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Markfort: Popstars und die Pressefreiheit

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Markfort: Popstars und die Pressefreiheit

  1. 1. L Vertragsgestaltungen in den einzelnen KulturspartenL5 FotografiePopstars und die PressefreiheitZur Bildberichterstattung von KonzertenDr. Carsten Markfort, Lic. en droitRechtsanwalt und Partner der Medienrechtssozietät Scheuermann WesterhoffStrittmatter, Berlin (www.sws-law.com) Fachanwalt für Urheber- und MedienrechtInhalt Seite1. Einleitung 22. Die Interessen der Beteiligten 33. Die Rechtsposition der Beteiligten 53.1 Die Rechtsposition des Künstlers 53.2 Die Rechtsposition des Veranstalters 83.3 Die Rechtsposition des Fotografen 114. Folgerungen für die Vertragsgestaltung im Rahmen der Akkreditierung 135. Mustervertrag 16 Muster zur Akkreditierungsvereinbarung 16Regelmäßig sind Fotografen gehalten, einen sogenannten Akkreditierungsvertragabzuschließen, um Fotos eines Künstlers von seinem Konzert herstellen undveröffentlichen zu können. Nicht selten gibt es Streit über den Inhalt solcherVerträge. Warum Akkreditierungsverträge überhaupt nötig sind, wer in der Drei-ecksbeziehung zwischen Künstler, Veranstalter und Fotograf welche Rechte hatund wie man Streitfragen mit einem ausgewogenen Vertrag begegnen kann, willdieser Aufsatz näher beleuchten. L 5.5 S. 1 42 Kultur & Recht Juni 2008
  2. 2. L Vertragsgestaltungen in den einzelnen Kultursparten L5 Fotografie 1. Einleitung War es nun das Sommerloch, eine geschickt lancierte Kampagne des Künstler- managements nach dem Motto „Nur gar keine Nachrichten sind schlechte Nach- richten“ oder entwickelt sich das Verhältnis zwischen bekannten Künstlern und der Presse tatsächlich in eine Richtung, die – möglicherweise – beiden Parteien nicht zur Ehre gereicht. Zeit jedenfalls, sich einige grundlegende Gedanken zum Thema Bildberichterstattung bei Konzerten zu machen, nachdem Gemüter und Temperaturen sich längst abgekühlt haben. Um die Hintergründe, um die sich die Diskussion in den Medien drehte, in Erin- nerung zu rufen, sei die Situation, so wie sie öffentlich dargestellt wurde, hier noch einmal skizziert: Robbie Williams startete seine groß angelegte Europatournee in Deutsch- land mit einem ersten Konzert in Dresden in den heißesten Tagen des Juli. Interessierten Bildjournalisten, die über das Ereignis berichten wollten, wurde ein Vertrag mit folgenden Klauseln zur Unterschrift vorgelegt1: „1. Die Fotos, die Sie von dem Künstler aufnehmen („die Fotos“), dürfen nur während der ersten drei Titel aufgenommen werden, die der Künstler bei der Veranstaltung darbietet und sie müssen ohne die Verwendung von Blitzlicht her- gestellt werden. Die Fotos sind nur zur einmaligen Veröffentlichung freigegeben, und zwar in der/den nachfolgend bezeichneten Zeitschriften/Ausgabe(n),… 2. Sie übertragen uns hiermit zu Alleineigentum mit umfassender Rechtegewähr- leistung, sämtliche Verwertungsrechte aus Urheber-, Leistungsschutz- und ver- gleichbaren Rechten und deren Verlängerung bzw. Erneuerung, weltweit, die Ihnen an den Fotos zustehen (einschließlich der Übertragung zukünftiger Rech- te), und Sie verpflichten sich, uns die Negative der Fotos umgehend nach Vorlage der Fotos bei der(n) Zeitschrift(en) zu übergeben. Wir sind berechtigt, unsere Rechte aus dieser Verpflichtung uneingeschränkt an Dritte zu übertragen, abzutreten, zu verpfänden, Sublizenzen zu erteilen oder in anderer Weise hierüber zu verfügen, ohne dass es einer Mitteilung an Sie bedarf. 3. Für diese Vereinbarung gilt das Recht von England und Wales, ausschließli- cher Gerichtsstand ist London.“L Diese Vertragsinhalte führten zu heftigen Reaktionen in der Presse und zu Über-5.5 schriften wie „Robbie Williams zensiert Bildjournalisten“2. Die Auseinanderset-S. 2 zung gipfelte in Berichterstattungsabsagen der großen Nachrichtenagenturen dpa, ddp, AP, AFP und publikumswirksamen Äußerungen des SWR, der sich diesem Boykott anschloss und drohte, die Medienpartnerschaft zum Künstler zu kündi- gen3. Das Management von Robbie Williams kündigte daraufhin an, die Fotogra- fenverträge unter Berücksichtigung der Kritik zu überarbeiten4. 42 Kultur & Recht Juni 2008
