Schulgesundheitspflege

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Vortrag auf der 109. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, 12. - 13. September 2013 in Düsseldorf

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  • Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Frau Thaiss und Herr Straßburg!
    Herzlichen Dank für die freundliche Einladung, hier auf der Jahrestagung über meine Erfahrungen in Kanada berichten zu können. Um meine Reise hierher zu ermöglichen möchte ich mich nicht nur bei der DGSPJ bedanken sondern auch bei meinem Arbeitgeber, der McMaster Universität und dem Huber Verlag, der die Reisekosten bezuschusst hat.
  • In diesem Zusammenhang darf ich Sie auch auf zwei Bücher des Huber Verlags hinsweisen, an denen ich beteiligt war. Einmal die deutsche Fassung der ICF-CY und zum anderen einem Praxisbuch zur Anwendung der ICF im Kindesalter.
  • Bevor ich auf die Besonderheiten der Kooperation zwischen Gesundheitssystem und Bildungssystem in Kanada eingehe, möchte ich Ihnen einige Hintergrundinformationen zu dem Land vermitteln.
    Wie Sie auf dieser Karte sehen und sicher auch wissen, ist Kanada ein sehr großes Land. In einem Vortrag sich auf ganz Kanada zu beziehen, ist daher fast unmöglich.
  • Es ist das zweitgrößte Land der Erde und die kanadische Bevölkerung lebt zum größten Teil in Städten.
  • Auf dieser Karte sehen Sie die Konzentration der Bevölkerung überwiegend in diesen kleinen grünen Flecken.
  • Zum Vergleich dazu hat Deutschland 2,5 mal so viele Einwohner und die meisten Menschen in Deutschland leben in Klein- und Mittelstädten, wie Sie an den lila Flecken auf dieser Karte erkennen können.
  • Betrachtet man nur die Provinz Ontario, in der ich lebe, so sieht man, dass Deutschland locker hineinpasst!
  • Betrachtet man nur die Provinz Ontario, in der ich lebe, so sieht man, dass Deutschland locker hineinpasst!
  • Nun zu den Schulen. In dieser Provinz Ontario gibt es etwa genauso viele Schüler wie hier in NRW.
  • Diese Schüler werden von etwas über 100.000 Lehrern betreut und das Gesamtbudget für die Schulen liegt bei etwa 15 Milliarden Euro. NRW hat etwas mehr als die Hälfte dieses Budgets zur Verfügung.
  • Das Schulsystem in Kanada ist allgemein recht erfogreich und im Land hat Ontario die höchste Highschoolabschlußquote in Kanada und gilt als die Gegend mit dem höchsten Anteil and College-Abschlüssen der Welt.
  • Diese Qualität zeigt sich auch in den Daten der PISA Studie, hier der letzte Unicef-Bericht aus diesem Jahr. In dieser Bewertung von 15-jährigen Schülern in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften liegt auch Deutschland im oberen Viertel.
  • Wenn man den Unicef-Bericht dann auch nach anderen Gesichtspunkten betrachtet, wie z.B. den Anteil von Gesundheitsproblemen in dieser Bevölkerung, dreht sich die Reihenfolge jedoch um.
  • Deutschland rangiert weiter im oberen Viertel, während im mittleren Bereich liegt, im Vergleich zum mächtigen Nachbarn USA zwar immer noch deutlich darüber, aber doch erschreckend niedrig, wenn man die schulischen Erfolge betrachtet. Interessanterweise liegt auch Finnland hier eher im mittleren Bereich, etwas über Kanada.
  • Wie wird mit dieser Situation innerhalb der Schule umgegangen und für welche Gruppen für Kinder gibt es besondere Kooperationsbeispiele?
    Ich werde versuchen, Ihnen diese drei Bereiche etwas näher zu erläutern. Mir ist bewusst, dass ich im weiteren Verlauf mehr Folien als Zeit zur Verfügung habe, so dass ich einige Beispiele überspringen werde. Für diejeningen von Ihnen, die sich näher damit beschäftigen möchten, kann ich die Folien samt Internet-links und Literatur aber gerne zukommen lassen.
