Bachelorarbeit_Robyn_Solty

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Bachelorarbeit_Robyn_Solty

  1. 1. Fakultät Wirtschaftswissenschaften Lehrstuhl für Institutionenökonomik und Wirtschaftspolitik Bachelorarbeit Sommersemester 2015 Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck vorgelegt bei: Herrn Prof. Dr. Burkhard Hehenkamp vorgelegt von: Robyn Solty International Business Studies Gut Hommerschen 0 Matrikelnummer: 6702322 52511 Geilenkirchen Telefon: 0151 67304208 Email: robynsolty@freenet.de Paderborn, 15.07.2015
  2. 2. Windpark Beeck 10.07.2015 Foto: Robyn Solty Bachelorarbeit Universität Paderborn Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck
  3. 3. I Inhaltsverzeichnis Abbildungsverzeichnis............................................................................................................ II   Abkürzungsverzeichnis..........................................................................................................IV   1   Einleitung – Problemstellung und Ziele........................................................................... 1   2   Behandelte Themengebiete und methodisches Vorgehen .............................................. 3   2.1   Nutzung und Potenzial der Windenergie als regenerative Energieform......................... 4   2.2   Fallbeispiel Windpark Geilenkirchen-Beeck.................................................................. 5   2.3   Methodisches Vorgehen zur ökonomischen Bewertung der Windkraft......................... 6   2.4   Externe Effekte ............................................................................................................... 8   3   Ökonomische Auswirkungen der Nutzung von Windenergie........................................ 9   3.1   Investitionen in neue Windenergieanlagen................................................................... 10   3.1.1   Investitionskosten.................................................................................................... 11   3.1.2   Betrieb der erbauten Windenergieanlagen .............................................................. 16   3.2   Berechnung der ökonomischen Effekte und Ergebnis:................................................. 20   3.2.1   Bruttowertschöpfung............................................................................................... 20   3.2.2   Beschäftigung.......................................................................................................... 22   4   Gesamtgesellschaftliche Auswirkungen der Stromerzeugung..................................... 24   4.1   Externe Effekte und Umweltschäden durch die Stromerzeugung................................ 25   4.2   Gesamtgesellschaftliche Kosten der Stromerzeugung.................................................. 28   4.2.1   Verkaufspreis des Stroms........................................................................................ 28   4.2.2   Staatliche Förderungen............................................................................................ 29   4.2.3   Nicht internalisierte externe Kosten und gesamtgesellschaftliche Kosten.............. 29   4.3   „Konventionelle-Energie-Umlage“ .............................................................................. 31   4.4   Vermiedene Umweltschäden der Windenergie ............................................................ 33   4.5   Fallbeispiel Windpark Beeck........................................................................................ 35   5   Fazit ................................................................................................................................... 38   Literaturverzeichnis................................................................................................................ V   Anhang .................................................................................................................................VIII   Eidesstattliche Erklärung....................................................................................................... X  
  4. 4. II Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Direkte, indirekte und induzierte Effekte der Windenergiebranche .................... 8   Abbildung 2: Status des Windenergieausbaus an Land in 2014.............................................. 10   Abbildung 3: Investitionsnebenkosten im Vergleich............................................................... 14   Abbildung 4: Bruttwertschöpfung der Windenergie 2014........................................................22 Abbildung 5: Entwicklung der Bruttobeschäftigung in der Windenergiebranche................... 23   Abbildung 6: Externe Kosten der Stromerzeugung im Vergleich (in Cent/kWh)................... 28   Abbildung 7: Gesamtgesellschaftliche Kosten der Stromerzeugung 2014.............................. 30   Abbildung 8: Strompreis, EEG-Umlage und Zusatzkosten konventioneller Energieträger .... 32   Abbildung 9: Vermiedene Zusatzkosten durch die Nutzung von Windkraft im Vergleich mit EEG-Förderung im Jahr 2014..................................................... 34   Abbildung 10: Vermiedene Zusatzkosten durch den Windpark Beeck und EEG-Förderung 2014....................................................................................... 37  
  5. 5. III Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Vergleich der mittleren Hauptinvestitionskosten.................................................... 12   Tabelle 2: Investitionsnebenkosten im Vergleich.................................................................... 13   Tabelle 3: Berechnung des Investitionsvolumens der Windenergie........................................ 15   Tabelle 4: Zusammensetzung der Betriebskosten des Windpark Beeck 2014......................... 16   Tabelle 5: Betriebskosten von WEA in Cent pro kWh im Vergleich...................................... 17   Tabelle 6: Direkte Bruttowertschöpfung der Windenergie 2014............................................. 19   Tabelle 7: Bruttowertschöpfung 2012 und 2014 im Vergleich................................................ 21   Tabelle 8: Quantifizierbare spezifische Schadenskosten verschiedener Luftschadstoffe........ 27   Tabelle 9: Nicht internalisierte Externe Kosten in Cent/kWh.................................................. 30   Tabelle 10: Stromerzeugung des Windparks Beeck 2014 in kWh........................................... 35   Tabelle 11: Vermiedene externe Kosten durch den Windpark Beeck ..................................... 36  
  6. 6. IV Abkürzungsverzeichnis BWE Bundesverband WindEnergie BMWi Bundesministerium für Wirtschaft und Energie EE Erneuerbare Energien EEG Erneuerbare-Energien-Gesetz IÖW Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung IPCC Intergovernmental Panel on Climate Change MW Megawatt MWh Megawattstunden TWh Terrawattstunden WEA Windenergieanlage(n)
  7. 7. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 1 1 Einleitung – Problemstellung und Ziele “The nation that leads the clean energy economy will be the nation that leads the global economy.” Barack Obama's State of the Union, January 27th 2010 “Ich bin überzeugt, dass den erneuerbaren Energien die Zukunft gehört, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Wer stattdessen auf alte Strukturen setzt, muss sich fragen lassen, ob das vernünftige Wirtschaftspolitik ist.” Klaus Töpfer, ehemaliger Umweltminister, 14.04.2015 Der Klimawandel bringt die Welt in Gefahr. Wie der im November 2014 veröffentlichte Bericht des Weltklimarats zeigt, nimmt der vom Menschen gemachte Klimawandel immer drastischere Züge an (IPCC, 2013, S.4). Während sich seit Jahren eine Klimaschutzkonferenz an die andere reiht, bleiben die Bemühungen das Klima nachhaltig zu schützen aber praktisch wirkungslos. Die Erderwärmung und die unsichere Energieversorgung sind dabei zwei der entscheidenden Zukunftsprobleme der Menschheit (Fell, 2013, S.1). Vor allem angesichts der weitreichenden Gefahren des Treibhauseffektes ist ein konsequenter Umstieg auf Erneuerbare Energien (EE) ein entscheidender Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel und eine zentrale Begründung für die Notwendigkeit einer nachhaltigen Energiewirtschaft. Der Anfang Juni diesen Jahres stattgefundene G7-Gipfel in Elmau (Bayern) hat einer konsequenten Realisierung dieses Umstiegs auf Erneuerbaren Energien neue Glaubwürdigkeit gegeben. Erstmals haben die Staats- und Regierungschefs der sieben großen Industrienationen gemeinsam das Ziel formuliert, bis 2100 eine Weltwirtschaft zu ermöglichen die komplett ohne fossile Energieträger auskommt. Bis 2050 soll der Ausstoß von Treibhausgasen außerdem um 70% reduziert werden (Bundesregierung G7-Gipfel, 2015). Des Weiteren wollen die G7-Nationen bei der Klimakonferenz im Oktober diesen Jahres in Paris Klimabeitragsverpflichtungen mit dem Ziel abgeben, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen (ebd.). Dabei liefert der Ausbau der erneuerbaren Energien, vor allem der Windenergie, den stärksten Beitrag zur CO2- Reduktion und entlastet außerdem die Volkswirtschaft von den Kosten der konventionellen
  8. 8. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 2 Energien. Hinzu kommen die positiven ökonomische Effekte mit inzwischen mehr als 370.000 Arbeitsplätzen, welche durch diese Branche entstanden sind (O’Sullivan et al., 2014, S.7). Oft wird behauptet, dass die Erneuerbaren Energien den Strom durch die EEG-Umlage deutlich teurer machen. Diese Aussage ist symptomatisch für die Debatte um die Energiewende und führt zu einer oft ohne Daten und Fakten geführten Diskussion. Um in dieser Diskussion eine fundierte Betrachtungsgrundlage zu schaffen ist das Ziel dieser Arbeit, sowohl die Kosten, als auch den Nutzen der Erneuerbaren Energien, speziell der Windkraft, zu analysieren. Tatsächlich hat der Strom aus Windenergie verglichen mit anderen sowohl konventionellen als auch erneuerbaren Energieträgern die niedrigsten Stromgestehungskosten (Rehfeldt et. Al., 2013, S.64). Hierdurch wird einerseits aufgezeigt, dass Windenergie als Motor der Erneuerbaren Energien bereits heutzutage einen größeren volkswirtschaftlichen Nutzen generiert, als durch die EEG-Umlage an Mehrkosten entsteht (Kapitel 4). Andererseits wird dargestellt, dass auch die ökonomische Bedeutung der Windenergie durch die steigenden Investitionen immer weiter anwächst. Dass die Umstellung und der Ausbau auf EE mit hohen Investitionskosten verbunden sind steht außer Frage. Wichtig ist allerdings ein genauer Blick auf die Kosten und eine detaillierte Betrachtung des volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzens der Energien. Die Debatte über Strompreise und über die Kosten der EE prägt schon sehr lange die Diskussion über die Zukunft der Energieversorgung in Deutschland und bezogen auf die verfügbare Literatur gibt es unzählige Studien, Positionspapiere und Ausarbeitungen zu diesem Thema. Für das Jahr 2014 liegt zu diesem Zeitpunkt noch keine detaillierte Auswertung über die ökonomischen sowie die gesamtgesellschaftlichen Effekte des Ausbaus der Windenergie vor. Daher soll diese Arbeit anhand Analysen aus den letzten Jahren und aktueller Zahlen des Ausbaus des betrachteten Jahres einen Überblick über die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Windenergie für das Jahr 2014 geben. Dabei wird sich auf den Ausbau von WEA in ganz Deutschland bezogen. Das in dem Titel dieser Arbeit erwähnte Fallbeispiel des Windparks Beeck veranschaulicht dabei während dieser Ausarbeitung die ermittelten Werte und gibt einen praktischen Einblick über die Auswirkungen des Ausbaus der Windenergie. Die vorliegende Arbeit ist in insgesamt vier Kapitel gegliedert. Das einleitende Kapitel umfasst eine Einführung in das Themengebiet und soll die Motivation und die Betrachtungsweise der ausgewählten Thematik für den Leser verständlich machen. Des Weiteren werden die Ziele
  9. 9. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 3 dieser Arbeit dargestellt. Im zweiten Kapitel werden zunächst der theoretische Hintergrund sowie die methodische Vorgehensweise näher erläutert. Es wird die Nutzung und das Potenzial der Windkraft dargestellt. Folgend wird die Methodik, die für die Kosten-Nutzen-Analyse verwendet wird, für den Leser verständlich gemacht. Wie aus dem Titel der Arbeit hervorgeht gibt es mit dem Windpark Beeck ein Fallbeispiel welches als Grundlage und zur Veranschaulichung von Daten und Fakten dient und in Kapitel 2 vorgestellt wird. Im dritten Kapitel dienen die Investitions- und Betriebskosten von Windenergieprojekten als Grundlage für eine Analyse der ökonomischen Auswirkungen der Nutzung von Windenergie. Dieser erste Teil der volkswirtschaftlichen Kosten-Nutzen-Analyse stellt die Bruttowertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte der Windenergie im Jahr 2014 dar. Aufbauend darauf, werden im vierten Kapitel dieser Arbeit die gesamtgesellschaftlichen Kosten der Stromerzeugung in die Analyse mit einbezogen. Hierzu werden bisher nicht internalisierte Kostenfaktoren durch Umweltschäden wie Klimawandelkosten oder Gesundheitskosten, die vor allem durch die Emissionen von CO2 entstehen, in die ökonomische Bewertung der Windenergie einbezogen. 2 Behandelte Themengebiete und methodisches Vorgehen In diesem Kapitel werden die grundlegenden behandelten Themengebiete und das methodische Vorgehen für die Analyse der Kosten und Nutzen der Windkraft erläutert. Um einen Einblick in die Aktualität des behandelten Themas zu bekommen, wird zuerst die Windenergie als Teil der regenerativen Energien und deren Potenzial zum Beitrag an der Energiewende dargestellt. Des Weiteren wird mit der Beschreibung des Windparks Beeck ein Einblick über das Fallbeispiel geschaffen. Anschließend wird die Input-Output-Analyse als Methode zur ökonomischen Bewertung der Windkraft erklärt. Diese Methode dient als Grundlage für die Abschätzung direkter, indirekter sowie gesamtwirtschaftlicher Effekte von Investitionen in Windenergieanlagen und wird für die Analyse der Kosten und Nutzen der Windenergie im dritten Kapitel verwendet. Im vierten Kapitel dieser Arbeit erfolgt eine Bewertung der Erneuerbaren Energien im Vergleich zu konventionellen Energieträgern. Dazu werden zum besseren Verständnis im Folgenden kurz die theoretischen Hintergründe externer Effekte erklärt.
