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SPIEGELONLINE-Druckversion-Overath-Interview

  1. 1. SPIEGEL ONLINE - Druckversion - Overath-Interview: "Der Rheinlä... http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,druck-297669,00.html 1 von 3 28.12.2008 15:22 04. Mai 2004, 09:09 Uhr DDP FC-Ikone Overath: "Ich wollte in dieser Phase keine Unruhe in Mannschaft und Verein bringen" OVERATH-INTERVIEW "Der Rheinländer mag es lieber etwas härter" Der 1. FC Köln ist abgestiegen. Wieder einmal. Neuer starker Mann beim Traditionsclub ist Weltmeister Wolfgang Overath. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht der designierte Präsident über Fahrstuhlmannschaften, mangelnde Durchschlagskraft, Jungstar Lukas Podolski und seinen Plan zur Rettung des FC. SPIEGEL ONLINE: Herr Overath, der 1. FC Köln muss zum dritten Mal in seiner Vereinsgeschichte die höchste deutsche Spielklasse verlassen. Gefällt Ihnen Ihre Aufgabe beim 1. FC Köln dennoch? Wolfgang Overath: Nach knapp zwei Monaten muss ich sagen, dass es mir wirklich sehr viel Spaß macht. Ich führe jede Menge Gespräche mit unseren Spielern, mit Sponsoren und Leuten, die uns unterstützen wollen. Es sind viele Aufgaben zu bewältigen und mein Terminkalender ist randvoll. Aber das wusste ich ja, als ich den Job beim FC angenommen habe. SPIEGEL ONLINE: Köln steigt ab, aber es regt sich kaum Unmut in der Stadt wie sonst üblich. Erste Auswirkungen der Person Overath? Overath: Ich weiß nicht, wie es momentan aussehen würde, wenn ich die Aufgabe hier nicht übernommen hätte. Ich könnte mir vorstellen, dass es bei unserer Situation dann wieder jede Menge Theater gegeben hätte. Die meisten Leute in Köln sehen in meiner Person eine Chance für den Verein. Wir haben viel Arbeit vor uns, aber Angst haben wir keine. Die Leute haben große Erwartungen. Ich hoffe wir können diese erfüllen. SPIEGEL ONLINE: Warum taten Sie sich so schwer, diese Rolle zu übernehmen? Overath: In den letzten zwölf Jahren war es doch so, dass nach vier Niederlagen der Mannschaft viele nach Overath geschrien haben. Vor zwölf Jahren haben meine Frau und ich ein Kind aus Brasilien adoptiert und ich hatte einfach andere Prioritäten. Die Entscheidung, diese Aufgabe beim 1. FC Köln zu übernehmen, erfolgte auch in enger Absprache mit meiner Frau. Ich bin immer nah am Verein gewesen und war bei fast allen Heimspielen. Der FC ist mein Club und hier bin ich groß geworden. SPIEGEL ONLINE: Wie hat Präsident Albert Caspers auf Ihr Hilfsangebot reagiert? Overath: Ich habe ihn gefragt, ob er nicht die alten Spieler ans Ruder lassen wollte. Das wollte er zunächst nicht. Nach mehreren Gesprächen haben wir uns darauf geeinigt, dass ich eben noch nicht als Präsident fungiere. Ich wollte in dieser Phase keine Art Notvorstand haben und Unruhe in Mannschaft und Verein bringen. Somit habe ich derzeit die Funktion eines Beraters inne. Es war für mich aber klar, dass ich nur an der Spitze des Vereins auch entsprechend arbeiten kann. SPIEGEL ONLINE: Wann werden Sie Präsident? Overath: Der Posten des Präsidenten an sich interessiert mich nicht, ich habe privat und geschäftlich genug um die Ohren. Aber es geht darum, dass jemand als Entscheidungsträger fungieren und den Verein nach außen darstellen muss. Ich würde kein schlechtes Wort über Herrn Caspers verlieren, denn ich habe ihn vor ein paar Jahren selbst dazu überredet, dieses Amt zu übernehmen. Momentan haben wir zwar keine ordentlichen Strukturen, aber irgendwann wird es eine Entscheidung geben müssen, wie die Dinge weiterlaufen sollen. Einen Termin gibt es dafür noch nicht. SPIEGEL ONLINE: Wie sind Sie Ihre Aufgabe angegangen? Overath: Viele glaubten, ich mache jetzt einen riesigen Schnitt und schmeiße den Manager, Trainer und gleich ein halbes Dutzend Spieler raus. Das geht ja so alles nicht. Ich bin froh, dass Profis wie Matthias Scherz oder Carsten Cullmann bei uns bleiben.