  • Im Jahre 2010 wurde ein aktualisierter Lehrplan für Gesundheit und Sport vom Bildungsministerium in Ontario verabschiedet. Sportunterricht hat damit zum Hauptziel die Gesundheitsförderung und behandelt Themen wie Fitness, gesunde Lebensführung, Vermeidung von Risikoverhalten etc.
    Wettkampfsport wird zusätzlich in freiwilligen AGs angeboten.
  • Neben dem Lehrplan, bemüht sich das Ministerium auch, den Anteil von Sport- und Gesundheitslehrern an den Schulen bis zur 8. Klasse zu erhöhen. Wie Sie sehen, gibt es noch immer eine beträchtliche Anzahl von Schulen, die keine Sportlehrer haben. Dennoch sind dann auch die anderen Lehrer aufgefordert, dass die Kinder während des Unterrichts genügend Bewegung erhalten.
  • Die medizinischen Fachleute haben im letzten Jahr Leilinien zur körperlichen Bewegung auch für ganz kleine Kinder herausgebracht, mit dem Ziel das Bewußtsein für ein gesundes Aufwachsen von Kindern zu stärken.
  • Hier sehen Sie einen Auszug aus dem Lehrplan für Kinder der 2. Klasse mit den Themen Ernährung, persönliche Sicherheit, Nutzung von Medikamenten und Drogen und Entwicklung.
  • Seit 1985 gibt es Regelungen, die festlegen, wie die unterschiedlichen Berufsgruppen eingesetzt werden, zusammenarbeiten und aus welchem Budget bezahlt werden.
  • In der Zusammenarbeit mit den Schulen sind Ärzte nur eine Gruppe von vielen. Sie sind in dieser Liste unter den Leistungserbringern, den Krankenhäusern und den Gesundheitszentren sowie dem Public Health Bereich zu finden. Neben dem medizinischen Bereich gibt es auch eine einge Verknüpfung von Schule und anderen Organisationen vor Ort.
  • Innerhalb der Schulen sind ebenfalls Fachleute der Gesundheitsberufe vertreten, wie z.B. Therapeuten, Psychologen und Pflegekräfte
  • Der Dialog zwischen diesen Beteiligten ergibt sich meist aus den speziellen Bedürfnissen einzelner Kinder und Familien.
  • Hier eine tabellarische Übersicht der Zuständigkeiten für unterschiedliche Handlungen. In diesem Fall die Verabreichung oraler Medikamente.
  • Hier Injektionen
  • Pflegeleistungen
  • Umlagerung und Mobilität
  • Spezielle Therapien. Hierzu noch einige Erläuterungen, da dieses Thema vor allem in der Sozialpädiatrie häufig vorkommt. Wenn ein Kind intensive, d.h. wöchentliche oder sogar tägliche Behandlungen bedarf, dann werden diese von qualifizierten Therapeuten durchgeführt. Geht es mehr um eine Erhaltungstherapie, werden häufig Hilfskräfte angelernt oder die Schulbegleiter, Lehrkräfte etc. angeleitet und die qualifizierten Kräfte haben lediglich Bertungsfunktionen.
  • und die Betreuung von Kindern in Internaten.
  • Jedes Schulamt kann Budgets für Hilfsmittel beantragen. Diese Hilfsmittel müssen dann für den Schulbesuch und das Lernen erforderlich sein.
  • Die Vor- und Nachteile, wie ich sie empfinde und Eltern sie mir in der Praxis berichten, habe ich hier aufgeführt. Ein besonderes Anliegen der Eltern ist es häufig, dass ihre Kinder mehr Therapien erhalten. Es ist für viele Eltern oft schwer nachvollziehbar, was therapeutisch im Schulalltag geleistet wird, auch wenn dies nicht 1:1 von Therapeuten durchgeführt wird. Hier ist Transparenz und eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern von Bedeutung. Als behandelnder Arzt hat man hierbei oft auch eine vermittelnde Rolle.
  • Ich möchte jetzt stärker auf die Situation von Kindern mit sogenannten “besonderen Bedürfnissen” eingehen, in Deutschland die Kinder mit Lern-, geistiger oder körperlicher Behinderung.
  • Das Thema Inklusion wurde heute ja schon angesprochen. In Ontario gibt es verschiedene Stufen der Inklusion, wie auf dieser Folie aufgeführt, die von minimaler Unterstüzung bis zur Vollzeit-betreuung in einer Sonderschulklasse reichen.
