Das Bewusstseinsproblem im russischen Idealismus:
Die Philosophie des Fürsten Sergej Trubetzkoj
• „Die Metaphysik im alten...
Nikolai Trubetzkoy (Sohn):
Linguist, Ethnologe, 
politischer Philosoph
1863 – 1920  1890 – 1938 
Jewgenij Trubetzkoy (Brud...
Erkenntnistheoretischer Idealismus:
• Formen der Erfahrung und Erkenntnis sind etwas Geistiges*
• Gegenstände der Erfahrun...
Metaphysischer Idealismus:
• Alles Seiende ist an sich geistig
• Alles Seiende ist nur ein intentionales Objekt des Geiste...
Trubetzkojs Intersubjektiver Idealismus: Die Welt ist dem Subjekt 
nur durch Teilnahme an den intersubjektiven Bewusstsein...
• Metaphysisch: Gegenstände der Erfahrung und Erkenntnis sind 
geistig und intersubjektiv konstituiert
• Schwach: Dinge an...
Antike und mittelalterliche Hintergründe
• Die Hauptfrage der Metaphysik seit der Antike: was ist primär 
seiend – Individ...
Folgen der „protestantischen Reform“ (Hinwendung zur 
Persönlichkeit in der Mystik, Erfahrung, Vernunft)
• Der Grund aller...
Empiristischer und rationalistischer Idealismus 
• Alles Seiende ist ein intentionales Objekt des subjektiven 
Bewusstsein...
• Der Begriff der Person verbindet in sich zwar das Individuelle 
und das Universale, aber in der Weise, die dem Glauben a...
Empiristische Auffassung des Bewusstseins
• Alles Seiende ist dem Subjekt als Erfahrung gegeben
• Es ist nicht möglich, zu...
Interne Probleme des Empirismus
• Damit die Erfahrung zustande kommt, müssen die Erlebnisse
durch universale Formen geordn...
• Die Ergebnisse der experimentellen Neurophysiologie zeigen, 
dass das Bewusstsein vom Gehirn und Nervensystem abhängt. 
...
Fehlende Erklärung zweier Grundüberzeugungen
• Wir sind unmittelbar überzeugt, dass wir durch unsere 
Erfahrung nicht Erle...
Mögliche Reaktionen auf diese Herausforderungen
Negativ:
• Skeptizismus: Erlebnisse sind alles, was wir haben, die Fragen ...
Konstruktiv:
• Berkeleys Idealismus: Pluralität der Geister
• Common‐Sense‐Philosophie: Der Glaube an die Wirklichkeit 
de...
Probleme des Materialismus 
• Der prinzipielle Unterschied zwischen dem Physischen und dem 
Geistigen ist nicht erklärt
• ...
Transzendentalphilosophie des Deutschen Idealismus
• Einzelne Erlebnisse eines Subjekts sind durch bestimmte 
Formen geord...
Interne Probleme des Deutschen Idealismus
• Wenn Formen der Erfahrung und Erkenntnis universal sind, 
können sie nicht ind...
• Wenn das transzendentale Subjekt nicht mit dem jeweiligen 
empirischen Subjekt identisch ist, und dennoch sich seiner 
s...
• Die Versuche, die Erfahrungswelt vom Standpunkt des 
transzendentalen Subjekts aus nachzukonstruieren sind sehr 
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Problematische Erklärung zweier Grundüberzeugungen
• Der transzendentale Idealismus liefert zwar eine (wenn auch 
nicht wi...
Voraussetzungen für eine adäquatere Theorie des Bewusstseins
(transzendentalphilosophisch, intersubjektiv, dualistisch, 
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• Seinem universalen Anspruch nach geht dieser Glaube über das 
individuelle Bewusstsein hinaus und wird erst durch die 
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• Metaphysik: Geistige und physische Eigenschaften sind real 
existierende Universalien, die den vielen Individuen gemeins...
• Neurophysiologie: Das Gehirn als „das vollkommenste und 
beseelte Organ“ bedingt das Bewusstsein nicht wie einen 
physio...
• Erkenntnis: Die Allgemeingültigkeit der universalen Formen der 
Erfahrung und Erkenntnis beruht auf ihrer gemeinschaftli...
