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6	  —	  Lehrbuch	  für	  Lernen	  und	  Lehren	  mit	  Technologien	  (L3T)E-­‐Modera3on                                  ...
Kommunika)on	  und	  Modera)on.	  Internetgestützte	  Kommunika)on	  zur	  Lernunterstützung	  —	  7   Abbildung	  4:	  	 ...
8	  —	  Lehrbuch	  für	  Lernen	  und	  Lehren	  mit	  Technologien	  (L3T)Literatur                                      ...
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Kommunikation und Moderation - Internetgestützte Kommunikation zur Lernunterstützung

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Kommunikation und Moderation - Internetgestützte Kommunikation zur Lernunterstützung

  1. 1. Gabriela  Bäuml-­‐Westebbe,  Ilona  Buchem,  Mar)n  Ebner,  Marc  Egloffstein,  Chris)an  Lehr,  Birgit  Peterson  und  Sandra  Schön  Kommunikation und ModerationInternetgestützte Kommunikation zur LernunterstützungMobiltelefone  und  Internet  gehören  mehr  und  mehr  zu  unserem  Arbeits-­‐  und  Lebensalltag.  Computerver-­‐miFelte  Kommunika)onsmöglichkeiten  werden  auch  zunehmend  zum  Lernen  und  Lehren  genutzt,  also  imSchulunterricht,  im  Studium  oder  in  der  berufsbegleitenden  Weiterbildung.  Dieses  Kapitel  beschäIigt  sichmit  computervermiFelter  Kommunika)on  und    Modera)on  als  Grundlage  für  Lernprozesse  in  Online-­‐Lern-­‐gemeinschaIen.  Zunächst  werden  die  Besonderheiten  computervermiFelter  Kommunika)on  (CMC,  kurzfür   engl.   „Computer-­‐mediated   communica)on“)   dargestellt   sowie   verschiedene   Parameter   zur   Be-­‐schreibung  von  Online-­‐Kommunika)onsprozessen  erläutert.  Anschließend  wird  die  Umsetzung  von  CMC  inOnline-­‐LerngemeinschaIen  im  Modell  und  in  der  Praxis  gezeigt.Dagger  Greenwool,Snook  Bugeye,Roddy  Rube;Monster  Academy #kommunika)on #einfuehrung   #paedagogikpsychologie Version  vom  1.  Februar  2011 Für  dieses  Kapitel  wird  noch  ein  Pate  gesucht, Jetzt Pate werden! mehr  Informa)onen  unter:  hFp://l3t.eu/patenschaI
  2. 2. 2  —  Lehrbuch  für  Lernen  und  Lehren  mit  Technologien  (L3T) Streams; siehe Kapitel #educast und Kapitel #vi-1. Die  Bedeutung  von  Kommunika3on  im  Lernprozess   deokonferenz) möglich und findet immer mehr Ver-Viele denken beim technologiegestützten Lernen an breitung. Mit entsprechender technischer Ausrüstungeinsame Lernende, alleingelassen vor Bildschirmen in ist heute das Telefonieren im bzw. über das Internetabgedunkelten Zimmern. Zwar kann das isolierte An- (Voice-Over-IP) oder die Verwendung von Softwareeignen von Informationen in manchen Fällen aus- für Online-Videokonferenzen möglich.reichen. Insbesondere für komplexe Themen und Die zahlreichen Anwendungsformen computer-kompetenzorientiertes Lernen ist Kommunikation vermittelter Kommunikation im Internet umfassenfür das (technologiegestützte) Lernen jedoch essen- diverse Tools und Medien, wie beispielsweise E-Mail,tiell: Sozial-konstruktivistische Lerntheorien gehen Diskussionsforen, Chats, Webkonferenzen, Blogs,davon aus, dass der Wissensaufbau vor allem an Microblogs, Wikis und eine Vielzahl anderer webba-aktive Teilnahme und Partizipation gebunden ist. Die sierter Kommunikationsmöglichkeiten.Gestaltung von Lernumgebungen soll daher „dazu Zur Beschreibung und Differenzierung der vielfäl-anregen, die Aktivität und Konstruktivität der Ler- tigen computervermittelten Kommunikationsmög-nenden zu fördern“ (Gräsel et al., 1997). Dement- lichkeiten