  • Fallen bei einem Kind beondere Bedürfnisse auf, gibt es einen geregelten Ablauf, um die Unterstützung zu planen. Diese Konferenz kann sowohl von der Schule als auch von den Eltern einberufen werden. Die Eltern haben das Recht, zusätzliche Fachleute, die das Kind kennen, mitzubringen. In dieser Konferenz wird dann der Förderbedarf festgestellt und ein individueller Lehrplan für das Kind entwickelt.
  • Dieser muss die speziellen Lernziele beschreiben, die Methoden mit denen diese Ziele unterrichtet werden sollen, ggf. Hilfsmittel die benötigt werden und wie die Ziele überprüft werden sollen.
  • Diese ist ein Beispiel eines individuellen Lehrplans für einen 17 jährigen Schüler mit einer Diagnose LRS.
    Die Ergebnisse der Untersuchungen sind festgehalten, seine Stärken und sein Bedarf, hier insbesondere in der kognitiven Verarbeitung, dem Schreiben, Lesen und der Organisation.
  • Als Hilfsmittel werden bestimmte Softwareprogramme vorgeschlagen, des weiteren zusätzliche Zeit, Organisationshilfen und ein laptop.
  • Auch die Transitionsplanung ist Bestandteil dieses individuellen Lehrplans, mit HInweisen, wer sich um die notwendigen Schritte kümmert, Informationen einholt und bis wann.
  • Hier wäre jetzt noch ein Beispiel eines Mädchens mit einer Mehrfachbehinderung.
  • Auch wenn diese Beispiele doch eher ideal sind, möchte ich Ihnen nicht vorenthalten, dass es auch Negativbeispiele gibt, wie dieser Zeitungsausschnitt aus dem Internet verdeutlicht. Hier ging es um einen Jungen mit einer schweren Lese-Rechtschreibschwäche, dem die entsprechende Unterstützung vorenthalten wurde. Die Eltern haben daraufhin auf eigene Kosten den Jungen testen und fördern lassen und nach 9 Jahren Prozeß Recht erhalten.
  • In den Worten der obersten Richterin der Provinz British Columbia ist Sonderpädagogik nicht ein entbehrlicher Luxus sondern der Zugang zum verfassungsgemäßen Bildungsanspruch eines jeden Kindes in British Columbia.
  • Als dritten und letzten Bereich möchte ich noch das Thema der pychischen Gesundheit beleuchten. Grundlage dazu sind Ergebnisse aus dieser Studie der internationalen Schulrektorenvereinigung.
  • Rektoren aus kanadischen Schulen sehen vor allem Probleme in der geringen Akzeptanz bestimmter schulischer Angebote, der Kommunikation im schulischen Umfeld und der Erzieherrolle der Eltern. Erst dann werden psychische Aspekte wie Angst, Stress oder Depression aufgeführt.
  • In einem Beispiel-statement äußert sich das in der Aussage: “Manche Familien nehmen die Angebote der Schule nicht an.”
  • Zum Vergleich dazu die Aussagen deutscher Rektoren: Die Hauptprobleme werden im Mobbing und Aggression, familiären Konflikten und dann Stress, Angst und Depressionen gesehen.
  • Das Beispiel-statement eines Schulleiters klingt ziemlich verzweifelt.
  • Welche Maßnahmen werden denn dann in Schulen in Kanada vorgenommen, wenn Verhaltens- oder psychische Probleme vorliegen?
    Zunächst wird sehr darauf geachtet, dass diese Maßnahmen nicht negativ, bestrafend oder ausgrenzend sind.
  • Hier wiederum ein Beispiel einer 14 jährigen Schülerin mit den Diagnosen ADHS, Angst- und Zwangsstörung.
  • Während dieses Mädchen kognitiv keine Schwierigkeiten hat, fällt es ihr schwer, für sich selbst einzustehen und ihre Bedürfnisse kund zu tun, sowie ihre Konzentration zu halten.
  • Im individuellen Lehrplan wird somit vereinbart, dass sie zusätzlichen Hilfen in Form von vermehrter Struktur, mehr Zeit, abgemachten Zeichen zur Erinnerung, einen laptop und Schreibprogramm mit Rechtschreibprüfung erhält. Außerdem benötigt sie häufige kurze Pausen und das Klassenzimmer wird möglichst nicht verändert werden, mit anderer Sitzordnung etc.
