind bereits zu diesem Zeitpunkt übertragen war, einen zusätzlichen Risikofaktor dar, der im Rahmen des nachfolgenden Geschehensablauf mit hätte beachtet werden müssen … 35 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  36. 36. Für die Zeit ab 6.45 Uhr, d.h. nach Feststellung des von der Kommission als hochpathologisch gewerteten CTG kam es jedoch zu einer Kette von sich verstärkenden Verzögerungen und Fehlentscheidung, die in der Gesamtschau, wie von der Antragsbegründung vorgetragen, von der Kommission als grob fehlerhaft bewertet werden … 36 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  37. 37. Bereits die Information des Assistenzarztes Dr. T. durch die Hebamme, also gut 30 Minuten nach Beginn der Herztonveränderungen, erscheint unangemessen verzögert … Als ärztliches Fehlverhalten ist es jedoch weiter zu bewerten, dass der informierte Assistenzarzt Dr. T. den Oberarzt informierte, ohne ihn auf die besondere Dringlichkeit der Situation, die durch seine eigene späte Unterrichtung noch verschärft war, zu informieren … 37 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  38. 38. In jedem Fall hätte zu diesem Zeitpunkt eine MBU veranlasst werden müssen … Als fehlerhaft ist es auch zu bewerten, dass bis zum Eintreffen des Oberarztes nicht bereits die Sectiobereitschaft hergestellt war … Als weiterer Beanstandungspunkt stellt sich die nicht adäquat erfolgte Information des neonatologischen Dienstes dar, durch die weitere wertvolle Zeit verloren gegangen ist …“ 38 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  39. 39. Die Hebamme muss ein pathologisches CTG erkennen und die ärztliche Entscheidung darüber herbeiführen, wie weiter verfahren werden soll. Der Arzt ist sofort hinzuzuziehen und muss über die weiteren Geburtsmaßnahmen entscheiden. (OLG Oldenburg, VersR 1997, 1236; OLG München, VersR 1991, 586) 39 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  40. 40. Die Hebamme muss auch Präpathologien im CTG erkennen können und bei ihrem Vorliegen rechtzeitig den Arzt hinzuziehen. (OLG Oldenburg, AHRS 3210/100) Mikroblutuntersuchungen sind bei aufgetretenen CTG-Pathologien Befunde, die medizinisch zweifelsfrei erhoben werden müssen (Dokumentationslücke oder Befunderhebungsmangel). 40 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  41. 41. Genauer: E-E-E-Zeit Feige, Frauenheilkunde 2001, 422: „Die Leistungsfähigkeit einer Geburtsklinik kann … daran gemessen werden, wie kurz die Zeitdauer zwischen Erkennen der Notsituation und Entscheidung zur notfallmäßigen Entbindung ist.“ 41 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  42. 42. Es stellt einen groben Behandlungsfehler dar, wenn in einer Entbindungsstation eines Krankenhauses der behandelnde Arzt zu der Zeit nicht anwesend ist, in der über das weitere ärztliche Vorgehen eine Entscheidung getroffen werden muss (OLG Hamm, VersR 1980, 648). 42 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  43. 43. Es muss organisatorisch sichergestellt sein, dass die erforderliche Entscheidung zur Notsectio rechtzeitig getroffen werden kann. (OLG München, VersR 1991, 586) Bei feststellbarer Sauerstoffminderversorgung, wiederholtem Abfall der Herzfrequenz und Eintritt eines Geburtsstillstandes ist unverzüglich die Entscheidung über eine Schnittentbindung herbeizuführen. (OLG Schleswig, AHRS II, 2500/103) 43 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  44. 44. FRAUENARZT 54 (2013) Nr. 1 44 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  45. 45. FRAUENARZT 51 (2010) Nr. 9 45 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  46. 46. II. Resümee „Der Facharztstandard bei der Versorgung von Frauen und Kindern in der Geburtshilfe ist unabhängig von Ort und Krankenhausgröße und unabhängig von der Uhrzeit jederzeit zu gewährleisten. Die für die Sicherstellung von Mutter und Kind notwendigen Leistungen müssen jederzeit erbracht werden können, insbesondere soll eine Sectio innerhalb von 20 Minuten jederzeit durchführbar sein …“ AG Medizinrecht der DGGG, Mindestanforderungen an prozessuale, strukturelle und organisatorische Voraussetzungen für geburtshilfliche Abteilungen der Grund- und Regelversorgung, Der Frauenarzt 2011, S. 717 46 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  47. 47. „Die Eltern kommen zu uns mit ihrem Wichtigsten – ihren Kindern!“ Dr. Roland Uphoff, Master of medicine, ethics an law Fachanwalt für Medizinrecht 47 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen
  48. 48. www.uphoff.de www.recht-geburtsschaden.de 48 9. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin, 02.-04.02.2015, Aachen Besuchen Sie uns auch im Netz www.uphoff.de www.recht-geburtsschaden.de
  49. 49. Dr. Roland Uphoff - Kanzlei für Geburtsschadensrecht und Arzthaftung Heinrich-von-Kleist-Str. 4 53113 Bonn Telefon: (0228) 53 89 488 Fax: (0228) 53 89 487 E-Mail: mail@uphoff.de www.uphoff.de www.recht-geburtschaden.de

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