Strategie der defensiv publikation

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Strategie der defensiv publikation

  1. 1. Dr. Kai Schuch, März 2015 1/4 Die Bedeutung der vorbeugenden Defensiv-Publikation und notariellen Prioritätsverhandlung bei einem wissenschaftlichen Verfahren (Plautus, um 254-184 v.Chr.) Die Kommunikation von Wissen ist die Triebfeder unserer Entwicklungsgeschichte
  2. 2. 2/4 Defensiv-Publikation Kann man geistiges Eigentum, wissenschaftliche Errungenschaften, neue Produkte und eigene theoretische Erkenntnisse im Rahmen von wissenschaftlichen Arbeiten etc. nicht geheim halten, dann ist die frühzeitig nachweisbare Veröffentlichung in einer allgemein gehaltenen Form über eine geeignete Datenbank wichtig. Dadurch wird zeitlich gesichert erkennbar, wer zuerst die Erkenntnisse hatte. Die Inhalte wiederum werden zum beweisbaren Stand der Technik und die Handlungsfreiheit des Wissenschaftlers bleibt wegen des allg. Charakters bewahrt. Diese verteidigende Veröffentlichung von technischem Informationen nennt man Defensiv-Publikation und beugt als Strategie Urheberschafts- und Schutzrechterlangung Dritter vor. Wissenschaftliches Verfahren (extern) In einem wissenschaftlichen Verfahren geht man sehr offen z.B. bei Vorträgen, Kolloquien etc. mit seinem theoretisch erarbeiteten Wissen um, ohne oft genau zu wissen, wer Kenntnis nimmt und welche persönlichen Ziele verfolgt werden. Besonders schwer einschätzbar ist dies bei einem externen wissenschaftlichen Verfahren. Problematisch dabei ist, wenn zeitlich belegbare Vorveröffentlichungen fehlen bzw. auf Grund der Verfahrensart nicht sinnvoll sind oder wenn Ergebnisse in Offen- legungsschriften ohne dauerhafte Identifizierung und zuverlässige Zitierfähigkeit (URN, ISSN…) zusammengefasst werden. Um nun nachhaltig beweisen zu können, dass man die zu Beginn dargestellten Erkenntnisse als Erstes hatte, sollte man diese in einer belegbaren Publikation rechtzeitig in einer unspezifischen Form kurz beschreiben und dadurch schützen. Kein Dritter kann dann mehr ohne einen Verweis auf die Quelle frei darüber publizieren oder Schutzrechte erlangen. Weiterhin hat die Öffentlichkeit einen Anspruch auf die gewonnene Wertschöpfung, deren freie Verwendbarkeit und die Möglichkeit zur Weiterentwicklung, da im Laufe des Verfahrens neben hohen Eigenleistungen vor allem öffentliche Aufwendungen für hervorragende wissen- schaftliche Betreuung und für aufklärende Untersuchungen unter Verwendung von hochwertigen Forschungseinrichtungen eingebracht werden. Dafür ist die Defensiv-Publikation ein ideales Instrument, welches den wesentlichen Vorteil bieten muss, dass niemand ohne das Endergebnis bzw. wissenschaftliche Werk die sehr allgemein gehaltenen und nicht eindeutigen, aber grundlegenden Inhalte verstehen kann. Auf exakte Beschreibungen und Experimente muss bewusst verzichtet werden, wodurch der wertvolle Wissenskern zunächst verborgen bleibt. Die nicht detaillierten und sehr kurz gehaltenen anfänglichen Überlegungen/Thesen sollten aus allgemeinen theoretischen Ableitungen und Modellen stammen, die Grundlage für das eigentliche Werk sind und sich im Laufe des Verfahrens konkretisieren bzw. verifiziert werden. Im Kontext zum Verfahren werden sie auf diese Weise auch publiziert. Der entscheidende Vorteil der Def.-Publikation muss jedoch sein, dass die unspezi- fischen Inhalte und der zusätzliche Nachweis zur Urheberschaft des Werkes innerhalb des externen wissenschaftlichen Verfahrens zeitlich fixiert werden, die Offenlegung aber erst nach Abschluss des Verfahrens und somit konfliktfrei erfolgen kann. Dadurch ist sie eine verzögerte und demzufolge dem „Wissensklau“ vorbeugende Veröffentlichung. Durch welche Art der Defensiv-Publikation sind nun - nachhaltig belegbar - die Vorbeugung und die unspezifische Form zu realisieren?
