Technische Universität Dresden                 Fakultät Verkehrswissenschaften “Friedrich List”                        Ins...
Inhaltsverzeichnis:                                                                           SeiteInhaltsverzeichnis     ...
3.1.2 BIBB-Erhebung der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge   23        3.1.3 Angebot und Nachfrage                   ...
TabellenverzeichnisTabelle 1: Auszug aus der Vorausberechnung Haushalte des Statistischen Bundesamtes,Entwicklung der Priv...
AbbildungsverzeichnisAbb. 1: Gleichgewicht auf dem GütermarktQuelle: Eigene Darstellung nach Mankiw (2008)Abb. 2: Gleichge...
Abb. 12: im jeweiligen Berichtsjahr gemeldete Bewerber für Berufsausbildungsstellen undgemeldete BerufsausbildungsstellenQ...
Quelle: IAB regional NRW (Nr. 01/2007), Karte 9: Pendelnde Auszubildende nachHerkunfts- und Ziel-Gemeinden - in NRW mit mi...
EINLEITUNG„Gib einem Hungernden einen Fisch, und er wird einmal satt, lehre ihn Fischen, und erwird nie wieder hungern.“ -...
1 Theoretische Abbildung des AusbildungsmarktesBevor in den nachfolgenden Kapiteln die Situation auf dem Ausbildungsmarktd...
1.2 Abbildung von Ausbildungsplatzangebot und -nachfrageDie beschriebene Darstellung der Marktwirtschaft lässt sich auf de...
Erwerbspersonen umfasst die Erwerbstätigen, die eine Erwerbstätigkeit ausüben8 undderen Zahl sich 2008 auf rund 40,26 Mill...
2 Demographie„DEM DEUTSCHEN VOLKE“ – Diese Inschrift ist seit 1915 über dem Hauptportal desReichstages in Berlin zu lesen,...
Wohnungswechsel, Eintritt und Austritt aus religiösen oder sozialen Institutionen sowieÄnderung des Arbeitsverhältnisses.1...
nach    Angaben       des   Statistischen    Bundesamtes        „das    umfassendste     statistischeNachschlagewerk auf d...
2.2 Demographische Lage„Im Jahr 2060 wird jeder Siebente 80 Jahre oder älter sein“, so lautete die Kernaussageder Presseko...
2.2.2 Darstellung der Entwicklung der Altersstruktur anhand einer interaktiven      AlterspyramideDie wohl am weitesten ve...
40Abb. 6: Stabile BevölkerungEine stabile Bevölkerung zeichnet sich dadurch aus, dass sowohl Wachstumsrate, alsauch Alters...
Das Statistische Bundesamt stellt auf seiner Internetpräsenz destatis.de eine interaktiveAlterspyramide vor, die aus der 1...
Abb. 9: interaktive Alterspyramide 2009, Geburtsjahrgang 1985Quelle: Screenshot der interaktiven Alterspyramide auf der In...
Abb. 10: interaktive Alterspyramide 2050 mit GeschlechterproportionQuelle: Screenshot der interaktiven Alterspyramide auf ...
2.3 Natürliche BevölkerungsbewegungIm Jahre 2007 wurden in Deutschland 684.862 Kinder geboren, was 8,3 Kindern pro1.000 Ei...
Altersgruppen fort, um sich ab dem späten Rentenalter rasch umzukehren: In derAltersgruppe 65 bis 70 waren 80% der Männer,...
Einwohnern sogar nur noch bei 1,85. Im Ländervergleich lebten mit 2,17 in Baden-Württemberg die meisten Personen je Hausha...
2.4 Räumliche BevölkerungsbewegungIn der Pressemitteilung Nr.375 vom 01.10.2009 stellt das Statistische Bundesamt fest,das...
Somit beträgt der Einwanderungsüberschuss Hamburgs 22%. Die größte Gruppe dernach Hamburg Wandernden stellen Menschen aus ...
2.5 Bildung und WissenschaftVon den im Jahre 2008 rund 71 Millionen Menschen in der BRD im Alter von 15 und mehrJahren gab...
3 Ausbildungsmarkt in DeutschlandAls Einführung in die Situation des Ausbildungsmarktes in Deutschland wird dieEntwicklung...
Im jeweiligen Berichtsjahr gemeldete Bewerber für Berufsausbildungsstellen                                     und Berufsa...
Auszubildenden             schlechter            eingeschätzt             und      deswegen           teilweise        gan...
finden (in 2005: West ~41% und Ost ~46%).69 Grund für die Nichtbesetzung einesAuszubildenden ist an erster Stelle, dass ke...
neu abgeschlossene Ausbildungsverträge 640000 620000 600000 580000 560000 540000 520000 500000Abb. 14: Entwicklung der neu...
Ausbildung: Angebot und Nachfrage                         700000     Ausbildungsplätze   680000                         66...
passenden Auszubildenden gesucht haben und erfolglos blieben werden nichtberücksichtigt. Ebenso fehlen die Bewerber die au...
Ersichtlich wird dass sowohl die Angebots- sowie die Nachfrageberechnung deutlichhöher ausfällt als in den Statistiken ang...
3.2 aktuelle AusbildungssituationNun       wird   die    Ausbildungssituation       2007/08   hinsichtlich        der   Re...
113.818 auf den drittniedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung (um -11280 d.h.-9,0 %gegenüber 2006/07) während in den al...
3.2.3 Ausbildungssituation 2007/08 nach ZuständigkeitsbereichenEine weitere Einteilung der neu abgeschlossenen Ausbildungs...
Tischler/in, (-740), Anlagemechaniker/in für Sanitär-, Heizungs- u Klimatechnik (-679),Maler/-in und Lackierer/in (-675), ...
Bei      den    jungen       Männern      hingegen         konnten      nur     59,6%    der     männlichenAusbildungsvert...
Zeitraum mit +78.600 Bewerbern, die in einer Alternative weiterhin einen Ausbildungsplatzsuchen, eine Nachfrage nach 737.1...
Wie     schon   in   Abbildung    12   ersichtlich   beträgt   die   Zahl    der   gemeldetenBerufsausbildungsstellen 475....
100      mehr    unversorgte     Bewerber     als   unbesetzte    Stellen.“88   Anhand    diesesStellenüberhangs lässt sic...
4 Ausbildungsmobilität in DeutschlandUm die Struktur des Marktes für Ausbildungsplätze in Deutschland umfassend betrachten...
4.1 Regionale PendlerverflechtungenIn der Bundesrepublik Deutschland lässt sich eine ausgeprägte Heterogenität desAngebots...
Raumwirtschaftliche Betrachtung der Ausbildungssituation der BRD
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Ausbildungssituation in Deutschland: demographischer
Hintergrund, Markt und Mobilität
- eine empirische Analyse für Deutschland –
Studienarbeit der Technischen Universität Dresden, Fachrichtung Verkehrswirtschaft.

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Raumwirtschaftliche Betrachtung der Ausbildungssituation der BRD

  1. 1. Technische Universität Dresden Fakultät Verkehrswissenschaften “Friedrich List” Institut für Wirtschaft und Verkehr Professur für VWL, insb. Makroökonomik und Raumwirtschaftslehre / Regionalwissenschaften Ausbildungssituation in Deutschland: demographischer Hintergrund, Markt und Mobilität - eine empirische Analyse für Deutschland – SeminararbeitAbgabe: 04.01.2010Betreuer:Prof. Dr. G. HirteDipl. Verkehrswirtschaftler
  2. 2. Inhaltsverzeichnis: SeiteInhaltsverzeichnis ITabellenverzeichnis IIIAbbildungsverzeichnis IVEinleitung 11 Theoretische Abbildung des Ausbildungsmarktes 2 1.1 Funktionsweise der Marktwirtschaft 2 1.2 Abbildung von Ausbildungsplatzangebot und -nachfrage 32 Demographie 5 2.1 Verfahren der Erhebung demographischer Daten 5 2.1.1 Begriffsabgrenzungen und Methodenbeschreibung 5 2.1.2 Die Volkszählung 2011 7 2.2 Demographische Lage 8 2.2.1 Bevölkerungsbilanz aktuell 8 2.2.2 Darstellung der Entwicklung der Altersstruktur anhand einer 9 interaktiven Alterspyramide 2.3 Natürliche Bevölkerungsbewegung 14 2.4 Räumliche Bevölkerungsbewegung 17 2.5 Bildung und Wissenschaft 193 Ausbildungsmarkt in Deutschland 20 3.1 Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt 1998/99- 2008/09 20 3.1.1 Ausbildungsstellenmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit 20
  3. 3. 3.1.2 BIBB-Erhebung der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge 23 3.1.3 Angebot und Nachfrage 24 3.1.4 Probleme und Lücken der Statistiken 25 3.2 aktuelle Ausbildungssituation 27 3.2.1 BIBB- Datenreport 2009 27 3.2.2 Ausbildungssituation 2007/08 in den Ländern und Regionen 27 3.2.3 Ausbildungssituation 2007/08 nach Zuständigkeitsbereichen 29 3.2.4 Ausbildungssituation 2007/08 nach Geschlechtern 30 3.2.5 Angebot und Nachfrage 2007/08 31 3.2.6 Ausbildungsmarkt 2008/09 324 Ausbildungsmobilität in Deutschland 35 4.1 Regionale Pendlerverflechtungen 36 4.1.1 Untersuchung nach Bundesländern und auf Kreisebene 36 4.1.2 Die Ausmaße der Mobilität 45 4.1.3 Die zurückgelegten Entfernungen 46 4.2 Einflussfaktoren des Mobilitätsverhaltens 47 4.2.1 Ausbildungsplatzangebot 47 4.2.2 Bevölkerungsdichte 47 4.2.3 Zusammenhänge zwischen Ausbildungsplatzangebot und 48 Bevölkerungsdichte 4.3 Ausblick 50Fazit 51Quellenverzeichnis VIIAnhang XIIEigenwörtliche Erklärung XIV II
  4. 4. TabellenverzeichnisTabelle 1: Auszug aus der Vorausberechnung Haushalte des Statistischen Bundesamtes,Entwicklung der Privathaushalte bis 2025 (Trendvariante) Deutschland, destatis.deTabelle 2: neu abgeschlossene Ausbildungsverträge 2007/08 in Bezug zu 2006/07 nachBundesländernQuelle: eigene Darstellung in Anlehnung an BIBB-Datenreport 2009,Übersicht A1-2, S.15Tabelle 3: Pendlerdaten von Auszubildenden nach Bundesländern 2006Quelle: IAB-Kurzbericht (09/2008), Tabelle 1: Pendlerdaten von Auszubildenden nachBundesländern 2006 III
  5. 5. AbbildungsverzeichnisAbb. 1: Gleichgewicht auf dem GütermarktQuelle: Eigene Darstellung nach Mankiw (2008)Abb. 2: Gleichgewicht auf dem ArbeitsmarktQuelle: Eigene und teilweise aus dem Englischen übersetzte Darstellung nach Hubbardund O´Brien (2006), S. 78 und Baßeler, Heinrich und Utecht (2006), S. 129, 156 und 172Abb. 3: Bevölkerungsentwicklung 1990 bis 2008 in der BRD in 1000Quelle: Eigene Darstellung in Bezugnahme auf Daten des Statistischen Jahrbuchs 2009,S.34-35Abb. 4: AlterspilzQuelle: Webseite Geographie Innsbruck, http://tirolatlas.uibk.ac.atAbb. 5: Schrumpfende BevölkerungQuelle: Eigene Darstellung nach Mueller (2000), S.17Abb. 6: Stabile BevölkerungQuelle: Eigene Darstellung nach Mueller (2000), S.17Abb. 7: Wachsende BevölkerungQuelle: Eigene Darstellung nach Mueller (2000), S.17Abb. 8: interaktive Alterspyramide 2009Quelle: Screenshot der interaktiven Alterspyramide auf der Internetpräsenz desStatistischen BundesamtesAbb. 9: interaktive Alterspyramide 2009, Geburtsjahrgang 1985Quelle: Screenshot der interaktiven Alterspyramide auf der Internetpräsenz desStatistischen BundesamtesAbb. 10: interaktive Alterspyramide 2050 mit GeschlechterproportionQuelle: Screenshot der interaktiven Alterspyramide auf der Internetpräsenz desStatistischen BundesamtesAbb. 11: Überschuss der Fort- und Zuzüge innerhalb Deutschlands 2007, nichtberücksichtigt sind Ortsumzüge.Quelle: Eigene Darstellung nach Daten von destatis.de IV
