Erwachsenenbildungs-Magazin des Salzburger Bildungswerkes   02/2011Einmal Ehrenamt –Immer EhrenamtPerfekte Eltern?!Pacha M...
Das Team des Salzburger BildungswerkesDirektion                                 Barbara HoLZNER                           ...
Editorial                                                                                Impressum                        ...
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| 523   Internationale Solidarität          27        Aus der Direktion                 30         Aus Gemeinde und Bezirk...
6 |   B lic k p u n k teEinmal Ehrenamt – Immer EhrenamtSieglinde Rettenbacher und Manuela Pleninger im GesprächS     iegl...
Er wa ch s en e nb ild u ng   | 7Foto: fotolia                Ist doch EHRENsache!Ehrenamt und Bürgerschaftliches Engageme...
8 |   E r wa c h se n e n b i l d u n gjedoch immer Bürgerinnen und Bürger,             knapp 14,7 Millionen Arbeitsstunde...
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10 |   E lte rn -, Fra u e n - u n d Senio renbildung                                                                     ...
El ter n -, Fra uen - un d S en i oren b ild u ng    | 11türlich auch. Manchmal benötigen Kinder         solch plakative F...
12 |   E lte rn -, Fra u e n - u n d Senio renbildunggrößere Probleme für Eltern – was sind die              ist es auch s...
El ter n -, Fra uen - un d S en i oren b ild u ng    | 13Schalala und TellalaEine Initiative zur Entwicklung und Förderung...
14 |   Geme i n d e e nt w i c k l u ng                                                                                   ...
G emei n deentw ick lu ng    | 15  Jung trifft AltS       eniorenheime bieten viele Vorteile,       haben aber zuweilen au...
16 |   Geme i n d e e nt w i c k l u ngParsch: Generationen verbindenParsch ist ein besonders engagierter Stadtteil im Pro...
G emei n deentw ick lu ng    | 17will, erhält die Unterlagen im Stadtteilbüro in der Anton-Graf-Straße 4, beider Raika in ...
18 |                        Geme i n d e e nt w i c k l u ng               Aktivitäten im Generationendorf Hallein-Rif    ...
Europa un d Pol i ti s ch e B ild u ng    | 19  Europatag im Europark  D          er Europatag erinnert daran, dass Europa...
20 |                                   E u ro p a u n d Po l i t i s che B ildung                                         ...
Europa un d Pol i ti s ch e B ild u ng    | 21In Prishtinë                                   Filip Nedelkovski führte brav...
22 |    E u ro p a u n d Po l i t i s che B ildung                                                                        ...
Inter n ati on a l e S ol id a rit ät    | 23                                                                             ...
dreieck Ausgabe02 2011
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Das Erwachsenenbildungs-Magazin "dreieck" wird 2-3mal jährlich vom Salzburger Bildungswerk herausgegeben. Es beinhaltet die Darstellung und Auseinandersetzung mit
aktuellen bildungs- und gesellschaftspolitischen
Themen und fungiert Mitteilungs- und Serviceblatt über Veranstaltungen
des Salzburger Bildungswerkes.
Das „dreieck“ richtet sich an MitarbeiterInnen in
der Erwachsenenbildung, MultiplikatorInnen,
PolitikerInnen sowie Medien.

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dreieck Ausgabe02 2011

  1. 1. Erwachsenenbildungs-Magazin des Salzburger Bildungswerkes 02/2011Einmal Ehrenamt –Immer EhrenamtPerfekte Eltern?!Pacha Mama feiertWatunakuy salzburger bildungswerk
  2. 2. Das Team des Salzburger BildungswerkesDirektion Barbara HoLZNER GemeindeentwicklungGünther SIGNITZER Institut für Seniorenbildung SalzburgGeschäftsführung Örtliche Bildungswerke Alexander GLASTel: 0 662-87 26 91-14 Tel: 0 662-872691-17 Tel: 0 662-87 26 91-13g.signitzer@sbw.salzburg.at barbara.holzner@sbw.salzburg.at alexander.glas@sbw.salzburg.atRichard BRESCHAR Karin MARESCH Anita MoSERÖrtliche Bildungswerke Sekretariat Tel: 0 662-87 26 91-18Tel: 0 662-87 26 91-19 Tel: 0 662-87 26 91-12 anita.moser@sbw.salzburg.atrichard.breschar@sbw.salzburg.at karin.maresch@sbw.salzburg.at Sarah REITHERSonja CHRIST Isolde MRWA Tel: 0 662-87 26 91-27Sekretariat Organisation gemeindeentwicklung@sbw.salzburg.atTel: 0 662-87 26 91-11 Tel: 0 6277-77 94sonja.christ@sbw.salzburg.at isolde.mrwa@sbw.salzburg.at Forum FamilieHans EDER Manuela PLENINGER Barbara BRANDNER undInstitut für Internationale Solidarität Öffentlichkeitsarbeit Andrea-Maria GRUBERTel: 0 662-87 26 91-20 Tel: 0 662-87 26 91-16 Pongau, Tel: 0664-8284180hans.eder@sbw.salzburg.at manuela.pleninger@sbw.salzburg.at forumfamilie-pongau@salzburg.gv.atWolfgang FoRTHoFER Brigitte SINGER Wolfgang MAyRInstitut für Europa Institut für Elternbildung Flachgau, Tel: 0664-8284238Tel: 0 662-87 26 91-21 Tel: 0 662-87 26 91-15 forumfamilie-flachgau@salzburg.gv.atw.forthofer@sbw.salzburg.at brigitte.singer@sbw.salzburg.at Corona RETTENBACHERUlrike FREIDL Tennengau, Tel: 0664-8565527Sekretariat Institut für Medienbildung forumfamilie-tennengau@salzburg.gv.atTel: 0 662-87 26 91-22 Martin SEIBT Christine SCHLäFFERulrike.freidl@sbw.salzburg.at Geschäftsführung Pinzgau, Tel: 0664-8284179Michaela HABETSEDER Tel: 0 662-82 20 23-12 forumfamilie-pinzgau@salzburg.gv.atÖffentlichkeitsarbeit seibt@imb-salzburg.at Monika WEILHARTERm.habetseder@sbw.salzburg.at Monika HoHENLoHE Lungau, Tel: 0664-8284237 Tel: 0 662-82 20 23 forumfamilie-lungau@salzburg.gv.at office@imb-salzburg.at Qualitätssiegel Salzburger Bildungswerk Qualitätstestiert bis 02.07. 2012 Veranstaltungstipps Bildungswochen Thalgau, 15. Mai bis 19. November 2011 St. Margarethen, 25. September bis 2. Oktober 2011 Herbstfahrt des Salzburger Bildungswerkes nach Linz Piesendorf, 25. bis 30. September 2011 23. bis 24. September 2011 Goldegg, 17. September bis 25. September 2011 50 Jahre Bildungswochen: Festakt am 18. 9. um 10 Uhr. Grenzenlos Kochen in Parsch Strobl, 24. Oktober bis 6. November 2011 17. November 2011, 18 Uhr, Pfarrsaal St. Martin bei Lofer, 6. bis 13. November 2011
  3. 3. Editorial Impressum Herausgeber und Verleger: Salzburger Bildungswerk (Dr. Günther Signitzer) Redaktion: Manuela Pleninger (MP) Imbergstraße 2/2, 5020 Salzburg Tel. 0662-87 26 91-0 Fax 0662-87 26 91-3 E-Mail: office@sbw.salzburg.at www.salzburgerbildungswerk.at ZVR 200 288 147 Grafik: Werbeagentur Gerhard GürtlerWie können wir den Erfolg im Bildungsbereich messen? Es wird mit PISA probiert, Coverfoto: © Fotolianun soll PIAAC (auf Deutsch: Studie über die Kompetenzen Erwachsener und die An- Fotos: Salzburger Bildungswerk (falls nicht anders angegeben)forderungen im Informationszeitalter) für die Erwachsenenbildung kommen. Viele Druck: Schönleitner, KuchlEinrichtungen, so wie wir, veröffentlichen u.a. Veranstaltungs- und TeilnehmerIn- Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier.nenzahlen, wiederum andere versuchen es mit Standardvorgaben, und dann gibt es Auflage: 2.200noch Medienpräsenz, Qualitätsmanagementsysteme und Testierungen, Umfragen MitarbeiterInnen Redaktion: Dipl.-Ing. Richard Breschar (RiB)zur Kundenzufriedenheit u.v.m. – alles nur einzelne Mosaiksteine, die differenziert zu Dr. Hans Eder (HE)betrachten und zu analysieren sind. Aber das geht in unserer Zeit von Schlagwörtern Dr. Wolfgang Forthofer (FT)und Schlagzahlen vielfach unter. Wir sind stolz, hervorragende Statistiken vorzeigen Alexander Glas (AG) Mag. Michaela Habetseder (MiHa)zu können, die auch die erfolgreichen Aktivitäten in schwierigen Bildungsbereichen Mag. Barbara Holzner (bh)wie z.B. der politischen Bildung deutlich machen, Evaluierungen, die u.a. ein über- Dr. Anita Moser (AM)aus positives Zeugnis für unsere örtlichen, ehrenamtlichen BildungswerkleiterInnen Isolde Mrwa (IM) Martin Seibt (MS)geben. Dr. Günther Signitzer (GS)Aber was ist das alles im Vergleich zur Freude einer örtlichen Bildungswerkleitung DSA Mag. Brigitte Singer (BS)über eine gelungene Veranstaltung, dem erfolgreichen Abschluss eines schwierigen Blattlinie: Darstellung und Auseinandersetzung mitProjektes, bei dem wichtige Themen der Gesellschaft bearbeitet wurden oder auch aktuellen bildungs- und gesellschaftspolitischennur einfach die harmonische Stimmung an einem Abend mit Bildung und Kultur, Themen, Mitteilungs- und Serviceblatt über Veran- staltungen des Salzburger Bildungswerkes.welcher Interesse