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2.2 Gletscherleiche bis zum Jahre 0
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Rietiker, J. (2010). Auswahl von Personal. In: B. Werkmann-Kracher, J. Rietiker:
Angewandte Psychol...
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Wietig, C. (2005b). Zur gegenwärtigen Bedeutung des Körpersignals Bart für die
Kommunikation. In: A...
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Einfluss von Tätowierungen bei Vorstellungsgesprächen

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My first thesis about the influence of tattoos on job interviews.

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Meine Bachelorarbeit über den Einfluss von Tätowierungen bei Vorstellungsgesprächen.

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Einfluss von Tätowierungen bei Vorstellungsgesprächen

  1. 1. forprivate use only EINFLUSS VON TÄTOWIERUNGEN BEI VORSTELLUNGSGESPRÄCHEN Bachelorarbeit zur Erlangung des akademischen Grades Bachelor of Arts in Business (BA) Eingereicht bei: Fachhochschule Kufstein Tirol Bildungs GmbH Studiengang Marketing & Kommunikationsmanagement Verfasser: Marc Miller 1410641788 Betreuerin: Mag. Ute Mariacher MSc Abgabedatum: 15.01.2016
  2. 2. forprivate use only II EIDESSTATTLICHE ERKLÄRUNG Ich erkläre hiermit, dass ich die vorliegende Bachelorarbeit selbstständig und ohne fremde Hilfe verfasst und in der Bearbeitung und Abfassung keine anderen als die angegebenen Quellen oder Hilfsmittel benutzt sowie wörtliche und sinngemäße Zita- te als solche gekennzeichnet habe. Die vorliegende Bachelorarbeit wurde noch nicht anderweitig für Prüfungszwecke vorgelegt. Kufstein, 15.01.2016 Ort, Datum Unterschrift
  3. 3. forprivate use only III INHALTSVERZEICHNIS Eidesstattliche Erklärung ..................................................................................... II Inhaltsverzeichnis.................................................................................................III Abbildungsverzeichnis .......................................................................................... V Zusammenfassung................................................................................................VI Abstract .............................................................................................................VIII 1. Einleitung..................................................................................................... 1 1.1 Motivation..................................................................................................... 1 1.2 Ziele.............................................................................................................. 1 1.3 Aufbau .......................................................................................................... 2 2. Die Geschichte der Tätowierung................................................................. 3 2.1 Definition & Herkunft des Begriffs Tätowierung........................................... 3 2.2 Gletscherleiche bis zum Jahre 0..................................................................... 4 2.3 Jahr 0 bis ins frühe Mittelalter ....................................................................... 5 2.4 Mittelalter bis in die frühe Neuzeit ................................................................ 6 2.5 Beginn der Moderne...................................................................................... 8 2.6 Aktuelle Moderne........................................................................................ 10 2.6.1 Ansichten, die in den Köpfen verankert sind................................................ 11 3. Äußeres Erscheinungsbild - nonverbale Faktoren und Einflüsse auf die Kommunikation ..................................................... 12 3.1 Kleidung ..................................................................................................... 12 3.2 Haare........................................................................................................... 14 3.3 Bart ............................................................................................................. 15 3.4 Piercings ..................................................................................................... 17 3.5 Schmuck ..................................................................................................... 18
  4. 4. forprivate use only IV 4. Der Einfluss von Tätowierungen auf die Kommunikation in Vorstellungsgesprächen ............................................ 20 4.1 Bewerbungsgespräche im Allgemeinen ....................................................... 20 4.2 Psychologische Einflussfaktoren auf Vorstellungsgespräche........................ 21 4.3 Beurteilungsfehler ....................................................................................... 22 4.3.1 Intrapersonelle Einflüsse ............................................................................. 22 4.3.2 Interpersonelle Einflüsse ............................................................................. 22 4.3.3 Situative Einflüsse....................................................................................... 23 4.4 Entscheidungskriterien ................................................................................ 23 4.4.1 Analyse der Bewerbungsunterlagen............................................................. 24 4.4.2 Typische Kriterien....................................................................................... 24 4.4.3 Analyse nonverbaler Faktoren des Interviews.............................................. 25 4.5 Tätowierungen und die Verbindung zu Vorstellungsgesprächen .................. 26 4.5.1 Tätowierungen als Symbol und Ritual ......................................................... 27 4.5.2 Unterstreichung der Individualität ............................................................... 28 4.5.3 Darstellung von Zugehörigkeit .................................................................... 28 4.5.4 Prestige & Stigma........................................................................................ 28 4.6 Berufsgruppen mit und ohne Tätowierungen ............................................... 29 4.7 Sichtweisen von Betroffenen und Involvierten & Fälle ................................ 29 5. Fazit ........................................................................................................... 31 Quellenverzeichnis................................................................................................ 33
  5. 5. forprivate use only V ABBILDUNGSVERZEICHNIS Abbildung. 1: Tätowierungen der Gletscherleiche .................................................... 4 Abbildung 2: Das "gerechte" System der Differenzierung......................................... 9 Abbildung 3: Diskriminierung aufgrund einer oder mehrerer Tätowierungen.......... 30
  6. 6. forprivate use only VI ZUSAMMENFASSUNG FH Kufstein Marketing und Kommunikationsmanagement Kurfassung der Bachelorarbeit „Einfluss von Tätowierungen bei Vorstellungsgesprä- chen“ Marc Miller Mag. Ute Mariacher MSc Die heutige Arbeitswelt ist dem schnellen Wandel der Gesellschaft unterlegen. Gute Jobs sind selten. Etliche Bewerber treffen auf eine Stelle und der Personalverant- wortliche muss den am besten geeigneten dafür aussuchen (vgl. Kanning, 2015, S.4). Diese Arbeit soll den Zusammenhang von Tätowierungen auf Vorstellungsgespräche darlegen und zeigen, dass hier Konnektivität besteht. Der geschichtliche Hintergrund wird kurz erläutert und auf die ursprüngliche Funkti- on von Tätowierungen, Stammeszugehörigkeit zu signalisieren, hingewiesen. Der mit der Zeit einhergehende Wandel bei Tätowierungen zeigt sich in allen Teilen der Welt. Von den Kriegstätowierungen zur Zeit des Nationalsozialismus, über das fast gänzliche Verschwinden während der 1960er und 1970er Jahre, bis hin zur heutigen Zeit, in der Sportler, Superstars und Ikonen ihre Körper in den Medien öffentlich zur Schau stellen (vgl. Meier, 2010, S.14 f.). Nonverbale Faktoren wie Haare, Bart und Schmuck werden beleuchtet. Ihr Einfluss und was sie über die Person preisgeben, sagt vieles über die Zugehörigkeit und den gesellschaftlichen Status aus. Der erste Eindruck, den Personalverantwortliche in Ge- sprächen bekommen, geht vom Erscheinungsbild des Kandidaten aus. Er ist mitent- scheidend und prägt den weiteren Gesprächsverlauf (vgl. Broszinsky-Schwabe, 2011, S.121). Wie Tätowierungen wirken und welche Eigenschaften sie in Interviews hervorrufen können, wird erst deutlich, wenn man sich mit dem Ritual der Tätowierung ausei- nandersetzt und mit der Situation jedes einzelnen befasst. Warum wurde dieses Mo-
  7. 7. forprivate use only VII tiv gestochen, was soll damit ausgedrückt werden und warum an dieser Stelle? (vgl. Lobstädt, 2011, S.128) Diskriminierung bei der Vergabe von freien Stellen darf heute keine Hürde mehr sein. Doch Tätowierungen rufen gerade durch ihre Geschichte Erinnerungen hervor. Der Personaler verknüpft diese dann mit bereits Erlebtem oder mit Erfahrungen, die er mit tätowierten Personen gemacht hat. Einen Bewerber wegen einer Tätowierung abzulehnen, gilt es in Zukunft zu vermeiden. Die gesellschaftliche Akzeptanz soll er- höht werden, denn nicht jeder, der eine Tätowierung trägt, ist automatisch ein Ver- brecher (vgl. Jordan, Külpp, Bruckschen, 2013, S.142 f.). 15.01.2015
  8. 8. forprivate use only VIII ABSTRACT FH Kufstein Marketing and Communicationmanagement Abstract of the bachelor thesis „Influence of tattoos on job interviews“ Marc Miller Mag. Ute Mariacher MSc Today's world of work is inferior to the rapid changes in society. Good jobs are rare. Several candidates for one job and the human resource managers must choose the most suitable for this purpose (cf. Kanning, 2015, p.4). This work aims to demonstrate the connection between tattoos and job interviews and shows that connectivity is existing. The historical background is briefly explained and the original function of tattoos to indicate tribal affiliation, pointed. The transformation of the tattoo over time is evi- dent in all parts of the world. From the tattoos in the time of National Socialism, where Jews and Criminals were tattooed, about the almost total disappearance during the 1960s and 1970s up to the present time in which athletes superstars and icons show their bodies public in the media (cf. Meier, 2010, p.14 f.). Nonverbal factors such as hair, beard, and jewelry are put into the spotlight. Their in- fluence and what they tell about the person says a lot about the affiliation and social status. The human resource manager get their first impression from the appearance of the candidates. He is decisive and characterizes the further route of the conversation (cf. Broszinsky-Schwabe, 2011, p.121). What tatoos can cause in an interview will only become clear when someone takes care of each individual with the ritual of getting a tattoo and the situation. Why this motive was stung, what should be expressed with it and why at this place on the body? (cf. Lobstädt, 2011, p.128). Discrimination in the allocation of a vacant job should no longer be a problem today. But tattoos produce memories just by their history. The recruiter then links these with experience or with the experiences he made with tattooed people. It is important
  9. 9. forprivate use only IX in the future to avoid rejection of an applicant just because he is tattooed. The social acceptance has to be increased. Because not everyone who wears a tattoo is automat- ically a criminal (cf. Jordan, Külpp, Bruckschen, 2013, p.142 f.). 15.01.2015
  10. 10. forprivate use only X Anmerkung: Die Verwendung der männlichen Form in der vorliegenden Arbeit schließt ausdrücklich beide Geschlechter ein. Diese Form wurde ausschließlich aus Gründen der leichteren Lesbarkeit gewählt und ist völlig wertfrei. Begriffe wie Be- werber meinen selbstverständlich Bewerber und Bewerberinnen, Tätowierer meint Tätowierer und Tätowiererinnen und Kunde meint Kunde und Kundinnen usw.
  11. 11. forprivate use only 1 1. EINLEITUNG 1.1 Motivation Die Motivation, das Thema "Tätowierungen und deren Einfluss auf Kommunikation, im speziellen auf Vorstellungsgespräche" zu behandeln, liegt in meinem persönli- chen Umfeld. Vor drei Jahren ließ ich mir das erste Tattoo stechen. Ich fragte damals meinen Tätowierer, ob es eine Sucht sei. Seine Antwort war kurz und knapp: "Ja". Heute, 3,5 Jahre später, ist mein rechter Arm von der Schulter bis zum Handgelenk verziert und ebenso meine linke Wade. In meinen bisherigen Jobs hatte ich nie Probleme mit meinen Vorgesetzten. Sie hat- ten und haben keine Einwände und gingen mit meiner Leidenschaft immer positiv um. Doch dieses Glück hat leider nicht jeder, wie einzelne Fälle beweisen. Eine Frau in England hatte im Herbst 2015 ein Vorstellungsgespräch bei einem Unternehmen. Sie erhielt den Job. Doch keine 30 Minuten später bekam sie prompt eine Absage ih- res neuen Arbeitgebers, nachdem dieser ihre Social Media Accounts angesehen hatte (vgl. Lhag, 2015). Der Aufschrei in den Medien war im Verhältnis aber relativ ge- ring. Doch dieses Problem scheint in der heutigen Zeit immer präsenter zu werden. Die Jugendlichen von heute lassen sich immer öfter tätowieren, das belegen diverse Studien (vgl. Meier, 2010, S.37). 1.2 Ziele Diese Arbeit soll die Einflüsse von Tätowierungen auf bestimmte Gesprächsverläufe darstellen und verständlicher machen. Die Personalmanager von heute sollen nicht mehr nur nach dem Äußeren gehen. Ein Bewerber soll unabhängig von seinem Auf- treten beurteilt werden, die Qualifikation soll im Vordergrund stehen. In einer Studie aus 2008/09 gaben immerhin 7,3% von 2733 Personen an, aufgrund eines Tattoos ei- ne Absage auf einer Bewerbung erhalten zu haben (vgl. Meier, 2010, S.37). Die Ar- beit soll für das Thema sensibilisieren und die negativen Einflüsse, die Tätowierun- gen nachgesagt werden, entkräften. Auf dass in Zukunft die Jobs von morgen nicht nur von Personen ohne Tätowierungen getätigt werden, sondern die Stellen der Zu- kunft etwas bunter gestaltet sind.