  • Zusätzlich wird sie verhaltenstherapeutisch betreut, sowohl in der Einzelsituation wie in einer Gruppe. Ziel ist hierbei die psychische Stabilisierung und das Erlernen von Techniken, um sich in kritischen Situationen adäquat äußern zu können.
  • Auch hier wird auf Grund des Alters (ab 14) ein Transitionsplan erstellt.
  • Ich komme zum Schluß.
  • Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Für Rückfragen stehe ich gerne jetzt und per email zur Verfügung!
  • Schulgesundheitspflege

    1. 1. Research Making a Difference www.canchild.ca Schulgesundheitspflege in Kanada Olaf Kraus de Camargo krausdc@mcmaster.ca
    2. 2. Danke! www.verlag-hanshuber.com
    3. 3. Hintergrund
    4. 4. Hintergrund • Kanada: – ist das zweitgrößte Land der Erde mit einer überwiegend urbanen Bevölkerung – ca. 30 Mio Einwohner
    5. 5. Bevölkerungsdichte
    6. 6. Hintergrund • Deutschland: – “Fast zwei Drittel aller Einwohner Deutschlands leben in Klein- und Mittelstädten, mehr als die Hälfte arbeitet auch dort.” (Bundesinstitut für Bau, Stadt und Raumforschung) – ca. 80 Mio Einwohner
    7. 7. Ontario
    8. 8. Ontario
    9. 9. Ontario • etwa 2 Millionen Schüler: (NRW: ca. 1,8 Mio)
    10. 10. Ontario • Lehrer: – 72.000 in “elementary” (JK/SK - 8. Klasse) – 43.000 in “secondary” (9. - 12. Klasse) • Jahresbudget für Schulen: – 21 Milliarden CAD$ (ca. 15 Milliarden Euro)(NRW: ca. 9 Milliarden Euro)
    11. 11. Abschluß • “Ontario hat die höchste “Highschool”- abschlußquote per capita in Kanada und mehr “College”-abschlüsse per capita als jedes andere Land der Welt.” (People for Education - Annual Report 2013)
    12. 12. PISA Unicef Innocenti Report Card 11, 2013
    13. 13. Gesundheitsprobleme? Unicef Innocenti Report Card 11, 2013
    14. 14. Gesundheitsprobleme! • Kanada, Griechenland und USA sind die einzigen Länder mit Adipositasraten über 20% • Kanadische Kinder und Jugendliche haben den höchsten Cannabiskonsum (28%) Unicef Innocenti Report Card 11, 2013
    15. 15. Kooperationsbeispiele 1. Allgemeine Gesundheit (Health Promotion) 2. Schüler mit besonderen Bedürfnissen (Special Needs) 3. Psychische Gesundheit (Mental Health)
    16. 16. Allgemeine Gesundheit: “Health and Physical Education Curriculum” • Neben körperlicher Fitness soll auch das Wissen um eine gesunde Lebensführung gefördert werden. • Dazu gehören Selbstmanagement, Beziehungsfähigkeit, die Fähigkeit zum kritischen Denken und besonnene Entscheidungen zu treffen. Ministry of Education, 2010
    17. 17. “Health and Physical Education Curriculum” • Hat zum Ziel, den Anteil von ausgebildeten Sportlehrern an Grundschulen (bis 8. Kl.) zu erhöhen. • “Active kids” - täglich 20 min. mäßig bis kräftige körperliche Übungen während des Unterrichts. Ministry of Education, 2010
    18. 18. Kanadische Leilinien für körperliche Aktivität von Kindern • 1. Lebensjahr: mehrfach täglich aktiv, insbesondere interaktive Spiele auf dem Boden • Kleinkinder (1 -2 Jahre) und Vorschulkinder (3 - 4 Jahre) sollten mindestens 180 Min. körperlich aktiv sein (jegliche Intensität), einschließlich –Verschiedene Aktivitäten und unterschiedlichen Umgebungen –Aktivitäten die körperliche Fertigkeiten entwickeln –Steigerung der intensiven körperlichen Aktivität bis auf 60 Min. täglich im Alter von 5 Jahren –Mehr körperliche Aktivität hat größere Vorteile Tremblay, 2012
    19. 19. “Health and Physical Education Curriculum” Ministry of Education, 2010
    20. 20. Kinder mit medizinischem Bedarf - Einbindung der Gesundheitsberufe • Seit 1985 – gemeinsame Aufgabe der Ministerien für Bildung (Schulamt), Gesundheit und Soziales