  6. 6. Abb. 12: im jeweiligen Berichtsjahr gemeldete Bewerber für Berufsausbildungsstellen undgemeldete BerufsausbildungsstellenQuelle: in Anlehnung an Ausbildungsmarktstatistik September 2009, BAAbb. 13: nicht vermittelte/unversorgte Bewerber sowie unbesetzteBerufsausbildungsstellen am Ende des jeweiligen BerichtsjahresQuelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Ausbildungsmarktstatistik September 2009,BAAbb. 14: Entwicklung der neu abgeschlossenen AusbildungsverträgeQuelle: eigene Darstellung in Anlehnung an BIBB-Erhebung der neu abgeschlossenenAusbildungsverträge zum 30.SeptemberAbb. 15: Entwicklung des Ausbildungsangebotes und der AusbildungsnachfrageQuelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Ausbildungsmarktstatistik September 2009, BAund an BIBB-Erhebung der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge zum 30.SeptemberAbb. 16: Erfasste und geschätzte Angebots- und Nachfrage-Volumina in 2004/05Quelle: in Anlehnung an J.G.Ulrich, Wie groß ist die Lehrstellenlücke wirklich, BWP 3/2006,S.15Abb. 17: neu abgeschlossene Ausbildungsverträge nach Zuständigkeitsbereichen2007/08 im Vergleich zu 2006/07Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an BIBB-Datenreport 2009 Übersicht A1.1-1,S.18Abb. 18: Angebot und Nachfrage 2007/08 nach alter und neuer DefinitionQuelle. eigene Darstellung nach eigenen Berechnungen und nachAusbildungsmarktstatistik September 2009, BA und an BIBB-Erhebung der neuabgeschlossenen Ausbildungsverträge zum 30.SeptemberAbb. 19: Auszubildende am Arbeitsort und die Zahl der Einpendler in den acht größtenStädten Deutschlands (Stichtag: 30.09.2006)Quelle: IAB regional Nord (Nr. 02/2008), Abbildung 8: Auszubildende am Arbeitsort unddie Zahl der Einpendler in den acht größten Städten Deutschlands (Stichtag: 30.09.2006)Abb. 20: Pendelnde Auszubildende nach Herkunfts- und Ziel-Gemeinden - in NRW mitmin. 100 Auspendlern zum 30.09.2005 V
  7. 7. Quelle: IAB regional NRW (Nr. 01/2007), Karte 9: Pendelnde Auszubildende nachHerkunfts- und Ziel-Gemeinden - in NRW mit min. 100 Auspendlern zum 30.09.2005Abb. 21: Pendelnde Auszubildende nach Herkunfts- und Ziel-Gemeinden in Deutschlandmit min. 100 Auspendlern zum 30.09.2005Quelle: IAB regional NRW (Nr. 01/2007), Karte 9: Pendelnde Auszubildende nachHerkunfts- und Ziel-Gemeinden in Deutschland mit min. 100 Auspendlern zum 30.09.2005Abb. 22: Durchschnittliche Pendlerdistanzen von Auszubildenden nachArbeitsmarktregionen 2006Quelle: IAB-Kurzbericht (Nr. 09/2008), Karte 2: Durchschnittliche Pendlerdistanzen vonAuszubildenden nach Arbeitsmarktregionen 2006Abb. 23: Zusammenhang zwischen Ausbildungsplatzangebot bzw. Bevölkerungsdichteund dem gewichteten Pendlersaldo in den 150 deutschen ArbeitsmarktregionenQuelle: IAB Kurzbericht (Nr. 09/2008), Abbildung 1: Zusammenhang zwischenAusbildungsplatzangebot bzw. Bevölkerungsdichte und dem gewichteten Pendlersaldo inden 150 deutschen Arbeitsmarktregionen VI
  8. 8. EINLEITUNG„Gib einem Hungernden einen Fisch, und er wird einmal satt, lehre ihn Fischen, und erwird nie wieder hungern.“ - Diese Lebensweisheit von Laotse wurde über zweieinhalbJahrtausende von Generation zu Generation übermittelt und musste nie an Realitätsnäheeinbüßen. Im Gegenteil: Eine fundierte Ausbildung ist heute so wichtig wie eh und je. Inden letzten Jahren überstieg die Zahl der älteren Menschen, die aus dem Erwerbslebenausschieden, diejenige Zahl der jungen ausgebildeten Menschen, die an deren Stellenachrückten.1 Obwohl freie Ausbildungsplätze vorhanden sind, bleibt regelmäßig ein nichtunerheblicher Prozentsatz an jungen Menschen ohne Lehrstelle. Warum es sowohl einegroße Anzahl an nichtvermittelten Bewerbern, als auch an nicht besetzenAusbildungsplätzen gibt, soll in dieser Seminararbeit aufgedeckt werden. Außerdem wirddie aktuelle Situation auf dem Ausbildungsmarkt näher beschrieben, in die Methoden derBevölkerungsforschung und Datenermittlung eingetaucht, auf Probleme in der Räumungdes Ausbildungsmarktes hingewiesen, Ein- und Auspendlerströme gegenüber gestellt undnach Ursachen dieses Ungleichgewichtes geforscht.Zur Vermittlung grundlegenden Wissens bildet Kapitel 1 erst allgemein die freieMarktwirtschaft, später auch den Arbeits- und Ausbildungsmarkt theoretisch ab. UmBevölkerungsentwicklungen und Statistiken zu erstellen, werden in aufwendigenVerfahren repräsentative Daten erhoben. Welche Verfahren der demographischenErhebung angewandt werden und wodurch sich diese unterscheiden wird in Kapitel 2beschrieben, welches außerdem auf die bevorstehende Volkszählung 2011 Bezug nimmt.Desweiteren wird auf die räumliche und natürliche Bevölkerungsentwicklung eingegangenund Möglichkeiten der graphischen Veranschaulichungbevölkerungsbewegungsrelevanter Daten aufgezeigt.Die Entwicklung des Ausbildungsmarktes der letzten zehn Jahre wird in Kapitel 3, sowohlunter dem Aspekt der Ausbildungsstellenmarktstatistik, der neu abgeschlossenenAusbildungsverträge, als auch hinsichtlich des Angebotes und der Nachfrage erörtert.Außerdem werden Lücken der Statistiken aufgezeigt und detailliert auf die neusten Datender Ausbildungssituation eingegangen.Warum der Ausbildungsmarkt im Vergleich zum Arbeitsmarkt wesentlich stärker räumlichkonzentriert ist und welche Konsequenzen sich daraus ergeben, wird in Kapitel 4dargestellt. Zudem werden die Determinanten, die Mobilität beeinflussen, erörtert undregionale Unterschiede in der Zahl der Auszubildenden, die eine große Entfernung zuihrem Ausbildungsplatz zurücklegen müssen, aufgedeckt und analysiert.1 Analyse des Arbeitsmarktes in Deutschland (November 2009), S.4 1
  9. 9. 1 Theoretische Abbildung des AusbildungsmarktesBevor in den nachfolgenden Kapiteln die Situation auf dem Ausbildungsmarktdurchleuchtet wird, sollen grundlegende Begriffe geklärt und auf dieGleichgewichtstheorie eingegangen werden.1.1 Funktionsweise der Marktwirtschaft2Um die Reaktionen der Marktwirtschaft auf Preisänderungen des betrachteten Gutesgrafisch abzubilden, wird , wie in Abbildung 1 in einem Preis-Mengen-Diagramm3 erstellt,an dessen Ordinate der Preis pro Stück und an dessen Abszisse die Stückzahlabgetragen wird.Abb. 1: Gleichgewicht auf dem GütermarktQuelle: Eigene Darstellung nach Mankiw (2008)Bei steigenden Preisen weiten Produzenten das Angebot aus, wohingegen Konsumentendie Nachfrage einschränken. Aufgrund der positiven Abhängigkeit des Angebots vomMarktpreis der Güter zeigt die Nachfragekurve einen steigenden Verlauf, dieAngebotskurve dagegen fällt mit zunehmendem Preis.4 Am Schnittpunkt derAngebotskurve mit der Nachfragekurve ergibt sich das Marktgleichgewicht. Bei derGleichgewichtsmenge x* und dem Gleichgewichtspreis p* ist der Markt geräumt.52 Vgl. Baßeler, Heinrich und Utecht (2006), S. 353 Vgl. Beck (2006), S. 844 Vgl. Beck (2006), S. 295 Vgl. Mankiw (2008) 1
  10. 10. 1.2 Abbildung von Ausbildungsplatzangebot und -nachfrageDie beschriebene Darstellung der Marktwirtschaft lässt sich auf den Arbeits- bzw.Ausbildungsmarkt übertragen. Dabei wird Arbeit von Unternehmen nachgefragt6, die beiniedrigerem Reallohnsatz w und damit niedrigerem Grenzprodukt der Arbeit in derErwartung höherer Gewinne ihre Arbeitsnachfrage Ld steigern. Wie in Abbildung 2 zuerkennen ist, besteht somit ein negativer Zusammenhang zwischen Reallohnsatz undArbeitsnachfrage. Private Haushalte bieten Arbeit als Produktionsfaktor an. Aufgrundeiner allgemein umso höheren Arbeitsbereitschaft bei höherem Reallohnsatz verhält sichdas Arbeitsangebot Ls, anders als die Arbeitsnachfrage, positiv zum Reallohnsatz. Somitzeigt sich die Arbeitsangebotskurve als steigend.Abb. 2: Gleichgewicht auf dem ArbeitsmarktQuelle: Eigene und teilweise aus dem Englischen übersetzte Darstellung nach Hubbard und O´Brien (2006),S. 78 und Baßeler, Heinrich und Utecht (2006), S. 129, 156 und 172Der in Abbildung 2 zu erkennende Überschuss an Arbeitsangebot zeigt dieUnterbeschäftigung, die angibt, wie hoch die Zahl der Erwerbspersonen über der Zahl derArbeitsstellen liegt7.Laut dem Statistischen Jahrbuch 2009, S.81, des Statistischen Bundesamtes Wiesbadenließen sich im Jahr 2008 43,39 Millionen Erwerbspersonen verzeichnen. Der Begriff der6 Vgl. Baßeler, Heinrich und Utecht (2006), S. 1557 Vgl. Möller und Walwei (2009), S. 61 2
  11. 11. Erwerbspersonen umfasst die Erwerbstätigen, die eine Erwerbstätigkeit ausüben8 undderen Zahl sich 2008 auf rund 40,26 Millionen belief, sowie die Erwerbslosen, das heißtdie nicht erwerbstätigen Personen im erwerbsfähigen Alter von 15 bis 74 Jahren, die inden vorausgegangenen vier Wochen aktiv auf Arbeitssuche waren9 (2008: 3,13 Millionen).Demzufolge ergibt sich als Verhältnis der Erwerbslosen zu den Erwerbspersonen eineErwerbslosenquote von 7,3%10.Über die aktuelle Arbeitsnachfrage lassen sich nur unzureichende Vermutungenanstellen, da das Arbeitsamt11 für Jahr 2008 lediglich 560.00012 Stellen (Oktober 2009:479.10013) verzeichnen konnte, zumal in diese Berechnung nur die vom Arbeitgeber andie Agentur für Arbeit gemeldeten Stellen eingehen. Da es sich bei den Angaben über dieZahl der Erwerbspersonen und die Zahl der gemeldeten Stellen um unterschiedlicheGrößenordnungen und Ermittlungsmethoden handelt, lassen sich daraus keineRückschlüsse auf einen Arbeitsangebotsüberschuss ziehen.Analog zum Arbeitsmarkt gelten die beschriebenen Funktionsweisen auch für denAusbildungsstellenmarkt und auch für Bewerber für Berufsausbildungsplätze stellt dieAgentur für Arbeit eine wichtige Transferposition dar: 515.500 Bewerber haben imLehrjahr 2008/09 die Ausbildungsvermittlung bei der Suche nach einer Lehrstelleeingeschaltet.14 Eine detaillierte Auswertung des Ausbildungsstellenmarktes erfolgt imnachfolgenden Kapitel, das als Einstieg einen Überblick über den Markt für beruflicheAusbildung gibt.8 Vgl. Statistisches Jahrbuch 2009, S. 809 Vgl. Statistisches Jahrbuch 2009, S. 7910 Vgl. Statistisches Jahrbuch 2009, S. 86, Ungenauigkeiten sind auf Rundungsdifferenzen zurückzuführen11 Vgl. Statistisches Jahrbuch 2009, S. 8012 Vgl. Statistisches Jahrbuch 2009, S. 7313 Vgl. Internetpräsenz des Statistischen Bundesamtes destatis.de, Stand: 29. Oktober 200914 Vgl. Presse Info 067 vom 01.09.2009, Bundesagentur für Arbeit 3