  12. 12. forprivate use only 2 1.3 Aufbau In Kapitel zwei wird die Definition des Begriffs, die Entstehungsgeschichte der Tä- towierung, die Tätowierkultur in Europa, die Verbreitung und auf den heutigen Stand der Forschung eingegangen. Im dritten Kapitel wird auf das äußere Erscheinungsbild eingegangen. Es werden unter anderem die Einflüsse auf die nonverbale Kommuni- kation beschrieben. Einzelne Punkte sind hierbei Bärte, Schmuck und dergleichen. Die einzelnen Punkte werden kurz angesprochen und ihr Einfluss auf die Gesprächs- kultur erläutert. Das vierte Kapitel setzt sich mit dem Einfluss von Tätowierungen auf Vorstellungsgespräche auseinander. Die Thematik der Diskriminierung, auch in der heutigen Zeit, zeigt auf, dass die Gesellschaft noch nicht gänzlich bereit ist, täto- wierte Personen zu akzeptieren. Im fünften und letzten Kapitel wird kurz resümiert und das bereits Geschriebene nochmal kurz zusammengefasst.
  13. 13. forprivate use only 3 2. DIE GESCHICHTE DER TÄTOWIERUNG 2.1 Definition & Herkunft des Begriffs Tätowierung Der Begriff Tätowierung bzw. die englische Form Tattoo ist in Europa erst seit Mitte des 18. Jahrhunderts bekannt. Der geografische Ursprung, so ist die einhellige Mei- nung, liegt auf den Inseln im südpazifischen Raum. Britische Seefahrer haben den Begriff und die ersten Motive auf der Haut bei ihren Reisen zurück nach Europa ge- bracht (vgl. Bidlo, 2010, S.14). Unter Tätowieren wird in der Moderne das dauerhafte Anbringen eines Farbpigments unter der Haut bezeichnet. Die Anbringung kann dabei manuell oder elektrisch erfol- gen. Bei der manuellen Technik, der sogenannten Bokaschi-Technik, wird eine Na- del oder ein Nadelkamm durch schnelle Bewegung unter die Haut gestochen. Die elektrische Technik hat sich seit der Patentierung der Tätowiermaschine durch den amerikanischen Tätowierer Samuel O'Reilly 1891 kaum bis gar nicht verändert. Mit- hilfe der Elektrizität wird eine Nadel mit hoher Frequenz durch eine Führungsröhre angetrieben und wie ein Kugelschreiber vom Tätowierer geführt (vgl. ebd., S.14). Das Wort Tatauierung wird in der Brockhaus Enzyklopädie wie folgt beschrieben: "... das Einstechen oder Einritzen von Ornamenten in menschl. Haut. In musterhaft angeordnete Stiche oder Schnitte reibt man Farbstoffe..." (Brockhaus, 1993, S. 647) Doch wie hat sich aus dem früheren Zweck, einer therapeutischen Bedeutung (vgl. Breyvogel, 2005, S.166), das heutige Bild eines Schmuckphänomens und einer viel besagten Ästhetisierung des Körpers (vgl. Bidlo, 2010, S.15) entwickelt? Die Aus- wahl der folgenden Kapitel soll stellvertretend für die einzelnen Stilepochen stehen und den Hintergrund kulturgeschichtlicher Aspekte der Körperbildästhetik in ihrem jeweiligen Weltbildkontext beleuchten. Von den Anfängen weit vor dem Jahre Null, bis hin zu überlieferten Funden überall auf der Welt, bis zum heutigen gesellschaft- lich akzeptierten Vorkommen der Tätowierung.
  14. 14. forprivate use only 4 2.2 Gletscherleiche bis zum Jahre 0 Am 19. September 1991 fand am Similaun-Gletscher auf 3200m Seehöhe das deut- sche Ehepaar Simon eine mumifizierte Leiche. Nach einer Radiokohlenstoff- Datierung stellte sich heraus, dass es sich um den Fund der ältesten Mumie der Welt handelte. Schätzungen zufolge war die Gletscherleiche 5200 Jahre alt (vgl. Bidlo, 2010, S.17). Forscher fanden heraus, dass die Leiche 47 Tätowierungen aufwies. Diese sollten je- doch nicht, wie heute üblich, der Körperverzierung dienen, sondern hatten vermut- lich einen therapeutischen Zweck. Denn die Stellen, an denen die Einritzungen ange- bracht waren, stellten sich als klassische Akupunkturpunkte heraus. Dies wurde vom Münchner Akupunkturarzt Frank Bahr 1998 herausgefunden. Die Male waren unter anderem an den Punkten für die Linderung von Beingelenk- und Wirbelschmerzen vorhanden. Markiert wurden diese Stellen mit Ruß, damit sie für weitere Behandlun- gen schnell auffindbar waren. Zudem wurde bei den Utensilien der Leiche eine Tä- towiernadel gefunden (vgl. Breyvogel, 2005, S.167). Abbildung. 1: Tätowierungen der Gletscherleiche (Quelle: Cooper-White, 2015) Doch nicht nur in Mitteleuropa waren Tätowierungen bereits sehr früh verbreitet. In Ägypten wurden Mumien gefundenen, darunter die der Priesterin Amunet, welche aus der Zeit um 2160 bis 1994 vor Christus stammt. Diese wiesen ebenfalls Einsti- che, welche abstrakte Muster und Striche darstellten, auf ihrem Körper, auf. Es wird
  15. 15. forprivate use only 5 vermutet, dass diese Art von Tätowierung in Ägypten einerseits den Sinn einer spiri- tuellen Verbundenheit darstellen sollte, als auch vor bösen Geistern und dem bösen Blick schützen sollte. Weitere Mumienfunde wurden in Sibirien und den Alpen bes- tätigt. Dies zeigt, dass Tätowierungen in verschiedensten Kulturen und vor allem an verschiedensten Orten bekannt waren. Hierbei handelte es sich nicht nur um Schön- heitsrituale, sondern um Riten, die gesellschaftlich anerkannt waren und einen be- stimmten Grund wie Religion, Gesellschaft, Stamm oder Familie hatten (vgl. Bidlo, 2010, S.20). 2.3 Jahr 0 bis ins frühe Mittelalter Das Tätowieren wurde unter anderem bereits in der Bibel erwähnt. Hierbei handelt es sich jedoch um das Verbot des Tätowierens bzw. das Ritzen in die Haut. Im Alten Testament steht zu lesen: "Für einen Toten dürft ihr keine Einschnitte auf eurem Körper anbrin- gen, und ihr dürft euch keine Zeichen einritzen lassen. Ich bin der Herr." (Lev 19,28) Ob hier jedoch explizit Tätowierungen gemeint waren, ist nicht eindeutig überliefert. Doch nicht nur in der Bibel wurden Tätowierungen abgelehnt. Bei den Griechen und Römern war das Anbringen von Farbe unter der Haut bis ins Altertum nicht überlie- fert. Wenn es doch dazu kam, waren gesellschaftliche Gegebenheiten oft der Ur- sprung. Die Male wurden als Ausdruck für die Kennzeichnung des Eigentums sowie zur Erniedrigung und Strafe angebracht. Die Römer hatten beispielsweise eine spe- zielle Vorgehensweise, um Falschmünzer zur Schau zu stellen. Dabei wurde eine er- hitze Münze auf die Haut eingebrannt. Urkundenfälschern wurde die Hand, mit der geschrieben wurde, markiert und Verrätern die Zunge. Neben den Römern und Grie- chen waren es auch die Hebräer, die Tätowierungen am Körper strikt ablehnten. Ebenso werden jegliche Körperveränderungen im Koran verboten. Im Gegensatz dazu fand man bei Arabern und Berbern traditionelle Tätowierungen. (vgl. Breyvogel, 2005, S.168 f). Ebenso fand man auch bei den Kopten, den ägypti- schen Christen, sichtbare Tätowierungen, meist am Handgelenk. Diese werden als Kreuze, Fische oder die Zeichen I.N., dargestellt. Hierbei handelt es sich um eine Art
  16. 16. forprivate use only 6 Erkennungszeichen (vgl. Bidlo, 2010, S.21). Dies war auch bei bosnischen Katholi- ken und armenischen Christen so üblich, um sich vom Islam abzugrenzen. Beim Konzil von Calcuth im Jahre 787 wurde ein generelles Tätowierungsverbot er- lassen. Die Kirche stellte Tätowierungen als Blasphemie dar und wollte dies unter- binden. Im 3. und 4. Jahrhundert gab es bereits solche Anwandlungen, unter anderem von Kaiser Konstantin. So gibt es bis heute kaum Beweise, dass die Menschen im Mittelalter Tätowierungen trugen (vgl. Breyvogel, 2005, S.168 f.). 2.4 Mittelalter bis in die frühe Neuzeit All diese Verbote von unterschiedlichsten Institutionen hielten die Entdeckungs- und Forschungsreisenden im 15. und 16. Jahrhundert jedoch nicht davon ab, ihre Körper zu verzieren. Seefahrer, welche sich oft auf den Weg machten, um neue Handelsrou- ten zu erschließen, ließen sich beispielsweise ein Kruzifix tätowieren. Dies geschah vor allem, um bei einem unerwartetem Umkommen, christlich beerdigt zu werden (vgl. Breyvogel, 2005, S.170). Aus diesem Grund wurden bis Mitte des 19. Jahrhun- derts Tätowierungen bestimmten Milieus zugeschrieben (vgl. Bidlo, 2010, S.22). Doch auch kirchliche Wallfahrer kamen oft mit Verzierungen, die den Kreuzweg Christi darstellten, von ihren Reisen nach Hause. Beginnend durch die Kolonialisie- rung im 17. Jahrhundert und die Verschleppung der Eingeborenen nach Europa, be- kamen Europäer erstmals tätowierte Eingeborene zu Gesicht. William Dampier brachte den ersten Südseeinsulaner 1691 nach Großbritannien. Dieser wurde in den wohlhabenderen Kreisen eine Zeit lang hoch angesehen. Anschließend wurde der Mann, der als Prinz Giolo bekannt war, an einen Schausteller verkauft. Er starb, da das Immunsystem des Insulaners nicht an die westlichen Krankheiten gewöhnt war (vgl. Breyvogel, 2005, S.172). 1769 brachte der Entdecker James Cook den Tahitia- ner Omai nach Großbritannien. In kürzester Zeit war auch er sehr bekannt und es bil- deten sich Menschenmassen um ihn herum, wenn er irgendwo auftauchte. Ebenso wurden nach seinem Erscheinungsbild verschiedenste Portraits von ihm angefertigt, welche ihn meist mit einem Turban auf dem Kopf und einem weißen Kostüm zeig- ten. Um für jeden erschwinglich zu sein, gab es die Portraits aus Kupfer oder Holz. Jedoch waren seine Tätowierungen kaum zu sehen, nur seine Hände ragten unter dem Gewand hervor und waren mit Einstichen auf der Haut abgebildet. Es ging so
  17. 17. forprivate use only 7 weit, dass Theaterstücke die Geschichte Omai's erzählten. Sie wurden in England und Deutschland aufgeführt (vgl. Oettermann, 1985, S.26). Unterdessen war es Cook, der als Erster in seinen Aufzeichnungen 1774 über seine Reisen den Begriff „tattaw“ verwendete. Daraus entwickelte sich der englische Begriff „tattoo“. Die deutsche Bezeichnung wurde zuerst über das Wort „tatauieren“ hergeleitet, welche später durch das Wort „tätowieren“ ersetzt wurde (vgl. Breyvogel, 2005, S.172). Neben den eingeschleppten Südseepazifikbewohnern wurden unter anderem auch Cherokeeindianer, Lappländer und Buschmänner aus Südafrika den Mitteleuropäern vorgeführt. Sie alle trugen zum großen Triumph des Kolonialismus bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts bei (vgl. Oettermann, 1985, S.29 f.). Aus dieser Zeit stammten auch die ersten Motive, die sich Europäer tätowieren lie- ßen. Durch die Seefahrten, zu denen sie immer wieder aufbrachen, wurden Abbil- dungen von Palmen und Inseln, die als Andenken galten, zu den beliebtesten bei den Entdeckern. Diese Motive sollten Bezug auf die Südsee nehmen. Zusätzlich wurden ihnen ein christlicher und biblischer Einfluss nachgesagt. Im Milieu der Seefahrer wurden sehr schnell die ersten erotischen Einflüsse sichtbar. Sie wurden etwa durch eine nackte Eva oder eine Schlange dargestellt (vgl. Bidlo, 2010, S.22 f.). Viele die- ser Motive gaben Anlass, die wildesten Geschichten und Sagen um deren Entstehung zu bekunden. So waren auch Personen tätowiert, die nie vorher eine Südseeinsel be- treten hatten. Neben den Seeleuten waren es auch Soldaten, konkrete Fälle waren in der französischen Armee bekannt, die immer öfter mit Hautstichen gesehen wurden (vgl. Breyvogel, 2005, S.173). Laut Cook konnten die Tätowierungen in vier Katego- rien eingeteilt werden: die bereits erwähnten Südseemotive, religiös beeinflusste Ab- bilder, Tätowierungen mit Erinnerungs- und Identifikationszeichen und Motive mit Hinweisen auf eine politische Parteizugehörigkeit. Durch Aufzeichnungen und Bele- ge ist nachgewiesen, dass Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts Tätowierungen in Eu- ropa sich immer größerer Beliebtheit erfreuten. So wurde in einem Invalidenhaus in Berlin bei 36 Personen eine Tätowierung festgestellt. Die Motive reichten von Kano- nen bis hin zu bildlichen Darstellungen, welche nicht weiter definiert wurden. Daraus könnte man schließen, dass sich aus der Vermischung von Motiven aus der Südsee und europäischen Bildern eine eigene, wiedererwachte Tradition in Europa entwi- ckelte (vgl. Oettermann, 1985, S.45 f.).