  3. 3. L Vertragsgestaltungen in den einzelnen KulturspartenL5 FotografiePraktisch zeitgleich starteten die Rolling Stones ihre Deutschlandtournee undgerieten in ein ähnliches Pressefahrwasser. Die Agenturen hatten sich bei denStones offenkundig daran gestoßen, dass die während der Konzerte geschossenenFotos für eine lediglich dreimonatige Nutzung freigegeben werden und jedekommerzielle Auswertung im Merchandising-Bereich ausgeschlossen sein sollte5.Die Einigung, die die Stones offenbar erzielten, beschränkte sich darauf, dass diegrößten Boykotteure, nämlich die Presseagenturen, von der Vertragsunterzeich-nung befreit wurden, die unabhängigen freien Journalisten jedoch weiterhin nurnach Unterschrift unter die unveränderten Verträge akkreditiert wurden6.Probleme, wie die oben geschilderten, sind tatsächlich nicht neu. Auch in derVergangenheit gab es regelmäßig Konzerte, die von Medien oder jedenfalls dengroßen Presseagenturen boykottiert wurden. Lenny Kravitz, Coldplay, JustinTimberlake sind nur einige Beispiele. Ganz aktuell sind wiederum die Fälle KatieMelua und Mark Knopfler, über die die Frankfurter Allgemeine Zeitung am10.04.2008 berichtete. Beide Künstler ließen sich laut FAZ „für immer und ewigund weltweit sämtliche Rechte an den Bildern“, die Fotografen von den Künst-lern machen, abtreten. Die Agenturen ddp und AP haben das Eröffnungskonzertvon Meluas Tournee in Erfurt bereits boykottiert. Solche Auseinandersetzungenstoßen auch international auf Interesse7. Grund genug, mit dem nachfolgendenBeitrag einen Überblick über die widerstreitenden Interessen (Kap. 2und diedarin zum Ausdruck kommenden unterschiedlichen Rechtspositionen (Kap. 1-2)zu geben und sich Gedanken für ein zukünftiges friedliches Miteinander zu ma-chen (Kap. 3). Einen konkreten Vorschlag, wie das aussehen könnte, finden Sieschließlich im Mustervertrag (Kap. 5).2. Die Interessen der BeteiligtenOptimale Künstlervermarktung und Freiheit der Presse – so kann man die sichgegenüber stehenden Positionen schlagwortartig kennzeichnen.- Der Künstler8 ist daran interessiert, dass in den Medien ein möglichst positi- ves Bild von ihm gezeichnet wird. Die Optik wird insofern beeinflusst, als die akkreditierten Fotografen üblicherweise während der ersten Titel eines Kon- zertes den noch frischen und unverbrauchten Künstler aus einer bestimmten Perspektive oder Distanz ablichten dürfen. Natürlich soll auch das Publikum nicht über Gebühr von den Aktivitäten der Fotografen belastet werden. Si- cherheitsaspekte spielen ebenfalls eine Rolle. Das bedeutet nicht selten, dass L die Anzahl der Fotografen auf ein angemessenes Maß beschränkt wird. 5.5 S. 3 42 Kultur & Recht Juni 2008
  4. 4. L Vertragsgestaltungen in den einzelnen Kultursparten L5 Fotografie Im Rahmen einer Tournee ist es darüber hinaus wichtig, den Überraschungs- effekt, den eine bestimmte Bühne oder Konzertinszenierung bietet, für das Publikum in den jeweiligen Tourneestädten aufrecht zu erhalten. Das gilt ins- besondere dann, wenn es sich um eine Welttournee handelt und man vermei- den möchte, dass die Bilder vom Konzert schneller als die Tournee selbst den Erdball umrunden. Das wohl zentrale Interesse dürfte allerdings in der möglichst ungestörten Vermarktung des Künstlers und damit in der exklusiv ihm bzw. seinen Li- zenznehmern vorbehaltenen Verwertung von Fotografien im Wege des Mer- chandisings aller Art liegen. - Das Interesse der Medienvertreter ist es vordringlich, den Beruf des Bildre- porters ungestört und frei von Vorgaben ausüben zu können. Hierzu gehört es, möglichst unkompliziert zum Konzert zugelassen zu wer- den9. Um verwertbare Fotos herstellen zu können, benötigt der Fotograf eine möglichst unbeschränkte Sicht auf die Bühne. Insbesondere für Presseagentu- ren, aber auch für freie Journalisten, mag es auch bedeutsam sein, die einmal gemachten Aufnahmen mehrfach zu verwerten, sei es durch Verkauf an ver- schiedene Zeitungen oder aber auch zu weitergehenden Zwecken, wie bei- spielsweise zur Veröffentlichung in Bildbänden. Möglicherweise wittert der ein oder andere Fotograf auch ein lukratives Geschäft bei der Weitergabe sei- nes Bildmaterials zur anderen gewerblichen Verwertung10. - Diese soeben skizzierten Interessen haben dazu geführt, dass die Akkreditie- rungsbedingungen für Popkonzerte immer detaillierter geworden sind. Die Vermarktung der Person im Bild und mit ihrer Geschichte und ihren Ge- schichten war immer schon wesentlicher wirtschaftlicher Bestandteil des Pro- dukts „Popstar“. Das Bild, das der Popstar von sich in der Öffentlichkeit zeichnet, ist damit unerlässliche Ergänzung zur Musik, die er vorträgt. Beides zusammen führt erst zum Alleinstellungsmerkmal des Stars. Durch immer häufigere und schnellere Verbreitungen von Künstlerportraits auch in nicht-redaktionellem Zusammenhang wächst die Gefahr für den Künstler, erhebliche Nachteile in der Vermarktung seiner Person in Kauf nehmen zu müssen. Diese äußern sich einerseits in nicht-autorisierten Mer- chandisingprodukten, die als Konkurrenz zur eigenen Merchandising-Serie den Künstler wirtschaftlich schädigt. Andererseits stellt auch eine für denL Künstler ungünstige Darstellung in der Presse (in Wort und/oder Bild) eine5.5 Gefahr für seinen Ruf und damit für seine Vermarktungsstrategie dar.S. 4 Für die Presse ist der Popstar ebenfalls ein nicht zu unterschätzender Ver- marktungsfaktor. Ein bekannter Star ist für eine große Leserschaft interessant und erhöht merklich und nachweisbar die Auflage11. Dabei ist die Art der Be- richterstattung im Hinblick auf eine positive oder negative Darstellung für die 42 Kultur & Recht Juni 2008

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