  12. 12. 2 Demographie„DEM DEUTSCHEN VOLKE“ – Diese Inschrift ist seit 1915 über dem Hauptportal desReichstages in Berlin zu lesen, nach einem Vorschlag des Architekten Paul Wallot von1894, der sein bis heute als Besuchermagnet geltendes Regierungsgebäude „demdeutschen Volke“ widmete.15 Doch was genau ist unter dem Begriff Volk bzw.Bevölkerung zu verstehen? Laut dem Statistischen Jahrbuch 2004 gehören alleEinwohner, die mit ihrer Hauptwohnung in der BRD gemeldet sind, der Bevölkerung anund somit sind dazu auch alle hier gemeldeten Ausländer zu zählen. WelcheBevölkerungsentwicklungen stattgefunden haben oder zukünftig stattfinden werden undwelche Methoden zur demographischen Datenermittlung eingesetzt werden, wird in dennachfolgenden Kapiteln erläutert.Abschnitt 2.1 gibt einen Überblick über die Verfahren der Erhebung, grenzt verwendeteBegriffe voneinander ab und bezieht Stellung zur geplanten Volkszählung 2011. DerAbschnitt 2.2 durchleuchtet die demographische Lage in Bezug auf die aktuelle, räumlicheund natürliche Bevölkerungsentwicklung und weist auf Möglichkeiten der graphischenDarstellung hin.2.1 Verfahren der Erhebung demographischer Daten„Volkszählung war gestern – Zensus ist morgen“ lautete die Pressemitteilung Nr.102 desStatistischen Bundesamtes vom 18.03.2009. Im nun folgenden Abschnitt soll derUnterschied zwischen diesen beiden Erhebungsverfahren geklärt und auf die für das Jahr2011 geplante Zensur eingegangen werden.2.1.1 Begriffsabgrenzungen und MethodenbeschreibungDaten demographischer Erhebungen können aus allgemeinen Bevölkerungsregisternstammen, aus Stichprobenumfragen auf freiwilliger Basis oder aus staatlich organisiertenErhebungen16, den sogenannten Volkszählungen, bei denen Antwortpflicht besteht17.Das statistische Bundesamt in Wiesbaden sammelt personenbezogene, von staatlichenInstitutionen ausgestellte Dokumente, wertet sie aus und stellt sie zu Forschungszweckenzur Verfügung. Zu den typischen registrierten demographischen Prozessen zählen Geburtund Tod, Eheschließung und Ehelösung, Abwanderung und Einbürgerung,15 Vgl. Haubrich (1999)16 Vgl. Mueller (2009)17 S. ZensG 2011 51a, § 18, Abs. 1, S.1 4
  13. 13. Wohnungswechsel, Eintritt und Austritt aus religiösen oder sozialen Institutionen sowieÄnderung des Arbeitsverhältnisses.18Volkszählungen sind staatlich organisierte Erhebungen, bei denen die Bürger für dengrößten Teil der Erhebungsmerkmale19 zur Auskunft verpflichtet sind. Dabei werden zueinem bestimmten Stichtag20 bei allen im Staatsgebiet wohnhaften Personen mit einemeinheitlichen gedruckten Fragebogen oder Online-Fragebogen21 Strukturdaten überBiografie, Ausbildung, Beruf, Familien-, sowie Wohn- und Arbeitsverhältnisse erhoben.Ziel der Volkszählung ist die Offenlegung von Ungenauigkeiten im Melderegister unddessen Aktualisierung22. Die Abgrenzung des geplanten europaweiten Zensus 2011 vonder altbekannten Volkszählung stellt das Statistische Bundesamt als einen grundlegendenWandel dar23. Um die Daten der nur in großen Abständen durchgeführten Volkszählungfortzuschreiben und zur umfassenden Arbeitsmarktbeobachtung werden seit 195724jährlich ein Prozent25 aller Haushalte im Rahmen des sogenannten Mikrozensusstichprobenartig befragt. Der Fragenkomplex des Mikrozensus setzt sich zusammen ausallgemeinen demographischen Angaben wie Alter, Geschlecht, Staatszugehörigkeit,Unterhalt und Einkommen und den Ergänzungserhebungen mit Angaben zur früherenErwerbstätigkeit und Pflegeversicherung26. Dabei treten bei großer zeitlicher Entfernungzum letzten Zensus starke Abweichungen auf, die auf Ungenauigkeiten in derWanderungsstatistik zurückzuführen sind.27Das statistische Bundesamt ist eine selbstständige Behörde im Geschäftsbereich desBundesministeriums des Innern mit zentralem Sitz in Wiesbaden, zu dessen Aufgabensowohl die Vorbereitung von Analysen für die Bundesstatistik, als auch die Erarbeitungder Rechts- und Verwaltungsvorschriften gehören.28 Das seit mittlerweile 58 Jahren imHerbst erscheinende Statistische Jahrbuch des Statistischen Bundesamtes bildet jeweilsdas vorausgegangene Kalenderjahr umfangreich ab (Die Ausgabe von 2009 umfasstbeispielsweise 753 Seiten) bezüglich Geographie und Klima, Bevölkerungsentwicklung,Arbeitsmarkt, Bildung und Wissenschaft, Wahlen, Sozialleistungen, Bauen und Wohnen,Land- und Forstwirtschaft, sowie Verkehr, Außenhandel und Preisentwicklung29 und ist18 Vgl. Mueller (2009)19 S. ZensG 2011 51a, § 18, Abs. 1, S.220 S. ZensG 2011 51a, § 2, Abs. 221 S. ZensG 2011 51a, § 18, Abs. 2, S.322 S. ZensG 2011 51a, Drucksache zu § 7, Abs. 123 Vgl. Pressemitteilung Nr.102 des Statistischen Bundesamtes vom 18.03.200924 Vgl. Lüttinger und Riede (1997), S.1925 Vgl. Rohloff (2005), S.226 Vgl. Lüttinger und Riede (1997), S.2127 Vgl. Münz (2005), S.428 Vgl. Internetpräsenz des Statistischen Bundesamtes29 in Auswahl aus dem Inhaltsverzeichnis des Statistischen Jahrbuches 2009 5
  14. 14. nach Angaben des Statistischen Bundesamtes „das umfassendste statistischeNachschlagewerk auf dem deutschen Markt.30“ Sofern nicht anders angeben, beziehensich die genannten Daten im nachfolgenden Kapitelabschnitt (2.2) auf das StatistischeJahrbuch 2009.2.1.2 Die Volkszählung 2011Da eine Volkszählung gemäß einer Richtlinie der EU alle 10 Jahre31 durchgeführt werdensollte und die Vereinten Nationen ihren Mitgliedsstaaten die Durchführung einerVolkszählung zu Beginn jedes Jahrzehnts nahelegen32, zählten die meistenMitgliedsstaaten der Europäischen Union im Jahr 2001. Weil die letzte Volkszählung inDeutschland im früheren Gebiet der Bundesrepublik am 25. Mai 1987 durchgeführt wurde,wurde am 8. Juli 200933 das Gesetz über den registergestützten Zensus im Jahre 2011(Zensusgesetz 2011 – ZensG 2011) veröffentlicht, das auf der Verordnung (EG) Nr.763/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 9. Juli 2008 über Volks- undWohnungszählungen beruht.Der Art. 1, Abs. 1 ZensG 2011 lautet: „Die statistischen Ämter des Bundes und der Länderführen eine Bevölkerungs-, Gebäude- und Wohnungszählung (Zensus) mit Stand vom 9.Mai 2011 (Berichtszeitpunkt) als Bundesstatistik durch.“ Und weiter: „Die statistischenÄmter der Länder führen zum Berichtszeitpunkt eine Haushaltebefragung aufStichprobenbasis (Haushaltsstichprobe) durch“ (§ 7, Abs. 1 ZensG). Beim Zensus 2011wird auf eine umfassende, alle Individuen betreffende Zählung verzichtet und stattdessennur etwa acht Prozent34 der Bevölkerung befragt.30 Statistisches Jahrbuch 2009, S.1231 S. Verordnung (EG) Nr. 763/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 9. Juli 2008 über Volks- und Wohnungszählungen, Art. 132 S. Begründung des Entwurfs für das Gesetz zur Anordnung des Zensus 2011 sowie zur Änderung des Statistikgesetzes vom 8. Juli 2009(BR-Drucks. Nr. 3/09 vom 2. Januar 2009), Teil A, Abs. 333 S. ZensG 2011 51a34 S. Begründung des Entwurfs für das Gesetz zur Anordnung des Zensus 2011 sowie zur Änderung des Statistikgesetzes vom 8. Juli 2009 (BR-Drucks. Nr. 3/09 vom 2. Januar 2009), Teil A, Abs. 11b 6
  15. 15. 2.2 Demographische Lage„Im Jahr 2060 wird jeder Siebente 80 Jahre oder älter sein“, so lautete die Kernaussageder Pressekonferenz des Statistischen Bundesamtes zur Bevölkerungsentwicklung inDeutschland bis 2060 am 18.11.2009 in Berlin.Im nachfolgenden Kapitel werden Erkenntnisse zur demographischen Lage erörtert undbelegt. Soweit nicht anders angegeben, stammen die verwendeten Daten aus demStatistischen Jahrbuch vom September 2009, da daraus die aktuellsten undzuverlässigsten Zahlen zu beziehen sind. Abweichende Werte aus anderen Quellen sindgegebenenfalls mit Fußnote vermerkt.2.2.1 Bevölkerungsbilanz aktuellZur Ermittlung der aktuellen demographischen Lage werden die Statistiken dernatürlichen Bevölkerungsbewegung wie Geburten, Todesfälle, Eheschließungen undScheidungen und der räumlichen Bevölkerungsbewegung (Wanderungen) herangezogen,außerdem die Ausländerstatistik und analytische Vorausberechnungen über Sterblichkeit,Geburtenzahlen sowie die Heirats- und Scheidungshäufigkeit. Bevölkerungsentwicklung 1990 bis 2008 in der BRD 83000 82000 82537 82501 82315 82260 82037 82012 82002 81000 81539 80975 80000 79753 79000 78000 1990 1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008Abb. 3: Bevölkerungsentwicklung 1990 bis 2008 in der BRD in 1000Quelle: Eigene Darstellung in Bezugnahme auf Daten des Statistischen Jahrbuchs 2009, S.34-35Laut dem Statistischen Jahrbuch 2009, Seite 28, zählten im Jahre 2008 82.002.000Personen zur Bevölkerung. Mit einer Bevölkerungsdichte von 230 Personen proQuadratkilometer gilt Deutschland als ein dicht besiedeltes Land. Zum Stichtag am 31.März 2009 schrumpfte die Zahl der Einwohner auf unter 82 Millionen35, was das letzte Malim wiedervereinigten Deutschland im Jahre 1995 vorgekommen ist.3635 Vgl. Pressemitteilung Nr.417 vom 04.11.2009 des Statistischen Bundesamtes36 Vgl. Statistisches Jahrbuch 2009, S.28 7
  16. 16. 2.2.2 Darstellung der Entwicklung der Altersstruktur anhand einer interaktiven AlterspyramideDie wohl am weitesten verbreitete graphische Darstellung der demographischen Lage istdie Altersgraphik. In ihr wird zu einem bestimmten Zeitpunkt die Zahl der Personen (meistin 1.000) eines bestimmten Alters nach Geschlechtern getrennt dargestellt. Leben zurbetrachteten Zeit im betrachteten Ort im Verhältnis zur Zahl der älteren Menschen sehrviele Junge, so spricht man aufgrund des Aufbaus der Graphik von einer Alterspyramide.Stellen die etwa 60-Jährigen den größten Teil der Bevölkerung dar, so zeigt sich dersogenannte Alterspilz,37 der auch als Birnen- oder Tropfenform38 bezeichnet wird.Abb. 4: AlterspilzQuelle: Webseite Geographie InnsbruckDurch unterschiedlich geformte Alterspyramiden lassen sich Rückschlüsse auf diezukünftige Entwicklung der Bevölkerung ziehen:39 40Abb. 5: Schrumpfende BevölkerungDie graphisch dargestellte schrumpfende Bevölkerung wird auch als Urne bezeichnet.4137 Vgl. Niederfranke und Nägele (1999) S. 13738 Vgl. Grolle (2004), S. 1239 Vgl. Mueller (2000), S.1740 Eigene Darstellung nach Mueller (2000), S.1741 Vgl. Iw-Trends (1/2003) 8