  18. 18. forprivate use only 8 2.5 Beginn der Moderne Wie bereits in den vorhergehenden Kapiteln beschrieben, war der Triumph des Tat- toos eng mit der Zurschaustellung verbunden. Manche Eingeborene wurden an Jahr- märkte verkauft, andere gelangten mit Schiffen wieder zurück in ihre Heimat. Diese Situation hielt in Europa bis ins 20. Jahrhundert an, ehe diese Volksfeste und die da- mit entstandene und verbundene Tradition des Umherziehens und des Vorzeigens der Wilden mehr und mehr an Wert verlor (vgl. Breyvogel, 2005, S.174). Die ebenso bereits erwähnte Tätowiermaschine, erfunden und patentiert von Samuel O-Reilly 1891, trug ihren Teil zum Boom bei (vgl. Bidlo, 2010, S.14). Mit Hilfe von Kartons, auf denen verschiedenste Motive einzusehen waren, konnten Kunden in den ersten Tattoostudios sich verzieren lassen. Dies ging so weit, dass in Deutschland Zeitungen Inserate enthielten, in denen neue Hautverzierungskünstler gesucht wur- den. Oettermann schrieb, dass in Deutschland Berichten zufolge bereits bis zu 20% der Bevölkerung tätowiert waren (vgl. Oettermann, 1985, S.58). Doch dies war nicht in allen Bevölkerungsschichten so stark ausgeprägt. Hauptsächlich ließen sich zur Unterschicht zählende Personen ihren Körper verzieren. Doch auch in Adelshäusern waren Tätowierungen sehr beliebt. Unter anderem erwarb der spätere englische Kö- nig Eduard VII bereits in seiner Jugend in Japan eine Tätowierung. Neben dem eng- lischen Adelshaus war auch in Österreich bereits die Körperverzierung bekannt. Eli- sabeth, Kaiserin von Österreich, brachte von einer Griechenlandreise ihr Erinne- rungsmal mit. Doch nicht nur in den angesehenen Schichten erfreuten sich Tätowie- rungen immer größerer Beliebtheit. Sie hatten auch einen weit pragmatischeren bzw. rechtspraktischeren Sinn (vgl. Breyvogel, 2005, S.174). In Parisern Spitälern wurden Kindern bereits nach ein paar Tagen ein Mal ange- bracht, damit es nicht zu Verwechslungen mit anderen Kindern beim Verlassen der Klinik kam. In Österreich waren es die Tiroler Bauern, die ihre Kinder mit bestimm- ten Zeichen versahen. Denn die Eltern dieser Kinder schickten ihre Sprösslinge zu anderen Bauern bzw. ins Ausland, um Arbeit zu verrichten. Kamen die Kinder dann wieder über den Winter zu ihren Angehörigen, konnten sie über die Male und Zei- chen identifiziert werden (vgl. Bidlo, 2010, S.25).
  19. 19. forprivate use only 9 Während des Regiments der Nationalsozialisten in Deutschland spielten Tätowierun- gen ebenfalls eine große Rolle. Denn sie gewährten den Nazis die Macht über den Körper von anderen, von ihnen nicht geduldeten Individuen. Jeder Häftling wurde bei seiner Ankunft im Konzentrationslager mit einer Nummer versehen. Damit nahm man den Gegnern auch das letzte Stück Persönlichkeit, das sie hatten und reduzierte sie auf eine Nummer. Es waren nach geraumer Zeit die verschiedensten Motive vor- handen, um die Häftlinge untereinander zu unterscheiden. Es gab unter anderem spe- zifische Tätowierungen für Bibelforscher und beispielsweise für Berufsverbrecher. Daneben brachten sich die Soldaten auch selber Tätowierungen bei. Es wurde die Blutgruppe eintätowiert, um im Notfall eine schnellstmögliche Versorgung zu ge- währleisten (vgl. Oettermann, 1985, S.109 f.). Abbildung 2: Das "gerechte" System der Differenzierung. (Quelle: Oettermann, 1985, S.111) Aber nicht nur die Nationalsozialisten benützten die Tätowierungen. Sie wurden auch weiterhin als leichte Körperstrafe eingesetzt. Dies war meist mit starken Schmerzen verbunden und sollte den Tätern eine Lehre sein. Der Psychiater Cesare
  20. 20. forprivate use only 10 Lombroso veröffentlichte bereits 1876 ein Dokument. In dieser Schrift ging es um den Zusammenhang von tätowierten Straftätern und der Bedrohung für den Kultur- menschen. Lambroso vermutete, dass das Begehen von Straftaten im Zusammenhang mit Tätowierungen steht. Eine hohe Anzahl an Bürgern fand diese Idee schlüssig und bekräftigte damit Lambroso's Hypothese. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden auch die Aufzeichnungen über Tätowierungen weniger. Autoren, wie etwa Walther Schönfeld, sagten in den sechziger und siebziger Jahren sogar das Ausster- ben der Tätowierung voraus. Dies war der richtige Zeitpunkt, in denen sich die ersten Banden und Gangs in Amerika bildeten und für Aufsehen sorgten. Tattoos bekamen wieder einen Aufschwung, da Rocker und Biker sich die Haut verzieren ließen und durch rivalisierende Kämpfe in die Schlagzeilen gerieten. Diese Gruppierungen wa- ren Vorbilder für die Jugend. Es bildeten sich die ersten Motorradclubs, Szenen rund um Punks und Skinheads entwickelten sich (vgl. Breyvogel, 2005, S.176 f.). 2.6 Aktuelle Moderne Nach dem Tattoo-Boom vom Anfang bis Ende der 1990er waren es die Medien, die Tattoos wieder in aller Munde brachten. Es wurde über Hollywoodstars, Musiker und Schauspieler berichtet und jeder von ihnen hatte ein Tattoo. TV-Formate wurden ins Leben gerufen, in denen Leute ihre alten Tätowierungen überstechen ließen. Auf der anderen Seite wurde über neu gegründete Studios berichtet, die sich vor allem in den Vereinigten Staaten einen großen Namen machten (vgl. Hulvershorn, 2011, S.12). Die Tätowierung fand langsam, jedoch stetig, den Weg vom Merkmal von Rand- gruppen und Außenseitern hin zum Symbol von Weltstars und postmodernen Ju- gendlichen. Diese Körpermodifikationen erfreuen sich immer größerer Popularität und Beliebtheit. So sind es eben diese Rollenvorbilder, die das Tabu Tattoo brechen. Eine Studie aus den USA aus dem Jahr 2006 gibt an, dass 24% der 18-50 Jährigen tä- towiert sind. Ähnliche Studien gibt es aus Australien (2012), Polen (2008), Italien (2010) und England (2008). Selten sind es Berühmtheiten, die Leute inspirieren, sich tätowieren zu lassen. Für viele (42%) ist ein bestimmtes Ereignis in ihrem Leben An- lass, sich ein Motiv in die Haut stechen zu lassen. Das Erscheinungsbild eines Tat- tooträgers sollte prinzipiell immer individuell untersucht werden (vgl. Hofmeister D., Borkenhagen A., Brähler E., 2013, S.77 f.).
  21. 21. forprivate use only 11 Tätowierungen gelten heutzutage als Körperschmuck. So soll den Menschen Aner- kennung, Respekt und Toleranz entgegengebracht werden. Doch findet nach wie vor eine gesellschaftliche Diskriminierung statt. Tätowierte Menschen erleben einen Ausschluss etwa bei Jobvergaben oder werden gebeten, in ihrem Beruf ihre tätowier- ten Körperstellen zu bedecken (vgl. Meier, 2010, S.16 f.). Aus diesem Grund beschäftigen sich die folgenden Kapitel mit verschiedenen Ein- flussfaktoren auf die nonverbale Kommunikation in Gesprächen. Zum späteren Zeit- punkt wird dabei speziell auf den Einfluss auf Bewerbungsgespräche und deren Ver- lauf eingegangen. 2.6.1 Ansichten, die in den Köpfen verankert sind Dass Tätowierungen bis heute behaftete oder voreingenommene Ansichten hervorru- fen, dürfte auf früher entstandene Klischees zurückzuführen sein. Bereits Lombroso's Theorie des Homo Delinquens besagte, dass Tätowierungen automatisch in Verbin- dung mit Verbrechen gebracht wurden. Er beschränkte sich dabei auf der äußere Er- scheinungsbild (vgl. Bidlo, 2010, S.10). Laut Oettermann wurden Tätowierungen verwendet, um als Kleidung zu dienen oder dienten als Kriegsbemalung. Diese An- sichten haben sich bis heute in den Köpfen der Menschheit festgesetzt (vgl. Oetter- mann, 1985, S.12).