  3. 3. 3/4 Verlagspublikation und Open Access Publikation Hochschulbibliothek Die Publikation in Zeitschriften, Fachzeitschriften oder auf wissenschaftlichen Online- Datenbanken ist ohne ein hohes Maß an exakter Erkenntniswiedergabe nur schwierig um- und durchzusetzen und/oder auf Grund der Verfahrensart erst nach dem Verfahren beabsichtigt. Diese Publikationsform fordert eine wissenschaftlich korrekte Darstellung und Wiedergabe der technischen Sachverhalte. Dadurch wird das höchste Gut des Urhebers, nämlich das persönliche Wissen und Verständnis, innerhalb des wissenschaftlichen Verfahrens im Kern viel zu früh aufgegeben. Open Access Publikation über amtliche Publikationsdatenbank Die zeitgemäße Alternative ist die frei zugängliche Publikation über eine amtliche und dafür angedachte nicht kommerzielle Online-Publikationsdatenbank, die am einfachsten, zeitlich dauerhaft belegbar und somit am nachhaltigsten zu realisieren ist. Dies erfordert rein formell die Anmeldung eines Patentes, welches erst nach einer gewissen Geheimhaltungszeit der Öffentlichkeit durch eine Offenlegungsschrift zugänglich gemacht werden kann. Wird nach der Veröffentlichung die Anmeldung nicht mehr weiterverfolgt, dann entspricht die jetzt nicht mehr anhängige Offenlegungsschrift mit den allgemein formulierten Thesen einer gewöhnlichen Publikation, welche zu den zitierfähigen Literaturquellen gehört. Der Inhalt wird zum recherchierbaren Stand der Technik und der Anmelder wird als Urheber für das darauf aufbauende Werk im Voraus zeitlich festgehalten. Damit ist beweisbar, dass man zu einem bestimmten Zeitpunkt die Erkenntnisse bereits als Erstes hatte und dass die Inhalte nachträglich nicht verändert wurden. Der wesentliche Vorteil dieser Def.-Publikationsart ist, dass die anfänglich originären Thesen aus theoretischen Erkenntnissen nicht eindeutig, sowie ohne die Darstellung von Versuchen, Berechnungen, Modellen, experimentellen Befunden oder fundierten theoretischen Ableitungen etc. sehr kurz beschrieben werden können. Es können weitere Überlegungen und Möglichkeiten, die über den eigentlichen Wissenskern hinausgehen aber im Rahmen des Themas bleiben, eventuell mit einbezogen werden. Die beschriebene Technologie behält so Ihre Handlungsfreiheiten in denkbaren Randbereichen des eigentlichen Wissenskerns. Der wertvolle Wissenskern zur Erarbeitung des wissenschaftlichen Werkes ist jedoch nicht eindeutig erkennbar bzw. verständlich und dadurch vorbeugend geschützt, obwohl er zum Stand der Technik werden kann. Vorbeugend deswegen, weil diese Art der Defensiv-Publikation den entscheidenden Vorteil bietet, dass nach der Anmeldung nicht gleich die Publikation offengelegt wird und dem Anmelder ein großer zeitlicher Spielraum bleibt, um je nach Verfahrensstand bzw. - ausgang des externen Verfahrens zu entscheiden, ob veröffentlicht wird oder nicht. Das persönliche Wissen ist geschützt, ohne dass man seine Ergebnisse während des Verfahrens zu früh und zu exakt und somit eventuell im Konflikt offenbaren muss. Im Gegensatz dazu basiert z.B. eine kumulative Dissertation auf mehreren Veröffent- lichungen in Fachzeitschriften, was allerdings einer anderen Verfahrensart entspricht. Man kann so innerhalb eines wissenschaftlichen Verfahrens offen mit seinem Wissen umgehen ohne die Gefahr von Wissensklau, Schutzrecht- oder Urheberschaftserlangung durch Dritte