können mehrere Parameter herangezogensprechend sollen Lernende unterstützt werden, ihre werden (Beck, 2006; Hartmann, 2004; Hesse &eigenen Vorstellungen zu artikulieren und sie mit Schwan, 2005):denen von anderen zu vergleichen (ebenda, S. 6). ▸ Zeitdimension (synchron versus asynchron), In Diskussionen wird einerseits Erlerntes erprobt ▸ Zahl der Empfänger/innen beziehungsweiseund Stellung bezogen, andererseits werden andere Sender/innen (1:1, 1:N, N:N),Sichtweisen aufgezeigt. Insbesondere beim Erfassen ▸ Symbolsystem (textbasiert, audio-visuell),von komplexen Zusammenhängen steigern kommu- ▸ Modus (schriftlich, mündlich, mit Video),nikative und diskursive Elemente den Lernerfolg ▸ Nutzungsmechanismen (auf Angebots- bzw.(Kerres, 2000). Schulmeister (2006) stellt zur Rolle Nachfragebetrieben),der Kommunikation fest: „Kommunikation ist Dia-log, Dialog impliziert Rückmeldung, Lernen basiert ▸ Informationsfluss (unidirektional, bidirektional, polydirektional),auf Verstehen, Verstehen benötigt Rückmeldung.Ohne Rückmeldung ist demnach Lernen nicht ▸ Öffentlichkeitsgrad (persönlich, geschlossene Be-möglich“. nutzergruppe, öffentlich), Gute Kommunikation zu ermöglichen ist eine der ▸ Personalisierungsgrad (anonym versus identifi-wesentlichen Anforderungen an erfolgreiche Lern- zierbar) undszenarien, das gilt gleichermaßen für Präsenzsitua- ▸ Kopräsenz (kopräsent versus isoliert).tionen wie auch Online-Arrangements. In diesem Computervermittelte Kommunikation hat eineKapitel betrachten wir die Besonderheiten computer- Vielzahl an Konsequenzen und Besonderheiten. Aufvermittelter Kommunikation, sowie die Möglich- zwei Aspekte möchten wir dabei im Folgenden ge-keiten und Formen der Unterstützung der Bildung nauer eingehen: die Symbole zur Darstellung von Ge-von Online-Lerngemeinschaften durch E-Mode- fühlen sowie die Kommunikation von Vielen.ration. Symbole  und  Codes  als  Ersatz  für  fehlende  Gefühlsdar-­‐ stellungen   ComputervermiFelte  Kommunika)on  (engl.  „Com-­‐ ! puter-­‐mediated  communica)on“)  ist  die  Bezeichnung für  unterschiedliche  Anwendungsformen  der  elektro-­‐ Die Nutzung von computervermittelter Kommuni- kation bringt - nicht nur in Bildungskontexten - nischen  ÜbermiFlung,  der  Speicherung  und  des einige Besonderheiten mit sich. Rein textbasierte Abrufs  von  Daten  zum  Zwecke  der  Kommunika)on durch  Menschen  über  miteinander  vernetzte  Com-­‐ computervermittelte Kommunikation wird folgen- puter  (nach  Pelz,  1995,  32).   dermaßen charakterisiert (Döring 2003, 187; Misoch 2006, 63ff): Sie erscheint aufgrund der wenigen ange-2. Computervermi;elte  Kommunika3on   sprochenen Wahrnehmungskanäle im Vergleich zur Präsenzkommunikation als defizitär und unper-Bewegte sich computervermittelte Kommunikation sönlich. Aus der Perspektive sozialer Interaktion be-anfangs auf schriftlicher Basis (E-Mail, Chats, News- trachtet, ermöglicht computervermittelte Kommuni-groups, Mailinglisten) ist durch die stetig zunehmend kation dadurch nur einen geringen Grad an so-verfügbaren Bandbreiten nun auch die Übertragung zialer Präsenz, weil soziale Hinweisreize wie Mimik,von Ton und Bewegtbild (Podcasts, Videos, Life- Gestik oder Intonation ausgefiltert werden. „Internet
