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Margrit kennedy regio statt euro - regionalwährungen auf dem vormarsch

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Margrit kennedy regio statt euro - regionalwährungen auf dem vormarsch

  1. 1. Regionalwährungen auf dem Vormarsch Regio st Die Finanzmärkte wackeln, das Geld fließt in einer globalisierten Welt immer stärker in große Finanz- zentren ab. Zurück bleiben ratlose VerbraucherInnen und geschwäch- te Regionen. Mehr und mehr Initia- tiven in Deutschland steuern mit eigenen Zahlungsmitteln gegen. Regio statt Euro heißt ihre Devise. Auch der Chiemgau ist dabei. D ie Kasse im Priener Regional- Markt zeigt 17.80 an. Aber Kun- din Inge Gerber zückt weder Euro-Banknote noch EC-Karte. Sie reicht einen bunten Chiemgauer- Schein über den Tresen. Geschäfts-Inha- berin Julia Kollmannsberger nimmt ihn ohne Zögern entgegen. „Acht bis zehn Wer mitmachen möchte, muss zunächst Zeit zu treffen. Die Regios sollen den Kunden sind es im Durchschnitt, die jeden Mitglied in einem Verein werden. Das Euro nicht ersetzen, sondern eine zu- Tag bei uns mit dem Chiemgauer bezah- kostet nichts, man erhält so aber die elek- sätzliche „Währung“ bieten, die nur in der len“, sagt sie. Der Chiemgauer ist eine tronische Regiocard, mit der man bei 42 Region ausgegeben werden kann. Haupt- Regionalwährung. Es gibt ihn in Scheinen Ausgabestellen Euros gegen Regios ein- ziel ist, die regionale Wirtschaft zu stärken Fotos: Westend61 (Äpfel); Klement-Rückel (Einkauf); F1online (Fische); Chiemgauer (Geld) zu je einem, zwei, fünf, zehn, zwanzig und tauschen kann. Der Wert eines Chiemgau- und das Geld in der Region zu halten. fünfzig Chiemgauern und mittlerweile so- Denn egal ob in Prien, Tauberfranken oder gar im bargeldlosen Zahlungsverkehr. Eine Währung, die nur in der Region Bremen – die Uhren gehen überall gleich. Anfangs konnten lediglich die Schülerin- ausgegeben werden kann Discounter und große Lebensmittelketten nen und Schüler der Priener Waldorfschu- machen es vielen kleinen Geschäften le ihren Pausensnack damit bezahlen, schwer zu bestehen. Handwerker und mittlerweile hat sich der Chiemgauer zur ers entspricht einem Euro. Die Regional- Dienstleister aus der Region haben mit erfolgreichsten Regionalwährung Deutsch- währung ist eurogedeckt. Aber die großer Konkurrenz zu kämpfen. Architek- lands gemausert. Wirtschaftslehrer Chris- Chiemgauer können eben nur in einem tur-Professorin Margrit Kennedy, die sich tian Gelleri hatte 2002 im Projekt-Unter- geographisch eng umgrenzten Gebiet zir- seit vielen Jahren mit komplementären richt ein SchülerInnen-Unternehmen ge- kulieren. Währungen befasst und ein Buch dazu gründet, ein Jahr später wurde das Re- Nicht nur im Chiemgau auch in vielen an- herausgegeben hat, umreißt die Misere: gionalgeld der Öffentlichkeit vorgestellt. deren Gegenden Deutschlands hat man die „Wenn man sein Geld zur Bank bringt und Heute nehmen 640 Geschäfte in den komplementären Währungen entdeckt: Sie der Bank überlässt, wie sie es anlegt, dann Landkreisen Rosenheim und Traunstein heißen Bremer Roland, Havelblüte oder ist sie dazu verpflichtet, das Geld dahin zu den Chiemgauer entgegen. Etwa 1.500 Tauber-Franken. Initiativen sprießen über- bringen, wo es die höchsten Gewinne er- Menschen bezahlen mit den Regios, wie all aus dem Boden. 28 geben mittlerweile wirtschaftet. Wenn das jetzt gerade China das Geld der Regionalwährung in Abgren- Regionalwährungen heraus, 35 weitere ar- ist, dann fließt eben das Geld aus der gan- zung zum Euro heißt. beiten daran. Sie scheinen einen Nerv der zen Welt dorthin. Und nicht in die Region,40 11/08 KDFB Engagiert