  22. 22. forprivate use only 12 3. ÄUßERES ERSCHEINUNGSBILD - NONVERBALE FAKTOREN UND EINFLÜSSE AUF DIE KOMMUNIKATION Die Körpersprache des Menschen umfasst neben verbalen Inhalten auch die nonver- bale Kommunikation. Hierbei handelt es sich um beispielsweise Gestik, Mimik, Be- rührungen und Informationen, die durch Gerüche hervorgerufen werden. Diese In- formation wird durch ein solches nonverbales Signal verstärkt oder abgeschwächt. Hinzu kommt, dass das äußere Erscheinungsbild einer jeden Person ebenfalls dazu beiträgt. So können Kleidung, Haare, Bart, Piercings und Schmuck die Eindrücke sowohl positiv als auch negativ verstärken. Die gesprochene Sprache wird seit ihren Anfängen erforscht, im Gegensatz dazu ist die Erforschung von nonverbalen Signa- len noch sehr jung und unerforscht (vgl. Broszinsky-Schwabe, 2011, S.117 ff). 3.1 Kleidung Bereits Jugendliche wissen, dass die Kleidung, die sie tragen, immer etwas über den Träger aussagt. Zerrissene Turnschuhe und Jogginghosen können auf andere einen ungepflegten Eindruck machen, jedoch kann sich der Jugendliche, der diese Klei- dung trägt, wohlfühlen und damit in seiner Clique voll akzeptiert werden. Es geht darum, sich selbst zu präsentieren und seinem Stil treu zu bleiben. Durch diese Art von Selbstbestimmtheit haben viele Personen das erste Mal die Option, nicht mehr von den Eltern auferlegt zu bekommen, was sie anziehen müssen und womit sie auf die Straße gehen dürfen. Ein prüfender Blick in den Spiegel, bevor man außer Haus geht, ist unumgänglich. Die getragene Kleidung könnte ein Bild vermitteln, das dem Ansehen der Jugendlichen in ihrem Freundeskreis, schadet. Die verschiedenen Büh- nen, wie Schulfeste, Familienfeste und der Besuch einer Disco, auf denen Jugendli- che mit der Zeit auftreten, bestimmen die Wahl der Kleidung. Die Erwartungen und soziale Regeln veranlassen Personen darüber nachzudenken, wie sie ihren Klei- dungsstil wählen. Bereits im 18. Jahrhundert wurde Kleidung eingesetzt, um eine be- stimmte Ordnung hervorzurufen. Sie war der Eintritt, um gesellschaftlich anerkannt und akzeptiert zu werden (vgl. König, 2007, S.299 ff). Um sich einen Eindruck des Gegenübers zu verschaffen, hilft das physische Erschei- nungsbild. In einigen Teilen der Welt dient Kleidung, um zu kategorisieren. Unifor-
  23. 23. forprivate use only 13 men, religiöse Bekleidungen sowie Berufsbekleidung geben visuell Auskunft über deren Träger. Auch fremde Personen werden nach Art ihrer Bekleidung eingestuft. Kulturelle Grenzen werden sichtbar und als Ausdruck der eigenen Identität gewertet. Bei gesellschaftlichen Meetings wird in Japan der Geschäftspartner unauffällig ge- mustert. Großer Wert liegt darauf, ob ein Markenanzug getragen wird, welche Marke das Mobiltelefon hat und von welcher Marke die Uhr ist. Zudem wird in Asien und im arabischen Raum das Tragen legerer Kleidung als beleidigend und respektlos empfunden. Was das Tragen von Statussymbolen anbelangt, verhält es sich in westli- chen und Industrieländern sehr ähnlich. (vgl. Broszinsky-Schwabe, 2011, S.122). Ganz anders verhält sich dies beispielsweise bei den Amish. Sie bewahren seit Jahr- hunderten ihre Traditionen. Ein Teil davon ist der Kleidungsstil. Männer tragen schwarze Anzüge und Frauen Hauben. Ebenso lehnen sie Technik, wie Telefon und Computer ab (vgl. ebd., S.81). Neben dem Freundeskreis hat auch die Szene, in der man verkehrt, einen großen Ein- fluss auf das Auftreten. Die Mode muss stimmig sein, ändert sich aber stetig. Die zum jetzigen Zeitpunkt getragene Kleidung muss als Gesamtbild im Einklang sein und darf keinen Angriffspunkt bieten. Denn sonst kann es passieren, dass jemand, der aufgerissene Jeans und Trägershirt trägt, auf der Straße angepöbelt wird. Wahr- scheinlich passiert dies nicht von älteren Personen, die kein Verständnis dafür haben. Die Kritik kommt von Gleichaltrigen, denen der Kleidungsstil gegen den Strich geht (vgl. Baacke, Volkmer, Dollase, Dresing, 1988, S.38 ff). "4. Mode ist nichts als dekorative Oberfläche. Sie überdeckt den wahren Charakter – wenn er überhaupt vorhanden ist: Durch übertriebene Ver- äußerlichung wird der Charakter gleichsam wegretuschiert." (Baacke, Volkmer, Dollase, Dresing, 1988, S.42) Kleidung und der Grund, aus welchem sie getragen wird, interpretiert jeder selbst. Persönlich gefällt einem, was man trägt. Das Gegenüber deutet es vollkommen an- ders. Mode bildet einen eigenen Raum der Kommunikation und hat den Zweck zu faszinieren (vgl. ebd, S.51 f.).
  24. 24. forprivate use only 14 3.2 Haare Die Haare sind, neben der Kleidung, ein ebenso wichtiges Merkmal der nonverbalen Kommunikation. Bis auf wenige Ausnahmen, wie Personen mit Glatze, sind Haare immer ein fester Bestandteil des Erscheinungsbilds. Dass die Wirkung der Haare auf einen Gesprächsverlauf oder ein Meeting Einfluss hat, hängt von der Interpretation ab. Der psychologische Aspekt des Einflusses von Haaren auf die nonverbale Kom- munikation ist bisher kaum erforscht worden. Dabei spielt die Pflege der Haare be- reits eine große Rolle. Ungewaschene und fettige Haare lassen darauf schließen, dass die Person ungepflegt ist und nicht viel Wert auf ihr äußeres Erscheinungsbild legt. Gepflegte Haare und eine passende Frisur lösen hingegen Sympathie und größere Gesprächsbereitschaft gegenüber dem Partner aus. Eine Hochsteckfrisur wird in ei- nem geschäftlichen Gespräch passender sein als verfilzte Haare. Eine Frisur gibt ei- nen großen Teil über den Träger preis. Wenn dieser mit seinen Haaren nicht zufrie- den ist, ist es für ihn schwierig, sich selbst zu akzeptieren. Sobald man sich selbst ak- zeptiert, werden auch andere Menschen einen positiv beurteilen. Nonverbale Zeichen geben viel Aufschluss über uns selbst und andere. Es werden Gefühle, Informationen und Wertungen mit ihnen verbunden. Dies geschieht, ohne nach der objektiven Rich- tigkeit der Frisur zu fragen (vgl. Bergler, Hoff 2001, S.75 ff). Die lange vorherrschende Meinung, dass bestimmte Frisuren nur von Männern oder Frauen getragen werden können, wurde mit der Zeit ad acta gelegt. Frisuren werden nicht mehr nur von einem Geschlecht getragen. So sind Frauen mit Glatze ebenso keine Seltenheit mehr wie Männer mit langen Haaren. Zusätzlich können bestimmte Frisurtypen bestimmte Gesten und Handlungen unterstreichen und bekräftigen. Haa- re drücken sowohl etwas Körperliches aus, als auch etwas Modisches. Gesten werden zu Indikatoren von Gefühlen. Gleichzeitig wird der absichtliche Ausdruck, sich durchs Haar fahren, verständlich gemacht und untermauert. Radikal ändern kann dies sich, wenn die Haare stark gekürzt werden, dass man den Träger nicht mehr wieder- erkennt. So ändert sich die eigene Identität nicht nur für die Person selbst, sondern auch für das Gegenüber. Eine Veränderung der Kommunikation wird dadurch ebenso deutlich, wie die Änderung des nonverbalen Ausdrucks. Welche Absicht steckt hin- ter dem Wandel? Eine solche radikale Veränderung tritt jedoch selten auf. Im Gegen- satz dazu werden bestimmte Frisuren nur zu bestimmten Anlässen frisiert. So ge-
  25. 25. forprivate use only 15 schieht dies bei langjährigen Traditionen und Ritualen. Bei Hochzeiten werden sie verschleiert oder bei Beerdigungen das letzte Mal geschnitten. Häufig ist dies der Fall bei einschneidenden biographischen Erlebnissen. Die Haare werden von der Re- quisite zur Kostümierung. Der Zusammenhang liegt dabei in der Inszenierung. Es soll der Träger selber oder das Gesicht betont werden. Nonverbal kann hier eine Stärke kommuniziert werden. Bei einer aufwändigen Hochsteckfrisur für eine festli- che Veranstaltung können die Haare großen Ausdruck vermitteln. Eine der Schwä- chen von Frisuren ist die Vergänglichkeit. Die oben erwähnte Hochsteckfrisur ist nicht von langer Dauer. Gegen Ende einer Veranstaltung oder spätestens zu Hause wird die Frisur wieder in den altbekannten Pony verwandelt (vgl. Janecke 2004, S.27 ff). Mit Frisuren ist es möglich, bestimmte Vorlieben darzustellen und auch bestimmte Kommunikationssituationen hervorzurufen. Die größte Mitwirkung tragen sie aber an der Verpackung des Trägers. Sie sollen einen Schein unterstützen, wie der Träger bewusst von seiner Umgebung wahrgenommen wird (vgl. ebd., S.30). 3.3 Bart Wietig schrieb in einem 2005 erschienen Artikel, dass die Anzahl der Männer die ei- nen Bart tragen, in den letzten Jahrzehnten stark gesunken ist (vgl. Wietig, 2005, S.365 f.). Dies widerlegt jedoch Standop in seinem aktuellen Buch (vgl. Standop, 2015, S.219). Darin behauptet er, dass die Anzahl der Bartträger in den letzten Jahren stark angewachsen ist. Der Bart ist das am schnellsten wachsende Haar des mensch- lichen Körpers. Dabei sind Männer aus Europa gegenüber Bewohnern in Asien mit mehr Wachstum gesegnet. So kann der Bart im Laufe eines Lebens 9 Meter Länge erreichen. Seit jeher steht das männliche Gesichtsharr für Dominanz, Unterstreichung der Männlichkeit und sexuelle Potenz. Es gibt Auskunft über gesellschaftliche Stel- lung und Gruppenzugehörigkeiten (vgl. ebd., S.219). Ob Bart getragen wird oder nicht, ist, wie bereits im Kapitel Kleidung erwähnt, von Modetrends und Sitten ab- hängig (vgl. Kapitel 3.1, S.12). Ähnlich wie bei Tätowierungen war der Bart bereits vor 5000 Jahren bekannt. Ägyptische Herrscher ließen den Bart wachsen, um damit den Anspruch auf den Thron zu bekräftigen. Unterstützt wurde dieser Anspruch, in- dem der Bart schwarz eingefärbt wurde. Das Lesen eines Gesichts mit Bart fällt
  26. 26. forprivate use only 16 schwer. Er verdeckt die typischen Merkmale, mit denen auf Gesundheit und Moral- verständnis geschlossen werden können. Doch der Bart selbst kann über dessen Trä- ger Auskunft geben. Die verschiedenen Barttypen spiegeln unterschiedliche Persön- lichkeiten wieder. Männer mit Schnurrbärten wollen anziehend wirken. Je mehr der Bart in Form gebracht und gezwirbelt ist, desto höher kann die Kreativität einge- schätzt werden. Wilde Schnurrbärte lassen den Träger unabhängiger wirken. Der Vollbartträger spiegelt einen sozialen Menschen wider. Er kümmert sich um seine Freunde und Mitmenschen. Der Dreitagebart drückt meist Abenteuerlust und Unge- bundenheit aus. Er ist auch der am häufigsten getragene Bart. Hierzu etwas später mehr. Widerstandskraft wird vom typischen Ziegenbart unterstrichen. Er betont das Kinn, welches für Moral steht. Individualisten tragen häufig Zwirbelbart. Er zeugt von Kreativität. Nicht zu verwechseln mit Eitelkeit und Selbstverliebtheit, dies sind die negativen Ausdrücke, die dieser Bart vermittelt. Der spärliche Bart, er wächst nicht gleichmäßig im Gesicht, bringt Zaghaftigkeit zum Ausdruck. Träger werden als unbeständig abgestempelt. Ein berühmter Vertreter hiervon war Che Guevara (vgl. Standop, 2015, S.224 ff). Ähnliche Schlüsse zog Wietig bereits 2005 in einem Artikel. Ein Bart lädt zum Kommunizieren ein. Er trägt dazu bei, dass bereits visuell kommuniziert wird, noch bevor die Gesprächspartner ein Wort gewechselt haben. Der Artikel, der eine Studie aus 2003 interpretiert, gibt in vielen Prozentzahlen an, wie Bart wirkt. So sagen 47% der Bartträger, dass sich Blickkontakte häufen. Für die Kommunikation bedeutet dies, dass die Optik des Bartes darauf Einfluss hat. Die größte Übereinstimmung al- ler in dieser Studie befragten Probanden wurde auf die Frage nach der Unkonventio- nalität eines Dreitagebarts gegeben. Ein Bart bewirkt eindeutige Botschaften in der Kommunikation. Persönlichkeitsmerkmale können damit unterstrichen werden (vgl. Wietig, 2005, S.368 f.). In ihrer Dissertation aus dem Jahr 2005 schrieb Wietig, dass fast jeder Sechste in sei- nem Job keinen Bart tragen kann. Dies hat zur Folge, dass die Leistungsenergie zu- gunsten der Normanpassung zugrunde geht. Vorteil wiederum ist, dass durch den damals anhaltenden Kult um Bodybuilding und ähnliches, die berufliche Leistung auch durch das Erscheinungsbild beurteilt wird. Dies war früher weniger der Fall (vgl. Wietig, 2005, S.81 f.).