  4. 4. 4/4 Ist das wissenschaftliche Verfahren noch nicht abgeschlossen, besteht die Möglichkeit die Offenlegung der Def.-Publikation zu verhindern und sich über eine Neuanmeldung einen weiteren zeitlichen Spielraum zu sichern, da bei einer zu frühen Def.-Publikation die allg. Inhalte durch Dritte weiterverwertet und dadurch die Wertigkeit der eigenen Endergebnisse bzw. des Werkes herabgesetzt werden könnten. Scheitert das wissenschaftliche Verfahren dann kann man entscheiden, ob veröffentlicht wird oder nicht. Da allerdings Dritte Kenntnis genommen haben und das persönliche Wissen auf Grund des allgemeinen Charakters weiterhin geschützt bleibt, sollte man trotzdem die verteidigende Veröffentlichung anstreben, um einen persönlichen Nutzen durch Dritte auszuschließen und um beweisen zu können, dass man die Erkenntnisse zu einem bestimmten Zeitpunkt bereits als Erster hatte. Bei einem positiven Ausgang des Verfahrens sind die Inhalte durch das Werk und durch die üblichen anschließenden Publikationen in Fachzeitschriften bzw. auf zitierfähigen Online-Publikationsdatenbanken zum Stand der Technik geworden. Dabei ist eine zusätzlich ergänzende und kurz gehaltene Def.-Publikation der allgemeinen Thesen des Urhebers zur dauerhaften Verhinderung von Schutzrechterlangung auf einer dafür vorgesehenen und recherchierbaren Online-Publikationsdatenbank vorteilhaft und opportun. Die Möglichkeit zur Recherche des wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritts wird so zusätzlich erhöht. Eine Defensivpublikation, die nicht einfach gefunden werden kann, ist wertlos, da sie nicht als Stand der Technik anerkannt wird. Diese defensive Publikationsart ist folglich eine weitere Form seine anfangs theoretisch erarbeiteten allgemeine Thesen, die durch das endgültige Werk konkretisiert und verifiziert werden, und somit sein geistiges Eigentum innerhalb des Verfahrens gegen Dritte zu verteidigen. Notarielle Prioritätsverhandlung Neben der Defensiv-Publikation können gesamte wissenschaftliche Werke bzw. Teilabschnitte, die zum endgültigen Werk führen, vorab durch eine Prioritätsverhandlung zusätzlich urheberrechtlich geschützt werden. Bei diesem Verfahren wird das in einem Umschlag verschlossene Werk bei einem Notar unter Dokumentation des Zeitpunktes versiegelt. Nachteil ist, dass die technischen Inhalte verborgen bleiben. Zitierfähige Publikationsformen Dissertation, Master- und Bachelorarbeiten als Printmedien (PPN…) Dissertation auf Online-Publikationsserver Hochschulbibliothek (URN) Vorbeugende Defensivpublikation amtl. Publikationsdatenbank (RN, AN…) (Zusammenfassungen auf Hochschul-Servern) Verlagspublikation + Online-Publikationsserver Hochschulbibliothek (URN, ISSN…) Online-Publikationsserver Hochschulbibliothek (URN) Ergänzende Literatur Stephen Adams, Victoria Henson-Apollonio,“ DEFENSIVE PUBLISHING: A STRATEGY FOR MAINTAINING INTELLECTUAL PROPERTY AS PUBLICGOODS“ International Service for National Agricultural Research, ISSN 1021–2310, 09.2002 Kein Dritter kann aus der Sache und dem Werk einen persönlichen Nutzen (alienis laudibus me orno / Leistung auf Kosten anderer) mehr ziehen

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