  10. 10. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 4 2.1 Nutzung und Potenzial der Windenergie als regenerative Energieform Wind bewegt die Energiewende! Die Windenergie ist der wichtigste Teilbereich der Erneuerbaren Energien und liefert mittlerweile mehr als 9% des deutschen Strombedarfs (BMWi, 2015a, S.4). Ende 2014 produzierten 24.867 Windenergieanlagen mit einer installierten Leistung von mehr als 38.000 Megawatt (MW) sauberen Strom für Haushalte und Unternehmen (Lüers/Wallasch, 2014, S.2). Ein einziges Windrad produziert heutzutage bis zu 15 Mal mehr Strom als Windkraftanlagen aus dem Jahr 1995. Im Vergleich zu heute waren es zu dieser Zeit gerade einmal 2.000MW installierte Leistung welche von circa 4.000 Anlagen erzeugt wurde (ebd.). Dieses rasante Wachstum und die stetige technische Weiterentwicklung ist verschiedenen Faktoren zu verdanken. Deutschland hat schon sehr früh eine Führungsrolle in der Energiewende übernommen und das schnelle Wachstum der EE ist vor allem der bundesdeutschen Förderpolitik durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz und der kontinuierlichen Unterstützung in Forschung und Entwicklung geschuldet. Die deutsche Windenergieanlagentechnik ist weltweit führend und mit der Zeit hat sich um die Herstellung und den Betrieb von WEA ein wichtiger Wirtschaftszweig entwickelt. Auf dem Arbeitsmarkt hat diese Branche durch Zulieferer, Hersteller, Transport- und Bauunternehmer sowie Dienstleister rund 138.000 Arbeitsplätze geschaffen (AEE, 2014, S.2). Hervorzuheben ist, dass Investitionen nicht alleine in industrielle Entwicklungen fließen, “sondern das gesamte Spektrum aller volkswirtschaftlich wichtigen Bereiche abdecken” (Fell, 2013, S.9). Auch auf internationaler Ebene profitiert vor allem die deutsche Exportindustrie von Deutschlands Spitzenposition in der Windanlagentechnik. Hersteller haben hohe Exportanteile und die deutschen Dienstleister sind weltweit gefragte Fachkräfte. Knapp 67 % der deutschen Produktion gehen in den Export (Siehe Kapitel 3.2.). Hinzu kommen neben diesen wirtschaftlichen Aspekten die Vorteile der Windenergie im Hinblick auf die Klimapolitik und die mit ihr einhergehende Energiewende denn Strom aus Windkraft verursacht kaum gesellschaftliche Kosten. Ganz im Gegenteil werden durch die Einsparungen atomarer und fossiler Energiequellen Kosten durch Umweltauswirkungen und Gesundheitsschäden eingespart. Doch auch Einwände von Windkraftgegnern über die negativen Auswirkungen der Windenergie ersticken durch fundierte Ausarbeitungen und Studien immer mehr im Keim. Eine Potenzialanalyse des Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) hat jüngst ergeben, dass die Möglichkeiten der
  11. 11. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 5 Windenergienutzung an Land noch lange nicht ausgeschöpft sind. Eine einzige WEA mit durchschnittlich 3MW Leistung erzeugt Strom für rund 2.600 Haushalte und benötigt einschließlich Zufahrtswege 3.750m², was gerade einmal der Fläche eines halben Fußballfeldes entspricht (BWE, 2015a; eigene Berechnung). So können bei einer Flächennutzung von gerade einmal 2% der für Windkraftanlagen ausgewiesenen Flächen insgesamt mehr als 200 Gigawatt Leistung installiert werden (Fraunhofer, 2011, S.14). Alleine dadurch könnten mehr als zwei Drittel des gesamten Stromverbrauchs in Deutschland gedeckt werden. Der bisherige Flächenverbrauch aller WEA in Deutschland entspricht etwa 100 Quadratkilometern oder einem Zehntel der Fläche Berlins (BWE, 2015d, S.33). Hinzu kommt die steigende Bedeutung des Repowerings, welches den Austausch veralteter Anlagen durch neue WEA beschreibt. Des Weiteren hat der Ersatz alter WEA durch technisch modernere ein sehr großes Potenzial für einen flächenschonenden Ausbau und 2014 bereits fast ein Viertel des Zubaus ausgemacht (BWE, 2015b, S.14). 2.2 Fallbeispiel Windpark Geilenkirchen-Beeck Der Windpark Geilenkirchen-Beeck wurde im Jahr 2012 errichtet und ist seit Juni 2013 in Betrieb. Beeck ist ein Teil der Stadt Geilenkirchen und befindet sich circa 20 km nord-östlich von Aachen (NRW). Die Parkkonfiguration setzt sich aus drei Senvion 3.4M104 Anlagen mit einer Nabenhöhe von 128 Metern zusammen. Die Typbezeichnung 3.4M104 steht dabei für eine installierte Leistung von 3,4MW und einem Rotordurchmesser von 104 Metern pro Anlage. Bei Windenergieanlagen im Leistungsbereich von 2 bis 3,5MW handelt es sich um die aktuell an Land meisterrichtete Leistungsklasse (Rehfeldt et. Al., 2013, S.21). Da WEA mit einer Nennleistung unter 2MW in Deutschland kaum noch installiert werden und Anlagen mit einer Nennleistung von mehr als 3,5MW hauptsächlich dem Offshore-Bereich vorbehalten sind, entsprechen die WEA des Fallbeispiels dem aktuellen Stand der Technik auf dem deutschen Onshore-Markt. Die Anlagen des Parks Geilenkirchen-Beeck I-III wurden am 22.06.2013 an das Stromnetz angeschlossen und haben seitdem mehr als 30 Millionen kWh Strom produziert (Davids/Solty, 2015a), S4). Die technischen Daten sind vom Betreiber freigegeben und können somit als genaue Zahlen betrachtet werden. Das Projekt wurde von der Davids&Solty GbR geplant und umgesetzt. Mit dem Inkrafttreten des „Gesetzes über die Einspeisung von Strom aus
  12. 12. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 6 erneuerbaren Energien in das öffentliche Netz“ (StrEG) begann 1991 die kommerzielle Nutzung der Windkraft in Deutschland. Bereits 1995 baute Franz Davids, Gründer des Unternehmens Davids&Solty GbR, das erste Windrad und war damit einer der ersten Windmüller. Heute werden im Familien-/ Firmenverbund 14 Windkraftanlagen betrieben. In diesen 20 Jahren erzeugten alle Windenergieanlagen zusammen bereits mehr als 250 Millionen kWh Strom. Der Windpark Beeck soll im Laufe dieser Arbeit eine praktische Grundlage für die Analyse der Kosten und Nutzen der Windkraft darstellen. 2.3 Methodisches Vorgehen zur ökonomischen Bewertung der Windkraft Input-Output-Analyse und Multiplikator-Analyse Zentrale Grundlage für die Ermittlung der Wertschöpfung durch die Windenergie bildet die Analyse der Investitions- und Betriebskosten von WEA. Denn bei Investitionen in neue Windenergieanlagen wird in verschiedenen vorgelagerten Branchen (z. B. Maschinenbau, Bauwirtschaft) Wertschöpfung angestoßen und Beschäftigung geschaffen. Des Weiteren werden durch den Betrieb bestehender Anlagen Umsätze erzielt, Gewinne erwirtschaftet und Vorleistungen (zum Beispiel durch Wartungsarbeiten) bezogen. In Kapitel 3 werden diese Wertschöpfungsketten in vier Wertschöpfungsstufen unterteilt und ausgewertet (Aretz et al., 2013, S.23): 1. Anlagenproduktion (Hauptinvestitionskosten, vgl. Kapitel 3.2.1) 2. Planung und Installation (Investitionsnebenkosten, vgl. 3.2.1) 3. Anlagenbetrieb (Betriebskosten, vgl. Kapitel 3.2.2) 4. Betreibergewinne (Betriebsüberschüsse, vgl. 3.2.2) Im Rahmen einer Input-Output-Analyse können anschließend die ökonomischen Effekte der Windenergiebranche berechnet werden. Grundlage dieser Berechnung ist eine Input-Output- Tabelle, die sämtliche Vorleistungen der deutschen Volkswirtschaft erfasst und vom statistischen Bundesamt im Rahmen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zur Verfügung gestellt wird (Statistisches Bundesamt, 2014). Hierzu werden die verschiedenen Nachfrageimpulse (Kapitel 3.2.1 u. 3.2.2), die von der Windenergie ausgelöst werden, auf die Produktionsbereiche der Input-Output-Rechnung aufgeteilt. Danach werden die daraus resultierenden Vektoren in das Input-Output-Modell auf Basis der Input-Output-Tabelle des statistischen Bundesamt
