Sauer: Der Gastvertrag des Bühnenschauspielers

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Sauer: Der Gastvertrag des Bühnenschauspielers

  1. 1. L Vertragsgestaltungen in den einzelnen KulturspartenL2 BühneDer Gastvertrag des BühnenschauspielersOlaf Christian SauerRechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht; Partner in der AnwaltssozietätDAMM & Mann, Hamburg; tätig u.a. für Institutionen im Bereich Kultur undMedienInhalt Seite1. Einleitung 32. Überblick über die typischen Bühnenengagementverträge 32.1 Das feste arbeitsvertragliche Engagement 42.2 Das feste arbeitsvertragliche Engagement mit Tarifbindung 52.3 Das Gastengagement 53. Abgrenzung zwischen Arbeitvertrag und freier Dienstvertrag 83.1 Die Abgrenzungskriterien der arbeitsgerichtlichen Rechtsprechung 94. Die einzelnen Regelungen des Gastvertrages 144.1 Der arbeitsrechtliche Gastvertrag 144.2 Der freie Gastvertrag (Dienstvertrag) 185. Vertragsmuster 21 Vertragsmuster eines arbeitsrechtlichen Gastvertrages 22 Vertragsmuster eines freien Gastvertrages 25 L 2.3 S. 1 50 Kultur & Recht Juli 2010
  2. 2. L Vertragsgestaltungen in den einzelnen Kultursparten L2 Bühne „Ihr wisst, auf unseren deutschen Bühnen / Probiert ein jeder was er mag.“ be- fand Faust in Goethes Meisterwerk. Nicht nur hinsichtlich der Theaterstücke auf den Bühnen ist Faust zuzustimmen. Auch bei den Engagements von Gastschau- spielern an den Bühnen wird einiges ausprobiert, so dass Unklarheiten und Miss- verständnisse über die Rahmenbedingungen der Zusammenarbeit zwischen Schauspieler und Bühne daraus resultieren. Für Wirbel und Verwirrung hat eine Entscheidung des Bundesarbeitsgerichtes (BAG) vom 07.02.2007, Az.: 5 AZR 270/06 gesorgt, in der das BAG das dort zugrunde liegenden Gastverhältnis als selbständige Tätigkeit eingestuft hat. Der vorliegende Beitrag aktualisiert und ergänzt aus diesem Grund die zuletzt auf den Stand des Jahres 2001 beruhenden Vertragsmuster und erläutert sie im Einzelnen.L2.3S. 2 50 Kultur & Recht Juli 2010
  3. 3. L Vertragsgestaltungen in den einzelnen KulturspartenL2 Bühne1. EinleitungDie Gründe für den Abschluss eines Gastvertrages sind so zahlreich wie dieTheaterstücke an den Bühnen und die Rollen der einzelnen Schauspieler. DieMotive der Theater reichen von der kurzfristigen Einstellung eines Nebendarstel-lers aufgrund der Erkrankung eines Ensemblemitgliedes bis hin zu dem zeitlichbegrenzten Engagement eines Gaststars zur Steigerung der Attraktivität und desRufes der Bühne. Der Schauspieler verspricht sich vielleicht von einem Gast-engagement finanzielle oder künstlerische Vorteile bzw. er hat als Anfänger bis-her noch kein festes Engagement in einem Ensemble bekommen. Gemeinsam istihnen, dass eine feste Bindung an das Haus entsprechend dem üblichen Engage-ment eines Schauspielers für mindestens eine Spielzeit nicht gewollt ist. Der aus Film- und Fernsehauftritten bereits recht bekannte Schauspieler Magnus Faustus soll bei einer Neuinszenierung von Shakespeares Hamletan einem mittelgroßen Stadttheater die Hauptrolle übernehmen. Geplant ist eineProbenzeit mit anschließend 20–30 Aufführungen.2. Überblick über die typischen BühnenengagementverträgeZunächst soll Ihnen ein Überblick über die typischen festen Bühnenengagement-verträge gegeben und diese von dem Gastvertrag eines Bühnenschauspielersabgegrenzt werden. Die in der Praxis üblicherweise verwendeten Bezeichnungender Verträge werden dabei erläutert.Eine von den Vertragsparteien benutzte Bezeichnung muss jedoch nicht denrechtlich tatsächlich vorliegenden Vertragstyp korrekt widerspiegeln, denn diezwischen den Parteien verwendete Bezeichnung kann rechtlich falsch sein:Der Grundsatz der Vertragsfreiheit findet dort seine Grenzen, wo die Parteien einBeschäftigungsverhältnis sachlich unrichtig eingeordnet haben. Es kommt weni-ger darauf an, wie die Parteien ihr Rechtsverhältnis benannt haben, sondern wiesie es nach objektiven Maßstäben praktiziert haben.1 L 2.3 S. 3 50 Kultur & Recht Juli 2010
  4. 4. L Vertragsgestaltungen in den einzelnen Kultursparten L2 Bühne Bühnenengagements feste Engagements Gastengagements Arbeitsvertrag Arbeitsvertrag Gastvertrag Freier mit Tarifbin- (Arbeitsvertrag) Gastvertrag dung (Dienstvertrag) arbeitsrechtliche arbeitsrechtliche arbeitsrechtliche dienstvertrags- Vorschriften sind und tarifvertrag- (ggf. tarif- rechtliche Vor- zu beachten liche Vorschriften vertragl.) schriften sind sind zu beachten Vorschriften sind zu beachten zu beachten Abb.: Übersicht über mögliche Bühnenengagementverträge 2.1 Das feste arbeitsvertragliche Engagement Ein festes Engagement des Schauspielers erfolgt normalerweise für mindestens eine Spielzeit. Der Schauspieler ist vollständig in den betrieblichen Ablauf der Bühne eingebunden und folgt den Arbeitsanweisungen seines Arbeitgebers. Der Vertrag ist ein unselbständiger Dienstvertrag (Arbeitsvertrag) gem. §§ 611 ff. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) zwischen der Bühne als Arbeitgeber und dem Schauspieler als Arbeitsnehmer. Neben den Bestimmungen des BGB sind auf das Engagement die umfangreichen arbeitsrechtlichen Vorschriften anzuwenden. Das bedeutet auch, dass die Bühne die Lohnsteuer des Schauspielers an das zuständige Finanzamt abführen muss und jeder Vertragspartner die (hälftigen) Sozialversicherungsbeiträge zu leisten hat. Als abhängig Beschäftigter hat der Schauspieler u. a. ein Recht auf Entgelt-L fortzahlung im Krankheitsfall nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz und einen2.3 Urlaubsanspruch.S. 4 50 Kultur & Recht Juli 2010

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