  27. 27. forprivate use only 17 "Körper- und Modebewusstsein, Interesse ... scheinen bevorzugt mit viri- ler Darstellungskompetenz vereinbar zu sein..." (Wietig, 2005, S.370). 3.4 Piercings Piercings fallen unter den Begriff der Kosmetik. Kosmetik ist seit Jahrtausenden be- legt. Das Hauptaugenmerk liegt zum großen Teil auf dem Begriff der Selbstdarstel- lung. Darunter verstehen sich auch dauerhafte persönliche Ausschmückungen. Mit Hilfe von Kosmetik soll betont und korrigierend in die eigene Schönheit eingegriffen werden. Piercings sind in diesem Zusammenhang als invasive, in und unter die Haut gebrachte, Symbole anzusehen. Ähnlich wie bereits in den vorigen Kapiteln sollen Status, Ansehen und Zugehörigkeit vermittelt werden. Im Gegensatz zu Kleidung, Haaren und Bart, sind Piercings von Dauer. Bereits in frühen Hochkulturen galt das äußere Erscheinungsbild als Zeichen der nonverbalen Kommunikation. Piercings er- leben, gemeinsam mit der Kosmetik, im 20. Jahrhundert einen großen Aufschwung. Diese Ringe unter beziehungsweise in der Haut werden meist sichtbar und stolz ge- tragen. Sie zeigen Zugehörigkeit und sollen als Instrumente der Gesinnung und Ab- sicht dienen. Großer Einfluss wird gleichzeitig auch auf die erotische Kommunikati- on ausgeübt (vgl. Jung, Funke, 2015, S.200 f.). Diese Piercings werden nicht für die Erhöhung der erotischen Stimulation gestochen. Ebenso wenig sind sie direkt an den Partner gerichtet. Hintergründe für Genitalpier- cings sind meist eigene traumatische Erlebnisse. Mittels eines kontrollierten Settings ist es für den Träger möglich, über die Jahre abgespaltene Körperteile wieder in den eigenen Körper zu integrieren. Viele dieser Piercings werden auf sogenannten Con- ventions gestochen. Auf diesen Veranstaltungen geht es darum, sich mit Gleichge- sinnten auszutauschen, und die sonst gültigen sozialen Regeln sind größtenteils außer Kraft gesetzt. Mit Personen gleicher Vorlieben kommt man leichter ins Gespräch und erfährt, was ihre Gründe waren, sich die Haut mit Ringen zu versehen. Durch das ge- samte Ambiente ergibt sich ein Zugehörigkeitsgefühl für die Beteiligten. Mittels Piercings wird dem Körper eine große psychische Relevanz zugetragen. Der Körper ist keine unantastbare, unveränderbare Größe mehr. Er wird zum Kulturprodukt (vgl. Stirn, 2004, S.258).
  28. 28. forprivate use only 18 Mit Hilfe dieses Körperschmucks wird versucht, auf individuelle Merkmale zu set- zen. Sie sollen den Betrachter innerhalb von drei Sekunden davon überzeugen, mit dem Gegenüber ins Gespräch zu kommen oder zumindest Fragen aufzuwerfen, wa- rum gerade dort gestochen wurde. Der Nachteil von Piercings liegt darin, dass es sich hier um einen Eingriff handelt, der sich nicht ohne bleibende Schäden entfernen lässt. Es sollte gut überlegt und Beratung eingeholt werden, bevor man sich dazu ent- schließt, ein Piercing zu bekommen (vgl. Jung, Funke, 2015, S.205). Gepiercte möchten die Grenzen des normierten Körperbildes überschreiten und neue Schönheitsideale ins Leben rufen. Denn Piercings dienen nicht ausschließlich der Wiedergutmachung für den Körper oder als Zierde, sondern haben einen nonverbalen Wert (vgl. Stirn, 2004, S.259). 3.5 Schmuck Die Wahl des Schmucks hing früher in erster Linie davon ab, welche Kleidung ge- tragen wurde. Die Kleidung hing davon ab, wo man lebte. In kälteren Bereichen der Erde war der Körper fast zur Gänze eingepackt und verhüllt. Das Tragen von Schmuck wurde dadurch größtenteils verdrängt. In den wärmeren Regionen wurde vom Körper nur das Nötigste verdeckt und so blieben genug Stellen, um Schmuck zu tragen. Dies geschieht bei Naturvölkern vollkommen unbewusst. Über Jahre hinweg hat sich für jeden Stamm eine bestimmte Art Schmuck zu tragen gefestigt. Er gibt Aufschluss darüber, wie der Stand in der Gesellschaft und das Ansehen ist. Anderen Stämmen ist es damit möglich, jemanden einzuschätzen, ohne auch nur einmal mit- einander kommuniziert zu haben (vgl. Heit; Kenntner; Launinger, 2002, S.1 f.). Durch die Globalisierung ist es möglich, jeden Winkel der Erde zu bereisen. Dies hat zur Folge, dass traditioneller Schmuck als Souvenir mitgebracht wird. Der Besucher schließt aus dem Mitgebrachten auf die Kultur und Gewohnheiten des besuchten Landes. Dies wird oftmals falsch interpretiert (vgl. Broszinsky-Schwabe, 2011, S.80). Eine geschlechterspezifische Trennung ist bei Körperschmuck oftmals erkennbar. Ringe können aussagen, ob die Person verheiratet oder ledig ist. Bei Männern kön- nen Siegelringe eine bestimmte Zugehörigkeit symbolisieren. Dabei ist nicht immer sicher, ob das überhaupt erkannt werden soll. In Industrieländern wird mittels
  29. 29. forprivate use only 19 Schmuck auch eine Klassengesellschaft dargestellt. Je reicher man ist, desto mehr behängt man sich mit Schmuck. Pompöse Halsketten aus Gold sollen auf Reichtum deuten und sind prestigeträchtig. Erbstücke können ebenfalls als Abgrenzungsmerk- mal herangezogen werden. Schmuck, der sich seit Jahrzehnten in Familienbesitz be- findet, lässt auf starke Verbundenheit zur Familie und Vorfahren schließen. Allen- falls kann mittels Schmuck noch annähernd das Alter des Trägers bestimmt werden. Junge Leute tendieren dazu, wenig Schmuck zu tragen, während ältere Personen den Schmuck nach der Wahl der Kleidung bestimmen (vgl. Hauser-Schäublin, 1988, S.6 f.). Jüngeren Menschen fehlt meist jedoch das nötige Kapital, um in Körperverzie- rungen aus Gold oder Silber zu investieren. Zu weiteren psychosozialen Eigenschaften von Schmuck zählen folgende Punkte. Die Aussagekraft über den sozialen Rang. So können Ringe auch als Auszeichnung verliehen werden oder als Geschenk zur Verlobung erhalten werden, um anderen zu signalisieren, dass man vom Markt ist. Schmuck kann auch in der Funktion eines Glücksbringers vorkommen. Mit einem bestimmten Schmuckstück werden Erinne- rungen an einen sehr glücklichen Moment verbunden. Dieses Glück könnte mit dem Tragen des Talismans jederzeit wieder geschehen. Schmuck kann aber auch als Eis- brecher zwischen Unbekannten dienen. Designer versehen ihren Schmuck mit un- verkennbaren Merkmalen. Nur wenn einer Person diese Merkmale bekannt sind, ist es möglich, mit anderen Personen ins Gespräch zu kommen, da man Schmuck des- selben Designers trägt (vgl. Knerr, 2009, S.15 f.). Abschließend ist zu erwähnen, dass alle beschriebenen Faktoren ihren Teil zu non- verbaler Kommunikation beitragen. Jeder für sich zwar auf eine eigene Weise. Die meisten geben aber über den sozialen Rang, Status, Zugehörigkeit und Selbstdarstel- lung Aufschluss.