  13. 13. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 7 eingepflegt. Die wirtschaftliche Bedeutung der gesamten Windenergie in Deutschland kann anschließend anhand der Bruttowertschöpfung und der Beschäftigung gemessen werden. Die Bruttowertschöpfung entspricht dabei der “Differenz des Produktionswertes und der für die Produktion eingesetzten Vorleistungen” (DIW/Econ, 2014b, S.9). Die Beschäftigung wird ermittelt über die Anzahl der Erwerbstätigen. “Die Wertschöpfung, die durch Unternehmen der Windenergiebranche angestoßen wird, ist mit Nachfrage nach Arbeitskräften und damit mit Arbeitsplätzen verbunden” (ebd). Diese Kenngrößen werden auf die folgenden Effekte bezogen: Direkte Effekte: Mit den direkten Effekten, die bei der Produktion, der Installation und dem Betrieb von WEA-Anlagen entstehen, kann die Wirkung der Windenergiebranche auf die Beschäftigung und die Bruttowertschöpfung ermittelt werden. Die entstehenden Werte sind hier auf die Arbeitseinkommen der Erwerbstätigen, die direkt bei dem Bau von WEA beschäftigt sind, sowie auf Betriebsüberschüsse, die beim Betrieb von WEA entstehen, zurückzuführen. Indirekte Effekte: Die indirekten Effekte ergeben sich aus der Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen aus vorgelagerten Bereichen. Beispielsweise stellen Erwerbstätige in vorgelagerten Bereichen wie der Stahlindustrie wichtige Vorleistungen für den Bau von WEA zur Verfügung und haben somit indirekte Effekte auf die Beschäftigung. Induzierte Effekte: Die induzierten Effekte beschreiben den “Multiplikatoreffekt” und erfassen die Wirkung, “die sich aus der Verausgabung der direkt und indirekt erzeugten Einkommen ergibt” (DIW/Econ, 2014b, S.8). Die folgende Abbildung 1 stellt die von der Windenergie ausgelösten Gesamteffekte dar:
  14. 14. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 8 Abbildung 1: Direkte, indirekte und induzierte Effekte der Windenergiebranche Quelle: DIW Econ 2014b S.8 Die beschriebene Input-Output-Analyse ist nur ein Tool, um die ökonomischen Effekte von Großinvestitionen zu ermitteln. Sie wurde in der Studie „Die ökonomische Bedeutung der Windenergiebranche“ von DIW/Econ (2014b) zur Ermittlung der Zahlen für das Jahr 2012 herangezogen und wird in Kapitel 3 als Grundlage verwendet um die Bruttowertschöpfung und die Beschäftigungseffekte der Windenergiebranche für das Jahr 2014 darzustellen. Die Effekte durch öffentliche Einnahmen werden aufgrund des beschränkten Umfangs dieser Arbeit außen vor gelassen. 2.4 Externe Effekte Der Begriff der externen Effekte kommt aus der Volkswirtschaft und beschreibt, dass ökonomische Entscheidungen eines Marktteilnehmers Auswirkungen auf unbeteiligte Marktteilnehmer haben, die er nicht als Kosten tragen oder kompensieren muss. Wenn man sich auf das Grundmodell der neoklassischen Wohlfahrtstheorie bezieht, existieren freie Märkte wenn Wirtschaftssubjekte rationale Entscheidungen derart treffen, dass sie ihren individuellen Nutzen
  15. 15. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 9 bzw. Profit maximieren (Friedrich/Krewitt, 1997, S.6-20). Dabei wird angenommen, dass die Marktpreise alle relevanten Kosten beinhalten. In der Realität kommt es allerdings vor, dass Märkte Unvollkommenheiten aufweisen, die zu Marktversagen führen können (ebd.). Neben natürlichen Monopolen sind die externen Effekte die häufigste Ursache für dieses Marktversagen. Das Auftreten externer Effekte wird dabei vor allem im Zusammenhang mit der Energieversorgung sowie bei der Gestaltung des Verkehrswesens diskutiert (ebd.). Die Energiegewinnung aus fossilen Energieträgern wie Braun- oder Steinkohle ist beispielsweise mit Emissionen von Schadstoffen verbunden, die einen negativen Einfluss auf die Gesundheit haben und die somit Schadenskosten mit sich bringen. Die dadurch entstehenden Folgewirkungen verursachen gesamtwirtschaftliche Kosten und führen zur Verringerung des Niveaus der gesellschaftlichen Wohlfahrt. Da der verursachende Marktteilnehmer diese externen Kosten nicht tragen muss, hat dieser keinen Anreiz, sein Verhalten zu ändern und somit die Kosten zu reduzieren. Solange keine kompensatorischen Ausgleichszahlungen geleistet werden, entstehen verzerrte Marktpreise. Die Bevorzugung von umweltschädigenden Produkten führt zu einem gesellschaftlichen Wohlfahrtsverlust und somit dazu, dass die relativen Preise der Stromerzeugung aus konventionellen Energieträgern zu niedrig sind. Das Ausmaß dieser Verzerrung und wie der Ausbau der Erneuerbaren Energien diesen Effekten entgegenwirkt, wird in Kapitel 4 dargestellt. 3 Ökonomische Auswirkungen der Nutzung von Windenergie Die Windenergie hat sich als fortschrittlichster Teil der Erneuerbaren Energien zu einem wichtigen Wirtschaftszweig entwickelt. Wenn Unternehmen in Wirtschaftsobjekte wie den Bau von neuen Windenergieanlagen investieren, wird die Wirtschaft angekurbelt und Beschäftigung geschaffen. In diesem Teil der Arbeit werden die ökonomischen Auswirkungen der Windenergiebranche analysiert. Dazu werden zuerst einmal die Kosten- und Nutzenwirkungen durch Investitionen in neue Windenergieanlagen und deren Betrieb erläutert. Die ökonomischen Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte entstehen einerseits durch Investitionen in neue WEA und durch Vorleistungen beispielsweise in den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik, Transport und Bereitstellung von Rohstoffen sowie andererseits durch deren Betrieb. Um die makroökonomischen Effekte der Windenergiebranche zu berechnen gibt es verschiedene
  16. 16. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 10 Ansätze, wie z.b. die dargestellte Input-Output-Rechnung. In diesem Kapitel soll ein Überblick über die Effekte der Windenergiebranche für das Jahr 2014 gegeben werden. Neben der Analyse der ökonomischen Effekte auf Grundlage der Investitions- und Betriebskosten, soll der Windpark Beeck als praktisches Beispiel die ermittelten Zahlen veranschaulichen. 3.1 Investitionen in neue Windenergieanlagen Die Deutsche WindGuard ermittelt im Auftrag vom Bundesverband für Windenergie (BWE) und VDMA Power Systems halbjährlich den Status des Windenergieausbaus in Deutschland. Im Rekordjahr 2014 wurden insgesamt 1.766 neue WEA gebaut mit einer installierten Leistung von 4.750MW. Dies entspricht einem Zubauplus von 58% gegenüber dem Vorjahr (BWE, 2015a, S.15). Wenn man den Abbau ausrangierter Anlagen sowie die durch Repowering erneuerten Anlagen mit einbezieht, ergibt sich eine kumulierte Leistung von rund 38.000MW durch knapp 25.000 installierte Anlagen (Abb.2). Abbildung 2: Status des Windenergieausbaus an Land in 2014 Quelle: Eigene Darstellung nach Deutsche WindGuard 2014 (Lüers/Wallasch, 2014) In einer weiteren Studie durch die Deutsche WindGuard wird die „Kostensituation der Windenergie an Land in Deutschland“ analysiert (Rehfeldt et. Al, 2013). Anhand genauer Zahlen von Planern und Herstellern wurden die genauen Kosten der Windenergie, unterteilt in Investitions- und Betriebskosten, ermittelt. Insgesamt übermittelten 25 Planer die Daten von 71
  17. 17. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 11 Windparks mit 317 WEA und 663 Megawatt installierter Leistung (Rehfeldt et. Al., 2013, S.5). Die hier ermittelten Daten werden im Verlaufe dieses Kapitels für die Analyse der ökonomischen Effekte, sowie zum Vergleich der allgemeinen Kosten mit denen des Windparks Beeck herangengezogen. Die Planung von Windenergieprojekten hat während der letzten Jahre in vielen Bereichen an inhaltlicher Komplexität zugenommen, sie vollzieht sich aber grundsätzlich entlang einheitlicher Projektmeilensteine (BWE, 2013, S.37): 1) Flächenidentifizierung 2) Flächensicherung, Planungsrecht 3) Genehmigung und Netzanschlussplanung 4) Finanzierung 5) Bau und Inbetriebnahme 6) Windparkbetrieb Dieser Ablauf ist bei allen Windparkplanungen derselbe. Die Projektmeilensteine 1-5 umfassen die Investitionskosten und machen den mit Abstand größten Teil der Kosten eines Windenergieprojektes aus. Die Betriebskosten (Projektmeilenstein 6) beinhalten laufende Kosten wie für die Wartung und die Reperatur der Anlage sowie Pacht, Versicherung, kaufmännische Betriebsführung und sonstige Kosten. Der Prozess von der Planung bis hin zur Umsetzung eines Windparks dauert in Deutschland in der Regel etwas länger als 5 Jahre (ebd.). Einige der wichtigsten Schritte sind dabei unter anderem die Flächenidentifizierung (Potentialanalyse, Meilenstein 1) sowie die Flächensicherung und das Planungsrechtverfahren (Meilenstein 2). 3.1.1 Investitionskosten Die Investitionskosten sind zum einen die Kosten für die Windenergieanlage selbst, welche auch als Hauptinvestitionskosten bezeichnet werden. Außerdem zählen dazu Infrastrukturkosten, welche beispielsweise für den Transport der Anlage zum Aufstellungsort und die Installation anfallen. Alle weiteren einmaligen Kosten vor der Inbetriebnahme sind als Investitionsnebenkosten zusammengefasst. Diese sind vorallem Planungskosten, Kosten für das Fundament und den Netzanschluss, die Erschließung sowie sonstige Kosten. (Rehfeldt et. Al., 2013, S.24).