  3. 3. Kommunika)on  und  Modera)on.  Internetgestützte  Kommunika)on  zur  Lernunterstützung  —  3Relay Chat“, kurz IRC, war eine populäre netzwerk- Gesetz von Metcalfe sowie das Gesetz von Reed;gestützte Form der schriftlichen Echtzeitkommuni- Schaffert & Wieden-Bischof, 2009, 36ff). In derkation in den 1980er Jahre. Hier verbreiteten und ent- Praxis zeigt sich jedoch häufig, dass das Interakti-wickelten sich eine Vielzahl zeichenbasierte Gefühls- onsverhalten nicht (über-) proportional zu deräußerungen, die sogenannten Emoticons und andere Zahl von Mitgliedern zunimmt. Auch dauert es oftZeichenkürzel, welche die eigenen Gefühle darstellen länger, bis überhaupt wahrnehmbare Kommuni-sollen. So wird beispielsweise Freude durch die Zei- kation beginnt. Dieses bekannte Phänomen, dass nurchenfolge :-) und Ironie durch ein Zwinkern ;-) dar- ein Teil der potentiell interessierten Personen aktiv angestellt (siehe Abbildung 1). Diese Weitergabe von Online-Interaktionen teilnimmt, greift die Theoriesozialen Hinweisreizen scheint unter computerver- der kritischen Masse auf (Morris & Ogan, 1996):mittelter Kommunikation nicht weniger wichtig als in Erst ab einer bestimmten Zahl von Personen, die sichder Präsenzkommunikation (Derks et al., 2008). zum Beispiel für eine Mailingliste oder eine Gruppe bei Facebook anmelden, beginnt die Interaktion. Diese Zahl ist von vielen Faktoren abhängig, sodass Der  Mangel  an  sozialen  Hinweisreizen  über  andere sie schwer fassen ist. ! Wahrnehmungskanäle  wird  in  textbasierter  computer-­‐ vermiFelter  Kommunika)on  durch  Verwendung  von Gleichzeitig können solche Kommunikations- speziellen  Zeichenkürzel  und  Symbolen  kompensiert.   formen keinen optimalen Kommunikationsfluss mehr gewährleisten, wenn die Zahl der Teilneh- mer/innen zu sehr ansteigt. Zwei Theorien bieten dafür Erklärungen (Beck, 2006, 26ff): Die Social- Loafing-Theorie führt aus, dass Menschen für ge- meinsame, kollektive Aufgaben weniger Aufwand be- treiben als für individuelle Aufgaben (Karau & Wi- liams, 2001). Dass eine wachsende Zahl von (potenti- ellen) Beitragenden nicht immer hilfreich ist, lässt sich auch mit Informationsüberflutung (engl. „in- formation overlad“) erklären: Menschen können demnach nur eine endliche Zahl von Informationen adäquat verarbeiten. Asynchrone Medien wie Diskus- sionsforen sind dabei prinzipiell hilfreich, weil Infor- mationseinheiten zeitlich gestaffelt wahrgenommen werden können. Allerdings stoßen Nutzer/innen an Grenzen, wenn die einzelnen Diskussionsstränge nicht mehr zu überblicken sind, also eine Informati- onsüberflutung statt findet. Auch große Mailinglisten ziehen zwar kurzfristig viele Nutzer/innen an, ver- lieren aber auch viele wieder (Butler, 2001). Dass bei großen Nutzerzahlen auch viele einfach nur lesen und passiv sind, überrascht nicht. Das Phä- Abbildung  1:  Emoticons  und  Abkürzungen   nomen wird als Lurking bezeichnet (auf deutsch: „herumschleichen“, „verheimlichen“, „sich verstecktKommunika3on  von  und  mit  Vielen   halten“). Lurking ist Gegenstand groß angelegter Un-Ein weiterer besonderer Aspekt von computerver- tersuchungen (Nonnecke & Preece, 2001; Ebner &mittelter Kommunikation ist die hohe Zahl poten- Holzinger, 2005). Als „Lurker“ bezeichnet man alltiell beteiligter Personen, die durch bestimmte jene, die in Foren zwar Beiträge lesen, aber sich selbstFormen der computervermittelten Kommunikation nicht aktiv beteiligen. Sie bleiben also im Hintergrunderreicht werden können bzw. sich daran beteiligen und werden üblicherweise von der Online-Gemein-können. Ein Beispiel dafür sind Mailinglisten, Dis- schaft nicht als aktive Teilnehmer/innen wahrge-kussionsforen oder Chats. nommen. Lurking-Verhalten ist oft notwendig, um So ist zunächst davon auszugehen, dass mit der nicht in Informationsüberflutung zu ersticken (Taka-Zahl der Beteiligten in Netzwerken die Möglichkeiten hashi et al., 2003). Es wäre beispielsweise regelrechtder Interaktion und damit auch verbunden die Moti- unproduktiv und störend, wenn jeder einfach invation zur Interaktion zum Quadrat steigt (siehe Foren Nachrichten hinterlässt ohne bestehende Bei-