  17. 17. 40Abb. 6: Stabile BevölkerungEine stabile Bevölkerung zeichnet sich dadurch aus, dass sowohl Wachstumsrate, alsauch Altersaufbau konstant sind42 und die Sterberate ungefähr der Geburtenrateentspricht. Diese Form der Bevölkerungspyramide wird auch Bienenstock oder Glockegenannt.43 40Abb. 7: wachsende BevölkerungEine Pyramide, deren jüngere Jahrgänge wesentlich stärker vertreten sind als die älterendeutet auf eine wachsende Bevölkerung hin.42 Vgl. Hoßmann, Lettow und Münz (2009)43 Vgl. Schmidt (2002) 9
  18. 18. Das Statistische Bundesamt stellt auf seiner Internetpräsenz destatis.de eine interaktiveAlterspyramide vor, die aus der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnunghervorging und die Entwicklung des Altersaufbaus von 1950 bis 2008 als Fortschreibungund von 2009 bis ins Jahr 2060 als Vorausberechnung animiert darstellt.Abb. 8: interaktive Alterspyramide 2009Quelle: Screenshot der interaktiven Alterspyramide auf der Internetpräsenz des Statistischen BundesamtesAbbildung 8 zeigt den Altersaufbau der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 2009 mitden rechtsstehenden Annahmen. In der Matrix ist abzulesen, wie viele Menschen zumabgebildeten Zeitpunkt einer bestimmten Altersklasse angehören (werden). DieserBevölkerungsaufbau, bei dem die mittleren Altersklassen im Verhältnis zu den höherenund niedrigeren wesentlich stärker besetzt sind, wird auch als „zerzauste Wettertanne“44bezeichnet. Hier beträgt die Zahl der 20- bis 64-Jährigen 49,6 Millionen, was einem Anteilvon 61% entspricht. Das Kürzel AQ steht für den Altenquotienten, der das Verhältnis derMenschen im Alter von 65+ zu den Menschen von 15 bis 64 Jahren angibt. Hier beträgtder Altenquotient 34.44 Vgl. Statistisches Bundesamt (2009): Bevölkerung Deutschlands bis 2060, S. 14 10
  19. 19. Abb. 9: interaktive Alterspyramide 2009, Geburtsjahrgang 1985Quelle: Screenshot der interaktiven Alterspyramide auf der Internetpräsenz des Statistischen BundesamtesBeim Setzen des Mauszeigers auf einen bestimmten Bereich der dargestelltenAltersstruktur, wie in Abbildung 9 zu sehen, ist auf der rechten Seite die Anzahl derMenschen in dem jeweiligen Lebensalter abzulesen. Im Jahr 2009 gibt es also 490.000Männer im Alter von 24 (Jahrgang 1985) und 475.000 gleichalte Frauen. Das Verhältnisvon Frauen zu Männern entspricht also 0,97.In der Graphik können jeweils in Zehnjahresschritten die Werte von 1950 bis 2060dargestellt werden.Ein Blick in die Zukunft: 11
  20. 20. Abb. 10: interaktive Alterspyramide 2050 mit GeschlechterproportionQuelle: Screenshot der interaktiven Alterspyramide auf der Internetpräsenz des Statistischen BundesamtesAbbildung 10 zeigt den erwarteten Altersaufbau des Jahres 2050 mit graphischdargestelltem Frauen- bzw. Männerüberschuss. Der eben gesetzte Geburtsjahrgang ist„mitgewandert“: Es wird also für den Jahrgang 1985 etwa 458.000 Männer, 468.000Frauen und damit eine Frauen-Männer-Verhältnis von 1,02 geben. Außerdem ergibt sichaus der bei Wegnahme des Mauszeigers wieder sichtbaren Vorausberechnung, dass dieGesamtzahl der Bevölkerung bis ins Jahr 2050 auf 69,4 Millionen Menschen schrumpfenwird. Somit verformt sich die Bevölkerungspyramide bis ins Jahr 2050 zu einem Pilz.45Im Gegensatz zu den erwarteten demographischen Entwicklungen und der sinkendenBevölkerungszahl in der Bundesrepublik wird sich die Bevölkerungszahl der Erde vonaktuell 6,5 Milliarden Menschen auf zirka 7,1 Milliarden46 im Jahr 2050 erhöht haben.Dauerte die Entstehung der ersten Milliarden Menschen noch 500.000 Jahre, so gingediese Entwicklung aktuell in nur 15 Jahren vonstatten.45 Vgl. Lehr (2009)46 Vgl. Wintermann ( 2006) 12
  21. 21. 2.3 Natürliche BevölkerungsbewegungIm Jahre 2007 wurden in Deutschland 684.862 Kinder geboren, was 8,3 Kindern pro1.000 Einwohnern entspricht. Noch im Jahre 1950 lag die Zahl der Geburten pro 1.000Einwohner bei 16,3. In diese Statistik gehen alle lebend Geborenen ein47. Die allgemeineFruchtbarkeitsziffer, die sich auf die im Jahr 2007 lebendgeborenen Kinder pro 1.000Frauen bezieht, lag bei 43,248. Neben der eben genannten Stromgröße wird vomStatistischen Bundesamt außerdem die Geburtenziffer, eine Bestandszahl, veröffentlicht,welche die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau im gebärfähigen Alter von 15 bis 49angibt. Diese lag im Jahr 2008 mit 1,38 Kindern pro Frau auf dem höchsten Stand seit200049. Für die dennoch rückläufigen Kinderzahlen ist laut Eckard (2006, S.105) nebender stetig wachsenden Zahl von Alleinstehenden im mittleren Erwachsenenalteraußerdem die zunehmende Bereitschaft, eine Beziehung zu beenden, verantwortlich zumachen.Die Sterberate pro 1.000 Einwohnern betrug 10,1, was 827.155 Personen entspricht.2007 starben damit ungefähr 100.000 Menschen weniger als 1990, wohingegen derGestorbenenüberschuss in diesem Zeitrahmen von 15.770 auf 142.293 anstieg.Laut Sterbetafeln haben neugeborene Jungen eine Lebenserwartung von 76,86 Jahren,Mädchen, die heute geboren werden, können sogar durchschnittlich 82,25 Jahre altwerden, was jeweils eine um 12 Jahre höhere Lebenserwartung als noch im Jahre 1949bedeutet.Die Zahl der im Jahre 2008 im Rahmen des 1. Januar 1996 in Kraft getretenenSchwangeren- und Familienhilfeänderungsgesetz vorzeitig abgebrochenenSchwangerschaften (114.484) bewegt sich mit einer Quote von 71 pro 10.000 Frauenetwa auf dem Niveau der Vorjahre.In der BRD lebten am Stichtag des 31.12.2007 jeweils rund 18 Millionen verheirateteMänner und Frauen (je etwa 44% der Gesamtpersonen ab 15 Jahren des jeweiligenGeschlechts). Dies wird aus dem Statistischen Jahrbuch 2009, S.43 deutlich. 45,7% derMänner und 37% der Frauen waren ledig, was bedeutet, dass sie auch nicht zu frühererZeit in ihrem Leben verheiratet waren. Der Anteil der verwitweten Frauen liegt mit 11%über dem Witweranteil der Männer mit 2,8% und auch bei dem Scheidungsanteil habenFrauen die Nase vorn: 8% in ihrer Geschlechtergruppe gegen nur 7% bei den Männern. Inder Altersgruppe 30 bis 35 war fast jede zweite Frau verheiratet, dahingegen nur jederdritte Mann. Dieser Überschuss an verheirateten Frauen setzt sich auch in den folgenden47 Vgl. Statistisches Jahrbuch 2009, S.3248 Vgl. Statistisches Jahrbuch 2009, S.5649 Vgl. Pressemitteilung Nr.327 vom 04.09.2009 des Statistischen Bundesamtes 13
  22. 22. Altersgruppen fort, um sich ab dem späten Rentenalter rasch umzukehren: In derAltersgruppe 65 bis 70 waren 80% der Männer, aber nur 65% der Frauen verheiratet.Zum Stichtag lebten in Deutschland etwa 7,2 Millionen Single-Männer zwischen 20 und40 und etwa 5,7 Millionen gleichaltrige Single-Damen50. Setzt man die Zahl derEheschließenden, die schon einmal verheiratet waren, ins Verhältnis zu der Zahl derGeschiedenen der letzten 3 Jahrzehnte, so ergibt sich, dass der Anteil, der erneutHeiratenden bei 52% (Männer) bzw. 56% (Frauen) liegt51.Im Vergleich zum Jahr 1985, in dem das durchschnittliche Heiratsalter der Männer bei29,8 Jahren und das der Frauen bei 26,7 Jahren lag, stieg das Alter, in dem das Ja-Wortgegeben wurde, von Jahr zu Jahr stetig an, um im Jahre 2007 bei 36,7 Jahre (Männer)und 33,5 Jahren (Frauen) zu liegen52.Die Zahl der Privathaushalte in Deutschland wird bis zum Jahr 2025 von aktuell rund 40Millionen53 auf 40,5 Millionen54 zunehmen, was den Trend der letzten Jahre undJahrzehnte fortsetzt. Damit gab es im Jahr 2008 rund 15,7 MillionenEinzelpersonenhaushalte und rund 24,3 Millionen Mehrpersonenhaushalte, davon 13,6Millionen Haushalte mit zwei Personen. Nach Schätzungen des StatistischenBundesamtes wird es im Jahr 2025 etwa 16,7 Millionen Einpersonenhaushalte (+6%) und15,0 Millionen Zweipersonenhaushalte geben (+10%)55. Jahr Insgesamt Einpersonen- Mehrpersonenhaushalte Durchschnittliche haushalte mit ... Personen Haushaltsgröße 2 3 4 5 und mehr 1 000 X = Gesperrt, weil Aussage nicht sinnvoll ist. 2010 40.034 15.782 13.670 5.218 3.955 1.408 2,05 2015 40.393 16.185 14.237 4.981 3.711 1.280 2,01 2020 40.541 16.455 14.722 4.720 3.485 1.159 1,98 2025 40.486 16.698 15.018 4.400 3.303 1.067 1,95 in Prozent 2010 100 39,4 34,1 13,0 9,9 3,5 X 2015 100 40,1 35,2 12,3 9,2 3,2 X 2020 100 40,6 36,3 11,6 8,6 2,9 X 2025 100 41,2 37,1 10,9 8,2 2,6 XTabelle 1: Auszug aus der Vorausberechnung Haushalte des Statistischen Bundesamtes, Entwicklung derPrivathaushalte bis 2025 (Trendvariante) Deutschland, destatis.deSeit dem Jahr 1991 ist die Anzahl der Personen pro Haushalt rückläufig. Nach damals2,27 lag sie im Jahr 2008 nur noch bei 2,05, in Großstädten mit mindestens 100.00050 Vgl. Statistisches Jahrbuch 2009, S.4351 Vgl. Grünheid (2006), S.2752 Vgl. Statistisches Jahrbuch 2009, S. 5653 Vgl. Statistisches Jahrbuch 2009, S.4754 Vgl. Pressemitteilung Nr.402 vom 05.10.200755 Vgl. Tabelle 1 14
  23. 23. Einwohnern sogar nur noch bei 1,85. Im Ländervergleich lebten mit 2,17 in Baden-Württemberg die meisten Personen je Haushalt, wohingegen sich die Berliner mit 1,7456Personen je Haushalt eher als Einzelgänger zeigten. Dass es auch anders geht zeigt dieZahl von 221.000 Haushalten, in denen im Jahr 2008 drei Generationenzusammenlebten57.Dies wird auch durch die Anzahl der Familien bestätigt: Im Jahr 2008 gab es inDeutschland so wenige Familien wie in den letzten zehn Jahren davor nicht58: 12,1Millionen Familien, darunter 8,6 Millionen verheiratete Paare und 2,7 MillionenAlleinerziehende. In diesem Zusammenhang umfasst der Begriff Familie alle Eltern-Kind-Gemeinschaften, also Ehepaare, nichteheliche Lebensgemeinschaften sowie alleinerziehende Mütter und Väter. Die Zahl der zusammenlebenden Paare ohne Kinder ist mit11,6 Millionen fast ebenso hoch wie die der Familien. Der Rest der bereits erwähnten 40Millionen Privathaushalte wird von Alleinstehenden geführt.56 Vgl. Statistisches Jahrbuch 2009, S.4657 Vgl. Zahl der Woche Nr.050 des Statistischen Bundesamtes vom 15.12.200958 Vgl. Statistisches Jahrbuch 2009, S.47 15
