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  1. 1. 1 | 4 Hoch oben über den Gleisen hinter der grossen Fensterfront des Stellwerks thront der Kommandoraum. Er ist das operative Herz des Bahnhofs. Bild: Iris Andermatt (4 Bilder) - . Mirjam Comtesse 22.10.2012 Artikel zum Thema Neues Abfallkonzept – Bahnhof Bern wird zum Pilotbahnhof Bern 32'000 Tonnen Abfall sind genug: Die SBB nimmt den Kampf gegen das Littering auf. Im Hauptbahnhof Bern wurden 128 neue Recycling-Stationen installiert. Mehr... 15.10.2012 Der Kanton spart beim öffentlichen Verkehr Der Kanton Bern muss das Angebot im öffentlichen Verkehr ausdünnen. Betroffen von den Kürzungen sind 14 Bahn- und Busangebote in verschiedenen Regionen des Kantons. Mehr... 06.09.2012 «Ich bin immer der Erste, der seinen Platz freigibt» Wenn bei der Bahn etwas nicht funktioniert, ist SBB-Chef Andreas Meyer der Buhmann. Die Kritik mache ihm nichts, sagt er. Auf Zugfahrten gibt er sich aber gerne zuvorkommend: Da überlässt er seinen Platz auch mal einem Hund. Mehr... Von Mirjam Comtesse 20.08.2012 Der alltägliche Wahnsinn im Berner Bahnhof Über tausend Züge fahren jeden Tag in den Bahnhof Bern ein und wieder aus. Sie befördern rund 250'000 Menschen. In keinem anderen Schweizer Bahnhof ist das Verhältnis zwischen Reisenden und Platz so kritisch. Der BLS-Zug steckt wegen einer Panne in der Schützenmatte fest. Schlagartig ändert sich die entspannte Stimmung im Stellwerk des Berner Bahnhofs an der Laupenstrasse. Nun zählt jede Minute. Denn für Pünktlichkeit zu sorgen, gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Zugverkehrsleiter, die hier im sogenannten Kommandoraum arbeiten. Die Vorgaben sind ehrgeizig: Über 92 Prozent der Züge müssen pünktlich sein. Bereits ab drei Minuten Verzögerung gilt ein Zug als verspätet. «Erreichen die Angestellten die schweizweit vorgegebenen Werte nicht, wirkt sich das auf den Lohn des Topkaders aus», sagt Mediensprecher Christian Ginsig. Auf einer grossen Tafel notiert der Bereichsleiter des Stellwerks, Roman Zimmerer, deshalb jeden Tag, wie gut sein Team abgeschnitten hat. «3052 kommt als neue Komposition vom Depot», ruft ein Mitarbeiter. Er hat zusammen mit der BSL-Leitstelle einen Ersatzzug organisiert. Schon rattern die silbrig-grün-blauen Wagen unter der riesigen Fensterfront des Kommandoraums vorbei. Im Herz des Bahnhofs Der Raum bildet das operative Herz des Bahnhofs. Auf den zahlreichen Computerbildschirmen leuchten grüne, rote und gelbe Linien. Sie symbolisieren die bis zu tausend Züge, die täglich ein- und ausfahren. Neun Lotsen sitzen davor und überwachen, ob alles nach Plan läuft. Falls nicht, greifen sie blitzschnell ein. Daniel Hofer bildet die Schnittstelle zwischen den Zugverkehrsleitern und den Passagieren. Auch er sitzt im Kommandoraum. Per Mikrofon informiert er die Wartenden auf dem Perron: «Der Ersatzzug kommt in wenigen Minuten.» Seite 2 von 5Der alltägliche Wahnsinn im Berner Bahnhof - News Region: Bern & Region - bernerz... 14.04.2016http://www.bernerzeitung.ch/region/bern/Der-alltaegliche-Wahnsinn-im-Berner-Bahnhof-...