  4. 4. 4  —  Lehrbuch  für  Lernen  und  Lehren  mit  Technologien  (L3T)träge zu lesen und zu berücksichtigen (Preece et al., Eine  Online-­‐LerngemeinschaI  ist  eine  Gruppe  von2003). Für unterschiedliche Systeme und Anwen-dungsbeispiele gibt es Zahlen, wie groß der Anteil ! Personen,  die  sich  formal  organisiert  oder  informell  zu einem  Themen-­‐  bzw.  einem  Lerngegenstand  aus-­‐aktiv Beitragender ist, bei Wiki-Systemen liegt dieser tauscht,  sich  dabei  gegensei)g  kennt  und  gemeinsameAnteil oft im Prozent- bzw. Promillebereich. internetbasierte  Kommunika)onskanäle  nutzt (Schaffert  &  Wieden-­‐Bischof,  2009). Eine  Lurking-­‐Phase  ist  für  das  Erfassen  von  computer-­‐ ! vermiFelter  Kommunika)on  ein  notwendiger  Beginn, um  später  gegebenenfalls  ak)v  und  zielgerichtet  in Wesentlich erscheint der Hinweis, dass durch in- tensive Kommunikation in diesen Lerngemein- den  Kommunika)onsprozess  einzusteigen.   schaften trotz räumlicher Distanz eine persönliche Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden3. LerngemeinschaIen  im  Web ebenso entstehen kann, wie zwischen Lernenden un-Gruppenbasiertes Lernen wird im Unterricht seit tereinander (Kerres & Jechle, 2000).vielen Jahren eingesetzt. Mit steigender Internet- Online-Lerngemeinschaften unterscheiden sichnutzung und voranschreitenden technischen Mög- von traditionellen gruppenbasierten Lernformen inlichkeiten gewinnt die Zusammenarbeit in Online- folgender Weise:Lerngemeinschaften in den letzten Jahren an Be- ▸ Online-Lerngemeinschaften erlauben eine zeitlichdeutung. Online-Lerngemeinschaften basieren auf und räumlich flexiblere Gestaltung von Lehrender Idee vom gemeinschaftsorientierten Lernen in und Lernen, sowie eine stärker an individuelle An-einem „virtuellen Raum“. Kommunikation ermög- sprüche ausgerichtete Auseinandersetzung mit In-licht dabei die Entstehung persönlicher Beziehungen halten.und von Online-Lerngemeinschaften. Insbesondere ▸ Lernen in Online-Lerngemeinschaften fördert diein örtlich verteilten Lernsituationen ist die Bildung Medienkompetenz und es können motivationalevon Lerngemeinschaften oft ein ausgewiesenes Zielder computergestützten Lehre. In der Praxis : Samantha.net Samanthanet   ist   eine   Online-­‐Lern-­‐Community,   die   2010   ge-­‐ reits  von  Anfang  an  wurde  auf  eine  sehr  strenge  Einhaltung gründet   wurde   und   sich   noch   in   der   Aulauphase   befindet. der   Kommunika)onsregeln   geachtet   und   einen   wertschät-­‐ Ziel  ist  es,  besonders  Frauen  Weiterbildungsmöglichkeiten  zu zenden  Umgang  miteinander.   bieten,   die   aufgrund   hoher   zeitlicher   Belastung   oder   wegen Die  Lernak)vitäten  selbst  finden  dabei  in  moderierten  Foren Familienzeiten   nicht   oder   nur   unter   erschwerten   Bedin-­‐ und   Gruppen   staF   beziehungsweise   durch   Nutzung   eines gungen   in   der   Lage   sind,   an   Präsenzveranstaltungen   teilzu-­‐ Lernmanagementsysteme   wie   Moodle   und   entsprechenden nehmen.   