  24. 24. 2.4 Räumliche BevölkerungsbewegungIn der Pressemitteilung Nr.375 vom 01.10.2009 stellt das Statistische Bundesamt fest,dass die Zahl der Wanderungen von Ost- nach Westdeutschland im Jahr 2008 imVergleich zu den Vorjahren wieder leicht zurückgegangen ist: 136.500 Personen aus denneuen Bundesländern zogen in die alten Länder, im Jahre 2007 waren es noch 138.100,während 85.500 Menschen von den alten in die neuen Länder wanderten (2007: 83.300).Die neuen Bundesländer verloren also rund 51.000 Personen durch Abwanderung. ImJahr 2007 zogen 1.077.192 Menschen59 innerhalb Deutschlands um, wobei hierOrtsumzüge, die sich nur innerhalb der Gemeindegrenzen ereignen, nicht berücksichtigtwerden.59 Zu den Hauptzielländern zählten dabei Bayern und Baden-Württemberg: Fastjede vierte der Binnenwanderungen60 führte in die südlichen Bundesländer. Ungefährausgeglichen ist die Zahl der Ein- und Abwanderungen in Bremen, die jeweils etwa21.000 beträgt und als relativ beliebtestes Zielland hat sich Hamburg herausgestellt mit62.413 Ein-, und nur 51.085 Abwanderungen, nur noch übertroffen von Bayern, wo derZuzügeüberschuss über 31.000 beträgt. Dies ist auch in nachfolgendem Schaubildersichtlich. Diagramm: Überschuss der Fort- und Zuzüge innerhalb Deutschlands 2007 31.477 30000 11.328 10.039 20000 9.540 Überschusszahl 7.377 3.516 -17.458 -13.332 -11.187 -10.159 -4.021 -8.428 10000 -5.822 -1.859 -719 -292 0 Mecklenburg-… -10000 Brandenburg Bayern Hamburg Rheinland-Pfalz Berlin Nordrhein-Westfalen Saarland Sachsen Thüringen Baden-Württemberg Sachsen-Anhalt Hessen Bremen Niedersachsen Schleswig-Holstein -20000Abb. 11: Überschuss der Fort- und Zuzüge innerhalb Deutschlands 2007, nicht berücksichtigt sindOrtsumzüge.Quelle: Eigene Darstellung nach Daten von destatis.de59 Vgl. Statistisches Jahrbuch 2009, S.6260 Vgl. Lohmann (2009), S.5 16
  25. 25. Somit beträgt der Einwanderungsüberschuss Hamburgs 22%. Die größte Gruppe dernach Hamburg Wandernden stellen Menschen aus Schleswig-Holstein mit 17.000 undNiedersachsen mit 12.000 dar. Besonders wegzugsfreudig zeigen sich dieBrandenburger, bei denen etwa jeder 45. Im Jahr 2007 eine Abwanderung in ein anderesBundesland angetreten hat. Sachsen-Anhalt bildet in dieser Darstellung das Schlusslichtmit rund 17.000 mehr Fortzügen als Zuzügen.Die Zahl der Außenwanderungen60, also der Zuwanderungen aus dem Ausland nachDeutschland, ist in den letzten 20 Jahren stark zurückgegangen61. Gab es noch 1991 mit1,2 Millionen Zuzügen und 600.000 Abwanderungen einen Zuwanderungsüberschuss von100%, so liegt die Zuwanderungszahl im Jahr 2007 mit 680.000 nur noch knapp über derAbwanderungszahl von 637.000. Fast drei Viertel dieser Fortzüge gehen in europäischeLänder. Fünf von sechs der gesamten oben erwähnten nach Deutschland wanderndenMenschen stammten aus Europa, der größte Anteil unter ihnen aus Polen: mit 30,8% derImmigranten stellen sie die größte Einwanderergruppe dar. Der Zuzugssaldo polnischerMenschen ist jedoch sehr gering, da Polen zugleich mit einem Anteil von 26,2% oder120.791 aller deutschen Europa-Fortzieher (458.935) beliebtestes Zielland der Deutschenist.Das statistische Bundesamt stellte in seiner 11. Koordinierten Bevölkerungs-Vorausberechnung vom November 2006 auf S. 27 fest, dass „die nach Deutschlandzuziehenden ausländischen Personen […] im Durchschnitt jünger (sein werden,) als diefortziehenden. Daraus ergibt sich für die in Deutschland verbleibende Bevölkerung einVerjüngungseffekt“.61 Vgl. Statistisches Jahrbuch 2009, S.64 17
  26. 26. 2.5 Bildung und WissenschaftVon den im Jahre 2008 rund 71 Millionen Menschen in der BRD im Alter von 15 und mehrJahren gaben 28 Millionen einen Hauptschulabschluss als ihre höchste erreichteSchulbildung an62. Das entspricht rund 40% davon. Einen Realschul- oder gleichwertigenAbschluss besaßen rund 28% der über 15-Jährigen (20 Millionen Menschen) und dieHochschulreife erfolgreich absolviert hatten rund 17 Millionen (etwa jeder vierte). DerAnteil der Menschen ohne Abschluss schlägt mit 4% zu Buche und es gilt zu beachten,dass der Unterschiedsbetrag auf die noch in der schulischen Ausbildung befindlichenPersonen zurückzuführen ist.Bezogen auf die 41,8 Millionen Erwerbspersonen entsprach der Anteil derHauptschulabsolventen und der Menschen mit Hochschulreife bzw. Fachhochschulreifejeweils rund 30%, der Menschen mit mittlerer Reife 37% und der Menschen ohneallgemeinen Schulabschluss rund 3%.Im Schuljahr 2007/08 war mit rund 9,2 Millionen Schülerinnen und Schülern an 35.56663Schulen die niedrigste Schülerzahl in allgemeinbildenden Schulen seit 1992 zuverzeichnen. Der Anteil der beiden Geschlechter an der Gesamtschülerzahl ist ungefährausgeglichen. Ein Drittel der Schüler besuchte in dem betrachteten Schuljahr dieGrundschule und rund 10% die Hauptschule. Rund 13% oder 1.278.092 warenRealschüler und etwa jeder vierte (2.466.041) besuchte ein Gymnasium. Der Anteil derSchüler und Schülerinnen auf Förder- und Sonderschulen betrug etwa 4%, zwei vondreien davon waren männlichen Geschlechts. Auf den Hautschulen sind Jungenebenfalls überpräsent mit einem Anteil von 56%, dagegen stellen sie nur einen Anteil von47% der Gymnasiasten dar64.Aktuell gibt es in Deutschland rund 4 Millionen Menschen im Alter von 16 bis 20 Jahren,einem Alter, in dem man für gewöhnlich eine berufliche Ausbildung absolviert65. Schon imJahr 2012, so prognostizierte es das Statistische Bundesamt 2006, soll diese Zahl um einViertel zurückgehen. Ob dies tatsächlich so eintreten könnte, wird sich in dennachfolgenden Kapiteln zeigen und außerdem wird die Aussage „Trotz ungünstigerkonjunktureller Entwicklung im Jahr 2009 ist eine gute Vermittlung von Jugendlichen inAusbildung gelungen“66 des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie auf ihrenWahrheitsgehalt hin untersucht.62 Vgl. Statistisches Jahrbuch 2009, S.13063 Vgl. Statistisches Jahrbuch 2009, S.13364 Vgl. Statistisches Jahrbuch 2009, S.13465 Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (2007): Ratgeber Demographie - Tipps und Hilfen für Betriebe, S.566 Vgl. Pressemitteilung vom 13.10.2009 des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie: Ausbildungspakt auch im Krisenjahr 2009 erfolgreich: Weniger unversorgte Bewerber und noch zahlreiche Ausbildungsplatzangebote 18
  27. 27. 3 Ausbildungsmarkt in DeutschlandAls Einführung in die Situation des Ausbildungsmarktes in Deutschland wird dieEntwicklung des Marktes für die Jahre 1997/98-2008/09 im Kapitel 3.1. aufgezeigt.Im Kapitel 3.2. wird detailliert auf die Ausbildungsmarktlage 2007/08 in den Regionen, denZuständigkeitsbereichen und nach Geschlechtern ausgewertet, wobei besonders auf denDatenreport 2009 des Bundesinstitutes für Berufsbildung (BIBB) zurückgegriffen wird.Darüber hinaus wird in Gliederungspunkt 3.2.6 der aktuelle Ausbildungsmarkt 2008/09betrachtet.3.1 Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt 1998/99- 2008/09Um die Situation des heutigen Ausbildungsmarktes besser darstellen zu können, hilft einÜberblick über den Markt für Berufsausbildung im letzten Jahrzehnt.3.1.1 Ausbildungsstellenmarktstatistik der Bundesagentur für ArbeitDaten dazu liefert die Ausbildungsstellenmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit. DieErhebungsverfahren und Datenaufbereitung werden laut eigenen Angaben wie folgterarbeitet:„Die Ausbildungsstellenmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) beinhaltet dieeinzigen monatlich verfügbaren Informationen über Angebot und Nachfrage amAusbildungsstellenmarkt, und zwar für beide Seiten des Marktes. Die Daten liegen intiefer berufsfachlicher und regionaler Gliederung vor. Die Inanspruchnahme der Diensteder Berufsberatung und der Ausbildungsvermittlung durch Arbeitgeber und Jugendliche istfreiwillig. In der Ausbildungsstellenmarktstatistik zählt jede Person als Bewerber bzw.Bewerberin, die sich im Laufe eines Beratungsjahres (jeweils 1.Oktober bis 30.Septemberdes Folgejahres) mindestens einmal zur Vermittlung auf eine Berufsausbildungsstelle beieiner Agentur oder Arbeitsgemeinschaft gemeldet hat.“67In Abb. 12 werden gemeldete Bewerber für Berufsausbildungsstellen und gemeldeteBerufsausbildungsstellen im Zeitraum von 1997/1998 – 2008/2009 einandergegenübergestellt.67 Ausbildungsstellenmarktstatistik September 2009, Bundesagentur für Arbeit 19
  28. 28. Im jeweiligen Berichtsjahr gemeldete Bewerber für Berufsausbildungsstellen und Berufsausbildungsstellen 900000 800000 700000 600000 500000 400000 300000 200000 100000 0 1999/20 1998/99 2000/01 2001/02 2002/03 2003/04 2004/05 2005/06 2006/07 2007/08 2008/09 00 Gemeldete Bewerber für 802648 770348 737797 711393 719571 736109 740961 763097 733971 620209 533361 Berufsausbildungsstellen Gemeldete 629251 625442 631048 586144 546660 519899 471516 459202 510377 511582 475391 BerufsausbildungsstellenAbb. 12: im jeweiligen Berichtsjahr gemeldete Bewerber für Berufsausbildungsstellen und gemeldeteBerufsausbildungsstellenQuelle: in Anlehnung an Ausbildungsmarktstatistik September 2009, BAAnhand dieser Abbildung wird deutlich, dass die beiden Kurven nicht identisch sind, d.h. eshat sich in den letzten Jahren kein Gleichgewicht auf dem Ausbildungsmarkt eingestellt.Die Anzahl der gemeldeten Bewerber ist höher als die Anzahl der gemeldetenBerufsausbildungsstellen. In dem Erhebungszeitraum 2000/01 und in den letzten beidenZeiträumen 2007/08 und 2008/09 sieht man jedoch eine Annäherung der beiden Kurven.Zusätzlich kann man einen Rückgang der gemeldeten Bewerber von 802.648 im Zeitraum1998/99 auf 533.361 im Zeitraum 2008/09 (-33,55%) feststellen. Dies liegt zum einen andem demographischen Wandel und zum anderen an der steigenden Anzahl derSchulabgänger die sich nicht für eine Ausbildung entscheiden sondern auf eineweiterführende Schule/Universität gehen, Praktika oder ein soziales freiwilliges Jahr imAusland absolvieren.Ebenso hat die Anzahl der Ausbildungsstellen abgenommen. Mit 629.251Ausbildungsstellen in 1998/99 auf 475.391 Ausbildungsstellen in 2008/09 entspricht dies24,45%. Gründe hierfür sind beispielsweise der Kostenaspekt, wie gestiegenePersonalkosten aufgrund erhöhter Sozialabgaben und neue kostenpflichtigeAusbildungsvorschriften.68 Außerdem steigt die Anzahl der IT-Unternehmen, die aufgrundhoher Anforderungen an das Personal weniger ausbilden und Hochschulabgängerbevorzugen. Durch die zunehmende Anzahl von Akademikern hat sich ebenfalls der Bedarfnach betrieblicher Ausbildung geändert und die Nutzung von Praktika undTraineeprogrammen vorangetrieben. Zusätzlich wird generell die spätere Übernahme von68 Vgl. Dietrich/Koch/Stops, IAB Kurzbericht 6/2004 20
