Dr. Susanne Litzel: Mehr als nur Sahnehäubchen

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Dr. Susanne Litzel: Mehr als nur Sahnehäubchen

  1. 1. Finanzierung und Förderung F 3.5 Private KulturförderungMehr als nur SahnehäubchenBeispiele für weniger bekannte Variantenunternehmerischer Kulturförderung Dr. Susanne LitzelVielfach wird der privaten Förderung von Kunst und Kultur unterstellt, sie widme sich vorrangigKulturleistungen mit einem massetauglichen Programm. Dieser Vorwurf hält sich hartnäckig, ob-wohl es ungezählte Beispiele für das Gegenteil gibt. Die nachfolgenden Ausführungen möchteneinen Beitrag leisten zu einer ausgewogeneren Meinungsbildung. Er widmet sich daher bewusstden eher unbekannten Formen unternehmerischer Kulturförderung.Gliederung Seite1. Die eher unbekannten Seiten unternehmerischer Kulturförderung 22. KulturMerkur 33. Arbeitskreis Kultursponsoring 53.1 Zielsetzungen 63.2 Positionen 73.3 Perspektiven 84. „Kultur im Betrieb“ der Beiersdorf AG 95. HypoVereinsbank – Förderer des Nachwuchses in Kunst und Kultur 115.1 „Jugend kulturell“ 115.2 Foyer für junge Kunst 126. Siemens Arts Program 146.1 Kunstsparten 156.2 Weitere Aktionsfelder 16 1
  2. 2. F 3.5 Finanzierung und FörderungPrivate Kulturförderung 1. Die eher unbekannten Seiten unternehmerischer Kulturförderung Deutschland besitzt ca. 6.500 Museen, 130 Kulturorchester und 150 Theater und Opernhäuser und verfügt damit über eine einmalige Kul- turlandschaft. Privatunternehmen können, wollen und sollen hierfür nicht die Rolle der öffentlichen Hand übernehmen. Sie können aber gezielt die staatlichen und kommunalen Leistungen ergänzen.Kleine und mittlere Keineswegs fördern nur große Unternehmen Kunst und Kultur. GanzUnternehmen sind im Gegenteil. Weitaus vielfältiger als das Spektrum an Förderaktivitä-engagierte Kulturförderer ten der Groß-Unternehmen sind die Leistungen kleiner und mittlerer Unternehmen. Zum einen geben sie im Gegensatz zu Groß- Unternehmen seltener Finanzmittel, sondern stellen häufiger Sachmit- tel und Dienstleistungen zur Verfügung. Zum anderen unterstützen sie zahllose kleine Kulturleistungen vor Ort – und tragen somit in allen Regionen erheblich zur Sicherung der kulturellen Vielfalt bei. Allerdings spricht man in der Öffentlichkeit über die kleinen und mitt- leren Unternehmen als Kulturförderer nicht so häufig und ausgiebig wie über die großen. Das liegt sicherlich nicht unwesentlich daran, dass ihnen häufig die Kapazitäten fehlen, um ihr Engagement der inte- ressierten Öffentlichkeit zu präsentieren.KulturMerkur Hamburg Somit ist eine gemeinsame Initiative der Hamburgischen Kulturstif- tung und der Handelskammer Hamburg besonders zu würdigen: Der „KulturMerkur“. Mit ihm wird neben dem verdienstvollen Engage- ment größerer Unternehmen explizit auch das Wirken kleiner Unter- nehmen honoriert (vgl. Kapitel 2).Arbeitskreis Unternehmerisches Kulturengagement sucht aber nicht nur die inte-Kultursponsoring ressierte Öffentlichkeit. Die kulturfördernden Unternehmen wünschen auch den Dialog und Erfahrungsaustausch untereinander. Als ein sol- ches Forum versteht sich der Arbeitskreis Kultursponsoring (AKS), der bundesweit erste Zusammenschluss von Kulturförderern aus der deutschen Wirtschaft (vgl. Kapitel 3). Unabhängig von der Größe eines Unternehmens verdienen Kulturen- gagements Beachtung, die sich durch ein besonderes Profil auszeich- nen. Die HypoVereinsbank, Siemens und Beiersdorf sind Unterneh- men mit maßstabsetzenden Förderprogrammen. Die HypoVereinsbank initiiert eigene Förderprojekte für den künstle- rischen Nachwuchs. Die Siemens AG engagiert sich spartenübergrei- fend vor allem für zeitgenössische Kunst. Beiersdorf sieht in ihren Mitarbeitern eine Kernzielgruppe ihres kulturellen Engagements. Die- se Beispiele werden ab dem Kapitel 4 vorgestellt.2