  18. 18. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 12 Hauptinvestitionskosten: Bezogen auf die Gesamtinvestitionskosten machen die Hauptinvestitionskosten rund 73% - 78% aus (Rehfeldt et. Al., 2013, S.55). Bei der Berechnung der gesamten Investitionskosten ist es wichtig die Standortqualitäten der Orte sowie verschiedene Leistungsklassen mit einzubeziehen. Wenn man die Kosten nach der durchschnittlichen Nabenhöhe und dem jeweiligen Zubau pro Bundesland gewichtet, belaufen sich diese auf 1.180 Euro/kWh (DIW/Econ, 2014a, S.9). Im Falle des Windparks Beeck belaufen sich die Hauptinvestitionskosten auf 12.126.440 Euro (Davids/Solty, 2015c) . Das ergibt bei einer installierten Leistung von 10,2MW mittlere Kosten von 1.189 Euro/kWh. Tabelle 1: Vergleich der mittleren Hauptinvestitionskosten Eigene Darstellung und Berechnung; *Berechnung nach Deutsche Windguard (Rehfeldt et. Al., 2013) **Berechnung nach DIW/Econ (DIW/Econ 2014a) zum Vergleich Der Kaufpreis der drei im Windpark Beeck installierten Windkraftanlagen des Typs Senvion 3.4MW104 beträgt 11,7 Millionen (Davids/Solty 2015c) Euro. Mit 104m Rotordurchmesser und einer Nabenhöhe von 128m besitzen diese Anlagen große Rotorblätter und Türme, die insbesondere für windschwächere Regionen im Binnenland entwickelt wurden. Gerade in den letzten Jahren konnten durch diese Entwicklung der Anlagentechnik, mit einer immer größer werdenden Rotorkreisfläche bezogen auf die Leistung, die spezifischen Anlagenkosten um ca. 15% reduziert werden (Rehfeldt et. Al., 2013, S.28). Außerdem konnten durch die Optimierung von Windkraftanlagen in den letzten Jahren deutliche Effizienzsteigerungen geschaffen werden. Diese Steigerungen, vor allem durch die Herstellung leichterer Rotorblätter und zuverlässigerer Anlagen sind, besonders vor dem Hintergrund der immer stärker werdenden Konkurrenz aus dem Ausland, für den Wirtschaftsstandort Deutschland von großer Bedeutung. Windguard* DIW/Econ** Windpark Beeck Mittlere Hauptinvestitionskosten 1150 - 1340 €/kWh 1.180 - 1.330 €/kWh 1.189 €/kWh
  19. 19. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 13 Investitionsnebenkosten: Die Investitionsnebenkosten fallen einmalig vor der Inbetriebnahme der Windenergieanlage an. Die durchschnittlichen Kosten bestehen zum größten Teil aus Planungskosten (97 €/kWh, 25%). Hinzu kommen Kosten für Fundament (67 €/kWh, 18%), Netzanbindung (73 €/kWh, 20%), Erschließung (41 €/kWh, 11%) und sonstige Kosten (97 €/kWh, 26%; Abb.3.1). Die durchschnittlichen Investitionsnebenkosten belaufen sich somit auf 374 €/kWh (Rehfeldt et Al., 2013, S.9). Die Kosten für den Windpark Beeck betragen in diesem Bereich 1.543.071 Euro was zu mittleren Investitionsnebenkosten von 151 €/kWh führt. (S. Tabelle 2) Tabelle 2: Investitionsnebenkosten im Vergleich Windguard* DIW/Econ** Windpark Beeck Investitionsnebenkosten 374 €/kWh 374 €/kWh 151 €/kWh Quelle: eigene Darstellung und Berechnung; *In Anlehnung an Deutsche WindGuard (Rehfeldt et Al., 2013), **In Anlehnung an DIW/Econ 2014a Die große Differenz zwischen den allgemeinen durchschnittlichen Investitionsnebenkosten und denen des Windparks Beeck entsteht durch die firmeninterne Bearbeitung des Betreibers von Planung und Erdarbeiten (Erschließung). Die folgende Abbildung 3 zeigt die Anteile der allgemeinen Investitionsnebenkosten im Vergleich mit denen des Fallbeispiels:
  20. 20. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 14 Abbildung 3: Investitionsnebenkosten im Vergleich Abb. 3.1: Allg. Investitionsnebenkosten Abb. 3.2: Windpark Beeck Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Deutsche WindGuard (Rehfeldt et. Al., 2013) Gesamtinvestitionskosten und Investitionsvolumen: Die durchschnittlichen Gesamtinvestitionskosten für Windenergieanlagen in Deutschland betragen 1.554 €/kWh. Fasst man alle Kostenpositionen zusammen belaufen sich die Gesamtinvestitionskosten vor Inbetriebnahme für den Windpark Geilenkirchen-Beeck auf 13.669.511,00 Euro oder 1340 €/kWh. Die Vorgehensweise für die Hochrechnung der Effekte auf nationale Ebene unterscheidet sich zwischen den einzelnen Wertschöpfungsstufen. Für die Hochrechnung auf der Stufe der Anlagenherstellung (Hauptinvestitionskosten) sowie der Planung und Installation (Investitionsnebenkosten) ist der Zubau der installierten Leistung des betrachteten Jahres maßgeblich (Aretz et. Al., 2013, S.29). Laut der Deutschen WindGuard (Lüers/Wallasch, 2014, S.2) wurden 2014 in Deutschland 4.750MW an Windenergieleistung neu installiert (s. Tabelle 2). Bei den ermittelten durchschnittlichen Gesamtinvestitionskosten ergibt sich ein Investitionsvolumen von rund 7,4 Milliarden Euro im Jahr 2014. Da Importe nicht zur Wertschöpfung beitragen, muss der Zubau zunächst um den Importanteil von WEA verringert werden. Nach Branchenangaben liegt dieser Anteil bei 13% (DIW/Econ, 2014a, S.9); das gilt nur für die Hauptinvestitionskosten und führt zu einem im Inland
  21. 21. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 15 wirksamen Gesamtinvestitionsvolumen von 6,7 Milliarden Euro. Da Planung und Installation normalerweise durch deutsche Unternehmen erfolgen, werden Im- und Exporte auf der Wertschöpfungsstufe der Investitionsnebenkosten nicht berücksichtigt (Aretz et. Al., 2013, S.31). Für die Anlagenherstellung müssen neben den Importen noch die Exporte berücksichtigt werden, da diese zur Schaffung von Arbeitsplätzen und Wertschöpfng in Deutschland beitragen. In Deutschland erzielen Windenergieanlagenhersteller 67% ihrer Umsätze durch den Export in andere Länder (ebd.). Berücksichtigt man die Exporte und Importe erhält man ein gesamtes Investitionsvolumen von knapp 16,6 Milliarden Euro. Tabelle 3: Berechnung des Investitionsvolumens der Windenergie Wert Deutschland 2012* Deutschland 2014** Windpark Beeck Zubau in MW 2335MW 4750MW 10,2MW Hauptinvestitionskosten in Euro/MW 1.180.000 1.180.000 1.189.000 Nebeninvestitionskosten in Euro/MW 374.000 374.000 151.000 Importvolumen in Euro 344.435.563 700.671.916 / In Deutschland wirksames Investitionsvolumen 3.284.398.778 6.681.325.137 13.669.511 Exportvolumen 4.895.159.964 9.958.034.188 / Gesamtes, in Deutschland wirksames Investitionsvolumen 8.179.558.742 16.639.359.325 13.669.511 Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an DIW/Econ basierend auf Branchenangaben *Berechnungen DIW/Econ 2014a; **eigene Berechnung (Koeffizient: 4750 / 2335 = 2,03426) Auf Grundlage dieser Kosten und unter Rücksicht der Betriebskosten werden in Kapitel 3.3 die ökonomischen Effekte und der Nutzen der Windenergie bewertet. Die separate Auswertung des Windparks Beeck diente einer Veranschaulichung der ermittelten Werte für die Herstellungskosten von WEA.
  22. 22. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 16 3.1.2 Betrieb der erbauten Windenergieanlagen Die Betriebskosten setzen sich aus den Ausgaben zusammen, die nötig sind, um den Betrieb des Windenergieprojekts über die gesamte Lebensdauer aufrecht zu erhalten. Darunter fallen: Wartung, Reperatur, Pachtzahlungen, Versicherungskosten, Kaufmännische und technische Betriebsführung, Rücklagen1 sowie sonstige Betriebskosten. In diesem Unterabschnitt sollen zunächst die gesamten Betriebskosten für Windenergieanlagen in Deutschland mit den Betriebskosten des Windparks Beeck verglichen werden. Desweiteren werden im Hinblick auf die ökonomischen Effekte anschließend die Betriebsüberschüsse (Betreibergewinne) analysiert. Betriebskosten: Für den Windpark Beeck entstanden im Betriebsjahr 2014 Betriebskosten von insgesamt 510.000 Euro. Diese setzten sich wie folgt zusammen (siehe Tabelle 1.2.): Tabelle 4: Zusammensetzung der Betriebskosten des Windpark Beeck 2014 Komponenten   Kosten     Reperatur/Wartung: 240.000 Euro Pacht: 190.000 Euro Betriebsführung: 48.000 Euro Versicherung: 12.000 Euro Sonstige Kosten: 20.000 Euro Betriebskosten  2014  Gesamt:   510.000  Euro   Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Davids&Solty GbR Diese Werte in Tabelle 4 sind aus dem ersten vollständigen Betriebsjahr des Windparks Beeck. Es handelt sich bei den Betriebskosten um eine stark standortabhänige Kostengruppe. Je nach Standort unterliegen die Betriebskosten einer Standardabweichung von 30% (Rehfeldt et. Al., 2013, S.66). Die Betreiberfirma hat für die Reperatur und Wartungsarbeiten einen Vertrag für die gesamte Betriebsdauer abgeschlossen. Diese Kosten sind somit die Durchschnittskosten. Die 1 Rücklagen werden im Folgenden für der Berechnung der ökonomischen Effekte nicht berücksichtigt, da diese nicht wertschöpfungswirksam sind
  23. 23. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 17 verschiedenen Komponenten der Betriebskosten und ihr jeweiliger Kostenanteil sind in Tabelle 5 zusammengefasst. Tabelle 5: Betriebskosten von WEA in Cent pro kWh im Vergleich Durchschn. Kosten* Windpark Beeck** Wartung und Reparatur 1,26 1,05 Pachtzahlungen 0,52 0,83 Kaufm. und techn. Betriebsführung 0,38 0,21 Versicherungskosten 0,09 0,05 Sonstige Betriebskosten 0,17 0,09 Gesamt 2,425 2,230 Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an DIW/Econ basierend auf Deutsche Windguard (Rehfeldt et. Al., 2013) *Kosten pro Jahr über eine durchschnittliche Laufzeit der WEA von 20 Jahren ** Kosten für das Jahr 2014 Die Ermittlung der Effekte für die Wertschöpfungskette des Betriebs der Windenergieanlagen einschließlich der Betreibergewinne erfolgt auf Basis der insgesamt erzeugten Strommenge durch Windenergie des betrachteten Jahres. Dies geschieht unter der Annahme, dass alle Wertschöpfungsschritte von deutschen Unternehmen abgedeckt werden. Im Jahr 2014 betrug die nach EEG vergütete Strommenge aus Windenergie 54,66 Milliarden kWh (BMWi, 2015b, S.4). Diese Zahl kann als Ausgangsbasis verwendet und mit den Betriebskosten multipliziert werden. Diese betrugen im Jahr 2012 im Durchschnitt 2,425 Cent/kWh (Rehfeldt et. Al, 2013, S.12). Diese Zahl ist die aktuellste für die durchschnittlichen Betriebskosten und wird in dieser Arbeit auch für das Jahr 2014 verwendet. In Deutschland ergeben sich Betriebskosten für WEA in Höhe von rund 1,33 Milliarden Euro für das Jahr 2014. Die drei WEA im Windpark Beeck produzierten im Jahr 2014 rund 22,9 Millionen kwh Strom (Davids/Solty 2015a). Für den Windpark Beeck ergeben sich dadurch wie bereits dargestellt Betriebkosten von 510.000 Euro.
  24. 24. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 18 Betriebsüberschuss (Betreibergewinne): Durch den Betrieb von Windkraftanlagen werden Gewinne erwirtschaftet, die ebenfalls ökonomische Auswirkungen haben. Die Bruttobetriebsüberschüsse, welche die Anlagenbetreiber generieren stellen den direkten Bruttowertschöpfungseffekt aus dem Betrieb von Windrädern dar. Die Erlöse werden dabei durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz bestimmt. Dieses regelt die bevorzugte Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien und garantiert eine feste Einspeisevergütung je kWh Strom oder Erlöse aus der Direktvermarktung. Hinzu kommen gegebenenfalls Markt- oder Managementprämien (DIW/Econ 2014a, S.6). Die daraus entstehenden Erlöse sind somit deutlich höher als wenn der Strom zum Marktpreis abgesetzt werden müsste. Die Differenzkosten beschreiben die Beschaffungsmehrkosten der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien gegenüber dem Marktpreis und werden über die so genannte EEG-Umlage vom Stromverbraucher finanziert. In der folgenden Tabelle wird die Bruttowertschöpfung der Windenergie aus den Bruttobetriebsüberschüssen zu Herstellungspreisen in Deutschland im Jahr 2014 berechnet (Z.2). Die Bruttowertschöpfung ergibt sich dabei aus den tatsächlich erzielten Erlösen, also die aus dem Stromabsatz erzielten Umsätze (inklusive der EEG-Differenzkosten) abzüglich der Vorleistungen (Betriebskosten, Z.4). Die EEG-Differenzkosten werden in der Tabelle noch einmal gesondert dargestellt, damit auch die Bruttowertschöpfung zu Marktpreisen berücksichtigt wird (Z.7). Bei beiden Berechnungen handelt es sich um Bruttobetriebsüberschüsse, von denen noch Fremdkapitalkosten und Steuern berücksichtigt werden müssen. Die eigentlichen Erlöse verbleiben also nicht vollständig bei den Anlagenbetreibern. Die durchschnittliche Vergütung für Windenergieanlagenbetreiber lag 2014 bei 9,7 Cent/kWh (Küchler/Wronski, 2015b, S.20). Insgesamt ergeben sich Betriebsüberschüsse für die Anlagenbetreiber von knapp 4 Milliarden Euro (s. Tab.6, Z.4). Abzüglich der Differenzkosten (in Anlehnung an das Marktpreiskonzept) ergibt sich die direkte Bruttowertschöpfung von knapp 560 Millionen Euro (s. Tab.6, Z.7).