  2. 2. Dass er selbst spricht, ist eine Ausnahme. Normalerweise setzt er an seinem Computer einzelne Satzfetzen und Wörter zu Durchsagen zusammen. Sie kommen von Sprecherinnen im Tonstudio Audioworks in Ostermundigen. Mit einem weiteren Mausklick lässt Daniel Hofer die Ziffern und Buchstaben auf den blauen Tafeln im Bahnhof rattern, bis auch sie die Verzögerung anzeigen. Der Puls sinkt wieder. «Fahrbereit», ruft ein Zugverkehrsleiter. Mit rund neun Minuten Verspätung fährt der BLS-Zug schliesslich ab. «Dies ist für einen so kurzfristigen Ersatz ein guter Wert», meint Roman Zimmerer. Erfolgreicher als Shop-Ville Die operative Führung der Züge ist die eine grosse Herausforderung am Bahnhof Bern. Auf der anderen Seite stehen die vielen Pendler: In keinem anderen Schweizer Bahnhof finden so viele Züge und Passagiere auf so engem Raum zusammen. Der Knotenpunkt bewältigt jeden Tag mit den SBB-, BLS- und RBS-Kunden einen Pendlerstrom von 250'000 Personen. Dazu kommen die vielen Menschen, die sich über Mittag in einem der Restaurants und Take-aways verköstigen oder in einem der Geschäfte einkaufen. Der jährliche Umsatz in der Rail-City beträgt 29'000 Franken pro Quadratmeter. Das sei mehr als der Umsatz im Shop-Ville in Zürich, sagt Urs Köppel, Leiter Rail- City Bahnhof Bern. Pro Tag setzen die Geschäfte auf SBB-Grundeigentum eine halbe Million Franken um. Diese Zahlen sind umso beeindruckender, da ein Reisender im Schnitt nur sieben Minuten im Bahnhof verbringt. Das Bahnhof-«Shoppingcenter» platzt aus allen Nähten Ein Ausbau ist wegen der speziellen Architektur kaum möglich. Ein Problem, mit dem insbesondere die Lieferanten kämpfen. Beim Liefereingang am Bollwerk etwa fahren Lastwagen den Nachschub für die Läden, Take-aways und Restaurants mehrmals täglich hinein. Zu grosse Anhänger haben keinen Platz. Aber auch die kleinen Wagen müssen zirkeln, wenn sie wenden. Und kommt einem Anlieferer ein Fahrzeug entgegen, braucht es Geduld und einiges Fingerspitzengefühl, damit beide aneinander vorbeikommen. An der Kapazitätsgrenze In der Bahnhofhalle ist die Spitzenzeit zwischen 6.45 und 8 Uhr. Dann erreicht der Bahnhof fast seine Kapazitätsgrenze. Neben den Fern- und Regionalzügen spült die RBS praktisch im Minutentakt Pendlerinnen und Pendler hinein. Rund 60'000 Personen befördert die Berner S-Bahn täglich. 190'000 sind es bei SBB und BLS. «Einer der grössten Engpässe bildet die Personenunterführung bei den Perrons bis zur Halle in Richtung Stadt», erklärt Oliver Specker von der Abteilung Bahnzugang der SBB. Anders als etwa im Bahnhof Zürich müssen die Passagiere die Unterführung durchqueren, um zu den Gleisen zu gelangen. Auf den Perrons wiederum rauben die Postlifte, die früher Päckli und Briefe beförderten, wertvollen Platz. Und schliesslich sind die Aufgänge zur Welle ein Nadelöhr. Menschenströme analysiert Specker und sein Team forschen stetig daran, dass die Menschenströme möglichst nicht ins Stocken geraten. «Der Neubau der Billettselbstbedienungszone in der Bahnhofhalle brachte eine grosse Entlastung», erzählt er. «Da die Automaten zurückversetzt wurden, stehen die Leute nicht mehr im Durchgang.» Die pressierten Pendler, die kein Ticket lösen müssen, können nun leichter an ihnen vorbeigehen. Seite 3 von 5Der alltägliche Wahnsinn im Berner Bahnhof - News Region: Bern & Region - bernerz... 14.04.2016http://www.bernerzeitung.ch/region/bern/Der-alltaegliche-Wahnsinn-im-Berner-Bahnhof-...