weckt, sich weiter zu entwickeln? Das ist der wirkliche Erfolg un- Das „dreieck“ richtet sich an MitarbeiterInnen inserer Bildungs- und Kulturarbeit, der uns immer wieder stärkt und der uns immer der Erwachsenenbildung, MultiplikatorInnen,wieder antreibt! PolitikerInnen sowie Medien. Namentlich gekennzeichnete Beiträge drücken dieBildungsangebote mit Mehr-Wert Meinungen der AutorInnen aus. Sie müssen sich nicht immer mit der Auffassung von Redaktion undBei der Kuratoriumssitzung wurde der Tätigkeitsbericht 2010 einhellig positiv be- Herausgeber decken.wertet. Mit beinahe 1.300 Veranstaltungen und über 83.000 TeilnehmerInnen kann Offenlegung nach dem Pressegesetz: Aktuelledas Salzburger Bildungswerk eine hervorragende Leistungsbilanz im Veranstal- Berichte, Informationen und Stellungnahmen,tungsbereich vorlegen. Hervorzuheben sind die anwachsenden Bereiche Gesund- die im Zusammenhang mit der Tätigkeit des über- parteilichen und konfessionell nicht gebundenenheit, Weiterbildung und Regionalentwicklung sowie Politische Bildung. LHF Gabi Salzburger Bildungswerkes stehen.Burgstaller, Präsidentin des Bildungswerkes, bedankte sich bei allen, die zu diesem Wir danken für die Zusammenarbeit undErfolg beigetragen haben und zeigte sich beeindruckt von dem hohen Engagement Unterstützung dem bm:ukk.der BildungswerkleiterInnen. Sie sieht diese Bildungsarbeit als die Beste für einen dreieck-Leserservice:demokratischen Prozess und für unsere BürgerInnen. Fragen an die Redaktion: Tel. 0662-872691-0 oderIm Mittelpunkt unserer Bemühungen stehen die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen. E-Mail: office@sbw.salzburg.atNeben einem breiten Service für die örtlichen Bildungswerke haben wir heuer im Erscheinungsweise: 2-3mal jährlich Abonnement- und Einzelbestellung:Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit zusammen mit der ARGE Salzburger Er- Einzelheft € 4,- (exkl. Versand)wachsenenbildung und der Unterstützung durch das Land Salzburg elf Weiterbil- Jahresabonnement € 11,-dungsangebote unter dem Titel „Anpacken“ zusammengestellt. Nähere Informati- Einzahlungen: RVS Salzburg Kto-Nr. 00047993, BLZ 35 000onen erhalten Sie unter www.weiterbildung.salzburg.at Wenn bis 31. Dezember keine Abbestellung erfolgt,Ich wünsche unterhaltsame Stunden mit dem neuen „dreieck“, eine interessante verlängert sich das Abo jeweils um ein weiteres Jahr.Lektüre zum Sommerausklang mit vielen Berichten über unsere Veranstaltungen Vorstand des Salzburger Bildungswerkesund Projekte. Lassen Sie sich motivieren, dabei zu sein, wenn es um die aktive Ge- Rektor Dr. Josef Sampl, HR Dr. Alfred Berghammer, HR Dipl. Ing. Günter Daghofer, Dr. Andrea Gitsch-staltung unseres Lebensraumes und der Gemeinschaft geht. Wir machen Bildung thaler, BSI Josef Irnberger, HR Dr. Andreas Kiefer,lebendig! Senatsrat Dr. Heinz Klier, Dr. Lucia Luidold, Dr. Ursula Maier-Rabler, HR Dr. Eduard Paulus, HR Prof. Dr. Wilhelm Pölzl, Prim. Dr. Josef Rücker,Dr. Günther Signitzer OStR Prof. Felix Strohbichler, Prof. Dr. MartinDirektor Wiedemair Präsidentin des Salzburger Bildungswerkes LH Mag. Gabi Burgstaller
  4. 4. 4 | Inhalt Neues Leben in alten Mauern Werte „alter“ und Foto: Fotolia „neuer“ Bauten und Anbauten07 14 Mehr dazu auf Seite 14. Erwachsenenbildung Gemeindeentwicklung Blickpunkte Gemeindeentwicklung 06 Einmal Ehrenamt – Immer Ehrenamt 14 Neues Leben in alten Mauern 15 J.A! Jung trifft Alt 16 Parsch: Generationen verbinden Erwachsenenbildung 17 Mattsee nimmt Holz unter die Lupe 07 Ist doch EHRENsache! 18 Aktivitäten im Generationendorf Hallein-Rif 09 Zeitspuren: Entdecken Sie Rom und Berlin Europa und Politische Bildung Eltern-, Frauen- und Seniorenbildung 19 Europatag im Europark 10 Perfekte Eltern?! 19 Medien und Politik – Politik und Medien 13 Schalala und Tellala 20 Den Südosten unseres Kontinents „entdecken“! 13 Elternschule der SALK unter neuer Leitung 21 Herbst und Winter sind nicht mehr fern ... 22 Dokumentation Obersalzberg und Besuch im „östlichen Drittel“ Tschechiens Internationale Solidarität 23 Pacha Mama feiert Watunakuy 24 Biolandbau – Ein Plädoyer für Regionalität 25 Lokal handeln, global bewegen 26 „Mal de mina“: Was sich in der höchstgelegenen Stadt der Welt abspielt. Ideen wachsen lassen Salzburger Netzwerk „Bildung für Nachhaltige Entwicklung und globales Lernen“ Mehr dazu auf Seite 27. 01/2011 dreieck
  5. 5. | 523 Internationale Solidarität 27 Aus der Direktion 30 Aus Gemeinde und Bezirk Aus der Direktion IMB – Institut für Medienbildung 27 Ideen wachsen lassen 39 Medien-Hochburg Mauterndorf 28 Bildungsangebote mit MEHR-WERT 29 Starke Salzburger Vertretung 29 Wir sagen Danke! Arbeitskreise 39 MundART – Eine Kunst wird ausgezeichnet 40 Arbeitskreis „Geschichte und Kultur“ Aus Gemeinde und Bezirk 30 Zeit zum Wachsen 32 frauen.einklang in Mattsee Personalia 32 Lachen geht durch den Magen ... 41 Das Salzburger Bildungswerk gratuliert 33 Über den Tellerrand schauen 41 Bildung ein Leben lang 33 Der Tennengau macht’s vor ... 41 Ende und Anfang 34 Apropos Gesundheit ... 41 Das Salzburger Bildungswerk begrüßt 34 Hintersee hinterlässt Spuren 42 Haus- und Hofchroniken St. Koloman 35 Erotik und „Dancing Stars“ 42 Für ein aktives Miteinander 35 Kunstausstellung ist „Bellissimo“ 42 Bildung, die bewegt und die Umwelt schont 36 Gemeinschaft leben 42 Zum Gedenken: Cilli Pichler 37 Regionale Stärken stärken 38 Generationenplausch „Mei erste Liab“ 38 Demokratischer Wüstenwind Veranstaltungs- und Buchtipps 02 Veranstaltungstipps 43 Buchtipps dreieck 02/2011
  6. 6. 6 | B lic k p u n k teEinmal Ehrenamt – Immer EhrenamtSieglinde Rettenbacher und Manuela Pleninger im GesprächS ieglinde Rettenbacher hat sich nach ihrer Zeit als Bildungs- Sie kommen also mit StraftäterInnen in direkten Kontakt, wie werkleiterin von Bad Vigaun weiterhin für ein Ehrenamt ent- sieht dieser aus? Und kann man sich darauf vorbereiten? schieden. Sie engagiert sich seit fast neun Jahren im Bereich Der persönliche Kontakt mit den Tätern ist in meiner Arbeit vorran-der Jugend- und Freizeitgestaltung in der Justizanstalt Salzburg. gig. Dabei ist eine ständige Bewachung durch einen Justizwache-Wir haben uns mit unserer ehemaligen Bildungswerkleiterin getrof- beamten gegeben. Außerdem habe ich zu Beginn meiner Tätigkeitfen und Sie zu Ihren neuen Aufgaben interviewt. einen Selbstverteidigungskurs absolviert. Aber es gab für mich noch nie eine Situation, in der ich Angst ge-Frau Rettenbacher, Sie engagieren sich im Häftlingsfürsorge- habt hätte. Das Gegenteil ist der Fall: Alle Insassen verhalten sichverein Salzburg. Was genau macht der Verein? mir gegenüber ausgesprochen höflich. Der Umgangston ist normal,Zweck des Vereines ist es, Insassen der Justizanstalt Salzburg wäh- ich lege allerdings sehr viel Wert auf gute Umgangsformen, wierend ihrer Haft und/oder anlässlich ihrer Entlassung durch Geld und grüßen, bitte, danke usw.Kleidung oder sonstige Gebrauchsgegenstände zu unterstützen. Auf der Basis von gegenseitigem Respekt, Höflichkeit, aber auchWährend der Haft sollen die Insassen zu einer sinnvollen Freizeit- viel Spaß und Entspannung habe ich einen guten Weg gefunden,gestaltung motiviert werden. Insbesondere im Jugend- und Frau- mit den Jugendlichen umzugehen. Unterstützt werde ich dabeienvollzug werden regelmäßig Workshops, Veranstaltungen und vom Leiter der Jugendabteilung. Er ist für die „Jungs“ ein väterlicherAktivitäten eingesetzt, die ihnen eine sinnvolle Nutzung ihrer ar- Freund, den sie voll respektieren. Auch wäre ohne die Hilfe des An-beitsfreien Zeit vor Augen führen soll. staltsleiters Oberst Dietmar Knebel bzw. der Werkstät- ten in der Justizanstalt diese Tätigkeit nicht möglich.Welche Motivation steckt hinter Ihrer Arbeit? Mein MottoDurch einen Zufall kam ich vor ungefähr zehn Jahren in der dabei lautet: Wie sehen die Jugendlichen diese gelungene Ab-Toskana mit einer kirchlichen Einrichtung zur Betreuung Hart, wechslung, und was passiert mit den in den Work-straffällig gewordener Jugendlicher in Kontakt. Ein Pater aber herzlich! shops und Aktionen hergestellten Produkten?erklärte mir die Arbeitsweise und zeigte mir die Produkte, Die Arbeit mit den Jugendlichen hat sich inzwischendie von den Jugendlichen gefertigt und auch verkauft werden. Ich zu einem festen Bestandteil in der Justizanstalt Salzburg etabliert.war davon sehr