F 1.2EigeneinnahmenWie Kulturbetriebe ihre Umsatzerlöse steigern können                                                   ...
F 1.2                                                      Finanzierung und FörderungFinanzmanagement                     ...
Finanzierung und Förderung                                                                    F 1.2                       ...
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Prof. Dr. Armin Klein: Eigeneinnahmen. Wie Kulturbetriebe ihre Umsatzerlöse steigern können

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Prof. Dr. Armin Klein: Eigeneinnahmen. Wie Kulturbetriebe ihre Umsatzerlöse steigern können

  1. 1. F 1.2EigeneinnahmenWie Kulturbetriebe ihre Umsatzerlöse steigern können Prof. Dr. Armin KleinPrivatwirtschaftlich-kommerzielle Kulturbetriebe (wie z. B. Musicaltheater, Galerien, Buchverlage,die Film- und Musikindustrie usw.) finanzieren sich nahezu ausschließlich über ihre Eigeneinnah-men. Bei öffentlich getragenen bzw. unterstützten Kulturbetrieben (z. B. Staats- und Stadttheater,Museen, Musikschulen, soziokulturelle Zentren, Chöre und Gesangsvereine usw.) stellen sich dieFinanzierungsinstrumente sehr viel komplexer dar. Sie können grob in die drei großen GruppenEigeneinnahmen, Finanzierungsanteile des Trägers und von privater Seite bzw. von der öffentlichenHand gewährte Drittmittel unterschieden werden. Im Folgenden geht es um Strategien und Ansätze,die Eigeneinnahmen zu steigern.Gliederung Seite1. Systematik der Finanzierungsinstrumente 21.1 Problematische Trägerfinanzierung 21.2 Steigerung der Eigeneinnahmen 32. Bestandsaufnahme: Die Eindimensionalität der Finanzierung öffentlicher Kulturbetriebe in Deutschland 32.1 Beispiel Theater und öffentliche Bibliotheken 42.2 Beispiel Musikschulen 42.3 Beispiel Museen 53. Steigerung der Umsatzerlöse 73.1 Die Preispolitik einer Kultureinrichtung 73.2 Der Prozess der Preisbildung 83.3 Strategien der Preisbildung 103.4 Value-Added-Services 124. Neue Erlösfelder finden 134.1 Merchandising und Licensing 134.2 Museumsshop 164.3 Einnahmen aus betriebsnahen Strukturen 185. Fazit: Von der Eindimensionalität zur Mehrdimensionalität der Kulturfinanzierung 21 1
  2. 2. F 1.2 Finanzierung und FörderungFinanzmanagement 1. Systematik der FinanzierungsinstrumenteDrei Kategorien von Die Finanzierungsinstrumente im öffentlich-rechtlichen bzw. privat-Finanzierungs- rechtlich-gemeinnützigen Kulturbetrieb können (in Abgrenzung zuminstrumenten privatwirtschaftlich-kommerziellen) in drei große Kategorien unter- schieden werden: • den Eigenfinanzierungsanteil der jeweiligen Kultureinrichtung (also alles das, was die Kultureinrichtung durch Eintrittsgelder, Gebühren, Nutzungsentgelte, Katalogverkäufe etc. selbst ein- nimmt), • den Finanzierungsanteil des Trägers (also alle Finanzierungsmittel die das jeweilige Bundesland bzw. die Stadt oder Gemeinde als Träger von Kultureinrichtungen aufbringen) sowie schließlich • die Drittmittel (also alle Zuwendungen von privater, z.B. Sponso- ring, Spenden usw., und öffentlicher Seite, also z. B. Projektzu- schüsse einer anderen politischen Ebene, wie z. B. Europäische Union oder Bundesebene usw.). 1.1 Problematische TrägerfinanzierungWieder steigende Während seit den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts die öffent-öffentliche Kultur- lichen Ausgaben für Kultur permanent stiegen, stellt sich die Situationausgaben? seit Mitte der neunziger Jahre sehr viel problematischer dar. Zu der längerfristigen Entwicklung der Kulturausgaben schreibt des Kultur- statistiker Michael Söndermann zwar 2008 zunächst recht optimis- tisch: „Die öffentlichen Ausgaben für Kultur steigen wieder! Nach den vorläufigen Daten für die Haushaltsjahre 2006 und 2007 erreichen die Kulturhaushalte in Deutschland im letzten Vergleichsjahr 2007 eine Gesamthöhe von schätzungsweise 8,3 Milliarden Euro. Das ent- spricht einem vorläufigen Anteil von 0,36 Prozent am Bruttosozial- produkt … Wie in den früheren Ausgaben des Jahrbuches für Kultur- politik dargestellt …, signalisierten sämtliche Jahresdaten zur öffentli- chen Kulturfinanzierung stetig eine negative Richtung. Die Kultur- haushalte in Deutschland sanken seit den Jahren 2001/2002 kontinu- ierlich im Durchschnitt pro Jahr zwischen ein und drei Prozent. Dieser Trend scheint nach Ansicht der Experten im Arbeitskreis Kulturstatis- tik e. V. (ARKStat) nunmehr durchbrochen. Der vermutliche nomina- le Tiefpunkt der Kulturausgaben in diesem Jahrzehnt könnte im Jahr 2005 erreicht worden sein. So flossen laut Ist-Rechnung der staatli- chen Finanzstatistik in 2005 rund 8,04 Milliarden Euro in die Kultur- haushalte von Bund, Ländern und Gemeinden“.2