  2. 2. SPIEGEL ONLINE - Druckversion - Overath-Interview: "Der Rheinlä... http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,druck-297669,00.html 2 von 3 28.12.2008 15:22 DPA Overath (r.) und Manager Rettig: "Wir arbeiten gut zusammen" DPA Köln-Coach Koller: "Mehr Feuer an der Linie" SPIEGEL ONLINE: Manager Andreas Rettig stand in der Kritik. Overath: Er leistet gute Arbeit. Wenn man wenig Geld zur Verfügung hat, fährt jeder teure Einkauf, der nichts bringt, den Club an die Wand. Uli Hoeneß kann mit ganz anderen Summen arbeiten, bei den Bayern macht sich ein Transferflop kaum bemerkbar. Bei uns ist das gravierender. Wie wir alle hat auch Herr Rettig sicherlich Fehler gemacht. Aber er ist fleißig, intelligent und kennt das Geschäft. Wir arbeiten gut zusammen. SPIEGEL ONLINE: Was ist mit dem Trainer? Overath: Marcel Koller kam nach Köln und musste mit einer neu zusammengestellten Mannschaft zurechtkommen. Spielerisch haben wir uns verbessert. Die vielen Niederlagen haben natürlich seinem Image und seinem Ansehen geschadet. Das ist nicht einfach für ihn, er steht enorm unter Druck. Ich denke, es bringt nichts, den Trainer zu entlassen. Ich traue ihm zu, dass er den Wiederaufstieg schafft. Was danach kommt, sollte uns jetzt nicht beschäftigen. SPIEGEL ONLINE: Marcel Koller wirkt manchmal unbeteiligt. Overath: Ich habe ihm auch gesagt, dass er mal ein wenig mehr Feuer an der Linie entwickeln muss. So geht das in Köln nicht. Er steht da 90 Minuten ganz ruhig an der Seite und guckt sich alles an. Beim FC muss aber einer sein, bei dem die Leute registrieren, dass er mit viel Leidenschaft bei der Sache ist. Der Rheinländer an sich mag es in dieser Beziehung lieber etwas härter. Aber das ist sein Schweizer Naturell. Es ist schon viel besser geworden. SPIEGEL ONLINE: Der FC hat diese Saison teilweise sehr unglücklich verloren. Overath: Die Mannschaft hat sich nicht als Trümmerhaufen präsentiert. Sie hat oft eine gute Einstellung gezeigt und ist im Rahmen ihrer Möglichkeiten marschiert. Wir sind nicht schlechter als sechs oder sieben andere Mannschaften in der Bundesliga. Wir hätten auch gut drin bleiben können. Den Willen, besseren Fußball zu zeigen, kann ich unserer Mannschaft nicht absprechen. SPIEGEL ONLINE: Was hat gefehlt? Overath: Auf zwei entscheidenden Positionen waren wir zu schwach besetzt. Zum einen hätten wir vorne einen gebrauchen können, der die Dinger einfach mal rein macht. Einen echten Knipser wie Martin Max. Zudem fehlte im Zentrum der Viererkette ein Mann, der alles zusammenhält. Da haben wir gravierende Fehler gemacht. Der Fußball lebt zwar von Fehlern, aber wenn wir uns die Bälle fast jedes Mal selbst reinhauen, bekommen wir Probleme. Wenn man vorne nicht trifft und hinten zu häufig patzt, kann man kein Fußballspiel gewinnen. Wir müssen künftig den Fans mehr bieten. Wir sind abgeschlagen auf dem letzten Platz und es kommen fast 50.000 Zuschauer. Dreimal in sechs Jahren abzusteigen und immer noch so tolle Fans zu haben ist einmalig. SPIEGEL ONLINE: Sie haben viele Einzelgespräche mit den Spielern geführt. Welche Eindrücke haben Sie gewonnen? Overath: Wenn einer selbst mal passabel spielen konnte und nun mit den jungen Spielern über Fußball