    21. 21. Beteiligte Externe: Eltern Leistungserbringer lokale Einrichtungen (Jugendtreffs, Geschäfte, Polizei, Krankenhäuser) Wissenschaftliche Informationen Berufsvereinigungen Regierungsorganisationen (Kinderschutz, Gesundheitszentren, Public Health) Experten (Wissenschaftler, Spezialisten) Hochschulen Kindertagesstätten Elternberatungsstellen
    22. 22. Beteiligte Interne: multidisziplinäres Schulteam (Psychologen, Verhaltenstherapeuten, Sprachtherapeuten, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten) Safe School Team (Schüler, Eltern, nicht-lehrender Schulangestellter, Gemeindemitglied, Direktor) Student Success Team (Direktor, Lehrkraft, Karriereberater, Sonderschullehrer) Schulbegleiter, Schultherapeuten Sonderpädagogisches Beratungsteam
    23. 23. Beteiligte Interne: multidisziplinäres Schulteam (Psychologen, Verhaltenstherapeuten, Sprachtherapeuten, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten) Safe School Team (Schüler, Eltern, nicht-lehrender Schulangestellter, Gemeindemitglied, Direktor) Student Success Team (Direktor, Lehrkraft, Karriereberater, Sonderschullehrer) Schulbegleiter, Schultherapeuten Sonderpädagogisches Beratungsteam Externe: Eltern Leistungserbringer lokale Einrichtungen (Jugendtreffs, Geschäfte, Polizei, Krankenhäuser) Wissenschaftliche Informationen Berufsvereinigungen Regierungsorganisationen (Kinderschutz, Gesundheitszentren, Public Health) Experten (Wissenschaftler, Spezialisten) Hochschulen Kindertagesstätten Elternberatungsstellen
    24. 24. Gesundheitsleistungen in der Schule Leistungsart Durchführung Bereitstellung Schulung und Verantwortung Richtlinien 1. Orale Medikamente autorisierter Schüler oder Schüler Behandelnder Arzt Gesundheitsamt autorisiertes Elternteil oder Eltern Behandelnder Arzt Gesundheitsamt Schulbegleiter oder Personal Schulamt Schulamt/Behan delnder Arzt Gesundheitsamt
    25. 25. Gesundheitsleistungen in der Schule Leistungsart Durchführung Bereitstellung Schulung und Verantwortung Richtlinien 2. Injektionen autorisierter Schüler oder Schüler Behandelnder Arzt Gesundheitsamt autorisiertes Elternteil oder Eltern Behandelnder Arzt Gesundheitsamt Gesundheits-fachkraft Gesundheits-ministerium Gesundheits-ministerium Schulamt
    26. 26. Gesundheitsleistungen in der Schule Leistungsart Durchführung Bereitstellung Schulung und Verantwortung Richtlinien 3. Pflege Katheterisieren Gesundheits-fachkraft Gesundheits-ministerium Gesundheits-ministerium Schulamt Blasen/Stoma-versorgung “ “ “ “ Lagerungs-drainage, Absaugen “ “ “ “ Sonden-ernährung “ “ “ “
    27. 27. Gesundheitsleistungen in der Schule Leistungsart Durchführung Bereitstellung Schulung und Verantwortung Richtlinien 4. Umlagern Schulbegleiter Schulamt Schulamt und Gesundheits-ministerium Gesundheits-ministerium Mobilitäts-assistenz “ “ “ “ Nahrung darreichen “ “ “ “ Toilettengang “ “ “ “
    28. 28. Gesundheitsleistungen in der Schule Leistungsart Durchführung Bereitstellung Schulung und Verantwortung Richtlinien 5. Therapien Intensive Physiotherapie (Behandlung) qualifizierte KG Gesundheits-ministerium Gesundheits-ministerium Gesundheits-ministerium Erhaltungs-therapie, Übungen Hilfskraft Schulamt Gesundheits-ministerium Gesundheits-ministerium Logopädie (Behandlung) Logopäden Gesundheits-ministerium Gesundheits-ministerium Gesundheits-ministerium Sprechübungen Sprech- und Sprachlehrer Schulamt Schulamt Gesundheits-ministerium
    29. 29. Gesundheitsleistungen in der Schule Leistungsart Durchführung Bereitstellung Schulung und Verantwortung Richtlinien 6. Leistungen für stationär betreute Kinder Hilfskräfte/ Gesundheits-fachkräfte Sozial-ministerium Sozial-ministerium Gesundheits-ministerium