  29. 29. Auszubildenden schlechter eingeschätzt und deswegen teilweise ganz auf einAusbildungsstellenangebot verzichtet.Daraus folgend gibt es in jedem Zeitabschnitt Bewerber die keine Ausbildungsstelleerhalten. In Abbildung 13 werden diese unversorgten Bewerber den unbesetztenBerufsausbildungsstellen gegenübergestellt. Nicht vermittelte/unversorgte Bewerber sowie unbesetzte Berufsausbildungsstellen am Ende des jeweiligen Berichtsjahres 50000 40000 30000 20000 10000 0 1999/20 1998/99 2000/01 2001/02 2002/03 2003/04 2004/05 2005/06 2006/07 2007/08 2008/09 00 nicht vermittelte/unversorgte 29365 23642 20462 23383 35015 44084 40504 49487 32660 14479 9603 Bew erber unbesetzte Berufsausbildungsstellen 23439 25690 24535 18005 14840 13378 12636 15401 18359 19507 17255Abb. 13: nicht vermittelte/unversorgte Bewerber sowie unbesetzte Berufsausbildungsstellen am Ende desjeweiligen BerichtsjahresQuelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Ausbildungsmarktstatistik September 2009, BAIn dieser Abbildung 13 wird deutlich, dass sowohl eine große Anzahl an nichtvermitteltenBewerbern, jedoch aber auch an freien Ausbildungsplätzen existieren. Es ist erneut zuerkennen, dass die Anzahl der nicht vermittelbaren Bewerber in 200/01, 2007/08 und2008/09 stark zurückgeht, vgl. Abbildung 12. Nur zu diesen Zeitpunkten ist die Zahl derunversorgten Bewerber geringer als die unbesetzten Ausbildungsstätten. Die großeDisparität zwischen den beiden Kurven wie in 2003/04 und 2005/06 ist in den letztenJahren weniger ausgeprägt und die Kurve der unversorgten Interessenten ist seit 2005/06fallend, was als positiv bewertet werden kann.Doch warum gibt es überhaupt unbesetzte Ausbildungsplätze wenn es noch suchendeBewerber gibt? Laut Institut für Arbeits- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit(IAB) fallen mehr als drei Viertel der unbesetzten Ausbildungsstellen auf Betriebe mitweniger als 50 Beschäftigten und sind überwiegend im Bereich private Dienstleistungen zu 21
  30. 30. finden (in 2005: West ~41% und Ost ~46%).69 Grund für die Nichtbesetzung einesAuszubildenden ist an erster Stelle, dass kein passender Bewerber aufgrund mangelnderEignung gefunden wird. Laut den Betrieben entsprechen die Interessenten nicht denberufsspezifischen Anforderungen und haben fehlende schulische Vorbildung. WeitereGründe sind dass der passende Bewerber abgesprungen ist oder es zu wenig Bewerberfür die explizite Stelle gibt.Zusätzlich gibt es Gründe seitens der Ausbildungsbewerber warum sie keinenAusbildungsplatz finden. Dazu zählen die Präferenz für bestimmte Berufe wie z.B. in derKommunikations- und Informationswirtschaft, welche nicht genügend Stellen für alleBewerber anbieten kann. Außerdem werden die Suchenden durch das Image der Firma,Arbeitsbedingungen, Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten und die Erreichbarkeit derBetriebe und Berufsschulen (z.B. Fahrtkosten) beeinflusst.3.1.2 BIBB-Erhebung der neu abgeschlossenen AusbildungsverträgeEin weiterer Indikator für die Ausbildungssituation in den letzten 10 Jahren ist dieEntwicklung der Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge. Diese ist inAbbildung 14 dargestellt.„Die BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge wird jährlich inZusammenarbeit mit den für die Berufsausbildung zuständigen Stellen durchgeführt. Dabeiwerden die neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge berücksichtigt, die in der Zeit vom01. Oktober des Vorjahres bis zum 30. September des Erhebungsjahres neuabgeschlossen wurden und die am 30.09. auch noch bestanden haben. Ab 2009 sind dieDaten Bestandteil des Datenreports zum Berufsbildungsbericht der Bundesregierung, dervom BIBB herausgegeben wird.“7069 Vgl. Bellmann/Hartung, IAB Kurzbericht 27/200570 Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum 30. September Berichtsjahre 1998-2008, Bundesagentur für Arbeit 22
  31. 31. neu abgeschlossene Ausbildungsverträge 640000 620000 600000 580000 560000 540000 520000 500000Abb. 14: Entwicklung der neu abgeschlossenen AusbildungsverträgeQuelle: eigene Darstellung in Anlehnung an BIBB-Erhebung der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgezum 30.SeptemberRückgange sind v.a. in den Erhebungszeiträumen 2002/03 und 2004/05 feststellen. Diesliegt daran, dass das Angebot an Ausbildungsplätzen zurückgegangen ist, regionaleDisparitäten sich verstärkten, Konjunktur bedingte Rückgange nach den Boomjahren der1990-1999 auftraten und, wie schon erwähnt, Kostenfaktoren eine Rolle spielten.3.1.3 Angebot und NachfrageZusammen mit den Ausbildungsmarktzahlen lassen sich die Marktdaten verbinden undgeben Auskunft in welchem rechnerischen Verhältnis sich Angebot und Nachfragebefinden.Das Ausbildungsplatzangebot ist die rechnerische Summe der neu abgeschlossenenAusbildungsverträge zzgl. der Zahl der am 30. September nicht besetztenAusbildungsplätze. Die Ausbildungsplatznachfrage ist die rechnerische Summe der neuabgeschlossenen Ausbildungsverträge und der Zahl der am 30. Septembernichtvermittelten Bewerber.Folgende Abbildung fasst die Zahlen der Ausbildungsstellenmarktstatistik derBundesagentur für Arbeit und die Zahlen der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgezusammen und zeigt die Angebots- und Nachfragekurven von 2000/01 bis 2007/08. 23
  32. 32. Ausbildung: Angebot und Nachfrage 700000 Ausbildungsplätze 680000 660000 640000 620000 600000 580000 560000 540000 520000 500000 Zeiträume Angebot NachfrageAbb. 15: Entwicklung des Ausbildungsangebotes und der AusbildungsnachfrageQuelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Ausbildungsmarktstatistik September 2009, BA und an BIBB-Erhebung der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge zum 30.SeptemberWie in Abb. 13 schon dargestellt erfolgt keine Schneidung der beiden Kurven in den Jahren2002/03 bis 2006/2007 d.h. Angebot und Nachfrage sind nicht ausgeglichen Dies liegt ander großen Abweichung der nicht besetzten Ausbildungsplätze und nicht vermitteltenBewerber.3.1.4 Probleme und Lücken der StatistikenAbschließend muss nach der Verwendung der einzelnen Statistiken in den vorigenKapiteln festgestellt werden, dass diese kritisch zu betrachten sind, da sie teilweise nichtdie Realität auf dem Ausbildungsmarkt wiedergeben. Dies betrifft die ergebnisloseNachfrage- sowie Angebotsseite, d.h. die nicht vermittelten Bewerber und unbesetztenAusbildungsstellen.Zum einen sind die Betriebe und jungen Menschen die nicht die Bundesagentur für Arbeiteinschalten und keinen Ausbildungsplatz bzw. Auszubildenden finden, in keiner Statistikberücksichtigt. Zum anderen ergibt sich ein Problem aufgrund des Prinzipes desStichtages am 30.09. wie es in der Statistik für „nicht vermittelte/unversorgte Bewerbersowie unbesetzte Berufsausbildungsstellen am Ende des jeweiligen Berichtsjahres“ (sieheAbbildung 2) der Bundesagentur für Arbeit verwendet wird. Es werden an diesem Datumnur diejenigen registriert die einen Monat nach Beginn des neuen Ausbildungsjahres demMarkt zur Verfügung stehen. Ausbildungsbetriebe die schon vorher vergeblich nach einem 24
  33. 33. passenden Auszubildenden gesucht haben und erfolglos blieben werden nichtberücksichtigt. Ebenso fehlen die Bewerber die auf der Suche nach einemAusbildungsplatz waren und wegen mangelnden Erfolges schon vor dem 30.09. sich füreine Alternative (Praktikum, Jobben, etc.) entschlossen hatten. Diese gelten als vermitteltund bleiben unbeachtet.Dies gilt analog für das errechnete Angebot bzw. die errechnete Nachfrage, da diese aufdie Zahlen der unversorgten Bewerber sowie der nicht besetzten Ausbildungsstellenzurückgreift. Durch das unberücksichtigte Angebot und die unberücksichtigte Nachfrageergeben sich tatsächlich viel größere Zahlen.In der Zeitschrift BWP 3/2006 des Bundesinstitutes für Bildung wurde von J.G.Ulrich einalternativer Berechnungsmodus für 2004/05 vorgeschlagen. Laut J.G.Ulrich hätte „DasNachfragevolumen (…) damit 2005 nicht, wie offiziell ausgewiesen, 591.100 betragen (=550.200 neue Lehrverträge zuzüglich 40.900 Unvermittelte), sondern gut 750.000.“71 Diesbegründet er darin dass die Gesamtzahl der Ausbildungsplatznachfrager die offiziell nichtregistriert wurden weil sie als schon vermittelt gelten, rund 63.000 Personen beträgt. DieZahl der Personen die sich nicht in der Bundesagentur für Arbeit gemeldet haben undtrotzdem keinen Ausbildungsplatz erhalten haben beziffert J.G. Ulrich mit ca. 50.000Personen. Das unberücksichtigte Angebot schätzt er aufgrund vonStichprobenuntersuchungen der IAB auf ca. 45200 Personen.Daraus ergibt sich folgende Abbildung 16: Erfasste und geschätzte Angebots- und Nachfrage- Volumina in 2004/05 1600000 1400000 Ausbildungsplätze 1200000 1000000 750000 608000 geschätzt 800000 erfasst 600000 400000 562816 590664 200000 0 Angebot NachfrageAbb. 16: Erfasste und geschätzte Angebots- und Nachfrage-Volumina in 2004/05Quelle: in Anlehnung an J.G.Ulrich, Wie groß ist die Lehrstellenlücke wirklich, BWP 3/2006, S.1571 Vgl. Ulrich, BWP (Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis) 3/2006 25
  34. 34. Ersichtlich wird dass sowohl die Angebots- sowie die Nachfrageberechnung deutlichhöher ausfällt als in den Statistiken angegeben. Selbst wenn J.G.Ulrichs Berechnungenskeptisch betrachtet werden und die exakten Zahlen nicht nachgewiesen werden könnenda es Stichprobenuntersuchungen sind, muss trotzdem von einer höheren Zahlausgegangen werden aufgrund der vernachlässigten Bewerber und Ausbildungsbetriebe.In den folgenden Kapiteln werden jedoch weiterhin die offiziellen Zahlen derBundesagentur für Arbeit und des Bundesinstitut für Berufsbildung verwendet, da sie dieeinzigen fundierten Daten über einen langen Zeitraum liefern. 26