  30. 30. forprivate use only 20 4. DER EINFLUSS VON TÄTOWIERUNGEN AUF DIE KOMMU- NIKATION IN VORSTELLUNGSGESPRÄCHEN Bewerbungsgespräche zu führen heißt, den Mittelweg zwischen Bewerber und Inter- viewer optimal zu gestalten. Es gibt verschiedene Methoden, um mehr von dem po- tentiellen Kandidaten zu erfahren. Das persönliche Interview, ein in der Fachsprache so genanntes Tandem Interview, wobei der Kandidat von zwei Personen befragtwird. Die dritte Möglichkeit ist ein Assessment Center. Letzteres wird häufig in großen Unternehmen angewandt, um früh zu selektieren (vgl. Kanning, 2015, S.71 ff). Im Folgenden wird, wenn nicht ausdrücklich anders erwähnt, Bezug auf das Tandem- oder das Einzelinterview genommen. Die Interpretationen sollen immer aus der Sicht des Interviewers gesehen werden. 4.1 Bewerbungsgespräche im Allgemeinen Die Vorbereitung fängt bereits bei der Auswahl der potentiellen Kandidaten an. Jede Bewerbung wird eindringlich studiert und aufkommende Fragen sollen in der Vorbe- reitungsphase notiert werden, um sie später zu klären. Für die Dauer des Gesprächs werden Störquellen entfernt und sichergestellt, dass alle Beteiligten genug Zeit auf- bringen, um das Interview in Ruhe zu führen. In der Regel dauert ein Gespräch zwi- schen 60 und 90 Minuten. Um von Vornherein eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, ist dem Kandidaten genügend Wertschätzung entgegenzubringen. Dies bringt postwendend mehr Offenheit des Bewerbers und nimmt die Anspannung. Mit Hilfe der 85:15 Regel wird die Aufteilung der einzelnen Teile strukturiert. Der Inter- viewer soll vermeiden, dass der Kandidat zu wenig zu Wort kommt (vgl. Jordan, Külpp, Bruckschen, 2013, S.104 ff). Der Grad der Strukturierung eines Interviews ist nicht immer zwingend vorgegeben. Es können zwei unterschiedliche Formen ange- wandt werden. Entweder das gänzlich durchstrukturierte Interview oder ein voll- kommen Unstrukturiertes. Meist kommt es zu einer Mischform der beiden, da der Gesprächsführende sich durch Eingebungen leiten lässt. Mittels eines strukturierten Interviews werden die wichtigsten Anforderungen abgeklärt. Zur Bewertung dient ein Punktesystem. Die Antworten des Bewerbers werden mit Punkten gewertet und am Ende zusammengezählt. Hier gilt es in bestimmten Abschnitten eine Mindestan- zahl zu erreichen. Wird diese nicht erreicht oder kommt kein geeigneter Kandidat in
  31. 31. forprivate use only 21 Frage, wird die Stelle neu ausgeschrieben. Beim unstrukturierten Interview wird mit- tels Fragen versucht, den Bewerber einzuschätzen. Das Fehlen eines Leitfadens er- schwert die Einschätzung der Eignung des Kandidaten. Bei dieser Entscheidung han- delt es sich meist um eine rein situative und wie der Personalverantwortliche mit dem Kandidaten zurechtgekommen ist (vgl. Kanning, 2015, S.108 f.). Dies sind die groben Rahmenbedingungen eines Vorstellungsgesprächs. 4.2 Psychologische Einflussfaktoren auf Vorstellungsgespräche Noch bevor ein Bewerbungsgespräch zustande kommt, spielen bereits einige psycho- logische Faktoren eine große Rolle. Verbreitete, jedoch größtenteils falsche Schlüsse lassen sich bereits aus dem Foto, dem Lebenslauf und dem Anschreiben ziehen. Das Foto wird instinktiv mit Anziehung oder Ablehnung verbunden. Der Lebenslauf kann Lücken enthalten, die der Personalverantwortliche mit mangelndem Aushaltevermö- gen in Verbindung bringt. Im Anschreiben, behaupten manche, können sie herausle- sen, wie der Bewerber später in ein Team passt (vgl. Kanning, 2015, S.153 f.). In klein- und mittelgroßen Unternehmen werden Personalentscheidungen von Hob- bypsychologie beeinflusst. Durch die Größe der Betriebe ist selten ein ausgebildeter Personalmanager Teil des Teams. Eindrücke und Informationen, die in Gesprächen gesammelt werden, durchlaufen einen "Filter subjektiver Erfahrungen und Erwartungen…". (Jordan, Külpp, Bruckschen, 2013, S.143) Der Kandidat wird in eine Schublade gesteckt, in der sich bestimmte Erinnerungen mit von ihm Gesagten verbinden lassen. Die rationale Sichtweise wird getrübt und die wesentlichen Anforderungen gehen verloren. Bei einem ersten Zusammentreffen entscheiden sieben bis fünfzehn Sekunden, um sich einen ersten Eindruck zu ver- schaffen. Kleidung, Schmuck und Haare spielen hier eine zentrale Rolle. Vorherr- schende Persönlichkeitstheorien, wie etwa, dass eine lange Studiendauer auf Faulheit schließen lässt, fließen mit in die Entscheidungsfindung ein und können zu einem Vorurteil werden (vgl. ebd., 2013, S.142 ff). Argyle schreibt, dass ebenso der Ge- sichtsausdruck, die Körperhaltung und die Stimme etwas hervorrufen. Diese Eigen- schaften können sowohl positiv als auch negativ gewertet werden. Der Körperbau
  32. 32. forprivate use only 22 des Bewerbers kann auch viel über dessen Zustand aussagen. So sind muskulöse Per- sonen häufiger aggressiv, schlanke hingegen sind mehr auf der intellektuellen Ebene angesiedelt.. Die Situation des Einstellungsinterviews ruft bei allen Menschen unter- schiedliche Reaktionen hervor. Diese werden vom Interviewer subjektiv interpretiert und ergeben in seinen Augen Sinn (vgl. Argyle, 1981, S.72 f.). Neben den Faktoren, die persönlich wahrgenommen werden, gibt es noch sogenannte Beurteilungstenden- zen. Dabei werden Informationen individuell aufgenommen und bewertet (vgl. Jor- dan, Külpp, Bruckschen, 2013, S.145 f.). 4.3 Beurteilungsfehler Je erfahrener ein Personalverantwortlicher ist, desto weniger fließen Beurteilungsfeh- ler in seine Entscheidung mit ein. Trotzdem passieren solche Fehler. Die meisten las- sen sich drei Bereichen zuordnen. Es handelt sich hierbei um intrapersonelle Einflüs- se, interpersonelle Einflüsse und sonstige oder situative Einflüsse (vgl. Lippold, 2013, S.499). 4.3.1 Intrapersonelle Einflüsse Zu den intrapersonellen Einflüssen gehören Vorurteile. Jeder Mensch ruft Erfahrun- gen mit ähnlichen Menschen, die er bereits kennengelernt hat, ab. Dies kann dazu führen, dass man einem Kandidaten gegenüber positiv oder negativ voreingenommen ist. Die selektive Wahrnehmung bedeutet in diesem Fall, dass der Interviewer nur das hört, was er hören will. Es bleiben nur Informationen im Kopf, die er aus subjektiver Sicht als relevant einstuft. Ebenfalls gehören Tendenzfehler zu diesen Einflüssen. Hierbei handelt es sich um Gewohnheiten, die ein Urteil beeinflussen können. Man unterscheidet Tendenz zur Mitte, dabei werden Ausreißer nach oben und unten ver- mieden. Alle Beurteilungen liegen meist im Mittelfeld. Beim Milde-Effekt werden kaum negative Beurteilungen gemacht. Die Tendenz zur Strenge geht in die andere Richtung. Dabei ist der generelle Anspruch bereits sehr hoch. Außergewöhnliche Leistungen werden als normal angesehen (vgl. ebd., 2013, S.500). 4.3.2 Interpersonelle Einflüsse Sympathie und Antipathie spielen hier eine Rolle. Das aktuelle Wohlempfinden des Personalmanagers hat großen Einfluss. Ist er positiv gelaunt, hat der Bewerber besse-
  33. 33. forprivate use only 23 re Chancen, gut beurteilt zu werden. Bei schlechter Laune ist dies genau umgekehrt (vgl. Werkmann-Karcher, Rietiker, 2010, S.228 f.). Wahrnehmungsfehler können ebenfalls ihren Teil dazu beitragen. Beim Halo- oder Überstrahlungseffekt, wird aus der Annahme eines Merkmals auf alle anderen geschlossen. Am Beispiel Leistung sieht man: gute Leistung bedeutet, der andere legt auch ein gutes Verhalten an den Tag (vgl. Weuster, 2012, S.180). Beim Primacy-Effekt werden zuerst gewonnene Einflüsse zur Beurteilung herangezogen. Diese Eindrücke können sowohl positiv als auch negativ sein. Jedoch werden neu gewonnene Erinnerungen weniger bis gar nicht in die Beurteilung einfließen. Dies trifft beim Recency- oder Nikolaus-Effekt zu. Hier werden zuletzt gemacht Erfahrungen herangezogen, um die Beurteilung ab- zuschließen (vgl. Wien; Franzke, 2013, S.75). Der Kontakt-Effekt hilft Mitarbeitern, die ein sehr enges Verhältnis zu ihrem Vorgesetzten pflegen. Denn je mehr und in- tensiver der Kontakt der beiden Personen ist, desto besser fällt die Beurteilung aus (vgl. Lippold, 2013, S.500). 4.3.3 Situative Einflüsse Bei den situativen Einflüssen spielt besonders das Hier und Jetzt eine Rolle. Der Kontext, in dem das Interview oder die Beurteilung stattfindet, nimmt maßgeblich Einfluss auf den Ausgang des Gesprächs. Bei einem hohen Stressfaktor vor oder während dem Gespräch wird die Beurteilung dementsprechend ausfallen. Ebenso spielen die Personenanzahl, wie viele Vorgesetzte anwesend sind oder der wirtschaft- liche Stand des Unternehmens eine Rolle (vgl. Apelojg, 2010, S.52). All diese Faktoren können ein Gespräch oder eine Beurteilung fehlerhaft machen. Darum ist darauf zu achten, dass eine neutrale Gesprächsbasis gegeben ist und alle Beteiligten wertfrei und unvoreingenommen sind (vgl. Schulz, 2014, S.146). 4.4 Entscheidungskriterien Um zu entscheiden, mit welchem Bewerber die ausgeschriebene Stelle besetzt wer- den soll, gibt es unterschiedliche Kriterien. Von der Analyse der Bewerbungsunter- lagen, über das Interview, psychologische Tests und das Absolvieren eines Assess- ment Centers sind dem Personalverantwortlichen alle Möglichkeiten gegeben. Alle Eigenschaften dieser Kriterien zu beschreiben würde den Rahmen dieser Arbeit