Zunächst   einmal   stand   die   Aufgabe   an,   die Demonstra)onen,  Simula)onen  und  Online-­‐Prüfungen.   LerngemeinschaI   bekannt   zu   machen,   für   die   ein   soziales Als   besonderer   Anreiz   wurde   ein   Ak)vitätsindex   entwickelt, Netzwerk   konzipiert   wurde.   Dazu   wurden   unter   anderem   die der   individuelles   Engagement   einzelner   Mitglieder/innen   der Microblogging-­‐Plaoorm   TwiFer   als   auch   Facebook   benutzt GemeinschaI  anzeigt,  welches  dadurch  sichtbar  und  belohnt und   bei   Koopera)onspartner/innen   und   anderen   um   Weiter-­‐ wird.  Schließlich  sind  reale  Treffen  ein  wich)ger  Baustein  für leitung   und   Werbung   für   das   Angebot   gebeten   sowie   ständig Samanthanet.de. über  die  eigenen  Kanäle  informiert  und  kommen)ert.  Zudem wurden   auch   andere   Netzwerke   angesprochen.   Neben diesen   Online-­‐Ak)vitäten   wurde   auch   in   tradi)onellen Medien   und   im   Bildungsbereich   geworben,   zum   Beispiel   in FrauenzeitschriIen,   Tageszeitungen   oder   auf   Bildungs-­‐ messen.   Samanthanet   bildet   daneben   Trainer/innen   aus,   die   im deutschsprachigen   Raum   Kurse   zur   Plaoorm   anbieten. Durch   Koopera)onen   mit   Bildungsanbietern   wie   VHS   und Akademien   wird   die   AFrak)vität   des   Angebots   erhöht.   Be-­‐ Abbildung  2:  Startseite  von  Samantha.de  
  5. 5. Kommunika)on  und  Modera)on.  Internetgestützte  Kommunika)on  zur  Lernunterstützung  —  5 Impulse gesetzt werden (Hasan & Ali, 2007; das Vorhandensein einer Netiquette und die Ge- Ehsan et al. 2008; Bodemer et al. 2009; Stahl et al. staltung der Partizipation genannt (Johnson et al., 2006). 2009, 1172).▸ Online-Lerngemeinschaften ermöglichen die In- tensivierung von sozialen Beziehungen und Wis- sensaustausch zwischen Mitglieder/innen auf- grund unterschiedlicher Kommunikations- und Interaktionsmöglichkeiten sowie hierarchieflachen Organisationsformen.▸ Lernräume für die Förderung kommunikativer und sozialer Kompetenzen entstehen, in denen Lernprozesse für die im späteren Berufsleben es- sentielle Zusammenarbeit in heterogenen und räumlich verteilten Teams abgebildet werden Abbildung  3:  Kommunikationsarten  in  Lehr-­‐  und können. Lernumgebungen  aus  Perspektive  LehrenderComputerbasierte Lerngemeinschaften sind keinganz neues Konzept (Schaffert & Wieden-Bischof, 4. Kommunika3onsformen  beim  Online-­‐Lernen  und Modera3on  von  Online-­‐LerngemeinschaIen  2009). Frühere Ansätze des Lernens mit dem Com-puter haben die Einbindung von anderen Lernenden Kommunika3onsformen  zunächst nicht berücksichtigt. Die soziale Ein-bindung und das gemeinsame Lernen ist aber ent- Abbildung 3 zeigt eine reduzierte Darstellung derscheidend für Lernerfolge (Pfister & Wessner, 1999). Eingangs geschilderten Kommunikationsformen, dieIm Fachgebiet „Computerunterstütztes koopera- heute typischerweise innerhalb einer konkreten Lehr-tives Lernen“ (Computer Supported Collaborative und Lernumgebung zum Einsatz kommen.Learning; CSCL) wird so seit Anfang der 1990er Herangezogen werden dafür die drei ParameterJahre zum gemeinsamen, kooperativen Lernen ge- Zeitdimension, Betreuung und Verhältnis der Betei-forscht. Beispielsweise wurde in einer Studie von ligten: Zunächst unterscheidet man zwischen syn-Campione, Brown und Jay (1992) die Gruppe der chroner (zeitgleicher) und asynchroner (zeitver-Lernenden im Klassenzimmer mit Hilfe des Com- setzter) Kommunikation. Aus Sicht der Lehrendenputers und