redet, hören sie zu. Ich bin hier aber nicht der Lehrmeister für die Spieler, sondern versuche, auf einer Ebene mit ihnen zu diskutieren. Das funktioniert bisher sehr gut und ich hatte nicht den Eindruck, als gingen diese Gespräche den Spielern auf den Wecker. SPIEGEL ONLINE: Der neue Held der kölschen Fußball-Seele heißt Lukas Podolski. Ist er der Hoffnungsträger? Overath: Der kleine Lukas hat sehr gute Voraussetzungen und bringt alles mit, in Köln eine Figur werden zu können wie Hans Schäfer oder Wolfgang Overath. Er ist schnell, torgefährlich, technisch stark und ein Kerl wie ein Baum, der sich nicht wegdrücken lässt. Mit 18 Jahren ist er bereits sehr weit. Das gibt es selten. Ich selbst hatte eine ordentliche Technik, aber mir fehlte es an körperlicher Durchsetzungskraft. Oder es gibt die großen Brecher, denen es dann an Technik mangelt. Er hat aber beides. Ich hoffe wir können ihn sehr lange halten. Er ist eine Chance für den Club. Ich glaube, den werden wir, auch bei noch so viel Geld,
  3. 3. SPIEGEL ONLINE - Druckversion - Overath-Interview: "Der Rheinlä... http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,druck-297669,00.html 3 von 3 28.12.2008 15:22 © SPIEGEL ONLINE 2004 Alle Rechte vorbehalten Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH DDP Kicker Overath: "Ich bin hier nicht der Lehrmeister für die Spieler" DPA Jungstar Podolski: "Ein Kerl wie ein Baum" nicht mehr verkaufen. SPIEGEL ONLINE: Wie stellen Sie sich die kommende Zweitligasaison vor? Overath: In der zweiten Liga ist die Grundvoraussetzung, dass man dagegen hält. Aber wenn wir das spielerische Element nicht hineinbekommen, haben wir ein Problem. Da kommen einem riesige Kerle entgegen. Körperlich enorm stark. Wir müssen versuchen, eine Mannschaft aufzubauen, die auch Fußball spielen kann. In der letzten Zweitligasaison haben wir eigentlich nie einen Gegner mal ausgespielt. Das war unser Problem in der Bundesliga. Es reicht nicht, dann nur zu kämpfen. SPIEGEL ONLINE: Wie soll sich der 1. FC Köln in Zukunft entwickeln? Overath: Wir werden den Weg gehen, mit jungen und talentierten Spielern - besonders aus der Region - etwas aufzubauen. Zudem ein paar Führungsspieler. Stuttgart ist doch ein hervorragendes Beispiel. Wir haben ein paar sehr gute junge Leute im Kader. Lukas Podolski, Markus Feulner, Sebastian Schindzielorz oder Stefan Wessels und andere. Das ist unsere Basis für eine gute Mannschaft. SPIEGEL ONLINE: Warum sollten junge Spieler nach Köln gehen und nicht zum Lokalrivalen Bayer Leverkusen, der sportlich wie finanziell mehr bieten kann? Overath: Natürlich weiß ich, dass Geld immer wichtiger wird. Aber alles im Umkreis von 50 Kilometern um Köln herum, muss beim FC spielen. Zumindest muss man diese jungen Spieler kennen und versuchen sie zu holen. Wir können finanziell mit Leverkusen nicht mithalten, aber wir sind der große renommierte Club in der Region. Fragen Sie mal einen Zwölfjährigen, ob er zu Bayer oder zum FC gehen möchte. Noch haben wir so viel Substanz, dass einige sich sicher für uns entscheiden würden. Die Fragen stellte Kay Auster URL: http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,297669,00.html

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