  3. 3. Auch die Treppenaufgänge in der Eingangshalle wurden verbreitert. «Nun können die Menschen mehr oder weniger ungehindert Richtung Perrons, Stadt und Trams weiterlaufen», erklärt Specker. Die Vergrösserung der Auf- und Abgänge beim RBS- Bahnhof soll ebenfalls bald eine Entlastung bringen. «Wir müssen den Bahnbetrieb sicherstellen und dafür sorgen, dass wir die Umsteigezeiten, die wir mit dem Fahrplan versprechen, auch einhalten», sagt der Experte. Die Planungsvorgabe der SBB lautet: Der Personenfluss darf nicht stärker werden als eine Person auf drei Metern pro Sekunde. Wie lässt sich das nachprüfen? «An neuralgischen Stellen zählen wir von Hand die vorbeikommenden Menschen oder nutzen teilweise auch kurze Videosequenzen – wobei der Persönlichkeitsschutz jederzeit gewährleistet ist», sagt Specker. In den Einkaufszonen setzen die SBB zusätzlich Sensoren ein, welche die Personen automatisch zählen. Infopoint soll entlasten Eine der Massnahmen, die Reisenden schneller zum richtigen Ziel zu bringen, ist der neu geschaffene Infopoint in der Bahnhofunterführung. Er ist so platziert, dass die Wartenden die Leute, die schnell durch die Halle wollen, nicht aufhalten. Lars Dubach arbeitet in dem Glaskasten. Er muss die unterschiedlichsten Anfragen beantworten. Jetzt steht gerade ein Mann mittleren Alters vor ihm: «Ich habe wieder mal versucht, mit dem Zug zu fahren, und alles ging schief», beklagt er sich. Zuerst verpasste er seinen Anschluss, dann stieg er im Zug nach Murten aus Versehen in die Komposition ein, die nach Neuenburg fährt. «Nächstes Mal nehme ich lieber wieder meinen Maserati», meint der Mann. Lars Dubach überreicht ihm als Trostpflästerli einen Kaffeegutschein. Die Arbeit hier ist hektisch, die Reisenden wollen möglichst schnell weiter, manche sind unzufrieden. Dubach bleibt stets gelassen. Auch wenn er den Tourismusführer geben muss. «Wo ist die Neuengasse?», will ein Kunde wissen. Ein anderer Mann fragt: «Wie komme ich zum Naturhistorischen Museum?» «Wenn das Tourismusbüro geschlossen ist, kommen ab und zu auch japanische Gäste vorbei», erzählt Dubach. «Dann berate ich sie, was sie während der zwei Stunden Aufenthalt in Bern am besten anschauen.» Was er nicht schnell beantworten oder erledigen kann, übernimmt das Reisezentrum im oberen Stock. 2300 Kunden kommen hier täglich vorbei. Insgesamt 90 Mitarbeiter bedienen sie und bemühen sich darum, die Wartezeit möglichst kurz zu halten. Durchschnittlich beträgt sie rund fünf Minuten, zu den Stosszeiten können es aber auch deutlich mehr sein. Zentrale Lage: Fluch und Segen Riesige Menschenströme, viele Züge – wenig Platz: Die grossen Herausforderungen des Berner Bahnhofs liegen unter anderem in seiner Architektur begründet. Praktisch seit seiner Eröffnung im Jahr 1860 leidet er darunter, dass er zwischen Burgerspital und Grosser Schanze eingeklemmt ist. Kaum in einer anderen Schweizer Stadt fahren die Züge so nahe des Stadtkerns ein und aus. Die Perrons mussten deswegen schmal und in einer Kurve angelegt werden, und es konnte nur eine einzige Fussgängerunterführung gebaut werden. Kein Wunder, wurde immer wieder darüber diskutiert, den Bahnhof nach Westen zu verschieben. 1956 lehnten die Bernerinnen und Berner es aber ab, ihn an die Laupenstrasse zu verlegen. Auch der Neubau des Bahnhofs, der 1974 eingeweiht wurde, konnte die grundlegenden Probleme nicht lösen. Die Engpässe werden sich noch verschärfen: Seite 4 von 5Der alltägliche Wahnsinn im Berner Bahnhof - News Region: Bern & Region - bernerz... 14.04.2016http://www.bernerzeitung.ch/region/bern/Der-alltaegliche-Wahnsinn-im-Berner-Bahnhof-...
  4. 4. Die Experten rechnen damit, dass die Nachfrage der Pendler bis 2030 im Vergleich zu heute um 50 Prozent steigt. In Zukunft mehr Platz? Das Projekt «Zukunft Bahnhof Bern» soll endlich Erleichterung bringen. Vorgesehen ist, dass der Regionalverkehr Bern-Solothurn (RBS) bis 2025 mehr Platz erhält – entweder in einem neuen Tiefbahnhof oder im ausgebauten jetzigen Bahnhof. Und ab 2025 bauen die SBB vier neue Gleise unter der Grossen Schanze. Beim Bubenbergzentrum soll überdies ein neuer Zugang zu den Gleisen entstehen, um den Haupteingang sowie die Welle zu entlasten. Gemäss Schätzungen dürfte dies bis 2035 insgesamt etwa 1,8 Milliarden Franken kosten. Ob dann alles gut wird? Die Geschichte und die speziellen Verhältnisse am Bahnhof Bern lehren eher, dass es nur provisorische Lösungen gibt. (Berner Zeitung) (Erstellt: 21.10.2012, 17:24 Uhr) Seite 5 von 5Der alltägliche Wahnsinn im Berner Bahnhof - News Region: Bern & Region - bernerz... 14.04.2016http://www.bernerzeitung.ch/region/bern/Der-alltaegliche-Wahnsinn-im-Berner-Bahnhof-...

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