des World Wide Web erweitert und damit gibt es Situationen in den sie betreuend tätig sindandere Klassen aus anderen Ländern miteinbezogen: oder die ein Angebot an Lernende darstellen, ohneSo korrespondierten Schüler/innen aus drei verschie- dass dabei eine zusätzliche Betreuung erfolgt. Danndenen Städten via Quickmail, einem Mail-System, das wird die Art der Kommunikation im Hinblick auf dienoch vor der Einführung des World Wide Web ent- Zahl der Beteiligten und wer mit wem kommuniziertwickelt wurde, und konnten so erfolgreich ge- dargestellt. So können Einzelgespräche (1:1) statt-meinsame Projektarbeiten erstellen. finden, sich einzelne Lehrende mehreren Lernenden Die Forschung zur Entstehung von Online- austauschen (1:n) oder auch eine Vielzahl von Betei-Lerngemeinschaften zeigt, dass diese tatsächlich oft ligten auf einer Plattform in Austausch treten (n:n).ohne Zutun von Bildungseinrichtungen oder Leh- Beispielsweise findet in Newsgroups in der Regelrenden entstehen. Ein Beispiel dafür sind „Commu- keine Betreuung durch Lehrende statt, während Dis-nities of Practice“ (Lave & Wenger, 1991), die aus in- kussionsforen, sofern sie in der Lehre eingesetztteressierten Personen, Expertinnen und Experten be- werden, meist durch eine oder mehrere Lehrpersonenstehen, die zu einem bestimmten Themenfeld Erfah- betreut werden. Je nach didaktischer Zielsetzung istrungen und Wissen austauschen. der Einsatz verschiedener Kommunikationsarten und Bezeichnend für Online-Lerngemeinschaften ist, Medien in einem entsprechenden Lernszenariodass sie in der Regel nur „auf Zeit“ gegründet sinnvoll.werden. Gerade bei für Bildungszwecke initiiertenOnline-Lerngemeinschaften steht für die stattfin- ComputervermiFelte   Kommunika)on   und   Prozessedenden Lern- und Kommunikationsprozesse meistein vorab klar definierter Zeitrahmen zu Verfügung. ! des   Lernens   können   nach   verschiedenen   Parametern beschrieben   werden.   Die   gebräuchlichsten   sind:   Zeit-­‐Als Erfolgsfaktoren für Lerngemeinschaften werden dimension,   Empfängerzahl,   Symbolsystem,   Informa)-­‐dabei der von allen Teilnehmenden erkannte Zweck, onsfluss,  Öffentlichkeitsgrad  und  Betreuung.
  6. 6. 6  —  Lehrbuch  für  Lernen  und  Lehren  mit  Technologien  (L3T)E-­‐Modera3on Modera3onsabläufe  und  -­‐modelleDie ohnehin hohe Komplexität des gruppenbasierten Levin und Cervantes (2002) beschreiben den Le-Lernens wird durch die Besonderheiten der compu- benszyklus von Online-Lerngemeinschaften fol-tervermittelten Kommunikation oft noch zusätzlich gendermaßen (S. 207f):verstärkt. Zur Strukturierung des gemeinsamen Lern- ▸ In der Antragsphase geht es darum, alle Mitgliederprozesses bietet sich daher der Einsatz von E-Mode- der Lerngemeinschaft davon zu überzeugen, sichratorinnen und E-Moderatoren an. an einem gemeinsamen Lernprozess zu beteiligen, Diese erfüllen eine Reihe von Aufgaben, die sich und die Lerngemeinschaft als solche zu initiieren.den idealtypischen Betreuungsbereichen Inhalt, Orga- ▸ Darauf folgt die Verfeinerungsphase, in derennisation, Technik und Lernklima zuordnen lassen, je Verlauf die Idee eines gemeinsamen Lernpro-nach Lernszenario aber natürlich kontextspezifisch zesses konkretisiert und hinsichtlich der Zielset-auszufüllen sind. Insbesondere das Lernklima, also zungen präzisiert wird.die psychosoziale Betreuung und Motivation der Ler- ▸ In der Organisationsphase werden die Formennenden, ist für den Erfolg gruppenbasierter Lernsze- und Arten der Kommunikation beschlossen, sowienarien wichtig. Zeitpläne vereinbart und ausgetauscht. ▸ Nun folgt die Ausführungsphase, in der die eigent- Lesen   Sie   das   Beispiel   von   Samantha.net   (siehe   Box lichen Lernprozesse stattfinden, und die ge- ? „In   der   Praxis“).   