  35. 35. 3.2 aktuelle AusbildungssituationNun wird die Ausbildungssituation 2007/08 hinsichtlich der Regionen, derZuständigkeitsbereiche und nach Geschlechtern betrachtet, und die aktuelle Lage in2008/09 wiedergegeben. Daten hierzu liefert v.a. der BIBB Datenreport vom30.September 2009.3.2.1 BIBB- Datenreport 2009Der 2009 zum ersten Mal herausgegebene Datenreport des BIBB bietet umfassendeInformationen und Analysen zur Entwicklung der beruflichen Ausbildung in Deutschlandaufbauend auf der Grundlage des „Berufsbildungsbericht 2009" des Bundesministeriumsfür Bildung und Forschung (BMBF). Das Bundesinstitut für Berufsbildung hat früher zumjährlichen Berufsbildungsbericht des BMBF umfassende wissenschaftliche Analysen undStatistiken geliefert. Aufgrund einer Empfehlung des BIBB-Hauptausschusses hat dasBundesbildungsministerium 2008 eine neue Strukturierung beschlossen.Seit 2009 erscheint der Berufsbildungsbericht untergliedert in zwei Teile: einen politischenTeil, der vom BMBF entworfen und von der Bundesregierung beschlossen wird, undeinem indikatorengestützten Datenteil, der vom BIBB in Eigenverantwortungherausgegeben wird. Demzufolge entsteht eine deutliche Aufteilung zwischen derwissenschaftlichen Untersuchung und den daraus abgeleiteten politischen Bewertungen.„Ziel (…) ist es, einen Datenreport herauszubringen, der eine differenzierte Darstellungvon Indikatoren und Zeitreihen enthält, Schwerpunkte fokussiert und sich auf Programmeund Aktivitäten zur Förderung von Innovationen in der beruflichen Bildung konzentriert.“72Berichte von BIBB-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie externe Betriebe wurdenaufgenommen um zusätzliche Quellen erschließen zu können. Durch stetigeVerbesserungen wird angestrebt 2011 die Entwicklungsphase abgeschlossen und dieZielsetzung erreicht zu haben.3.2.2 Ausbildungssituation 2007/08 in den Ländern und RegionenIm Erhebungszeitraum 01.10.2007 bis 30.09.2008 wurden bundesweit 616.259 neueAusbildungsverträge abgeschlossen, was 9626 weniger als 2006/07 entspricht. InOstdeutschland sank die Anzahl der neuen Ausbildungsverhältnisse mit insgesamt72 Neustrukturierung Berufsbildungsbericht, BIBB 27
  36. 36. 113.818 auf den drittniedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung (um -11280 d.h.-9,0 %gegenüber 2006/07) während in den alten Ländern die Zahl der neuen Verträge stieg (um+1654 d.h.+0,3 % gegenüber 2006/07) und mit 502.441 den höchsten Stand seit 1992erreichte.73Aufgeteilt nach Bundesländern ergibt sich folgende Tabelle: Bundesland neu abgeschlossene Veränderungen zu Ausbildungsverträge 2006/07 in % 2007/08 in Bezug zu 2006/07 alte Bundesländer Baden Württemberg 916 1,1% Bayern 783 0.8% Bremen 197 3,1% Hamburg 629 4,4% Hessen -711 -1,6% Niedersachsen 1070 1,8% Nordrhein-Westfalen -130 -0,1% Rheinland-Pfalz -1147 -3,6% Saarland -28 -0,3% Schleswig-Holstein 75 0,3% neue Bundesländer Berlin -540 -2,5% Brandenburg -769 -4,2% Mecklenburg-Vorpommern -1746 -10,9% Sachsen-Anhalt 8008 -8,7% Sachsen -14564 -15,3% Thüringen -1669 -9,4%Tabelle 2: neu abgeschlossene Ausbildungsverträge 2007/08 in Bezug zu 2006/07 nach BundesländernQuelle: eigene Darstellung in Anlehnung an BIBB-Datenreport 2009,Übersicht A1-2, S.15Es ist erkenntlich, dass die größten Zuwächse Hamburg mit +4,4%, Bremen mit +3,1%und Niedersachsen mit +1,8% verzeichnen. Dagegen haben alle neuen Bundesländereinen Rückgang in den neu abgeschlossenen Ausbildungsplätzen zu verbuchen,besonders schlimm trifft es hierbei Sachsen mit -15,3%, Mecklenburg Vorpommern mit -10,9% und Thüringen mit -9,4%.74Gründe hierfür sind, dass in Ostdeutschland in den letzten Jahren ein starker Rückgangan Klein- und Kleinstbetrieben zu verzeichnen ist.75 Weiterhin beeinträchtigten dieUnsicherheit der Betriebe ob sie Auszubildende einstellen, eine Tendenz zumFachkräfteeinsatz und die generelle schlechtere Situation auf dem Arbeitsmarkt im Osten,die rückläufigen Zahlen.73 Vgl. BIBB-Datenreport 2009, S. 1874 Vgl. BIBB-Datenreport 2009, S. 1875 Vgl. Seibert/Kleinert, IAB Kurzbericht 10/2009 28
  37. 37. 3.2.3 Ausbildungssituation 2007/08 nach ZuständigkeitsbereichenEine weitere Einteilung der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge (wie oben erwähnt-9626 in 2007/08 im Vergleich zu 2006/07) erfolgt nach Zuständigkeitsbereichen. neu abgeschlossene Ausbildungsverträge nach Zuständigkeitsbereichen 2007/08 im Vergleich zu 2006/07 Zuständigkeitsbereiche Seeschifffahrt Hausw. freie Berufe Landw. öffentl. Dienst Handw. Industr. /Handel -10000 -9000 -8000 -7000 -6000 -5000 -4000 -3000 -2000 -1000 0 1000 2000 Industr. öffentl. Seeschifffahr Handw. Landw. freie Berufe Hausw. /Handel Dienst t bundesweit 1710 -9183 -247 -684 -609 -203 -54 AusbildungsplätzeAbb. 17: neu abgeschlossene Ausbildungsverträge nach Zuständigkeitsbereichen 2007/08 im Vergleich zu2006/07Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an BIBB-Datenreport 2009 Übersicht A1.1-1, S.18Den einzigen Zuwachs mit +0,5% (+1710) von 2006/07 zu 2007/08 bundesweitverzeichnete der Bereich Industrie und Handel. Dies ermittelt sich durch +2,6 (+7561) inWestdeutschland und -7,5% (-5851) in Ostdeutschland. Zuwächse gab es dabei in denalten Bundesländern in den Berufen Verkäufer/-in (+999), Industriemechaniker/-in (+960),Fachinformatiker/-in (+911), Zerspannungs-mechaniker/in (+809), Bankkaufmann/frau(+659) und Fachkraft für Lagerlogistik (+551). Stark betroffen von den Rückgängen inOstdeutschland waren die Berufe Koch/Köchin (-1.093), Kaufmann/frau im Einzelhandel (-571), Fachkraft im Gastgewerbe (-486), Verkäufer/in (-446), Restaurantfachmann/frau (-428) und Bürokaufmann/frau (-420).76Die Rückgange gegenüber 2006/07 der einzelnen Zuständigkeitsbereiche lauten wie folgt:Freie Berufe –1,4%, öffentlicher Dienst –1,8%, Landwirtschaft -4,3%, Hauswirtschaft -4,5%, Handwerk -5,3% und Seeschifffahrt -15,0%.77Den größten Rückgang hatte der Bereich Handwerk zu verzeichnen. Bundesweit warendies folgende Berufe: Kraftfahrzeugmechatroniker/in (-1.787), Friseur/in (-1.200),76 Vgl. BIBB-Datenreport 2009, S.1977 Vgl. BIBB-Datenreport 2009 Übersicht A1.1-1, S.18 29
  38. 38. Tischler/in, (-740), Anlagemechaniker/in für Sanitär-, Heizungs- u Klimatechnik (-679),Maler/-in und Lackierer/in (-675), Metallbauer/in (-534), Dachdecker/in (-527) undMaurer/in (-521). Grundsätzlich kann festgestellt werden, dass dieAusbildungsplatzverluste in den neuen Ländern deutlich höher sind (-13,9%) als in denalten Ländern (-3,4%).783.2.4 Ausbildungssituation 2007/08 nach GeschlechternDen Rückgang von -9626 neu abgeschlossenen Ausbildungsberufen in 2007/08 betrafenallein die männlichen Nachfrager. Die Anzahl der jungen Männer, die einenAusbildungsvertrag unterschrieben haben, beträgt 357.338 und ist damit um 9.678 (-2,6%) niedriger als 2006/2007.79 Die weiblichen Nachfrager hingegen konnten sich mit +52neu abgeschlossenen Ausbildungsplätzen leicht steigern auf insgesamt 258.921 weiblicheneu abgeschlossenen Ausbildungsplätze (~ 42%) in 2007/08.80Vor allem in den Fertigungsberufen lassen sich deutliche Rückläufe seitens dermännlichen Nachfrager erkennen (-7.954 bzw.- 3,6% zum Vorjahr). Besonders deutlichwird dies in den neuen Bundesländern. „Dort begannen 6.404 junge Männer weniger (-13,6 %) eine entsprechende Ausbildung als im Jahr 2007.“81 Als Hintergrund mussgesehen werden, dass in Berufen wie Metallbauer, Fahrzeuglackierer, Teilezurichter,Maler und Lackierer, etc. überdurchschnittlich häufig außerbetrieblich ausgebildet wirdund außerbetriebliche Stellen stark rückläufig (besonders im Osten) sind.Dennoch sieht man in diesen Berufszweig auch einen klaren Anstieg des Frauenanteilsund die wachsende Auflösung der geschlechterspezifischen Berufszweige. Mit insgesamt+903 (bzw. +3,7%) neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen waren die jungen Frauenin den Berufen des Fertigungsbereiches vertreten. „In den Metallberufen nahm die Zahlder weiblichen Ausbildungsanfänger um +11,2 % (von 5.886 auf nunmehr 6.545) und inden Elektroberufen sogar um +15,9 % (von 1.751auf 2.030) zu. Die deutlichenSteigerungen wurden sowohl in den alten als auch in den neuen Ländern registriert.“82Der große Anteil der Ausbildungsplätze für junge Frauen liegt trotz dieser Tendenzen imBereich der Dienstleistungen. 75,8% der weiblichen Ausbildungsverträge sind in 25Berufsgruppen aufgeteilt, wobei im besonderen Kauffrau im Einzelhandel, MedizinischeFachangestellte, Bürokauffrau, Verkäuferin und Friseurin gefragt sind.78 vgl. BIBB-Datenreport 2009, S.1979 vgl. BIBB-Datenreport 2009, S.2480 vgl. BIBB-Datenreport 2009, S.2481 Vgl. BIBB-Datenreport 2009, S.2482 Vgl. BIBB-Datenreport 2009, S.24 30
  39. 39. Bei den jungen Männern hingegen konnten nur 59,6% der männlichenAusbildungsverträge auf die 25 beliebtesten Berufe aufgeteilt werden, d.h. die Verteilungwar gleichmäßiger. Darunter waren ebenfalls zahlreich die Dienstleistungsberufevertreten, wie z.B. Kaufmann im Einzelhandel, Verkäufer, Kaufmann im Groß- undAußenhandel, Bankkaufmann, etc., jedoch aber auch 16 Berufe aus denFertigungsbereichen.3.2.5 Angebot und Nachfrage 2007/2008Wie schon in Kapitel 3.1.3 ersichtlich gab es 2007/08 eine Verminderung des Angebotesund der Nachfrage zu 2006/07.Das Ausbildungsplatzangebot, bestehend aus der Summe der nicht besetztenAusbildungsplätze (19.507 in 2007/08) und der neu abgeschlossenenAusbildungsverträgen (616.259 in 2007/08), betrug 635.766, d.h. 8478 weniger als imvorigen Berechnungszeitraum.83Problematisch wird es bei der Berechnung der Ausbildungsplatznachfrage (entspricht derSumme der nicht vermittelten Bewerber und der neu abgeschlossenenAusbildungsverträge). Wie in Kapitel 3.1.4 erläutert, wurden bisher in den Statistiken derletzten Jahre und Jahrzehnte nicht alle Suchenden berücksichtigt. Bis heute wurdenlediglich die Bewerber beachtet die bis zum 30.September eines Jahres weder in eineBerufsausbildungsstelle oder in eine Alternative eingemündet waren. Dabeiausgeschlossen wurden diejenigen die in einem Praktikum, Berufsvorbereitung, etc.verblieben aber trotzdem weiter einen Ausbildungsplatz suchten. Nach alter Definitionergibt sich eine Nachfrage nach 630.738 Ausbildungsplätzen in 2007/08, und entspricht27.807 weniger als 2007/06.Nach neuen Berechnungen und einer erweiterten Definition ergeben sich genauere Datenwenn „neben den bei der BA gemeldeten und „unversorgten“Ausbildungsstellenbewerbern als erfolglose Nachfrager/-innen auch jene Bewerber/-innenberücksichtigt (werden), die vorläufig in eine Alternative zu einer Berufsausbildungeinmünden (z. B. erneuter Schulbesuch, Praktikum, Jobben), aber von dort aus weiternach einer Ausbildungsstelle suchen.“84 Das waren in 2007/08 laut BIBB-Datenreport81.777 Personen. Dadurch ergibt sich die neue erweiterte Ausbildungsplatznachfrage mit712.515 in 2007/08. Berechnet man dies ebenfalls für 2006/07 ergibt sich in diesem83 vgl. BIBB-Datenreport 200984 Vgl. BIBB-Datenreport 2009, S.64 31