  25. 25. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 19 Tabelle 6: Direkte Bruttowertschöpfung der Windenergie 2014 Deutschland Windpark Beeck Zeile Kennzahl MW bzw. Mio. Euro* Quelle Cent/ kWh kWh bzw. Mio. Euro** Cent/ kWh 1 Strommenge MW 54.660.000 BMWi 2015b 12.872.217 2 Erlöse Anlagenbetreiber 5.302 Kücher/Wronski 9,7 1,256 9,76 3 Betriebskosten 1.328 Lüers/Wallasch 2,43 0,287 2,23 4=2-3 Direkte BWS zu Herstellungspreisen (Bruttobetriebs- überschuss***) 3.974 Eigene Berechnung 7,27 0,969 7,53 5 EEG- Differenzkosten** 3.411 Agora Energiewende S.23 6,24 0,803 6,24 6=2-5 Erlöse - Differenzkosten 1.891 Eigene Berechnung 3,46 0,453 3,52 7=6-3 Direkte BWS abzüglich EEG Differenzkosten (Marktpreiskonzept) 563 Eigene Berechnung 0,52 0,166 1,29 Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an DIW/Econ 2014b,; *Bruttowertschöpfung in Deutschland; **Bruttowertschöpfung Windpark Beeck; ***Bruttobetriebsüberschuss = Differenz zwischen Bruttoproduktionswert und der Summe aus Vorleistungen und Arbeitnehmerentgelt (kein Reingewinn im ökonomischen Sinne) Die beiden Berechnungsansätze zeigen einen Teil des realen wirtschaftlichen Geschehens und können somit gemeinsam betrachtet werden. Zu bemerken ist, dass der Gesamterlös von knapp 5 Milliarden Euro im Jahr 2014 nicht auf Basis von freien Marktpreisen erzielt worden ist. Die Erlöse zu EEG-Preisen führen zu einer Überschätzung des tatsächlichen wirtschaftlichen Wertes des geschaffenen Gutes (DIW/Econ, 2014a, S.12). Diese Förderung ist allerdings genauso beabsichtigt wie notwendig, damit die hohen Anfangsinvestitionen refinanziert werden können. Nur so kann der kontinuierliche Umstieg auf regenerative Energien ermöglicht werden. Allerdings führt auch die direkte Bruttowertschöpfung abzüglich der EEG-Differenzkosten nicht zu perfekten Marktpreisen, da der Strommarkt durch das EEG geprägt ist. Außerdem fehlt in dieser Betrachtungsweise der volkswirtschaftliche Nutzen der Windenergie durch vermiedene
  26. 26. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 20 Umweltkosten und CO2-Einsparungen. Die Einbeziehung der sogenannten externen Effekte in die Stromerzeugung erfolgt in Kapitel 4. 3.2 Berechnung der ökonomischen Effekte und Ergebnis: Methodisch wurden bisher die getätigten Investitionen und die Umsätze der in Deutschland produzierenden Unternehmen für die Herstellung und den Betrieb von Windenergieanlagen ermittelt, die der in Deutschland wirksamen Nachfrage aus dem In- und Ausland entsprechen. Mit Hilfe des Rechensystems der in Kapitel 2 beschriebenen Input-Output-Analyse könnten nun anhand eigens entwickelter Vektoren die direkten, indirekten und induzierten Effekte der Windenergiebranche für das Jahr 2014 berechnet werden. Bei der Input-Output-Rechnung handelt es sich um eine komplexe gesamtwirtschaftliche Methode, welche die vielfältigen wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Akteuren und Wirtschaftszweigen ausführlich darstellt. Aufgrund der Komplexität der einzelnen Berechnungen und aufgrund der Tatsache, dass die genauen Berechnungen der ökonomischen Effekte für das Jahr 2014 den Rahmen dieser Arbeit sprengen würden, soll anhand der ermittelten Daten eine Abschätzung der ökonomischen Effekte der Windenergie in Deutschland für das Jahr 2014 gegeben werden. Dabei wird auf Daten der Studie „Die ökonomische Bedeutung der Windenergiebranche“ für das Jahr 2012 im Auftrag des Bundesverbands WindEnergie zurückgegriffen (DIW/Econ, 2014a/b). 3.2.1 Bruttowertschöpfung Wie in Kapitel 3.2.1 ermittelt, betrug die in Deutschland wirksame Investitionsnachfrage im Jahr 2014 insgesamt ca. 16,6 Milliarden Euro. Der größte Effekt auf die Bruttowertschöpfung geht von der Hauptinvestitionsnachfrage für neue WEA aus. Da nur eine Abschätzung für das Jahr 2014 erfolgt, wird für die Berechnung der Effekte aus dem Investitionsvolumen vereinfachend der Quotient aus dem Ausbau der Windenergieleistung von 2012 und 2014 genommen (4750MW / 2335MW = 2,0343).
  27. 27. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 21 Tabelle 7: Bruttowertschöpfung 2012 und 2014 im Vergleich   Deutschland  2012*   Deutschland  2014**   Investitionen   8,06  Mrd.  Euro   16,38  Mrd.  Euro   Direkt   3,16  Mrd.  Euro   6,43  Mrd.  Euro   Indirekt   2,77  Mrd.  Euro   5,64  Mrd.  Euro   Induziert   2,12  Mrd.  Euro   4,31  Mrd.  Euro   Betrieb   6,42  Mrd.  Euro   6,87  Mrd.  Euro   Direkt   3,77  Mrd.  Euro   3,97  Mrd.  Euro   Indirekt   0,96  Mrd.  Euro   1,05  Mrd.  Euro   Induziert   1,69  Mrd.  Euro   1,85  Mrd.  Euro   Gesamt   14,48  Mrd.  Euro   23,25  Mrd.  Euro   Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an DIW/Econ 2014b S.11; *eigene Berechnung mit Quotient 2,0343 **eigene Berechnung mit Quotient 1,0932 (ausgenommen direkte Betriebskosten) Dies führt zu einer Bruttowertschöpfung von 16,38 Milliarden Euro. Davon entfallen 12,1 Milliarden Euro für die direkte (6,43 Milliarden Euro) und indirekte (5,64 Milliarden Euro) Bruttowertschöpfung entlang der gesamten Wertschöpfungskette (DIW/Econ 2014a, S.10). Die induzierte Bruttowertschöpfung beträgt ca. 4,31 Milliarden Euro. In Kapitel 2.3.2 wurde die Bruttowertschöpfung durch den Betrieb bestehender Anlagen in Deutschland ermittelt. Wie bereits erwähnt spielt dabei die Bewertung der Differenzkosten eine entscheidende Rolle. Bei einer üblichen Bewertung zu Herstellerpreisen (inkl. EEG-Umlage) ergibt sich eine direkte Bruttowertschöpfung in Höhe von ca. 4 Milliarden Euro. Abzüglich der Differenzkosten würde die direkte Bruttowertschöpfung ca. 0,56 Milliarden Euro betragen. Eine genaue Berechnung der indirekten und induzierten Effekte aus dem Betrieb der Anlagen erfolgt nicht im Rahmen dieser Arbeit. Für die Abschätzung dieser Werte wird diesmal der Quotient aus der produzierten Menge Strom aus dem Jahr 2014 (64,66tWh) und dem Jahr 2012 (50tWh) genommen (1,0932). Somit werden indirekte Effekte in Höhe von 1,05 Milliarden Euro und induzierte Effekte von 1,85 Milliarden Euro ausgelöst.
  28. 28. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 22 6,15   1,85   4,3   12,1   0   5   10   15   20   25   Gesamt   Betrieb   InvesCConen   Milliarden  Euro   Gesamt   Direkt  +  Indirekt   Induziert  23,3   17,15   5,05   6,9   16,4   Quelle: eigene Darstellung und Berechnung in Anlehnung an DIW/Econ 2014b, S.11 Fasst man diese Werte zusammen ergibt sich ein direkter und indirekter Effekt der Windenergie auf die deutsche Bruttowertschöpfung im Jahr 2014 in Höhe von 17,15 Milliarden Euro. Hinzu kommen induzierte Effekte von ca. 6,15 Milliarden Euro. Die Investitionen in der Windbranche sind 2014 somit auf einen Rekordwert gestiegen. Auch wenn es sich bei dieser Darstellung um eine Schätzung handelt, kann festgestellt werden, dass der Inlandsmarkt durch den enormen Ausbau stark gewachsen ist. Laut des BWE Branchenreport für Windindustrie in Deutschland ist die Bruttowertschöpfung von 2012 bis 2014 um mehr als 40% gestiegen (BWE, 2015a, S.16). 3.2.2 Beschäftigung Der enorme Ausbau der Windenergieleistung von rund 4750MW neu installierter Leistung im Jahr 2014 hat gezeigt, dass die Windenergie ihre Führungsrolle in der Energiewende weiterhin beibehält. Die Bruttobeschäftigung im gesamten Bereich der regenerativen Energien betrug im Jahr 2013 rund 371.000 Beschäftigte (O’Sullivan et. Al., 2013, S.9). Damit hat sich die Zahl seit der ersten Erfassung im Jahr 2004 mehr als verdoppelt. Die Windenergie macht mit knapp 40% den größten Anteil der Beschäftigungseffekte aus (Stand 2013, DIW/Econ, 2015, S.28). In dem folgenden Diagramm sind die Bruttobeschäftigungszahlen der Windenergie der vergangenen Jahre dargestellt. Die Zahlen für 2014 sind eine Schätzung aus den ermittelten Daten. Abbildung 4: Bruttowertschöpfung der Windenergie 2014
  29. 29. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 23 Abbildung 5: Entwicklung der Bruttobeschäftigung in der Windenergiebranche Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an DIW/Econ, 2015 Für das Jahr 2013 belief sich die aus den Umsätzen resultierende Beschäftigung der gesamten Windenergie auf rund 137.800 Personen. Das schließt die Beschäftigung aus Betrieb und Wartung mit ein (O’Sullivan et. Al., 2014, S.10). Schätzungen zufolge werden im Zuge der Energiewende bis zum Jahr 2020 rund 18.000 neue Arbeitsplätze pro Jahr geschaffen (DIW/Econ, 2015, S.29). Die Bruttobeschäftigung der Windenergiebranche liegt für das Jahr 2014 somit bei weit über 150.000 Arbeitsplätzen. Neben den positiven Beschäftigungseffekten im Zuge des Ausbaus der Erneuerbaren Energien müssen allerdings auch die negativen Effekte im Bereich der konventionellen Energiewirtschaft und in anderen Wirtschaftszweigen gegenübergestellt werden. Durch Investitionen in die Energiewende gehen vor allem die Investitionen in konventionelle Energieträger zurück. Hinzu kommt, dass Verbraucher und Unternehmen höheren Energiekosten ausgesetzt sind, wodurch ihre Kaufkraft beeinträchtigt wird (Budgeteffekt). Wenn man den Außenhandel mit einbezieht sind vor allem durch den steigenden Exportmarkt und den Rückgang der Importe von konventionellen Energieträgern insgesamt positive Beschäftigungseffekte zu erwarten (DIW/Econ, 2015, S.29). Zusammengefasst ergeben sich aus den positiven und negativen Beschäftigungsimpulsen nach bisherigen Untersuchungen zwar schwache aber positive gesamtwirtschaftliche Nettobeschäftigungseffekte (ebd.). 63.900   85.700   121.800   137.800   155.800   0   40.000   80.000   120.000   160.000   Windenergie   2014  *Schätzung   2013   2012   2007   2004  
  30. 30. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 24 Hinzu kommen zahlreiche weitere positive Effekte, die sich durch den Ausbau der Erneuerbaren Energien ergeben, welche im nächsten Kapitel betrachtet werden. Das ist vor allem ein verbesserter Klimaschutz durch die Verringerung von Treibhausgasen und die dadurch vermiedenen externen Kosten. 4 Gesamtgesellschaftliche Auswirkungen der Stromerzeugung „In der Praxis können durch Nichtberücksichtigung externer Kosten ökonomische Fehlentscheidungen getroffen werden: Die Investition in bestimmte Kraftwerke, deren externe Kosten nicht in die Kostenkalkulation einfließen müssen, kann attraktiver sein als die Investition z.B. in Erneuerbare-Energie-Anlagen, die zwar nur für geringe externe Kosten verantwortlich sind, jedoch noch höhere Investitionskosten ausweisen.“ (Mühlenhoff, 2011, S.5) Im vorherigen Kapitel wurden die ökonomischen Auswirkungen der Windkraft näher erläutert. Die ermittelte Wertschöpfung und die Beschäftigungseffekte waren vor allem abhängig von den privaten Kosten, die bei der Produktion und dem Betrieb von Windkraftanlagen anfallen und von den Anlagenbetreibern übernommen werden. In dem folgenden Teil der Arbeit werden zum einen die externen Kosten betrachtet, die von der Gesellschaft getragen werden und nicht unmittelbar monetär bewertet werden können, da sie keinen Marktpreis besitzen. Zum anderen werden die gesamtgesellschaftlichen Kosten der Stromerzeugung im Jahr 2014 verdeutlicht. Da das Thema der externen Effekte sehr umfangreich ist, werden folgend vor allem die gesamtgesellschaftlichen Kosten der Stromerzeugung aus Windenergie mit der Stromerzeugung aus Braunkohle bzw. Steinkohle verglichen. Zur Veranschaulichung dient auch hier der Windpark in Geilenkirchen-Beeck. Dazu dient ein Vergleich der jährlich produzierten Strommenge des Windparks mit einem Planungsnullfall. Bei der sogenannten Nullvariante wird von einer Situation ohne den Windpark Beeck ausgegangen. So soll aufgezeigt werden, wie viel mehr externe Kosten entstehen, wenn die aus dem Windpark erzeugte Strommenge durch Stromerzeugung aus fossilen Energieträgern kompensiert werden müsste. Da Windenergieanlagen zum größten Teil emissionsfrei sind verdrängen sie fossile Kraftwerke mit hohen Emissionen und verringern somit die Umweltschäden. Weiterhin wird diskutiert werden,