Wie   würden   Sie   ein   Angebot   konzi-­‐ pieren,   dass   den   Aulau   und   die   Pflege   von   Lernge-­‐ meinsam festgelegten Ziele verfolgt werden. meinschaIen   in   Ihrem   Studium   op)mal   unterstützt? Während andere Online-Communitys in aller Welche   Merkmale   und   Kommunika)onsmöglichkeiten Regel ohne definierten Endzeitpunkt betrieben sollte  ein  solches  Angebot  haben?  BiFe  illustrieren  Sie werden, ist bei Online-Lerngemeinschaften oft ein Ihren   Entwurf   und   vergleichen   Sie   ihn   mit   den   Vor-­‐ bestimmter Zeitraum für diese Phase vorgesehen. schlägen  von  anderen.  Vergleichen  Sie  Ihren  Vorschlag Die Ausführungsphase endet häufig mit einer Zu- auch   mit   dem   Entwurf   zur   Online-­‐GemeinschaI   Me-­‐ sammenfassung oder einem Dankeschön der In- diencommunity  (Buchem  &  Hamelmann,  2010,  online zugänglich!) itiator/innen. ▸ In der letzten Phase, der Publikationsphase,Gruppendynamisches  Ablaufmodell   werden schließlich die Ergebnisse des gemein- samen Lernens dargestellt und veröffentlicht, ge-Viele Moderationsmodelle, so auch Vorschläge für gebenenfalls auch reflektiert.E-Moderations-Abläufe beziehen sich dabei bewussta u f gruppendynamische Ablaufmodelle (vor allem Das wohl am weitesten verbreitete Modell für reineauf Tuckmans Stufenmodell zur Gruppendynamik, Online-Veranstaltungen ist das von Salmon (2002).1965): In der Formierungsphase (engl. „forming“) Sie empfiehlt ein sehr strukturiertes Vorgehen beimlernen sich die Gruppenmitglieder kennen, die Kon- Online-Lehren und -Lernen. Während jedes Ab-fliktphase (engl. „storming“) ist durch unterschwel- schnittes gibt es bestimmte Tätigkeiten seitens derlige Konflikte aufgrund der Selbstdarstellung der E-Moderatorinnen und E-Moderatoren, wobei die(neuen) Teammitglieder und Cliquenbildungen ge- Interaktivität zwischen den Lernenden mit jederprägt. In der folgenden Phase werden Regeln und Phase stark zunimmt. Die fünf Stufen sind (sieheNormen geklärt (engl. „norming“), so dass schließ- Abbildung 4):lich produktives Agieren (engl. „performing“) mög- ▸ Die erste Phase betrifft Zugang und Motivation:lich wird und Zusammenarbeit und das zielgerichtete Am Beginn muss sichergestellt sein, dass alle Teil-Handeln der Gemeinschaft im Vordergrund steht. nehmenden einen problemlosen und schnellenSchließlich löst sich eine Gemeinschaft wieder auf Zugang zu den Online-Ressourcen haben. Die(engl. „adjourning“). E-Moderation soll diese Grup- technische Komponente darf dabei nicht zumpenprozesse nun bewusst unterstützen und opti- Hindernis werden. Darüber hinaus sollten die Ler-mieren. nenden immer wieder ermutigt und motiviert werden auf die Lernplattform zurückzukehren. Salmon weist auf die Bedeutung einer Vorstel- lungsrunde hin und auch auf eine explizite Ein- weisung und Erprobung der Kommunikations- E-­‐Modera)on   ist   die   ziel-­‐   bzw.   curriculumsorien)erte möglichkeiten. ! Steuerung   und   Leitung   der   Kommunika)on   und   des Austauschs  von  Lern-­‐  und  Arbeitsgruppen.   ▸ In der Phase der Online-Sozialisation soll die lehrende Person versuchen, eine Gemeinschaft zu