  3. 3. Finanzierung und Förderung F 3.5 Private Kulturförderung2. KulturMerkurSeit 1999 vergeben die Hamburgische Kulturstiftung und die Han-delskammer Hamburg den „KulturMerkur“, Hamburgs Auszeichnungfür unternehmerische Kulturförderung.Die bisherigen Preisträger waren:Jahr Groß-Unternehmen Kleine und mittlere Unternehmen1999 British American Tobacco (Industrie) GmbH Feldtmann Röhrengroßhandel GmbH & Co KG2000 ExxonMobil Central Europe Holding GmbH Arthur Hinrichs GmbH2001 Montblanc International GmbH Hamburger Feuerkasse Versicherungs-AG2002 Beiersdorf AG Carlsen Verlag GmbH2003 Vereins- und Westbank AG Hotel Wedina2004 Hamburgische Electricitäts-Werke AG Levantehaus Hamburg2005 Hapag-Lloyd AG ondesign2006 Gruner + Jahr AG & Co KG Monika Rahardt PelzeJedes Jahr befindet eine unabhängige Jury über die auszuzeichnendenUnternehmen. Die Juryentscheidung ist nicht anfechtbar. Das kulturel-le Engagement der Unternehmen soll dabei insbesondere den folgen-den Kriterien entsprechen:Innovativer AnsatzDas kulturelle Engagement eines Unternehmens kann auf zweierleiArten innovativ sein: Erstens durch ein Engagement für zeitgenössi-sche Kunst und Kultur und zweitens durch eine neuartige Form derFörderung. Ausgezeichnet werden z. B. die Förderung experimentellerTheaterprojekte, Konzerte moderner Musik oder Ausstellungen mo-derner Kunst. Der KulturMerkur soll mutige Förderentscheidungenbelohnen, bei denen das fördernde Unternehmen nicht auf Gefälligkeitund Publikumseffekt, sondern auf Modernität und hohen künstleri-schen Anspruch setzt.Eine neue Förderart kann zum Beispiel durch intelligente Sachspen- Intelligente Sachspendenden erfolgen. So können Unternehmen mit Sachspenden nach ihren und DienstleistungenMöglichkeiten (z. B. Kommunikationsagenturen pflegen Internetauf-tritt, Hotels übernehmen „Zimmer-Sponsoring“ für Künstler) innova-tiv und unternehmensnah fördern. 3
  4. 4. F 3.5 Finanzierung und FörderungPrivate Kulturförderung Kontinuität des Engagements Der KulturMerkur zeichnet Unternehmen aus, die Kultursponsoring kontinuierlich und über mehrere Jahre betreiben. Beispiele hierfür sind regelmäßig stattfindende Kulturprojekte oder Veranstaltungen oder längerfristige Partnerschaften mit Institutionen oder einzelnen Künstlern. Einzelne oder einmalige Förderungen sind zwar auch lo- benswert, doch schöpfen sie die Möglichkeiten des Sponsorings als Partnerschaft nicht vollständig aus. Verankerung in der Unternehmenskultur Will sich ein Unternehmen einen kulturellen „touch“ geben oder zielt das Engagement auf weiter gehende gegenseitige Nutzeffekte? Wenn Kunst und Kultur nicht nur im Marketing eine große Rolle spielen, sondern fest in das unternehmerische Leitbild integriert sind, ist das ein auszeichnungswürdiger Ansatz im Sinne des KulturMerkur. Eige- ne kulturelle Veranstaltungsreihen, Sonderveranstaltungen, Kooperati- onen, Förderpreise oder ein Leitbild können hierfür Indikatoren sein. Mitarbeitereinbindung Die Wurzeln eines kulturellen Engagements sind umso stärker, je in- tensiver die Mitarbeiter des Unternehmens einbezogen werden. Ver- nissagen, Lesungen, Theaterstücke, Konzerte oder Ausstellungen ex- klusiv oder auch für die Mitarbeiter machen Kulturförderung auch nach innen lohnend. In einigen Unternehmen wird Mitarbeitern die Möglichkeit geboten, sich selbst kulturell zu betätigen. Entsprechend ihren Qualifikationen und Neigungen arbeiten sie an kulturellen Pro- jekten aktiv mit.Beitrag zur aktiven Mit derartigen Aktivitäten tragen Unternehmen einerseits zur aktivenund sinnvollen und sinnvollen Freizeitgestaltung bei, andererseits signalisieren sie dieFreizeitgestaltung Bereitschaft, mehr als das Übliche für ihre Mitarbeiter zu tun. Mitar- beiter profitieren vom kulturellen Engagement des Unternehmens, indem sie Ausstellungen oder Konzerte besuchen oder mit den Künst- lern ins Gespräch kommen. Letztlich wird ihr kulturelles Bewusstsein durch die verschiedenen Veranstaltungen geweckt und geschärft. Konzeptionelle Darlegung Positiv im Sinne der konzeptionellen Darlegung ist für die Jury, wenn Kultur als ein Bereich eines langfristig angelegten Kommunikations- konzeptes gesehen wird, das nach innen und nach außen wirkt. In den Konzepten sollen die Ziele der Kulturförderung festgelegt werden. Nur mit einem glaubwürdigen Konzept für die Kulturförderung wird ein Unternehmen ein berechenbarer Partner für kulturelle Einrichtun- gen. Die partnerschaftliche Zusammenarbeit von Kultur und Wirt- schaft wird umso besser, je stärker das Konzept.4

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