Karsten Schuldt Zählen, Standardisieren, Wettbewerb erzeugen.  Wird die Bildung besser, wenn sie ökonomisiert wird?
Was ist passiert? Bildungsreform seit den 1990ern (Pläne): <ul><li>Internationalisierung als Standardisierung
Herstellen von Vergleichbarkeit
Produktfassung von Bildung
Autonomiezuschreibungen, „Neue Steuerung“ </li><ul><li>Einrichtungen
Individuen </li></ul></ul>
Was ist passiert? <ul>Die Ökonomie bzw. Betriebswirtschaftslehre ist zur Leitdisziplin der Bildungspolitik geworden. <ul><...
Frühes 20. Jahrhundert: Jura, Pädagogik
Mitte 20. Jahrhundert: politische Wissenschaften
1960er-1980er: Soziologie
1990er-: Ökonomie
Weiterentwicklung: offen </li></ul></ul>
Internationalisierung als Standardisierung <ul><li>Internationalisierung wird als internationaler Vergleich aufgefasst </l...
Vergleichbarkeit bedarf vergleichbarer Standards </li></ul>
Herstellen von Vergleichbarkeit <ul><li>Standards: </li><ul><li>Vereinheitlichung als theoretisches Konzept
Lokale und nationale Einwürfe gegen alle aufgestellten Standards (fairer Vergleich)
Rückwirkung der Konzepte auf die Realität
Standards liefern Zahlen, die verglichen werden können </li></ul></ul>
Herstellen von Vergleichbarkeit <ul><li>Diskrepanz zwischen: </li><ul><li>Wissenschaft (Standards als Hilfsmittel)
Politik (Standards als Steuerungsmittel, „ausreichendes Wissen“)
Einrichtungen (Standards als Anforderung und Rahmen) </li><ul><li>Anpassung und Umgehungsversuche </li></ul></ul></ul>
Produktfassung von Bildung <ul><li>Durch Standards werden Bildungsprozesse zu Produkten </li><ul><li>Input-Prozess-Output-...
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Zählen, Standardisieren, Wettbewerb erzeugen. Wird die Bildung besser, wenn sie ökonomisiert wird?

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Vortrag auf der Frühjahrstagung "Zahlen bitte!" des Arbeitskreis kritischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare, 06.-08. Mai 2011 im Renner-Institut (Wien)

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Zählen, Standardisieren, Wettbewerb erzeugen. Wird die Bildung besser, wenn sie ökonomisiert wird?