fasziniert und nachhaltig beeindruckt. Für meine „Jungs“ ist es eine Bestätigung, dass ihre Arbeit geschätztKurz darauf bekam ich von der damaligen Leiterin der Salzburger wird – für viele das erste Mal in ihrem Leben. Mit viel Geduld, Ein-Justizanstalt, Oberst Karin Göll, das Angebot, mit jugendlichen fühlungsvermögen, aber auch Strenge und Konsequenz erfahrenStraftätern kreativ zu arbeiten. Ich nahm das Angebot an, wusste sie, welche Fähigkeiten in ihnen stecken. Die Produkte dieser Arbeitallerdings nicht, was mich erwartete. werden auf Adventmärkten und privat verkauft. Die Einnahmen da- raus kommen den Jugendlichen und dem Häftlingsfürsorgeverein zugute. In unregelmäßigen Abständen finden auch „Kochnachmittage“ statt, in denen die Jugendlichen neben Kochen auch Tischkultur, Benehmen bei Tisch und Vor- und Nacharbeiten lernen und an- wenden. Zwischenzeitlich hat sich mein Engagement auch ausge- weitet. So findet heuer zum dritten Mal ein Sommerworkshop mit erwachsenen Insassen statt. Weiters stehen Kekse backen in der Adventszeit sowie ein Osterworkshop mit der Frauenabteilung auf Foto: Häftlingsfürsorgeverein Salzburg dem Programm. Vielen Dank für das interessante Gespräch Frau Rettenbacher, wir wünschen weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Arbeit! Danke. ich habe endlich das Betätigungsfeld gefunden, das mich persönlich ausfüllt und mir vor allem großen Spaß macht! (MP)01/2011 dreieck
  7. 7. Er wa ch s en e nb ild u ng | 7Foto: fotolia Ist doch EHRENsache!Ehrenamt und Bürgerschaftliches EngagementE hrenamt, Freiwilligenarbeit und bür- ge Zeit auf die Stimmabgabe bei Wahlen. zentrale Motiv für Ehrenamt, so wollen die gerschaftliches Engagement liegen Erst im 18. und 19. Jahrhundert begann heute freiwillig Tätigen am öffentlichen im Trend. Für das Salzburger Bil- sich das Vereinswesen als völlig neue sozi- Leben teilhaben, soziale Sachverhalte reali-dungswerk stellen diese Begriffe jedoch ale Organisationsform zu etablieren, wobei sieren, Verantwortung übernehmen, etwaskein Neuland dar. Seine Struktur beruht die Mitgliedschaft in Vereinen dem Bürger- bewegen und sich nützlich machen. Hinzuseit Jahrzehnten auf ehrenamtlicher Tätig- tum vorbehalten war. Auch der Begriff des kommen Motive wie Anerkennung, Selbst-keit, sein Anliegen ist seit seiner Gründung „Ehrenamtes“ stammt aus dieser Zeit. Im bestimmung und -verwirklichung sowiedie gemeinwesenorientierte Arbeit. Wie es frühen 19. Jahrhundert verteilte der Staat das Erleben von Gemeinschaft. Freiwillig tä-dazu kam und was heute darunter verstan- Ämter an aufstrebende männliche Bürger, tige Personen verpflichten sich nicht mehrden wird, ist Inhalt der folgenden Ausfüh- um diese symbolisch an der Macht zu betei- lebenslänglich einer Organisation, sondernrungen. ligen (Enquete-Kommission, 2002). Frauen engagieren sich spontan, flexibel, projekt- engagierten sich damals ausschließlich im förmig und in flachen Hierarchien (Stricker,Wie alles begann: kirchlich-sozialen Kontext der Wohlfahrt. Im 2007).Geschichtlicher Abriss 20. Jahrhundert wurden die BürgerrechteDer individuelle Beitrag zum Allgemein- auf alle gesellschaftlichen Gruppen, auch Im Mittelpunkt stehen diewohl war in der gesamten abendländischen Frauen, ausgedehnt. Der Nationalsozialis- BürgerInnen - BegriffsklärungTradition unverzichtbarer Teil eines sinner- mus bedeutete dann das sukzessive Ende Freiwilliges Engagement wird oftmalsfüllten Lebens. So gab es schon in der An- der Selbstverwaltung, die erst nach dem mit sehr unterschiedlichen Begriffen wietike die Idee der aktiven Bürgerschaft, auch Krieg langsam wieder zum Leben erwachte. Freiwilligenarbeit, Ehrenamt, freiwilligesim römischen Reich galt die Übernahme Seitdem hat sich gemeinwesenorientiertes Engagement oder bürgerschaftliches En-politischer Aufgaben als besonders tugend- Engagement sowohl aus der Sicht des Indi- gagement betitelt. Allgemein gültige De-haft. Politik und Wissenschaft reduzierten viduums als auch aus struktureller Hinsicht finitionen wurden bislang nicht gefundendie Mitbestimmung des Volkes jedoch lan- gewandelt. War früher Wohltätigkeit das (Anheiner, 2009). Im Mittelpunkt stehen dreieck 02/2011
  8. 8. 8 | E r wa c h se n e n b i l d u n gjedoch immer Bürgerinnen und Bürger, knapp 14,7 Millionen Arbeitsstunden. Dies werden wie für berufliche Tätigkeiten.die sich im Sinne des Allgemeinwohles entspricht einer Arbeitsleistung von 373.860 Personen, die sich nicht freiwillig engagie-engagieren. Ehrenamt bezeichnet im ur- Erwerbstätigen mit einer Arbeitszeit von je ren, tun dies deshalb nicht, weil sie durchsprünglichen Sinn die Übernahme eines 39,3 Stunden. familiäre Aufgaben ausgefüllt sind (68,6 %),öffentlichen Amtes beziehungsweise die Hinsichtlich der Altersstruktur zeigt sich, nie um Mitarbeit gebeten wurden (58,4 %),Mitwirkung in Wohlfahrtsorganisationen. dass die meisten Freiwilligen zwischen 40 nie über freiwilliges Engagement nachge-Diese Aktivitäten waren freiwillig und nicht und 49 Jahren alt sind (22 %), dicht gefolgt dacht haben (45,5 %) und freiwilliges Enga-auf monetäre Verdienste ausgerichtet. von Personen im Alter zwischen 30 und 39 gement zeitlich nicht mit dem BerufslebenHeute ist Ehrenamt eine Form des bürger- Jahren (19,1 %) (Statistik Austria, 2008, S. vereinbaren können (45,1 %) (BMASK, 2009,schaftlichen Engagements und stellt nur 18). S. 54).einen Teilaspekt dessen dar. Es bezeich- Die ehrenamtliche Beteiligung in Österreichnet die Arbeit Freiwilliger in strukturierten hat einen starken regionalen Bezug, wobei Diskussion und AusblickOrganisationsformen, die mit einer Mit- das freiwillige Engagement mit zuneh- Bürgerschaftliches Engagement schafft In-gliedschaft verbunden ist. Ehrenamtliche mender Bevölkerungsdichte sinkt (ebd., S. novationen, es überwindet alte Denk- undTätigkeit kann daher als eine stärker forma- 16). Verhaltensmuster, ermöglicht eine eigen-lisierte, in Regeln eingebundene und dau- Ehrenamt hängt neben Alter und regio- verantwortliche Gestaltung der Lebensbe-erhafte Form des Engagements bezeichnet nalen Faktoren stark von Herkunft und dingungen, stärkt die Demokratie, fördertwerden (Enquete-Kommission, 2002). Bür- Bildungsstand ab. Für Österreich bedeutet Partizipation und Integration. Es darf dahergerschaftliches Engagement versteht sich das, dass sich 33 Prozent der Personen mit nicht exkludieren, sondern muss versuchen,als eine nicht erwerbsmäßig ausgeübte Pflichtschulabschluss, aber 54 Prozent der möglichst viele Menschen aller soziokultu-Tätigkeit außerhalb des eigenen Haushalts Personen mit universitären Abschlüssen rellen Hintergründe zu erreichen. Denn:und familiären Umfeldes. Es bezeichnet freiwillig engagieren (ebd., S. 15). Bürgerschaftliches Engagement ist dieEngagement für Andere und/oder das ge- Einen weiteren Einflussfaktor auf freiwilliges Grundlage für sozialen Zusammenhalt, esmeinsame Lebensumfeld, das freiwillig, Engagement stellt die soziale Integration kann als Demokratisierungsstrategie gese-eigeninitiativ, ohne persönlichen materi- dar. Menschen übernehmen dann ehren- hen und genutzt werden.ellen Gewinn, unabhängig von staatlichen amtliche Aufgaben, wenn sie sich beteili- Ehrenamtlich Tätige schaffen Sozialkapital,Strukturen, regelmäßig, in Anbindung an gen können, aber auch beteiligt werden, sie erhöhen das Verständnis zwischen deneine Organisation stattfindet und mit der sich zugehörig fühlen und ein Klima des verschiedensten Mitgliedern einer Gesell-Übernahme von Aufgaben verbunden ist. Vertrauens herrscht. Hier schließt sich der schaft, sie erhalten die Verlässlichkeit ge-Diese Tätigkeit kann zeitlich begrenzt und Kreis zu arbeitslosen Personen, Personen meinsamer Regeln, Normen und Werte (Bun-projektbezogen sein. mit Migrationshintergrund oder geringer desverband Deutscher Stiftungen, 2009).Bürgerschaftliches Engagement meint, dass gebildeten Menschen. Sie sind beim frei- Diskutiert werden muss daher auch weiter-sich Bürgerinnen und Bürger nach demo- willigen Engagement unterrepräsentiert, hin, wie Ehrenamt gestärkt und aufgewertetkratischen Regeln organisieren und auf das was einerseits auf den fehlenden Anschluss werden kann und welche Möglichkeiten derGemeinwesen Einfluss nehmen. Der Begriff durch Erwerbsarbeit oder auf die kulturelle nicht-monetären Vergütung denkbar sind.