• Organische und soziale Basis des menschlichen Bewusstseins 
zieht es nach sich, dass ein individuelles Bewusstsein auch ...
• Gesellschaft und Moral: ein Mensch ist ein Teil der sozialen und 
normativen Ordnung, in der er als Person in seiner Wür...
• Der Zugang zur Wirklichkeit gibt's für uns nur durch Teilhabe am 
gemeinschaftlichen Bewusstsein, aber so erwerben wir d...
„Das Bewusstsein ist uns allen gemeinsam, und was ich durch es 
und in ihm objektiv, d.h. allgemeingültig, erkenne, das ha...
„Ich kann mich in mir über eine allgemeine Zustimmung 
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„Wer die Wahrheit erkannt hat, fordert, dass alle sie 
anerkennen; er allein weiß besser als alle anderen das, was alle 
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Bulanenko_Die Bewusstseinsphilosophie des Fürsten Sergej Trubetzkoj

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Eine kurze Einführung in die Bewusstseinstheorie des Fürsten Sergej Trubetzkoj (1862 - 1905), die er in der Auseinandersetzung mit dem Empirismus, Materialismus und der deutschen Transzendentalphilosophie entwickelt hat

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Bulanenko_Die Bewusstseinsphilosophie des Fürsten Sergej Trubetzkoj

  1. 1. Das Bewusstseinsproblem im russischen Idealismus: Die Philosophie des Fürsten Sergej Trubetzkoj • „Die Metaphysik im alten Griechenland“ (1890)  • „Über das menschliche Bewusstsein“ (1891) • „Die Grundlagen des Idealismus“ (1896) • „Die Logos‐Lehre und ihre Geschichte“ (1900) • Rektor der Moskauer Universität (1905) 1862 – 1905 
  2. 2. Nikolai Trubetzkoy (Sohn): Linguist, Ethnologe,  politischer Philosoph 1863 – 1920  1890 – 1938  Jewgenij Trubetzkoy (Bruder): Philosoph
  3. 3. Erkenntnistheoretischer Idealismus: • Formen der Erfahrung und Erkenntnis sind etwas Geistiges* • Gegenstände der Erfahrung und Erkenntnis sind etwas Geistiges  (mit den Dingen an sich nicht unbedingt identisch)
  4. 4. Metaphysischer Idealismus: • Alles Seiende ist an sich geistig • Alles Seiende ist nur ein intentionales Objekt des Geistes • Alles Seiende (geistig oder materiell oder beides) ist vom Geist  geschaffen* Ein möglicher idealistischer Realismus: Gegenstände der Erfahrung und  Dinge an sich sind geistig, aber miteinander nicht identisch
  5. 5. Trubetzkojs Intersubjektiver Idealismus: Die Welt ist dem Subjekt  nur durch Teilnahme an den intersubjektiven Bewusstseinsformen  zugänglich. Das Bewusstsein ist primär gemeinschaftlich („konziliarisch“, „katholisch“ von καθόλου, „das Ganze angehend“)  • Erkenntnistheoretisch: Formen der Erfahrung und Erkenntnis  sind geistig und intersubjektiv konstituiert (mit Realismus und  Dualismus kompatibel) „Über das menschliche Bewusstsein“ (1891)
  6. 6. • Metaphysisch: Gegenstände der Erfahrung und Erkenntnis sind  geistig und intersubjektiv konstituiert • Schwach: Dinge an sich sind mit Gegenständen der Erfahrung  nicht identisch, ihre Eigenschaften können aber auch identisch  sein (mit Realismus und Dualismus kompatibel) • Stark: Dinge an sich sind mit Gegenständen der Erfahrung  identisch (mit Realismus und Dualismus nicht kompatibel) „Die Grundlagen des Idealismus“ (1896)
  7. 7. Antike und mittelalterliche Hintergründe • Die Hauptfrage der Metaphysik seit der Antike: was ist primär  seiend – Individuen oder Universalien? • Christliche Philosophie: das persönliche Bewusstsein wird durch  die kirchliche Organisation des kollektiven Bewusstseins  vervollständigt, diese Gemeinschaftlichkeit des Bewusstseins  wird jedoch nicht philosophisch thematisiert