    30. 30. Hilfsmittel • Hilfsmittelbudgets für Schulämter: – wenn sie dem Aufenthalt in der Schule – oder der Erfüllung des Lernplans (regulär oder modifiziert) dienen • Hilfsmittel, die zu Hause und in der Schule genutzt werden, erhalten Bezuschussung von Gesundheits-und Bildungsministerium • Verordung durch “Fachpersonal” (Ärzte, Therapeuten)
    31. 31. Vor- und Nachteile • Vorteile – klare Zuständigkeiten für die Kostenübernahme – fachliche Leitung ist unabhängig vom Kostenträger – dezentrale Organisation der Therapieleistungen durch die lokalen Schulbehörden – enge Zusammenarbeit von Fachkräften und Lehrkräften – die meisten Kinder können in Regelschulklassen betreut werden • Nachteile –mangelnde Einbindung der Eltern – beschränkt auf “schulische” Inhalte – z.T. erschwerte Kontinuität von Fachkräften, da jedes Schuljahr neu beantragt werden muss und die Schulämter Fachkräfte neu einteilen – “intensive” Therapien
    32. 32. Special Needs – Sonderschüler (exceptional pupil): “...ein Schüler, dessen Verhalten, Kommunikationsfähigkeiten, intellektuellen Fähigkeiten, körperlichen Fähigkeiten oder sonstige Besonderheiten darauf hinweisen, dass er eine besondere Beschulung benötigt.” http://www.edu.gov.on.ca/eng/general/elemsec/speced/identifi.html
    33. 33. Inklusion 1. Regelschulklasse mit indirekter Unterstützung 2. Regelschulklasse mit Sonderschullehrerbegleitung (individuell oder in Kleingruppe im Klassenraum) 3. Regelschulklasse mit Sonderschullehrerbegleitung außerhalb des Klassenraums für weniger als 50% der Zeit 4. Sonderschulklasse mit partieller Integration in mindestens einem Fach pro Tag 5. Vollzeit-Sonderschulklasse http://www.edu.gov.on.ca/eng/general/elemsec/speced/identifi.html
    34. 34. Förderbedarf - Feststellung • IPRC - Identification, Placement and Review Committee – Eltern – Schulleiter – Klassenlehrer – Fachlehrer – Sonderschullehrer – Psychologen – Therapeuten – Arzt • Ablauf – Eltern haben die Möglichkeit, selbst Fachleute hinzuzuziehen –Der Prozeß ist mit Fristen und Widerrufsrechten geregelt – letzte Instanz ist das Bildungsministerium
    35. 35. Förderbedarf - Feststellung • IEP - Individual Education Plan (individueller Lehrplan) – beschreibt die speziellen Lernziele – beschreibt die Lehrmethode und die zu nutzenden Lehrmittel bzw. Hilfsmittel. – beschreibt die Art der Zielüberprüfung
    36. 36. Beispiel IEP - LRS (17 J, männl.)
    37. 37. Beispiel IEP - LRS
    38. 38. Beispiel IEP - LRS
    39. 39. Beispiel IEP - Mehrfachbehinderung (13 J, weibl.)
    40. 40. Beispiel IEP - Mehrfachbehinderung
    41. 41. Beispiel IEP - Mehrfachbehinderung
    42. 42. Beispiel IEP - Mehrfachbehinderung
    43. 43. Beispiel IEP - Mehrfachbehinderung
    44. 44. Recht auf Bildung
    45. 45. Recht auf Bildung • “Adequate special education, therefore, is not a dispensable luxury. For those with severe learning disabilities, it is the ramp that provides access to the statutory commitment to education made to all children in British Columbia.” (Rosalie Abella, Supreme Court of British Columbia)
    46. 46. Psychische Gesundheit
    47. 47. Psychische Gesundheit Whitman, C. V., et al. (2009)
    48. 48. Problembeschreibung • “Manche Familien nehmen die Angebote der Schule nicht an.” Whitman, C. V., et al. (2009)
    49. 49. Psychische Gesundheit Dadaczynski, K. und P. Paulus (2010)
    50. 50. Problembeschreibung • “Lehrer fühlen sich häufig überfordert oder allein gelassen.”