„Bürgerschaftliches Engagement“ ist mit Identität zurückgeführt werden kann, an- Freiwillig Tätigen gebührt von Seiten aller„freiwilligem Engagement“ gleichzusetzen. dererseits auch auf die mangelnde „Rekru- beteiligten Institutionen, der Politik und tierung“ durch die Organisationen. Es ist zu der Gesellschaft große Anerkennung, sieAktuelle Bezüge zu Österreich beobachten, dass für freiwilliges Engage- benötigen aber auch Unterstützung undEine österreichische Studie zeigt, dass sich ment ähnliche Voraussetzungen gefordert zukunftsweisende Visionen. (bh)im Jahr 2006 43,8 Prozent aller Personen ab15 Jahren ehrenamtlich engagierten, das Literatur: Anheiner, H. K. (2009). Zivilgesellschaft und freiwilliges Engagement in Europa. In Landes-sind drei Millionen Österreicherinnen und zentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (Hrsg.), Grenzen-Los! Freiwilliges Engagement in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dokumentation der internationalen Vernetzungskonferenz (S.Österreicher. 47,1 Prozent der Engagierten 108-111). Stuttgart: Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg.sind männlich und 40,7 Prozent weiblich. BMASK - Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (2009). Freiwilliges Engage-Frauen engagieren sich fast ausschließlich ment in Österreich. 1. Freiwilligenbericht. Wien: BMASK. Bundesverband Deutscher Stiftungen (2009). Dokumentation des 1. Zukunftssymposiums Bürgeren-im sozialen, kirchlichen und kulturellen gagement und gesellschaftlicher Wandel. Berlin: Bundesverband Deutscher Stiftungen.Bereich, Männer in den Bereichen „Sport“, Enquete-Kommission „Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements“ des Deutschen Bundestages„Hilfsdienste“, „Politik“ und „Kultur“ (BMASK, (2002). Bürgerschaftliches Engagement: auf dem Weg in eine zukunftsfähige Bürgergesellschaft. Schriftenreihe, Bd. 4. Opladen: Leske + Budrich.2009, S. 10). Männer besetzen ehrenamt- Statistik Austria (2008). Struktur und Volumen der Freiwilligenarbeit in Österreich. Aktualisierte Ausgabe.liche Führungspositionen, Frauen die un- Wien: Statistik Austria.teren Ränge. Die Arbeitsleistung freiwillig Stricker, M. (2007). Ehrenamt als soziales Kapital. Partizipation und Professionalität in der Bürgergesell- schaft. Karlsruher Forschungsstudien Deutschland und Europa. Berlin: Dr. Köster.Tätiger in Österreich beträgt wöchentlich02/2011 dreieck
  9. 9. Er wa ch s en e nb ild u ng | 9 Foto: DiliffZeitspuren: Entdecken Sie Rom und Berlin VON ANDREAS DEUSCHRom, 2. bis 10. November 2011 Berlin, 1. bis 4. März 2012Wir werden in einem äußerst zentral und verkehrsgünstig gele-genen Hotel zwischen Piazza Venezia und dem Campo dei Fioriwohnen. Das Besichtigungsprogramm, das großteils zu Fuß vomHotel aus erfolgt, ist auf sieben Tage verteilt. Der Einsatz eines Foto: Uwe Wattenberg/Pixelio.deFunkmikrofons trägt zum Verstehen und zum Komfort der Reisebei. Rom liegt in der Region Latium am Ufer des Flusses Tiber und zählt im Stadtgebiet zirka 2,8 Millionen Einwohner. Die von Romulus und Remus um 753 v. Chr. gegründete Die Metropole verändert ihr Gesicht in einem geradezu atem- und nicht zuletzt wegen ihrer Rolle beraubenden Tempo. In den vergangenen Jahren wurden nach in der Antike als Hauptstadt des rö- langen Restaurierungsarbeiten eine Reihe neuer Museen eröff- mischen Reiches als „Ewige Stadt“ net: auf der Museumsinsel sind es Schinkels Altes-Museum, die bezeichnete Metropole ist seit Alte Nationalgalerie, das Bodemuseum, zuletzt im Herbst 2009 1871 die Hauptstadt des im Risorgi- das Neue Museum (mit der ägyptischen Sammlung), dazu das mento vereinigten Italiens und Sitz Historische Museum im Zeughaus und der imponierende Bau des des Malteser-Ritterordens. Innerhalb Jüdischen Museums von Liebknecht. Neben den Museumsbe- der Stadt bildet der unabhängige suchen ist eine Stadtrundfahrt zu den Highlights der modernenVatikanstaat eine Enklave. Rom ist außerordentlich reich an be- Architektur in Berlin vorgesehen. Neben den Bauten der internati-deutenden Baudenkmälern und Museen. Die Altstadt von Rom, onalen Avantgarde-Architektur wird uns auch die städtebaulicheder Petersdom und die Vatikanstadt wurden von der UNESCO Problematik der lange zweigeteilten Stadt vorgeführt.im Jahre 1980 zum Weltkulturerbe erklärt. Wie in keiner anderen Mag. Andreas Deusch ist Projektleiter von Zeitspuren.Stadt sind hier neue sowie antike Bauwerke miteinander vereintund bilden eine einmalige Symbiose wie sie nirgendwo auf der Infos zu den beiden Reisen: Andreas Deusch, Tel: 0699-10905138,Welt zu finden ist. zeitspuren@sbg.at oder unter www.zeitspuren.at dreieck 02/2011
  10. 10. 10 | E lte rn -, Fra u e n - u n d Senio renbildung Perfekte Eltern?! Foto: FotoliaDie heutige Eltern-Kind-BeziehungS eit Jahren gibt es im Salzburger Bil- nen, dann ist eine Eltern-Kind-Beziehung Müssen Eltern perfekt sein? dungswerk im Institut für Elternbil- gelungen. Natürlich nicht. Perfektionismus ist eine dung das Elterntraining „Selbstma- Erwartungshaltung, die unweigerlich zurnagement in der Erziehung“ mit Dr. Manfred Welche Erfahrung haben Sie in den letzten Frustration führen muss. Aber es schadetWünsche. Das Elterntraining basiert auf Jahren bei den Elterntrainings gemacht? nicht, gut zu sein, zu wissen, wann maneinem Konzept, das Eltern in Seminarform Bei den Eltern, die zu mir kommen, ist bereits Fehler macht und zu wissen, wie man diesebei ihrer Erziehungskompetenz unterstützt. etwas Entscheidendes vorhanden: Sie inte- revidiert. Anzuerkennen, dass man auch nurEs ist ein guter Zeitpunkt für eine Innensicht ressieren sich für ihre Beziehung zum Kind. ein Mensch ist (das Kind im Übrigen auch!)und um Erfahrungen mit diesem Angebot Sie wollen wissen, wie sie ihrem Kind zu ei- und Fehler begeht, das ist viel realistischer.zu diskutieren. Was sind heute Themen in ner positiven Entwicklung verhelfen können. Es hilft auch, wenn Eltern herausfinden,der Erziehung und welche Erfahrungen Damit ist von den Eltern ein erster Schritt über welche Ressourcen und Stärken siemacht der Psychotherapeut bei dieser Ar- gemacht. Ich helfe dann, wenn notwendig, verfügen und wie sie diese nutzen können.beit? Brigitte Singer stellte Manfred Wün- Schritte zu Veränderungen einzuleiten.sche diese und andere spannende Fragen. Die meisten Eltern wollen das Beste für ihr Was sind die „hot spots“ in Ihrer Arbeit Kind und benötigen oftmals nur wenige mit Eltern – mit welchen Problemen sindHerr Dr. Wünsche, was sind Grundpfeiler Impulse, oft auch nur Bekräftigungen ihres die meisten Eltern konfrontiert?gelungener Eltern-Kind-Beziehung? Handelns, damit sie sich als Eltern wieder Es geht in meinen Trainings weniger umWenn es mir als Eltern gelungen ist, dem besser fühlen. Viel unnötiges Leid, verur- rein theoretische Diskussionen, ob KinderKind zu vermitteln, dass es OK ist, so wie es sacht durch Missverständnisse, wird und Grenzen brauchen (à la Jan Uwe Rogge)ist und wenn Eltern sich als wirksame, zu- wurde durch die Trainings verringert bzw. oder ob Lob dem Kind nun schadet oderfriedene und gute Eltern empfinden kön- verhindert. nicht (à la Jesper Juul). Wir diskutieren na-02/2011 dreieck