  8. 8. Folgen der „protestantischen Reform“ (Hinwendung zur  Persönlichkeit in der Mystik, Erfahrung, Vernunft) • Der Grund aller Erkenntnis ist das Bewusstsein • Das Bewusstsein ist personal • Der Streit um das primär Seiende wird ins Bewusstsein verlegt  und in ihm aufgehoben, da sowohl das Individuelle als auch das  Universale seine Formen sind – als Anschauungen und Begriffe 
  9. 9. Empiristischer und rationalistischer Idealismus  • Alles Seiende ist ein intentionales Objekt des subjektiven  Bewusstseins  • Empirismus: Das Subjekt ist individuell, die Erkenntnis beruht  auf seiner Wahrnehmung und Introspektion • Rationalismus (der Deutsche Idealismus): Das Subjekt ist das  Absolute, die Erkenntnis beruht auf seinen Begriffen
  10. 10. • Der Begriff der Person verbindet in sich zwar das Individuelle  und das Universale, aber in der Weise, die dem Glauben an die  (von unserem Bewusstsein unabhängige) Wirklichkeit der Welt  und die Universalität der Erkenntnis nicht gerecht wird • Der Gegensatz zwischen Individuen und Universalien bleibt  überdies auch im neuen Idealismus erhalten: für die Empiristen  sind nämlich empirische Individuen Personen, für die  Deutschen Idealisten ist das Personale überindividuell
  11. 11. Empiristische Auffassung des Bewusstseins • Alles Seiende ist dem Subjekt als Erfahrung gegeben • Es ist nicht möglich, zu beweisen, dass es etwas Seiendes außer  der Erfahrung gibt • Die Erfahrung ist primär eine Abfolge einzelner Erlebnisse  • Diese Erlebnisse sind jeweils Erlebnisse eines Subjekts, das auch  sich selbst als eine Abfolge einzelner Erlebnisse erscheint 
  12. 12. Interne Probleme des Empirismus • Damit die Erfahrung zustande kommt, müssen die Erlebnisse durch universale Formen geordnet werden, die logisch und  erkenntnistheoretisch relevant sind und so über das Einzelne  und rein Subjektive hinausgehen müssen • Als eine Abfolge der Erlebnisse kann das Subjekt weder sich  selbst noch seine eigene Erfahrung erforschen
  13. 13. • Die Ergebnisse der experimentellen Neurophysiologie zeigen,  dass das Bewusstsein vom Gehirn und Nervensystem abhängt.  Entweder ist das Gehirn auch ein Bündel der Erlebnisse oder es  gibt etwas Seiendes außer der Erfahrung • Die Erfahrung hat die unbewusst‐psychische Grundlage: man  merkt nicht immer, wie seine Erlebnisse geordnet werden oder  wie man von einem Gedanken zum anderen übergeht. Diese  Vorgänge sind aber in unser Bewusstseinsleben fest eingebaut
  14. 14. Fehlende Erklärung zweier Grundüberzeugungen • Wir sind unmittelbar überzeugt, dass wir durch unsere  Erfahrung nicht Erlebnisse, sondern Objekte und Eigenschaften  erkennen, die von unseren Erlebnissen weitgehend unabhängig  sind • Wir sind unmittelbar überzeugt, dass die Erfahrung uns  Allgemeingültiges und Wahres über die Wirklichkeit vermittelt
  15. 15. Mögliche Reaktionen auf diese Herausforderungen Negativ: • Skeptizismus: Erlebnisse sind alles, was wir haben, die Fragen  nach der Wirklichkeit der Welt und nach der Wahrheit der  Erkenntnis sind daher nicht relevant
  16. 16. Konstruktiv: • Berkeleys Idealismus: Pluralität der Geister • Common‐Sense‐Philosophie: Der Glaube an die Wirklichkeit  der Welt ist durch „custom and habit“ bedingt und nicht weiter  zu erklären • Materialismus: Das Bewusstsein ist ein Produkt des Gehirns,  Neuronen und ihre Verbindungen sind Elementareinheiten des  Bewusstseins