  1. 1. Karsten Schuldt Zählen, Standardisieren, Wettbewerb erzeugen. Wird die Bildung besser, wenn sie ökonomisiert wird?
  2. 2. Was ist passiert? Bildungsreform seit den 1990ern (Pläne): <ul><li>Internationalisierung als Standardisierung
  3. 3. Herstellen von Vergleichbarkeit
  4. 4. Produktfassung von Bildung
  5. 5. Autonomiezuschreibungen, „Neue Steuerung“ </li><ul><li>Einrichtungen
  6. 6. Individuen </li></ul></ul>
  7. 7. Was ist passiert? <ul>Die Ökonomie bzw. Betriebswirtschaftslehre ist zur Leitdisziplin der Bildungspolitik geworden. <ul><li>19. Jahrhundert: Philosophie, Theologie
  8. 8. Frühes 20. Jahrhundert: Jura, Pädagogik
  9. 9. Mitte 20. Jahrhundert: politische Wissenschaften
  10. 10. 1960er-1980er: Soziologie
  11. 11. 1990er-: Ökonomie
  12. 12. Weiterentwicklung: offen </li></ul></ul>
  13. 13. Internationalisierung als Standardisierung <ul><li>Internationalisierung wird als internationaler Vergleich aufgefasst </li><ul><li>Lokaler und nationaler Raum als Exempel der internationalen Standards </li></ul><li>Wettbewerbsdenken wird eingeführt, obgleich kein Markt vorhanden ist (Quasi-Märkte)
  14. 14. Vergleichbarkeit bedarf vergleichbarer Standards </li></ul>
  15. 15. Herstellen von Vergleichbarkeit <ul><li>Standards: </li><ul><li>Vereinheitlichung als theoretisches Konzept
  16. 16. Lokale und nationale Einwürfe gegen alle aufgestellten Standards (fairer Vergleich)
  17. 17. Rückwirkung der Konzepte auf die Realität
  18. 18. Standards liefern Zahlen, die verglichen werden können </li></ul></ul>
  19. 19. Herstellen von Vergleichbarkeit <ul><li>Diskrepanz zwischen: </li><ul><li>Wissenschaft (Standards als Hilfsmittel)
  20. 20. Politik (Standards als Steuerungsmittel, „ausreichendes Wissen“)
  21. 21. Einrichtungen (Standards als Anforderung und Rahmen) </li><ul><li>Anpassung und Umgehungsversuche </li></ul></ul></ul>
  22. 22. Produktfassung von Bildung <ul><li>Durch Standards werden Bildungsprozesse zu Produkten </li><ul><li>Input-Prozess-Output-Outcome-Modell
  23. 23. Outcome realistisch kaum zu messen
  24. 24. Input realistisch selten feststellbar </li></ul><li>Illusion der Vergleichbarkeit und Steuerbarkeit wird hergestellt (insbesondere für Politik und Öffentlichkeit) </li></ul>
  25. 25. Produktfassung von Bildung <ul><li>Axiom I: Produkte sind vergleichbar
  26. 26. Axiom II: Es lassen sich Kosten und Nutzen direkt bestimmen </li></ul>
  27. 27. „Neue Steuerung“ <ul><li>Verantwortungsübertragung an Bildungseinrichtungen (Autonomie)
  28. 28. Gefordert werden Outcomes, d.h. eigentlich Outputs
  29. 29. Die Einrichtungen sollen sich intern eigenständig organisieren
  30. 30. Gesteuert wird über Input, Output-Kontrolle (Tests, Standards), Beratung </li></ul>
  31. 31. „Neue Steuerung“
  32. 32. Individuelle Anforderungen (I) <ul>Individuen wird (dialektisch) zugestanden und abverlangt <ul><li>Autonomie, d.h. Entscheidungen über Bildungswege
  33. 33. Planung, Evaluation und Durchführung von Bildung im Lebenslauf </li></ul></ul>
  34. 34. Individuelle Anforderungen (II) <ul>Verstärktes Kontrollregiment <ul>für untere Sozialschichten direkt (Agentur für Arbeit / Arbeitsmarktservice, Beratung „bildungsferner Familien“) Indirekt für andere Schichten (Diskurs über Bildung, implizite und explizite Anforderungen) -> Bildung wird zur individuellen Aufgabe -> tatsächlich Unterstützung wird kaum gegeben („Lernkompetenz“, Bildungsberatung, Bildungsfinanzierung, Infrastruktur) </ul></ul>
  35. 35. Individuelle Anforderungen (III) <ul>Effekte: <ul>Bildungsmarkt entsteht <ul>Weiterbildung Shadow Education </ul>Bildung wird als instrumentalisierbar gedacht </ul></ul>
  36. 36. Ist das erfolgreich? <ul><li>Erfolg der Reformen unklar </li><ul><li>Evidenz in alle Richtungen
  37. 37. Ständige Infragestellung der Standards
  38. 38. Einrichtungen suchen sich neue Aufgaben
  39. 39. Grundsätzlich steigt die „Qualität“ aller Einrichtungen </li><ul><li>Qualität steigt in gesellschaftlichen Beziehungen immer, wenn sie gemessen und als bedeutsam verstanden wird
  40. 40. Unklar, ob sich an Standards orientiert wird oder sich die Qualität verbessert </li></ul></ul></ul>
  41. 41. Ist das erfolgreich? <ul><li>Gleichzeitig </li><ul><li>Die soziale Ungleichheit im Bezug auf Bildung nimmt wieder zu
  42. 42. Das wird in der Politik und Öffentlichkeit als Problem anerkannt
  43. 43. Reformdruck, aber auch Möglichkeit zu Experimenten (insbesondere kostenneutral)
  44. 44. Sparzwang, gleichzeitig Entstehen neuer Aufgaben und Institutionen (z.B. Schulsozialarbeit)
  45. 45. Integrativer Unterricht als Ziel </li></ul></ul>
  46. 46. Ist das erfolgreich? <ul><li>Auf neue Anforderungen wird von den Einrichtungen geantwortet (soziale Auseinandersetzung) </li><ul><li>Umgehen mit und Uminterpretieren von Standards
  47. 47. Autonomie als Bedrohung (Bürokratisierung der Einrichtungen) und Chance
  48. 48. Aufstellen eigener Standards, Erheben eigener Evidenzen </li></ul></ul>
  49. 49. Ist das erfolgreich? <ul><li>Kosten für die neuen Systeme immens, Erfolg unklar. </li></ul>
  50. 50. Was sind die Konsequenzen? <ul><li>Einrichtungen begreifen Angebote eher als Produkte
  51. 51. Die Öffentlichkeit übernimmt zumTeil die Wettbewerbs-/Markteinstellung
  52. 52. „Schwache“ Einrichtungen legen Wert darauf, Standards zu erreichen, „Starke“ Einrichtungen legen Wert auf Differenzierung (Besonderheiten) </li></ul>
  53. 53. Was sind die Konsequenzen? <ul><li>Es werden beständig Input-Output-Zusammenhänge gesucht
  54. 54. Messen wird zur alltäglichen Tätigkeit </li></ul>
  55. 55. Bibliotheken? <ul><li>Tendenziell die gleichen Anforderungen </li><ul><li>Standards als vorgebliches Qualitätskriterium
  56. 56. Einrichtungen versuchen, damit umzugehen
  57. 57. Einrichtungen antworten mit eigenen Standards
  58. 58. Quasi-Markt wird postuliert (z.B. BIX)
  59. 59. Steuerung soll über Input-Prozess-Output-Prozesse stattfinden (ständiges Scheitern)
  60. 60. Outcome wird vernachlässigt </li></ul></ul>
  61. 61. Bibliotheken? <ul><li>Eigene Evidenzen formulieren?
  62. 62. Wettbewerbsgedanken problematisieren?
  63. 63. Auf fehlende Nachhaltigkeit von Outputs hinweisen?
  64. 64. Prinzipielle Verweigerung oder reflektiertes Mitmachen? </li></ul>
  65. 65. Dieses Werk steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz. Karsten Schuldt, 2011

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