  31. 31. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 25 dass staatliche Förderungen von Atomenergie und Kohle nicht direkt mit deren Strompreis in Verbindung gebracht werden, sondern stattdessen indirekt über die Beiträge der Steuerzahler finanziert werden und somit den Staatshaushalt belasten. Diese Verzerrung des Strompreises und das Problem der externen Effekte werden in den folgenden Abschnitten behandelt. 4.1 Externe Effekte und Umweltschäden durch die Stromerzeugung Als externe Kosten werden die nicht internalisierten Bereitstellungskosten der Energieträger bezeichnet sowie jene Kosten, die durch Klima-, Umwelt- und Gesundheitsschäden im Zusammenhang mit der Stromerzeugung entstehen (Mühlenhoff, 2011, S.28). Das Problem dieser Externalisierung ist, dass sowohl gemeinschaftlich genutzte Güter wie Luft, Wasser und Erde als auch individuelle Güter wie die eigene Gesundheit nicht in die Marktmechanismen integriert sind. Somit schlägt sich ihr Verbrauch auch nicht auf die Marktpreise nieder (Bals et. Al., 2011, S.21). Die Schäden, welche durch das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) entstehen, und der damit verbundene beschleunigte Klimawandel machen den größten Anteil der externen Kosten der Stromerzeugung aus (Krewitt/Schlomann, 2006, S.2). Danach folgen die Gesundheitsschäden durch Luftschadstoffe. Wenn die externen Kosten in die Stromerzeugungskosten von verschiedenen Technologien einbezogen werden, schneiden insbesondere die Braun- und Steinkohle schlecht ab. Denn auf der normalen Stromrechnung eines jeden Verbrauchers sind die externen Kosten nicht mit einberechnet. Die Erneuerbaren Energien haben verglichen mit den konventionellen Energieträgern nur sehr geringe CO2 Emissionen und Umweltfolgen (Marheineke, 2002, S.112). Der Unterschied zu den konventionellen Energieträgern ist, dass die Kosten der Erneuerbaren Energien anhand der EEG- Umlage transparent dargestellt und für jeden Verbraucher auf der Stromrechnung klar erkennbar sind. Jeder Stromverbraucher ist damit direkt an den Kosten der Energiewende beteiligt. Im Jahr 2014 lag der Betrag der EEG-Umlage für Privathaushalte und andere Verbraucher ohne Vergünstigungen bei 6,24 Cent pro Kilowattstunde (s.Tab.6, Z.5). Der dadurch entstehende Eindruck, dass erneuerbare Energien im freien Wettbewerb teurer sind und nicht mit den „kostengünstigeren“ konventionellen Energieträgern mithalten können, lässt sich somit widerlegen.
  32. 32. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 26 Ein wichtiger Schritt für eine Internalisierung der gesamtgesellschaftlichen Kosten ist eine monetäre Bewertung der externen Effekte. Für diese monetäre Bewertung der Schäden gibt es mehrere aufeinander aufbauende methodische Entwicklungen. Diese Entwicklungen für die Abschätzung von Gesundheitsschäden und deren Auswirkungen auf die Quantifizierung externer Kosten basieren auf komplizierten Berechnungsmethoden. Für diese Arbeit werden die Daten einer Studie, welche im Auftrag des BMU durchgeführt wurde, verwendet. Diese Studie beruht auf dem Projekt „Externe Kosten der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien im Vergleich zur Stromerzeugung aus fossilen Energieträgern“ der Institute DLR und Fraunhofer- ISI (Krewitt/Schlomann, 2006). Hier wird empfohlen, „zur Berechnung externer Kosten als ‚bester Schätzwert’ Schadenskosten durch CO2-Emissionen in Höhe von 70 Euro/t CO2 zu verwenden (unterer Grenzwert: 15 Euro/t; hoher Schätzwert: 280 Euro/t).“ (Krewitt/Schlomann, 2006, S.1) Diese Zahlen werden von verschiedenen Forschungseinrichtungen zur Berechnung der externen Kosten verwendet und können somit zur Kosten-Nutzen-Analyse dieser Arbeit herangezogen werden (Krewitt/Schlomann, 2006, S.1-28). So sind auch laut dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt sowie dem Fraunhofer Institut Schadenskosten von 70 Euro je Tonne Kohlendioxid anzunehmen (Krewitt/Schlomann, 2006, S.44). Wie bereits erwähnt entstehen weitere externe Kosten durch Luftschadstoffe wie Schwefeldioxid (SO2), Stickoxide (NOx) und Feinstaub (PM10). Durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe werden Gesundheits- und Umweltbelastungen sowie Materialkorrosion und Schäden in der Landwirtschaft verursacht. Die Gesundheitsschäden durch die genannten Emissionen verursachen Beträge zwischen 3.000 und 12.000 Euro je Tonne (Marheineke, 2002, S.12). Eine Übersicht über die Kosten der spezifischen Schadensstoffe ist in der folgenden Tabelle gegeben:
  33. 33. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 27 Tabelle 8: Quantifizierbare spezifische Schadenskosten verschiedener Luftschadstoffe   CO2   SO2     NOx   PM10   Klimawandel   70         Gesundheitsschäden     3.060   12.000   230   Ernteverluste         640   Materialschäden     230       Summe   70   3.290   12.000   870   Quelle: eigene Darstellung nach Extern E, EcoSenseLE , 2006, Darstellung in Euro je Tonne Schadstoff Wenn man diese Schadenskosten auf eine erzeugte Kilowattstunde Strom umlegt und auf den Preisstand 2014 umrechnet, würden die Kosten für die fossile Stromerzeugung entsprechend steigen. Nach dieser Berechnung, würden die externen Kosten von beispielsweise Braunkohle 11,5 Cent/kWh betragen, aus Wind dagegen nur 0,3 Cent/kWh (Küchler/Wronski, 2015b, S.12) und (UBA, 2012, S.29). Die externen Kosten der Stromproduktion aus Steinkohle betragen ca. 9,5 Cent/kWh (Küchler/Wronski, 2015b, S.12). Zur Ermittlung der externen Kosten von Windkraftanlagen ist es wichtig, die mit der Herstellung anfallenden Material- und Energieverbräuche und die damit verbundenen Schadstoffemissionen in die Analyse mit einzubeziehen. Aufgrund ihrer geringen Menge können externe Kosten aus dem laufenden Anlagenbetrieb vernachlässigt werden (ebd.). Die Abbildung 6 veranschaulicht die externen Kosten der Stromerzeugung für die verglichenen Stromerzeugungsoptionen für das Jahr 2014. Es wird besonders deutlich, dass die Kosten des Klimawandels (CO2) den mit Abstand größten Teil der externen Kosten ausmachen (94%).
  34. 34. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 28 Abbildung 6: Externe Kosten der Stromerzeugung im Vergleich (in Cent/kWh) Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Krewitt 2006, S.2 4.2 Gesamtgesellschaftliche Kosten der Stromerzeugung Um die gesamtgesellschaftlichen Kosten darzustellen reicht es allerdings nicht aus nur die externen Kosten zu analysieren. Zusätzlich zu dem tatsächlichen Marktwert des Stroms und den nicht internalisierten externen Kosten werden noch die Kosten der staatlichen Förderungen wie Finanzhilfen und Steuervergünstigungen hinzugefügt. Diese drei Kostenkomponenten werden dargestellt und miteinander verglichen. 4.2.1 Verkaufspreis des Stroms Bei dem “Kaufpreis” des Stroms wird zwischen erneuerbaren Energien und konventionellen Energieträgern unterschieden. In Deutschland regelt das Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG 2014) die bevorzugte Einspeisung von Strom aus regenerativen Energiequellen ins Stromnetz. Es garantiert den Erzeugern eine feste Vergütung je Kilowattstunde Strom, welche sich allerdings je nach Art der eingesetzten Technologie unterscheidet. Nach Angaben des BMWi betrug diese Vergütung für Strom aus Windenergie (On-Shore) im Jahr 2014 9,7 Cent/kWh (Küchler/Wronski, 2015b, S.20). Enthalten sind hier sowohl die Einspeisevergütung als auch die Marktprämie. Zum Vergleich betrugen beispielsweise die durchschnittlich gezahlten Vergütungssätze für Strom aus Sonnenenergie (Photovoltaik) 31,7 Cent/kWh (ebd.) 0   2   4   6   8   10   12   14   Wind   Braunkohle   Steinkohle   CO2  (94%)   LuSschadstoffe  (6%)   0,3   11,5   9,5  
  35. 35. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 29 Der ‚Stromverkaufswert. aus konventionellen Energien und aus Atomenergie wird aus dem durchschnittlichen Börsenpreis ermittelt und betrug im Jahr 2014 im Mittel 3,9 Cent/kWh (Küchler/Wronski, 2015a, S.11). Am so genannten ‚Spotmarkt’ wird der Strom im Rahmen verschiedener Verträge gehandelt und es können beispielsweise Strommengen für den darauf folgenden Tag erworben werden (ebd.). 4.2.2 Staatliche Förderungen Ein weiterer Aspekt um die gesamtgesellschaftlichen Kosten außerhalb des Strompreises zu ermitteln ist die staatliche Förderung. Die Summe der staatlichen Förderungen setzt sich hier zum einen aus Finanzhilfen und zum anderen aus Steuervergünstigungen zusammen. Der negative Förderwert der Erneuerbaren Energien ergibt sich daraus, „dass für erneuerbare Energien im Rahmen der Stromsteuer ein höherer Betrag gezahlt wurde, als dies das Leitbild der Energiebesteuerung (am Energiegehalt und externen Kosten orientiert) verlangt“ (Küchler/Wronski, 2015b, S.22). Der Förderwert von Braunkohle liegt somit bei 1,0 Cent/kWh und der Erneuerbaren Energien bei -0,4 Cent/kWh. Steinkohle weist mit 2,4 Cent/kWh den höchsten Förderwert auf (ebd.). 4.2.3 Nicht internalisierte externe Kosten und gesamtgesellschaftliche Kosten Wie bereits in Kapitel 1.1. ermittelt, betragen die externen Kosten der Stromproduktion aus Braunkohle 11,5 Cent/kW, aus Steinkohle 9,5 Cent/kWh und aus Windenergie 0,3 Cent/kWh. Die externen Kosten der Windenergie fallen bei der Herstellung der Anlagen durch den anfallenden Material- und Energieverbrauch an. Zu Berücksichtigen ist, dass ein Teil der externen Kosten durch Energiesteuern und Emissionshandel in einem gewissen Maße bereits internalisiert wird (Küchler/Wronski, 2015b, S.24). Die beiden genannten Instrumente führen zu einer Erhöhung des Haushaltskundenstrompreises und dadurch kalkulieren Verbraucher höhere Kosten in ihr Konsumverhalten ein. Durch ihre Berücksichtigung verbleiben gesamtgesellschaftliche Kosten von 10 Cent/kWh für Braunkohle und 8,1 Cent/kWh für Steinkohle. Bei der Windenergie ergibt sich wiederum ein negativer Wert von -0,2 Cent/kWh, da höhere Kosten eingepreist werden als tatsächlich bei der Stromproduktion entstehen (ebd.).