  17. 17. Probleme des Materialismus  • Der prinzipielle Unterschied zwischen dem Physischen und dem  Geistigen ist nicht erklärt • Im Gehirn lässt sich ein Zeugnis für die Wirklichkeit der Welt  oder der Universalität der Wahrheit ebenso wenig finden, wie  im subjektiven Erleben – diese müssen bei der Hirnforschung  eher vorausgesetzt werden
  18. 18. Transzendentalphilosophie des Deutschen Idealismus • Einzelne Erlebnisse eines Subjekts sind durch bestimmte  Formen geordnet. Sie sind universal, aus den einzelnen  Erlebnissen nicht ableitbar und liegen allen Erlebnissen  zugrunde. Ihr Ursprung ist das transzendentale Subjekt, das  durch seine Aktivität die Erfahrungswelt samt allen empirischen  Subjekten schafft und sich seiner selbst in ihnen bewusst wird
  19. 19. Interne Probleme des Deutschen Idealismus • Wenn Formen der Erfahrung und Erkenntnis universal sind,  können sie nicht individuell‐subjektiv sein • Wenn diese Formen nicht individuell‐subjektiv konstituiert sind,  ist das transzendentale Subjekt nicht mit dem jeweiligen  empirischen Subjekt identisch
  20. 20. • Wenn das transzendentale Subjekt nicht mit dem jeweiligen  empirischen Subjekt identisch ist, und dennoch sich seiner  selbst erst in ihm bewusst wird, muss es ursprünglich  unbewusst und irrational sein („neutraler Monismus“) • Die Entstehung des Bewusstseins mit seinen universalen  Formen aus etwas Unbewusstem ist nicht weniger schwer  nachzuvollziehen als seine Entstehung aus Nervenzellen
  21. 21. • Die Versuche, die Erfahrungswelt vom Standpunkt des  transzendentalen Subjekts aus nachzukonstruieren sind sehr  subjektiv und willkürlich und ergeben keine wirkliche Welt (was  sie jedoch leisten müssen!) • Neurophysiologische und unbewusst‐psychische Basis des  Bewusstseins ist ausgeblendet, genauso wie im empiristischen  Idealismus
  22. 22. Problematische Erklärung zweier Grundüberzeugungen • Der transzendentale Idealismus liefert zwar eine (wenn auch  nicht widerspruchsfreie) Erklärung der universalen  Bewusstseinsformen, aber sein apriorisches Konstruieren der  Erfahrungswelt lässt die Kluft zwischen der konstruierten und  der wirklichen Welt nicht überbrücken
  23. 23. Voraussetzungen für eine adäquatere Theorie des Bewusstseins (transzendentalphilosophisch, intersubjektiv, dualistisch,  realistisch) • Unser Glaube an die Wirklichkeit der Welt und die Universalität  der Erkenntnis lässt sich weder beweisen noch widerlegen, er  bildet aber die intuitive Basis für alle höheren Überzeugungen  und eröffnet uns den ursprünglichen kognitiven Zugang zur  Welt 
  24. 24. • Seinem universalen Anspruch nach geht dieser Glaube über das  individuelle Bewusstsein hinaus und wird erst durch die  Gemeinschaft mit anderen Wesen ermöglicht • Das Bewusstsein ist nicht rein individuell oder überindividuell,  sondern gemeinschaftlich: jeder von uns hat teil am  Bewusstsein der anderen • Die Folgen dieses Glaubens werden ihn dann noch rückwirkend  induktiv bestätigen („Bayes‐Verfahren“)
  25. 25. • Metaphysik: Geistige und physische Eigenschaften sind real  existierende Universalien, die den vielen Individuen gemeinsam  sind und ihre ontologische Gemeinschaftlichkeit beisteuern • Biologie: Jeder höhere Organismus ist eine Gemeinschaft von  Zellen und ein Teil seiner Spezies und dessen Evolution. Das  einfache sinnliche Bewusstsein beginnt mit Einzellern, und  Instinkte sind eine entwickeltere Form des kollektiven  Bewusstseins einer Spezies, die die Gemeinschaftlichkeit fördert