  11. 11. El ter n -, Fra uen - un d S en i oren b ild u ng | 11türlich auch. Manchmal benötigen Kinder solch plakative Formulierungen geführt,Grenzen, manchmal geht es darum, die die leider letztlich den Eltern mehr schadenGrenzen nicht zu ziehen. Mir geht es darum, und sie verunsichern als nützen. Was nundass Eltern situativ entscheiden können wieder? Sollen Eltern jetzt wieder nicht lo- Manfred Wünscheund sich bewusst sind, welchen Einfluss ihr ben? Ich gehe davon aus, dass Juul das an- ist KlinischerHandeln oder Nicht-Handeln auf das Kind ders meint als es durch diese Formulierung Psychologe, Gesund-hat. Sie erhalten Unterstützung, im Training transportiert wird. Ich kann ja gar nicht heitspsychologe undGelerntes in der jeweiligen Familie umzu- nicht belohnen oder nicht bestrafen. Wenn Psychotherapeutsetzen. Wenn Sie so wollen, werden Eltern ein Kind mir etwas erzählt und ich höre ihmdurch meine Trainings „mündigere“ Eltern. zu, belohne ich es. Höre ich nicht zu, bestra- fe ich es. Das hat ja nichts mit Autorität jaWoher kommt die Überforderung der oder nein zu tun. Das ist ein allgemeines oder Konsequenzen tendieren dazu, dasEltern? Lernprinzip. Spreche ich aber von Beloh- Kind zu verletzen und erreichen meist dasRein materiell und was unsere Lebens- nung und Bestrafung im Sinne von „ja, su- Gegenteil beim Kind. Wir sollten zudem si-bedingungen betrifft, geht es uns wahr- per toll hast du das gemacht“ (Belohnung) cher sein, dass unser Kind auch weiß, wasscheinlich so gut wie noch nie. Trotzdem oder ich schimpfe aus allen Rohren (Bestra- wir von ihm wollen. Oft können uns die Kin-oder vielleicht gerade deshalb wird uns fung), dann meinetwegen ja. Das wird aber der mit unseren Ansprüchen und Formulie-suggeriert, dass wir ständig Leistung er- schließlich auch nur dann zum Problem für rungen gar nicht verstehen (wir reden dannbringen müssen, um auch bestehen zu das Kind, wenn dies regelhaft, nicht echt zuviel). Am Häufigsten reden die Eltern nurkönnen. Gerade das verunsichert Eltern. Sie oder unangemessen passiert. Eltern müs- über Konsequenzen, handeln aber nicht da-wollen oft, dass es ihre Kinder besser haben sen selbst interpretieren und verlieren da- nach oder aber viel zu spät. Für die Kinderals sie das selbst als Kind erlebt haben und durch leicht ihre Orientierung. zählen die Handlungen der Eltern sowie diewissen nicht, wie und wann sie ihr Kind nun Unmittelbarkeit der Konsequenzen – dasfördern oder auch einmal frustrieren sollen. Ist es wichtig, dass Vater und Mutter in erleichtert das Verständnis der Kinder undDie Flut an gut gemeinten, aber sich oft wi- der Erziehung immer die selbe Meinung gibt am meisten Orientierung. Außerdemdersprechenden Erziehungsratgebern trägt haben? wird bei vielen in der Regel viel zu spätein Übriges dazu bei. Vater und Mutter gehen in der Regel unter- und dann viel zu hart gestraft. Noch dazu schiedlich an die Sache heran, und das ist mit Konsequenzen (Handy weg, TV-Verbot,Müssen Eltern konsequent und Vorbild gut so. Väter tun sich oft leichter, Entschei- PC-Sperre etc.), die mit dem Fehlverhaltensein? dungen zu treffen und gehen recht direktiv des Kindes nichts zu tun haben. Damit errei-Eine zentrale Entwicklungsaufgabe für mit dem Kind um. Mütter sind meist emoti- che ich allerdings sehr wenig Einsicht undKinder ist es, Orientierung in ihrer Welt zu onaler, fühlen sich gut in das Kind ein und erzeuge vielmehr die Tendenz, dass sichfinden. Demnach ist es von Bedeutung, tragen besonders zur sozialen Entwicklung Kinder gegen diese Konsequenzen immu-dass Eltern verlässliche Partner und Ver- des Kindes bei. Idealerweise ergänzen sich nisieren und die Eltern damit strafen – immittler dieser Orientierung sind. Dazu ist Mutter und Vater und nutzen damit die- Sinne von „Jetzt weiß ich nicht mehr, wases notwendig, diese Welt konsequent und se Ressourcen. Hebeln sich die Elternteile ich dem Kind noch wegnehmen soll, es hilftverlässlich zu vermitteln. Inkonsequenz ver- häufig vor dem Kind gegenseitig aus, kriti- alles nichts mehr“.mittelt meist eine Desorientierung, die das sieren und gering achten sie sich, ist das be-Kind verunsichert. Kinder lernen am Besten, sonders störend für das Kind, verunsichert Spätestens dann hat sich eine Beziehungs-wenn sie verlässlich erfahren, welche Kon- und erzeugt Desorientierung. Verschiedene kultur etabliert, die nur noch als Teufels-sequenz ihr Verhalten hat. Das tun sie leider Meinungen zu haben ist also noch kein Pro- kreise funktionieren. Und, damit stimme ichauch, wenn Eltern inkonsequent sind (ist blem, entscheidend ist vielmehr, wie das mit Juul überein, bei allem Interesse, Kinder-eben auch eine Orientierung!), aber damit gegenüber dem Kind vermittelt oder aus- erziehung richtig zu machen, versuchen wirentstehen meist die Probleme, unter denen getragen wird. oft zuviel Einfluss auf das Kind zu nehmensowohl Eltern als auch Kinder leiden. Das- und stören seine Entwicklung damit nur.selbe gilt für die Notwendigkeit, ein gutes Was sind die klassischen Erziehungsfallen Wir sollten dem Potential unserer KinderVorbild zu sein. Kinder lernen durch Beo- in die wir tappen? auch vertrauen und sie unterstützen, ihrenbachtung und Nachahmung. Kinder lernen und entwickeln sich. Dazu Weg autonomer zu finden und uns weniger müssen sie auch Fehler machen dürfen. Es einmischen.Jesper Juul meint, dass Belohnen und ist deshalb wichtig, dass wir Eltern nichtBestrafen die natürliche Autorität der persönlich gekränkt sind, wenn Fehler oder Immer weniger Kinder (in Städten wieEltern zerstört – wie sehen Sie das? Konflikte entstehen. Aus der Kränkung oder München gibt es aktuell noch in 11 % derDie Erziehungsdebatten werden meist über Emotionalität getroffene Entscheidungen Haushalte Kinder!) und dennoch immer dreieck 02/2011
  12. 12. 12 | E lte rn -, Fra u e n - u n d Senio renbildunggrößere Probleme für Eltern – was sind die ist es auch schade und traurig, dass Kinder habe ich noch nie erlebt. Jede ErziehungGründe? quasi als Behinderungen in den Lebenspla- ist eine große Verantwortung und auchIch vermute, dass es an den Lebensvollzü- nungen erlebt werden und dass sich immer Herausforderung. Jeder macht Fehler, dasgen der Menschen und ihren Erwartungen weniger Menschen für ein Leben in und mit ist auch gar nicht so schlimm. Regelhaftan das Leben liegen wird. Menschen wollen Familie entscheiden. Ich glaube allerdings, problematische Beziehungsmuster solltenüber sich selbst bestimmen, Karriere ma- dass sich die offensichtliche Entwicklung aber hinterfragt und auf ihre Bedingungenchen, frei sein und den Luxus ihrer Karrieren zu immer mehr Erfolg, Leistung und per- untersucht werden. Genau das können El-erleben. Kinder sind eine weit reichende sönlicher Freiheit auch wieder umkehren tern lernen, zum Beispiel in einem Eltern-Entscheidung und verändern das Leben wird. Dann, wenn Menschen merken, dass training. Denn Veränderungen sind garvon Menschen nachhaltig. Die persönliche das Leben mit Kindern und in einer Fami- nicht so schwer zu erzielen. Und es ist nieFreiheit, die viele kinderlose Menschen lie bereichernder, sinngebender und be- zu spät, damit zu beginnen. Eltern könnensuchen, wird durch Kinder natürlich stark friedigender ist als das Leben ohne Kinder. also neue Erlebens- und Verhaltensweiseneingeschränkt bzw. verändert. Vielleicht ist Vermutlich wird es hierbei zumindest zwei für das Leben mit ihrem Kind lernen. Kinderes auch gut so, dass Menschen keine Kin- Entwicklungen geben: Menschen, die be- sind prädestiniert dazu, schnell und auchder zeugen, wenn es mit ihren Lebenspla- wusst darauf verzichten und Menschen, die gerne zu lernen, d.h. auch Problematischesnungen nicht übereinstimmt. Das würde bewusst das Leben mit Kindern wählen. umzulernen.die berichtete Zunahme an Problemen er-klären – denn Kinder stören damit die Le- Wie würden Sie Eltern ermutigen? Danke für das interessante Gespräch!bensplanungen der Menschen. Andererseits Eltern machen sicher nicht alles falsch – das (BS) Wenn Sie dieses Angebot für Ihre Gemeinde buchen oder wissen möchten, wo und wann Elterntrainings stattfinden, wenden Sie sich an Mag. Brigitte Singer im Institut für Elternbildung, Tel: 0662-872691-15, b.singer@sbw.salzburg.at Gesundheit & Wertvoll Wohlfühlen und Fit bleiben, oder rasch wieder gesund werden – Wir helfen Ihnen dabei!01/2011 dreieck www.salzburger.biz