  40. 40. Zeitraum mit +78.600 Bewerbern, die in einer Alternative weiterhin einen Ausbildungsplatzsuchen, eine Nachfrage nach 737.145 Ausbildungsplätzen, d.h. 24.630 mehr als nachalter Berechnung.Folgende Abbildung 18 verdeutlicht die Berechnungsunterschiede: Angebot und Nachfrage 2007/08 nach alter und neuer Definition 800000 Ausbildungsplätze 700000 600000 500000 Angebot 400000 Nachfrage 300000 200000 100000 alte Definition neue Definition Angebot 635766 635766 Nachfrage 630738 712515Abb.18: Angebot und Nachfrage 2007/08 nach alter und neuer DefinitionQuelle. eigene Darstellung nach eigenen Berechnungen und nach Ausbildungsmarktstatistik September 2009,BA und an BIBB-Erhebung der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge zum 30.SeptemberDabei wird ersichtlich dass nach alter Definition mehr Ausbildungsplätze angeboten alsnachgefragt werden. Nach der neuen Definition mit der erweiterten Berechnung kanngezeigt werden dass dies nicht der Fall ist, sondern die Nachfrage deutlich höher ist alsdas Angebot. Die alte Berechnung verzerrt damit die tatsächlichen Zahlen indem nicht alleAusbildungssuchenden mit in die Berechnungen einbezogen sind. Dies ergab in denletzten Jahren ein zu optimistisches Ergebnis bei der Angebots- und Nachfragedarstellungwieder, wie auch in Kapitel 3.1.4 dargestellt wurde.Trotz dieser neuen Nachfrageberechnung müssten zusätzlich Umfrageergebnisse mitherangezogen werden, die auch die Suchenden betrachten welche nicht in einAusbildungsverhältnis eintreten und nicht bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldetsind. Dies würde ein realistischeres Ergebnis liefern.3.2.6 Ausbildungsmarkt 2008/09Im Berechnungsjahr von Oktober 2008 bis September 2009 zeigt sich eine relativausgeglichene Situation der Ausbildungsplätze trotz der Wirtschaftskrise. 32
  41. 41. Wie schon in Abbildung 12 ersichtlich beträgt die Zahl der gemeldetenBerufsausbildungsstellen 475.391. Zwar sind dies 36.191 Stellen(~ -7,1%) weniger als2007/08, jedoch fällt dieser Rückgang aufgrund der Krise ziemlich moderat aus. Davonwurden in Westdeutschland ca. 381.500 Stellen (~-5,1%) und in Ostdeutschland ca.93.600 Stellen (~-14,5%) gemeldet.85Jedoch ist auch die Zahl der gemeldeten Bewerber, v.a. aufgrund demographischerAuswirkungen, geringer als im Vorjahr. 533.361 Bewerber haben bei der Suche nacheiner Ausbildungsstelle die Arbeitsagentur oder die Ausbildungsvermittlung der BAeinbezogen. Dies sind 86.848 Bewerber (~-14,0%) weniger als 2007/08 und laut demMonatsbericht für Oktober der Bundesagentur für Arbeit „über ein Viertel weniger als nochim Berufberatungsjahr 2006/2007.“86 In Westdeutschland verringerte sich die Zahl auf ca.430.600 Suchende (~-10,7%) und in Ostdeutschland auf ca. 102.600 Suchende (~-25,6%).87Die rechnerische Differenz ergibt 57.970 Personen. Da vor einem Jahr die Differenz nochbei 108.627 Personen lag, kann man von einer positiven Tendenz sprechen. Grund ist diedurch geburtenschwache Jahrgänge sinkender Bewerberzahl. Zusätzlich ist eineNeigung zu höheren Schulabschlüssen zu verzeichnen, die zu einem längeren Verbleibder Jugendlichen im Schulsystem bedeutet. Dies wird durch die Wirtschaftskrise nochintensiviert, da sich die jungen Menschen schlechtere Chancen auf demAusbildungsmarkt ausrechnen.Im Vergleich zu 2007/08 liegt die Zahl der gemeldeten unversorgten Bewerber mit 9603um 33,8% niedriger. In Westdeutschland fanden ca. 6.900 Bewerber (~-32,0%) und inOstdeutschland ca. 2.700 Bewerber (~-38,1%) keine Ausbildungsstätte.Die Anzahl noch unbesetzten Ausbildungsstellen lag mit 17.255 (~-11,5 %) unter demWert im Vorjahr. Die Verringerung sieht man sowohl in West- als auch in Ostdeutschland.In den alten Bundesländern sind ca.14.500 Stellen noch nicht besetzt, d.h. ~ 13,0 %weniger als im vorigen Jahr. In Ostdeutschland gibt es noch 2.600 freie Stellen, d.h. ~4,50 % weniger als 2007/08.Der rechnerische Unterschied zwischen der gemeldeten unversorgten Bewerber und derunbesetzten Berufsausbildungsstellen beträgt somit -7.652 Personen, d.h. es ist wie imVorjahr ein Stellenüberhang zu verzeichnen. „Diese gute Bilanz gilt allerdings nur fürWestdeutschland. Hier liegt die „Lücke“ bei -7.600. In Ostdeutschland gab es dagegen85 vgl. Arbeits- und Ausbildungsmarkt Monatsbericht Oktober 2009,Bundesagentur für Arbeit, S.2786 Arbeits- und Ausbildungsmarkt Monatsbericht Oktober 2009,Bundesagentur für Arbeit, S.2887 vgl. Arbeits- und Ausbildungsmarkt Monatsbericht Oktober 2009,Bundesagentur für Arbeit, S.28 33
  42. 42. 100 mehr unversorgte Bewerber als unbesetzte Stellen.“88 Anhand diesesStellenüberhangs lässt sich die positive Tendenz für 2008/09 darstellen. In derWirtschaftskrise profitiert der Ausbildungsmarkt von den geburtenschwachen Jahrgängen,die weniger Ausbildungsplätze suchen als noch in den letzten Jahren.Unter diesem Umstand können mehr Ausbildungssuchende versorgt werden und dieseTrendwende wird sich voraussichtlich in den nächsten Jahren verstärken. Besonders inOstdeutschland wird es zu einer ungefähren Halbierung der Zahlen führen. Zugleich wirdin ein paar Jahren die Zahl der altersbedingten Austritte aus dem Arbeitsleben starkansteigen. Daraus zeichnet sich damit für die neuen Bundesländer ein Personalengpassab, der unter den momentanen Verhältnissen des Arbeitsmarktes unvorstellbar erscheint.Weitere Gründe sind wie schon erwähnt die steigende Anzahl der Jugendlichen die statteiner Ausbildung eine weiterführende Schule oder Universität besuchen oder in einemJob oder Praktika arbeiten.88 Arbeits- und Ausbildungsmarkt Monatsbericht Oktober 2009,Bundesagentur für Arbeit, S.30 34
  43. 43. 4 Ausbildungsmobilität in DeutschlandUm die Struktur des Marktes für Ausbildungsplätze in Deutschland umfassend betrachtenund beurteilen zu können, spielt auch die räumliche Mobilität der Auszubildenden einebedeutende Rolle. Der deutsche Ausbildungsmarkt ist geprägt durch eine sehr hoheräumliche Konzentration, da gerade Institutionen zur außerbetrieblichen Ausbildung,schulischen Ausbildung und Hochschulausbildung in Agglomerationen konzentriert sind.Dies ist ein entscheidender Unterschied zum Arbeitsmarkt Deutschlands, der zu Folgehat, dass deutsche Auszubildende wesentlich mehr pendeln als Berufstätige. DiesesKapitel soll die Binnenwanderungen der Jugendlichen zu ihrem Ausbildungsplatz, derenAusmaße, Richtungen und Ursachen näher erläutern und bewerten und sich auch mit dendaraus folgenden Konsequenzen auseinander setzen. Untersucht werden sollen dabei diePendlerströme der Auszubildenden und damit auch die regionalen Unterschiede vor allemzwischen den alten und den neuen Bundesländern, sowie Nord- und Süddeutschland.Die Daten auf die sich diese Analyse bezieht, stammen aus Statistiken übersozialversicherungspflichtig Beschäftigte, der gemeldeten Bewerber fürBerufsausbildungsstellen und gemeldeten Berufsausbildungsstellen der Bundesagenturfür Arbeit. Schwierig gestaltet sich hierbei die Datenverfügbarkeit, so dass sich mit Hilfeder genannten Statistiken beinahe alle dualen Ausbildungen und eine Reihe vonschulischen Ausbildungen, letztendlich Zwei Drittel aller Ausbildungsmöglichkeiten,abbilden lassen. Hochschulausbildungen werden dagegen aufgrund nicht vorhandenerDaten nicht einbezogen und da schulische Ausbildungen ohnehin eher zentralisiert sind,wird die durch die bereits genannten Daten ermittelte Ausbildungsmobilität eherunterbewertet.89 Außerdem kann man aus den vorliegenden Daten nicht schließen, ob dieJugendlichen täglich, wöchentlich, monatlich etc. pendeln. Ein wesentliches Problembesteht weiter darin, dass aus den Daten nicht hervorgeht, wie viele Auszubildende fürihre Ausbildungsstelle den Wohnort komplett wechseln, was überwiegend auf volljährigeBewerber zutreffen könnte.Als Pendler werden dabei diejenigen Auszubildenden bezeichnet, deren gemeldeterWohnort nicht mit dem Arbeitsort übereinstimmen. Unterschieden wird zwischen Ein- undAuspendlern, wobei diese Pendlerströme sich wiederum u. a. auf Kreise,Arbeitsmarktregionen oder Bundesländer beziehen können. Zur Bewertung derräumlichen Mobilität wird je nach verfügbarer Quelle ein einfacher oder gewichteterPendlersaldo genutzt, der in den folgenden Abschnitten eingehender betrachtet werdensoll.89 Vgl. IAB regional Sachsen (Nr. 01/2007) 35
  44. 44. 4.1 Regionale PendlerverflechtungenIn der Bundesrepublik Deutschland lässt sich eine ausgeprägte Heterogenität desAngebots des Ausbildungsmarktes feststellen (vgl. Kapitel 3). Dies führt zu sehrunterschiedlichen Mobilitätsmaßen für die einzelnen Bundesländer. Laut einem IAB-Kurzbericht pendelten 2006 etwa 120.000 Auszubildende zu einem Ausbildungsortaußerhalb ihres Bundeslandes, ca. 600.000 verließen ihren Heimatkreis. Dabeiüberschritten in Westdeutschland etwa Ein Drittel der Auszubildenden ihre Kreisgrenze,im Osten waren es sogar im Schnitt 41 Prozent, wobei in den sehr schwach besiedeltenKreisen Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns sogar eine durchschnittlicheEntfernung von 150 km zum Ausbildungsort zurückgelegt wurde.90 Bereits diese Wertedeuten bezogen auf die Mobilitätsbereitschaft auf einen erheblichen Unterschiedzwischen den neuen und den alten Bundesländern hin. Die gewonnenen Daten beziehensich mehrheitlich auf das Jahr 2006, in einigen Ausnahmen auch auf 2005.4.1.1 Untersuchung nach Bundesländern und auf KreisebeneZu allererst soll in diesem Abschnitt die Ausbildungsmobilität auf der Ebene derBundesländer und innerhalb dieser auf Kreisebene untersucht werden. Mit den darausgewonnenen Ergebnissen lässt sich dann die Lage in den neuen und altenBundesländern einfacher vergleichen und das Ausmaß der Mobilität beurteilen. Begonnenwird mit den alten Bundesländern, zuerst betrachten wir Schleswig-Holstein.Wie man in Tabelle 3 erkennen kann, lag in Schleswig-Holstein im Jahr 2006 dieAuspendlerquote der Auszubildenden bei 12,0 Prozent, in das Bundesland eingependeltsind dagegen 9,8 Prozent. Um diese Bewegungen besser beurteilen zu können, kannman den gewichteten Pendlersaldo zur Hilfe nehmen. Mit diesem ist es möglich, diePendlerquote ins Verhältnis mit der Gesamtzahl der im jeweilig betrachteten Gebietbefindlichen Auszubildenden zu setzen. Der gewichtete Pendlersaldo berechnet sich alsofolgendermaßen:91Gewichteter Pendlersaldo = ((Einpendler – Auspendler)/Auszubildende im Gebiet) x 100090 Vgl. IAB-Kurzbericht (09/2008)91 Vgl. IAB-Kurzbericht (09/2008) 36

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