  3. 3. Finanzierung und Förderung F 1.2 FinanzmanagementDem gegenüber „wird das Kulturhaushaltsjahr 2006 erstmals wiedermit einem absoluten Zuwachs von knapp 70 Millionen Euro abschlie-ßen. Der Betrag in Höhe von insgesamt 8,11 Milliarden Euro soll nachSchätzungen sogar weiter ansteigen und im Jahre 2007 dann eine Hö-he von 8,32 Milliarden erreichen. Wenn die Schätzungen des ARK-Stat-Expertenkreises zutreffen, dann wird der Zuwachs nach einemminimalen Anstieg von 0,8 Prozent zwischen 2005 und 2006 um 2,6Prozent bis zum Jahr 2007 weiter steigen.“1Der Kulturfinanzbericht der Statistischen Ämter des Bundes und der Inflationsbereinigt:Länder 2008 sieht dies allerdings etwas skeptischer. Doch ist die op- Ausgabenrückgangtimistische Aussage Söndermanns sowieso nur die halbe Wahrheit.Denn nicht nur die öffentlichen Zuwendungen, auch die Preise steigendurch die allgemeine Inflationsrate. Berücksichtigt man diese Zahlen,so ergibt sich ein völlig anderes Bild. „Eliminiert man jedoch diePreisveränderungen näherungsweise in Höhe des für das Bruttoin-landsprodukt errechneten Deflators“, schreibt der Kulturfinanzbericht2008, „so zeigt sich real ein Rückgang bei den öffentlichen Kultur-ausgaben je Einwohner. 2005 lagen real gesehen die Ausgaben jeEinwohner um 0,6 % unter dem Niveau von 1995 und um 8,1 % unterdem Niveau von 2000.“21.2 Steigerung der EigeneinnahmenDie stagnierenden bzw. sinkenden Zuwendungen – in Kombination Handlungsspielraummit tariflich vereinbarten Personalkostensteigerungen – wirken wie wird kleinereine ständig weiter tickende Zeitbombe und engen zunehmend dieHandlungsspielräume der Kulturpolitik insgesamt, aber auch der ein-zelnen öffentlich getragenen bzw. geförderten Kultureinrichtungenein. Die öffentlichen Kultureinrichtungen müssen also – um länger-fristig überleben zu können – sowohl ihre Eigeneinnahmen erhöhenals auch ihre Drittmittel steigern.2. Bestandsaufnahme: Die Eindimensionalität der Finanzierung öffentlicher Kulturbetriebe in DeutschlandAnalysiert man die Einnahmenstruktur eines öffentlichen Kulturbe- Löwenanteil: öffentlichetriebs in Deutschland, so ergibt sich ein recht eindeutiges Bild: bei den Zuwendungenmeisten öffentlichen Kultureinrichtungen wird der allergrößte Teil derEinnahmen durch Zuwendungen der öffentlichen Hand gedeckt, einwesentlich geringerer Teil durch Eigeneinnahmen in Form von Ein-trittskartenverkauf bzw. Nutzergebühren und ein nahezu verschwin-dend kleiner Teil durch „sonstige Einnahmen“, sog. Drittmittel. 3
  4. 4. F 1.2 Finanzierung und FörderungFinanzmanagement 2.1 Beispiel Theater und öffentliche BibliothekenTheater: Beispielhaft lässt sich dies an der Finanzierung der deutschen Theater81 % öffentliche zeigen, immerhin der größte Zuwendungsempfänger der öffentlichenZuwendungen Hand. Folgt man der offiziellen Statistik des Deutschen Bühnenver- eins, so ergibt sich für die Spielzeit 2006/07 folgende Einnahmesitua- tion: Während die öffentlichen Zuwendungen 81,4 % betragen und die Eigenerlöse durch den Verkauf der Vorstellungen, also im wesentli- chen durch Eintrittsgelder bzw. durch Gastspiele, 14,5 % erbringen, stellen die „Übrigen Einnahmen“ gerade mal 2,5 % dar. Einnahmen Übrige Öffentliche Finanzie- Einnahmen aus Eintritt Einnahmen Zuwendun- rungsein- insgesamt gen nahmen 375.847 62.543 2.075.907 33.905 2.548.202 14,7 % 2,5 % 81,4 % 1,3 % 100 % Tab. F 1.2-1 Durchschnittliche Einkommensarten deutscher öffentlicher TheaterPrägung der Dass dieses „materielle Sein“ durchaus auch das Bewusstsein mancherKultureinrichtungsleiter der verantwortlichen Kultureinrichtungsleiter prägt, zeigen immer wieder öffentliche Äußerungen. So wird der langjährige Stuttgarter Staatsopernintendant und Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Klaus Zehelein anlässlich einer Podiumsdiskussion auf der Jahresver- sammlung des Deutschen Bühnenvereins in Karlsruhe 2006 mit den Worten zitiert, überhaupt sei es „nicht die Hauptaufgabe der Theater, sich ums Geld zu kümmern – ihre Aufgabe sei eine künstlerische, eine inhaltliche.“3 Andererseits macht diese Einnahmestruktur, was unmit- telbar einleuchten dürfte, öffentliche Kulturbetriebe in Deutschland in hohem Maße von einer einzigen Einnahmequelle, nämlich der öffent- lichen Hand, finanziell abhängig. Sind hier starke Rückgänge bzw. Stagnationen zu verzeichnen so wird unmittelbar die Existenz des ganzen Betriebes gefährdet.Bibliotheken: Obwohl für die öffentlichen Bibliotheken keine vergleichbare Statistikca. 90 % öffentliche vorliegt, wird allgemein davon ausgegangen, dass der ZuschussbedarfGelder der öffentlichen Hand noch höher, nämlich etwa bei 90 % liegt.4 2.2 Beispiel Musikschulen Allerdings gilt die oben getroffene Aussage nicht unterschiedslos für alle öffentlichen Kulturbetriebe. So zeichnen sich etwa die Musik- schulen durch einen wesentlich höheren Eigenfinanzierungsanteil durch Unterrichtsgebühren aus.4

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