  34. 34. forprivate use only 24 sprengen. Im Folgenden wird auf die Analyse der Bewerbungsunterlagen und das In- terview Bezug genommen. 4.4.1 Analyse der Bewerbungsunterlagen Bereits die eingelangten Unterlagen sind eine erste Arbeitsprobe des Bewerbers. Aus ihnen sollen und können zwar keine direkten Schlüsse gezogen werden, denn sie ge- ben keinen Hinweis auf die besonderen Eigenschaften des Kandidaten, lassen jedoch positive oder negative Abweichungen erkennen. Beispielsweise sind die angehängten Kopien unlesbar oder unvollständig. Anschreiben sind nicht direkt auf die ausge- schriebene Stelle bezogen, sondern ähneln einer Art Serienbrief, den der Absender automatisch an jede Bewerbung hängt. Die gesamte Mappe kann ebenso übertrieben gestaltet und zu detailliert sein. Um nicht durch die subjektiven Ansprüche des Per- sonalers zu fallen, werden die Dokumente häufig von Personen aus anderen Abtei- lungen vorsortiert (vgl. Jordan, Külpp, Bruckschen, 2013, S.43 f.). Ausgefallene Be- werbungsmappen werden ebenso aussortiert. Aus dem Lebenslauf lässt sich zwar der bisherige Werdegang des Bewerbers gut nachvollziehen. Vorhandene Lücken drü- cken keineswegs fehlendes Interesse oder Durchhaltevermögen aus. Großes Enga- gement im Sport kann für den Leser bedeuten, dass der Bewerber öfter freie Tage benötigt, um an Wettkämpfen teilzunehmen. Angehängte Unterlagen, wie Zeugnisse, werden ebenso kritisch betrachtet, denn die Meinung, dass man an den Schulnoten etwas ablesen kann, trifft hier immer wieder zu. Arbeitszeugnisse beinhalten Schlüs- selwörter, mit denen ein Personaler auf die letzte Stelle Rückschlüsse anstellen kann. Grundsätzlich empfiehlt es sich, die Unterlagen sorgfältig zu begutachten und eine liberale Haltung einzunehmen. Der Kandidat könnte bestens für die Stelle geeignet sein, jedoch durch einen nicht durchgängigen Lebenslauf nicht weiter beachtet wer- den (vgl. Kanning, 2015, S.92 f.). 4.4.2 Typische Kriterien Die typischen Kriterien in einem Auswahlprozess werden meist bei der Anforde- rungsanalyse festgelegt. Dieses Anforderungsprofil enthält die wichtigsten Faktoren wie Schulabschluss, Studium und Grundkenntnisse in Sprachen. Neben diesen Krite- rien gilt es für den Kandidaten größtenteils bestimmte Kompetenzen zu erfüllen. Am interessantesten sind die fachlichen Kompetenzen, die der Bewerber mitbringt. Kennt
  35. 35. forprivate use only 25 er sich in der Branche aus, ist er mit bestimmten Begriffen vertraut sind nur zwei da- von (vgl. Lidner-Lohmann, Lohmann, Schirmer, 2012, S.49). Auch die Berufserfah- rung trägt maßgeblich dazu bei. Hat der Kandidat, wenn ja, wie lange, bereits in die- ser Branche oder einem ähnlichen Unternehmen gearbeitet? Mit welchen Aufgaben wurde er betraut? Hat er zu Innovationen beigetragen? Warum möchte er seine letzte Position verlassen? (vgl. Kanning, 2015, S.92). Die Fähigkeit, rationale Zusammen- hänge zu erkennen oder die analytische Herangehensweise an Probleme geben dem Personalverantwortlichen eine bessere Möglichkeit, den Intelligenzfaktor einzuschät- zen. Speziell dieser Faktor kann zu einem späteren Zeitpunkt noch durch einen Test bestätigt werden (vgl. Lidner-Lohmann, Lohmann, Schirmer, 2012, S.225). Bei den persönlichen Kompetenzen handelt es sich meist um die klassischen Punkte, wie Flexibilität, Stärken und Schwächen. Aber auch die Ausdrucksweise im Anschreiben und erwartete Mobilität spielen hier eine Rolle (vgl. Schulz, 2014, S.24). Soziale Kompetenzen umfassen Gebiete wie Führungsfähigkeit, den Umgang mit Mitarbei- tern und Kollegen sowie die Fähigkeit, mit Konflikten umzugehen. Der Bewerber wird nicht nur alleine arbeiten. Er wird in Kontakt mit Teammitgliedern treten müs- sen und auch aufkeimende Konflikte lösen können (vgl. Werkmann-Karcher, Rieti- ker, 2010, S.441). Um methodische Kompetenzen zu erkennen, muss der Kandidat organisatorische Fähigkeiten mitbringen. Es gilt einzustufen, wie er an bestimmte Fälle und Probleme herangeht. Wird Wert auf eine zielgruppenorientierte Lösung ge- legt? Werden Personen außerhalb des Teams konsultiert und um Rat oder Hilfe ge- fragt? (vgl. Lidner-Lohmann, Lohmann, Schirmer, 2012, S.50). "Kompetenz ist gut, erstrebenswert, bedeutet Fähigkeit, Stärke; ist je- mand kompetent, so ist er/sie entscheidungs- und handlungsfähig." (Werkmann-Karcher, Rietiker, 2010, S.180) 4.4.3 Analyse nonverbaler Faktoren des Interviews Im Einstellungsinterview spielt die Erfahrung und die Intuition des Fragenden eine große Rolle. Er muss zu erkennen geben, dass er wirklich daran interessiert ist, was und vor allem wie der Bewerber etwas sagt. (vgl. Werkmann-Kracher, Rietiker, 2010, S.231 f.). Auch die nonverbale Kommunikation kann zur Entscheidung beitra- gen. Die Zeichen helfen, den Bewerber und seine Fähigkeiten besser einzuschätzen.
  36. 36. forprivate use only 26 Studien ergaben, dass gute Antworten durch den Einsatz von nonverbalem Verhalten noch unterstrichen werden. Die Kompetenz eines Kandidaten wird mit Hilfe von nonverbalem Verhalten besser eingeschätzt. Dies trifft ähnlich auf die Einschätzung der sozialen Kompetenz zu. Die Mischung aus Gestik, Mimik und Kleidung kann re- lativ zuverlässig auf diese Eigenschaft schließen lassen, sagt jedoch nichts über die Motivation des Bewerbers aus (vgl. Weuster, 2012, S.74 f.). Speziell Kleidung wurde früher in Interviews als eine Art Störfaktor betrachtet. Heutzutage fließt das äußere Erscheinungsbild mit in die Entscheidung des Personalverantwortlichen ein. Studien ergaben, dass das Potenzial eines Bewerbers höher eingeschätzt wurde, wenn dieser angemessen gekleidet war. Weiteres gilt drauf zu achten, dass die Kleidungsstücke sauber und ohne spezielle Aufdrucke sind, da man nicht weiß, mit wem man das In- terview hat oder wer noch anwesend sein wird. Eine der Personen könnte sich durch ein bestimmtes Logo oder einen bestimmten Aufdruck persönlich angegriffen fühlen. Dies könnte zur Folge haben, dass die Chancen des Bewerbers bereits vor dem ersten Satz gegen Null gehen. Auch bei Jobs, bei denen später kaum Kundenkontakt vor- handen sein wird, ist es ratsam, eine ausgewählte Garderobe zu tragen. Der Perso- nalmanager soll überzeugt werden (vgl. Weuster, 2012, S.80 f.). Weitere Faktoren können sein: Parfum, Haare, Bart und sonstige, diese wurden aber in Kapitel 3 bereits ausführlich besprochen. Die Hautbemalung spielt in der heutigen Zeit eine immer größere Rolle, denn auch sie kommuniziert auf die eine oder andere Weise. Die folgenden Seiten sollen das nun erläutern. 4.5 Tätowierungen und die Verbindung zu Vorstellungsgesprächen "The medium is the message" (McLuhan, 1994, S.7) McLuhan hatte bereits im Jahre 1964 mit dieser Aussage beschrieben, dass Kommu- nikation immer vom Medium abhängt. So kann auch der Körper und die Haut als Medium betrachtet werden und alles, was auf ihm angebracht ist, als Kommunikation gelten. Tattoos gehören dabei ebenfalls dazu (vgl. McLuhan, 1964, S.7). Es wird ein neues Verhältnis zum Körper aufgebaut. Geschehnisse werden auf die Haut gestochen. Der Körper soll als Objekt der Selbstverwirklichung und Selbstdar- stellung dienen. Tätowierungen zeugen von einer Bereitschaft, Schmerz zu ertragen und sich dauerhaft die Haut verzieren zu lassen. Es handelt sich dabei um eine be-
  37. 37. forprivate use only 27 wusste Verwundung des Körpers, die in Kauf genommen wird, um das eigene Äuße- re individuell zu gestalten. Tattoos dienen der Veranschaulichung überwundener Schicksalsschläge und helfen dabei, die überstandenen Konflikte bildlich darzustel- len. Dies können Ereignisse aus dem privaten Leben oder dem beruflichen Umfeld sein. Tattoos helfen dabei, den seelischen Schmerz auf die Haut zu bannen und die- sen damit nach außen zu lenken (vgl. Rohr, 2014, S.26 f.). Lobstädt schreibt, dass es sich bei der Tätowierung um ein Mittel der Kommunikati- on handelt. Der Träger entscheidet damit, etwas über sich zu verraten und preis- zugeben. Gleichzeitig will er die eigene Identität wahren und Einzigartigkeit schaf- fen. Früher waren Tätowierungen Initiationszeichen eines Stammes. Bis heute wur- den sie beinahe gänzlich von dieser Bedeutung losgelöst. Jeder Kunde entscheidet aus freien Stücken, ob er sich ein Tattoo stechen lassen will. Die Wahl des Motivs, der Besuch eines Tätowierstudios und der Ort am Körper, wo das Tattoo angebracht wird, werden durch die autobiografische oder kulturelle Vorgeschichte beeinflusst. Durch die entstandene Milieunähe der 1960er und 1970er Jahre wurde die Tätowie- rung als Codezeichen verwendet. Sie signalisierte Zugehörigkeit zu Randgruppen wie Rockern und Gangs (vgl. Lobstädt, 2011, S.125 f.). 4.5.1 Tätowierungen als Symbol und Ritual "Kommunikationsprozesse konstruieren Wirklichkeit." (Lobstädt, 2011, S.127). Diese Wirklichkeit wird von allem beeinflusst, was einen Eindruck bei einem selbst oder bei anderen hinterlässt (vgl. Breyvogel, 2005, S.179 f.). Um dieses Verhalten zwischenmenschlich interpretieren zu können, müssen alle beteiligten Personen über die Hintergründe im Bilde sein (vgl. Lobstädt, 2011, S.127 f.). Als Ritual kann das Stechen der Tätowierung gesehen werden. Der Akt des Stechens wird mit Schmerzen verbunden und signalisiert, was die Person bereit ist zu ertragen. Das Motiv wird von der natürlichen Ebene, dem Entwurf, auf eine künstlerische Ebene, die Haut gebracht (vgl. Breyvogel, S.181 f.). Es liegt am Empfänger, die Botschaft zu deuten. Dies ges- taltet sich schwierig, da jedes Zeichen immer für etwas anderes steht. Die Entschlüs- selung kann nur unter Voraussetzung von Verstehen erfolgen. Der Träger fühlt sich damit sicher, da für ihn die Beweggründe klar sind (vgl. Lobstädt, 2011, S.128 f.).