  26. 26. • Neurophysiologie: Das Gehirn als „das vollkommenste und  beseelte Organ“ bedingt das Bewusstsein nicht wie einen  physiologischen Prozess, sondern durch seine Organisation, die  als Resultat einer gemeinsamen Arbeit unzähliger Generationen  von Organismen aufzufassen ist  • Sprache: Außer der gemeinsamen biologischen und  physiologischen Basis sind Universalien in der Welt und reale  Verständigung mit Mitmenschen unabdingbar für die Sprache
  27. 27. • Erkenntnis: Die Allgemeingültigkeit der universalen Formen der  Erfahrung und Erkenntnis beruht auf ihrer gemeinschaftlich  erfolgten Vermittlung und Bestätigung. Die Wirklichkeit der  Kausalität wird uns durch gegenseitige Anerkennung von  Wirksamkeit der Handlungen bewusst. Die Ereigniskausalität ist  eine Erweiterung der Agenskausalität auf die ganze Natur. Der  erkenntnistheoretische Realismus legt nahe, dass unseren  Denkformen eine vernünftige Ordnung in der Natur entspricht
  28. 28. • Organische und soziale Basis des menschlichen Bewusstseins  zieht es nach sich, dass ein individuelles Bewusstsein auch  psychologisch stets Einheit der Vielheit ist: das Unbewusst‐ Psychische, das Gedächtnis, die Einbildung, selbst die  Persönlichkeit verbergen in sich viel Ererbtes, sowie parallel  verlaufende Prozesse, deren Einheit erst zu erzwingen ist. Das  Bewusstsein ist nicht rein personal und die Person (primär die  Seele) kann manchmal auch kein personales Bewusstsein haben
  29. 29. • Gesellschaft und Moral: ein Mensch ist ein Teil der sozialen und  normativen Ordnung, in der er als Person in seiner Würde  anerkannt wird und auch die anderen als solche anerkennen  soll. Er muss sich nicht nur die Formen, sondern auch die  aktuellen Inhalte des gemeinschaftlichen Bewusstseins  aneignen. Wie die Wahrheit im theoretischen Bereich, so ist die  Liebe im praktischen Bereich das Ideal der Menschheit, das die  gemeinschaftlichen Bewusstseinsformen mit Inhalt erfüllen soll
  30. 30. • Der Zugang zur Wirklichkeit gibt's für uns nur durch Teilhabe am  gemeinschaftlichen Bewusstsein, aber so erwerben wir die  Einsicht in das absolute Bewusstsein, das die Grenzen der  jeweiligen Gemeinschaft transzendiert und die gemeinsame  vernünftige Ordnung in der Welt einrichtet • Das Individuelle und das Universale am Menschen werden nur  dann versöhnt, wenn das Personale, das Kollektive und das  Absolute zu einer vollkommenen Gemeinschaft beitragen
  31. 31. „Das Bewusstsein ist uns allen gemeinsam, und was ich durch es  und in ihm objektiv, d.h. allgemeingültig, erkenne, das halte ich  für wahr – in Vertretung von allen und für alle, nicht nur für mich  allein. In der Tat halte ich immer einen gemeinsamen Rat in mir  mit allen über alles. Und nur das ist für mich wahr und gewiss in  einer allgemeingültigen und unbedingten Weise, was es für alle  sein soll.“ „Über das menschliche Bewusstsein“ (1891)
  32. 32. „Ich kann mich in mir über eine allgemeine Zustimmung  täuschen. […] Aber diese Täuschung selbst setzt schon die  Zuversicht voraus, dass eine allgemeine Zustimmung möglich ist.  Deswegen kann mich jeder überführen, mir meine Täuschung  unter Berufung auf das allgemein Anerkannte beweisen – unter  Berufung darauf, was alle in mir anerkennen.“ „Über das menschliche Bewusstsein“ (1891)
  33. 33. „Wer die Wahrheit erkannt hat, fordert, dass alle sie  anerkennen; er allein weiß besser als alle anderen das, was alle  wissen sollen. Und deswegen überwältigt und überzeugt der  Eine die Vielen darin, was zuerst keiner glauben wollte.“ „Über das menschliche Bewusstsein“ (1891)

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