  2. 2. tatt Euro man mit dem Chiemgauer bezahlen kann, ist bunt. „Man bekommt fast alles. Ich suche mir die Geschäfte auch danach aus, ob sie den Chiemgauer nehmen“, sagt Kundin Inge Gerber. Für die Regio-Initia- tiven soll das Geld vor allem eine Funkti- on haben: die des Tauschmittels. Spekula- tion und Sparen sind keine Ziele des Regios. Damit der Chiemgauer wirklich unter die Leute gebracht wird, statt im Antwort auf den ruinösen Wettbewerb der Globalisierung Sparstrumpf stecken zu bleiben, hat sich Initiator Christian Gelleri etwas besonde- res ausgedacht: Das Geld verliert an Wert, je länger es im Umlauf ist. So verliert ein Chiemgauer nach einem Vierteljahr zwei Prozent seines Wertes. Dann muss er mit einer aufklebbaren Wertmarke für wieder- um drei Monate verlängert werden. Das hat zur Folge, dass die Verbraucher, wo immer möglich, zuerst ihre Chiemgauer ausgeben. Die Chiemgauer-Scheine sind dreimal so schnell im Geldkreislauf unter- wegs wie der Euro. Wer seine Chiemgauer in Euro zurücktau- schen will, wird mit fünf Prozent des Wer- tes zur Kasse gebeten. Davon fließen zwei Prozent in die Verwaltung der Regional- währung. Die übrigen drei Prozent kom- men der Region zugute. Ob der Kinder- garten vor Ort, der Trachtenverein oder die die aber trotzdem mit ihren Produkten landesweit mit großem Erfolg eine Pflege- Fußballjugend – wer mitmacht, kann sich konkurrieren muss. Der Weltmarkt gibt währung (siehe Kasten Seite 42). sein Wunschprojekt ein Preisniveau vor, das die meisten Ob Brot, Käse, Pullover, Schuhe, aussuchen, das dann Regionen heute gar nicht halten können.“ Schulhefte, Druckerpatrone, Fördergelder Für die Regiogeld-Expertin ist es ent- Querflöte, Wimperntu- scheidend zu akzeptieren, dass es ver- sche oder Fahrrad – schiedene Währungen für verschiedene die Liste, der Zwecke geben kann – Währungen, die den Bedarfsgü- Euro ergänzen. Sie können nicht nur einen ter, die regionalen Schwerpunkt setzen, denkbar sind beispielsweise auch Bildungs- oder Gesundheitswährungen. „Wenn wir die sozialen, ökologischen und kulturellen Probleme unserer Zeit lösen wollen, dann wird das schwierig sein, wenn unser Geld so konstruiert ist, dass es vorwiegend dahin fließen muss, wo es den größten Geld-Gewinn erwirtschaftet. Was wir brauchen, ist ein Geld, das dahin flie- ßen kann, wo es den größten sozialen, kulturellen oder ökologischen Nutzen stif- tet. Wie das aussieht, zeigen neue und erprobte Modelle in vielen Teilen der Welt.“ So läuft beispielsweise in Japan
  3. 3. schen Produkte unterstützen.“ Als Antwort fördert, sondern auch in der eigenen der Region auf die Globalisierung sieht Tasche spürbar ist.“ Die Mitbegründerin Peter Fochler den Chiemgauer: „Er hat des Verbandes Regiogeld, der viele deut- sicher einen ideellen Hintergrund, aber er sche Regiogeld-Initativen zusammenfasst, eröffnet ganz praktisch einen Weg, selbst glaubt an einen allmählichen Bewusst- etwas zu tun.“ seinswandel bei den Verbrauchern. Also eigenes Geld drucken und die Regi- Eine bessere Infrastruktur, da eine Vielfalt on damit stärken? So einfach ist es nicht. an kleineren Geschäften vor Ort überleben Deshalb werden die Chiemgauer-Scheine kann, gesicherte Arbeitsplätze in der Regi- offiziell auch als „Vereinsinterne Regio- on, eine gestärkte Sozialgemeinschaft Gutscheine“ bezeichnet. Die Deutsche durch gemeinsames Arbeiten an einer Bundesbank, Währungshüter in Deutsch- Sache und durch Förderung von Vereinen land, drückt ein Auge zu, so lange die vor Ort. Das sind die positiven Folgen, die Regios sich auf ein beschränktes Gebiet der Chiemgauer anstrebt. beziehen und eine gewisse Ausgabemenge „In diesem Jahr können wir von einem nicht überschreiten. Die Geldmenge, um Wachstum von einem Drittel ausgehen. Es die es bei den Regios geht, ist nach An- ist überraschend gut angelaufen“, zieht sicht der Bundesbank so gering, dass sie Initiator Christian Gelleri nach fünf Jahren das Geldsystem nicht stört. Und das wird Bilanz. Etwa 270.000 Chiemgauer sind im sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern. Umlauf, etwa drei Millionen Umsatz wer- Regios in Deutschland: Die grünen Punkte ste- Es gibt so viele unterschiedliche Regional- den damit in diesem Jahr erzielt. Der hen für bereits ausgegebene Währungen, die geld-Systeme, wie es Regional-Währun- nächste Schritt: Erzeuger und Großhändler