  36. 36. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 30 Tabelle 9: Nicht internalisierte Externe Kosten in Cent/kWh   Steinkohle   Braunkohle   Windenergie   Externe  Kosten  gesamt     9,5   11,5   0,3   Abzüglich  Strompreiserhöhung  durch   Emissionshandel   -­‐0,4   -­‐0,4   -­‐0,4   Abzüglich  Sollaufkommen  Energiesteuer   -­‐1,0   -­‐1,0   -­‐0,03   Nicht  internalisierte  externe  Kosten   8,1   10,0   -­‐0,2   Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Küchler/Wronski, 2015a, S.25; Hinweis: In der Tabelle sind gerundete Werte angegeben, so dass die Summen in den Nachkommastellen möglicherweise nicht zusammenpassen. Aus der Summe dieser drei berechneten Komponenten ergeben sich nun die gesamtgesellschaftlichen Kosten der Stromerzeugung (Abbildung 7) Abbildung 7: Gesamtgesellschaftliche Kosten der Stromerzeugung 2014 Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Küchler/Wronski, 2015b, S.13; *Summe (Emissionshandel + Energiesteuer) Die Abbildung 7 zeigt, dass Strom aus Windenergie für die Gesellschaft deutlich günstiger ist als aus konventionellen Energieträgern. Für eine Kilowattstunde Windstrom trägt die Gesellschaft -­‐2   0   2   4   6   8   10   12   14   16   Steinkohle   Braunkohle   Windenergie   nicht  internalisierte  externe   Kosten   staatliche  Förderungen  mit   Budgetwirkung*   Stromverkaufswert  (Börse  bzw.   EEG-­‐Vergütung   14,4   14,9   9,2  
  37. 37. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 31 im Ergebnis Kosten von 9,2 Cent/kWh. Die Gesamtkosten für Strom aus Braunkohlekraftwerken summieren sich hingegen auf 14,9 Cent/kWh und für Steinkohle auf 14,4 Cent/kWh. Der heutige Marktpreis für Strom spiegelt den „wahren“ volkswirtschaftlichen Preis nur unzureichend wider. Dass einige Erneuerbare Energien, so auch die Windenergie, günstiger sind als konventionelle Energieträger wie Braunkohle, sollte bei der immer wieder neu aufkommenden Debatte um „bezahlbaren Strom“ und der Diskussion um den Kohleausstieg und die zukünftige Energieversorgung berücksichtigt werden. 4.3 „Konventionelle-Energie-Umlage“ Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist die Grundlage der Förderung von Erneuerbaren Energien und legt die Kosten zur Förderung der Stromerzeugung transparent und gesetzlich festgelegt auf alle Stromkunden in Deutschland um. Eine ‚Konventionelle-Energie-Umlage’ würde für mehr Transparenz in der Stromerzeugung sorgen und die nicht internalisierten Zusatzkosten der Stromerzeugung aus konventionellen Energien in die Strompreise mit einbeziehen. Die Höhe dieses Zuschlags ist abhängig von der angelegten Strommenge des betrachteten Jahres und wurde durch Küchler/Wronski (2015a/b) für das Jahr 2014 berechnet. Dieser für die Umlage anzulegende Letztverbrauch betrug im Jahr 2014 378TWh (Küchler/Wronski, 2015b, S.31). Eine „Konventionelle-Energie-Umlage“, welche die Zusatzkosten durch konventionelle Energien auf den Endverbraucher umlegen würde, erhöht den Endverbraucher-Strompreis im Jahr 2014 um 10,6 Cent/kWh Strom. Die EEG-Umlage ist in den vergangenen Jahren massiv angestiegen und hat heftige Diskussionen um die weitere Entwicklung der EEG ausgelöst. Trotzdem beträgt diese nunmehr gerade einmal 6,24 Cent/kWh. Für den gesamten Stromverbrauch im Jahr 2014 bedeutet das dass die Zusatzkosten der konventionellen Energien im Jahr 2014 ein Volumen von ca. 40 Milliarden Euro haben. Die Differenzkosten für das EEG belasteten den Verbraucher hingegen lediglich mit 19,4 Milliarden Euro (Küchler/Wronski, 2015b, S.32).
  38. 38. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 32 Wenn man also die Kosten aus Förderung, Umwelt- und Klimabelastung mit der Förderung der erneuerbaren Energien durch das EEG vergleicht, erkennt man, dass die erstgenannten Kosten für das Jahr 2014 sogar deutlich höher sind. Abbildung 8: Strompreis, EEG-Umlage und Zusatzkosten konventioneller Energieträger Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Küchler/Wronski 2015a, S.5 Durch diesen Vergleich erkennt man, dass „die EEG-Umlage aus der Förderung erneuerbarer Energien (6,24 Cent/kWh) für die Gestaltung einer klima- und umweltfreundlicheren, zukunftsfähigen Energieversorgung eine deutlich günstigere Kostenbelastung ist, selbst unter der Annahme eines erheblichen Anstiegs.“ (Küchler/Wronski, 2015, S.34) Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und speziell aus Windenergie ist somit alles andere als ein „Preistreiber“ in der Stromversorgung. Sie ersetzt stattdessen konventionelle Energieträger wie die Braunkohle mit viel höheren Folgekosten für Gesellschaft und Steuerzahler. 22,9   22,9   6,24   6,24   1,2   9,4   0   5   10   15   20   25   30   35   40   45   Durchschn.   Haushaltsstrompreis  2014:   29,1  Cent/kWh   Haushaltsstrompreis  +   Zusatzkosten  konv.   Energieträger  2014:  39,7   Cent/kWh   Cent/kWh   externe  Kosten  durch  Umwelt-­‐  und   Klimaschäden   staatliche  Förderungen:  Finanzhiflen   und  SteuervergünsCgungen   EEG-­‐Umlage   Kosten  für  Erzeugung,  Transport,   Vertrieb  und  Steuern/Umlagen   10,6  Cent   KonvenConelle-­‐   Energien-­‐Umlage    2014  
  39. 39. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 33 4.4 Vermiedene Umweltschäden der Windenergie Wind bremst im wahrsten Sinne des Wortes den Klimawandel. Denn die Windenergie erzeugt gerade einmal 24 Gramm CO2/kWh und ist somit die Form der Stromerzeugung mit den geringsten CO2 Emissionen (BWE, 2015b, S.27). Laut dem Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (Universität Stuttgart) beträgt die energetische Amortisationsdauer einer WEA an Land zwischen drei und zwölf Monate. Während ihrer Laufzeit erzeugt eine WEA somit gut 40-70 Mal so viel Energie, wie für ihre Herstellung eingesetzt wird (Wagner, 2004, S.10). Konventionelle Kraftwerke können durch das erforderliche ständige Hinzufügen von fossilen Energieträgern niemals eine ähnlich positive ökologische Energiebilanz erreichen. Hinzu kommt, dass konventionelle Kraftwerke viel höhere Emissionen vorzuweisen haben. Ein Braunkohlekraftwerk produziert rund 1.000g CO2/kWh, Steinkohle rund 810g (BMWi, 2015b, S.38). Alleine in Deutschland wurden in den Jahren 2012 und 2013 jeweils rund 170 Millionen Tonnen CO2 durch die Stromerzeugung aus Braunkohle ausgestoßen (UBA, 2014, S.9). Durch den kontinuierlichen Ausbau von Windenergie hingegen wurden im Jahr 2014 über 40 Millionen Tonnen CO2 eingespart (BMWi, 2015a, S.38). Anhand der produzierten Strommenge aus Windenergie lassen sich nun die vermiedenen Emissionen monetär bewerten. Der Anteil der Windenergie an der Stromproduktion in Deutschland betrug 2014 mehr als 9% (BMWi, 2015b, S.4). Dies entspricht auf den gesamten Stromverbrauch bezogen einer Menge von 54,66tWh durch Windenergie erzeugten Strom. Die gesamtgesellschaftlichen Kosten durch staatliche Förderungen und externe Kosten konventioneller Energien für das Jahr 2014 entsprechen wie bereits dargestellt 10,6 Cent/kWh (Küchler/Wronski, 2015, S.5). Dies führt im Jahr 2014 zu durch die Windenergie vermiedenen Zusatzkosten von gerundet 5,79 Milliarden Euro. Bei einem anzunehmenden Schadenswert von 70 Euro pro Tonne macht alleine der Anteil der Kosten durch ausgestoßenes CO2 ca. 2,8 Milliarden Euro der Zusatzkosten aus. Dem steht eine durchschnittliche Vergütung für Strom aus Windenergie im Jahr 2014 von 9,7 Cent/kWh gegenüber (siehe Kapitel 3.3). Unter Berücksichtigung des anzulegenden Strompreises von 3,9 Cent/kWh (für den Fall, dass dieselbe Menge Strom durch konventionellen
  40. 40. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 34 Energieträger erzeugt worden wäre) entspricht das einer Förderung durch das EEG in Höhe von 3,17 Milliarden Euro. Durch diese Ergebnisse kann davon ausgegangen werden, dass die EEG- Aufwendungen zumindest im Bereich der Windkraft durch vermiedene externe Kosten vollständig kompensiert werden. Abgesehen von den ökonomischen Effekten lohnt sich der weitere Ausbau der Windkraft also alleine schon aufgrund der vermiedenen Zusatzkosten und dem damit verbundenen volkswirtschaftlichen Nutzen. Abbildung 9: Vermiedene Zusatzkosten durch die Nutzung von Windkraft im Vergleich mit EEG-Förderung im Jahr 2014 Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Krewitt, 2006, S. 12 3,17   5,79   0   1   2   3   4   5   6   7   EEG  Förderung   vermiedene  Zusatzkosten  durch  Strom   aus  Windenergie   Milliarden  Euro  
  41. 41. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 35 4.5 Fallbeispiel Windpark Beeck Der Bau von neuen Windkraftanlagen führt zu einer Substitution von Strom aus konventionellen Energieträgern durch Strom aus EE. Um die bisher ermittelten Daten zu veranschaulichen, soll nun die Nullvariante für den Windpark Geilenkirchen-Beeck ermittelt werden. Als Berechnungsgrundlage dient die tatsächlich produzierte Strommenge des Windparks im Jahr 2014. So soll aufgezeigt werden wie viel mehr externe Kosten entstehen, wenn die aus dem Windpark erzeugte Strommenge durch Stromerzeugung aus fossilen Energieträgern kompensiert werden müsste. Die Zahlen in Tabelle 10 wurden durch das Datenerhebungssystem Senvion SE ausgewertet und durch den Betreiber zur Verfügung gestellt (Davids/Solty, 2015a). Tabelle 10: Stromerzeugung des Windparks Beeck 2014 in kWh Monat   Januar   Februar   März   April     Mai   Juni   Wirkertrag     3.126.763   3.586.802   1.874.096   1.134.462   1.713.127   610.673   Monat   Juli   August   September   Oktober   November     Dezember   Wirkertrag     856.443   1.825.615   752.751   1.852.920   1.931.797   3.597.768   Gesamt   22.872.217               Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Davids&Solty Gbr., 2015 Die drei WEA produzierten für das Jahr 2014 insgesamt eine Strommenge von 22.872.217kWh (Davids/Solty, 2015a, S.3). Der Bundesverband für Windenergie stellt auf seiner Homepage einen CO2-Rechner zur Verfügung (BWE, 2015c). Mithilfe des BWE-CO2-Rechners kann ermittelt werden, wie viel CO2-Emissionen unter Berücksichtigung der Vorketten durch Windenergie vermieden werden. Außerdem lassen sich mit den erläuterten Ansätzen zur monetären Bewertung ebenfalls die vermiedenen externen Kosten durch den Windpark Beeck ausrechnen. Die Einspeisevergütung für den Windpark Beeck betrug im Jahr 2014 9,76 Cent pro erzeugter kWh Strom (Davids/Solty 2015b, S.1).