  13. 13. El ter n -, Fra uen - un d S en i oren b ild u ng | 13Schalala und TellalaEine Initiative zur Entwicklung und Förderung vonSprachkompetenz VON MONIKA WEILHARTERE in außerordentlich hoher Anteil der schließenden drei Informationsabenden Kinder zeigt beim Eintritt in die Schule mit dem Thema „Sprachförderung für zu Sprachauffälligkeiten („Sprachfehler“). Hause“ nahmen rund 80 interessierte ElternEs ist wissenschaftlich belegt, dass sich die teil.Sprache eines Kindes im vorschulischenAlter noch in der Entwicklung befindet. Das Projektteam, bestehend aus zwei Lo-Speziell in diesem Alter braucht es daher gopädinnen, Bezirksschulinspektor, Kin-die entsprechende Unterstützung, gezielte dergartenpädagogin, Bildungswerkleiterin,Förderung und Therapiemöglichkeiten. Bibliothekarin und Forum Familie Lungau,Dies bietet eine ganz wesentliche Grundla- wird auch weiterhin am Thema „Sprachför-ge, um allen Kindern die Chance auf erfolg- derung für Kinder“ arbeiten und hoffentlichreiches Lernen zu ermöglichen. weitere Unterstützer finden! Monika Weilharter ist Ansprechpartnerin imSpeziell die Therapiemöglichkeiten im Lun- FORUM FAMILIE LUNGAU.gau sind nicht ausreichend, und Eltern müs-sen lange Wartezeiten in Kauf nehmen. DasSozialfestival „Tu was, dann tut sich was“ Hinter „Tu was, dann tut sich was“, Österreichs erstem Sozialfestival, steht einhat sich diesem Problem angenommen und ganz einfacher Gedanke: Überall gibt es Ideen für ein besseres Zusammenleben.das Projekt „Schalala und Tellala“ finanziell „Tu was, dann tut sich was“ schafft eine Gelegenheit, diese Ideen selbst umzu-unterstützt. So konnten im Zeitraum Mai/ setzen. Das Festival bietet nicht nur einen organisatorischen Rahmen, sondernJuni 2011 insgesamt 221 Kinder in Betreu-ungseinrichtungen mit zwei Logopädinnen stellt auch das zur Verfügung, woran idealistische Initiativen so oft scheitern:ihre Sprache spielerisch testen. An den an- Geld für die Verwirklichung. Kurz angemerkt Elternschule der SALK unter neuer Leitung R osemarie Huber leitet seit 1. April 2011 die Elternschule am Landeskrankenhaus Salzburg. Die diplo- mierte Kinderkrankenschwester und ausgebildete Schülerbetreuerin arbeitete bisher an der Neo- natologie und zwei Jahre lang an der Gesundheits- und Krankenpflegeschule Salzburg. Frau Huber wird sich künftig gemeinsam mit ihrem Team um Angebote zur Prävention und Gesundheitsförderung für Familien kümmern. dreieck 02/2011
  14. 14. 14 | Geme i n d e e nt w i c k l u ng Foto: Katharina Wieland Müller/pixelio.deNeues Leben in alten Mauern!Themenschwerpunkt der Gemeindeentwicklung ab Herbst 2011 N eues Leben in alten Mauern • Jahresschwerpunkte der Gemeindeentwicklung„ Lebensraum. Lebenstraum. Ge- meinde“: Die Gemeindeent-wicklung Salzburg widmet sich jedes Jahreinem für Gemeinden und BürgerInnen in-teressanten Thema – ab Herbst dem für dieMenschen, die Gesellschaft, die Wirtschaft,den Tourismus, das Handwerk und die Ge-meinden so wichtigen und daher oft dis-kutierten Themenbereich der Nutzung vonöffentlichen und privaten Räumen.Eine bewusstseinsbildende Veranstaltungs-serie wurde gestaltet und in vier Themen-bereiche gegliedert: Gemeinden, Ortskerne,Landwirtschaft und das zeitgenössischeBauen. Durch Impulsveranstaltungen, Se-minare, Exkursion, Schulprojekte und Aus-stellungen soll den Menschen der Werthistorischer Bauten, die Verbindung „alter“und „neuer“ Bauten und Anbauten, die Be-deutung des Orts- und Landschaftsbildessowie die Verantwortung für die Erhaltungvon Bauten und Räumen nähergebrachtwerden.Die Auftaktveranstaltung sowie die Eröff-nung der Ausstellung zum ThemenbereichGemeinden finden am 26. September 2011um 18 Uhr in der Rotunde der Salzburg AGstatt. Das Programm ist demnächst auf un-serer Homepage gemeindeentwicklung.atals Download verfügbar. (MP)02/2011 dreieck
  15. 15. G emei n deentw ick lu ng | 15 Jung trifft AltS eniorenheime bieten viele Vorteile, haben aber zuweilen auch Nachteile: Ältere Menschen sind oft nur unterihres gleichen, der Kontakt zu jüngerenGenerationen – vor allem zu Jugendlichen– lässt nach. Um dies zu ändern, hat die Ge- Von Seniorenturnen bis zumeindeentwicklung Salzburg 2010 in Koo- Foto: youngCaritas Salzburg Beziehungstippsperation mit den Salzburger Landeskliniken Die Besuche haben sich gut entwickelt, eini-und der youngCaritas Salzburg die Initiative ge wollen „ihre“ SeniorInnen auch weiterhin„J.A! Jung trifft Alt“ gestartet. Als Pilotschu- besuchen, und im Lauf der Zeit sind Freund-le hat im vergangenen Schuljahr das Bun- schaften entstanden. Manche „Pärchen“ ha-desgymnasium Zaunergasse in der Stadt ben miteinander gebastelt, manche waren Ein „Pärchen“ im Seniorenheim Taxham: CorneliaSalzburg daran teilgenommen. Alle 19 Teil- Schaberreiter (re.) und Margarethe Fuchs (li.). beim Seniorenturnen, im Restaurant, ande-nehmerInnen haben das Projekt vor kurzem re wieder haben „Mensch ärgere dich nicht“abgeschlossen. Sie wurden mit einem Ab- gespielt oder einander zugehört ...: Der Kre-schlussfest, organisiert und gesponsert von Freundschaften wurden ativität waren keine Grenzen gesetzt. EinSPAR Österreichische Warenhandels AG, für geschlossen „Paar“ hat sein großes gemeinsames Themaihr Engagement belohnt und erhalten zu- Welches Resumee ziehen die Jugendlichen im Bereich Beziehungen gefunden, unddem den „Sozialzeitausweis“ der Gemein- nach diesem Jahr? sie haben über Monate hinweg ihre (ver-deentwicklung Salzburg. Diese Urkunde gangenen) Partnerschaften analysiert.über die geleistete Arbeit dokumentiert die Die Rückmeldungen sind durchwegs po-soziale Kompetenz und kann bei einer Be- sitiv: Die Einschulungsphase und die kon- Das Konzept ging auf: Die Generationenwerbung um eine Arbeitsstelle oder eine tinuierliche Erreichbarkeit der Begleitung sind einander näher gekommen.Praktikumsstelle hilfreich sein. waren für die Jugendlichen besonders hilf- Im September startet die nächste Staffel in reich. „Das hat mir viel Druck genommen“, der Stadt Salzburg. In den kommenden Mo-„J.A! Jung trifft Alt“ ist ein weiteres Projekt bringt es eine der Jugendlichen auf den naten werden sich Jugendliche aus St. Josef,der sozialen Gemeindeentwicklung in Salz- Punkt. Das Schönste sei gewesen, dass die dem Borromäum und aus dem BG Zauner-burg – nach dem Generationendorf, den meisten SeniorInnen schon bei der Ankunft gasse um PatientInnen in der Geriatrie und„Bonusmodellen für freiwilliges soziales En- ihrer BesucherInnen gestrahlt haben und um BewohnerInnen in der Seniorenpensiongagement“ und dem Projekt „Altern in guter sich auf die gemeinsame Zeit sehr gefreut am Schlossberg, im Albertus Magnus-HausGesellschaft“. Es wurde gemeinsam mit haben. und in der ÖJAB-Seniorenwohnanlage Ai-Praktikern aus der Arbeit mit Senioren ent- gen kümmern. (AM/MiHa)wickelt: Nach der Schule treffen sich Jugend-liche mit älteren Menschen, machen Ausflü-ge, lesen ein Buch vor oder spielen ein Spiel– kurzum, sie verbringen Zeit mit ihnen. DieJugendlichen werden dafür durch Fachkräf-te ausgebildet und erhalten somit die not-wendigen sozialen, kommunikativen undorganisatorischen Kompetenzen. Währenddes Einsatzes in den Senioreneinrichtungennehmen die Jugendlichen an Supervisionenteil, wo sie sich über ihre Erfahrungen mitden Senioren und den Einrichtungen aus-tauschen können.„J.A! Jung trifft Alt“ wird vom Referat für Familienangelegenheiten und Generationen, der Erzdiözese Salzburg und von SPAR Österreichische WarenhandelsAG unterstützt. Ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Stadt Salzburg (Magistrat Seniorenheime). dreieck 02/2011
  16. 16. 16 | Geme i n d e e nt w i c k l u ngParsch: Generationen verbindenParsch ist ein besonders engagierter Stadtteil im Programm der sozialen Gemeindeentwicklung. Zwei aktu-elle Initiativen im Rahmen des Generationendorfprojektes stellen wir im folgenden Artikel vor: „Grenzenloskochen“ und „ParschERkunden – Spürnasen unterwegs“.Grenzenlos kochen: Multikultiauf den KochplattenSelchfleischknödel aus Österreich köcheln neben einem ungarischenPörkölt, ein Apfelstrudel entsteht neben einer Nachspeise aus Gam-bia. Wenn in Parsch grenzenlos gekocht wird, wird zusammenge-rückt, nicht nur am Herd. Rund 16 verschiedene Kulturen fanden imRahmen der Initiative „Grenzenlos kochen“ bereits zum zweiten Malganz zwanglos zueinander und lernten sich so (besser) kennen.Integration – ein großes Wort, das seit geraumer Zeit auch vonSpitzen der Politik in den Mund genommen wird. Gerne wird an-geführt, dass Integration eine Aktivität der Nichtintegrierten zu seinhat. Ist dies nicht auch eine Bringschuld der Alteingesessenen? DieParscherInnen sehen es jedenfalls so und ihr Engagement und ihrAngebot gilt für jene, die dabei sind, hier in ihrem Stadtteil Fuß zufassen. „Gemeinsam kochen, essen und trinken – das liegt so tief im Menschen, wie Feuer Selchfleischknödel, Pörkölt und Süßes aus Gambia: Die ParscherInnen machen oder säen und ernten. fanden es köstlich. Es bedeutet Freundschaft, Gastfreundschaft und Frieden.“ ParschERkunden – Beim grenzen- losen Kochen Spürnasen unterwegs rück(t)en die Älter werden ist eine Erfahrung, die uns allen gemeinsam ist. Parscherinnen Der Dialog mit anderen Generationen bietet die Möglichkeit, sich und Parscher zusammen. selbst und das Leben besser kennen zu lernen. Durch persönliche Begegnung ohne feste Vorgaben entsteht ein gleichwertiger Aus- tausch von Erfahrungen. Man lernt praktische Dinge des Alltags voneinander. Klischees und Vorurteile werden abgebaut, junge und alte Leidenschaften ergänzen und beruhigen einander. Daher star- tet der Stadtteil Parsch ab Herbst ein neues Generationenprojekt: ParschERkunden – Spürnasen unterwegs. Bei der gemeinsamen Spurensuche bilden Jung und Alt ein Team, lernen sich und den Stadtteil besser kennen und lösen gemeinsam Das nächste grenzenlose Kochen findet am 17. Nov. 2011, die verzwickten Fragen und Aufgaben. Die Spurensuche beginnt ab 18 Uhr, wieder im Pfarrsaal Parsch statt. am 3. Oktober und dauert bis 17. Oktober 2011. Wer mitmachen02/2011 dreieck