gelben für Initativen, die noch daran arbeiten. gen gibt. Jedes hat andere Spielregeln. sollen stärker einbezogen werden, damit Viele sind eurogedeckt. Andere, wie zum Händler ihre Waren beim Einkauf direkt in erhält. Über 170 Vereine im Chiemgau ste- Beispiel der Sterntaler in der Region Chiemgauern bezahlen können. Einen hen auf der Empfängerliste. Ein Anreiz für Berchtesgaden, lassen auch tatkräftiges Imagegewinn hat es dem Chiemgauer be- Vereinsmitglieder, zum Chiemgauer zu Engagement zu barer Münze werden. Wer schert, dass Raiffeisenbanken und Spar- greifen. „Der Chiemgauer erreicht die sich im örtlichen Tauschring engagiert, kasse mit eingestiegen sind. Sie fungieren Menschen, die bewusst leben, regional kann die dort erworbenen Talente in als Ausgabestellen, und bei den Raiffei- verortet sind, Bürgerengagement zeigen Regios umtauschen. senbanken werden Regio-Geld-Konten ge- und hellhörig sind“, sagt Peter Fochler, Kritiker werfen den Regionalwährungen führt, über die die elektronische Ab- stellvertretender Vorsitzender des Chiem- vor, sie seien zu teuer und ineffizient. Ih- rechung erfolgen kann. gauer-Vereins. Kundin Inge Gerber gehört nen hält Chiemgauer-Geschäftsführer „Für mich ist der Chiemgauer ein Anstoß, zu dieser Gruppe: „Ich zahle mit Chiem- Christian Gelleri entgegen: Die Ökono- sich wieder auf die eigenen Ressourcen in gauern, weil ich die Waldorfschule in men rechneten in den Preis der Waren der Region zu besinnen“, sagt Julia Koll- Prien unterstützen will, die meine Tochter meist nicht ein, wie die Umwelt bei Er- mansberger. Sie hat sich zur Gewohnheit besucht. Außerdem ist regional für mich zeugung und Transport geschädigt werde. gemacht, als Kundin bei Händlern und erste Wahl. Ich möchte gezielt die heimi- „Für uns macht es aber einen Unterschied, Wirten nachzufragen, ob sie den Chiem- ob ein Apfelsaft in zwanzig Kilometern gauer nehmen. Als Inhaberin eines Le- Entfernung hergestellt werden kann oder bensmittelmarkts, der auf regionale und Japan: Eine Währung für die Pflege ob er tausende Kilometer zurücklegt, be- meist auch biologische Produkte setzt, Wer in Japan pflegebe- vor er bei uns im Glas landet“, so Gelleri. erfährt sie täglich: „Bio ist in, regional dürftig ist, engagiert oft Dort produzieren lassen, wo es am billigs- noch nicht so.“ Genau das will der Chiem- keinen professionellen ten ist, meist ökonomische Richtschnur gauer ändern. Pflegedienst, sondern Nummer eins, das ist nicht das Ziel der Claudia Klement-Rückel greift auf die Hilfe von Chiemgauer-Befürworter. ehrenamtlichen Pfle- Regionalgeld-Expertin Margrit Kennedy INFOS gern zurück. Diese be- schildert die Situation der Verbraucher: kommen ein geringes „Im Moment sind die Leute wirtschaftlich Der Verband Regiogeld bietet auf seinen Entgelt und viel wichti- gesehen in einem Dilemma gefangen. Internet-Seiten einen Überblick über die ger: eine Gutschrift auf Entwicklung: www.regiogeld.de Fotos: Regiogeld (Karte); Mauritius (Japan) Kaufen sie in der Region, schaden sie sich ihrem Pflege-Konto. selbst, das heißt, sie zahlen etwas mehr. ........................................................................ Dank des landesweiten Systems können Kinder, die Kaufen sie international ein, schaden sie www.chiemgauer.eu weit weg von ihren Eltern wohnen, so Pflegestun- der Region und können sich nicht wun- ........................................................................ den leisten und auf die hilfsbedürftigen Eltern über- dern, wenn die Schreinerbetriebe dicht Margrit Kennedy / Bernard A. Lietaer: tragen. Oder sie sparen ihre Pflegestunden für das machen und die Geschäfte vor Ort einge- Regionalwährungen. Neue Wege zu eigene Alter auf. Fureai Kippu, Beziehungsticket, hen. Ich glaube, dass Regionalwährungen nachhaltigem Wohlstand, Riemann, heißt dieses beliebte System. einen Ausweg bieten, der eben eines Tages 2004, 18 Euro. nicht nur das Gewissen und die Region42 11/08 KDFB Engagiert

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