  42. 42. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 36 Tabelle 11: Vermiedene externe Kosten durch den Windpark Beeck Produzierte  Menge  Strom   22.872.217kWh   Vermiedene  Tonnen  CO2   17.222  Tonnen   Schadenskosten  CO2   70  Euro/tCO2   Einspeisevergütung  Windpark  Beeck     9,76  Cent/kWh   Zusatzkosten  (konventionelle  Energien)   10,6  Cent/kWh   Vermiedene  Umweltschäden  in  Euro*   1.205.540  Euro   Vermiedene  Zusatzkosten   2.424.455  Euro   EEG  Förderkosten  der  prod.  Menge  Strom   2.232.328  Euro   Kosten  bei  Förderung  aus  konventionellen   Energien**   892.016  Euro   Differenzierte  EEG-­‐Förderung   1.326.589  Euro   Quelle: eigene Darstellung bzw. Berechnung; *durch eingespartes CO2; **bei anzulegendem Strompreis von 3,9 Cent/kWh Durch den Windpark-Beeck wurden im Jahr 2014 rund 17.000 Tonnen CO2 eingespart. Dies kommt vermiedenen Umweltschäden von rund 1,2 Millionen Euro gleich. Die vermiedenen Zusatzkosten belaufen sich auf 2,42 Millionen Euro. Dem gegenüber steht eine Förderung des EEG in Höhe von 1,33 Millionen Euro.
  43. 43. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 37 Abbildung 10: Vermiedene Zusatzkosten durch den Windpark Beeck und EEG-Förderung 2014 Quelle: eigene Darstellung Andere externe Effekte wie landwirtschaftliche Ertragsverluste oder Materialschäden sind bereits in den Zusatzkosten mit einberechnet. Weitere Kostenfaktoren wie Lärm, Schattenwurf und Einflüsse des Windparks auf die Habitate von Vögeln werden nicht in die Bewertung mit einbezogen, da sie zu vernachlässigen sind. Des Weiteren wurden Landnutzungseinschränkungen bereits durch die Pachtkosten kompensiert. Die Kosten und Nutzenwirkungen des Ausbaus der erneuerbaren Energien werden grundsätzlich im Vergleich zu einer Energieversorgung durch konventionelle Energien bilanziert. Die dargestellten Zahlen des Fallbeispiels veranschaulichen, dass bereits ein ‚kleiner’ Windpark mit drei WEA und 10,2MW installierter Leistung einen großen volkswirtschaftlichen Nutzen darstellt. Alleine durch die vermiedenen Zusatzkosten rentieren sich die Kosten aus der EEG- Förderung und es ergibt sich eine Einsparung von mehr als einer Millionen Euro während eines laufenden Betriebsjahres. 2,42   1,33   1,09   0   0,5   1   1,5   2   2,5   3   Vermiedene  Zusatzkosten   EEG  Förderung   Saldo   Millionen  Euro  
  44. 44. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse der Windkraft mit Fallbeispiel des Windparks Beeck Robyn Solty 38 5 Fazit Das Ziel dieser Bachelorarbeit war es, die aktuellen Kosten und Nutzen der Windenergie auf eine aktuelle Basis zu bringen und mithilfe des Fallbeispiels einen praktischen Einblick in die Windenergiebranche zu bekommen. Das betrachtete Jahr 2014 dient dabei als Grundlage und war mit einem Zubau von 4.750MW ein absolutes Rekordjahr für die Windenergie an Land in Deutschland. Die Investitionen in neue Windenergieanlagen sind auf einen Rekordwert gestiegen wodurch auch die Bruttowertschöpfung seit 2012 um mehr als 40% angestiegen ist. Durch diese Ausbaudynamik steigt die ökonomische Bedeutung der Windenergie und macht diese zum Grundpfeiler des Ausbaus der Erneuerbare Energien in Deutschland. Die in der Einleitung verwendeten Zitate zeigen von Beginn an, dass die zukünftige Energieversorgung weltweit diskutiert wird, und dass der Ausbau der Erneuerbaren Energien starke wirtschaftspolitische Auswirkungen mit sich bringt. Auch wenn die Energiewende von weitaus mehr politischen und gesellschaftlichen Maßnahmen abhängig ist zeigt sich, dass ein Umdenken stattfindet und die Windenergie dabei ein starker Motor ist, wenn es um die Maximierung der Stromgewinnung durch Erneuerbare Energien geht. Durch diese positive Entwicklung wird die Branche der Windkraft allerdings auch stärker in die Pflicht genommen als bisher. Anhand ihrer wirtschaftlichen Chancen auf dem deutschen Markt und im Export muss die Windbranche auch zukünftig das Ziel haben - durch innovative Produkte - die Kosten für Strom aus Windenergie weiter zu senken. Gesamtgesellschaftlich gesehen hat diese Arbeit gezeigt, dass Strom aus Windenergie kein ‘Preistreiber’ ist, sondern durch die niedrigen Folgekosten bereits heute kosteneffizienter ist als Strom aus konventionellen Energieträgern. Den Zusammenhang zwischen kleineren Windparkbetreibern und ihrem Anteil am Gesamtertrag zeigen dabei die vermiedenen Umweltschäden und die Wertschöpfung des Windparks Beeck. Die Ergebnisse zeigen, dass ein Systemwechsel von konventionellen zu erneuerbaren in vollem Gange ist und das sich der Ausbau der Windkraft schon auf Grund der vermiedenen externen Kosten und dem damit verbundenen volkswirtschaftlichen Nutzen lohnt. Zukünftig liegt es in der Hand der Bundespolitik, dass die marktverzerrenden und umweltschädlichen fossilen Überkapazitäten planmäßig aus dem Markt genommen werden.
  45. 45. V Literaturverzeichnis Aretz, A.; Heinbach, K.; Hirschl, B.; & Schröder, A. (2013), Wertschöpfungs-und Beschäftigungseffekte durch den Ausbau Erneuerbarer Energien. Studie im Auftrag von Greenpeace Deutschland, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW)(Hrsg.), Berlin. AEE - Agentur für Erneuerbare Energien (2014), FAKTEN. Die wichtigsten Daten zu den Erneuerbaren Energien. Schnell und kompakt. In: http://www.unendlich-viel-energie.de/media/file/41.AEE_TalkingCards_2013_Jun13.pdf (13.06.2013) Bundesregierung G7 Gipfel, Abschlusserklärung G7-Gipfel. In: http://www.bundesregierung.de/Content/DE/_Anlagen/G8_G20/2015-06-08-g7-abschluss- deu.pdf?__blob=publicationFile&v=5 (08.06.2015) Bals, C.; Austrup, T.; Tietjen, O. (2011), Warum sich die Energiewende rechnet: Eine Analyse von Kosten und Nutzen der erneuerbaren Energien in Deutschland. Studie Germanwatch e.V., Bonn. BMWi - Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (2015a), Erneuerbare Energien im Jahr 2014. In: http://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/Publikationen/erneuerbare-energien-im-jahr- 2014,property=pdf,bereich=bmwi2012,sprache=de,rwb=true.pdf (27.02.2015) BMWi - Bundesminesterium für Wirtschaft und Energie (2015b), Zeitreihen zur Entwicklung der Erneuerbaren Energien in Deutschland. In: http://www.erneuerbare- energien.de/EE/Redaktion/DE/Downloads/zeitreihen-zur-entwicklung-der-erneuerbaren- energien-in-deutschland-1990-2014.pdf?__blob=publicationFile&v=3 (Februar, 2015) BWE – Bundesverband WindEnergie (2013), Windenergie im Binnenland. Bundesverband Windenergie e.V., 1. Auflage, Oktober 2013, Berlin. BWE – Bundesverband WindEnergie (2015a), Jahrbuch Windenergie 2014 - Marktübersicht, Bundesverband WindEnergie e.V., 24. Auflage, Berlin BWE – Bundesverband WindEnergie (2015b), A bis Z Fakten zur Windenergie, Bundesverband WindEnergie e.V., Berlin BWE – Bundesverband WindEnergie (2015c), CO2-Rechner. In: https://www.wind- energie.de/themen/natur-und-umweltschutz/klimaschutz (10.07.2015) BWE – Bundesverband WindEnergie (2015d), Wind bewegt – Argumente für die Windenergie. Bundesverband WindEnergie e.V., 6. Aktualisierte Auflage, April 2015, Berlin. Davids/Solty GbR (2015a), Gesamtreport Ertrag Monatlich 2014 – Windpark Beeck, Geilenkirchen (PDF, Anhang) Davids/Solty GbR (2015b), Einspeisvergütung Windpark Beeck 2014, (PDF, Anhang)
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  47. 47. VII Rehfeldt, K.; Wallasch, A. K. & Lüers, S. (2013), Kostensituation der Windenergie an Land in Deutschland. Deutsche WindGuard GmbH, Varel. Statistisches Bundesamt (2014), Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung. Input-Output- Rechnung 2010. Fachserie 18, Reihe 2. Wiesbaden. UBA - Umweltbundesamt (2012), Ökonomische Bewertung von Umweltschäden - Methodenkonvention 2.0 zur Schätzung von Umweltkosten. In: http://www.umweltbundesamt.de/publikationen/oekonomische-bewertung-von- umweltschaeden-0. (8.12.2014) UBA – Umweltbundesamt (2014), Entwicklung der spezifischen Kohlendioxid- Emissionen des deutschen Strommix in den Jahren 1990 bis 2013, CLIMATE CHANGE 23/2014, P. Icha. In: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/376/publikationen/climate_chang e_23_2014_komplett.pdf (Juli, 2014) Wagner, H. J. (2004), Ganzheitliche Energiebilanzen von Windkraftanlagen: Wie sauber sind die weißen Riesen? maschinenbauRUBIN, 2004.
  48. 48. VIII Anhang Der Bachelorarbeit ist eine CD beigefügt. Darauf befinden sich die für diese Arbeit verwendeten Quellen in PDF Format.
  49. 49. IX
  50. 50. X Eidesstattliche Erklärung Hiermit versichere ich, Robyn Solty, die vorliegende Arbeit selbstständig und unter ausschließlicher Verwendung der angegebenen Literatur und Hilfsmittel erstellt zu haben. Alle Stellen, die wörtlich oder sinngemäß veröffentlichtem oder unveröffentlichtem Schrifttum entnommen sind, habe ich als solche kenntlich gemacht. Die Arbeit wurde bisher in gleicher oder ähnlicher Form keiner anderen Prüfungsbehörde vorgelegt und auch nicht veröffentlicht. Paderborn, 15.07.2015 Robyn Solty

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