  17. 17. G emei n deentw ick lu ng | 17will, erhält die Unterlagen im Stadtteilbüro in der Anton-Graf-Straße 4, beider Raika in Parsch und in den Volksschulen Parsch und Abfalter. Die voll-ständig ausgefüllten Unterlagen sollen bis 25. Oktober im Postkasten desStadtteilbüros oder wieder in der Raika Parsch abgegeben werden. Auf dieerfolgreichsten Spürnasen warten attraktive Preise. Die Preisverleihung wirdam 4. November 2011 um 18.30 Uhr im Heffterhof in Parsch, im Rahmen derPräsentation der Klein- und Flurdenkmälererhebung Parsch, Aigen und Gais-berg, stattfinden. (AM) Mattsee nimmt Holz unter die Lupe Wissenschaft im Seniorenheim Erwin Treml vom Holztechnikum Mit Begeisterung da- Kuchl wusste die Senioren mit bei: Eine Seniorin bei seinem Wissen über Holz zu der Arbeit mit dem fesseln. Mikroskop. „Wissenschaft im Seniorenheim“ ist abgeleitet vom Projekt M „Wissenschaft im Wirtshaus“ – attsee ist gemeinsam mit Seeham, St. Georgen und Lamprechtshau- sen im Programm der sozialen Gemeindeentwicklung Salzburg. Im einer Idee, bei der Laien in einer Rahmen des Projektes „Altern in guter Gesellschaft“ fanden und fin- angenehmen Atmosphäre mit den zahlreiche interessante Veranstaltungen statt. Naturwissenschaft in Berührung Kürzlich begeisterte 18 Seniorinnen und Senioren eine Aktion von „Wissen- gebracht werden. Dafür treffen schaft im Seniorenheim“: Holz unter der Lupe war dieses Mal das Thema. DI sich engagierte ProfessorInnen Erwin Treml vom Holztechnikum Kuchl verstand es großartig, die älteren Teil- mit Interessierten in einem Lokal nehmerInnen mit dieser Thematik zu fesseln. Bei dieser Veranstaltung ging es darum, nicht ganz alltägliche Dinge über Holz – Wie, wodurch kommen die Jah- oder im Seniorenheim, um am resringe zustande?, Wie wächst ein Baum? oder Welche Eigenschaft hat Holz gemeinsamen Kaffeetisch mit ver- und woraus besteht es? – zu erfahren. Die Seniorinnen und Senioren waren mit blüffenden Experimenten (zumin- Begeisterung dabei, die verschiedenen Holzarten durch das Mikroskop zu be- dest einige) Geheimnisse der trachten und zu erraten. Mit vielen neuen Erkenntnissen gingen die interessier- Naturwissenschaften zu lüften. ten Teilnehmer an diesem Tag zu Bett. (AM) dreieck 02/2011
  18. 18. 18 | Geme i n d e e nt w i c k l u ng Aktivitäten im Generationendorf Hallein-Rif VON MARTIN STALLMAIER „Rifer Tortenstopp“ Naschen für den guten Zweck Anfang Juni startete der TREFFPUNKT-RIF erfolg- reich das Projekt „Torten- stopp“, eine Bausteinaktion für das Gemeindezentrum mit Kirche. Jeden Samstag wird von 9 bis 12 Uhr zum gemeinsamen Kuchen- und Tortenessen in das Pfarrzen- trum eingeladen. Zahlreiche Privatpersonen, Rifer Vereine und Institutionen, wie der Theaterverein die Archetypen, Seniorentanz, der Sozialausschuss, aber auch die Volksschu- le Rif/Rehhof sowie der Elternverein, nehmen am „Torten- stopp“ teil. „Wir wollen mit Selbstgebackenem einen Beitrag zum Gemeinschaftsprojekt Gemeindezentrum und KircheFotos: TREFFPUNKT-RIF leisten“, so die KuchenbäckerInnen. Ein Törtchen für den guten Zweck konnte noch keiner verwehren, und so hoffen Initiatorin Brigitte Schmidt und der Verein TREFFPUNKT-RIF auf weitere zahlreiche Naschkatzen, damit ihr Gemeinde- zentrum mit Kirche bald fertig wird. Maibaumfest Martin Stallmaier ist Mitglied des Vereins TREFFPUNKT-RIF. In nur drei Jahren entwickelte sich das Rifer Maibaumfest zu einer Kultveranstaltung. Gemeinsam mit 109 Freiwilligen hat der Verein TREFFPUNKT- RIF, der überparteiliche Verein für Stadtteilentwicklung, dieses Jahr ein ganz besonderes Maifest durchgeführt. Mit einem al- ten Traktor, begleitet von 30 Kindern, den Böllerschützen und Maibaum-Moar Fredl Luega sowie der Anifer Trachtenmusikka- pelle, zog der 28 Meter lange Maibaum auf den Rifer Dorfplatz ein. Bald darauf war der Maibaum aufgestellt und Jung und Alt versuchten sich am Aufstieg, am frühen Abend unterhielten der Salsaclub Salzburg mit Tanzstunden und die Musikgruppe „Come2gether“ die Gäste. 1.200 Besucher feierten so 10 Stun- den lang ihren Maibaum. Selbst die Abbauarbeiten des Festge- ländes, am darauffolgenden Muttertag, waren noch von dieser freundschaftlichen Stimmung getragen. Ein herzliches Danke an die großartigen freiwilligen Helfer und Gäste. Jeden Samstag lädt der „Tortenstopp“ zu Kaffee, Prosecco und Kuchen. Der Erlös wird für das Gemeindezentrum und die Kirche verwendet.02/2011 dreieck
  19. 19. Europa un d Pol i ti s ch e B ild u ng | 19 Europatag im Europark D er Europatag erinnert daran, dass Europa als Gemein- schaft am 9. Mai 1950 „geboren“ wurde. Heuer stand der Europatag, der in Salzburg auf dem Theaterplatz im Europark gefeiert wurde, im Zeichen des Europäischen Jahrs Foto: Landespressebüro zur Freiwilligentätigkeit und von Währungsfragen rund um den Euro. Expertinnen und Experten verschiedener Einrichtungen im Land Salzburg und in der EuRegio Salzburg-Berchtesgadener Land-Traunstein, darunter das Institut für Europa im Salzburger Bildungswerk, gaben gemeinsam Auskunft zu allen Fragen rund um die Europäische Union. Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstal- uns verbindenden Heimatkontinent zu machen. Möglichkeiten ler: „Wir haben es selber in der Hand, Europa und die EU zu dem dazu gibt es jede Menge“. (FT)Medien und Politik – Politik und MedienLehrgang des Instituts für Europa widmete sich diesem SpannungsfeldW ie entsteht eine Zeitung, wie kommt eine Sendung im Radio oder Fernsehen zustande? Werbestimmt die Inhalte? Wie schaut der öster-reichische Medienmarkt aus, und welchengegenseitigen Einfluss üben Politik undMedien aufeinander aus?Diese Fragen waren gestellt und wurdenbeim Lehrgang „Medien und Politik“ tref- 2 3fend beantwortet. Dafür bedanken wir unsbei Dr. Karin Pühringer (Bild 1, re.), Dozentin Parlamentsklubs der Grünen, Dieter Brosz burger Nachrichten (Bild 4). Udo Bachmairfür Medien an der Fachhochschule St. Pöl- (Bild 2, li.), bei Mag. Bernhard Schausber- Bakk. phil. hatte den Lehrgang angeregtten, bei Chefredakteurin Mag. Gerlinde Hin- ger (Bild 3) im ORF-Landesstudio Salzburg und der Gruppe auch einen Diskussionster-terleitner (li.) von der Onlineredaktion von und bei Dr. Martin Stricker für interessante min im ORF-Funkhaus in Wien ermöglicht„derStandard.at“, beim Pressesprecher des Erläuterungen und den Besuch bei den Salz- (Bild 5) (FT) 1 4 5 dreieck 02/2011
  20. 20. 20 | E u ro p a u n d Po l i t i s che B ildung Sv. Jovan Kaneo am OhridseeFotos: Klaus Römer und Martin Kilgus Den Südosten unseres Kontinents „entdecken“!Die diesjährige Studienreise führte nach Mazedonien und in den KosovoD ie politische, wirtschaftliche und so- Korruption sowie die Abwanderung der jun- Kosovo zu seinem Nachbarn Serbien, von ziale Situation in Mazedonien und gen Menschen. Auch über den Namensstreit dem sich das Land erst 2008 unabhängig dem Kosovo stand im Mittelpunkt Mazedoniens mit Griechenland und über das erklärt hat, wurde berichtet. Dass dieses Pro-des Bildungsprogramms, das vom Institut für schwierige Verhältnis der jungen Republik gramm so stattfinden konnte, verdanken wirEuropa in Zusammenarbeit mit dem EuropaZentrum Baden-Württemberg sowie demDeutsch-Makedonischen Kulturforum „KOR-ZO“ ausgearbeitet worden war. Kompetenteund engagierte Gesprächspartnerinnen und-partner standen uns im mazedonischen undkosovarischen Außenministerium, in dendeutschen und österreichischen Botschaftenin Prishtinë und Skopje sowie in Bitola im Sü-den Mazedoniens zur Verfügung. Wir lerntenviel über die (noch schlechten) Chancen aufeinen EU-Beitritt der beiden Länder. Themenwaren unter anderem die gravierenden Pro- Vor dem Regierungsgebäude in Skopje.bleme wie extrem hohe Arbeitslosigkeit und02/2011 dreieck