  38. 38. forprivate use only 28 4.5.2 Unterstreichung der Individualität Der Stil eines jedes Menschen unterscheidet sich individuell. Mit Tätowierungen kann man sich sehr gut hervorheben, den eigenen Stil kreieren und den eigenen Ge- schmack für jeden sichtbar machen. Durch diese Eigenschaften wird eine Person erst zum einzigartigen Individuum (vgl. Breyvogel, 2005, S.185 f.). Diese Einzigartigkeit wird durch die Wahl des Motivs unterstrichen, sowie die Körperstelle, an der die Tä- towierung angebracht wird (vgl. Lobstädt, 2011, S.137). Das Verhalten und der Aus- druck dienen als Ersatzinformationen. Der Betrachter vergleicht die Person mit ihm bereits bekannten Personen und schätzt mit Hilfe von Erfahrungswerten die neue Person ein (vgl. Breyvogel, 2005, S.189 f.). 4.5.3 Darstellung von Zugehörigkeit Hier ändert sich die Ebene von der inneren zur äußeren Darstellung. Die Zurschau- stellung der Tätowierung dient als Hilfsmittel, um sich einer Gruppe zuzuordnen (vgl. Lobstädt, 2011, S.138). Dies kann positiv als auch negativ geschehen (vgl. Ka- pitel 2.5, S.8 f.). Lebensformen werden mittels Tätowierungen unterstrichen. So kann eine Verbindung zu bestimmten Gruppen ersichtlich sein, auch wenn diese Gruppen oder andere Mitglieder nicht anwesend sind (vgl. Lobstädt, 2011, S.138). So zu se- hen bei Insassen von Gefängnissen in den Vereinigten Staaten. Dort wird mit der Träne unter dem Auge signalisiert, dass ein Mord verübt oder eine geliebte Person ermordet wurde (vgl. Breyvogel, 2005, S.141). So ist diese Träne ein Abgrenzungs- zeichen und Gruppensymbol zugleich. Sie soll von der Allgemeinheit abheben (vgl. ebd., S.194). 4.5.4 Prestige & Stigma Hinter jeder Tätowierung steckt eine Mitteilungsabsicht. Jeder Träger hat eine be- stimmte Vorstellung wie er beziehungsweise seine Hautverzierung auf andere wirken soll. Tätowierungen sind mittlerweile weit verbreitet und die Auswahl der Motive geht ins unermessliche. Dadurch stehen heutzutage Tattoos kaum noch in Verbin- dung mit Traditionen und ihrer ursprünglichen Funktion (vgl. Breyvogel, 2005, S.194). Sie können zum Kommunikationshindernis werden, wenn unterschiedliche Kulturen aufeinander treffen. Ebenso, wenn der Betrachter andere Vorstellungen hat und den Träger dadurch abwertet. Menschen werden als anormal eingestuft, wenn sie
  39. 39. forprivate use only 29 nicht den gängigen kulturellen Standards entsprechen. Mit den Attributen Zügello- sigkeit und Gemütlichkeit werden Tätowierungen schnell in Verbindung gebracht (vgl, ebd. S.195). "Denn eine Tätowierung wird erst dann zum Stigma, wenn sie in anderen gesellschaftlichen Kontexten eine Situation unfreiwillig und zum Nachteil des Trägers transformiert." (Lobstädt, 2011, S.142). 4.6 Berufsgruppen mit und ohne Tätowierungen In den meisten Berufen stellt sich nicht die Frage, ob der Bewerber tätowiert ist oder nicht. Das Hauptaugenmerk liegt darauf, ob die Tätowierung bei entsprechendem Kundenkontakt oder auf Wunsch des Arbeitgebers verdeckt werden kann (vgl. Mei- er, 2010, S.17). In klassischen Berufen, wie etwa Versicherungskaufmann oder Bankangestellter, hat es Tradition, dass der Angestellte nicht tätowiert ist (vgl. Bidlo, 2010, S.10). Dies trifft auch bei Berufen, die ein höheres Ansehen haben, zu (etwa bei Ärzten oder Lehrern). Umgekehrt ist es bei Berufen, die aus dem kreativen Be- reich kommen: Diese Berufe sind größtenteils erst mit der Verbreitung des Internets entstanden. Dabei handelt es sich um Webdesigner, Programmierer, aber auch Foto- grafen und Bildbearbeiter (vgl. Meier, 2010, S.58). Mittlerweile gibt es bereits eige- ne Portale, auf denen Jobs von Tätowierten für Tätowierte angeboten werden. Siehe die erste Tattoo, Piercing & Bodymod Job Börse (http://www.tattoo-job-board.de, 2015). Im Rahmen der Vertragsfreiheit ist es dem Arbeitgeber überlassen festzule- gen, ob Tätowierungen oder im allgemeinen Körperschmuck zu sehen sein darf oder verdeckt werden muss. Arbeitgeber tun sich selbst nichts Gutes, wenn sie den perfek- ten Kandidaten nur aufgrund einer persönlichen Abneigung gegenüber Tattoos ab- lehnen (vgl. Ferme, Heer, 2012). 4.7 Sichtweisen von Betroffenen und Involvierten & Fälle Aus Deutschland gibt es das eine oder andere Gerichtsurteil, in dem entschieden wurde, dass ein Bewerber abgelehnt werden darf. Dies gilt vor allem, wenn es sich bei dem Job um einen "Repräsentanten des Staates" handelt. Die Tätowierungen können demnach missverstanden werden, wenn der Angestellte im Sommer kurze Hemden zur Uniform trägt. (vgl. Elser, 2014).
  40. 40. forprivate use only 30 Meier hat in seiner Studie herausgefunden, dass 15,5% der Befragten angegeben ha- ben, bereits am Arbeitsplatz diskriminiert worden zu sein, sei es durch Blicke oder unangebrachte Kommentare. 7,3% gaben an, dass sie eine Stelle aufgrund ihrer Tä- towierungen nicht erhielten. Durch Tätowierungen wurde die Kompetenz von Perso- nen (zum Beispiel die Fähigkeiten eine Mutter zu sein) in Frage gestellt (vgl. Meier, 2010, S.55 f.). Die unten angeführte Grafik zeigt eine Auswahl an Diskriminierun- gen, die Personen in der Studie von Meier angegeben wurden. Abbildung 3: Diskriminierung aufgrund einer oder mehrerer Tätowierungen. (Eigene Darstellung, Daten entnommen aus Meier, 2010, S.57). 1 1 2 3 4 4 6 7 9 9 11 13 24 34 41 56 87 125 132 0 50 100 150 Keine Zulassung zum Blutspenden Diskriminierungdurch Medien Physische Attake Sehr intensive Zollkontrollen Kündigungdes Arbeitsverhältnisses MedizinischeBehandlung wurde verweigert Umfeldreagiert mit Unverständnis Vorwurfeinem Modetrend hinterherzulaufen Fähigkeit als Mutter aberkannt Kein Einlass in Gaststätten, Diskos o. Hotels Problemebei der Partnersuche Diskriminierungan Schule / Hochschule Kein Respekt, auch vor berufl. Fähigkeiten Diskriminierungdurch Familie / Freunde Keine Berufsanstellung erhalten Keine Zuordnung möglich Diskriminierungam Arbeitsplatz Konfrontationmit Vorurteilen ÖffentlicheBeleidigung
  41. 41. forprivate use only 31 5. FAZIT Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, den Zusammenhang und Einfluss von Tätowie- rungen auf Vorstellungsgespräche darzustellen. Aus diesem Grund wird die Entste- hungsgeschichte des Tattoos und die Verbreitung erläutert. Ebenso werden andere nonverbale Faktoren und ihre Einflüsse beleuchtet. Im Hauptkapitel werden der Be- werbungsprozess und die Ritualhaftigkeit von Tätowierungen umrissen. Es stellt sich heraus, dass man sich Personen mit Tätowierungen gegenüber nach wie vor anders verhält. Denn die Vorgeschichte und die ursprüngliche Verwendung um Gangzuge- hörigkeit zu signalisieren, ist bis heute in den Köpfen verblieben. Was die Arbeit aufzeigt ist, dass Diskriminierung gegenüber Tätowierten vorkommt, sei es am Ar- beitsplatz oder in der Öffentlichkeit. Zwar kommt in den üblichen Bewertungskriterien das Kriterium Tätowierungen nicht vor, da das Äußere keinen oder kaum Einfluss auf die Vergabe eines Jobs hat. Doch sieht man an diversen Berufen oder Berufsgruppen, dass dies sehr wohl ein Kriterium darstellt. In Branchen wie der Finanzdienstleistung oder im Versiche- rungswesen sind kaum tätowierte Mitarbeiter angestellt. Die Vergabe von Positionen wird anhand der fachlichen und sozialen Kriterien festgemacht. Dabei spielen die Bewerbungsunterlagen und deren Aufmachung bereits eine Rolle. Ebenso das An- schreiben in einer Email und das Motivationsschreiben. Hier sind Bewerber im Vor- teil, welche ihre Kreativität zum Ausdruck bringen. Das Foto im Lebenslauf gibt be- reits Anlass sich für oder gegen die weitere Bearbeitung der Bewerbung zu entschei- den. Der Arbeitgeber erstellt eine Anforderungsanalyse, mit deren Hilfe eine weitere Selektion stattfindet. Dabei sind persönliche Kompetenzen, wie ein abgeschlossenes Studium oder ausgeprägte Sprachkenntnisse von Vorteil, wenn diese gefragt sind. Die fachlichen Kompetenzen bringen den Entscheidungsprozess noch weiter voran. Bringt der Bewerber beispielsweise Vorkenntnisse in dieser Branche mit oder hat er anderweitige Berufserfahrung? Soziale Kompetenzen, wie die Erfahrung im Leiten eines Teams oder die Fähigkeit mit Konflikten umzugehen, können dann endgültig den Ausschlag für einen bestimmten Bewerber geben. Durch die Erfahrung, die Personalverantwortliche in ihren Dienstjahren gesammelt haben, wird der Blick durch einen subjektiven Filter getrübt. Sogenannte Beurtei-
  42. 42. forprivate use only 32 lungsfehler sind die Folge. Es kann zu einer selektiven Wahrnehmung des Kandida- ten kommen. Dies bedeutet, dass der Vorgesetzte nur das hört, was er hören will. Ei- ne tendenzielle Beurteilung kann sehr positiv, sehr negativ oder weder noch ausfal- len. Hier spricht man von Tendenzfehlern. Im interpersonellen Bereich spielen Sym- pathie und Antipathie eine wesentliche Rolle. Eine positive Stimmung des Intervie- wers bringt eine positive Beurteilung und umgekehrt. Desweiteren spielen hier noch Begriffe wie der Halo-, der Nikolaus- oder der Kontakteffekt eine entscheidende Rolle. Die Situation, in der ein Interview stattfindet, hat situative Einflüsse auf den Ausgang des Gesprächs. Dabei spielen Stressfaktoren ebenso wie die Personenanzahl eine Rolle. Insgesamt wird festgestellt, dass die Frage ob, Tätowierungen Vorstellungsgespräche beeinflussen, differenziert betrachtet werden muss. Einerseits ist es erachtenswert, um welche offene Position es sich handelt und andererseits, ob Tätowierungen in dieser Branche angebracht sind. Somit kommt es darauf an, wie offen ein Unterneh- men und die zuständigen Entscheidungsträger Tätowierungen gegenüber sind und wie weit die gesellschaftliche Akzeptanz fortgeschritten ist.
  43. 43. forprivate use only 33 QUELLENVERZEICHNIS Apelojg, B. (2010). Emotionen in der Personalauswahl: Wie der Umgang mit den ei- genen Gefühlen Entscheidungen beeinflusst. In: T. R. Hummel, H. Knebel, D. Wagner, E. Zander: Hochschulschriften zum Personalwesen, 40, (1. Aufl.) (S. 51-52). München: Rainer Hampp Verlag. doi: 10.1688/9783866185692 Argyle, M. & Trower, P. (1981). Signale von Mensch zu Mensch: Die Wege der Ver- ständigung (1. Aufl.). Weinheim: Beltz. Baacke, D. (1988). Wechselnde Moden: Stichwörter zur Aneignung eines Mediums durch die Jugend. In: D. Baacke, I. Volkmer, R. Dollase, & U. Dresing (Hrsg.) Jugend und Mode: Kleidung als Selbstinszenierung (S. 11-66). Opladen: Leske und Budrich. Bergler R. & Hoff, T. (2001). Psychologie des ersten Eindrucks: Die Sprache der Haare. Köln: Deutscher Instituts-Verlag. Bidlo, O. (2010). Tattoo: Die Einschreibung des Anderen. Essen: Oldib-Verlag. Brockhaus (SR – TEO). (1993). Brockhaus Enzyklopädie: in 24. Bd., 21, (19., völlig neu bearbeitete Aufl.). Mannheim: F.A. Brockhaus. Broszinsky-Schwabe, E. (2011). Interkulturelle Kommunikation: Missverständnisse - Verständigung (1. Aufl.). Wiesbaden: VS Verlag. doi: 10.1007/978-3-531- 92764-0_1 Cooper-White, M. (2015). Strange New Tattoo Discovered On ‘Ötzi The Iceman’ Mummy. Verfügbar unter http://www.huffingtonpost.com/2015/01/26/otzi- iceman-new-tattoo_n_6546884.html [24.10.2015] Deissler, A. & Vögtle, A. (Hrsg.). (1985). Neue Jerusalemer Bibel: Einheitsüberset- zung mit dem Kommentar der Jerusalemer Bibel. Freiburg: Herder. Deplazes, S. & Künzli, H. (2010). Herausforderung Demografie und Wandel der Ar- beitsgesellschaft. In: B. Werkmann-Kracher, J. Rietiker: Angewandte Psycho- logie für das Human Resource Management: Konzepte und Instrumente für ein wirkungsvolles Personalmanagement (S. 421-434). Berlin: Springer.
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