    51. 51. Verhaltensintervention Ontario Ministry of Education (2010)
    52. 52. Verhaltensintervention ADHS, Angst- und Zwangsstörung (14 J, weibl.) ADHS, Angst- und Zwangsstörung (14 J, weibl.)
    53. 53. Verhaltensintervention
    54. 54. Verhaltensintervention
    55. 55. Verhaltensintervention
    56. 56. Verhaltensintervention
    57. 57. Fazit • Die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden kanadischer Kinder ist auf einem deutlich niedrigeren Niveau als der hohe Bildungsstand erwarten lässt • Das kanadische Bildungs- und Gesundheitswesen kooperieren eng miteinander • Im Bildungsbereich sind Gesundheitsberufe fest angestellt und betreuen Kinder in ihrer Lebensumwelt • In den letzten Jahren wird der Lehrplan vermehrt auf eine Verbesserung der Gesundheitspflege ausgerichtet
    58. 58. Links • Übersicht der unterschiedlichen Richtlinien sowie links aus den Provinzen Kanadas: http://www.cps.ca/en/issues-questions/map/provincial-special-education-legislation-and-contacts • Kurzinformationen für Lehrer zu unterschiedlichen Krankheits- und Behinderungsbildern: http://www.learnalberta.ca/content/inmdict/html/index.html • Special Education Technology British Columbia: http://www.setbc.org • Übersicht zu Sonderschulregelungen in Ontario: http://www.edu.gov.on.ca/eng/parents/speced.html • Leitlinie zur Behebung von Konflikten bezüglich des Leistungsanspruchs von Schülern mit besonderen Bedürfnissen: http://www.edu.gov.on.ca/eng/general/elemsec/speced/shared.html • Erläuterungen für Lehrer zur Erkennung und Betreuung von psychisch kranken Schülern: http://cymhin.offordcentre.com/downloads/Making%20a%20Difference%203-2.pdf • Beispiele für Individualisierte Lehrpläne: http://ontariodirectors.ca/IEP-PEI/en.html • Webseite eines unabhängigen Netzwerkes von Elternvertretungen in Ontario: http://www.peopleforeducation.ca
    59. 59. Literatur • Gallagher-Mackay, K. (2013). Mind The Gap: Inequality In Ontario's Schools. People for Education Annual Report on Ontario's Publicly Funded Schools. Toronto, ON, Canada, People for Education: 70. • Tremblay, M. S., et al. (2012). "Canadian physical activity guidelines for the early years (aged 0–4 years)." Applied Physiology, Nutrition, and Metabolism 37(2): 345-356. • Adamson, P. (2013). Child well-being in rich countries - a comparative review - Innocenti Report Card 11. Florence, Italy, UNICEF: 60. • Whitman, C. V., et al. (2009). International Survey of Principals Concerning Emotional and Mental Health and Well- Being. Newton, MA, USA, International Association of Child and Adolescent Mental Health and Schools (Intercamhs), : 20. • Dadaczynski, K. and P. Paulus (2010). Internationale Schulleitungsstudie zur emotionalen und psychischen Gesundheit sowie zum Wohlbefinden. Newton, MA, USA, International Alliance for Child and Adolescent Mental Health and Schools (Intercamhs),: 20. • Ontario Ministry of Education (2010). Caring and Safe Schools in Ontario - Supporting Students With Special Education Needs Through Progressive Discipline, Kindergarten To Grade 12. Toronto, Queen's Printer for Ontario: 67. • Winzer, M. and K. Mazurek (2011). "Canadian Teacher's Associations and the Inclusive Movement for Students with Special Needs." Canadian Journal of Educational Administration and Policy(116): 1-24.
    60. 60. Research Making a Difference www.canchild.ca Olaf Kraus de Camargo krausdc@mcmaster.ca

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