  21. 21. Europa un d Pol i ti s ch e B ild u ng | 21In Prishtinë Filip Nedelkovski führte bravourös durch beide Länder. Im Botschaftsviertel von Prishtinë.vielen Menschen, die uns vor Ort unterstütztund so diesen Ablauf ermöglicht haben.Wir haben Mazedonien und einen kleinenTeil des Kosovos aber auch touristisch „er-fahren“, römische Ausgrabungsstätten,Moscheen, orthodoxe Kirchen und Klöster,unberührte Natur, eindrucksvolle Gebirge,tiefe Schluchten, große Seen, blühendeWiesen, interessante Städte und idyllischeDörfer vorgefunden, die darauf warten,auch von Ihnen entdeckt zu werden. (FT) Staatssekretär Fitim Gllareva und sein Team erläutern die Lage der Republik Kosovo.Herbst und Winter sind nicht mehr fern …Veranstaltungstipps: Das Institut für Europa lädt einPolitik in Österreich und in der ropa noch einen Landtag? Was passiert imEuropäischen Union Gemeinderat? Welche Auswirkungen hatWer hat politische Macht in Österreich, wer die Politik der EU auf Österreich? Und wel-in Europa? Welche Institutionen spielen chen Einfluss haben wir Bürgerinnen undwelche Rolle? Wozu brauchen wir in EU-Eu- Bürger auf die Politik? Diesen und anderen Fragen wird sich der Lehrgang „Politik in Österreich und in der Europäischen Union“ widmen, der gemein- sam mit dem Katholischen Bildungswerk Salzburg vom Institut für Europa von Novem- ber 2011 bis Februar 2012 angeboten wird. Der Lehrgang umfasst zwei „theoretische“ Module in Glasenbach/Elsbethen und eine praxisnahe Exkursion nach Wien, wo wir ein Besuchs- und Diskussionsprogramm im Par- Union Studies, und Dr. Franz Fallend – beide lament, im Haus der Europäischen Union und vom Fachbereich Politikwissenschaft und beim ORF vereinbart haben. Für die Module in Soziologie der Universität Salzburg – sowie Das Parlamentsgebäude an der Wiener Ringstraße Salzburg konnten wir bis Redaktionsschluss Vizekanzler a. D. Dr. Erhard Busek als Vortra- Dr. Doris Wydra, Salzburg Centre of European gende gewinnen. dreieck 02/2011
  22. 22. 22 | E u ro p a u n d Po l i t i s che B ildung Fotos: Institut für Zeitgeschichte München-Berlin / Fotos: Max Köstler Dokumentation Obersalzberg Besuch mit Führung am 25. November 2011 Besuch im „östlichen Drittel“ Tschechiens I n Zusammenarbeit mit dem Renner-Institut Salzburg bieten wir am 25. November 2011 einen Besuch mit Führung durch die Ausstellung „Dokumentation Obersalzberg“ an. Für die Studienreise von 1. bis 5. ok- Diese Ausstellung ist eine Dauerausstellung des Instituts für Zeitgeschichte München- tober nach Mähren sind noch einige Berlin auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden. Während des Nationalsozialismus war Plätze frei. der einstige Erholungsort die zweite Schaltstelle der Macht neben Berlin, wo wichtige po- litische Entscheidungen, auch über Krieg und Frieden und den Holocaust, geplant und Begleiten wird diese PhDr. Oldr ich ̌ getroffen wurden. Erst 1996 erhielt der Freistaat Bayern die volle Verfügungsgewalt über Br enek, der neben seiner Tätigkeit als ̌ dieses Gebiet und errichte- Reiseleiter in Olmütz Deutsch unter- te 1999 diese Dauerausstel- richtet. Er wird die TeilnehmerInnen lung. Die Dokumentation mit seinem Land vertraut machen, aber verbindet die Geschichte immer wieder auch Themen aufgreifen, des Obersalzbergs mit den die die politische, wirtschaftliche und zentralen Erscheinungs- soziale Lage Tschechiens verständlicher formen der nationalsozia- machen werden. Geplant sind auch ein listischen Diktatur. Bis heu- Treffen mit einem tschechischen Kom- te ist die Dokumentation munalpolitiker sowie der Besuch einer Obersalzberg die weltweit Aufführung in der Mährischen Philhar- einzige Dauerausstellung, monie Olmütz. die sich mit allen wesent- www.salzburgerbildungswerk.at/ lichen Themen der NS-Zeit de/news beschäftigt. Weitere Infos erhalten Sie bei Wolfgang Forthofer im Institut für Europa, Tel: 0662-872691-21 bzw. w.forthofer@sbw.salzburg.at02/2011 dreieck
  23. 23. Inter n ati on a l e S ol id a rit ät | 23 wurde mehr nonverbal als textlich vermit- Über 100 Maissor- ten werden von telt. Es ist ein Fest des Lebens und der Arten- den Indígenas des vielfalt, bei der gemeinsam die Saat auf den andinen Hochlands gemeinschaftlich genutzten Watunakuy- kultiviert. Kultur- Feldern ausgebracht wird. Herausragend ist und Artenvielfalt die Vielfalt der agrar-kulturellen Aktivitäten, gehören für sie zusammen. die immer einen praktischen und spiritu- ellen Sinn zugleich haben. Bezeichnend ist bereits die Organisation: Es gibt verschie- dene Zuständigkeiten z.B. für die Ochsen- gespanne mit Pflug, die Zubereitung des Essens und Trinkens, die Bereitstellung der Saatgüter, die Beschmückung der Örtlich- keiten, Tiere und Menschen und die Musik- begleitung. Jeder ist nützlich und kann sichFotos: INTERSOL Pacha Mama feiert Watunakuy mit seinen Fähigkeiten und Talenten ein- bringen, auch beeinträchtigte Menschen. So wird dann gemeinsam die Pacha Mama vorbereitet, ihr werden Blumen und Coca- Ein Fest des Lebens und der Artenvielfalt Blätter geopfert, und gemeinsam wird die Aussaat vorgenommen – ein Prozess der S chauplatz: Queromarca, ein perua- steht vor dem Nehmen. Die Reziprozität der Reproduktion der Vielfalt, mit dem Ziel, nisches Dorf 130 km südlich von Cuz- Schenkung ist im Zentrum. Konkret ist die auch Außenstehende am Fest der Ernte teil- co, auf der Höhe von Raqchi, einem Logik der Schenkung, Solidarität und Rezi- haben zu lassen. weltberühmten Ort mit den Inka-Ruinen prozität bezogen auf das gesamte Univer- und Bauwerken im Rang von Weltkultur- sum: das (liebevolle) Miteinander zwischen Reichtum und Effizienz, aber auch erbschaften. Ein Treffen von tausenden Ket- Menschen und Kulturpflanzen; der Mit- und Bedrohungen chuas (Indigenas der Andentäler) aus Quer- Überwelt; der Pacha Mama („Mutter Erde“ – Siehe da: Was einem theoretisch-rational omarca, Sur Andino, aber auch Angehörige unpräzise umschrieben) und der Apus (der denkenden Westler als „irrational“, ineffizi- anderer Ethnien, sozialer Gruppen und Na- umliegenden Berge). Dieses Jahrhundert ent, rückständig und „entwicklungsbedürf- tionen des Abya Yala (= Lateinamerika). Mit alte praxisorientierte Ritual, getragen von tig“ erscheint, bringt reiche Frucht hervor. So dabei: einige „Weiße”. Auch ich hatte eine einer „praktischen Rationalität“, die uns gibt es im Sur Andigo ca. 100 Mais- und über Einladung dazu – als offizielles Mitglied der WestlerInnen nie wirklich eigen war und bei 150 Kartoffelsorten. Diese Qualität der Agri- Gemeinde Queromarca. dem der Dienstcharakter am Anderen prä- Kultur entspricht dann auch der Quantität gend ist, hat in dieser Version keine Entspre- der Ernte: Es kann niemand so richtig erklä- Watunakuy hat Fiesta-Charakter chung in der abendländischen Tradition. ren, warum z.B. auf den Watunakuy-Feldern Was an anderen Kulturen essentiell ist, ist im Normalfall reichhaltiger geerntet wird, gleichzeitig oft sprachlich nicht verfügbar. als auf den mit Mineraldünger, chemischen Es lässt sich keine adäquate Übersetzung Pestiziden und Hybridsorten bebauten kon- dafür finden, was „das“ Watunakuy ist. Las- ventionellen Feldern. Doch es ist Fakt. sen Sie es mich als eine intensive „Erlebnis- Die Gefahren sind freilich auch Faktum und Initiative“ beschreiben, bei der Biodiversität wirken bereits massiv herein: durch die und Artenvielfalt einerseits und kulturelle Intensivierung der konventionellen Land- Vielfalt und Bejahung der Kulturen ande- wirtschaft - mit wenigen Sorten und viel rerseits im Mittelpunkt stehen. Das Eine be- „Kunst“dünger und vielen abhängig ma- dingt und bildet eine Einheit mit dem und chenden chemischen Pflanzenschutzmit- den Anderen. teln. Im Miteinander der örtlichen Organisa- Ritual für die Pacha Mama (Mutter Erde) vor der Das Ereignis mit Fiesta-Charakter hat keinen tionen mit CEPROSI, INTERSOL und anderen Aussaat. Selbstzweck und die Vielfalt der Arten und solidarischen Organisationen versuchen wir Sorten (Mais, Kartoffel u.a.) ist kein Markt- dieses Erbe der Menschheit zu stärken und oder Preis-/Wert-Spekulationsobjekt. Der Kulturelle Vielfalt - Artenvielfalt weiter zu kultivieren. Auch als Impulse für Markt spielt bei diesem kollektiven Mitei- Was nun wirklich passiert bei einem Watu- die hiesige Agrar-Kultur, die v.a. nur mehr nander überhaupt keine Rolle. Das Geben nakuy ist nicht einfach zu beschreiben – es Land-Wirtschaft ist. (he) dreieck 02/2011

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