  7. 7. Kommunika)on  und  Modera)on.  Internetgestützte  Kommunika)on  zur  Lernunterstützung  —  7 Abbildung  4:    Das  Fünf-­‐Stufen-­‐Modell  der  E-­‐Moderation  nach  Salmon  (2002) bilden. Sozialisationsphase und Beseitigung kultu- 5. Fazit reller Barrieren kennzeichnen diesen Schritt zur Zwar kann Online-Kommunikation zum Lernen und Bildung der Lerngemeinschaft. das Lernen in Online-Gemeinschaften zu einem▸ Im Zuge des Informationsaustauschs sichten, Selbstläufer werden, denn man möchte sich austau- sammeln und verarbeiten die Lernenden Informa- schen, engagiert zeigen und auch anerkannt werden. tionen. Es sollten vorwiegend asynchrone Kom- Jedoch können durch die soziale Interaktion und Ex- munikationstools verwendet werden, damit jeder position auch Ängste, Konkurrenzsituationen und Lernende sein Tempo selbst bestimmen kann und Frustrationen auftreten, gerade wenn gemeinsame sich an die Nutzung der technischen Möglich- Arbeiten und Ergebnisse vorgelegt werden müssen. keiten gewöhnt. Diese Probleme müssen frühzeitig erkannt und ange-▸ Erst in der Phase der Wissenskonstruktion wird messen behandelt werden, um ein „Einschlafen“ der zuerkannt, dass die Lernenden das Potential der Kommunikation und damit ein Scheitern des Lern- Kommunikationstools ausschöpfen. Es erfolgt prozesses zu verhindern. Im Unterschied zum laut Salmon aktiver Austausch. Das neu erworbene Präsenz-Setting unterscheiden sich Online-Lernge- Wissen wird mit der eigenen Erfahrung und jener meinschaften auf der einen Seite in der wahrgenom- der anderen kombiniert. Diese Phase ist durch In- menen Verbindlichkeit und auf der anderen in der teraktivität und Aktivität gekennzeichnet. besseren Transparenz der Beiträge und Aktivitäten▸ In der Phase der Entwicklung übernehmen die der Beteiligten. Lernenden selbst die Verantwortung für das Lernen. Die Anwendung des neuen Wissens steht Entwerfen  Sie  einen  Ablaufplan  für  eine  gelungene  E-­‐ ab jetzt im Vordergrund. Reflexion und kritische Auseinandersetzung sollten mit den entspre- ? Modera)on   einer   Lerngruppe   zu   einer   Lehrveran-­‐ staltung   Ihrer   Wahl.   BiFe   beziehen   Sie   sich   zunächst chenden Applikationen unterstützt werden. E-Mo- auf   ein Kommunika)onsmedium,   dass   Sie   kennen.   derator/innen sollen Hinweise auf vertiefende Welche   Fragen   stellen   Sie,   wie   gewährleisten   Sie,   dass Materialien geben und beenden die Veranstaltung alle  zur  Sprache  kommen,  wie  gehen  Sie  vor?  Präsen-­‐ )eren  Sie  und  vergleichen  Sie  Ihren  Entwurf! mit einer Abschlussrunde.
  8. 8. 8  —  Lehrbuch  für  Lernen  und  Lehren  mit  Technologien  (L3T)Literatur ▸ Karau, S. J. & Wiliams, K.D. (2001). Understanding individual▸ Beck, K. (2006). Computervermittelte Kommunikation im In- motivation in groups: The Collective Effort Model. In: M.E. ternet. München: Oldenbourg. Turner (Hrsg.), Groups at work: Theory and Research. New▸ Bodemer, D.; Gaiser, B. & Hesse, F.W. (2009). Kooperatives York: Lawrence Erlbaum, 113-141. netzbasiertes Lernen. In: L.J. Issing & P. Klimsa (Hrsg), ▸ Kerres, M. & Jechle, T. (2000). Betreuung des Lernens in tele- Online-Lernen. Handbuch für Wissenschaft und Praxis, medialen Lernumgebungen. In: Unterrichtswissenschaft, 28 München: Oldenbourg, 151-158. (3), 257-277.▸ Buchem, I. & Hamelmann, H. (2010). Microlearning: a strategy ▸ Kerres, M. (2000). Entwicklungslinien und Perspektiven medi- for ongoing professional development. In: eLearning Papers, endidaktischer Forschung. 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